MchW Munn,
35. Jahrg.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Ioh. leg. Koch. UnivttfilätS-Suchdtwckewt bi Horburg. CM|"**Ä**X***ffr2 vttoutworüich fit di« Äcbattion: Redakteur Han» Hupfet ta Marin»»
•ötittba: etedt 81. - Xd«M»a 58. uJHUpVUlVP vvuumypvmil« Rtbatiton: Markt 21. - Telephon 55
GNcheint tißktch außer an Lerktaa« nach konu- und Feiertagen. "TMSf zr**R» ♦ Anzeigen nehulen entgegen: di« Expedition diese» Blatte?, die Armoncen-
OnartaU-AbonnementS-Prei» bei der Lrpeditieu 2 Mk, bei all« XWWi VUl U Bureaux von Haasrnstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Mägde»
Poftärnt«« 2,25 Mk. («ifL Bestellgeld). JnftttionSg^bühr: di» «- —, __ -.rxrxrx iura, Wien; Rudolf Moste, Frankfurt a. M-, Berlin, München, Köln;
wattw 3«ti« eb«r b«i« 8tena 10 $fg., 8t«ß«*«: bb 3«U« 25 ^f» Dlkllslllg, 30. JllliUlll 1900. C. L Daube & So., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari» re.
int lch Si Sog
>ffv te
!l« and, er- x 10, !be»s,
itti
Bestellungen
für die Monate Februar und März anf die
DiKfßrss.
nebst deren Gratisbeilage« „Kreisblatt für die Kreise Marburg uni Kirchhain", „Illustriertes Sonntags blatt" und „VerloofungSliste der Kgl. preußischen Klassenlotterie" »erben von allen Postanstalten, Landbrief- trügern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain und Neustadt entgegengenommen.
fie Die Flottenvorlage.
irtn reit
gebiete erobert, daß sie verhättnißmäßig weit größere Fortschritte macht, al» ihre Konkurrente«, ist schon
lauge eine der größte« Sorgen unserer Rivalen auf
mW ttwdels Seehandel. Der deutsche Seehaudel machte
Steigerung ist in der deutsche» Handelsgeschichte bisher ohne Beispiel gewesen. Am Außenhandel aber Hot der Seehandel einen steigende« Antheil. 1894 waren 66 Proz., 1896: 68 Pro,., 1898: 70 Prag., 1899 über 7V Proz. bei deutschen Außen»
68
an.
dem Weltmarkt. Wir brauchen auf dieses viel- ♦ ■ / erörterte Thema hier wohl nicht näher einzugehen, ' zumal erst die letzte Zeit uni drastisch bewiese» hat, Hst« wie gern unser schärfster Konkurrent, England, unfern illtt Handel stören möchte. Aber darauf, daß liefe8 An- HU« wachse» unsere» Außenhandel» fich immer noch (790 prozentual steigert, mag hingewiesen werde».
, Der deutsche Außenhandel hat fich vo» 1894/96 sse j dem Werthe »ach »m 13, von 1896,98 aber um ■ej 16 Proz. vermehrt; eine annähernd ähnliche
— * Die s langerwartete, Flottenvorlage, die dem Reichs
tag »»»mehr zugegangen ist, hat, sowest fich überblicke» Sri läßt, eine nicht ungünstige Aufnahme in der Oeffent» j Üchkeit gefunden. Abgesehen von einige» ganz »»>
k J verbefierlichen Flotteugegnern, »nter denen Eugen Richter der Rufer im Streite ist, bemüht «an fich offenbar, den Forderungen der Regierung »»befangen j gegenüber zu trete» und sie sachlich zu prüfen. Diese Prüfung und richtige Würdigung der Vorlage wird J/ wesentlich erleichtert durch eine dem Gesetzentwurf bei» =2 gegebene Denkschrift, in der die abnorme Steigerung U der deutsche» Seeiniereffen von 1896—1898 eine M klare Darstellung erfährt. Sehe» auch wir uns zunächst einmal an, was die deutsche Flotte schütze» soll. Die offensichtliche Thatsache, daß die mehr und »ehr aufblickende Industrie fich immer neue Absatz-
1894: 4,9 Milliarden, 1896.: 5,7 Milliarden, 1898: 6,6 Milliarden au», er wird 1899: 7 Milliarden erreicht habe», eine Steigerung von 2100 Millionen in 5, von 1300 Millionen in 3 Jahren! Der Seehaudel ist seit 1294 um 36, der Landhandel um 16 Proz. gestiegen, und in stetig fich steigerndem Tempo wird er zu einem unentbehrliche» Lieferanten von Rohmaterialien für die deutsche Bolksernährung und Industrie, zum Abnehmer bei» jenigen fertigen Jndustiieprodukte, welche die deutsche Bolkswirthschaft zur Bezahlung ihre» Bedarf» vom Weltmarkt her an das Ausland absetzen muß.
Diesen steigenden Seehandel zu bewältigen ist der Schiffsverkehr tu den deutschen Häsen rapide gestiegen. Bo» 1894 bi! 1896 stieg die Zahl der v-rkehrenden Schiffe in deu deutschen Häfen um 3000, dagegen von 1896 bi» 1898, namentlich durch die Entwickelung der Küstenschiffahrt, um 2 5 00 0. Entsprechend hat sich auch der Werth der deutschen Handelsflotte gesteigert. Bon 1896 bis 1898 hat er fich von rund 300 auf 450 Millionen Mark, nm 50 Procent, erhöht. Ende 1899 war aber der Werth auf 500 Millionen anzufetzeu, eine Weitherhöhung von 66 Prozent in 3 Jahren. Natürlich war auch der Aufschwung des deutschen Schiffsbaues gewaltig. Seit 1894 hat fich die Zahl der für Schlachtschiffbau in Frage kommende» Wersten von 2 auf 5 vermehrt, für den Kreuzerbau ist die Zahl seit 1896/1897 von 6 auf 9 gestiegen, Schnelldampfer wurden 1894 bi» 1896 nur auf einer Werft gebaut, in Zukunft werden hierfür 4 bi» 5 leistungsfähige Werften vorhanden sei«.
Diese Zahle« rede« eine eindringliche Sprache, eine Sprache, deren Wirkung fich wohl Niemand entziehe» kan». Aber die Darstellung unserer See- iutereffen ist mit ihnen natürlich bei weitem nicht erschöpft. Da ist zunächst zu erwarten, daß die Hochseefischerei an der heimischen Stifte sich gedeihlich entwickelt. Der Kolonialbesitz Deutschland» hat durch den Erwerb vo« Kiautschou, der Karoliueu und SamoaS eine wesentliche Bereicherung erfahre» und deutsche» Kapital geht immer intensiver an die Ausbeute der Kolonien. Mit der Schaffung einer überseeischen Kabelnetze» ist auch begonnen worbe», es wird gegenwärtig au dem erste» Kabel »ach Amerika gearbeitet. Deutsche» Kapital arbeitet feiner »ach wie vor tu überseeische» Länder», 1897/98 betrugen die Aulagewerthe 7'/, Millionen, doch haben sie inzwischen namentlich in der Türkei, Kleinasien nnd Ostafien starke Vergrößerungen erfahre».
E» ist eine rapide angewachsene Menge von Interesse«, welche Deutschland auf der See zu schützen hat, und schneller mehre» fie fich al» die Seeiuterrflen stemder Staate». Damit steige» auch die Gefahre», welche Angriff oder Bedrohung bringen. Immer verhängnißvoller aber für die deutsche Bolkswirthschaft würde c» werden, wenn der Versuch eine» Angriff» mächtiger anderer Staaten mit der Möglichkeit eine» Erfolge» auf die Dauer rechnen könnte. In einer
Periode aufsteigender innerer Entwickelung und des Aufschwunges habe» die deutsche» Seeinterrffeu eine raschere Vermehrung erfahre» al» der äußere La»d- verkehr mit de» Nachbarstaaten. Mehr al» je sind fie zu einem tategtirenben Bestandtheil der ganzen deutsche« Volkswirthschast geworden. Für die Zukunft wird mit einem noch stärkere» Hervortreten der- selben zn rechnen fein. Mit Recht betont daher eine erwähnte Denkschrift: «Dieser ungeahnt rasche Auf- schwang bringt gesteigerte Berantwortlichkeite» und gesteigerte Anforderungen an die Schutzvorkehrungen mit fich, entsprechend dem Umfange der zu schützenden Iutereffen und der Angriffskraft etwaiger Widersacher.* Wie die Regierung fich diese Schutzvorkehrungen denkt, werde» wir im Einzelne» demnächst ausetaandersetze».
Umschau.
Die Koste»decku»g für die Flottenverstärkung.
** Die neue Flottenvorlage steht eine Steigerung der jährlich für die Marine zu fristende« Gesammt- auftotnbnngen von 169 Millionen im Jahre 1900 auf 323 Millionen im Jahre 1916 vor, also eine durchschnittliche Bermehrung von 9,6 Millionen Mark jährlich. Zweifellos liegt in dieser Verdoppelung der Ausgaben eine hohe Anspannung der finanzielle» Leistungsfähigkeit des Reich» und e» läßt fich mit Sichertest voraussehen, daß die Gegner der Flotte an diesem Punkte mit ihrer Agitation eiusetzen werde». Da ist e» wohl nothwevdig, von vornherein darauf hinzuweise», daß die Begrü»d«»g der Vorlage »ach der bisherige» Entwickelung der Reichsfinanzen die Erwartung ausspricht, daß fich die jährliche Steigerung de» au» den ordentlichen Einnahmen zu bestreitenden Thell» der Ausgaben ohne neue Steuern durchführen lassen wird. Ein Blick anf die thatsächliche Entwicklung der Reichseinnahmen wird bestätigen, daß diese Erwartung volle Berechtigung Hot. Nehmen wir die Jahre 1881—1896, so finde» wird, daß die Zille, welche de» Hauptfaktor der ReichSeiuuahmen bilde», im Jahre 1881/82 eine» Ertrag von rund 196 Mill. Mk., im Jahre 1896/97 dagegen einen solchen vo» 464 Mill. Mk. Die Zolleinnahmeo haben fich daher in diesem fünfzehnjährigen Zeiträume weit mehr al» verdoppelt. Die Gesammteinuabme von Lier betrug in de» Brausteuergebiete 1881/82 nicht voll 19 Millionen Mark, im Jahre 1896/97 dagegen beträchtlich über 35 Mill. Mark, verdoppelte fich also nahezu. Der Tabak brachte i« Jahre 1881/82 38 Mill. Mark, im J-Hre 1896/97 63 Mill. Mark, also eine Bermehrung um zwei Drittel. Der Gesammt- ertrag der Zölle und Verbrauchssteuern im Jahre 1881/82 belief fich anf 286 Mill. Mark, in dem Jahre 1898 auf 782 Mill. Mark, verdreifachte fich also tu einem Zeiträume von 18 Jahren.
E» läßt fich also wohl «»nehmen, daß die beabsichtigte Steigerung der Ausgaben fich ohne neue
Steuern ausführeu lassen wstd. Immerhin dürste e» angebracht fein, einem Vorschläge, der in Bezug auf die Kostendeckung gemacht worden ist, einige Aufmerksamkeit zu schenken. Wir meinen den Vorschlag, eine Reichserbschaftsteuer einzuführen. Einer solchen Steuer, für die zweitellos im ersten Augenblick manches zu sprechen scheint, stehe» jedoch bei näherer Betrachtung verschiedene Bedenken gegenüber. Zunächst würde ihre Einführung große Schwierigkesten bereiten, da in verschiedenen Bundesstaaten bereits die Erbschaften besteuert werden, soweit sie nicht Kinder, Elter» u»d Ehegatte» betreffe», und die betreffende Steuerquote ist nicht unbeträchtlich. I» Preußen steigt der Steuersatz- bei entfernteren Seitenverwandten bi» zu 8°/0 der Erbmasse. In Hamburg besteht sogar eine auch Erbschaften in direkter Linie umfassende Erbschaftssteuer, welche in dem letzten Jahre etwa l3/4 Millionen Mark Ertrag geliefert hat. Es ist klar, daß fich für die Steuersysteme der Bundesstaaten große Schwierigkeiten ergeben müßte», wenn mau vo» Reichswegen eine Erbschaftssteuer einführen würde. Diese Schwierigkeiten waren e» auch in erster Linie, die znr Zeit der Finanzminister» von Camphausen den damals ernsthaft erörterten Plan einer Reichserbschaft»- steuer nicht zur Verwirklichung kommen ließen. Auch im Jahre 1891 fand in Preußen ein Antrag, die Erbschaftssteuer auch anf Erbschaften an Kinder, Eltern nnd Ehegatten auSzudrhne» namentlich bei» Centrum lebhaften Widerspruch, weil man bei nahen Verwandschaftsgraden eine in» Gewicht fallende Erb- schastsbesteuiiung in Rücksicht auf die durchaus verschiedene Sterblichkeit in den einzelne« Familie« al» «»gleich und »»gerecht a»sah. Seitdem hat ma« die besondere Stenerkraft de» fnnbiite« Einkommens durch die Ergänzungssteuer erfaßt; sie jetzt nochmal» durch «.ine Erbschaftssteuer zu treffe», würde nicht ohne Bedenke» fei». Auch erscheint e» nicht praktisch, gerade auf die von Zufällen abhingende als» stet» schwankende Erbschaftssteuer bei der Flottenvermehtung zu rechnen. Will man unabhängig davon in Preußen die Steuerschraube bei Erbschaften entferntere» Grade» schärfer anziehen und namentlich eine Staffelung einführen, so wag »an da» ihun.
An» Kamerun.
tz» stellt fich jetzt heran», daß der Expedition»- führer Dr. R u d o l f P l ehn, Oberleutnant de» reitenden Feldjägerkorp», nicht deffen Bruder, der Stabsarzt Dr. Plehn im Hinterlande von Kamerun im Kampf mit den Eingeborenen gefallen ist. Stabsarzt Dr. Plehn, früher in Kamerun, wohnt jetzt in Lübeck. Dr. Plehn ist am 24. November v. 38. in dem Marktflecken Bertna (Südostecke des Schutzgebiet») gefallen. Er wurde durch einen Pfeil getroffen, dessen Spitze offenbar vergiftet war. Der Lazarethgehilfe Peter, welcher den Leutnant Dr. Plehn begleitete, führte die Expedition zurück und traf mit
ei
me
Nachdruck verbot«
Der Hochzettstag.
Roman von H. Palm» Payse«.
(Fortsetzung.)
1g- ici r> (531
tr. 6
io«
«ehe» brä« .50 ibacK .50 on-Bi
irter lenrii 50 lief Mk.lJ
ux
Greifen wir nur da» heran», wa» unbedingt zur Lache gehört. Wir wollen uns wie zwei Freunde betrachten. Ei» treuer Freund ist aber nur der, der Dir de» Spiegel zeigt. — Die Person der Frau b. Heldhausen darf Dir al» abschreckende» Bild einer falschen Freundin gelten. Bo» ihr haben wir zu rede». Sie ist die Urheberin alle» Unheil». Durch ihre Niedertracht bist Du in die Irre geraten, in schwere» Leid, in da» Du wiederum andere hineingezogen hast. Ein großer Theil der Schuld kommt also anf Dein eigene» Konto. Rangelnde Menschenkenntnis verrückte Dir die Recht»- begiiffe. Du glaubtest zu fehle«, wen« D« ei» Versprechen brachst, wa» angesichts Deine» veraut- wörtlichen Thun» nicht hätte gegeben werden dürfe». Hartnäckig verschloffest Du Dich der Einsicht älterer, erfahrener Leute und wandtest Dich von denjenigen, bie e» gut mit Dir meinten, ab. Auch an mich Heiltest Du nur ein kleine» Quantum Deine» Per- ttaukn» au». So zwangest Du mich zur Selbst- Vife. — Ich beobachtete Deinen Verkehr, Deine» Briefwechsel uod wußte bald, mit wem mi» es zu Hu» habe, — mit der jungen Frau Irma und — der Itan v. Heldhausen. — Hättest Du mir deu Brief btt ersteren, jenen gravierenden Brief, der Dich am Hochzeitstage zn dem verhängnisvollen «Nein* ver- «laßte, damals gleich gegeben, statt erst am gestrigen
Abend, fo wäre die in allen Dingen sonst so vor- sichtige Intrigantin schon damal» entlarvt worden. Ohne jenen gefahrvollen Schritt, der fie an den Ab- gründ der Lüge uub Heuchelei führte, konnte fie aber nicht zum Ziel kommen —*
,3« welchem Ziele, Onkel?'
«Davon später, Kind, — ahnungslose» Kind! Sie wagte diesen Schritt, anf die Unerfahrenheit nud Leichtgläubigkeit zweier junger Frauen rechnend. Deine Charaktereigeuschasteu verhälfe» ihr zum Siege. Sie wurde Deine Verttaute. D» brachttft ihr de» anonyme» Brief, deu ihr sehr bekannte» Brief, de» selbstverständlich kein anderer al» fie selbst verfaßte. Hättest Du die» Papier damal» beim Empfang vernichtet, statt de« Inhalt Deiuer Freundin Irma mit- gutteilen und diese auf Rekognoszierung hier in C. auszuseuden, — ein höchst glücklicher Zufall für die Intrigantin, die denselben wie Du erfahren mußtest, so nutzbringend auSzubeuten verstand, daß ihr gelang, wa» fie bezweckt und ficherlich kaum z» hoffen gewagt, — bann wäre die Jntrigue im Keim erstickt.'
«Aber warum die ganze Jntrigue, Onkel, — zu welchem Zweck —?'
«Geduld, wir gelange« auch dazu.'
„Und Du glaubst in der Thal, daß Frau Asta die Berfasseri« de» Briefe» gewesen ist?'
«So überzeugungsvoll jetzt nnd damals schon, daß ich Dir statt de» Original» eine sorgfältig nachgeahmte Abschrift in die Hände spiette. Ich ahnte, daß, sobald die Heldhause» in de» Besitz des Briefe» gelangte, derselbe für un» verloren sei. Auch sollte die» zugleich eine Prüfung für die Sache, eine Probe auf da» Gxempel sein. — Jedenfalls durste da»
Dokument nicht preisgegebe» werden. Die schlaue Fran war zu vorfichttg den Brief statt z» verlieren, au» wohlerwogene» Gründe» i« Deiner Gegenwart verbrenne» zu laffen — zufällig! — Die Graphologe» haben bestätigt, wa» ich herauSgefunden: trotz verstellter Handschrift die llederzeugung charakteristischer Merkmale einzelner Buchstaben in dem anonyme» Briefe, vergliche», mit demjenig«, i» meinem Besitze befindlichen, unverstellte» Schreiben der Dame, die ta der Dir bekannten Erbschaftssache schriftlich mit mir verhandelte. Leider ist die» der einzige, sehr schwache Beweis, der ta der Briefsache geltend gemacht werde» könnte, fall» man die moralische» Anhaltspunkte fallen ließe. — Daß die Heldhause» mich alten Spürhund fürchtete, verrieih mir ihr Ausweichen. Sie war immer leidend oder nicht zn Hanse, wenn ich meinen Graukopf blicken ließ, fand mich auch ta meinem eigenen Hause niemals vor, weil fie durch ihre» Spio», ta Gestalt ihres gutbezalten Zimmer- mädchen», da» natürlich mit dem nnfrige» Freundschaft schließen mußte, berichten ließ, wann der alte Greif anSgeflogen sei. — Am liebsten dirigierte fie Dich an» der Stadt heran». Wir thaten ihr denn ja auch den Gefallen, ginge« «an die See' und brachte» gute Beute mit heim, — inzwischen hat fie ihr Reich hier allein gehabt. Wolle» sehe«, wie fie die Zeit anSgevntzt und wa» sie bei Ulrich für Unheil angerichtet hat. Ich habe ihm bereit» in der Frühe de» Morgen» unsere Rückkehr an» Italien mitgetheilt und sämmtliche damit in Verbindung stehende Vorkommniffe. Wa» er beginnen wird, bleibt staglich. Ich möchte mich ungebeten jeglichen Ratschlage» ihm gegenüber euthatten. Daß er da»
Gericht in Thätigkeit setze» wird, bezweifle ich. Die Sache ist ei» zu harter Gegenstand. Und doch wird er ta ger chtfertigter Empörung nach Genugthnng dürste». Leider ist der Verleumder eine Fra«, die man wohl Hetzen, aber nicht wie einen Bube» züchtigen kann. — Du selbst, Gisela hast Dich in dieser Sache zu bescheiden. Ulrich ist ta seiner Würde nnd ta seinem Herzen so tief von ihr verletzt worden, daß Dir nicht» andere» übrig bleibt, als seine Verzeihung zu erflehe«. Möge e» Dir gelingen.*
Der Rath war fich klar genug, wa» ohne Zögern sofort zu thun fei. Endlich war ja die Sache sowett gediehe», daß er die scheinheilige Freundin Ulrich», die Jnttigantta, packe» konnte; und Eile tijat noch. Der Ansicht würde auch Ulrich sein. — Sein eigener Plan war der: fich mit Gisela der verächtliche» Intrigantin Ange in Auge gegenüber/! z» stellen und fie durch die erdrückende» Beweise zum Ge- dächtniß zu bringe». Ob die» gelang oder nicht, jedenfalls sollte ihr diese zugedachte kleine lluterhaltnng nicht geschenkt werden, und zwar gleich heute schon, ehe fie fich den Advokatenrath einholte: si fecisti, negal
Der Rath wollte Gisela die» jetzt eben anSetn- andersetzten, al» man gestört wnrde.
Tas etatretenbe Hausmädchen, das mit grafte«, neugierigen Ange» abwechselnd de, Herrn Rath nnd da» noch am Fenster stehende, scheinbar «ta Raasch gerathene' Fräulein anblickte, meldete Besuch. Daß hier tat Zimmer etwa» wichtiges verhaudett wurde, leuchtete ihr sogleich ein.
(Fortsetzung folgt.)