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Warburg
Dienstag, 24. Oktober 1899
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lbernonitz Verlag: Joh. Ang. Koch, UntversitätS-Buchdmckerei in Marburg.
an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen.
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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhai«.
verantwortlich für die Redaktion: Redakteur Han» Hupfer in Marburg.
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C. L. Daube & Co., Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover, Paris re.
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Demokraten aller Schattierungen hätten wieder
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Lchamlofigkett gewisser Börsenkreise wohlwollend einen
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ff gehabt zur Verhetzung. Jetzt können sie gegen Staatsbehörde keine Anklage erheben. Dafür en sie freilich den Fall zu um so lebhaftern gen gegen die Lebensweise junger Aristokraten,
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nd Diel fu tn dem Prozeß an's Licht gezogen worden ist. /ß! i Daß dabet viel elende Heuchelei mit unterläuft, ' eft C-r11— t__rr.x. r.tcn __—.
noch ist das heuchlerische Augenverdreheu jener Sittenrichter, die doch alles, auch daS Moralpredigen, nur .für'S Geschäft' thun.
DaS wüste Treiben der Spielerkreise wird durch solche Beschaffenheit seiner eifrigsten Kritiker natürlich um kein Haar besser. Manches Streiflicht eigener Art fiel in dem Prozeß auf jene Kreise. ES gab *-a eine ganze M st- Ewz-lheiten, von denen jeüe Stoff zu niederschmetternde» Betrachtungen liefern könnte. Der Angeklagte ». Kayser sagt gelegentlich, er habe mit einer großen Anzahl von Menschen gespielt, vom Prinzen von Waler bi» herab zum Dr. Kornblum. Der Prinz von Thurn und Taxis geht mit dem Falschspieler Wolff, einem ehemaligen Zuchthäusler, im Eeutralhotel Arm in Arm auf und ab und hält ihn für einen Gentleman, weil er ei» elegantes Französisch spricht. Graf Königsmark geht ans die ersten Enthüllungen in der Presse zum Polizeidirektor und macht ihn darauf aufmerksam, daß dadurch etwa 200 Offiziere und Kavaliere und die ganze junge vornehme Welt von Berlin in Mitleidenschaft gezogen würden. Das find nnr einige wenige Punkte, die sich ohne weiteres durch zahlreiche andere vermehren ließen. Aber diese wenigen schon regen zum Nachdenken an.
Und noch eine andere Frage erhebt sich. Vor sechs Jahren, nach dem traurigen Harioveischen Spielerprozeß, erging eine Kaiserliche Kabinetsordre gegen die Spielwuth in der Armee und den damit verbundenen Lebenswandel. De» Offizieren wurde die Wahrung der StandeSehre zur ernsten Pflicht
& kennzeichnet die ganze Verlogenheit dieser Art ^kffe und die Gutmüthigkeit ihrer Leser, wenn von Mer Seite Moral gepredigt wird. Und so widerlich Zaches Bild au» dem Spieler-Prozeß ist, widerlicher
Spielteufel gestöhnt worden ist, daß man nach de» Kasinobällen noch das Spiel aufsuchte und daß die Lebemänner, die dem Spiel huldigten, in weiten Kreisen bekannt waren. Wie war das möglich? Doch wohl dadurch, daß in unserer Aristokratie auch manche hochachtbaren Kreise, die am Spiel nicht thetluahmen, es auch nicht billigen, doch schonendem Auge zudrückten. Die „Gesellschaft' hat eben ihr eigenes Gesetzbuch, streng gegen manche geringfügige Aeußerlichkelt, mild gegen manche sittliche Verfehlung. Man ist unerbittlich bei Verstößen gegen manche gesellschaftliche Formen, aber man gleitet leicht hinweg über Verletzung deS Sittengesetze», wenn nur das Ansehen nach außen hi» gewahrt wird. Da liegt ein schwerer Schade» unseres gesellschaftlichen Leben». Er führt zur Ueberschätzung von Nichtigkeiten auf der einen Seite; zur sittlichen Erschlaffung auf der andern. Wenn da nicht von innen heraus eine Heilung erfolgt und das Schlechte schlecht genannt wird, auch «en» es sich unter tadellosen Männern verbirgt, so werden sich solche traurigen Erscheinungen, wie dieser Prozeß, wohl noch öfter wiederhole». Da helfe» Kaiserliche KabiuetSordreS alleiu nichts. Die Gesellschaft selbst muß die vemühnuge» unsere» Kaisers unterstützen, und au de» besten Elemente» unserer Aristokratie ist eS, mit Hand anzulegen.
Der Spieler-Prozeß.
** Der Prozeß, der soeben in Berlin gegen junge Männer der Aristokratie wegen gewerbs- gen Glücksspiels verhandelt wurde, hat zwar vollständiges Bild von dem Treiben in Spieler- fleben können, denn viele der in die Sache en Zeugen waren verschwunden und kotz Bemühungen der Polizei nicht mehr- aufzufinden, er auch der ehreuwerthe Dr. Kornblum, der it Sache im Berliner Tageblatt zuerst a» die große gebracht, bann aber in erbärmlicher Feigheit en hatte, sich aus dem Staube zu machen, auch das, war die Verhandlung uns erkenne» von dem Treiben der „goldenen Jugend, ist am genug, um die öffentliche Aufmerksamkeit zufordern.
Dm drei Angeklagten ist gewerbsmäßiges spiel nicht nachgewiesen worden, sie waren nach dem Gesetz nicht strafbar; daS halbe Untersuchungshaft, daS sie verbüßt haben, ist durch einen Verdacht auferlegt worden, der als unbegründet herausgestellt hat. Aber wenn Polizei hier mit besonderem Gfer vorgegavgen und bei der ganzen Behandlung des Falles auS- te Strenge gewaltet hat, so wollen wir der Behörde durchaus nicht den leisesten Vorwurf machen.
m der saubere Herr Kornblum die Sache
Men Schleier breitet oder wohl gar sie in „pikanter' ---Darstellung halb bewundernd dem Pöbel aller Stände Hvackhaft macht, — eine solche Presse ist am aller-
solle ohne Ansehen der Person. Hätte man die gemacht, bei Strafe der Verabschiedung, und den Betheiligte», deren man habhaft werde» konnte, j Regiments - Kommandeuren die Ueberwachung ihrer nicht verhaftet, wäre vielleicht da? Verfahren schon Offiziercorps anbefohlen. Jetzt aber sehe» wir,
an die Oeffentlichkeit gebracht, mußte auch (661 ganj rücksichtslos bergegangen werden, um den Beweis zu liefern, daß Gerechtigkeit geübt werde»
N, ben F ll zum Vortheil ihrer Partei anszn- seh Jro Wachte«. Eine Presse, bie bnrch ihre ganze Richtung einer leichtfertigen Lebensauffassung Vorschub leistet, Iräff1 bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die niederen 'ÄC Heizungen des Menschen spekulirt, die über die
S-'WÄ Laufe der Untersuchung eingestellt worden, was daß in Berlin, in der Kaiserlichen Residenz, von hätte das für eine schöne Gelegenheit gegeben, zu einer nicht unerheblichen Anzahl von Offizieren dem
reisen.
Nachdruck verbot«
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Roman von 6. Wild. (Sertfetxne.)
Wo sind Deine ftische» rothen Wangen geblieben?
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lebtet.
Eva wußte diesem stürmischen Drängen kaum zu segnen, fie empfand eS so wohlwollend, baß sich •itbtr Jemand um fie sorgte unb versprach zunächst, *6 sie bie Stelle wieber aufgeben wolle. Wie unb wäre ihr freilich noch nicht ganz klar, da fie '4 gerade von so wenig feinen Leuten, wie e» Lonardel'S •tten nicht in Feindschaft trennen möchte.
Walter wollte übrigens schon in ben nächsten ^gen wieder vorsprechen und bis dahin kgend einen «a» auSdenkm, wie er Eva mehr Freiheit »er. Wen könne. Er führte diese Absicht auch au» unb ^te bei biefer Gelegenheit Eva in Gegenwart bet toten Familie unbefangen, ob fie ben» schon bie Höne» Festungswerke bet Stabt gesehen habe, denen nach dem Kriege von 1870 die Namen großer Äscher Feldherren beigelegt habe, und deren Anblick *6tr jedem Deutschen eine Freude wäre.
Walter wußte ganz genau, daß er mit dieser
De Waller. Ich kann e» gar nicht veranworte», n n auch nnr noch einen einzigen Tag dort bleibst, IIUl «t mußt mir auch versprechen, daß Du bie erste •* Uvüegenheit, bie sich nur herbeiführen läßt, be- *tyen willst, nm Dich frei zu machen.'
Frage einen wunben Puntt berührte, benn es war ihm selbstverstänblich nicht verborge» geblieben, daß bie Bouardels eigentlich französisch gestnnt waren, aber Eva'» Wohl lag ihm am Herzen unb e» war ihm kein anberer Ausweg eingefallen, nm für Eva etwa» Erholung und Abwechselung zu erreichen. Er buchte auch, baß bnrch diesen Anstoß vielleicht ein Bruch herbeigeführt würbe, unb ba» wäre irn höchstm Grabe erwünscht gewesen.
Eva selber fühlte sich eigmtlich durch bie Frage Walter» in Verlegenheit gesetzt, e» war ihrer Natur entgegen, Jemandem wissentlich wehe zu thun.
Sie verneinte also Waller» Frage nnr halblaut nnb warf ihm gleichzeitig einen vorwurfsvollen Blick zu, Walter ließ sich dadurch aber nicht eiuschüchtern, sonder» fuhr fort:
„Ach, da» ist nicht recht, gnädige Fra», baß fie Eva Hefen schönsten Besitz von Metz noch nicht gezeigt haben 1 Sie dürfe» stolz fein auf diese Werke, die au» dem Mittelalter stamme». Welche Regierung auch immer Besitz nahm von Metz, eine jede hat die Festungswerke verstärkt und vermehrt! — Und die St. StephanSkathedrale hast D» wohl auch noch nicht gesehen, und ©t- Vincenz mit ben beiben gothischen Thlrmen, und die Bibliothek, nnb die Münz-Sammlung, die Gemälde Sammlung und da» naturhistorische Museum? Alle» mußt Du doch kmue» lernen. — Run, da werbe ich wohl die Honneur» von Metz machen müffen. Nicht wahr, meine Gnädige, Sie Haden nicht» dagegen einznwenden,
Umschau.
Au» der Großstadt.
** Eines der trübsten Kapitel an» dem großstädtischen Sehen ist da» Familienleben. Vielerlei trägt duz» bei, daß ein innige» Zusammenleben der Familienglieber ba nicht recht aufkommen kann; bie schlimmsten Hindernisse find wohl der Leichtsinn, mit dem Ehen in der Großstadt geschloffen werden, unb anderseits die immer nach außen drängende Hast des großstädtischen Lebens, das vielfach nur den Wechsel zwischen Arbeit unb Zerstreuung kennt unb das ge< müthliche Behagen im engem Streife kaum auf- komme» läßt.
Nach der Ueberstcht, die da» statistische Amt der Stadt Berlin über bie bafelbft in ben Jahre« 1895 nnb 1896 vorgekommenen Ehescheidungen ausgestellt hat, finb in bet Reichshauptstadt im erstem Jahre 1376, im letztgenannten 1391 Ehepaare geschieden worden. Dabei zählen natürlich die nicht wenigen Fälle, in denen die Eheleute ohne gerichtliche Scheidung auseinander gehen, noch gar nicht mit. Unter den im Jahre 1896 geschiedene» 1391 Männern waren 25 im Alter von 19—25 Jahre», von 70 und mehr Jahren 4! Bon den geschiedenen 1391 Frauen waren 120 im Aller von 19—25 Jahren, 43 im Alter von 56—65 Jahre».
Die Hälfte der geschiedenen Ehen war kinderlos, 743; baaegen waren bei ben Übrigen 648 Ehepaaren insgesammt 1274 Stinber vorhanden, 289 Familien hatten je ein Kind, 201 Familien zu 2, bei ben andern war eine bis zu 9 auffteigenbe Kinderzahl vorhanden. Welche Eindrücke mögen solche unglücklichen Kinder empfangen, wen» sie schon im zartesten Aller Zeugen zerrütteten Familienleben werde» 1
Unter den Ursachen für bie große Zahl bet Eheschließungen mag wohl bas allzu jugendliche Heiraths- altcr unb bet dadurch herbeigeführte Mangel au Erfahrung nnb wiithschaftlichem Sin» eine Hauptrolle spiele». Von ben 1391 geschiedenen Männern standen bei bet Eheschließung 43 im Alter unter 20, 549 von 21—25 Jahren, von ben 1391 geschiedenen Frauen, bei der Eheschließung 292 im Alter unter 20 Iahten unb 533 im Alter von 21—25 Jahren. Da ist's dann natürlich kein Wunder, wenn hie unb da Enttäuschungen eintreten, und das rechte Zusammenleben sich nicht einstellen will. Vor Ablauf des ersten EhejahteS waten bereits 11 Paare geschieden, mit Ablauf des 5. Jahres 374 Paare.
Als S'cheisdungSgrunb wurde in 471 Fällen Ehebruch angegeben (in 236 Fällen lag die Schuld auf Seiten des Mannes, in 142 auf Seiten der Fran, in 93 auf beiden Seiten) in 235 Fällen böswilliges Vetlaffen, in 23 Wahnsinn, in 25 Ehreu- kränkung, in 75 Mißhandlung, in 63 Verbrechen, in 47 Veratmung, in 18 Abneigung, in 415 gegenseitige Einwilligung, in 19 Trunksucht u. s. w.
In 72 Fällen überstieg das Alter bet Frau ba» des Mannes um 8—28 Jahren! In 151 Fällen hatte bie Ehe über 20 Iahte, in 22 über 30 Jahre unb in 3 Fälle» sogar bis 40 Jahre gewährt, ehe
wen» ich Eva zuweilen zu einer Promenabe abhole? Sie muß boch einmal in» Moselthal sehen, unb auch noch ehe es zu sehr Frühling wttd, da» Theater besuche».'
Madame erwiderte nicht viel auf diese Bemerkung, nur als man sich «ach dem Diner erhob, um in ben Salon zu gehen, streifte fie an Eva vorbei unb be- auftragte fie sehr kurz unb befehlrnb, nach bem Kaffee zu sehe», eine Verrichtung, bie sonst gar nicht zu Evas Obliegenheiten gehörte, z» berste sich aber ohne Widerrede anschickte, weil fie nur zu gut begriff, daß Madame, wenn auch ganz »»gerechter Weise, sehr gegen fie erzürnt wat.
Dem junge» Offizier konnte natürlich He Wirkung seines kleine» Manöver» gleichfalls nicht entgehen, und er freute fich im Stille» über die Richtigkei seiner Spekulationen. Al» Eva gleichzeitig mit dem Kaffee in den Salo» kam, nickte er ihr fröhlich zu und er war hocherfreut, daß später »och einige Gäste erschienen, den» dadurch fand er Gelegenheit, mit ihr allein zu spreche».
„Alle» geht g»t Evchen I' flüsterte er vergnügt. .Nu» hole ich Dich in jeder Woche ein- bi» zweimal zur Promenade ab, und da» wird schon seine Wirkung bei Madame thun. Ich werde froh sei», wem» ich Dich erst au» diese» Banden befreit sehe, die Deiner dmchan» »»würdig st»d.'
,3a, ba» ist wohl wahr,' entgegnete Eva, .aber D» kannst DK wohl denken, wie fich mein Beben hier
die Scheidung ftattfanb. Solche felisamen Räthsel verbergen fich unter der gleißnerischen Decke der Großstadt. Wer will ermessen, wie viel Jammer unb Elenb hinter solchen Kockenen Zahlen lauern?
Zwei geheime Erlasse.
Bekanntlich ist e» eine Specialität des „Vorwärts', Erlasse nnb Briefe, bie durch Diebstahl ober Ver- KauenSbtuch in feinen Besitz gelangt find, zu »er« ffeutlichen. Auch jetzt wirft er fich wieder gewaltig n die Brust, weil eS ihm wieder einmal gelungen st, zwei geheime Erlasse, in betten übrigens nicht» teht, was zu verheimlichen ist, zu veröffentliche». Im vorige» Jahre wurde nämlich in Halle a. b. S. die Filiale bei Verbandes der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands polizeilich geschlossen, weil der Verein als politischer Verein Frauenspersonen als Mitglieder ausgenommen unb mit einem politischen Vereine (GewerkschaftSkartell) in Verbindung getreten sei, also gegen ben § 8 des Vereinsgesetze» gefehlt habe. Das Gericht erkannte edoch auf Freisprechung bet angeklagten Vorstandsmitglieder unb Aufhebung bet Schließung be» Vereins, weil eS der Anficht war, baß nicht festge- tellt fei, daß bei Verein politische Zwecke verfolge. Hiermit beschäftigt sich ein Erlaß beS Oberpräsidenten Dr. von Boetticher an ben Regierungspräsidenten in Merseburg, worin zur vertrauliche» Keuntnißnahme mitgetheilt wirb, baß e» nach Auffassung des Ober- taatsanwalts nur einer fortgesetzten und geschickten wlizeilichen Ueberwachung der Nebenstellen deS Bet- »andes bedürfe, um genügend belastendes Material gegen fie zu sammeln, und demnach ersucht wird, „die Bewegung fortgesetzt im Auge zu behalten und zu veranlassen, baß etwaige Gesetzwidrigkeiten von Mitgliedern deS Verbanbe» oder seiner Nebenstelle» zur Bestrafung gelangen*. In einem „geheimen* land« räthlichen Begleitschreiben zu diesem Erlaß werde» die Ortspolizeibehörben aufgefordert, die Entwicklung deS Verbandes sorgfältig zu überwachen. Der Verband sei daS gefährlichste Organ der Socialdemokratie im Kreise, weil er die Agitation unter die lavdwirth- schastlichen Arbeiter zu tragen bestimmt sei. Das LandrathSamt sieht feiner bis zum 1. Juli jeden Jahres einer Anzeige darüber entgegen, welche Maßregeln gegen den Verband ober feine Nebenstellen auf Grunb des Vereinsgesetzes getroffen worden sind.
Dies bie beiden Erlasse, wegen beten der „Vorwärts* ein langes Lamento beginnt, obwohl darin nichts enthalten ist, was nicht vollkommen in der Ordnung wäre. Der „Vorwärts* stellt fich in solchen Fällen immer so unschuldig an, als ob seine Partei noch nie ein Wässerchen getrübt hätte. Er traut der Regierung die Harmlofigkeit zu, daß sie die Socialdemokatie nicht anders wie jede andere Partei behandle, die fich auf den Boden der bestehenden Ordnung stellt. Die Regierungsorgane thun nur ihre Pflicht, wenn fie innerhalb deS Rahmens der bestehenden Gesetze den staatsgefährlichen Tendenzen der Socialdemokatie mit aller Energie entgegentreten und insbesondere aus da» Uebergteifen der socialdemokratischen Agitation auf da» Laub ein wachsames Auge haben.
im Hause nun gestalten wird, Du hast ja soeben bie erste Probe von Madame'S Liebenswürbigkett gesehen, nnb so wirb e» weiter gehen, bi» eS absolut unerträglich für mich wirb.*
„Nu», baS ist'S ja getabe, was ich erreiche» möchte, nnb je früher wir bei biefem Ziel ankommen, desto bester!* entgegnete Walter und schied Abend» befrtebtgter benn je von Eva.
Eva'» VorauSsetzunge» waren nnr zu richtig; Mabame Bonardel quälte ba» junge Mädchen mit unzähligen kleinliche» Unfteunblichkeiten, und als Walter den ersten Versuch machte, Eva abzuholen, da empfing ihn Madame und theUte ihm mit gut fingirtem Bedauern mtt, daß fie Mademoiselle vor kurzer Zett mtt ben Kindern auSgeschickt habe.
Da» gefiel nun Waller gar nicht, nnb einige Tage herauf erhielt Madame ei» kleine» Billet von ihm, worin er fie bat, Eva ben anderen Tag von ihren Nachmittagspflichten zu entbtabe», ba er fich schon um die Zett be» Dejeuner einfUbe» nnb da» junge Mädchen zu einer langen Spazierfahrt abholen würde, so daß nun lein Au»weiche» von Sette» Madame'» möglich war.
S» wer ein herrlicher «prillag, als Eva »nd Waller in da» sonnige Moselthal fuhren. Eva athmete aus, al» wäre sie »ach langer Kerkerhaft ,m» ersten Male wieder an He freie Luft gekommen.
(Fortsetzung folgt.)