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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Erstes Blatt.
Politik und Ausstellung.
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ihm zuerkannt sind, einen großen Theil auf der euselsinsel verbracht hat, so kam» ihm der Rest der ttafe auch geschenkt werden; Präsident und inisterrat sind ja auch dabei nirgends auf ernstlichen
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er ist immer ein guter Rechner. Da muß denn
m Kampf einstellen, wenn sie wahrnehmen, daß ein heil der bisherigen Gefolgschaft die Ruhe um jeden ireis sucht. Einen Abschluß der unglückseligen Ange- egenheit, die Frankreich nun schon seit Jahren durch- oühlt, wünschen die Besonnern auf beiden Seiten mn schon seit langer Z it; die Regierung hat in lager Weise durch die Begnadigung den Weg dazu Hebahnt.
1 Sie würde wohl kaum den Muth dazu gefunden .Laben, wenn sie nicht in der Welt-Ausstellung einen
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IrchM iex ** re.
Nachdruck verboten
Im Widerstreit der Gefühle.
Roman von C. Wild.
(Fortf«tzn»s.)
«ehr die Parole in Paris lauten, jeder Versuch, die allen Zwistigkeiten hervorzusuchen, wird als Hochver« wth gebrandmarkt werden, und es wäre nicht be- emdlich, wenn in dem leichtbeweglichen Volke der ter etwa in sechs Monaten die Ueberzeugung sich s«1M^tz^e, die ganze Dreyfus-Affaire habe das franz. Molk nie in Aufregung versetzt, sondern sei nur von bösen Deutschen angezettelt worden, um die
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’~a’ *)a8 ist ja auch ganz natürlich," entgegnete u. s.E«i Schwi-germama. .Glück und Liebe verjüngen, uma^i M Du darfst nun auch mit vollster Ruhe glücklich IT®* Nichts wird je wieder störend in Dein Leben TV sM ^"ken, wenigstens in so weit, als Erich dem bot« -tc.-■ KdEugen im Stande ist. Glaube mir, mein Kind, Leist- 2k e ihn nun bald fünfundvierzig Jahre um mich, aöedE 21 ist keine Falte seines Lebens verborgen, le tyrl 3®* uicht von außen Stürme auf Euch eindringen, 1 <nn eigenen Herd wird bei Euch gewiß steter ^Euschein herrschen. Nur über einen Punkt hatte tTrfe^: fe. ej?te Sorge, und das ist die Frage, wie sich (1^4 .^uch gegenüber stellen wird. — Ich weiß, daß
. | grenzenloser Verehrung an Erich hängt, wird <eia?“ °&tr an<^ nls Vater, als Herr willkommen
C2.8 wegen. Ihrer Schwiegermutter gegenüber sie jedoch nicht schweigen, und so entgegnete sie »Eva .kann sich vorläufig noch gar nicht mit tk. dedauken aussöhueu und will deshalb auch für fe7e Zeit fern vom Hause bleiben. Hätte mein h Rs?en nicht schon sein Abschiedsgesuch eingereicht, »^te sie ja bei ihm bleiben können; da nun der aber mit zu uns kommt, so muß eS wohl
Bartha antwortete zunächst mit einem Seufzer, -hfl, u7°® in dem Ton der Frage lag für sie eigentlich Ol**4 j Gewißheit, daß auch Mama Saalfeld die ganze s?.^8eriheit durchschaute, und das schmerzte sie tief
erkauf« Erlich, um der Ausstellurg starken Besuch zu W®»' 6or allen Dingen Ruhe herrschen. Im AuS- Hlil^laude darf sich die Meinung nicht festsetzen, daß die kZastände in Paris unsicher, die staatlichen Einrichtungen * 1 bedroht seien. Einigkeit, Ruhe, Ordnung wird nun«
lmizosen zu entzweien, dieser böse Anschlag sei aber e 35 der Klugheit und dem Patriotismus des stanz. 50 Aj«olkes gescheitert.
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ürksamen Bundesgenossen hätte. Der nächstjährigen Lett-Ausstellung wenden sich erwartungsvoll die ipilj ilicke des französischen Volkes zu, am meisten aber (6( >e der Pariser. Das französische Volk erwartet von itgasse. ,ei Ausstellung neuen Glanz und Ruhm für sein ---• land, Wiederbelebung des nationalen Selbstgefühls «d die süße Berauschung durch patriotische Phrasen, - « bei solchen Gelegenheiten in Frankreich ganz be
ll » sonders üppig gedeihen; der Pariser aber hofft ** ** ea6erbem auch noch für seinen Geldbeutel erhebliche [6N Fördernng durch den erwarteten Fremdenstrom, und
** Dreyfus ist begnadigt. Die „mildernden stände", die ihm vom Kriegsgericht in Rennes ebilligt worden waren, haben ihm den Weg in die rZ2-Siei§eit gebahnt. Wenn ihm mildernde Umstände JvTßim Seite stehen und er von den zehn Jahren Haft,
Nide: stand gestoßen. Von den Anhängern des Sreyfus betheuern die leidenschaftlichsten, mit der Be- fg. . »adigung dürfe die Sache nicht zu Ende fein, denn ' (6o S bleibe noch immer dis Schmach der Vkrurtheiluug ihm sitzen; aber auch sie werden nach einer Weile
Wenn nun nicht unvorhergesehene politische Ereignisse eine Störung bringen, wird die Ausstellung vermnthlich die Hoffnungen der Pariser erfüllen. Die Industrie des Auslandes schickt sich, wenn auch mit schweren Herzen, ja bereits an die ihr zu- gemutheten Opfer zu bringen, kein Land kann bei solchen Gelegenheiten eben zurückbleiben. Und an Besuchern des Welt - Jahrmarktes wird es auch nicht fehlen; die Welt brennt ja vor Vergnügen, das lustige Seine-Babel wieder einmal zu scheu, und da bildet denn die Ausstellung einen recht bequemen Anlaß und Vorwand.
Ein glänzendes Ecgebniß der Ausstellung wird dem jetzigen Regierungssystem sehr zu statten kommen; dann hat Paris das, was es braucht, wie das alte Rom: Brot und Spiele. Aber ob der Gewinn für die bürgerliche Republik lange vorhält, ist freilich die Frage. Der glänzende Erfolg der Pariser Ausstellung von 1867 hat nicht verhindern können, daß Napoleon drei Jahre nachher wider feinen Willen zum Kriege gedrängt wurde, weil fein Thron in's Wanken kam. Mag der Goldzufluß im nächsten Jahre noch so stark fein, erspart werden der Republik die Kämpfe nicht bleiben. Freilich ihre erbittertsten Feinde, Militär und Klerikale, haben bisher bewiesen, daß sie in ihren Reichen keinen einzigen Mann bergen, der kühn und schlau genug wäre, einen entscheidenden Schlag zu führen; sie halten sich vielleicht noch längere Zeit vorsichtig zurück in dem Bewußtsein der eigenen Schwäche und in dem Gefühl, sich zu weit vorgewagt zu haben. Aber man hat die Armee unklug genug so lange heraukgefordert und in Gegensatz zur Republik gebracht, daß immerhin in aller Stille der ehrgeizige Mann heranreifcn könnte, der eines Tages der ganzen republikanischen Herrlichkeit ein Ende macht.
Hält sich aber wider Erwarten die Militärpartei ruht?, so hat die Republik einen beinahe ebenso gefährlichen Feind in ihren eigenen Reihen: die Uneinigkeit. Es sind der ehrgeizigen Leute zu viele, die einflußreiche Aemter haben wollen. Da kann die Einigkeit nicht lange vorhalten. Um in der Roth des Dreyfns-Handels die Republik aufrecht zu halten, mußte man in das Ministerium neben dem Bekämpfe! der Kommunen'schen einen Sozialisten auf« nehmen. Es wird dabei nicht bleiben. Die einen werden sich, so bald als irgend geht, deS Sozialisten entledigen wollen; die Sozialisten wiederum werden die Ernennung ihres Gesinnungsgenossen nur als Abschlagszahlung ansehen, der weitere Zugeständnisse folgen müssen. Innerhalb der bürgerlichen Parteien aber giebt es so viele Parteiungen und Cliquen, daß auch da die E fersüchteleien nicht aufhören werden. Im Juni schrieb der „Vorwärts" über den Prozeß Dreyfus: „Den Vortheil wird die sozialistische Partei ziehen. Die bürgerliche Demokratie ist bankerott. Wir find an der Reihe." Es müßte seltsam in Frankreich zugehen, wenn er nicht für eine Zeit lang recht behalten sollte.
leider so geschehen, wie Eva sich vorgenommen hat. Oder hätte ich anders handeln sollen, liebe Mama? — Hätte ich Erich abweisen sollen?"
„Um Gotteswillen nicht!" unterbrach sie die Profefforiu. „Mein armer Junge hat genug Jahre seines Lebens verbracht, ohne das Glück der Liebe kennen zu lernen. Evchen ist ja meinem Herzen gewiß nahe, aber mein eigenes Kind ist mir doch noch thenrer! Und doch wer weiß, ob eS ein Glück gegeben hätte, wenn Erich Eva statt Deiner geliebt hätte! Ich glaube es tau», und deshalb habe ich, nachdem Evchen erwachsen und ihre Anbetung für Euch mit jedem Tage zunahm, dem Verhältniß stets mit geheimer Angst zugeschaut und war eigentlich ftvh, als sie ihre Studien vollendet hatte und zu Euch znrückkehrte. — Eva ist aber ein eigener Charakter. Ich kenne sie wohl fast so gut als Du, das wird ein harter Kampf für sie sein, — aber sie wird jedoch nicht sanfter dadurch werden."
„DaS fürchte ich auch," sprach Martha bettübt. „Erich meinte aber, daß auch vor sie die Zeit Heilung bringen wttd und er hat daffelbe Zutrauen zu ihrer Energie, wie Du, Mama. — Freilich weiß Erich ja nicht Alle», sonst würde er auch vielleicht die Sache mit etwas anderen Augen ansehen.
„Mein einziges Hoffen und Beten ist nur," fuhr Martha fort, „daß ihr der liebe Vater dort oben doch auch dereinst eine rechte echte, herzbewegende Liede senden möge, die mit ihrer erwärmenden Macht in Eva's Leben eingreift und sie in den Kreis aller Derer zuröckführt, die sie ja so herzlich lieben."
Hier wurde das Gespräch durch Erich unterbrochen, der zum Besuch des zu rniethendeu Hauses aufforderte.
Umschau.
Socialdemokratische Selbsterkenntniß.
* Der „Vorwärts" schreibt in einet Polemik gegen die „Genossin" Dr. Rosa Luxemburg:
„Hätte der „Vorwärts" „im Sinne der Gesamntt- partei", wie Genossin Luxemburg eS versteht, gewirkt, so hatte er nicht nur die bayrischen Kompromißschließer, nicht nur Auer, Heine, Schippel und andere „Freunde des Militarismus", sondern auch beispielsweise die Anhänger der Agraiprogrammideen wie Bebel und Liebknecht, und der Betheiligung au den Landtagswahlen wie Kautsky, Parvus und Zetkin als Nicht-mehr- Sozialdemokraten behandeln müssen. Die „Gesammt- paitei" wäre bann so ungefähr auf die einzig wahre Revolutionärin Genossin Luxemburg rednzirt worden. Genossin Luxemburg selbst wird uns beipflichten, daß dann überhaupt nicht mehr int Ernst von einer „Gesammtpartei" die Rede sein könnte, sondern nur noch von einer Sekte."
Hiernach scheint man in den Regionen des sozialdemokratischen Centralorgans zu der Erkenntniß gelangt zu sein, daß die Sozialdemokratie thatsächlich nur ein Konglomerat von Unzufriedenen ist, das, im einzelnen grundsatzlos, nur durch das gemeinsame Ziel, die heutigen Zustände zu zersetzen und das Chaos herbeizuführen, zusammengehalten wird.
* Der socialdemokratische Parteibericht an den Hannoverschen Parteitag verbreitet sich über die preußischen und bayerischen Landtagswahlen, über die „Zuchthausvorlage", den Löbtauer Aufruhr« Proceß, die Ausstände in Krefeld und Herne und rekopitulirt kurz die berannten Anschauungen und Agitationsmotive der sccialdemokratijchen Parteileitung. Auf diesen Theil des Berichts einzugehen, liegt also eine Veranlassung nicht vor. Dagegen sind die in dem Schriftstücke enthaltenen positiven Mittheilungen von Interesse. Es ist daraus zu entnehmen, daß die Agitation für die Ausbreitung der Socialdemokratie „auch im letzten Jahre mit unermüdlichem Eifer" von den „Genossen" allerwärts fortgesetzt worden ist. Als Beweis dafür kann die Thatsache gelten, daß die Zahl der socialdemokratischen Parteiblätter im letzten Jahre um fünf sich vermehrt hat, und daß zwei bisher dreimal in der Woche erscheinende Parteiorgane jetzt täglich herausgegeben werden. In besonders gutem Geschäftsstande befindet sich der „Vorwärts", der es bis auf 53 000 Abonnenten und einen Ueberschuß von 66 677 Mk. (11330 Mk. mehr als im Vorjahr) gebracht und allein von Inseraten eine Einnahme von über 150 000 Mk. zu verzeichnen gehabt hat. Die Einnahmen der socialdemokratischen Partei- kaffe Betruflen vom 1. September 1898 bis 31. August 1899 340956 Mk.; verausgabt wurden 243207 Mk., so daß an 100000 Mk. „kapiialisirt" werden
Auch Mama Saalfeld ging mit und so schallten dann bald viele ftöhlichcn Stimmen in den leeren Räumen, die in ihrer entzückenden Ausstattung ganz gemacht schienen, nur glückliche Menschen zu beherbergen.
„Aber das ist ja Alles viel zu groß und zu schön!" sprach Martba schüchtern, als sie sich zufällig einen Augenblick mit Erich allein befand. „Wirst Dn, — werden wir denn so großartig leben können?"
„Das überlaß mir nur, Du Liebe," «t» grgnete Erich, dessen ganze jungenbliche Heiterkeit zurückgekehrt zu sein schien und fügte schelmisch hinzu: „Bedenke doch, wie viel ich gespart habe in oll' den Jahren, die ich auf Dich gewartet habe. DaS Warten hat doch auch sein Gutes."
Alle hatten nur eine einzig lobende Stimme über das Haus und so Beauftragte Erich denn den Hüter des Grundstücks, an seine Herrschaft zu schreiben und die Verhandlungen einzuleiten.
Run sollte Martha durchaus sogleich MöBel aus- futben und Bestellen, sie machte sich davon aßet noch frei unter dem Vorwande, schon ermüdet zu fein und kebrte mit finde in ihr Logis zurück, um sich zu Tische umzukleiden.
Martha war durch die nun so plötzlich auf sie einstürmenden neuen Verhältnisse mächtig erregt. Seit langen Jahren war sie nie anS ihrem Gleichgewicht gerückt worden, sondern hatte in Beqa'men und be« haglichen, dabei aber doch einfachen Verhältnissen ihr Sehen verbracht. Nun kam sie auf einmal in eine ganz andere Sphäre, baB war ihr mit dem ersten Schritt in das Haus klar geworden, welches Erich als ihm zusagend bezeichnete. Würde sie im Stande
konnten. Für die „Proletarierpariei" ein großartiges Ergebniß. Wo sind die Parteien der „Kapitalisten*, die einen solchen Reichthum aufzuweisen hätten? Von den Ausgaben der socialdemokratischen Parteileitung fällt ein Posten besonders auf: Preß-Unterstützungen 53 434 Mark. Der hohe Betrag der Preßunier- stützuugen lehrt, wie die Socialdemokratie den Werth ihrer Zeitungen zu schätzen weiß und wie sie solidarisch bemüht ist, ihre Presse fortgesetzt zu föidern und zu heben. Da die Socialdemokratie für „unproduktive" Ausgaben kein „Sentiment" hat, ist hieraus auch die materielle Wichtigkeit einer ausgebreiteten Parteipresse zu erkennen.
Deutsches Reich.
* Berlin, 22. September.
— Mittwoch nach dem F.ühstück begab sich Kaiser Wilhelm mit dem Grafen Piper und den Herren des Gefolges aus die Jagd. Es wurden zehn Böcke erlegt.
— Die Kaiserin Hai eine Weisung an den Hauptauischuß der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz gerichtet, wodurch er beauftragt wird, Sammlungen zum Besten der durch das Hochwasser im Königreich Beyern Geschädigten herbeizuführe» und den Ertrag nach München zu leiten. Der Ausschuß trat Donnerstag Abend unter seinem Vorsitzenden Kammernheirn von Knesebeck zu einer Sitzung zusammen, um nähere Beschlüsse zu fassen.
— Dr. Lieber hat bekanntlich in dem ihm eigenen imperatorischen Tone erklärt, daß er nicht daran denke, nach Ostasien zu reifen. Man sollte danach annehmen, daß er überhaupt nicht daran gedacht hätte, die Reise anzutreten, aber die „Köln. Volksztg.", die es doch eigentlich wissen muß, meint: „Man wird annehmen müssen, daß die Absicht dieser Reise bestanden hat, aber wieder aufgegeben worden ist." Ist die Ansicht des klerikalen Blattes zutreffend, so wild dadurch die von ihr früher ausgestellte Behauptung, Herr Dr. Lieber müsse feiner geschwächten Gesundheit wegen die Reise unternehmen, wenn nicht vollkommen widerlegt, so doch recht unwahrscheinlich gemacht. Denn wer aus gesundheitlichen Giünden eine Reise liothwenigerweise unternehmen muß, wird sich schwerlich durch einige spöttische Aeußeruugen der Presse daran hindern lassen, um so weniger, als er ja in diesem Falle damit rechnen wird, nach seiner Wieder« Herstellung desto gründlicher mit seinen ihn ver- höhenden Gegnern abrechnen zu können. Wenn also Dr. Lieber eine vorhandene Absicht ohne erkennbare zwingende Gründe wieder aufgegeben hat, so spricht gerade dies für die Auffassung der Gegner.
— Die vorn Berliner freifinnigen Volksverein einberufene Volksversammlung, die sich mit der Assaire Dreyfus beschäftigen wollte, hat
sein, den Platz neben ihm auszufüllen? Als sie Georg geheirathet hatte, waren sie beide kaum mehr als Kinder gewesen. Er hatte sie in das Häuschen geführt, das noch so stand, wie es seine Eltern Bewohnt Hatten, und ihre eigene gute Mutter welche es vorher besichtigte, hatte nur wenige Aenderuugerr und Neuerungen vorgenommen. ES war ihr Alles genügend schön und gut erschienen und so war denn auch Alles in alter Weise wettergegangen. Jetzt thai Erich aus eigener Initiative den Schritt aus den gewohnten Umgebungen heraus, denn der Haushalt deS alten Professors Saalfeld war einfach und wurde nach altem Schlage geführt.
Nun kam Erich's Eigenart zum ersten Male klar und scharf an» Licht und Martha fühlte sich von leichtem Zagen überkommen. Hätte nicht doch Eva mit dem viel weiteren Horizonte besser in jenen Salon mit den hohen eingemanerten Spiegeln, in jenes Boudoir mit den bunten Fenstern g-paßt?
Freilich sie hatte ja an den Arbeiten ihres Gatten auch Theil genommen, aber Georg selber wäre auch »ie in diese Umgebung hinein zu denken gewesen. Unwillkürlich seufzte sie schwerer, so daß Lucie aufmerksam wurde und wiffen wollte was daS Herz der Freundin bedrückte'
Lucie hatte den klaren Blick ihrer Mutter geerbt; nachdem Martha ihre Befürch'ungen ausgesprochen, entgegnete sie:
„Aber begreifst Du denn nicht, daß diese Deine Einfachheit gerade den größten Reiz für Saalfeld hat? Glaubst Du nicht, daß er mit seinem schönen Neußer» mit seiner brilliante» Stellung ein Dutzend Frauen hier in der Residenz hätte finden können?
(Fortsetzung folgt.)