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cyer oder als Mitglied der Centtalbehörde einrücke«, ebenso wie von den RegteruogS« oder den GerichtS- räthen nur wenige Prästdenteu u. s. w. werden können. Da der Titel Ober-Postrath, der früher den ältere» Posträthen dann und wann verliehen wnrde, jetzt nur noch den ständigen Hilfsarbeitern im Reichspostamte Vorbehalten ist, so soll zu Neujahr oder zu Kaisers Geburtstag eine neue Auszeichnung geschaffen werde», über deren Art tndeffen noch Stillschweigen beob­achtet wird.

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Wärme. Heute Mittag hatte die Luft eine Temperatur von 5,5 Grad C. Wärme. Barometerstand 748 mm.

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abschüssigen Stelle umgestürzt, wobei die Insasse«, üuf Personen, mehr oder minder schwer verletzt wurde«,

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Gwffel, 30. Dezember. Eine» grausigen Fund machten Arbetter in dem Lehmofen der Engelbrechtsche»

bruavenS in Wortwechsel mU einige» Passanten ge- rieth, zog er dm Revolver hervor und schoß blind­lings um fich. In diesem Augenblick ging zufällig der bei Herru Ehaismbesttzer Eckstein beschäftigte Rutscher Möhl vou hier, ein Familimvater von 7 Rindern, vorbei. Bo» zwei Rugel» getroffen, sank er schwerverletzt zu Bodm. Bo» allen Seiten eilten jetzt Leute herbei, die deu Revolverhelden, der immer noch Schüsse abgab glücklicher Weise ohne weiteres Unheil anzurichten zu Boden rissen, ihm die Waffe entwanden und eine derbe Lektion verabfolgte». Ei» Schutzmann verhaftete deu Menschen, der mtt einem Wagen ins Gefäugniß transportitt wurde. Der schwerverletzte Rutscher, deu eine Rugel in die Brust, die andere in deu Unterleib getroffen hatte, wurde in die Rliuik überführt. ES soll wenig Hoffnung vorhanden sein, ihn am Leben zu erhalten.

+ Für treue Arbeit wurden am Sonnabend fünf Arbeiter der Niderehe'schrl Fabrik hterselbst, welche 25 Jahren ununterbrochen dort thättg find, von der Geschäftsleitung mit je einer silbeinen Uhr und Rette bedacht. Die Uhr trug eine entsprechende Widmung. Die Namen der treue» Arbeiter sind: Joh. Georg Schenk und Georg Frank in Marburg, Michel Nauman, Sarnau, Peter Lauer, Goßfelden, Jacob Lauer, Wehrda.

+ Rohrbruch. Auf der Nmstadt entstand in vergangener Nacht ein Wasserrohrbruch. Das Wasser drang in den Keller eines Hauses und überschwemmte denselben vollständig.

Windrichtung: SW.

Sonnen-Aufgang 8,13

Sonnen-Untergang 3,65

Heizer befinden sich anscheinend außer Lebensgefahr, Die Nachricht, daß bereits einer der Verunglückte, gestorben fei, bestätigt sich glücklicherweise »icht.

A Langgöns, 31. Dez. Hier verstarb in, hohen Alter von fast 95 Jahre» unser ältester Orts- einwohaer Johannes Nem. Sein hohes Aller ver. »ankte er seiner mäßigen Lebensweise. Bis in de, Tod bewahrte er fich seine Gottesfurcht «ud eine latriotische Gesinnung, da er die Zeiten der tiefen Erniedrigung aus eigener Anschauung kennen ge. lernt hatte.

& Witseck, 1. Januar. Hier stürzte die 78 Jahre alle Wtttwe Döriuger so unglücklich die Treppe hinunter, daß sie tobt unten liegen blieb.

eiugeschlicheu hatte, um dort zu nächtigen, eil Leiche iervorgeholt wurde. Wahrscheinlich war derselbe i«. olge Ausströmung von Rohlmdunst erstickt.

Wildlinge«, 30. Dezember. Auf der Strt<tt von Frankenberg nach Bad Wildungen, wo jetzt »och vitete 1 mehrere Fuß tiefer Schnee liegt mrd die Fahrpersonen.' lat bei rost auf dem Schlitte» fährt, ist der Postwege« an einyerdenili

Fronhausen, 1. Jan. Wie am Weih­nachtsabend, so veranstaltete auch am Stzlvesterabeud der hiesige Kirchenchor, der über 60 Mitglieder zählt, eine Liturgische Feier in der hiesigen Kirche. Beide Feiem waren gut besucht uud es fanden die Gesänge des Chors die gebührende Anerkennung.

B. Lohra, 1. Jan. Mit dem heutigen Tage ist endlich der für die hiesigen Schulverhältnisse schon längst nothwendig gewesene dritte Lehrer an deu hiesige» SchulorgauiSmus von König!. Regierung be­stellt. Leider fehlt es am allernothwendigsten, nämlich am Schulsaal, und dieser wird sich auch wohl schwer­lich ein solcher miethSweise beschaffen lassen, der der Kinderzahl nur einigermaßen entspräche. Man wird sich deshalb so gut wie es eben geht, mit den zwei vorhandenen Schulsälen behelfen müssen, bis der ge­plante Schulneubau, dessen Grundsteinlegung in diesem Frühjahr erfolge» dürfte, vollendet fein wird.

§ Niederasphe, 30. Dez. Gestern hielt der hiesige Krieger- und Landwehrverei» seine diesjährige Generalversammlung ab, verbunden mit Neuwahl des Vorstandes. Kamerad Grau, der schon seit dem Bestehen dem Vereine vorsteht, wurde einstimmig wiedergewählt. Zum Schriftführer wurde Kamerad Prinz, zum Kafsi:rer Kamerad Mauke! II. ernannt. Auf allgemeinen Wunsch wurde beschlossen, am 4. uud 5. Juni 1900 (1. und 2. Pstagstseiertag) ein Kriegerfest abzuhalten. Hierauf folgte eine gut durchdachte, echt patriotische Rede des Kam. Priuz, die mit großem Beifall auf- genommeu wurde. Er wies in derselben auf das (letzte) 19. Jahrhuudert zurück und machte darauf aufmerksam, wie fich Deutschland in dieser Zett ent­wickelt und emporgeschwungen hätte und schloß mtt einem dreifachen Hoch auf Se, Majestät den Kaiser.

Kirchhain, 30. Dezbr. Am Neujahrsmarkte, dem einzigen, jährlich hier stattfindeude» Krammarkte, herrschte wie gewöhnlich ein großer Trubel. Käufer und Verkäufer nützlicher und unbrauchbarer Attikel hatten sich in großer Menge eingefunden. Uralte Sitte ist eS, daß an diesem Tage Bewohner auS allen Dörfern nuferes Kreises fich einsinden, und die bunten, verschiedenartig von einander abweichenden Bolksttachten bieten dem Auge ein malerisches Bild. Nachdem die Marttbesucher einige Stunden bei fröh­lichem Geplauder oder lustigem Tanz verbracht haben, eilen dieselbe» mit ihren Einkäufen und erleichtertem Geldbeutel in ihre Heimathsdörfche« zurück. (F. Z.)

Amöneburg, 20. Dez. Der Privatier Peter Rhiel von hier, eine allgemein beliebte Persönlichkeit, unternahm dieser Tage einen Ausflug nach seinem frühere» HeimathSorte Rüdigheim wo er ehedem Bürgermeister und Laudwitth gewesen war um »och einmal seine allen Freunde aufzusuche». Als er nun gegen 9 Uhr guten Muthes seinen Heimweg antrat, kamen ihm einige junge Männer am Aus­gang deS Dorfes entgegen, überfielen und miß­handelte» ih» derart, daß er »ur noch mit Mühe das nächstgelegene HauS auffuche» konnte, wo er nun schwer verwundet zu Bette liegt. Hoffentlich werden die Burschen der gerechten ©traft nicht entgehen. (F. Z.)

§§ Schweinsberg, 1. Ja». Bei der letzten hier abgehalleue» Treibjagd kamen zur Sttecke 186 Hase»; wegen des ThauwetterS lag der Hase sehr fest.

Deutsches Reich.

* Berit«, 2. Januar.

Unser Kaiser hat aus Anlaß der Jahr­hundertwende folgende Auszeichnungen verliehen: Dem Oberst-Schenk, Fürste» Hermann von Hatzfeldt zu Tracheuberg, Ober - Präsidenten der Provinz Schlesien, unter der Bezeichnung eines Herzogs zu Tracheuberg, Fürsten von Hatzfeldt die Herzogs- Würde. 3» den Fürstenstand ist erhoben der Bot­schafter am österreichisch ungarische» Hofe Graf Philipp zu Eulenburg, Graf Richard zu Dohna-Schlobitten und der Wirkliche Ge­heime Rath Graf Edzard zu Inn- Hause» und Kuyphausrn auf Lützburg. Der erbliche Adel ist verliehen worden: dem Staats-Minister und Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen zu Berlin. Aus demselben Anlaß hat der Kaiser nachstehende Offiziere in de» Adelstand erhoben: den Admiral Koester, den General der Infanterie Oberhoffer, den Generalleutnant K u h l m a y, deu Generalleutnant zur Disposition Knabe in Eharlottenburg, den Generalleutnant B e r g e m a u n Kommandanten deS Jnvalidenhauses in Berlin, den Generalleutnant zur Disposition Kamphövener iu Konstantinopel, bc« Generalmajor Siebert, Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, den Generalmajor Schmidt, deu Generalmajor D u litz, den Generalmajor außer Diensten Seeger in Görlitz, den Oberstleutnant Fritz, beim Stabe deS KönigS-Jnfanterie-Regiments Nr. 145, und den Major Pelzer, Beauftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte eines AbtheilungS-Chefs im Kriegs-Ministeriurn.

An Stelle des Allgemeinen Ehrenzeichens in Gold hat der Kaiser beschlossen ein silbernes Kreuz mit goldenem Mittelschilde am Baude deS GroßkreuzeS des Rothen Adler-OrdenS als erste Klasse des Allgemeinen Ehrenzeichens einzuführen.

P r i u z H e i» r i ch ist vom Kaiser Franz Josef zum österreichischen Vizeadmiral ernannt worden. Dem Prinzen wird bei seiner Rück­kehr tht feierlicher Empfang von der Stadt Kiel bereitet.

Herr Edmund Klapper, der Herausgeber der.Agrar. Korresp.*, war wegen Majestätsbeleidigung am 11. Oktober vom Landgericht I in Berlin zn sechs Monaten Festungshaft veruttheilt worden. DaS Reichsgericht hat die Revision verworfen.

In der Schweiz hatte daS Deutsche Rerq bis jetzt nur ein Berufskonsulat zu Basel, mm« mehr soll ein zweites, und zwar ein Generalkonsulat zu Zürich, errichtet werde».

Wie verlautet, istfür die ällere« Posträthe eine besondere U e b e r r a s ch u n g für dal offizielle erste Jahr deS neuen SäkulumS geplant, von de» vorhandenen rnnd 170 Posträchen kann nämlich kaum der vierte Theü jemals in eine Stelle all Bezirks-

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- 4* .Rerf eie r am kaiserlichen Hofe. *

Die a«S Anlaß der Jahrhundertswende an- geordnete» Feierlichkeiten am Kaiserliche» Hofe be­gannen am Sylvesterabend, um 111/4 Uhr, mit einem Gottesdienst in der Kapelle des Königliche» Schlosses. Dan» fand im Weißen Saal eine Gratulations-Cour statt. Während derselbe» begänne» die Truppe» der Berliner Garnison Aufstellung zu nehmen, vom Denkmal Friedrich des Großen bil zur Cchloßbrücke standen sich ihre Reihen gegenüber, alle Trupp:« zu Fuß. I. M. die Raiferin mit den Prinzen August Wilhelm und Oscar und der Prinzessin Victoria Luise begab fich in sechsspänniger Galacaroffe mit Vorreitern nach dem Zeughaus, um der dortigen Feierlichkeit von den Fenstern deS ersten Stockwerks aus zuzuschauen.

Der Kaiser, der Kronprinz, die Prinzen Ettel Friedrich und Adalbert, das Band des Schwarze» Adlerordens Über dem Mantel, gefolgt von den Herren des Hauptquartiers erschienen z» Fuß aus Portal VI, der Kaiser begrüßte die Fahnenkompagnie uud Standarteneskadron und schritt bann nach dem Zeughaus, vou den Hochrufen des Publikums ge­leitet. Auf der Plattform vor der Ruhmeshalle, zu der die schöne doppelte Freitreppe emporführt, war ein Feldaltar errichtet, ihm zur Sette staud der evangelische und der katholische Feldprobst der Armee und die Militärgeistlichkeit von Berlin. Auf den Stufen der beiden Treppen fanden die Fahne» uud Standarten mit den Fahnenoffizieren Aufstellung. Die Feldzeichen trugen bereits die vom Kaiser als besondere Ehrung verliehenen Bänder uud Spangen. Feldpropst Richter nahm die Neu-Weihung der Fahne» u»d Standarte» deS Gardekorps vor, indem er die Feldzeichen für das neue Jahrhundert segnete, das Niederländische Dankgebet machte de» Schluß, während vom Lustgarten her 33 Salut - Schüsse er­tönten. Der Kaiser hielt hierbei eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung dieses Jahrhunderts für die Armee hinwieS. Der Kaiser gab nunmehr die Parole aus, nahm die Rapporte der Leibregimeuter, Leib- kompagnien und Leibescadrous, sowie militärische Meldungen entgegen und begab sich zu den aufge- . stellte» Truppe» deS Gardekorps. Se. Majestät schritt die Front unter den Klängen der Präsentir- märsche ab und nahm einen Vorbeimarsch ab. Hier­bei hatte Se. Majestät seinen Stand gegenüber dem Palais der Kaiserin Friedrich. Die Infanterie ging in Compagnie - Kolonnen, die berittenen Truppen gingen in Zügen vorbei, die Fahnen, resp. Standarten marschitte» geschloffen in der Richtung nach der Schloßbrücke. Endlich wurde» die Feldzeichen wieder ins Schloß abgebracht, wohin auch der Kaiser mit den Prinzen-Söhneu um lx/2 Uhr zurückkehrten.

Aus Marburg uud Umgegrud.

Marburg, 2. Januar.

* Mit der heutigen Nummer unserer Zeitung geben wir für die Gesammtauflage unsere» Wand­kalender für daS neue Jahr aus. Mögen unsere Lesers viele glückliche Tage darauf zu verzeichnen haben. Unsere Stadtabonnenten erhalten gleichzeitig mit dem Kalender die übliche NeujahrSgabe, die Schreibmappe.

+ Zum Jahrhuudertwechsel. Auch iu unserer Stadt wurde das neue Jahrhuudett froh begrüßt. Um 12 Uhr Nachts fand sich auf dem Marktplatze eine große Menschenmenge ein, um dort den Klängen mehrerer von der städtischen Capelle gespiellen Choräle zu lauschen. I» den meisten Häusern hatte man im trauten Familienkreise noch einmal »ach aller Sitte den Christbaum angebrannt.

* Die Jahrhundertwende festlich zu begehen ist auch in hiesigen Vereinen angeregt worden. In welcher Weise dieser Anregung Folge gegeben werden kann, soll l« einer Besprechung festgestellt werde», die heute Abend im Restaurant Bärtsch stattfindet und zu der die Vorstände der Vereine eingeladen find.

+ Liederverein. Wie seit längeren Jahren so vereinte» fich auch am gestrige» Neujahrstag die Mitglieder deS LiedervereiuS im Hotel Pfeiffer zu einer gemächlichen Zusammenkunft. Den Kaisertoast brachte Herr Kaufmann Storck aus. Sei heiteren Gesängen unter der treffliche» Leitung des Herr» Bättsch und humoristische» Vorträge» verliefe» die Stunde» sehr schnell.

+ Jahrhundertfeier. Anläßlich der Jahr­hundertwende hatten gestern die Vereine Lieder­tafel und Krieger-Kameradschaft im Schloßgarte» eine Feier veranstaltet, die einen erhebenden Verlauf »ahm. Herr Robert Becker gab eineu Rückblick auf das verflossene Jahrhuudert und brachte das Kaiserhoch aus. Auch Herr Hauptlehrer Emil Schneider, der Dirigent der Liedertafel, hielt eine Ansprache. Letzterer Verein brachte auch mehrere Gesänge recht schön zum Vorttage. Die Feier dürfte jedem Theilnehmer tu angenehmer Erinnerung bleiben.

4- Vortrag. Wenn es schon an deu beiden voraugegaugeuen BorttagSabenden, welche von deu Freunden regen evangelischen Gemeindelebens in diesem Winter im Museum veranstaltet wurden, von Besuchern auf keinen Fall mangelte, so hatte doch der auch letzten Sonnabend angekündigte Vortrag deS in den letzten Jahrzehnten so viel genannten und wett und breit bekannten Herrn Hofpredigers a. D. Stöcker an» Berlin auf alle Kreise unserer evange­lischen Bevölkerung eine solche Anziehungskraft aus­geübt, daß schon eine Stunde vor Beginn in den Sälen und Gallerten des Museums kaum noch ein Stehplatz zu finden war.Ein Blick in die Zeit an der Wende des Jahrhunderts* betitelte fich das Thema, über welches der greife Prediger und Volks- beratljer referirte. Noch nicht lange wäre es her, da hätten hervorragende Männer die Frage aufgeworfen: Welches ist das größte Ereigniß des Jahrhunderts?" Diese Frage sei in zweierlei Hinsicht zu beantworten. Auf polittschem Gebiete betraute man die Wiedererstehung deS deutschen Reiches uud auf kirchlichem Gebiete daS mächttge Hervortreteu der Innern Mission als das größte Ereigniß deS Jahrhunderts. ES sei richtig, denn am Anfang dieses Jahrhunderts sei die deutsche Nation geradezu zerschmettert gewesen, heute stände sie groß und mächtig, gefürchtet uud geachtet in der Welt. Die Innere Mission gebe dem deutschen Vaterlande stets neue Lebenskraft. Die auffälligste Erscheinung, welche am Schluffe des Jahrhunderts sehr ernst genommen werden muffe, fei der drohende Umsturz. Die 2x/4 Millionen Stimmen, welche bei den letzten Wahlen die Arbeiterbewegung verkörpert, geben zu denken. Die evangelische Bevölkerung Deutschlands müsse auf dem Platze sein, denn während in den vier katholischen Großmächten Kämpfe tobten, ge­wännen im evangelische« Deutschland die Ultramontanen an Einfluß. Die Situation sei also die, daß Deutsch­land auf der einen Seite groß und mächtig und auf der anderen Seite von Kämpfen zersetzt am Wende­punkte deS Jahrhunderts dastehe. Die tiefe Religiosität, die sich ans schweren Zetten hindurch gerungen, das Berttauen auf Gott, daS unsere Freiheitskämpfer von 1813, unsere Krieger von 1870 ausgezeichnet, werde auch die evangelische Christenhett vor Gefahren schützen und dieselbe mit dem WahrspruchJesus Christus, gestern und heut, und in alle Ewigkeit* ins neue Jahrhuudert hinüberführen. Während der über lx/t stündigen sehr ausführlichen und intet» effanten Ausführungen wurde eine Anzahl Zuhörer ' - dem dichten Gedränge ohnmächtig.

f * Einen betrübenden Vorfall, der vielleicht een Menschenleben kosten wird, Hai die leidige Unsitte, in der Sylvesternacht zu schießen, in Marburg herbei- geführt. Ein beschäftigungsloser Kaufmann Houy auS Hanau, der fich hier als Student auSgab, hatte fich auch mtt einem Revolver bewaffnet; wohl stark unter dem Einfluß allzu reichlichen GeuuffeS alkoholischer (getränte stehend, hatte der junge Mensch diese Waffe mtt scharfen Patronen geladen und als et gestern Morgen kurz vor 7 Uhr in der Nähe bei Mönch-

BensischieS.

Akademische Nachrichten. Die juristische Fakultät der Universität Rostock hat vier hervorragen. !>en Juristen beS Landes, und zwar dem StaatSrath von Arnsberg-Schwerin, dem Präsidenten deS Ober« audesgerichts Frhrn. von Maltzan, dem Präsidenten >eS Rostocker Landgerichts und Conststorialdirektoi lhmsetter und dem Oberlandesgerichtsrath Allvater in Rostock deu Grad eines Doctor honoris causa verliehen.

Unfall eines deutschen TampferS. Wie schon ürz am Sonnabend gemeldet ist während eines festigen Südwestflurmes, ein auf der Fahrt nach Rotterdam befindlicher Hamburg - Amerikanischer

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AuS Nah und Fern. Freitag Abend wurde auf eine» Selb briefträger zwischen Kletzke und Biesecke (bei Perleberg) ein Raubmordversuch gemacht. Es wurde» drei Schüsse uns deu Brief­träger abgegebe», so daß er vom Rade stürzte. Derk Thäter wnrde als ein Uhrmacher ans Kletzke erkannt und verhaftet. Die Verwundungen bei Ueberfaflenexi

Gießen, 1. Jan. Die bei bem Zusammenstoß zweier Lokomotive» verunglückte» Lokomotivführer und '

Dampfer auf die Sandbank östlich von Dnngeneß aufgefahreu fei. Das Schiff ist der Hamburg- Slmerikanische DampferPelotas*. Die Passagiere ind in Sicherheit. Der DampferPelotaS* konnte aut Rhederei-Nachrichten bisher noch nicht abge- i »rächt werden und er verlangte Schlepperhülfe. Das Schiff verlor das Ruder, die Verschanzung und de» Hintersteven. Es muß eventuell die Ladung werfe», st aber dicht.

Dal Ende der Fremdentrauungen auf Helgo- and. Auf unserer Insel habe» heute so schreibt ma» derT. R.* unter dem 29. Dez. vo» Helgo- anb zum vorletzten Male Fremdenttauungen tattgefnnde». Am heutigen Tage wurde» gleich leben Paare getraut. Voraussichtlich trifft Sonn­abend mit einem Sonderdampfer das letzte Paar ein, und damit haben bau» bie Fremdenttauungen au Helgoland ihr Ende erreicht.

Bitte zu «ehmen. Eine» unangenehmen Stteich pielte ein frisches Lüftchen dieser Tage bem Besitzer einer Südfrucht-Haublung in London. Der Mann hatte sich vor kurzem in einer belebten Straße etabliert, und um das Publikum anzulocken, ließ er hübsche bunte Ansichtskarten mit einem Preis- verzeichniß seiner Haaren anfertigen. Diese plackte er in ein Körbchen, da» er außen an bem Schau­fenster befestigte. An bem Kartenbehälter hing eir Plakat mit den WortenPlease take onel (Bitti eine zu nehmen). Es wehte gerade ein ziemlich starker Wind und dieser zerrte so lange an bem Plakat, bis es sich vom Korb löste. Der Anfall wollte, baß eS auf eine vor der Thür stehende Kist< mit Apfelsinen fiel. Die Passanten trauten kann ihren Augen, als fie auf den schönen großen Drangen die liebenswürdige AufforderungPlease take onel* bemerkten. In bem Glauben, daß dies ein neue» Trick sein sollte, Kunden heranzuziehen, trat einer nach dem andern näher und suchte sich eine Fruch aus. Der ahnungslose Kaufmann entdeckte feiner Schaden nicht eher, bis ein kleiner Knabe in feinen Laden trat und bescheiden fragte, ob er nicht zwei Apfelsinen nehmen dürste eine für fich und eine für fein krankes Schwesterchen zu Hanse. Als der verblüffte Obsthändler hiuauSeilte, fand er feine Oraugenkiste zur Hälfte geleert.

Wie dankt Frankreich einem Fremden- lcgiouär? DieStraßb. Post* berichtet von einem Deutschen, der dieser Tage in Mülhausen eintraf, nachdem er 15 Jahre in der französischen Fremden­legion gedient und verschiedene militärische Expe­ditionen u. A. »ach Tongking, Madagaskar mitge­macht hatte. Der Mann besaß ein gutes Führungs- zeugniß und sogar bie Medaille militaire, bie nur tüchtigen und ttiegserfahreneu Leuten verliehen wird. Nach der im vollste» Maße erfolgte» Erfüllung seiner Frautteich gegenüber eingegangeue» Verpflichtungen trat er aus der Fremdenlegion aus uud wurde nun zum Danke aus Frankreich auSgewieseu. Die Straßburger Post* fügt Hinz«:Mau kau» nicht dringend genug vor dem Eintritt in die französische Fremdenlegiou warnen. Auch dieser Heimgekehrte weiß nur von menschenunwürdiger Behandlung unb haarsträubenden Vorgängen zu erzähle», die Jedem die Lust, ttr die Fremdenlegiou einzuttete», verleiden

* Straßenbeleuchtung für de« Monat Januar

1900.

Datum

Volle Beleuchtung

Richtungslaternen

1. bis 8.

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