gf xitb Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttStS-Buchdruckcrei iu Marburg. Expedition: Markt 21. — Telephon 66.
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kvaltene Zeile oder deren Raum IQ Pfg., Reklamen - die Zeile 25 Pfg. SDttttClftÖQ, 2. VlOuCtUDCr 1899. C. L. Daube & So., Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover, Paris ic.
Die Aufnahme des neuen Flotten-Planes.
68 ist erklärlich, daß der neue weitaussehende oitenplan der Regierung, der eine Verdoppelung feier Schlachtflotte bis zum Jahre 1917 bezweckt, ( verschiedenen Gefühlen aufgenvmmeu ist. Die „okratischen und sozialdemokratischen Blätter lehnen i natürlich von vorn herein ab. Sie brauchen ja tz keine Gründe, denn eine Verstärkung der Üonalen Wehrkraft findet bei diesen Parteien nie klang, mag sie noch so gerechtfertigt sein. Im eigen aber wird der Flottenplan viel ruhiger und »»neuer beurtheilt, als man hätte voraussetzen
Unter diesen Umständen werden die Gegner der Weiterung unserer Kriegsflotte von einer Ausfall- ite zu einer machtvollen Schlachtflotte keinen |ten Stand haben. Die Gründe, die für den tex Flottenplan sprechen, sind ja auch zu schwer, I daß mau sie beiseite schieben könnte. In den ei Jahren, die seit der Einbringung deS Flotten» etzeS verstrichen sind, ist es jedem, der sehen will, t geworden, daß alle Mächte mit großen über« scheu Interessen die Pflicht haben, für eine glichst starke, leistungsfähige Flotte zu sorgen, i übereinstimmende Praxis aller vorwärts strebenden toten schreitet denn auch beharrlich diesem Ziele und die Macht, die in diesem Wetteifer zurück- Ibt, läuft Gefahr, Schicksalsschläge zu erleiden, fie Spanien widerfahren sind.
fluch mit finanziellen Einwänden können die »er des Flottenplane» nicht kommen. Die Lage Reichsfinanzen ist so günstig wie nie zuvor, und ist nicht daran zu zweifeln, daß Mehreinnahmen ! Deckung der Kosten für die neuen Schiffsbauten Beifügung stehen, ohne daß neue Steuern er» « zn werden brauchen. Niemand wird beweisen
daß Deutschland außer Stande ist, die Geld- » für eine weitere Ausbildung unserer Wehrkraft ‘ See zu bringen, wenn überhaupt von Opfern ebet werden darf, wo es fich um die Befriedigung ' wichtigsten und dringlichsten Bedürfnisse, nm Sein i Nichtsein handelt.
D«r wird fteilich unsere Linke nicht anerkennen len; sie wird zweifellos versuchen, durch formelle «lkeu die Vorlage zu Fall zu bringe». So sagt .Freisinnige Zeitung*:
,Hüter den obwaltenden Verhältnissen Hai der 1 Flotteuplan keine andere Bedeutung als eine i schärfere Bindung des EtatirechtS und deS toewMguugSrechts deS Reichstags, als wie in d geltenden Flottengesetz vorgesehen war, und dies wiem Augenblick, wo die Erfahrungen bestätigen, die Regierung selbst fich in keiner Weise «n einen *» Plan auch schon nach 2 Jahren gebunden «t Dem Reichstag als Institution wird durch
den Flotteuplan das denkbar schärfste Mißtrauens» Votum eriheitt. Die Volksvertretung soll ihre Nachfolger in ihren Rechten und der Einwirkung auf die Wehrkraft zur See degradiren. In keinem Staat der Welt ist jemals ein solches Flotteugesetz einer Volksvertretung angesonnen worden.*
Ebensowenig wie die „Freisinnige, geht das „Berliner Tageblatt* auf die Bedeutung einer machtvollen Flotte für Deutschlands Zukunft ein; auch es klebt nur am Buchstaben:
„Der Verfasser dieser marine officiösen Auslassung muß ein beneidenswertheS Naturell besitzen. Ec steht Alles rosenrolh, und von deS Gedankens Bläffe erscheint er absolut nicht angekränkelt. Man denke, eS fällt ihm die Aufgabe zu, nachzuweisen, daß man im vorigen Jahre die Entwicklung der Weltgeschichte nicht habe vorausseh n können, und daß deshalb die Bin» düng auf sechs Jahre hinfällig werden müsse, und in seiner fröhlichen Unbefangenheit steht er nicht an, einen weiteren Flotteuplan auf 17 Jahre hinaus in Ausficht zu nehmen, als ob man im Stande wäre, auf siebzehn Jahre die Zukunft besser im Voraus zu berechnen als auf sechs*.
Die demokratische „Welt am Montag* benutzt die Gelegenheit, um vor der Sozialdemokratie eine Verbeugung zu machen.
„Die Großindustrie macht fich den neuerdings erwachten Weltmachtsdusel zu Nutze. Sie greift das, was hochstehende Idealisten ihr darbieten, begierig auf für ihre Zwecke. Die neue Marinevorlage, die uns sicher in Aussicht steht, soll uns vom richtigen Weg abbringen. Sie soll uns vergessen lasten, daß eS noch wichtige Positionen für das Volk im eigenen Lande zu erobern giebt. So ist es immer und zu allen Zeiten gewesen, daß die Machthaber von den Schäden im Innern durch Eroberungszüge ins Ausland abzulenken suchten. Aber auch immer find bisher noch diese aufgedunsenen Staatskörper zusammen- gebrochen, weil die Fänlniß von innen heraus ihre Grundpfeiler zerftaß. — Bewilligen wir die neuen Marineforderungen, dann geben wir hundert Millionen fort, die uns für unsere soziale Hebung im Innern von unendlich viel mehr Nutzen wären.*
Bemerkt sei übrigens, daß Herr v. Gerlach, bet bekanntlich politischer Redakteur des Blattes ist, diese neueste Nummer nicht als verantwortlicher Redakteur gezeichnet hat.
Die „National-Zeitung* bezeichnet die auch von uns erwähnten Mittheilungen der „Betl. Pol. Nacht.* betreffs der Decknugsftage als „Milchmädchenrechnung*, mit der man der Flottenverstärkung so wenig einen Dienst erweise, wie mit der Parole „noch immer nicht genug* gegenüber dem Ber- starkungSplane. Dann fährt das linksnationalliberale Blatt fort:
„Kein ernsthafter Mensch wird heute eine Ser» muthung über den Ertrag der Zölle und Verbrauchs» steuern im Jahre 1914 wagen. Die Erhöhung der
KetreidezSIe ist ein Projett; die internationale Verständigung über den Fortfall der Zuckerexportprämien ist eine Chimäre. Wie lange die Erträge der Stempelsteuern und der Betriebsverwaltungen „stetig steigen* werden, vermag Niemand »orauszufehen. Wird die Nothwendigkeit einer Verstärkung der Flotte anerkannt, so muß und wird daS deutsche Volk die Kosten auf bringen.*
Die nlttamontane „Germania* meint: Man täusche fich doch nicht: Die „unbaare* Flotten» begeistemng — um einen im Haiwlosenprozeß vielfach gebrauchten Ausdruck hier anzuwenden — verfängt im deutfchen Volke nicht
Entgegenkommender verhält fich die „Krenz- zeitnng*. Sie theilt vor Allem nicht daS gewaltige Erstaune», daß eS aller früheren Reden ungeachtet nun doch nicht bei dem alten verabredeten Plan bleiben soll:
Keinesfalls scheinen uns die Grenzen überschritten zn werden, wenn die Regierung zu der Ueberzeugung gelangt, daß eS bei genauer Innehaltung des Flotten- erweiterungSplaneS von 1898 nicht möglich sein würde, mit den übrigen Seemächten gleichen Schrttt zu halten, d. h. ihnen gegenüber relativ nicht zurück zu bleiben.
Die „K ö l n i s ch e Z e i t u n g* hält die Flotteu- vergrößerung für nothwendig, empfiehlt aber gleichzeitig den Bau des Mittellandkanals, der die Blüthe des Landes und demgemäß feine Einnahmequellen vermehren werde.
Der Artikel der „Münchener Neuesten Nachrichten* schließt mit den Worten:
Das Gemeinwohl steht über allen anderen Er» Wägungen; ist die neue Flottenvermehrung nothwendig — und darüber wird zu diSkutiren sein, aber auch nur darüber -— so giebt eS nur einen entscheidenden Gesichtspunkt: Salus reipublicae, das Gemeinwohl.
Umschau.
Zoll- und HandelSverhiltnisse.
r. Die bevorstehende Einberufung des Wirth schaftlichen AusschuffeS zeigt auf'S Neue, wie eifrig man innerhalb der Reichsregierung mit der Vorbereitung für die im Jahre 1903 nothwendige Erneuerung unserer Handelsbeziehungen zum AuSlande beschäftigt ist. Die durch den Handelsvertrag mit Oesterreich im Jahre 1891 eingeleitete jetzige Ordnung unserer Zofl- und HandelSverhälrniffe giebt bekanntlich zu einer Reihe von nicht unberechtigten Ausstellungen Anlaß. Die Landwttthschaft beschwert fich darüber, daß die Vortheile, welche durch jene Haudelsverttäge und die MeistbegünstigungSvertrige der Ausfuhr- industrie zu Theil geworden find, auf ihre Kosten erreicht find, und daß ihre Erzeugnisse nicht mehr ausreichenden Schutz vor übermächtigter ausländischer Konkurrenz genießen. In der Industrie »erben diese Beschwerden insoweit al» berechtigt anerkannt, als
Nachdruck »erbot«
Des Vaters Fluch.
Eine Erzählung von Sophie Eben. Motto: Ihr gedachtet es böse zu machen,
Gott aber gedachte eS gut zu machen.
I.
Sutter ist's und tiefe Nacht lagert über der Erde. 'Noidsturm saust über bie Felder und Wiesen, * ’ie Krone» bet Tannen und Fichten zusammen, 1 fr knarren, und peitscht die Wellen de» dicht £WJr«n»e hinziehenden SeeS, da» sie fich mit "j* Schaum krönen. Hier «m Ende de» Dorfes *r Nord besondere Macht; nnr von der Wald- •ftb das kleine, auf einem Hügel gelegene Bauern» * geschützt; sonst ist es nach allen Richtungen seinem kalten Hauche preisgegeben. Er 'Nld um die Ecken de» Hause», rüttelt an den ’ geschlossenen Fensterläden und fährt fauchend i* ta Kamin in das geräumige Wohnzimmer. ‘ ^ntimmt man nichts al» das eintönige Klagen ««des und den Pendelschlag der elfen Schwarz» |tLöfc. Au dem großen eichenen Tisch fitze» '.Aschen und starren schweigend in die letzten ^"in verglimmenden Funken, — ein alter ’ ®it harte», hochmüthigen und noch straffen eine Frau mit welkem Antlitz, in dem Ziffer Zug de» Leiden» fich stark ausgeprägt 6 3fr H«« ist fast schneeweiß, während das de» i ihrer Sette kaum einige silberne Fäden j6nkli($ erhebt fich die Fran, schrettet nach 7*1 und versucht fie zn öffnen, wird aber durch (k tMgegenblasendeu Sturm in'» Zimmer zurück»
„Ich wollte, die Marie käm,* seufzt fie bang, „es ist ein bös Wetter l Wenn ihr nur nichts zn- gestoßen ist unterwegs!*
Der Manu richtete die harte» stahlgraue» Auge» enf fie:
„Unkraut vergeht nicht, Mutter,* lacht er mit Hohn, — das Wetter ist fie ja von Kindheit auf gewöhnt; solch' eine Nacht war'», als die Kathrein mit ihr an unsere HauSthür Nopfte und um Obdach flehte; just heute find'» 17 Jahre! Bin froh, daß das Mädchen wegbleibt! Käm' sie, wöcht' ich ihr gleich die Thür weisen,* fährt er mit erhobener Stimme fort, „wie ich e» ihrer Mutter gethan, wenn nicht--*
„Ja, wenn fie nicht in unser Hau» gekommen wäre als eine Sterbende,* schluchzt die alte Fran, doch der Bauer hört fie nicht mehr, er hat den Kopf i» die Hand gestützt und ist in sein Brüten zurück» gesunken. Die Bäuerin hat ihren Platz am Tische wieder eingenommen, bedeckt da» vergrämte Antlitz mit den Händen, und, während die Bergangenhett vor ihrem geistige» Auge vorüberzieht, rinnen unaufhaltsam die Thränen über ihre hageren Finger: — sie sieht sich mit ihrem Manne im gleichem Zimmer; beide horchen in ihren Kummer versunken, auf den Nordsturm, gerade wie heut'. Da llopst es leise, ganz leise an ihre Thür. Sie achte» zunächst nicht darauf und meine», der Wind fei’» »der der Schnee; doch das Klopfen wiederholt fich erst noch zaghaft, dann lauter, flehender. Sie eilen hinaus, die Lampe mit der Hand vor dem Zugwind zu schützend, und so dunkel die Nacht und so ungewiß da» schwache flackernde Licht — fie habe» erlanet, wer da hilfesuchend vor ihrer Thür im Schnee kauert; fie haben
erkannt, daß fie es ist, die einst so heiß geliebte Tochter, und daß ein Kind, ein kleine» Kind von wenigen Wochen in ihren Armen liegt. Die alte Frau erzittert und stößt einen Schrei an», denn fie hat die drohend geballte Faust de» Bauer» erblickt, welche schwer auf das.'Haupt der Reuigen, Vernichteten, niederfallen will; mit einem Schrei wirst fie fich dazwischen. — Dann wieder sieht fie sich selber schweigend in eifriger Sorge um die Halberstarrte bemüht. Sie ieht de» Arzt am Bette stehen und mll bedenklicher Miene da» Haupt schütteln:
„Die Aufregung — der eisige Weg zu Fuß durch die Winteruacht, — ich habe keine Hoffung mehr*.
Die Kranke springt in wilden Fieberphantafie» vom Lager:
„Sergieb mir Vater, — vergieb l* — Und dann wieder: „Mein Kind, schützt mir mein armes Kind!* so rüst fie in Todesangst — her mit meinem Kinde! Berräther Du willst es mir rauben, ich Uffe es nicht! — Ha, fie haben eS mir genommen, da» ist de» BaterS Fluch!* — Schwer chlägt ihr Haupt auf die rothen Ziegelsteinen deS Fußboden». —
Die alte Frau beult nicht an die Schande, die die Tochter ins Hau» gebracht, fie fieht nur, daß ihr eigen Fleisch und Blut dort mit dem Tode ringt. l»d in diesem Augenblick kommt ihr die Erkenntniß, >« fie, die Ettern, daS Schicksal ihre» unglückseligen kinde» mit verschuldet haben! sündigten fie denn nicht Seide an dem Heranwachsenden Mädchen, — der Kater, indem er e» in übergroßer Liebe verwöhnte, hm jeden Wunsch erfüllte und für seine Launen tet» eine Entschuldigung fand, — die Mutter, indem fie wortlos Alle» geschehen ließ? — Sie hat e»
man bereit ist, bei den nächsten Handelsverträgen der Landwttthschaft einen wirksameren Schutz ihrer Er« zeugniffe, insbesondere einen höheren Getreidezoll zu sichern als dies jetzt der Fall ist. Aber auch in der Industrie ist man vielfach der Meinung, daß im Einzelnen beim Abschluß der Handelsverträge für fie nicht soviel erreicht worden ist, al» nach Lage der Dinge zu erreichen gewesen wäre. Die Ursache dieser Mängel in den 1891 und den folgenden Jahren abgeschloffene» Handelsverträgen wird mit Recht in der ungenügende» Vorbereitung für die bezügliche» Verhandlungen gesucht. Diesem Mangel soll nunmehr rechtzeitig abgeholfen werden. Neben einer ProdukttonSstatistik, aus welcher die Lage und die Bedürfniffe aller Zweige der heimischen schaffenden Arbeit mtt Sicherhett zu erkennen find, soll ein autonomer Zolltarif hergestellt werden, welcher eine geeignete Grundlage für die Verhandlungen über die Erneuerung der Haudelsverttäge bildet und die deutschen Unterhändler in de» Stand setzt, mit Nachdruck und Erfolg die deutschen Interessen geltend zu machen. Zur Durchführung dieser Vorbereitungsmaßregeln haben die berufenen Vertteter der Industrie und der Landwirthschaft mitzuwirken. Von ihrem ein- ttächtigen und verständnisvollen Zusammenwirken auf der Grundlage gleichmäßigen Schutzes aller Zweige der heimischen Produftion wird schon das Gelingen dieser VorbereitungSarbeite» abhängen. Vor allem aber wird es, wenn es erst güt, unsere Zoll- und Handelsverhältniffe neu zu ordnen, darauf ankommeu, daß Industrie und Landwirthschaft fest zusammen- halten und sich der Gemeinsamkeit ihrer Lebens- intereffen erinnern, um die Schwierigkeiten zu überwinden, welche von freihändlerischer Seite im Jnnem und von den Interessenten des Auslandes einer Ordnung der Dinge bereitet werden, bei welcher die Interessen unserer Landwirthschastund unserer Industrie gleichmäßige volle Berücksichtigung finden.
Einheitliche Postmarken.
Die bevorstehende Ausgabe neuer Postwerthzeichen hat den naheliegenden Wunsch wieder laut werden lassen, daß bei dieser Gelegenheit endlich volle Einheitlichkeit in den deutschen Postmarken hergestellt werden möge. Insbesondere hat der Vorstand de» Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller beschlossen, bei dem Reichstage dahin vorstellig zu werden, daß, unbeschadet der in Artikel 52 der Verfassung deS Deutschen Reiches enthaltene» Bestimmungen über die Post - Sonderrechte de» Königreichs Bayern und de» Königreich» Württemberg, Postwerthzeicheu mit Geltung für da» gefammte Gebiet de» Reiches eingeführt werden. Im Interesse der Einhettlichkeit des gesummt-deutschen Wirthschaft»» gebiet» sowie der Erleichterung des wechselseitige» Verkehr» zwischen den Gebieten der Reichspost
lange kommen sehen, da» Unglück, und ist doch zu schwach gewesen, dem herrischen jähzornigen Mann ei» Wort des Widerspruchs entgegenzusetzen; fie gehört zu den stillen und charakterschwachen Frauen, die zu Allem schweigen, nur um sich Scene» zu erspare»; der Bauer ist stet» heftig aufgefahre», wen» man ihm in die Erziehung des Mädchens hat dreinrede» wolle». So ist es de» gekommen, daß einst die Kathrein auf dem Tanzboden de» Dorfes einen schmucken Stadtherrn kennen und lieben gelernt hat, daß der Vater bis in» innerste verletzt, daß seine geliebte Tochter hinter seinem Rücken eine Liebelei angefangen, dem Paare die Thür wies und daß fein Fluch der Tochter folgte, als er erfuhr, sie habe die Ehre verloren. Noch ei» furchtbares Büd erblickt sie alte Bäuerin im Geiste: De» Augenblick, da ier Vater ihres Kindes mit thränenlose» Äugen am Kopfende de» Bette» steht, und, den Blick auf da» weiße Antlitz gerichtet, murmelt:
„3a, da» ist deS Vaters Fluch!*
Er ist unbeugsam und hart geblieben, selbst im Angesichte des Todes. Und darin nicht genug; — er hat den Haß später übertragen auf das arme, unschuldige Würmchen, die Marie. Denn er wird >ü Sünde der Väter räche» an de» Kindern bi» in» »ritte u»d vierte Glied*, so steht e» geschrieben, und der alte Bauer ist- von jeher streng gläubig gewesen; aber sein Glaube ist alttestamentlich und hart, und will nicht» wiffen von der Gnade und Vergebung, welche die „neue Botschaft* verkündet. Sein ganze» Wese» ist durchttänkt von der Härte seines Bibel- Wortes, seitdem ihm da» geliebte Kind den schweren Schlag tief ins Lebensmark hinein versetzte. Darum beachtet er auch Marie als dem Fluch verfallen. —