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1899 lchmitiaz

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»Wlujtt a«d.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.

gnrfimbStrleg: 3oh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei to Marburg. Verantwortlich für die Redaktion: Redakteur HanS Hupfer in Marburg.

Expedition: Markt 21. - Telephon SS. VlllUUßVVl(lIU Redaktion- Markt 21. - Telephon SS.

Warburg

34. Jahrg.

Gerade darum aber

ist jetzt selbst eine Umkehr sehr

schwierig. Man hat die Dinge schon viel zu weit

hat der Tod des ehemaligen

er

ht

iguene.

bietet das, waS bei den Manöver» nebenher

verzeihliche Fehler der politischen Pfascher, denen in der österreichischen Monarchie nun schon seit Jahren das Ruder anvertraut worden ist, daß ihre Mißgriffe die deutsche Bevölkerung fortwährend erbittert hatten. Daß bei den Deutschen in Oesterreich mehr die Leiden­schaft als die kühle Erwägung vorherrscht, ist gewiß bedauerlich; aber es ist nach der Behandlung, die man ihnen hat zu Theil werden lassen, nur natürlich.

R genten Ristitsch die liberalen Parteien schwer ge­troffen. In Folge dieses Todesfalls ist der Beginn des Hochverrathsprozesses abermals verschoben worden.

d. Js.; aslokal. mcke.

läuft, manches Bemerkenswerthe. Die Festlichkeiten, mit denen die monarchische Gesinnung bei solchen Ge­legenheiten dem obersten Kriegsherrn zu huldigen pflegt, sind selten ohne politisches Interesse; denn unser Kaiser benutzt sie vielfach, seinen Ansichten unverhüllten Ausdruck zu geben. So hat er neuer­dings in Straßburg die Geistlichkeit ermahnt, ihren Einfluß bei der Bevölkerung dafür einzusetzen,_ daß die Achtung vor der Krone und das Bertrautn zur Regierung immer fester und fester werde. Das war eine sehr verständliche Mahnung. Sie beweist, daß der Kaiser die Dinge im Elsaß sehr genau kennt. Wenn wir im Elsaß noch nicht so weit find, wie wir sein könnten, so trägt einen großen Theil der Schuld die katholische GeistltchkeU. Hoffentlich wird von ihr der Wink verstanden.

Im Ausland hat die vergangene Woche die Si­tuation recht wenig verändert. Iu Frankreich beherrscht Guörin noch immer seine Burg in der Rue Chabrol und der Dreifusprozeß die Gemüther. Eine kleine Sensation gab eS, als die Bertheidiger des Dreyfus die Vernehmung Pannizardis und Schwartz- koppens herbeizuführeu versuchten Der aussichtslose Versuch hat keinen Erfolg. Das Urtheil selbst wird wohl in allernächster Zeit fallen; damit wird zweifel­los die Affaire vom Gerichtssaal wieder auf die Straße getragen. Die Regierung scheint auch diese Ansicht zu theilen, denn sie hat bereits umfassende Vorbereitungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen. Wenn's nur auch etwas hilft.

Die andere große Affaire, die Auseinandersetzung zwischen England und Transvaal ist nicht wesentlich weiter gediehen. Ein Fortschrittt ist höchstens darin erkennbar, daß man das Versteckspiel jetzt auf­zugeben scheint. Man gesteht offen zu, daß die Dinge schon zu weit gediehen sind, als daß- man noch einen friedlichen Ausgang der Krise erhoffen dürfte. Die Stimmung in Transvaal ist derart, daß Ohm Krüger keine weiteren Zugeständnisse mehr machen kann und Chamberlain wird von seinen Forderungen auch nicht abgehen wollen. So sehen wir denn in Transvaal ein fieberhaftes Bestreben, die Rüstungen für den Vcrzweiflungskampf zu vollenden und die Chancen für denselben so günstig wie nur möglich zu gestalten.

In Oesterreich wollte man aus der Berufung des deutschen Führers im Herrenhause Chlumecky an das kaiserliche Hojlager in Ischl weitgehende Schlüsse ziehen. Man meinte, der Monarch habe den Wunsch, seinen Frieden mit den Deutschen zu machen. Daß Graf Thun mit seiner Staatsweisheit den Karren ziemlich festgefahren hat und nicht mehr weiter kann, ist freilich leicht einzusehen. Da liegt es dann nahe, sich nach einem anderen Helfer um- zusehen, und der gewandte Chlumecky ist in der That klug und kann manches fertig bringen; ob er aber den Kampf mit zwei Fronten glücklich durchführen kann, ist doch zu bezweifeln. Das eben ist der un-

getrieben.

In Serbien

der @t> >irten. Mph.

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399

Umschau.

Kaiser-Reden.

Bei der im Stutgarter Königsschloß veranstalteten Galatafel antwortete der Kaiser auf den Trinkspruch des Königs etwa Folgendes: Ew. Majestät bin Ich dankbar für die soeben geäußerten Worte. ES ist Mir in der That eine hohe Freude gewesen, das wundervolle ArmeccorpS unter Ew. Majestät Führung zu sehen. Ich beglückwünsche Ew. Majestät dazu. Ew. Majestät werden eS Mir nicht verdenken, wenn auf württembergischen Boden die Pulse Meines Herzens schneller schlagen als anderswo; denn dieses Land bildet die Wiege Meines Geschlechts, und von hier aus zogen Meine Vorfahren in die ferne Nordmark, um ein neues Vaterland zu gründen und Jahrhunderte lang für das Emporblühen eines neuen Volkes zu arbeiten. Ich glaube den in der That zum Herzen gehenden Jubel und den begeisterten Empfang dahin richtig zu be­greifen, daß Ich annehme, daß das Volk stolz ist, sein ArmeecorpS unter der Führung seines Königs zu sehen. Darin der finnbildlicht fich, wie in unseren Monarchieen das K ö n i g t h u m an der Spitze eines Volkes die einzig wirklich sichere Stütze für die Bewahrung von Thron und Altar, Religion und Sitte am Ausgang des 19. Jahr­hunderts ist. Ich fasse alle Meine Gefühle und all Meinen Dank zusammen in dem Wunsche, daß es Ew. Majestät und Ihrem Hause gegönnt sein möge, alle Zeit so zu sprechen, wie dereinst Ew. Majestät erlauchter Vorfahre: daß Sie allezeit und überall Ihr Haupt in den Schoß Ihrer Unterthanen legen können. Se. Majestät der König und sein Haus und das Land Württemberg: Hurrah! Hurrah! Hurrah!

Nach der Parade in Forchheim (s. a. u. Disch. Reich) zog der Kaiser am Freitag Mittag in Karls­ruhe ein. Auf dem Marktplatz hielt der Oberbürger­meister eine Ansprache an den Kaiser, worauf der Kaiser etwa folgendes erwiderte:

rrich.

ergebech

l-d.sr. Sch-w ne uni hier U

in M e beste, Honorar Rk., «tz

Wochenschau.

** Die Woche, auf die wir uns rer Gepflogenheit zemäß heute einen Rückblick werfen, begann mit einer Überraschung. Allzugroß war sie freilich nicht, den» »w R ü ck t r i t t der Minister Bosse und von der Recke hatte man schon längst vorausgesagt. Rur den Zeitpunkt des Rücktritts dachte man »ach dem auf die Ablehnung des Kanals folgenden Ver­halten der Regierung weiter hinausgeschoben. Es »urde nun allerdings in officiösen Blättern versichert, «6 der Rücktritt mit dem Kanal nichts zu thun habe; auch wir glauben nicht, daß der Ausgang der Aaualdebatte allein de» Grund für den Minister- »echsel gegeben hat, mitgewirkt aber hat er wohl zweifellos. Wessen man sich von den neuen Männern von Rheinbabeu und S t u d t zu versehen hüt, weiß man noch nicht. Beide stellen in politischer Hinsicht unbeschriebene Blätter dar. Man weiß nur, »6 beide conservativ sind: ein Systemwechsel scheint «lmiach nicht beabsichtigt zu sein und die Herren liberalen hätten fich umsonst gefreut. Man wird überhaupt mit dem Verhalten eines Theiles der iberalen Presse fich nicht völlig einverstanden erklären Annen. Das Bestreben, den Conflict zwischen der Regierung und den Conservativen parteipolitisch auS- Mützen, überwog die Klugheit. Dem Kanal selbst ist durch das Scharfmachen, wie man es hie und da

richt bet lieb M ist meine sus theil. Tage i gebessert . 1898. mber-.

>ocx

Er komme von einem schönen militärische» Bilde zurück. Was er von de» Trupp-» dieses LandcS gesehen habe, habe ihn mit großer Befriedigung er­füllt, und er könne Se. König!. Hoheit den Groß­herzog und das Land nur herzlich dazu beglück­wünschen. Er sei felsenfest überzeugt, daß der Theil des gesummten deutsche» Heeres, der dem Lande augehöre, an seinem Theil dazu beitragen werde, für den Frieden zu sorgen. Ehe die Theo­rien des ewigen Friedens znr all­gemeinen Anwendung gelangen, würde noch manches Jahrhundert vergehen. Vorläufig sei der sicher st e Schutz des Friedens das deutsche Reich und seine Fürste» und das von diesen geführte Heer. Se. Majestät dankte dem Ober­bürgermeister und den Bürgern der Stadt herzlich für den schönen Empfang.Ich bin ja kein Fremdling hier, und bei dem nahen Verhältniß zwischen Sr. König!. Hoheit dem Großherzog und meinem Hause rechne ich mich auch zu den Ihrigen'.

In diese» Ausführungen bringt der Kaiser in noch schärferer Form als im Vorjahr unmittelbar nach der Veröffentlichung des FriedensmanifesteS des Zaren seine Anschauung über die Frage der Abrüstung zum Ausdruck. Auch im vorigen Jahre betonte der Kaiser in einer Rede während des Manövers:der Friede wird nie besser gewährleistet als durch ein schlag­fertiges, kampfbereites deutsches Heer'.

Die Liberalen und die Konservativen.

Die Liberalen sind tieftraurig über die ruhige und besonnene Haltung, welche die konservative Parteileitung dem Ministerialerlasse vom 31. August und den Maßregelungen der politischen Beamten gegenüber an den Tag legt. Ja, ihre Traurigkeit geht sogar vielfach in Empörung über. So findet dieVoss. Ztg." das konservative Verhaltenkläg­lich", weil die Partei nicht zu einem Kampfe bis aufs Aenßerste gegen die Regierung vorgehen will, weil sie dem Ministerium nicht Verfaffungsbruch vorwirft, weil sie nicht daran denkt, principiell das Recht der Maßregelung zu bestreiten. Das alles müßte die ksnseivatioe Partei nach dem Rezepte der braven Vossin nämlich thun. Und daß sie es nicht that, nun, das brave Blatt braucht sich deßhalb keine Selbstvorwürfe zu machen. Seitens derVoss. Ztg." ist ja alles geschehen, was nur möglich war, Regierung und Konservative gegen einander zu Hetzen. Von den ältesten Zeiten des Hohenzollernschen Regimentes in der Mark Branden­burg bis in unsere Tage wurde die Geschichte nach Material durchforscht, welches zu beweisen geeignet schien, daß dieJunker' doch eigentlich die erbittertsten Gegner der Regierung seien. Die Köckeritze, Lüderitze, Krachte und Jtzenplitze, die v. d. Marwitz, Domhardt, Finckenstein, alle mußten anfmarschiren.

e Kopfhaut rdert den Ch5 selbst

ümilfel

> erhältlich.

beliebte, wahrlich nicht genützt worden. Die Gegen­sätze haben sich nur noch mehr verschärft. Und doch : »äre das Zusammen stehe» aller positiven Parteien angesichts der großen Aufgaben, die sowohl im Reich wie in Preußen» der Lösung harren, dringend noth- wendig. Es wäre wahrlich besser, man suchte eine» Weg zur Verständigung, als daß ma» künstlich Er- Hause Ibttternng züchtet. Zum Anbahnen solcher Ber- « ständigung war aber das Verhalten einzelner führender . liberalen Blätter in der Frage der Beamten, aßregeluugen wahrlich nicht angetha».

Unser Kaiser ist von Berlin zu den großen Herbstmanövern abgereift. In Straßburg hat er zu- röchst Halt gemacht und dort eine ebenso begeisterte Aufnahme gefunden wie bei seinen früheren Besuchen iu den Reichslanden. Ihn hat, wie aus feiner Rede beim Paradediner in Straßburg hervorgeht, diese Aufnahme hoch befriedigt. Nicht geringere Freude wird ihm der Empfang in Stuttgart gemacht haben. Durch diese Kaiserreise ist das Interesse des Tages töt zum großen Theil auf das Manöver ge-

Erscyeint Mich außer an Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-

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spaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg. iLVNNMg, IU. 1899. 6. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris rc.

na M l^fbt wordeu. Das Interessanteste freilich, die stille knndtß E'l unseres Heeres zur steten Vervollkommnung (580' ®*feret Wehrkraft, bekommt der Laie auch hierbei ' «L öu sehen; nur ab und zu zeigt ihm eine flüchtige Erscheinung, daß in unserem Heerwesen keine» Augen­blick Stillstand herrscht. Das Beste entzieht sich dem Baigierigen Blick, und das ist gut so. Aber auch

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Nachdruck verboten

Im Widerstreit der Gefühle.

Roman von C. Wild.

(Fortsetzuu,.)

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bahne». Acht Jahre find vergangen seit ich Brief bei mir trage. Seit acht Jahre» habe die eine Hälfte von Seorg's Vermächtniß enge»

57% A ihre Schulter legte, begann tr leise und bewegt: 98' L'@te werden mich nun verstehe», liebe Freundin, 1 M werden begreifen, weshalb ich Jahre lang mich be- X) Mt habe, Sie zu meiden, anstatt Sie zu suchen. 96% 1*|*°nte ich wohl so ohne Weiteres vor Sie treten «Ü Sie bitten, meine Frau zu werden, weil Georg ^wünschte, weil er mir die Sorge für Sie av'S Herz legte? Und sollten Sie mich auch nur nehmen, M Georg c8 für gut fand? Nein! das ging W! Das hatte unser lieber Idealist sich sehr schön ^sgedacht, aber so war es doch nicht ausführbar. Ev liebsten hätte ich Ihnen diesen Brief gar nicht

96 * iizeigt und ich that es auch nur wegen dieses einen ^s,' und dabei wies er auf die Stelle:Ich i daß Du nie aufgehört hast, Martha zu lieben.'

c. »Wenn man erst in meinen Jahren ist, da»»

iebeE *6en feurige Worte der Liebe nicht mehr so leicht t r* den Lippen wie in der Jugend, und deshalb

)9%

Wie* uno scymcyzre xetje.

M 9ii Erich konnte diesen Anblick nicht ertragen. Er 36 8 N auf Martha zu, und indem er die Hand leicht

treten und ich denke, ich darf mir das Zeugniß geben, daß ich es tteu verwaltet habe; ich that es um Georg's um Ihretwillen. Was die andere Hälfte anbelangt, so hat. ihr Besitz für mich nur Werth, wenn ich ihn mir selbst verdanke und nicht dem Wunsche be8 entschlafene» Freundes. Ich habe cs verschoben, vor Sie hinzutreten, denn ich wußte, daß bei unserem ersten Begegnen dieses Gespräch zwischen uns kommen mußte, und mau hat, wenn man über vierzig Jahre alt ist nicht mehr den kühnen Muth, fich für unwiderstehlich zu halten, wie dies der Jüngling aus vollster Ueberzeugung thut. Mit Zagen dachte ich stets an die Entscheidung, und mit Zagen lege ich fle auch jetzt in Ihre Hand. Martha, was Georg vor Jahren schrieb ist auch heute noch wahr: ich habe nie aufgehört, Sie zu lieben. Sie find das einzige Weib gewesen, dessen Bild mich be­gleitet hat in allen diesen vielen Jahren. Während meiner Studien in den egyptischen Pyramiden, bei meinen Besuchen in den peruanischen Todtenfeldern, immer waren Sie mir gegenwärtig; stets glaubte ich diese blauen Äugen vor mir zu sehen, die so munter und doch auch so theilnahmsvoll zu blicken wußten, und ich habe diese Erinnerung mit mir her- umgehagen wie einen Talisman. Martha, liebe Martha glauben Sie, daß Sie mein Weib sein können? Mein LebenSfiühltng ist vorbei; was ich Ihnen bieten kann, ist nicht mehr die an Illusionen reiche glückliche Jugend meines Selbst und Seins, aber eS ist ein stiller Hafen des ruhigen Glücks, des treuesten Bei- und Mitetoandersein!'

Martha war lebhaft ergriffen. Es fehlten ihr wohl die Worte, doch blickte sie auf, und als sie in das erregte Antlitz Erich's schaute wollte sie reden. Er ließ sie jedoch nicht dazu kommen, sondern lief:

»Nein, ich will jetzt keine Antwort! Es muß Ihne» gehe» wie mir, Martha, Sie find auch nicht mehr das junge Mädchen, das im ersten freudigen Impuls ihre Hände in die meinen legen und sich mir sogleich und ganz zu eigen geben könnte. Hebet legen Sie meine Worte und schreiben Sie mir Ihre Antwort. Ich weiß, Sie haben Vieles zu bedenken, und ich dränge Sie nicht, Ich muß so wie so heute Nachmittag wieder fort und ich will daheim ruhig Ihren Entschluß ab­warten.'

Aber Eva,' brachte Martha mühsm hervor was wird sie sagen?'

Auch daran habe ich gedacht,' entgegnete Erich, Eva's Benehmen dieser Frage gegenüber entzieht fich jedoch selbst meiner Bermuthung und Be- urtheilung; ich weiß nicht, wie sie die Sache anseheu und aufnehmen wird, das kommt ja aber auch erst in zweiter Linie zur Sprache. Seien Sie nur erst mit sich selber im Klaren alles Andere trage« wir dann vereint.'

Martha nickte leise. Sie war noch immer fast sprachlos und als Erich sitzt näher auf sie zutrat und -ihre Hand ergriff, neigte sie ihm langsam ihr Haupt zu und Erich drückte leise feine Lippen auf ihre Stirn.

Und nun wollen wir dem Papa und dem Kinde entgegen in den Wald,' sprach Erich.Mir ist so froh um'S Herz, daß Sie mich nun verstehen, Alles jubelt in mir, und ich glaube ich kann wieder der alte heitere Erich von früher werden. Kommen Sie mit oder soll ich allein gehen?"

Ich möchte lieber einige Augenblicke für mich haben,' entgegnete Martha fast schüchtern,ich empfinde eine eigenthümliche Scheu, Eva gegenüber

zu treten und darum ist es auch recht gut, daß Sie heute wieder reisen. Gehen Sie jetzt in den Wald, bei Tische treffen wir bann noch einmal zusammen.'

Sie nahm Georg's Brief, schob ihn in ihre Tasche und ging auf ihr eigenes Zimmerchen, das schon Zeuge so manchen Gefühlsausbruches gewesen war.

Tausend Gedanken stürmten hier auf Martha ein. Wie leid that ihr der arme Freund, der ihret­wegen bis jetzt einsam durch das Leben gegangen war! Jetzt verstand fle seinen damaligen Brief an Georg; in der That, das war ein schweres Opfer gewesen, das er dem Freunde gebracht hatte, freiwillig Verzicht zu leisten auf das Glück eines ganzen Lebens. Und wie zartfühlend hatte sich Erich nach dem Tode ihres Mannes benommen! Er hätte ja schon viel früher vor fie hintrete» könne» mit feiner Werbung, aber fie würde ih» früher nicht angenommen haben, jetzt, jetzt, und bei diesem Gedanken ergoß sich eine plötzliche Röthe über ihr Gesicht und Nacken.

Dan» auch dachte fie an Eva. Sie konnte sich dabei eines leisen Unbehagens nicht erwehren. Sie hatte in den letzten Jahren Eoas Briefe, die stets mit überschwängiicher Verehrung von Erich sprachen, immer mit dumpfer Angst gelesen, es hatte sich ihr daraus das Gefühl aufgedrängt, als empfände fie nicht nur wie ein Mündel dem Vormund gegenüber. Aber sie hatte sich wohl getäuscht, Eva war ja kaum mehr als ein Kind; ihr lagen alle solche Gedanken gewiß noch fern; nein, nein, es war nur eigener mütterlicher EgoimuS gewesen, der fie hatte fürchten laff-n.

Eva würde fich gewiß freuen, nun für immer mit Erich zusammen zu feto, bis fie selber dann ein­mal als glückliche Braut das schützende Elternhaus verlassen würde.