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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Jllustrirtes Sonntagsblatt. 8""t*ntMh"h"-

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ENchrint täglich außer en SBtrttagen nach Sonn- mb Frirrtagrn. Anzeigeu nrhmm rntgrgen: dir Expedition dieses Mattes, die Annoncen»

OuartatS-AbonnementS-PreiS bei der Expedition S ML, bri allen VU1U vnreanx von Haasrnstein L Vogler, Frankfurt a. M., Caflel, Magdr» 9 r

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ivaltrn» >Utit oder drrrn Raum 10 Wa Rrklamrn Heil« 95 M°. Donnaveno, v. Januar 1^00. s. Daus. & C°., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris re.

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Sah. 816. «ach. UnivnfitätS.Lnchdrickrra in Marburg.

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.Die Rechtsverhältnisse sowohl der Europäer als

-r Chinesen sind nunmehr fest geregelt; die schwie-

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eife die Befürchtungen nicht ein, die mau nach de» tzten Nachrichten aus unserem ostasiatischen Schutz- Kiete hegen zu müssen glaubt. Dank dieser Thai« che, dank auch der energischen Arbeit der Behörden ib den vom Reichstag bewilligten Leldwitteln hat

Kiautschou.

** ES ist im Allgemeinen ein recht erfreulicher

«den; sanitäre Maßnahmen find im weiteste» Um» ss Nlge sowohl durch technische Vorkehrungen al» durch ervaltuugSrechtliche und gesundheitspolizeilicht Be- ungen getroffen; auf dem Gebiete des Kirchen­des Schulwesen» herrscht bereits reges Leben; Schiffsverkehr hat einen erhebliche» Aufschwung ommen; der Handelsverkehr nach dem chinesischen eilande ist dmch ein, den deutschen Interessen ______ prechendes Zollabkommen wirthschaftlich und recht- rlangelch gesichert; die große Bahnanlage, von .welcher iliste". ine Entwickelung und damit die der gesammte» »hei», »lonie vor Allem abhängen wird, ist endgültig an in finanzkräftiges und technisch leistungsfähiges

inde» e junge Kolonie eine zum Thcil über Erwarten t isch fortschreitende Entwickelung genommen. Hebet 10 en e Entwickelung giebt die Denkschrift folgenden

gen Materien der, Grundbesitzvergebung und -Be- lllt. meruug haben ihre Lösung nicht nur nach de» fiS- t» ätschen Erfordernissen, sondern vor Allem nach ICr »chgreifenden sozialpolitischen Gesichtspunkten ge-

itn#> jl», das uns die dem Reichstag zngegangene Denk- über die Entwickelung des Kianffchougebietes >1 ebt. Zwar läßt sich nicht verkennen, daß sich Son« fln^£ Schwierigkeiten ergeben habe», die nicht vor- iSgesehe» wurden. Sie find aber nicht derart, daß t nicht überwunden werden könnten. Zumal für iffCH e gesundheitlichen Verhältnisse treffen glücklicher

Syndikat, welches die ersten kaufmännischen und in- astrielle» Firmen aller Theile des Deutsche» Reiches »faßt, vergeben; der Bahnbau ist bereits energisch l Angriff genommen und hat der deutschen Industrie hon Aufträge im Werthe vieler Millionen Mark -geführt; im Schutzgebiete selbst und namentlich in eh bei der deutschen Hauptstadt desselben, Tsingtau, errscht eine angestrengte Bauthätigkeit sowohl im lief- als im Hochbau, sowohl für die Herstellung « umfangreichen Hafens und seiner Zufahrtstraßeu S für die Stadtanlage und die Errichtung der Weich benöthigten öffentlichen und privaten Gebäude; weittragende Aufgabe der Aufforstung der durch chinesische Mißwirthschaft entwaldeten Berge um ifingtan ist in systematischer Weise in Angriff gr- Mmen; der gesammte Verwaltungsorgantsmus hat h befriedigender Weise eingear bettet.*

Es sei uns int Anschlnß an diesen allgemeinen leberblick gestattet, einzelne besonders wichtige Ge >i«te dieser Entwicklung des Schutzgebiets eingehender mrzustillen. Da ist zunächst da» Gebiet des H.andel» und Gewerbe», da» uns wohl in hervorragendem Maße interefflrenjmrfte. In Bezug auf die Förderung de» Handels ist ein wichtiger Fortschritt gethan worden durch die Vereinbarung ibet die Errichtung eines chinesischen Seezollamts in Tsingtau. Durch dieseZollvereinbarungen ist einFreihafen» gebiet gegründet ohne belästigende Zollschranken an den Grenzen nach dem Hinterlande. Die Zolleinrichtungen, die es ermöglichen, für die au» dem Inner» ommeuden Waaren erst tu der deutsche» Hafenstadt eldst, in der der Exporteur wohnt, den Ausfuhrzoll zu zahlen, liege» offenbar im Interesse der Kauf Mannschaft. Daffelbe ist der Fall mit der Möglich­keit, Jmportwaaren, die nach dem Innern Chinas gihen sollen, bereit» in Tsingtau zu verzollen. Be- onders als Stapelplatz ist Tsingtau in Bezug auf >ie Zollerleichterungen jetzt vortheilhaft gestellt: dem deutschen Schutzgebiete find einerseits die Vortheile eine» chinesischen Vertragshafens gesichert, ohne daß ihm andererseits der Charakter de» Freihafens ge­nommen wäre.

Am Einfuhrgeschäft für da» Hinterland find zum größten Thetl, wie die» nicht anders erwartet werden kann, die Chinesen betheiligt. Die Heranziehung guter chinesischer Geschäftsleute erscheint als eine ganz wesentliche Vorbedingung für de« wirthschaftlichen Aufschwung Tsingtau». Ohne chinesische Kaufleute läßt sich, wie sämmtliche anderen Plätze der Küste genügend gezeigt haben, kein nachhaltiger Aufschwung des Handels denke»; sie in dir Nähe unseres jungen Handelsplatzes zu ziehen und dauernd dort zu halten, wird auch im Interesse der deutschen Kaufmann­schaft liegen. Al» besonders erfreulich erscheint es, daß sich in Tsingtau ein Theil der alten angesehenen deutschen Chinafirmen niedergelassen hat, welche die Lage des Handels und feine Aussichten am besten zu übersehen vermögen; eS darf dies als Beweis für die in Interessentenkreise» bestehende Ueberzengung von der Lebensfähigkeit der neuen Kolonie gelten.

Die gewerbliche Entwickelung erhält irn gegenwärtige» Stadium der Kolonie ihr charakterist scheS Gepräge vor allem durch die Bauthätigkeit mit ihren rege» Nebenindustrien: Ziegeleien, Steinbrüchen, Kalk brennereten. Ein elektrisches Sägewerk, zwei Maschinen­schlossereien, zwei Buchdruckereien eine dritte ist im Entstehen begriffen eine kleine elektrische Centrale zur Straßen- und Hausbeleuchtung find vorhanden.

Der S ch i f f S v e r k e h r hat mit dem Anwachsen der Bevölkerung stetig zugenommen. Er betrug in den Monaten Ottober bis Dezember 1898 28,

Jannar bis März 1899 32, Ap:il bi» Juni 53, 1. Juli bis 15. September 54 Dampfer. Die Segelschiffe find hier nicht mit aufgeführt.

Für die Entwicklung des Handels wird natürlich der Schienenweg in» Innere von höchster und ein chneidenster Bedeutung sein. Mit diesem für die ganze Entwickelung der Kolonie wichtigen Werke ist m Berichtsjahr ein energischer Anfang gemacht worden. Mit dem Bahnbau ist nach Erledigung der Vor­arbeiten an zwei Puntte» begonnen worden. Sowohl von Tsingtau wie von der chinesischen Stadt Kiaut« chou aus ist mit den Erdarbeiten für den Bahn­damm angefangen worden. Schon find von den auf 180 000 cbm veranschlagten Erdarbeiten 100000 cbm gefördert. Die Erwartung, daß zu borge- chriebener Frist die Bahn dem Betriebe übergeben »erden kann, ist dadurch gerechtfertigt.

Ueber einige andere Gebiete der Entwicklung unserer Kolonie werden wir un» in einem zweiten Artikel verbreite».

Umschau.

Englische Uebergriffe.

** Schlag für Schlag komme» die Nachrichten über die Beschlagnahme deutscher Schiffe durch eng­lische Behörden. Auf die Beschlagnahme desBundes- rath* und der Bark »Hans Wagner" folgt jetzt die Durchsuchung deS Reicht PostdampfersGeneral" in Aden nnd zwar bewegt sich diese Durchsuchung in Formen, die geradezu empörend find. Nach alledem kann die Ausrede der britischen Regierung, e» handle sich nur um Maßnahmen einiger übereifriger Kapitäne, nicht als stichhaltig angesehen werden; es liegt viel­mehr System in diese» Schädigungen deutschen Handel», ein System, daS weitere Beschlagnahmen erwarten läßt und gegen das nicht energisch genug protestirt werden kann. Wenn England angesichts der beschämenden Niederlagen in Natal zeigen will, daß es zur See die Macht hat, so ist das vielleicht psychologisch zu verstehen, würdig ober ist es nicht, an harmlose» Handelsschiffen sein Machtgelüste aus- zulassen. Oder sollten etwa die ganzen Beschlagnahmen auf eine Art unlauteren Wettbewerbs zurückzuführen sein? Sollten thatsächlich, wie einzelne Blätter ver- muthen, die Willkürakte nur dazu dienen, den un­bequem werdende» deutschen Wettbewerb im Handel zu ruinireu? Doch die Gründe, die England für sein Borgehen hat, könne» uns gleichgültig sein gegenüber der Thatsache, daß England die erste Ge­legenheit wahrvimmt, seine heuchlerischen FreundschastS- betheuerunge» beim Kaiserbesuch ihrem wahren Werthe »ach zu zeigen. Die deutsche Regierung hatte e» den Engländern wahrlich leicht gemacht, diese

Freundschaft zu halte». Wir find in dem jetzige» Kriege neutral geblieben und zwar zeigte unsere Neu- tralität einen so ausgesprochen England wohl­wollenden Charakter, daß wir z. B. wohl zu de» Engländern, nicht aber zu den Buren einen Militär- Attache gesandt haben und daß die Regierung sich nicht darum kümmert, ob Krupp für England Ge­schosse anfertigt. Diese Haltung der Regierung hat wahrlich keinen Beifall in weiten Kreisen unseres Volkes gefunden; sie wird nach den jetzigen Vor­kommnissen nicht auftecht erhalten werden könne», wenn sich die englische Regierung nicht entschließt, un» sofort völlige Senugthuung zu geben und für die Zukunft für ihre Willkür sich andere Objekte auszusuchen, als deutsche Schiffe. Dazu scheint man sich aber in England nicht verstehen zu wollen. Die englische Antwort auf den deutschen Protest soll, wie man versichert, eine» dilatorischen Charakter tragen. Trifft das zu, dann wird unsere Regierung schärfere Saiten aufziehen müssen. Ob e» möglich fein wird, andere Sei möchte zu einem gemeinsamen Protest in London zu veranlasse», wird die Zeit lehre». Zu einer maritimen Demonstration find wir ja leider d«S empfindet man jetzt doppelt bttter zu schwach. Aber im gegenwärtigen Augen­blick, in dem England so tief in Schwierigkeiten steckt, stehen der Diplomatie genügend Mittel zu Ge­bote, um einen Druck auszuüben.. Vor allem aber wird man verlangen müsse», daß unsere Behörde» ein scharfes Auge auf etwaige Waffenlieferungen fit England feiten» national schwächlicher deutscher Firmen haben.

* * *

Im Anschluß hieran seien die neuesten Nachrichten über diese Angelegenheit zu'ammengestellt. Dem Hannoverschen Courier" wird aus Berlin gemeldet:

Berlin, (Donnerstag) 4. Januar. Die eng­lische Antwort auf die deutsche Note, betreffend die Beschlagnahme desBundesrath", hat einen dilatorischen Charakter. Man rechnet hier mit der Möglichkeit weiterer Beschlagnahme deutscher Schiffe und beginnt die Lage ernster anzusehe».

Auch dieHamb. Nacht." erfuhren au» be» iheiligten Kreisen, daß »och keine Verständigung der englischin Regierung erzielt war und daß noch einige Tage bis zur Erledigung der Sache vergehen dürften; wie es heißt, zeige sich die englische Re­gierung loyal, hebe aber die Schwierigkeiten hervor, die eS habe, die englischen Kapitäne mit Instruktionen zu versehen, welche die Wiederkehr ähnlicher Bor- kommniffe ausschlössen. Da» Blatt fügt treffend Hinz»:

ES ist eine durchausenglische* Handlungsweise, sichprinzipiell" nachgiebig zu verhalten, in der Praxis

Nachdruck verboten

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Asta

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angelangt, als sich die Thür hinter ihr und die ihr vertrante Barbara hineinstürzte.

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Der Hochzeitstag.

Roman von H. PalmS P a y s e n, (Fortsetzung.)

v. Heldhausen war eben erst in

O, gnädige Frau," rief diese beinahe athemlos

vm schnellen Gange,da ist baS schöne Fräulein, «ch dem Sie sich so oft bei wir erkundigt haben, a» gnädige Fräulein, das bei Güstens Herrschaft, 7?» «n Herrn Justizrath, zu Gaste ist. Und sie fragt ach Ihnen und steht sehr hitzig an» so, als ob

t sich erschreckt hätte. Soll ich sie hereinführen?"

Zu keiner Zeit hätte Asta ein Besuch unb gerade leset weniger gepaßt als augenblicklich. Das Be- äifniß nach zwanglosem AnSströmeu aller der auf- ttinmten, tobenden, mühsam beherrschte» Gefühle re» Innern in der Stille nnd Geborgenheit ihres stmmers war groß.

Sie fühlte sich kaum fähig, länger »och als schon eschehen, die bleierne Schwere bet MaSke zu tragen, knnoch entschied sie sich für die Annahme.

Blitzschnell schoß ihr der Gedanke durch de» Pf: le beiden müsse» sich soeben begegnet fein t müsse» sich gesehen, vielleicht gesprochen habe», ch muß daS wissen davon hören und ich muß «ch i» Besitz des Briefes kommen, bald, recht bald, wter alle« Umständen.

Ehe sie aber Gisela gegenüber trat, kühlte sie ch in ihrem Schlafzimmer das heiße Gesicht, letzte bann Stirn und Schläfen und auch t Taschentuch mit Kölnischem Wasser und Harrte noch einige wenige Minuten zur bete» Sammlung am offenen Fenster. Dann stand

sie bereits wieder über Ihren Empfindungen, betrat mit völlig ruhiger Miene, gelaufenen Schrittes ihr hübsch auSgestattetes Wohnzimmer, in dem Gisela ihrer in einem derart erregten Zustande harrte, daß sie im Hinblick hierauf nicht bereute, für sie daheim gewesen zu sein.

Aber, mein theureS Fräulein," rief Asta, be- sorgnißvoll auf Gisela zueilend und sie umfangend, was ist Ihnen? Ach, warum erst fragen eS liegt ja so nahe Sie find ihm begegnet ihm, dem Baron Ihrem einstigen Bräutigam, nicht wahr?*g

Gisela bejahte. Ihr Äthern ging schnell und kurz über die blaffen Lippe». Sie ließ sich au einen Sessel in der Nähe des Fensters nieder.

Ich bin so schnell gelaufen und deshalb so sehr erhitzt," stotterte ste. Ihr Stolz sträubte fich, ihren augenblickliche» Zustand anders zu erklären. Asta lächelte spöttisch. Sie stand an Giselas Sette nnd blickte über ste fort ttl de» Garte» hinein, der lag still und menschenleer ba.fi

Wie war er denn wie benahm er sich?" flüsterte sie geheimnißvoll und strich thellnehmend über Giselas weiße Stirn.

Wtt grüßten uns gegenfettig nnd gingen wort­los aneinander vorbei," lautete Gisela» kurze, wider­willig gegebene Antwort.

Asta verdroß die Wortkarghett indeffen etwas mehr ober weniger Vertrauen blieb sich jetzt gleich. Sie wußte eS ja, wie eS in Beider Herzen aussah. Sie liebten fich »och. Aber die Erfahrung hatte zu tausend Malen gelehrt, daß der Liebe schlimmster Feind eine dauernde räumliche Trennung ist O, Tücke des Zufalls, der diesen schnell geschlossenen Herzensbund so unvermuthet die gesetzliche j Be­stätigung gegeben. Wie bald wäre sonst der Sieg erfochten. Bi» an die Stufen des Altar» hatten

fich ihre Berechnungen selbstverständlich nicht verirrt. Daß es so kommen mußte! Dadurch gerleth nun der Ban des ganzen Machwerkes ins Wanken. Erreichte fie es auch ihren Freund vermöge aller Beziehungen wieder an sich zu fesseln, so zogen ihn doch die Umstände wiederum das Gesetz in den alten Bannkreis zurück ein Jahr noch, ein ganzes, langes Jahr, in dem sich gar viel »och ereignen konnte beim Wiedersehen und LersöhnurigS- veisuch! Und hier wie dort die leidenschaft­lichen, mühsam beherrschten, nur künstlich nieder- gehaltenen Empfindungen der Liebe. Würde diese nicht dennoch über alle Schranken hinweg zum Triumph gelangen? I

Freilich, bei der großen Erbitterung des be­leidigten Mannes waren wankende Entschlüsse, eine Versöhnung, ein Hinueigen zu milderer Bemthettung kaum denkbar, es fei denn, daß in dieses Mädchens empfänglicher Seele, in der die ausgestreute Saat des Mlßttauens üppig wuchernd die Liebe in Acht hielt, alle Zweifel schwanden, dann aber, wenn dies wieder Erwartung eintrat, würden sich an deren Stelle gegnerisch neue Hemnifse erheben: Stolz und Scham. Und diese zu bekämpfen auch dazu ge­hörte toieberum Zett.

Zelt Seit l Hier unb dort die gleichen Waffe»!

Und trotzdem, ttotzbem erlahmte fie bereit», er­wog die Waffeustreckung, die Umkehr auf dem ziel- bewußten Wege, weil nun weil der glänzende, hoch oben auf der Höhe de» Leben» so verlockend winkende Preis plötzlich in ein nicht» zusammen geschrumpft war. Ettelkeit, Songuintt, Leidenschaft mußten ihr der Klugen, den Scharfsinn, den klaren Blick geyAbt haben.

Aber'.dieser Tag hatte fie sehend gemacht! Sie war fich bewußt geworden, daß selbst da», worauf

fie glaubte bestimmt rechnen zu dürfen: auf eine Freundschaft, die gleichwie bei Marie, zur Ehe führte, daß selbst die» noch bei dem für sie schwer zu erwärmenden Manne zn viel der Hoffnung ge­wesen war. Ging sie auS allen den Wirren ihrer Jnttignen also doch noch als Siegerin hervor, was war dann der Gewinn? Ein krankes Herz, da» nicht mehr gesunden konnte!

Unb bafür bieS Spiel um Gut und Blut! Die» Spiel um Gewissen und Ehre!

Die Binde fiel ihr von den Augen, und der Abgrund, an dessen Rande fie dahiuwandelte, that sich auf. Bisher hatte ihre Parole:Vorwärts* geheißen jetzt:Auf der Hut. sein!"

Klug, daß fie eben zeitig genug zur Einsicht kam.

Sollte fie fich bei den beständig wechselnden Berhältniffen auf der Höhe halten, so mußte fie jeden Augenblick bereit fein, bei dieser temperament­vollen, ganz aus Impulsen zusammengesetzten Gisela v. Belendorf mit neuen Chancen zu rechnen.

Wie unbeschreiblich unsympathisch war ihr, der Frau von Verstand, bei der alles Reflexion und Berechnung war, dieses Mädchen.

Gleichviel, sie bedurfte Giselas, fie hatte sie so uöthig wie ein Gestrauchelter den hilfbereiten Arm, ohne den er sich nicht mehr aufzurichten vermag. Sie war um jeden Preis der Verschwiegenheit dieses Mädchens benöthigt und auch des Briefes.

Aus demWisch" durfte kein Dokument werden.

Die Gefährlichkeit der jetzt überbauten Lage erkennend, denn der Baron hatte fie bet seinem Fortgehen eindringlich gebeten, in dieser Sacheans Freundschaft für ihn* vertraulich mtt dem Herr» Justizrath zu reden, drängte diese Frau, die nicht nur gegen andere, auch gegen sich selbst hart sein konnte, jetzt z» thatkräftigem Handeln.

(Fortsetzung folgt)