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Ne neue Sanaleerlage, die durch die „Nord-
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schnsüchtig und zuversichtlich dem Evtjatzheere ent»
üitchener eine neue Zeit hereinbrechen würde, hat pauem Pessimismus Platz gemacht. Und er ist im
Tagci- Bor.
itligu,» । and ncke.
Vorlage im Reichstage abgelehnt werde und eine Auflösung erfolgen könnte. Man rechnet darum peinlich die Stimmen zusammen, die für die Vorlage jetzt schon sicher find und weist darauf hin, daß noch etwa 40 Centrumsstimmen nöthig seien, um die Flotten- vermehrung durchzubringeu. Wird es gelingen, diese Stimmen zu erlangen? Das ist die bange Frage, die den Freisinn bewegt; denn selber will man .unentwegt" bleiben und in das alte OpposttionSprineip kein Loch machen. Da scheint nun der Abgeordnete Schmidt-Elberfeld auf einen genialen Gedanken verfallen zu sein. Die „Deutsche Reichszeitnng", ein CentrumSorgan, berichtet darüber folgendes:
„UnS ist zuverlässig bekannt, daß der Abg. Schmidt Mitgliedern anderer Parteien, die man der Flottenvorlage für nicht geneigt hält, klar zu machen suchte, daß es sich empfehle, für die Vorlage zu stimmen. Auf die Einwendung eines Angeredeten, warum denn er, Schmidt, und feine Partei nicht für die Vorlage einträte», meinte dieser, das könnten ste nicht wegen ihrer programmatischen Stellungnahme in dieser Frage. Dieses Vorgehen des Abg. Schmidt, den wir sonst hochschätzen, erklärt fich vielleicht aus einer kleinen menschlichen Schwäche. Herr Schmidt ist bekanntlich im Reichstag zweiter Vicepräfident. Allem Anschein nach fürchtet er im Falle der Ablehnung der Flottevoorlage eine Auflösung des Reichstags und damit den Verlust seiner Präfidialstellung, oder gar bei Neuwahlen eine Gefährdung seines Mandats. Eine solche kleine Schwäche kann man ja verstehen, aber wir glauben doch, daß es besser wäre, wenn Herr Schmidt zur Abwendung des von ihm gefürchteten Malheurs nicht an erster Stelle andere Parteien in Anspruch zu nehmen suchte".
Die Auslassung der „Reichszeitung" legt auch Zeugniß dafür ab, daß eine ReichStagSanflösuug eine Flottenmehl heit ergeben würde.
gaben im Betrage von 900 Millionen Francs. Wie immer bei Fragen der Wehrkraft regt fich gegen diese Vorlage nirgends eine Opposition.
AuS den Vereinigten Staaten ist zu melden, daß der Antrag, die Diskussion über den Samoa-Vertrag nochmals zu eröffnen, abgelehnt worden ist. Damit hat der Vertrag feine Genehmigung gefunden. Zu erwähnen ist sonst nur, daß zwischen Italien und der Türkei ein kleiner Zwischenfall, einer Italienerin wegen, die in einen Harem gebracht werden sollte, vorgekommen ist. Die Angelegenheit ist ober bereits beigelegt.
> Trübe Zeiten hat jetzt England durchzu- «achen. Seit die letzte Hoffnung auf die Entsetzung w» Ladysmith — die ruhmredigen Aeußeruugen Lullers kann man ja nicht ernst nehmen — bei der llatastrophe am Spionskop begraben worden ist, fängt
Samoa.
In Zuschriften aus Apia wird die Ueberzengnng ausgesprochen, daß die völlige Ausführung deS Samoa-Abkommens vom November, d. h. der Neber- gang der Hauptiuseln in den deutschen Besitz wohl lange auf fich warten lassen werde. Darin befindet «an fich aber in einet Täuschung. Nach wiederholten Erklärungen von zuständiger Seite zweifelt mau nicht, daß das Abkommen noch im Monat Februar zum Abschluffe kommen wird, vielleicht schon in 14 Tagen. Die einzelnen Stadien werden fich rasch abwickeln. Neber die Persönlichkeit des Gouverneurs ist sicherem Vernehmen nach noch kein Beschluß gefaßt, doch kann es nicht als unwahrscheinlich gelten, daß ein Marine-Offizier dazu aus ersehen wird. Zunächst wird die Geschäfte der bisherige Präfident der Munizipalität Dr. ©elf führen.
p>ht auf ollen den Kriegsschauplätzen Albion da, in erzwungener Unthätigkeit und eS muß froh fein, daß die Buien das Geheimniß einer offensiven Aus nutzurg eines in der Defensive errungenen Siege» nicht kernen. Würden sie dasselbe beherrschen, dann wäre wohl schon längst Südafrika mit eisernem Besen ge'äubert und die englischen stolz-n Armeen wären iuS Meer geworfen. Wird England nun Frieden schließen? Hie und da tauchen derartige Gerüchte auf; aber ihnen wird widersprochen. Noch einmal scheinen fie das Kriegsglück versuchen zu wollen. Ob daS klug ist, ist eine Frage, die wir nicht zu entscheiden brauchen. Aber wenn der Versuch fehlschlägt, daun erhält daS Ansehen Englands, das jetzt schon stark geschwächt ist, den Todesstoß.
Die Regierung Hot auch ohnedies schon einen recht schwierigen Stand. Die Kammern find eröffnet worden und die Angriffe auf das Ministerium haben begonnen. Wird fich SaliSkury Chamberlain teilen können ? Danach sieht der Bei lauf der ersten Verhandlungen nicht aus, freilich auch nicht nach einem neuen Ministerium, daS den Muth fände, so- foe t dem vlutvergieße« in Afrika ein Ende zu machen und eine energische Reform der englischen Heerwesens in die Wege zu leiten. So wird wohl Rosebery den Seffel deS Ninisterpräfidenten besteigen, aber mit ihm wird nicht eine neue, aussichtsreiche Epoche Heraufziehen. De» Frieden wird jedoch England theurer erkaufe» müsse», al» er jetzt zu habe» wäre.
Die Ereigniffe drängen aber förmlich England dazu, j-tzt schon von dem südafrikanischen Problem seine Hände zurückzuziehen. Die Palastrevolution in Peking, bei welcher der Schattenkaiser Kwaug-su wahrscheinlich ermordet wurde, eröffnet für England nicht gerade erfreuliche Ausfichten. Kwang.su war sehr englaudfrenndlich »nd wenn die Kaiserin-Wittwe jetzt die Zeit für eine» Thronwechsel für gekommen hält, so bedeutet dar eben dar Ende aller Be strebungen der durch de» Kaiser unterstützte» Reform- Partei und damit eine Verschiebung der Macht- verhältuisse zum Nachtheil Englands und zum Vortheil Rußlands. Denn wen» fich auch in London die Liiy-Blätter mit de« Glaube» trösten, daß die Kaiftrin-Wittwe europäerfeindlich, nicht aber england- feindlich fei, f» ist da« ein recht billiger Trost. Die Zukunft wird zeige», daß Rußland de» Vortheil aus der jetzige» Situation zieht.
Frankreich hat feine ErgänzungSwähle» zum Senat gehabt. Sie haben unter dem Einfluß der nahende» Weftausßellung gestanden, die Ruhe um jeden Preis verlangt. So find die Nationalisten fast durchweg unterlege» — General Mercier macht übrigen« eine Ausnahme — und dar Ministerium hat alle Chance», die Weltausstellung »och zu erleben. U»r soll es recht fei». Frankreich hat übrigens jetzt auch feine Flottenvorlage. Dieselben fordert AuS-
moh in London an, recht trübe in die Welt zu sehe». Mis.^rie Meinung, an die man fich mit dem Reste deS alten Dünkels und Hochmuths augeklammert hatte, daß mit der Ankunft der Generäle Robert« und
Umschau.
Kaiserlicher Dankerlaß.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgenden kaiserlichen Erlaß:
Unter dem schmerzlichen Eindruck deS Hinscheidens Ihrer Hoheit der Fran Herzogin Friedrich zu Schleswig - Holstein, der Erlauchten Mutter Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, habe Ich Meinen diesjährigen Geburtstag mit wehmülhigen Empfindungen begangen. Die Trauer um die hohe Entschlafene bannte die sonstige Festesfteude in Meinem Hause. Um so lauter aber drangen zu Meinem Herzen die zahlreichen Kundgebungen, welche Mir mit der Theilnahme an dem schweren Verluste treue Segenswünsche z» dem Eintritt in ein neues Lebensjahr von nah und fern zum Ausdruck brachten. Wahrhaft erhebend war es für Mich, anS den mannigfachen Zuschriften und Telegrammen z» ersehen, welch lebhaften Widerhall Freude und Leid Meines Hauses in dem Herzen deS deutschen Volks finden und mit welch freundlichen Gefinnuuge» Meiner an diesem Tage gedacht ist. Selbst in fernen Welt!heilen, wo nur immer Pionfte deutscher Kulmr und Gesittung Fuß gefaßt habe», habe» die Deutschen fich vereint, um Zeugniß von dem Gefühl ihrer Zusammengehörigkeit mit der Heimath und ihrer Freude über daS wachsende Amehen des deutschen NamenS im AuS- lande abzulegen. Mit besonderer Befttedigung bin Ich in den Kundgebungen dem Verständniß für die dringende Nothwendigkeit begegnet, eine der Weltstellung deS Deutsche» Reichs und feinen HandelS- inteteffen entsprechende Flotte zu schaffen unb habe Ich die vielfachen Berfichernnge» treuer Mitarbeit an dieser große» nationale» Aufgabe mit herzlicher Freude entgegengenommen. Alle» aber, welche Mir zu Meinem Geburtstage fteundliche Wünsche und Aufmerksamkeiten gespendet habe», gebe Ich hiermft Meinen wärmste» Dank zu erkenne».
Die Flotten-Nöte bei Freisinns.
Mit Bangen beute» die „unentwegten" Freisinnigen unb Demokraten daran, daß die Flotten-
Wochenschau.
** Die politischen Eröitcrungen stehen zur Zeit W Zeichen der F l o tt e» v o r l a g e. Hie Flotten itnnbe — hie Flottengegrer l so schallt der Schlacht- pf und ihm folgend grnppire» sich eilends die |to feien zu dem Kcmpfe, der in der nächsten Woche «innen soll. Mit großer Zuversicht scheine» die lege« einer starken deutschen Seemacht nicht in den towpf »u ziehe». Die Herre» von der Socialdemo tttie und dem unentwegten Freisinn suchen zwar as zu verbergen, indem fie mit Verdächtigungen um ich werfen und an der Vorloge lein gutes Haar essen, fie gleichen aber dabei sine» Leuten, die sich rnch Schreie» erst Muth mache» müsse». Zum Er- hrecken sieht ja auch der Freifin« nicht aud; wenn Oft Eugen Richter nur mit Mühe die Rebellion in
GchchoüN täglich außer en ®«dtag«n noch k»mk- ob Feiertagen. *MCT fv/t Aryeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-
OorMS-AmmnementS-Prei« bei der Erpedition S Mk., bei allen U Bnreanx von Haasenstein & Bögler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde»
»M«tern 2,25 Mk. (eM-Bestellgeld). Znferti»n«,ebühr: die ae- ~ ~ dura, Wien: Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln;
spalte« Zelle oder deren Raum 10 Pfg., RSoeen die Zeile 25 Pfg. S0NNtHg, 4 €0111(11 1900. «. L. Danse & So., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris x.
Wen Reihen der Seim» unterdrücken kau», bann man fich benke», daß die Waflerstiefler kaum Mnderlich eifrige Kämpfer gegl» die Vorlage liefern Wurden. ES ist aber auch wirklich an der Zeit, daß Wer Freifin» Richter'scher Observanz, die konser- Mwtivste Partei, sich bemüht, Frage» vaterländischer ^Wvehrkraft gegenüber eine« etwas weitere» Blick fich Bäl «zugewöhve». Bis zu einem gewissen Grade ist M schon möglich.
VMH, Die Flottenfrage hat, obwohl bei ihrer Erörterung vf. Dt irgend ein »euer Gesichtspunkt nicht her vorgebracht »mden ist, so ausschließlich da« wenige Inten sie, rtätlH Wt der Transvaal krieg noch für innerpolitische re Be W« übrig läßt, absorbirt, daß i» Preuße» selbst
ie» sch« Datsche Allgemeine Zeitung" bekannt geworden ist, itta veuig Beachtung gefunden hat. Und doch bedeutet in ihre demnächsttge Einbringung für Preußen den
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
E*1** «gottu. " K"to* Jllustrirtes Sonntagsblatt.
Wensah, ist »ach wie vor mti einem eiserne» Ringe XtllP »schlossen, der sich nicht sprengen läßt. Ohnmächtig
»ollen Umfange berechtigt. Wie ist denn die Lage? Lord Methuen fitzt am Modderfluß »ach wie vor sch, den Generälen Gatacre und French geht es im JI 5 Aipland nicht besser unb nun wirb auch dem Haupt- " Heer ein Halt entgegengerufen. Ladysmith, daS schon
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ckwich und fich an Irmas Seite stellte. Trotzdem
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Astas Gesicht nahm einen so höhnische» verzerrte»
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Nachdruck verboten
Der Hochzeitstag.
Jtatan von H. Palm« Papsen, (Fortfchmrg.)
fie ihre Beherrschung anftecht unb sagte in erben Ton:
„Nur eins weiß ich nicht unb kannS nicht fasse», mm vo» Heldhaufen, warum — warum haben Sie Arich »nd mir dies Weh bereitet? Warum suchte» Eie mich von ihm zu trenne», da er doch schon mein -1*« — da Sie meine Liebe zu ihm erkannte», meinen bchmcrz um seine» Verlust? Warum haudelten Sie N schlecht, so niedrig an uns?"
1900, >r ederers. nd.
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f hnd »Wehe Ihm», wenn Sie wir nochmal« zu nahe ' treten I Nicht umsonst haben Sie mich auf- .... »stachelt. Sir sollen, Sie werde» büße». Wer an» fiAnret Etkt, muß beweise». Beweise» Sie mir die Ur-
1 ” Heberschaft des Briefes. Statt, daß sie mich — werde 4 Sie anklagen 1 Wollen sehe», was die Weisheit 3hrer Graphologen vor Gericht gilt 1 Sie werde»
SHU- itlei! toll-
ecke!
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M-trr PCI» ,
„Ha!" lachte Ast« hohnvoll auf. „Sie spreche» Liebe, Schmerz unb Verlust l Da» find in Ärem Munde je nur leere Worte, Schall und Klang, ^ster nicht». Wo echte Liebe ist, da finde» Angst r»d Fmcht keinen Platz. Neben der wahre» Liebe dht unerschütterliches Verträum. 6i» Blatt Papier, * paar nichtige Worte genügten Ihne», e» ins Kante» zu bringe». Da« winzige, laue Gefühl i» Hier Brust, dem Sie de» Name» Liebe gebe», hat ,icht die schwächste Probe bestauben. Sprechen Sie
mir nicht von Schmerz unb Verlust I — Sie — Sie, mit Ihrem kühle», berechvendm, wägende» Gedanken, mit Ihrem Herzen ohne Blut und Wärme, Eie wollen wissen, was Liebe ist? Da schonen Sie mir in die Seele! Ich weiß, wa» Liebe, Schmerz und Verlust ist, — ich weiß eil Hier innen, in «einer zerrissenen Brust, da steht mit Blut geschrieben, was ich mit ßummem lächelndem Munde gelitten, alle die Jahre hindurch, da ich ihn für mich nicht gewinne», erwärme» ko»»ie. Sie große Thöri», die Sie iho fahre» ließen, ihn von fich stießen um ein Nicht», Sie find seiner nicht Werth! Ich lache über Ihre Liebe, und kein Tag soll vergehen, an dem ich nicht zum Schöpfer hinaufschreie: „Wenn Du, Herr, gerecht bist, so rückst Du eine Schranke zwischen die beiden, auf daß getrennt werde, wa» nicht zusammen paßt!" — So, das meine Antwort auf Ihr Warum! —"
Unb zur Thür schreitend und fich nochmals zu dem zitternde» Mädche» nmwendend, rief sie al» letzte», mit drohend erhobmer Hand: .Alles Unheil über Sie!"
* ♦ *
Ulrich gerieth, al« er das Schreiben be» Justiz, raths vo» Belenborf erhalten »ob wiederholt gelefen, — die Eröffnungen wollte» ihm kaum glaubhaft erfcheinm, — in eine ungeheure Erregung.
Der Berlmmder gefunden! — Der Verläumber eine Frau! Die Sphinx enträtselt! j ,
Wochen und Monate hindurch hatte ste ihn im Bann gehalten und vielleicht auch Gisela! Nach allen den brieflichen Andeutungen mußte es wohl sein.
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Ersichtlich wünschte der Rath eine mündliche Rücksprache,
Der Baron mochte dem alten vielbeschäftigten Herrn nicht zumuthen, zu ihm heran» ans da» Gut zu fahren. Die Lage der Sache erheischte außerdem ein sofortiges Eingreifen.
Das war nur an Ort und Stelle möglich. Ulrich zögerte nicht. Er entschloß fich sofort zur Fahrt, ließ seinen Jagdwagm anspauue», unb kaum war eine halbe Stunde nach Empfang de» Briefes vergangen, da befand er fich bereits auf dem Wege zur Stadt.
E» mochte um die zwölfte Stunde fein.
Seine Gedanken kreisten unstät in seinem Kopfe umher. Vernunft und Ueberlegung konnten den anstürmenden Empfindungen noch nicht Stand halten. Starker Zorn und die tiefste Empörung über die Schlechtigkeit eine« Weibe«, dessen Wesen und Charakter ihm zwar nie ganz sympathisch gewesen, daS er aber trotz alledem geschätzt, dem er geglaubt und vertraut hatte, ließ fein Blut in Wallung, feine Seele in Trauer gerathe», in Trauer über die Tragik, welche in der Unerbittlichkeit der Lerhältnisse lag.
Seine Gedanken weillen wieder ganz und gar bei Gisela und dem, wa« zu erwarten stand. Ob der Zufall fie ihm heute in den Weg führen würde durch flüchtige Begegnung oder infolge einer etwa nothweudigen Begegnung? Er hätte ihr beide« gern erspart. —
Der Rath war eben erst heimgekehrt, da er von dem durchreisenden Freunde mehrere Stunde» beansprucht worden, «l» der Baron vor seinem Hause anlangte. Er hatte dessen sofortiges Erscheine» eigentlich bezweifell, fühlte fich nun ftendig Überrascht und hoffte i» der Stille seine» Herzen« auf die Erfüllung verschiedener mit Gisela in Verbindung stehender Wünsche. Scheinbar sollten ihm diese nicht
hi Erfüllung gehe». Zu seinem größeren Erstaunen und Aergerniß vernahm er durch die Dienstboten, daß seine Nichte gleich nach seinem AnSgang da» HanS verlassen hatte, wahrscheinlich also, wie so oft, ihre Stteifereie» durch Feld und Wald machte.
Und daS heute, wo da» traurige Interesse für Fran ». Heldhausen jede sonst gewohnte Beschäftigung in den Hindergrund drängte!
Der Baron hatte feinen Wagen nach Hanse geschickt unb saß nun int Garteuzimmer, dem alten Rathe in tiefernstem Gespräche gegenüber.
Ma« mußte weit znrückgreifeu in bie vielen auf« tegenben Ereignisse bet letzten Monate, »m zur Klarlegung unb Benrtheilung bet Enthüllungen zu gelangen unb fich über bie zu treffenden Maßnahme« zu eilige«.
De« Empfindungen Rechnung z« tragen, gestattete nicht bie Zett.
Ulrich wollte fich übet ein etwaige» Vorgehe» in btt Sache nicht eher entscheibe«, bi» er Fran von Heldhaufen gegenüber getreten fei. Das wußte selbstredend gleich heute gemeinsam mtt dem Rath geschehen. Entschlüpfen dürfe ihm die santonische Intrigantin nicht.
Der Brief Frau Irma» an Gisela belastet fie schwer und lieferte ein brauchbares Belastungsmaterial. Es ließ fich ttotz alledem nicht viel gegen die mtt so viel feinem Raffinement und so großer Verwegenheit in» Werk gesetzte Sache thnn, da weder bet Rath noch bet Baron ihre Namen bet Oeffentlichkeit preisgeben wollten.
Die falsche, heuchlerische Freundin sollte aber doch die kenleuschläge der Fran Justitia kennen lerne«, sollte gedehmüthigt, geängstigt unb gehetzt werden.
So ward es gemacht.