Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Hwk und Verlag: Joh. A»g. Koch, UniversttätS-Buchdruckerei iu Marburg. ^;W**Ä|-|****4d>3 (^^|*****4z|/fcäfif zt44 Verantwortlich für die Redaktion: Redakteur Hans Hupfer in Marburg.
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Warburg
Donnerstag, 12. Oktober 1899.
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34. Jahrg.
Erstes Blatt
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Frauenbewegung und Socialdemokratie.
p. Der unter Leitung von Frau (Sauer stehende Herein »Frauenwohl* hat in diesen Tagen zu Berlin hisen Delegiertentag abgehalten, der seine besondere Weihe dadurch erhalten hat, daß der freisinnige Ge- verkveretnsorganisator und Landtagsabgeordnete Dr. Max Hirsch daran theilnahm und der Versammlung Wt seinem kostbaren Rathe zur Seite stand. Ma» tzeschäftigte sich hauptsächlich mit der Arbeiterinnen- frage und diskutierte Organisationspläne.
Ohne Zweifel können Frauen auf diesem Gebiete Rauches Gute wirken; allein daun wird ein äußerst wrfichtiges Vorgehen geboten sein. Verfällt man auf Me jetzt übliche Idee, daß durch Organisation alles iy machen sei, so geräth man auf einen Holzweg, sie Frauen sollte» unserer Ansicht nach, den Schwer- Mkt ihrer »socialen* Thätigkeit nicht sowohl in Bereise, Organisationen und lautes öffentliches Ver- ßwdelu, als vielmehr in das stille Wirke» auf die egeusreiche persönliche Fürsorge für ihre Mitschwestern legen.
Ohne Zweifel hatte eine Rednerin recht, als sie pfähl man möge die Töchter der unteren Stände aulaffen, nicht Industrie-Arbeiterinnen, sondern eustmädchen zu werden. Davon könnte man sich erdiugs die günstigsten sozialen und vor allem tlicheu Wirkungen versprechen. Ma» hätte auch einen sollen, daß ein Verein bürgerlicher Frauen sich äumüthig auf diesen Standpunkt stellen müffe. Im ein „Frauenwohl* aber stieß die erwähnte An- chauuug auf Widerspruch. Eine Dame die — wie «r »Vorwärts* freundlich bemerkt — »überhaupt linm sehr verständigen Eindruck machte*, antwortete, daß für die 600 009 Fabrikmädchen, die wir in Deutschland hätten, sich wohl schwerlich Herrschaften jiuden würden.
- Dieses Argument aber können wir durchaus nicht ° °ss richtig anerkennen; denn zahllos sind die Stellen, VLJ;”X heute von fremd zugewauderten Mädchen besetzt, ‘J; Wenigen Mädchen offen stehen würden, die sich Wt der Fabrikarbeit zu widmen, als Dienstboten H dermiethen willens wären. Zweifellos würde aber K°n eine ansehnliche Abnahme des Arbeiterinnen- ««ebots bei der Industrie auf die materielle Stellung rnom »Bq verbleibenden günstig wirken; doch — was die neptsache ist — in sittlicher Beziehung wäre dadurch « ganz bedeutende Besserung zu erwarten.
trftö. , Freilich äußerte die erwähnte Fürsprecherin der Eichen Fabrikarbeit, daß die Dienstmädchen in Hinsicht sogar »och den Fabrikarbeiterinnen ezenüber beuachtheiligt seien, „vor allem in der «»egnugsfteiheit*. Ma» kann sich denken, daß v »Vorwärts* von dieser Auslassung der Dame, »überhaupt eine» sehr verständigen Eindruck te*, sehr angenehm berührt ist. Er läßt darum den Hohn, mit dem sonst die Socialdemokratie »bürgerliche Frauenbewegung" zu überschütten t, beiseite und spricht Worte der Anerkennung, ist," so schreibt er u. A., in der That der und nicht zu unterschätze», daß der Klaffeu- 'atz zwischen Besitzenden und Besitzlosen bei den n nicht die Rolle spielt, wie bei den Männern, die Frau nur in seltenen Fällen al? Unter« erin ihren Geschlechtsgenossinnen gegenübertritt, auch ideologischen Regungen viel mehr zu- ich ist, als der männliche Unternehmer."
H °ber nur ein »Blender*; denn die («'nen find im Grunde genommen an den »Untergen* ebenso interesfirt wie die Männer und
— spüren in ihrer Stellung als Dienstherrschaft ryfle »ideologische* Regungen vielfach nicht. ,e1iL Malls ist mit derartigen Regungen auch gar (6I** ? gtbient; die Sozialreform ist eine Sache, die «hier Ueberlegung und Abwägung aller in Frage saMf Moden Interessen behandelt werde» muß, wenn g£8 sie überhaupt zu einem ersprießliche» Ziele —TL * ßfn soll- Der Wunsch, dieses Ziel zu erreiche» Sitlt#** ' Namentlich dem weiblichen Geschlechte die mög- »roße Fürsorge zuzuwenden, ist unbestreitbar Männern ebenso rege, wie bei den Frauen. Die Socialdemokratie betrachtet die bürgerliche ^eubewegung aber nur von ihrem »proletarischen* ...-MTE'standpunkt ans, und der »Vorwärts* hat nicht ges»ch>k??^cht, wenn er annimmt, es fei „sehr wohl WH, daß die bürgerliche Frauenbewegung der
proletarischen in manchen Punkten Vorschub leisten könne*. Nicht von der Mitarbeit der Franenrecht- lerinntn „als Masse" sei etwas zu erwarten; „wohl aber könnten uns — so schreibt daS socialdemokratische Centtalorgan — einzelne Persönlichkeiten nützen; die Frauenbewegung verfügt über eine Anzahl Intelligenzen, die in vernünftiger Weise auSgenutzt, unserer Bewegung große Dienste leisten könnten.*
Diese socialdemokratische Offenherzigkeit sollten die „Frauenrechtlerinnen" wohl beachten. Der Beifall der Socialdemokratie, die ja doch nur die einzelnen Vo stöße „in vernünftiger Weise* ausnützen will, sollte dem „Frauenwohl* sehr zu denken geben. Der „Vo.wärts* schreibt: „ES ist nicht viel, waS uns die um de» Verein Frauenwohl bieten können. Aber was sie uns bieten, das nehmen wir an.* Es ist zu wünschen, daß der genannte Verein dafür sorgen wirb, daß von seiner Seite der Socialdemokratie nichts, rein nichts mehr „geboten* werde.
Umschau.
Ein Versprechen des Landtagsab- geordneten Dr. Hirsch.
Auf dem Delegirtentage des Vereins Frauenwohl wurde Herr Dr. Hirsch, Mitglied des Abgeordneten- Hauses, an seine Zusage, den Frauen das Wahlrecht zu verschaffen, erinnert. Herr Dr. Hirsch hatte bis jetzt noch keine Gelegenheit sein Versprechen zu erfüllen; allein er wiederholte dasselbe und fand damit lebhaften Beifall. Nun werde» wir aber sicher „etwas erleben*.
Was sagt Herr Brentano dazu?
In Krefeld ist ein Färberausstand auSgebrochen. Sämmtliche 413 jetzt noch arbeitenden Färber und Mädchen der beiden vom Ausstande betroffene» Großfärbereien richtete» eine Eingabe an den Oberbürgermeister, worin sie wegen fortgesetzter Bedrohungen um polizeilichen Schutz und Aufhebung der Streikposten bitten. Es ist ein sehr bedeutsamer Vorgang, daß zahlreiche Arbeitswillige, die sich durch den Terrorismus der AusstänUschen in ihrem einfachsten Menschenrecht bedroht fühle», sich an die Behörden mit der Bitte um polizeilichen Schutz und um Aufhebung der Streikposten wenden. Die Auffassung, daß der tragende Grundgedanke der sogenannten Zuchthausvorlage durchaus berechtigt sei, erhält dalurch eine glänzende Bestätigung. Die Aus- ständische» müsse» »»bedingt Halt machen vor dem unantastbare» Recht ihrer Mitarbeiter, sich ihnen anzuschließen oder ober ihrem Erwerbe unbehelligt nachzugehen, wo sie wollen. Die vielumstrittene Vorlage ist herauSgewachsen ans der Erfahrung, daß dieses gute Recht von dem leidenschaftlichen Egoismus der AuSstSndischen vielfach mit Füßen getreten wird. Die Arbeitswilligen können mit Fug verlangen, daß sie in bet Freiheit ihrer Entschließung, in der Freiheit der Verwerthung ihrer Kraft so wirksam geschützt werden wie eS möglich ist.
Ans Samoa.
Der frühere Vorsitzende des MunizipalratheS von Apia, Dr. Raffel, hatte, wie erinnerlich, bereits längere Zeit vor Ausbruch der letzten Wirren auf Samoa den drei VertragSregierungen feinen Abschied eingereicht, der auch von den Regierungen angenommen wurde. Die Veranlassung zu diesem Schritt des Präsidenten ist aber wenig bekannt geworden. Nunmehr in die Oeffentlichkeit kommende Enthüllungen beweisen zur Genüge, wie gerechffertigt der Entschluß Dn Rasfels war. Dem »Hamb. Corresp.* wird darüber auS Apia vom 7. September Folgendes geschrieben :
Es handelte sich um ein Handelsabkommen sehr spekulativer Art, daS ein in Apia zugereister Industrie- rittet mit Hilfe eines neuseeländischen Advokaten mit dem damaligen König Malietoa Laupepa bezw. der samoanischen Regierung, aber hinter dem Rücken deS für alle wichtigen Abmachungen mit Weißen verantwortlichen elften Exekutivbeamten abgeschlossen hatte. In diesem Abkomme» wurde dem zugereiste» Unternehmer daS Recht gegeben, die Koralle» der den Hase» von Apia bildenden Riffe »ach Bedarf auf die Taner von 40 Jahren auSzubrechen und zwecks eines industriellen Unternehmens auszuführen. Nicht nur hatte Malietoa kein Recht, dieses Abkommen zu treffen und die Korallenbänke zu veräußern, sondern durch theilweise Zerstörung der Riffe würde mit der Zeit die Sicherheit des Hafens, sowie deS ganzen Strandes von Apia gefährdet worden sein. Wegen her Herausgabe dieses von Malietoa Laupepa gezeichnete» Ab
kommens kam es zu einem Rechtsstreit zwischen dem Präsidenten Raffel und dem neuseeländischen Advokaten Gora vor dem Obergericht, in dem der Oberrichter Chambers zu Gunsten deS Advokaten entschied. Dr. Raffel erachtete es als feiner Beamtenehre widersprechend, die Verantwortlichkeit für eine Regierung weiter zu tragen, wo solche Unregelmäßigkeiten vor sich gehen konnten. Heute sehen wir, daß diese angeblich von der samoanischen Regierung ertheilte Con- c sston die Grundlage und der Ausgangspunkt zu einem fast beispiellosen Cchwindelunternehmen geboten hat. Unter der Firma Samoa Shipping and Trading Comp. Limited wurde auf Grund eines in den verführerischsten Farben gehaltenen Prospektes sowohl in Australien und Nm-Seeland, wie auch in Europa versucht, Kapitalien aufzutreiben. Die spekulative Firma giebt ferner vor, die Besitzerin einer Hydro- pathischen Heilanstalt, sowie die Eegistered Pro- prietors of the Bank of Samoa zu fein. Es gelang ihr auch, in Sydney einen Arzt für diese angebliche Heilanstalt für das lächerlich geringe Ge- halt von 1000 Lstrl. zu werbe», der aber glücklicher- nnd rechtzeitigerweife noch vor seiner Abfahrt nach dem Eldorado der Südfee erfuhr, daß Vailima zwar das Land der »fünf Gewässer* bedeute, aber vor der Hand noch keine Spur einer Heilwasseranstalt daselbst zu sehen sei. Mehr Glück scheinen die Unternehmer mit der Verbreitung von Banknote» auf ihre angebliche Bank of Samoa gehabt zu habe», welche interessanten Kuriositäten zweifellos das Vorhandensein einer künstlerischen Begabung der Hersteller, aber einen gänzliche» Mangel an Moral auf Seiten der Verbreiter beweisen. Die sogenannte Bank von Samo« existirt nicht, hat weder Mittel »och ein Kontor, noch einen Agenten.
DaS Ultimatum Transvaals.
Des Spiels, das England mit ihnen treibt, find die Boeren jetzt müde. Sie haben ein Ultimatum an England gerichtet. In ihm h ißt es, die Regierung fühle fich verpflichtet ernstlich und mit Nachdruck eine sofortige Beendigung dieser Lage der Dinge zu verlange», und „Ihre Majestät Regierung zu ersuchen, daß fie ihre Zuficherung gibt*,
1. , daß alle gegenseitigen Differenzpunkte auf fteundliche Weise durch Schiedsgericht erledigt werden oder auf sonst einem freundlichen Wege der durch diese Regierung zusammen mit Ihrer Majestät Regierung zu bestimmen ist;
2. daß die Truppen an den Grenzen der Republik sofort zurückgezogen werden;
3. daß alle Verstärkungen von Truppen, die in Südafrika seit 1. Juni 1899 angekommen find, innerhalb einer billigen Frist, die mit dieser. Re- gierung zu verabreden ist, aus Südafrika entfernt werden.
4. Daß die Truppen Ihrer Majestät, die jetzt auf hoher See find, in keinen Hafen Südafrikas gelandet werde».
Die Transvaalregienmg muß auf ei»e sofortige bejahende Antwort auf diese vier Frage» drmgen und ersucht Ihrer Majestät Regierung ernstlich, eine Antwort bis Mittwoch, 11. Oktober, 5 Uhr Mittags, zu geben, und fie wünscht hinzuznfügen, daß in dem unerwarteten Fall, daß bis zu der Zett keine beftiedigende Antwort eingelaufen ist, sie mit großem Bedauern gezwungen ist, die Handlung Ihrer Majestät Regierung als formelle Kriegserklärung zu betrachten, und fie fich für die Folgen derselbe» nicht für verantwortlich halle» wird und daß, im Falle weitere Bewegungen vo» Truppe» »Sher «ach unsere» Grenze» hi» i» u e r h a l b der oben erwähnten Frist stattfinden, diese Regierung gezwungen ein wird, dies als eine formelle Kriegserklärung zu betrachten.*
Deutsches Reich.
* »erlitt, 11. Oktober.
— Ei» Besuch deS Kaisers iuHamburg st für den 18. d. M. in Aussicht genommen. Der Kaiser gedenkt, dem Stapellauf deS neuen Kreuzers auf der Werft von Blohm und Voß beizuwohnen, den auS Samoa zurückgekehrten kleinen Kreuzer „Falke* zu besichtigen und an einem Diner im Rath- hause theilzunehmeu. Die Ankunft von Berlin wird' kurz nach Mittag erfolge». Der Kaiser wird wieder beim preußische» Gesandten Grafen Wolff-Metternich absteigen. Der „Falke* hat Befehl erhallen, am 17. ). M. in Hamburg einzutreffen, wo der Kaiser der Mannschaft feinen Dank für ihre während der
Samoa-Wirren an den Tag gelegte Haltung auszu- sprechen gedenkt. Die Taufe des neuen Kreuzers dürfte von dem Bürgermeister von Hamburg vollzogen werden.
— Die Kanalvorlage wird just, so erfährt die „Münch. Allgem. Ztg.*, umgearbeitet und mit Ergänzungen versehen, welche diejenige» Maßnahme» betreffen, die vo» der Regierung, als im Interesse der östliche» Provinzen liegend, schon früher ins Auge gefaßt worden waren.
Die Einweihung des neuen Oberrealschulgebäudes.
lieber den Verlauf der Einweihungsfeier im neuen Schulgebäude haben wir in unserer gestrigen Nummer berells berichtet. Bei der Bedeutung, die der gestrige Tag für die Entwickelung unserer Ober- Realschule hatte, sei uns jedoch gestattet, auf den Schluß der Feier, den wir Raummangels wegen nur in kurzen Worten behandel» konnte», nochmals einzu- gehc». Nach dem Herrn Oberpräsidente», über dessen Rede wir gestern ausführlich referirt haben, nahm der Herr Regierungspräsident vonTrott zuSolz das Wort: Aus eigener Kraft, so führte er aus, hat Marburg den schönen Bau entstehen lassen, dessen Weihe wir heute begehen. ES ist dies nicht ein einzelnes Werk, sondern nur ein Glied in einer langen Kette, auf die Ihr Marburg mit Stolz blicken kann. Die gesunde Eüttmck.lung, die sich hier zeigt, verfolgt die Regierung mit großem Interesse, besonders auch ich, dessen Beruf die Verbindung zwischen staatlichen und städtischen Jutereffen ist. Deßhalb bringe ich, zumal mein Herz noch aus meiner früheren Thätigkeit an Marburg hängt, Ihnen heute besonders herzliche Glückwünsche dar. Und wenn ich meinen Wünsche» eine» besonderen Inhalt geben soll, so ist es der: möge es Marburg nie an dem opferwillige» Bürgersinn, möge es ihm nie an einer einsichtige» Leitung fehlen, wie sie die Stadt jetzt gehabt hat und deren Erfolge der heutige Tag in so schöner Weise zeigt.
Geheimer Regierungsrath Dr. Lahmeyer führte sodann aus: Pflicht und Freude fei es für ihn, am heutigen Tage, der in der gedeihlichen Entwicklung der Anstalt einen Markstein bilde, auch seine herzlichen Glückwünsche darzubringen. Innerhalb weniger Monate sei die innere wie äußere Ausgestaltung der Anstalt zum Abschluß gekommen. Die städtische Behörde sei wohl berathen gewesen, als sie der lernbegierige« Jugend eine lateinlose Vollanstalt zugänglich gemacht habe. Aber die Stadt habe auch weiter gesorgt; am heutigen Tage biete sie auch der Schule ein neues, prächtiges Heim. Die weiten, luftigen Räume desselben geben die Gewähr, daß hier auch deS Leibes Gesundheit gewahrt und der Glieder Kraft und Gewandheit gemehrt werde. Mit wahrer Befriedigung habe er, Redner, von dem Anstaltsgebäude genaue Kenutuiß genommen und er habe sich gesagt, schon das Hans an sich mahne: hier soll Ordnung, Zucht unb gute Sitte walten. Marburg mache der Oberrealschule heute ein werthvolles Beschenk, aber, so hoffen wir, auch ein reichen Erfolg verheißendes Geschenk. Durch den Jubel des Festes hindurch klinge die mahnende Stimme der Pflicht und der Erwartung, daß auch die Insassen des Hauses würdig seien. Die Lehrer werde» die Jugend heranzuziehe» habe» in einem Geist, der vor Gott wohlgefällig und zu der Stadt und des Staates Wohl und Förderung fähig und freubig ist. Möge das neue Haus für unsere Jugend eine Pflanzstätte dieses Geistes werden, eine Pflanzstätte des Heils und Segens für Leib und Seele.
Im Namen der Universität sprach sodann Herr Professor Frhr. von der Ropp seine herzlichen Glückwünsche ans; möge die Anstalt vertrauensvoll in die hoffentlich reiche Zukunft blicken. Herr Professor Weidenmüller überbrachte die Glückwünsche der Schwesteranstalt. Die ältere, äußerlich nicht so liebreizende Schwester sei eS, die der jüngeren ihren Gruß entbiete; mögen beide neidlos zusammenstehen; mögen beide Schulen tüchtige Männer erziehen, auf die die liebe Heiwath stolz sein könne. Als persönlichen Wunsch füge er noch hinzu, mögen die beide» Anstalten auch bald gleichberechtigt hinsichtlich des Reifezeugnisses neben eiuanderstehen. Herr Director Dr. Hempfing betrat sodann Namens der ehemaligen Lehrer der Anstalt die Reduertribün. Ihn erfülle kein Neid, daß jetzt unter seinem Nachfolger die Schule daS erreicht, wonach man früher gestrebt habe. Er wäre fich vorgekommen, wie Moses, der auch daS gelobte Land schauen aber