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in einen Stuhl. Eva's Benehmen that ihr so wehe. Wäre das Mädchen mit heißen Thränen an ihre Brust gesunken und hätte den Wunsch gezeigt, am Mutterherz ihren Schmerz auszuweinen, dann hätte dieses selbe Mutteiherz auch wohl die richtigen Worte zu ihrem Tröste gefunden. Die Kälte Eva's dagegen und ihre abweisende Haltung erkälteten auch Martha's so weiches und warmes Gefühl, aber nur für kurze Augenblicke, bann siegte die Liebe und sie schluchzte nun wieder leise und immer wieder vor sich hin: Mein Kind, meine arme, arme, arme Eva!" Sie erhob sich alsdann und schlich vorsichtig an die Thür von Eva's Zimmer. Sie hörte sie auf und abgehen, und von Zeit zu Zeit drang ein Laut wie ein unter­drücktes Stöhnen an ihr Ohr. Martha's Herz zog sich allmächtig zu ihrem Kinde, aber sie glaubte mit Bestimmtheit annehmeu zu dürfen, daß Eva die Thüre von innen verriegelt haben würde, und es hätte sie zu schmerzlich berührt, wenn ihre Tochter sie etwa abgewiesen hätte. So ging sie denn wetter nach ihrem eigenen Zimmer, badete ihr Gesicht nochmals und begab sich alsdann zu dem Oberförster hinunter, der nun schon auf fein Frühstück wartete.

Nun, wo bleibst Du denn heute, Langschläferin?" begrüßte der alte Herr die Tochter freundlich.Dir scheint der gestrige Tag eben so gut bekommen zu sein wie mit, ich fühle mich besonders wohl. W» steckt denn die Kleine? Die habe ich ja gestern gar nicht zu Gesicht bekommen?"

Sie ist nicht ganz wohl, Väterchen, war es auch gestern schon nicht; sie klagt über Kopfweh, wird aber zum Mittag erscheinen."

Nun, nun, laß sie nur ausruhen, meinetwegen braucht sie sich nicht zu geniren. Ich glaube sie krankt noch ein wenig an dem Abschied von dem Saalfeld'schen Hause. Gottlob, daß wir sie wieder haben, sie wird'S hier auch schon wieder gewohnt werden. Nun wollen wir aber hinunter an den Kaffeetisch I Schöner Jagdtag heute," meinte der alte Herr mit bedauerndem Seufzen, als er auf der Hausschwelle stehen blieb und in den schönen Morgen hinausblickte,das gäbe eine Ernte! Wollen doch nachher 'mal hinausgehen, mein Kind, ich fühle mich so frisch wie seit lange nicht. Es liegt mir heute eine gewiffe Fröhlichkett im Blute, gerade als sollte mir etwas Gutes passtren!

Nun, Väterchen, ich hätte Dir wohl etwas rnit- zutheilen," begann Martha verlegen,worin ich ein rechtes Glück sehe für uns Alle, und hoffentlich theilst Du meine Ansicht. Professor Saalfeldt hat gestern"

Doch nicht um Eva anzehalteu? unterbrach der Oberförster, daS geht nicht, Mamachen, nun und nimmermehr! Das thut nicht gut! Hab' ich's doch lange gefürchtet, und erst als er gestern feine Absicht abzureisen, mittheilte fiel mir ein Stein v»rn Herzen. Er ist eia vortrefflicher prächtiger Mensch, den ich hoch achte und schätze, aber zu Deinem Schwiegersohn »paßt er nicht, mein Kind!

Das glaubt er wohl auch," fiel ihm jetzt Martha in die Rede, und ein schelmisches Lächeln spielte nm ihren Mund,dagegen fragt er an, ob Du ihn wohl zu dem Deinigen annehmen wolltest?"

Zn dem meinigen ? Ja, wie denn, zu dem meinigen? verstehe ich Dich recht, mein Sonnenkind? Dann ist ja mein sehnlichster Wunsch erfüllt, meine theure Tochter! Mein Gott, ich danke Dir für diese Freude, nun will ich ja auch ruhig und in Frieden schlafen gehen! Komm her mein geliebtes Kind, alle meine Sorgen find mit einem Male von mir genommen, der Allgütige Halts wieder recht gemacht in seiner Weisheit! Wie manche Nacht habe ich mich mit Selbstvorwürfen gequält, wenn ich so krank war und schon immer glaubte, es ginge zu Ende mit mir. Dann habe ich mir gesagt, wie Du längst in Ruhe und Glück in einem neuen eigenen glücklichen Heim fitzen könntest während Dn ;nun allen Anzeichen nach bei meinem Tode so ganz . benoaifjt und verlassen fein würdest. Aber warum ' ist er denn fort gegangen, der komische Kauz, anstatt hier zu bleiben und mit uns glücklich zu fein?"

Er wird kommen sobald ich ihn rufe; ich werde das aber auch noch nicht so bald thnn, Väterchen, und Du wirst mir zustimmen, wenn ich Dir meine Gründe sage. Sieh, wir Beide können doch hier vor Eva nicht ein Liebeswerben aufführeu, und anderseits konnte ich ihm doch auch nicht gleich ein unbedingtesJa" antworten. (Fortsetzung folgt.)

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.

egrfimbBering: Joh. Äug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei tu Marburg. Verantwortlich für die Redaktion: Redakteur Hans Hupfer ht Marburg.

Expedition: Markt 31. - Telephon 55. Redaktion: Markt 31. Telephon S5.

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34. Jahrg.

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Redaction uno Verla­derOberhessischen Zeitung.

Wie bisher zusammenstellen.

Durch ihre Verbindung mit der Continental - Tele- paxheu-Compagnie in Berlin ist dieOb er hessische Leitung" in der Lage, ihren Lesern in Original-Tele- pmnmen die neuesten Ereignisse tat In- und Ausland« «werzüglich zur Kenntniß zu bringen.

Den Vorgängen in unserer Provinz, wie dem lokalen Theile wird di«O b r r h e s s i s ch e Z«i t u n g" ganz be­sondere Aufmerksamkeit widmen, auch wird sie nicht nur durch ein gediegenis Feuilleton, wie durchZusammen- Muug unterhallender verschiedener Nachrichten für ihr« Leser Sorg« tragen, sondern, wie eineSthells den Vorgängen «f dem Gebiete von Kunst und Wisienschaft, so anderer- !«tk dem vollswirthschastlicheu und landtoirthschaft- iich«n Jnterrss« durch einschlägige Veröffentlichungen thun- lichft «ntgegenzukommen allezeit bestrebt sein.

L Oktober 1899 beginnt auf sie «in neues Birrtel» sahrs-Abonn«m«nt.

Di«O b«r h e s s i s ch e Zeitung" hat es sich in »tfttt Reihe zur Aufgabe g«stellt, «inzutreten für bi« Macht ntb das Ansehen von Kaiser und Reich, für Thron, Vater­land und Marl

Unter den in Marburg täglich «rsche-nendrn politischen Ztaungen ist bi«

Oberhessische Zeitung" eit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg Kirchhain sowie JllustrirtcS Sonntagsblatt

V mb religiösen Sinn, toi« Achtung vor unseren Gesetzen und bewährten staatlichen Einrichtungen zu fördern!

Znttr' r 3,tntttr> fit schlug mechanisch neben der f Weg nach der Oberförsterei ein, sprach wt nn& nur "ls sic ans den Hausflur

ich .Entschuldigst mich wohl bei dem Großpapa, d dos ,^lEtzt nicht mit Euch frühstücken. Sage ihm M ÜS8* £ lei unwohl, das ist übrigens auch war. 1 btöj. !? 1° komme ich zum Mittag herunter, bis 4"- 6iitf ich Dich, Mutter, laß mich allein!" I 5® damit stieg sie die Treppe hinauf.

artha trat in ihr Zimmer und sank hier »einend

Die .Oberhessisch» Zeitung" sucht dies Ziel en durch gediegene, sachlich gehaltene, populär geschriebene II Leitartikel zu erreichen. In ihrer RubrikUmschau" wird 1 st« wir bisher ein« Ueb«rficht übet dir wichtigsten TageS- | «reigniss« auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politik btien Besprechung bringen, und die Vorgänge in den lllg« Parlamenten, in Reich und Staat, unter dem Tagesbericht

(Fortsetzung.)

-.artha schwieg und sagte erst nach längerer Pause: .Ie& un8 hetmkehreu, mein Kind, ich muß HM jrt, dioßpapa. Ich wüßte auch nicht, was ich Dir UM LL? fa8tn wollte. Ich hoffe Du wirst diese dichter tragen, als es Dir heute rnög- L-H ^^Ewt, denn ich bin der Ansicht, daß Du für DU. doch mehr eine kindliche «nhänglichkett em- wst eigentlicher leidenschaftlicher Liebe AW ^?l'chkett hat und wenn Du erst wttst mit HMi i" Berührung gekommen fein, die

' va 3.® Elgcuen Alter angemessen find, dann wird es

r6' daß ich Recht gehabt habe!" i tzx« 8. nlgcgnete nichts aus diese gut gemeinten

lereiät

JUW

L Di« ,Oberh«ssisch« Zeitung" ist bestrebt, (2711 ckrall, wo sie gelesen wird, daS rational« Bewußtsein, Treue zur Monarchie, Lieb« zum Vat«rlaud«, Gottesfurcht

.. Nachdruck verboten

Widerstreit der Gefühle.

Roman von C. Wild.

Inserate finden, di- sechsspaltige Zelle 10 Pfg. bei der großen Auflage derOberhessischen Leitung" in derselben die greignetste und weiteste Ver­breitung. Dadurch, daß all« Staats- und Kommunalbrhörden , d« Bezirks di«O b e r h e s s i s ch« Z«i t u n g" zu ihren «kauuimachuugen benutzen, ist daS Halten derselben von sprechendem Nutzen für jeden Leser.

»M. schließlich bitten wir unsere Leser, Freund« und VW donner, unter ihren Bekanntenkreisen für die Weitere on^ritung derOberhessischen Zeitung" thun- - Mitwirken und so auch ihrerseits Helfer und Förderer «»r nationalen und loyalen Politik sein zu wollen, einer PEiik, die sich aller umstürzlerischen Tendenz der Heufigen 3« gegenüber treu bleibt in der Devise:Mtt Gott für

«re and Reich, für König und Vaterland!" * l Marburg, im September 1899.

ttnnl Ziehungslisten der Königl. Preuß. Klaffen-Lotterie

° btt gelesenst« und am weitesten verbrellete. Mit dem

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Handel und Flotte.

Zn diesem Thema, daS in unserem gestrigen Leitaittkel berührt worden ist, wird nnS von ge­schätzter Seite geschrieben:

Anfang der 60er Jahre dieses Jahrhunderts war es, da erklärte der französische Minister Roucher, als ihm die Deputirten-Kammer Vorwürfe wegen der zu hohen Aufwendungen für die Marine machte:Wir können das Marine-Budget «icht herabsetzen, denn Frankreich hat auch den Schutz des Hamburger Handels im Stillen Ocean zu übernehmen!" Kaum 40 Jahre sind vergangen, seit dies für ganz Deutsch­land tief beschämende Wort gesprochen wurde, und wie haben sich seitdem die Verhältnisse geändert! Seit der Begründung des nur von einem Willen geleiteten Deutschen Reiches, seit der Errichtung einer neuen Kriegsflotte, welch ein anderes Bild des deutschen Handels!

Frankreich haben wir längst, die Vereinigten Staaten in den letzten Jahren überholt, Hamburg ist der erste Handelsplatz des europäischen Festlandes geworden, der zweite in der ganzen Welt. Ans dem Verkehr zwischen den verschiedenen deutschen Häsen ist die ftemde Flagge fast ganz verschwunden. Gleich zeitig aber ist ein großer Theil des fremden Säften« Verkehrs in deutschen Händen, so der zwischen West- asrika, Süd-Amerika, Central-Amerika, China, Ost- nnd Westindien und Brasilien, und erst kürzlich wieder hat Hamburger der Unternehmungsgeist durch den Erwerb der 12 Dampfer einer englischen Firma die deutsche Flagge in Siam und dem ganzen malayischen Archipel zur führenden gemacht.

Aber nicht nur dem Umfange nach ist der deutsche Handel ein ganz anderer geworden; er ist es auch der Art und Bedeutung nach. Früher waren unsere großen Handelsstädte an der See in der Hauptsache nur das Thor, durch welches das Ausland seine Waaren bei uns einführte; heute sind sie ganz her- borragenb auch die Ausfuhrhäfen für die Erzeugnisse des deutschen Gewerbefleißes, der deutschen Industrie. Jetzt kommt unser überseeischer Handel der Volks- wirthschast des gesummten Binnenlandes zu Gute, während er früher wesentlich den Fremden Nutzen brachte.

Wie kann nun das Erreichte erhalten, wie kann es weiter entwickelt werden? Nur wenn wir eine Kriegsflotte haben, groß genug, um im Nothfall Elbe und Weser offen zu halten und die Ostsee unfern Feinden streitig zu machen! Diese Erwägungen haben mit zur Vorlage und Annahme des Flotten­gesetzes von 1898 geführt, das bestimmt war, Ver­säumtes nachzuholen und wenigstens das Noth- wendigste zu beschaffen I Wir werden im Jahre 1904, abgesehen von den Torpedobooten, über 19 Linien­schiffe, 12 große und 30 kleine Kreuzer verfügen, von denen leider 9 Linienschiffe, 4 große und 21 kleine Kreuzer älterer Bauart find. Daß das nur das Allernothwendigste ist, darüber haben uns auch die Ereigniffe des letzten Jahres und der letzten Monate deutlich aufgeklärt.

So ertönt denn immer vernehmlicher der Ruf nach einer starken Seewehr. Von den verschiedensten

Seiten ist bereits an den Reichstag die Mahnung gerichtet worden, die Durchführung des Flottengesetzes zu beschleunigen. Der Reichstag würde sich in der That durch einen derartigen Beschluß den Dank aller Vaterlaudsfreunde erwerben, umso mehr als weder finanzielle noch technische Bedenken dagegen vorgebracht werden können.

Umschau.

Der Fall Dettweiler hat mit dem Urtheil des Disciplinargerichtshofes, das wir bereits unseren Lesern im Auszug mittheilen konnten, seine Erledigung gefunden. Wir glauben, dieses Urtheil im Wortlaut wtedergeben zu sollen, weil darin alles, was aus den Verhandlungen be- merkenswerth war, znsammengefaßt war. Das Urtheil lautet:

Nach Art. 15 der Verordnung vom 21. April 1880 über die Dis cipliuarverhältnisse der nicht­richterlichen Beamten war Ministerialrath Soldan zur Ertheilnng einer Verwarnung an den Ober- schnlrath Dettweiler nicht befugt, sodaß das erste Disciplinarverfahreu gegen Dettweiler für ungültig zu erklären ist. Als erwiesen wurde vom Gerichtshof angenommen, 1. eine unerlaubte Bevorzugung des jungen Dettweiler durch die Hingabe von Zetteln für deutsch-lateinische Uebersetzungen seitens des Gymnasiallehrers Dr. Schmidt in Bensheim; 2. die unerlaubte Beihilfe des Vaters für lateinisch-deutsche und griechisch-deutsche Uebersetzungen. Ferner die unerlaubte Nachhilfe durch den Gymnasiallehrer Dr. Ahlheim in Darmstadt für deutsch-lateinische und deutsch-griechische Arbeiten. Die übrigen An klagepunkte wurden für nicht erwiesen erachtet. Straferschwerend fielen ins Gewicht die schweren Folgen für die Anstalten, an denen diese Vor­kommnisse geschehen waren: die schwere Er­schütterung der Kollegalität unter den Lehrern am Ludwig - Georg - Gymnasium zu Darmstadt und die Lockerung der Disziplin; ferner die Er­schütterung des Glaubens der Schüler an die Ge­rechtigkeit und Unparteilichkeit der Lehrer. Straf­mildernd kam in Betracht, daß Oberschulrath Dettweiler ans Vaterliebe handelte und keine ehren­rührigen Motive hatte, ferner ein langjähriger tadel­loser Dienst im hessischen Staatsdienst. Es wurde deshalb nicht nach dem Anträge des Regierungs­vertreters auf Dienstentlaffung erkannt. Eiue Straf- v-rsttzung war unter den vorliegenden Umständen ausgeschloffeu, so wurde gegen Oberschulrath Dett­weiler, der für schuldig befunden wurde, die Pflichten verletzt zu haben, die ihm sein Amt auferlegte, zu einem Verweis und einer Geldstrafe von 500 Mk. vernttheilt. 2/3 der entstandenen Kosten fallen dem Angeklagten zur Last, 1/3 der Staatskasse. Es mag außerdem ausdrücklich konstatiert sein, daß die Beweis­aufnahme keine Anhaltspunkte dafür ergab, daß Dr. Ahlheim dem jungen Dettweiler Aufsotzthemata und Dispositionen für deutsche Aufsätze gab, daß er es vielmehr eidlich in Abrede stellte, und doß er ferner die Vorbereitungen für die griechischen Arbeiten

nicht umfangreicher gestaltete, als er es mit dem Oberschulrath Dr. Dettweiler verabredet hatte.

Gegen die ausländischen Vernrtheiler Frankreichs.

Die heftigen Kundgebungen eines Theils der aus­ländischen Presse gegen das Urtheil des Kriegsgerichts von Rennes beginnen in Frankreich auch in revisionisti­schen Kreisen, die nach wie vor energisch für die Un­schuld Dre yfnS eintreten, böses Blut zu machen. So lieft man in der heutigen Nummer desPetit Bleu", das an anderer Stelle Mercier und Jonanst gehörig heruntermacht, und enrapirtes Dreysus-Blatf ist, unter dem Titel:Unsere ausländischen Richter" Folgendes:

Seit drei Tagen zerren uns die ausländischen Zeitungen in den Koth. In diesem Ausbruch der Entrüstung liegt eine derartige Uebertreibnng, daß man trotz Allem Mühe hat, anzunehmen, daß sie völlig aufrichtig und ohne Hintergedanken ist. Ich wende nicht den Ausdruckselbstlos" an, um nicht die dumme Zweideutigkeit mir zu eigen zu machen, mit der man einen so außerordentlichen Mißbrauch getrieben hat. Das Erstaunen, auch die Verblüffung wäre verständlich, aber den so weit getriebenen Zorn vermag man nicht zu begreifen, oder vielmehr man begreift ihn nur zu gut; wenn wir in gewissen englischen Zeitungen lesen, daß das entehrte Frank­reich ans der Reihe der civilisirten Nationen ge­strichen werden muß, wenn wir vage BoykottdungS- Pläne unserer Weltausstellung unterstützt und weiter verbreitet sehen, Pläne, die bald verrauchen werden, sobald die Dämpfe deS ersten Eindruckes verpflogen sind, so sind wir gezwungen, uns zu frage», ob da nicht ein Manöver von Nebenbuhlern und Gegnern vorliegt, die geschickt eine Meinungsströmung auszu­nutzen suchen, nm uns wie von der Pest Ergriffene zu isoliren. Kann man denn ernsthaft glauben, daß Frankreich derartig entehrt ist, weil sieben Officiere ein Urtheil gefällt haben, daS nicht nur zu der schreienden Evidenz der Wahrheit, sonder» auch zu dem elementarsten Menschenverstände im Widerspruche steht, und weil ein Theil der irre geführten öffent­lichen Meinung sich darauf steift, an die Schuld deS Hauptmanns Dreyfns zu glauben ? Vom strengen Rechllichkeitsstandpunkte aus müßte man indessen doch zugestehen, daß diese Fanatiker, die vielleicht die Mehrheit gewesen und jedenfalls noch sehr zahlreich sind, nicht das ganze Frankreich bilben; und man müßte bei unseren Nachbarn, wo man eine solche Leidenschaft für die Gerechtigkeit an den Tag legt, wenigstens anerkennen, daß eS nicht viele Länder, vielleicht selbst kein einziges auf der Erde giebt, in dem der Dreyfnshandel hätte emporwuchern können, und in dem zuerst eine Elite, bald von einer immer zahlreicheren Menge gefolgt, sich gefunden hätte, um mit solchem Feuereifer und solcher Leidenschaft die Wiedergutmachung eines Jnstizirrthums anzubahnen. Nicht bei uns allein täuschen sich Richter, bürgerliche, wie militärische; aber anderweitig bleiben die Justiz- irrthümer in ew'ger Vergessenheit begraben, und die ungerecht Bemrtheilten verbüßen dort ihre Strafe, ohne daß eine einzige Stimme sich erhebt, um Ein­wand zu erheben oder zu protestiren. Und das Land,