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Lei!« sdn bmn Rama 10 Vf»., R«Ka««: di« Zttl« 85 Psg. DlMstag, 6. FebtlMr 1900
___ Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
11 •»»«»» ie«« Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion: Markt 31. — Telephon 65. “**
A^eig« n«hmm entgegen: di« Expedition dieses Blattes, die Annoncen« vireanx von Haasmstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magdr- ns
i»rg, Wien; Rudolf Moss«, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; du. lx$QpTfl.
*. L. Daub« & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris k.
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M See gegenübersteht. Und das bedauern wir «ftichtig.
Die Flottenvorlage und der Bund der Landwirthe.
** Das Verstandviß für die zwingende Noth- nendigkeit einer starke» deutschen Flotte ist erfreulicher Seife ständig im Wachsen begriffen und selbst in km Zirkel Eugen Richter beginnt eS leise zu dämmern. Um so betrübender ist eine Erscheinung kt letzten Zett, die nämlich, daß Einzelne auS dem qrarischen Lager sich bei dieser nationalen Bewegung jätrifdj abseits stellen und am liebste» eine Ab lthvnng der Flottenvorlage sehen würden. U»s wird ch niemand nachsagen wollen, daß wir kein warmes herz für die Roth und die Leiden der Landwirthschaft M»; aber gerade diese Sympathie, die wir für hie Bestrebungen zur Besserung der Lage unserer Landwirthschaft hegen, legt uns auch die Beipflichtung «f, darauf hinzuweise», daß einzelne Gruppen dcS Landes der Landwirthe im Begriffe sind, aus einem nicht völlig zu erklärenden Gefühl der Verbitterung heraus eine» falschen Weg zu betrete». Symptomatisch iß in dieser Beziehung ein Leitartikel der .Deutsch. kageSzeitnng", des offiziellen Organs des .Bundes der Landwirthe". I» diesem Leitartikel schreibt ein Herr H. C. Bock folgendes über die .Flottenvorlage".
e Mw Leserkreis hinauszieheu läßt, zeigt, daß auch sie nicht »guaS« kirnen Herzens der Vermehrung unserer Wehrkraft
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Dadurch, daß die deutsche Reichs- «gieiung beabsichtigt, »e, a to Errährung deS deutschen Volkes durch die vergrößerte -----Motte sicher zu stellen, tat sie die Flottenvorlage ihr.« «tlonalin Cha' alte- s entkleidet und sie zur wirthschasts- Mtischen Streitfrage von größter Bedeutung gemacht. Wit eir er deraitixen Begründung der Floltenvorlage hat He deutsch« Re chSregierung den nationalen Boden verlassen «d sich zu einer gründ- und uferlosen Weltpolitik be- lannt ... Die Begründung der Floltenvorlage läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß die deutsche Reichsregierung eicht beabsichtigt, durch wirthschastlichen Schutz unserer hmdwirtschoftlichenPioduttion ein« derartige Preislage unserer lerdwirtdichaftlichen Eizeugnisse herbeizuführen. die allein ermöglichen kann, die deutsche Landwirthschaft wiederum pr alleinigen Ernäherin de» deutschen Volke» zu machen. Aufgabe der deurschen Reichsregierung wäre es gewesen, in ter Begründung der Flottenvorlage in scharfer Weise gegen auch eon ’6r ausgesprochene Ansicht, die Flotte solle die kutsche Volke ernährung sichern, Stellung zu nehmen. 81 Härte sie weiter durch Thaten bewiesen, daß sie die deutsch« Ugeseh« Landwirthschaft zur alleinigen Ernäherin des deutschen (531 kolk-S wiederum zu wachen gedenke, wozu ihr der Fleisch- teschau-Gesetzentwurf Gelegenheit bot, so hätte sich mit ihr 50 “Äet die Bewilligung der Flottenvorlage verhandeln lasten; ______j imte erscheint die Ablehnung geboten. ... Es handelt sch heute nicht mehr um Flotte und Landwirthschaft, sondern m Flotte oder Landwirthschaft. Unseren Reichboten aber r»s» ich ein Videant consnles zu.
7* * Die Redaktion der „Deutschen Tageszeitung" irkanf» hevtificirt sich mit diesen Auslassungen freilich nicht, giebt sie vielmehr, wie sie sagt, als „Stimumngs- »yi.g D" wieder, aber schon die Thatsache, daß sie die kischauunge» des Herrn Bock unwiderlegt in ihren
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Nachdruck verbot« Der Hochzeitstag.
Romau von H. Palm ö Pahseu, (Fortsetzung.)
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„aber, liebster Onkel, so höre doch," flehte Gisela, „ k» RatheS beide Hände ergreifend und ihn in die — "helle ans Fenster ziehend; „sieh mich an, sieh wie 6 ch glühe 1 ES ist heftig zwischen uns hergegaugeu,
»b ftag nur Irma, was die Schlechte alles von mir zu
ontz höre» bekommen hat. ES ist von mir garnichts ver-
weirädL^e» worden. Und von Entschlüpfen kann garnicht ibkarM lie siebe fein! Im Gegentheil, sie will den Spieß clwaaztz «»drehe», — deal' nur, sie will u»s verklage» wegen ;enfilie» Äscher Anschuldigung, — doch ei» Zeichen, daß sie I« anonymen Brief wttklich nicht geschriebe» hat. rwtto lieg andere mußte sie ja hinnehmen und that es schied«»«. Jima stand ja als meine Zeugin vor ihr. (6S» ^sonst gerieth sie zuletzt nicht in den furchtbaren aße 1^«ühauSbruch. Nein, so etwas von Leidenschafti
r fühl' meine Hände, noch find sie kalt und zittrig, »he *lB mir ward Angst und bange vor ihr. UebrigenS, Itantt ?8?£l- ich kann Dich jetzt über vieler aufkläreu — h wirst erstaunt sein. Weißt Dn, warum sie so g I hlecht an wir gehandelt, intriguiert u»d verleumdet -—Ü —?" Gisela ließ die Anne finken und stellte ttt •* 4 abgewandten Gesichtes anS Fenster, .sie that tiittrt I um Ulrichs willen, — sie hat eine Leidenschaft >d k ih», sie —ihre Augen füllten sich mit Thränen, (706 «b stockend, mit weicher, wie gebrochener Stimme ÜI. tzte ste hinzu: „Sie lachte über meine Liebe und s Hute sie ein laues Gefühl. Onkel, kau» man s»
la, wie ich» gethan, — totmt —"
Zunächst einige Worte über das von Herrn Bock Gesagte. Man kann sich ihm gegenüber kurz fassen. Seine Einwendungen erledigen sich von selbst, den» iu der Begründung der Flottenvorlage steht kein W o r t von dem, was Herr Bock angeblich aus ihr he: ausgelesen hab n will. Der Zweck der Flottenvorlage toiib vielmehr sofort im eisten Satz der Begründung wie folgt bezeichnet: „Für das heutige Deutsche Reich ist die Sicherung seiner wirthschaft- lichen Entwicklung, im Besonderen seines Welthandels, eine Lebensfrage. Zu diesem Zwecke braucht daS deutsche Reich nicht nur Frieden auf dem Lande, sondern auch Frieden zur See". Auf die Streitfrage, ob Deutschlands Landwirthschaft die Ernährung des deutschen Volkes unter alle» Umstände» gewährleisten kann, ist die Regierung weder hier noch an anderen Stellen der Begründung eingegangen; es fällt also die Voraussetzung zu ben Auslassungen des Herr» Bock und damit diese selbst. Nicht die Regierung, sonder» Herr Bock entkleidet daher die Flottenfrage ihres nationale» Charakters und macht sie zu einer wir« hschostspolitische» Stteitfrage. Und er begeht damit denselben Fehler, der umgekehrt von anderer Seite gemacht wurde, als man die Kanalftage aus einer wirthschastlichen zu einer nationale» umzu stempel» versuchte.
Herr Bock hätte wahrlich besser daran gethan, die Flottenftage das fein zu lassen, was sie in Wirklichkeit ist, eine Frage unserer Wehrkraft. Auf keinen Fall aber durste das ckfficielle Organ des Bundes der Landwirthe seine Ausführungen ohne Widerspruch abdrucken. Gewiß hat die Landwirthschaft keinen unmittelbare» Vortheil von der Flottenvermehrung, gewiß werden Handel und Industrie zuerst die fegens- reichen Folgen der Flotteuvermehrung spüren, seit wann aber bettochtet man Fragen unserer Wehrkraft von solchen Gesichts punsten aus?
In solchen Fragen müssen nun einmal immer einzelne Stände im Interesse der ganze» Nation Opfer bringen. Bringt die Landwirthschaft sie in diesem Falle, dann wird sie von der Regierung mit um so größeren Rechte verlangen können, daß bei der demnächstige» Erneuerung der Handelsverträge auch ihrer gebührend gedacht wird. Dabei kommen wir zu einem Grunde, der — abgesehen von rein nationalen Gesichtspunkte» — dem Bunde der Landwirthe ein entschiedenes Eintreten für die Vorlage zur Pflicht mache» müßte, und er ist rein tattischer Natur. Der Bund der Landwirthe hat die Aufgabe in allen Parteien das Interesse und das Ver- ständniß für die Nothlage der Landwirthschaft zu erwecken. Diese Aufgabe hat er bisher in hervorragender Weise erfüllt. Die Ueberzeugung von der Bedeutung der Landwirthschaft und der Nothwendig- kett, ihr zu helfen, ist stettg gewachsen und man durfte die Hoffnung hegen, daß die ausschlaggebenden Parteien willig ihre Hand daz» bieten würden, nm der Landwirthschaft bet den Handelsverttägen zu ihrem Rechte zu verhelfe». Glaubt der Bund der Land-
„Herr Rath," ertönte plötzlich Ulrichs sonderbar wankende, fast heiser klingende Stimme auS dem Hintergrund, „ich möchte mich verabschiede» — ich habe unaufschiebbare Gänge zu erledigen."
Er trat einen Schritt vor, neigte grüßend seinen Soff gegen Gisela, die sich erschreckt mit einer blitzartigen Bewegung ins Zimmer gewandt, und reichte dem Rathe die Hand.
<. „ 8 Verabschiedung lag indessen ganz außer s
dessen Wunsch und Berechnung. Der eine wie die andere, beide mußte», eS mochte koste», was eS wolle, hier festgehalte», in dieser Stunde an dies Zimmer und unter feine Augen gebannt werden. Es hing zu viel davon ab. Denn nicht leicht und auch nicht unter solch natürlichen und uubefangenm Umstände» konnte eine Begegnung, vielleicht auch eine entscheidende Aussprache wieder stattfiuden.
So sagte er denn in seiner ruhigen bestimmten Art: Mem lieber Baron, verzeihen Sie, wenn ich Ihren Wunsch durchkreuze. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung giebt es für uns alle augenblicklich nichts wichttgeres, als die Erledigung des Falles Heldhaufen. Abgesehen davon, — liebe Gisela" unterbrach er sich, „auch Dich muß ich bitten noch etwas hier zu verweilen —"
„Ich habe nichts mehr zu erzähle», Onkel," erklärte Gisela leise, gepreßte» ToueS.
Sie stand mit gesenktem Haupte und niedergeschlagene» Auge» in der Mitte deS Zimmer», im Begriff, sich der Thür zuzuwenden.
„Darin ttrst Du Dich. Du bist mir jetzt, da Du mir die ganze Sache, — verzeih de» etwas herbe», aber zntresseude» Ausdruck — die ganze Sache ver-
wirthe etwa, daß er diese Aufgabe auch fernerhin so erfolgreich zu löse» im Staude sein toirb, wen» er durch sein Verhalten i» einer nationalen Frage die grundsätzliche Oppofition stärkt? SEBtr sehe» schon j'tzt, daß die „Freisinnige Zeitung" und der „Vorwärts" mit behaglichem Schmunzeln von dem „Stimmungsbild" in der „Deutschen Tageszeitung" Notiz nehmen. Das sollte doch ben Herren vom Bunde die Augen öffnen.
Umschau.
Die gesetzliche Festlegung der Flottenverstärkung.
* Wie bei dem Flottevgesetz des Jahres 1898, so hält auch jetzt die Regierung die gesetzliche Festlegung der Stärke und Organisation der Marine für nothwendig. Es sprechen in der That schlagende Grüvde dafür. Wen» nicht der feste Wille», die Flotte zu schaffen, zum zweifellosen Ausdruck gelangt, erwachsen der Durchführung des große» Planes sowohl auf personellem als auch auf materiellem Gebiet erhebliche Schwierigkeiten. Nur wenn für die Durchführung des Planes eine sichere (Barantie gegeben ist, ist dauernd auf die Betheiligung einer größeren Anzahl leistungsfähiger Bettiebe am Baue der Flotte zu rechnen, da um bann das erforderliche Kapital in kostspielige» Anlage« zum Baue von Kriegsschiffen angelegt wird. Nur dadurch aber, daß die Marine nicht auf ganz wenige große Unternehmungen beschränkt ist, wird eine gesunde Konkurrenz ermöglicht. Nur wen» eine weitere Entwickelung der Marine gesetzlich sichergestillt wird, ist der Andrang von Seekadetten, Schiffsjungen und Freiwilligen, d. h. von solchen Personen, die den Mmiuedienst als Lebens- beruf wählen, ei» ausreichender. Nur bei gesetzlicher Festlegung des Zieles ist der innere Ausbau der Marine sowie im Besondere« die Erwetterung der Werft- und Hofenanlage» von voruherein dem spätere» Bedürfnisse richtig anzvpassen.
Aber auch im Interesse des Ansehens des deutschen Namens im Auslande wäre ein einmüthiger Beschluß des Bundesrarhs und des Reichstags, die Kriegsflotte zu verdoppel», zu wünschen und zu erstreben.
Manches ist gegen die gesetzliche Festlegung der Vermehrung eingewendet worden, doch halten diese Einwendungen einer ernsteren Prüfung nicht Stand. Der Haupteinwand ist der, gerade da» Flottevgesetz hätte den Beweis geliefert, daß sich die Sollstärke einer Marine, b. h. das Ziel der Entwickelung, zu einer gesetzliche» Festlegung nicht eigne, man dürfe daher denselben Fehler nicht »och einmal begehen. Dieser Einwand ist nur durch eine nicht zutreffende Auffassung deS Flottengesetzes erklärlich. Letzteres besteht auS zwei Theile», einem Theile von dauernder Sültigkeit, welcher in ben früheren Reichstags- Verhandlungen als „Aeternst" bezeichnet wurde, und einem Theile von nur vorübergehender Be-
pfuscht hast durchaus »och Erklärungen schuldig, mir und dem Bar»» v. d. Lüde, der das erste Wort in der Sache zu spreche» hat. Laßt uns dieselbe in Zusammenhang und ruhiger Folge durchgehen und ermessen, wa» jetzt zu thu» ist".
Utb nun begann bet Rath ein regelrechtes nnb, wie er selbst sehr wohl wußte, unbenöthigtes Verhör, währenb beffe» er Zeit und Ueberlegung gewann, bas Gespräch a»f ein Gebiet zu lenken, da» vo» Asta fort in bie Seelenkammer biefer beiden, durch Lug und Trug sich entfiembeten Menschenkinder führen sollte.
Keine, nicht die schwerste juristische Aufgabe war ihm in seiner langjährigen AmtsprariS so schwierig nnd heikel erschiene« als diese, den« das arme, gequälte Kind dauerte ih», und auch wohl ein anderer.
Ulrich hatte seine» Platz gewechselt, sich auS Fenster gestellt, um die Befragte durch seinen Anblick nicht noch mehr zu verwirre«.
Der Rath richtete die jeweilige Frage »ach Kräften berort ein, daß zur Verständigung ein kurzes Ja nnb Nein genügte. Als letztes wollte er wisse», wieviel Zett zwischen der Szene auf der Oberförsterei uvd Gisela» Erscheine» hn Zimmer hier verstrichen sei.
„Etwa zwei Stunde», — ja?" fragte er.
Gisela bejahte.
„Hm, hm, — möglich wärS doch «och, die Person anzutreffen," bemerkte er, sich an ben Baron wendend. „Wollen wir den Versuch daz« machen, lieber Baron?"
Er rechnete bei dieser Frage mit aller Bestimmtheit auf eine Lerneinung rmd inte sich auch nicht.
deutung, welcher den Namen „Sexevvat" erhielt Der erste Thiil ist der wesentliche. Er regelt die Stärke und Organisation der Flotte, den Ersatzbau, die Jndiensthaltungen und den Personalbestand An diesem wesentlichen Theile, dem „Aeternat", sollen durch daS neue Gesetz die Stärke und als noih» wendige Folge davon auch bie Bestimmungen über Jndiensthaltunge» erweitert werden. Die übrigen Bestimmungen bes Flottengesetzes werden hierdurch nicht berührt. Der zweite Theil des Flottengesetzes, das sogenannte „Sexenrat", hatte lediglich den Zweck, eine Frist für die Erreichung des gesetzlichen Schiff»- bestandeS, nicht etwa auch für die Durchführung vo» Ersatzbauten gesetzlich festzusetzen, den» die Ersatz- bauteu laufe» in ununterbrochener Reihe weiter, auch über das Sexeunat hinaus.
Bei de« Reichstagsverhandlungen über das Flottevgesetz stieß die gesetzliche Festlegung einer BeschaffungSfrist für den SchiffSbestand aus etatS« rechtliche» Bedenken bei Weitem auf die meisten Schwierigkeiten. Dies hatte zur Folge, daß das eigentliche Wesen de» Flottengesetzes in den Hintergrund trat und die gesetzliche Festlegung einer Beschaffungsfrist für den Sollbestand, d. h. derjenige Theil, der nach Bewilligung des Etats von 1900 sicher gestellt und dadurch gegenstandslos geworden ist, dem Gesetz in der öffentlichen Meinung seinen Charakter und den Name« des Sexeunat verlieh. I« Folge der damaligen Schwierigkeüen und in Anerkennung der Thatsache, daß es etwas bedenkliche» hat, für einen Plan, zu dessen Durchführung ein so langer Zeitraum erforderlich ist, eine AusführungS- frist gesetzlich festznlege», haben die verbündeten Regiernngeu geglaubt, hiervon Abstand nehme» zu sollen und sich lediglich auf bie gesetzliche Festlegung de» Zieles, b. h. der in Aussicht genommene» Vermehrung der Marine und der dadurch bedingten Jndiensthattungen beschränkt.
Zehn Jahre Socialpolitik.
Zeh» Jahre find am gestrige» Sonntag seit der Unterzeichnung der sogenannten Februarerlasse Kaiser Wilhelms II. verflossen, eine verhältnißmäßig kurze Zett, und doch find seitdem in der Fürsorge für die Arbeiter die mannigfachste» und einschneidendsten Maßregeln auf Grund dieser Erlasse vorgenommen. In erster Linie waren sie dazu bestimmt, de» Arbeiterschutz zu erweitern. Es ist ein Sport der demo- kratischen Presse, vo» Zeit zu Zeit zu behaupte», daß in der Socialpolitik und namentlich auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes nicht» geschehe, und doch ist seit 1890 kein Jahr verflossen, in welchem nicht an der Ausdehnung des Arbeiterschutzes gearbeitet ist. Die umfassendste Neuregelung auf diesem Gebiete ist in der Gewerbeorduungsnovelle vom 1. Juni 1891 enthalten, in ihr wurde eine Fülle von neuen Maßnahmen geschaffen, die in ihrer Gesammthett weit über den Rahmen der Forderungen der Arbeiterfürsorge
Ulrich lehnte plötzlich jede Einmischung seinerseits für ben Augenblick mit ber Bitte ab, ber Rath möge gütigst statt seiner bestimmen.
Nun entschieb sich biefer selbstredend für da» Bleiben. Brannte ihm auch sozusagen da» Feuer unter ben Sohlen, brängte es ihn auch, in seiner jugendliche» Rüstigkeit fortzustürmen und bie Sünderin zu stellen, — er blieb I
Der Rath fuhr fort: „Ich habe nämlich alles da», was mit der Einleitung ber — hm, hm," bet Rath räusperte sich anhaltend — „der Scheidungsklage zusammenhängt, geordnet, und beabsichtige nun, die Papiere dem Gerichte einzureichen. Bi» ich auch nicht die amtliche Persönlichkett, der es obliegt, bei den Eheleuten den vorgeschriebenen Bersöhnuugsver- such zu machen, so möchte ich mir, wenn auch unbe- fugtet Weise, dies frembe Recht aneignen, ehe bet Sache Folge gegeben wird, weil, — nun, weil ich ben beiden Eheleuten herzlich zugetha» bin und die Meinung hege, daß, hm, hm" — ber Rath bekam wieber einen Hustenanfall unb blickte über die vorgehaltene Hand Gisela mit einem zürnenden Blicke an — die Meinnng hege," wiederholte et, „daß die schuldige Hälfte, — Du, Gisela," er stieß ben Namen heftig hervor und brachte ben Satz vor lauter Aerger nnb Zorn nicht zu Enbe.
„Bist Du so stolz nnb trotzig, daß Du nicht ein einziges, kleines, btttendes Wörtchen über bie Lippen bringen kannst, um Dir Ulrich» Verzeihung zu erflehen," tief et völlig übermannt von dem in ihm gährenben Aerger über ihre Verschlossenheit.
(Fortsetzung folgt.)