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öchentliche Beilagen
Mcir-buvg
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-
Erstes Blatt
zwölf Seiten.
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nebst deren Gratisbeilagen
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t Schlüsse ziehen und über all den schönen
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Eiger berathen.
Richtiger gesagt, er hat ihn in
34. Jahrg.
löffeln vPfg. er und
greifen. ^reiSblatt für die Kreise Marburg uni SNIstAchhrm", „Illustriertes Sonntag-
macht gegen Estcourt marschirt sei, muß man wohl annehmeu, daß General White kapituliert hat; denn cs läßt sich doch nicht aunehme», daß Joubert sich diesen Gegner im Rücken stehen läßt. Auch im Kap laud habe» die Buren Foitschrilte gemacht und mehrere Städte besetzt. Bon dort wird man wohl bald etwas Neues hören, da General Buller von seinem Hauptquartier in De Aar demnächst aufbrechen wird und auch die Entsatzdivision für Kimberley in den nächsten Tagen abgehen soll. Die Buren haben also Eile, wenn sie ihren Freund Cecil Rhodes fange» wollen. Immerhin wäre es möglich, daß alle diese Operationen der Engländer durch einen Ausstand im Kapland gehemmt werden; die Anzeichen einer weit um sich greifenden Gährung unter der holländische» Be> völkerung werde» dort immer deutlicher.
Was sonst im Auslande geschah, ist von geringer Bedeutung und erweckte gegenüber dem Ringen in Südafrika wenig Interesse. In Frankreich, in dem jetzt der Royalistenproceß spielt, beschäftigte man sich vielfach mit der Frage der Amnestie; die einen befürworten nur eine Amnestie Zola's und Picquart's, andere wollen sie auch auf die Generalstäbler, wieder andere auch auf den Royalistenproceß ausgedehnt wissen, der ja auch mit der Affaire in Zusammenhang steht. Die Entscheidung in dieser Angelegenheit wird dem Ministerium noch manche Schwierigkeiten bereiten und nicht unmöglich ist eS, daß das Ministerium über sie falle» wird. Die Gegensätze zwischen de» einzelne» Parteien find eben zu groß, und die Spaltungen, die der Dreyfusproceß hervorgerufen hat, zu tief, als daß man fie leicht beseitigen könnte.
latt" und „Verlootungsliste der gl. preußischen Klassenlotterie"
■ »Erörterungen; das ist auch natürlich, da der
(Hl* Hrrakter eines Familienbesuchs streng gewahrt wird
«paar dem Jnselreich den Rücken kehrt »nd Wbehalten heimische'Erde wieder betritt.
oldNerlag: Joh. Äug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei irr Marburg. Expedition: Marti 91. — Telephon 55.
zweiter Lesung ohne Berathung glattweg abgelehnt. Drnn das Schicksal der Vorlage war schon entschieden, als der Reichstag, nachdem die Antragsteller der beiden Unteranträge zu Wort gekommen waren, die Kommisfiousberothuug ablehnte. Wohl selten hat eine Regierungevorlage von solcher Wichtigkeit eine solche Behandlung erfahren. Allenthalben klagte man über den Terrorismus, der sich mehr und mehr im Erwerbsleben breit macht und der namentlich bei Ausständen von der Sozialdemokratie ausgeübt wird; grobe Ausschreitungen Streikender wurden namentlich aus jüngster Zeit bekannt. Ceutrumsblätter führen bewegte Klage über die Drangsalirungen christlich organisirter Arbeiter seitens der Sozialdemokratie; »och in letzter Stunde erhebt der Verband deutscher Industrieller seine gewichtige Stimme zu Gunsten des Grundgedankens der Vorlage, umsonst, der Reichstag wünscht kein Einschreiten gegen den Terrorismus, er will dem Staate keine Abwehrwaffe gegen die Sozialdemokratie in die Hand gebe», die Vorlage fällt. Siegesjnbcl herrscht in de» Reihen der Sozialdemokratie, die einen neuen Erfolg errungen hat, deren Machtbewußtsei» auf's Niue gestärkt worden ist. Man wird wohl bald sehen, wie es sich bethätigt. Von der Regierung aber erwarten wir, daß sie den Grundgedanken der Vorlage festhält und bei paffender Gelegenheit auf's Neue vorbriugt. Wer weiß, ob den kurzsichtigen Politiker», die heute aus kleinliche» Bedenken oder taktischen Erwägungen der Vorlage das Grab gegraben haben, nicht recht bald die Augen aufgehen werden. Die Sozialdemokratie wird dafür vielleicht sorge». '
Sonst ist noch aus den Arbeiten des Reichstags zu erwähnen, daß die P o st r e f» r m e n, vom Generalpostmeister Podbielski befürwortet, jetzt beschlossene Sache find. Die Schwierigkeiten, die namentlich die Privatpostfrage gemacht hat, find überwunden, die Privatposten sind endgültig gefallen, die Umgestaltung des Zeitungstarifs In die Wege geleitet. Herr von Podbielski kann zufrieden mit feinen Erfolgen fein.
In Südafrika steht es für die Engländer nicht zum Besten. Wohl find die sehnsüchtig erwarteten Truppenverstärkungen endlich angelangt, aber es wird doch »och einige Zeit vergehen, ehe sie marsch- fertig find. Bis dahin aber werden die Buren noch weitere Fortschritte machen. In Natal find fie schon jetzt im Vormarsch auf Pietermaritzburg. Estcourt haben fie, dieselbe Taktik wie bei Ladysmith an- wendend, überflügelt und eingeschlosstn, sodaß die Engländer also schon auf der untersten Stufe des nach de» Transvaalpäffen aufsteigenden Berglandes Arbeit vorfiaden werde» und den schwierige» Ueber- gang über de» Tugela nicht mit frischen Kräften vornehmen können. Das Schicksal von Ladysmith ist völlig in Dunkel gehüllt. Da es aber heißt, daß General Joubert, der Todtgesagte, mit seiner Haupt
es 9.
Vorle^
(* * * * * * 7nn Während der Kaiser in England weilt, hat der 'r. MDtichstag über den in der Oihnhauser Rede T"7 ^kündigten Gesetzentwurf zum Schutze ArbettS-
Erfchrint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartals-Abonnements-Preis bei der Expedition S Mk, bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnierrionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.
-s Prid« >r. Thiel, rhaudschß
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Umschau.
Die Englandfahrt unseres Kaisers.
Die Bemühungen englischer Blätter, den Kaiser- besuch in Windsor zu einem hochpolitischen Ereigniß zu stempeln, erhalten durch die Vorgänge am Donnerstag neue und, wie man zugebeu muß, reichliche Nahrung. Chamberlain toinbe nach Besprechungen mit Bülow und Hatzftldi auch vom Kaiser empfangen. In welcher Richtung sich diese diplomatischen Verhandlungen bewegt haben sollen, läßt daS folgende Telegramm erkennen: Die englischen Zeitungen sind bemüht, die gestrigen Konferenzen in Windsor als einen Beweis wichtiger politischer Abmachungen zwischen England und Deutschland und als Einverständniß über den Transvaal-Krieg auszu- uutzeu. Sie nehme» an, daß dem Kaiser die Pläne der englischen Regierung über die Zukunft Transvaals und des Freistaats vorgelegt wurden und ein Arrangement über die deutsch - englischen Beziehungen in Südafrika stattgefunden habe. — Wir hoffen trotzdem, daß bei diesen Meldungen der Wunsch der Vater des Gedankens war.
Wochenschau.
** Unser Kaiserpaar weilt augenblicklich in
«d demzufolge unser Kaiserpaar wenig in die Oeffent- Hkcit tritt. Auch in der englischen Presse macht
„Im stillen Kämmerlein".
k Bei der zweiten Berathung des Gesetzentwurfs betreffend den Schutz des gewerblichen Arbestsver» hältnisses äußerte der konservative Fraktionsredner von Loebell, die Vertreter der bürgerlichen Parteien möchten sich doch diesesj Lob der Sozialdemokratie etwas zu Herzen nehmen nnd möchten doch noch einmal im stillen Kämmerlein prüfen, ob es denn wohlgethau war, hier die Geschäfte der Socialdemokratie zu besorgen, denn etwas anderes thun sie durch ihren, die CommtssionSberathung ablehnenden Beschluß nicht, fie haben thatsächlich die Geschäfte der Svcialdemokratie im vollsten Umfang selbst übernommen.
Zu dieser „Prüfung im stillen Kämmerlein" dürften die thcils triumphirenden, theils höhnischen und drohenden Auslassungen der sozialdemokratischen Presse, die mit Fug und Recht die „Verscharrung" der „Zuchthausvorlage" als ihren Sieg und als ihr Werk ausgeben, erneute» Anlaß bieten. Leider ist aber zu befürchte», daß, möge diese Prüfung int „stillen Kämmerlein" ausfallen wie fie wolle, der Fraktionsgeist alle Gefühle der Rene übertäuben werde. So wenig wie die R.ichStagsmehrhett am 20. November nach de» Gesetzen der Logik und Sachlichkeit verfahren ist, sondern sich nur durch Berücksichtigung der in den Arbeitermassen künstlich erzeugten Stimmung hat leite» lassen, so wenig wird sie auch in Zukunft bei ähnlichen Fragen anders als vom wahltaktischen Standpunkte aus verfahren. Sachlich ist gerade von Seiten der Cevtrums- und nationalliberalen Partei festgestellt, daß ein unerträglicher socialdemokratischer Terrorismus besteht. Sach« lich und logisch richtig wäre es also gewesen, wenn nicht die Verpflichtung, so doch wenigstens die gute Absicht der Regierung, schützend einzugreife», anzuer- kennen. Statt desfen hat die Reichstagsmehl heit in jeder Weise „die Geschäfte der Socialdemokratie", deren Bestreben nicht nur darauf ausging, die Vorlage abzuwenden, sondern der Regierung hinterlistige Nebenabsichten zuzuschrciben und deren Autorität dadurch zu untergraben, besorgt. Das „Hambu-ger Echo" schreibt selbstbewußt: „Die Socialdemokratte ist ein politischer Machtfaktor geworden, mit dem man rechnen muß, mag's auch noch so schwer ankommen, daran können auch die muthigste» Personen der Re- gierungsvertreter nichts mehr ändern". Und der „Vorwärts" äußert hoffnungsfreudig: „Die Kluft wird breiter und breiter zwischen Regiernug und Volk". Wir sollten meinen, baß denjenigen „bürgerlichen" Abgeordneten, die an der schmachvollen Behandlung der wohlgemeinten Vorlage betheiligt waren, bei dem Lesen dieser GefühisauSbrüche doch etwas schwül umS Herz werden müßte.
il)hOD ier^en DOn allen Postanstalten, Landbrief- Münchm in der Expedition (Markt 21), sowie horrbräi M unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain DÜimbadi md Heustadt entgegengenommen.
k. 2.50 . Unioa-Bii !
k. 2.- nkfurter rei Henrii
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bonua Die heutige Nummer umfaßt
: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Jllustrirtes Sountagsblatt. " ’**
k. I 50
gerb.er hdzland. Die vielbesprochene Fahrt giebt nunmehr, ier)Mk lJ bl fie in die Wirklichkeit überführt ist, wenig Anlaß
Novtz, imSltxu
Bureaux von Haasenstcin & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- x oz? tonn tura, Wien; Rudolf Masse, Frankfurt a. M„ Berlin, München, Köln;
Söuutug, tib. "tllöemöer 180". T. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris re.
lanR™1«Seiten nicht die vom Neid eingegebrne» häßlichen Englands gegen Deutschland vergiften, i—^fcubig sehen wir dem Tage entgegen, an dem unser
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mlung, einen btjj kstam. .
IM allmählich ein etwas nüchterner Ton bemerkbar, üvohl es in den Artikeln, die de» hohen Gäste» zu ihre» geschrieben werde», an Ueberschwänglichkeiten W fehlt. Wir werden in Deutschland uns vor .llaze» halten, wie die englische Piesse denselben fb- 1Mscher, den sie jetzt feiert, auf daS heftigste und . 25 Ps^tttsönlichste befehdet hat, und wir werden daraus
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Nachdruck verboten
' i»r »neta aues zum «nuetoen oereu:
HeSfttZ g,. kostbare, spitzenbesetzte Wäsche, durchbrochene u”®t>fe, fein wie Spinnweb, zierliche, mit Myrten
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Dilles und langweiliges. Dem Buchstaben nach 1 JjaoH verheirathet und wird doch nicht dafür ange- , 9®, wenigstens nicht von denen, die Religion haben
sein tote tzxpumtoeo, zieruche, mit Myrten 2***e Ailasschnhe; dann des Bräutigams Gabe, 91 wundervolle» Diamauteuschmuck, der in der
Roman von H. Palm« P a y s e n, (Fortsetzung.)
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»Danke, ja, und recht schnell und gleich jetzt, r®8 * * eS auch noch zu früh ist. Ich will mich nach- ? in Putz und Schmuck noch eine Stunde int siegel betrachten, damit ich weiß w'e eine glückliche - jS11 Eigentlich müßte ich sagen: eine Frau. ■**’t Einrichtung mit der Ctvilehe ist etwas
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7^»on fühlt sich durchaus nicht gebunden — kann nicht wieder von der Feffel los, bloS weil man Namen unter ein Schriftstück gesetzt hat. Als der Beamte mit seiner trockene», dürre» Stimme „Sie find nun verheirathet," — hätte ich ? beinahe angelacht. Papa aber sah fo fürchter- ernst »»d komischer Weise bange drein, daß ich fr$ beherrschte. Und dann, wenn ich gelacht, hätte 'uch Mama betrübt. Ach Gott ... . !"
, lei diesem schwer herauSgtstvßenen Seufzer hatte ^"4 auf ein am Fenßer stehendes Schlafsofa aus- S Ihre Hände unter dem zuiückgeworfeue» \ zusammengefalteud, verfiel fie in ein längeres 5h"ehtete daher nicht «nf die im Zimmer emsig L- ^ch°ff-°de Schwester.
i- c'Iga legte für Gisela alles zum Ankleiden bereit:
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hereinblinzelnden Mittagssonne funkelnde Lichter sprühte — auf einem Tischchen neben der Toilette allerlei Toilettegegenstände, zur Frisur benöthigte Sache». Ihre Aufmerksamkeit richtete sich so ausschließlich auf ihr eigenes Thun, daß fie auf Giselas Worte kaum achtete und jetzt wo diese schwieg, nur hiervon redete. Sie war gut, herzensgut diese Schwester, gleichwohl für Giselas Feuerseele eine allzu nüchterne, phantasielose Natur, allzu ruhigen Blutes, um den auf- und niederflulheudeu Gefühls- strömnngcn in Giselas Empfindungsleben folgen zu können.
„So," sagte Olga, befriedigt umherschauend, „ich bin so weit, jetzt könnten wir anfangen.*
Sie schien anzunehmen, Gisela habe ihren Hantierungen anftnerksam zugeschaut, weil fie so still geworden. „Wo nur Gerda bleibt? Mtt dem Nelkenkranz muß fie doch längst schon fertig fein."
„Mtt welchen Nelken?" fragte Gisela. Ihr Gesicht war plötzlich roth geworden. Glühend heiß ward's ihr zu Mnihe. „Bitte, Olga, erinnere wich heute nicht an — Nelken," sagte fie und schrttt im Zimmer auf und nieder, zu lebhaft, um fich länger als auf ein paar Minuten der absoluten Unbeweglichkeit hingeben zu können, auch wohl zu erregt in diesem Augenblicke.
„Man könnte ihm so gut fein," mmmelte sie vor fich hi», „ich möchte ihm so gern vertrauen und bemühe mich so — trotzdem —"
„Was sagst Du? — Ich verstehe Dich nicht," bemerkte Olga. ÄL
Eine Antwort konnte ihr nicht werden, denn jetzt ließen fich draußen Stimme und Schritte hören, und gleich darauf erschien im Rahmen der Thür die
schlanke Gestalt der Mutter, und nach ihr trat auch Gisela» Lieblingsschwester, ins Zimmer.
Besaß Gerda auch nicht die volle Schönheit der Mutter, s» ähnelte fie ihr doch sehr, nicht nur durch den schmalen, blonden Madonnenkopf, auch durch die Sanstmuth und geistige Bedeutung der Züge.
ES ward lebhaft im Zimmer.
Vorerst wurde die Brauttoilette beschaut und kritisiert.
„Sehr hübsch", lobte Frau v. Belendorf, und Gerda sagte: „Papa meint, zu einfach. In Atlas und Seide müßte Gisela großartiger aussehen. WaS sagst Du selbst Gisela?"
„Daß mir alles so recht ist", antwortete diese gleichmüthig, unverwandt nur die Mutter auseheud. „Was toifl Mama?„ grübelte fie bei fich. Sie ist nicht um daS Kleid gekommen."
„Etwas interessierter könntest Dn Dich dafür wohl zeigen," tadelte Olga. „Wenn ich Dir sagte; „Der Himmel glüht, es giebt einen prachtvollen Sonnenuntergang", so würdest Du jetzt hinaus stürzen und Dich müde rennen, um rechtzeitig zur Ausschau auf den Mühlenberg zu kommen, und das Kleid würdigst D» keines Blickes."
„Du weißt, daß mit Kletdergespräche langweilig find."
„Aber es ist doch Dein Hochzeitskleid," betonte Olga vorwurfsvoll.
„Ihr quält mich," antwortete Gisela nnd strich fich über die heiße Stirn. Daun, fich nicht länger bezwingend, wandte fie fich an die Mutter und fragte: „Liebe Mama, Du wolltest mir gewiß etwas sagen?"
Fran v. Belendorf errötete etwa». ES war nicht da» erste Mal, daß ihr die Tochter die Gedanke» vom Gcsicht ablas.
„Mein liebeS Ki»d," sagte fie freundlich, Giselas Hand in die ihrige nehmend und mtt ihr anS Fenster treten!), „alles, waS eine liebende Mutter ihrem Kinde
zu sagen hat, wenn eS für immer das Haus verläßt, das ist zwischen uns beiden gesprochen worden —
wenn eS noch etwas giebt" — fie senkte die Stimme
— „waS ich Dir ans Herz legen möchte, so ist» die
Bitte: Hab' Ulrich lieb nnd — vertraue ihm."
„Tu denkst an Ulrich — Du sorgst Dich um
Ulrich," betonte fie, und ihre Augen wetteten fich in
trauriger Verwunderung.
„Ja, mir istS, als wüßtest Du feinen Mannes« Werth, feine großen und guten Eigenschaften nicht z» schätzen, überhaupt —" sie zögerte, und widerstrebend kam eS über ihre Lippen: „Ich glaube, Du hast den fatalen Brief noch immer nicht ganz vergeffen."
Gisela starrte in die Ferne, in die Bäume draußen hinein.
„Allerdings, noch nicht ganz," wiederholte fie mechanisch. „Aber ich werde mich bemühen, darüber hinwegzukommen," fügte sie, fich aufraffend, Hinz«. Warum die Mutter ängstigen, e» war ja doch alles zu spät und nichts mehr zu ändern!
grau v. Belendorf küßte die Tochter.
„Mein liebe» Kind," sagte fie innig. „Dir fehlt Welt- und Menscheukennmiß, und der Liebe schlimmster Feind ist das Mißttaue». Hüte Dich davor. Und nun sei ftohe» MutheS, laß Dich von Deine» Schwestern schmücke» und tritt Ulrich »achher in Liebe und Vertrauen entgegen."
Gisela zwang fich ein Lächeln ab und sagte, so munter und resolut es ihr in diesem Augenblicke m-glich war: Du kennst mich ja, Mama, mich, meinen festen Willen und auch etwas von meiner Thatkraft zum Handeln." (Fortfttznng folgt).