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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

|gtf tobB*rlag: Joh. Aug. Koch, Univrrsltäts-Buchdruckerei iu Marburg. Verantwortlich für die Redaktion: Redakteur Hans Hupfer in Marburg.

Spedition: Markt 81. - Telephon 55. Redaktion: Markt 21. - Telephons

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ivaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Psg. öDIHtQuCnD, 2. öSptCOlDCr 1899. C. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris :c.

Aus den Verhandlungen in Rennes.

** Trotz der Oeffentlichkeit, in der in RenneS ki Prozeß gegen den schmählichen LandesverrathS geschuldigten Hauptmann Drcyfus gefühlt wird, hüllt as gewisses Dunkel diese an charakteristischen Mo- «-teu reiche» Verhandlungen ei». Das hängt eines- MS damit zusammen, daß die »erichteistattung Wi den Prozeß recht einseitig und tendenziös ist, Mererseüs aber gehen die großen Linien des Pro­zeßes durch die Fülle belangloser Einzelheiten, mit de-en er verquickt wird, verloren. Unter diesen Um« ßblden erscheint es sicherlich gerechfertigt, wenn wir kn Versuch machen, wenigstens den einen oder «deren Hauptpunkt der Angelegenheit zu entwickeln »d durch das Labyrinth der Aussagen hindurch, ^führen.

i Die Grundlage der Anklage bildet das viel- Wähnte Bordereau. Es ist dies ein Zettel ohne Wterschrist und Datum, auf dem die Uebersendung per Reihe von militärischen Geheimstückeu an« Mndigt wird. Dreyfus wird nun beschuldigt, k Keheimstücke ausgeliefert zu haben. Die Frage, »er auch das Bordereau geschrieben hat, ist infolge F Entscheidung des Cassationshofes von der An- «ge offen gelaffen worden. Natürlich drehen sich p Verhandlungen aber trotzdem um diesen Punkt M er fällt ja auch erheblich in's Gewicht, denn « DreysuS das Bordereau thatsächlich nicht schrieben, dann wird auch der Verrath selbst «Niger wahrscheinlich. Es wäre doch kaum an« Pehmen, daß Dreyfus die Geheimstücke ausliefert, P anderer aber eine Liste derselben aufstellt, kchhalb bietet auch die Berthcidigung und die An- mgerschaft des Angeklagten alles auf, um Esterhazy F Schreiber des Bordereaus hinzustellen, während fc Generalstäbler ihrerseits den Beweis zu erbringen scheu, daß Dreyfus nicht nur der Auslieferer der Geheimnisse, fonk.n auch der Verfasser der Liste L Weniger vou Bedeutung erscheint der Theil m Beweisaufnahme, der sich auf die Frage erstreckt, M welchem Wege das Bordereau in daS ftanzösische Mchrichteubureau gelangt ist. Die Gegner des Drehfus sagen, eS sei in kleine Stücke zeniffen von MA der gewöhnlichen Agenten eingeliefert und auS «A Papierkorb der deutschen Botschaft gestohlen Mden, die Freunde des Dreyfus behaupten dagegen, « Bordereau sei von einem der Hauptagenten ein« Wfert und «st nachträglich tu Stücke zerriffen gden. Sie stellen diese Behauptung auf, weil Wih der Vorsteher des Bureaus war, das mit den Möhulicheu Agenten die Geschäfte abwickelte und P zweifellos, wenn thatsächlich Esterhazy das Mereau geschrieben hätte, die Handschrift seines Wmdes erkannt und daS belastende Schriftstück bei Mit- geschafft hätte.

Soweit man nun bisher die Ergebuiffe der Be­weisaufnahme verfolge» konnte, ist bis zur Stunde weder den Anklägern noch den Vertheidigern die Be­weisführung völlig geglückt. ES scheint, soweit die gefärbten Berichte ein Urtheil ermöglichen, nur die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit bewiesen, daß Dreyfus die Stücke ausgeliefert hat und die Unmög­lichkeit, daß ein nicht dem Generalstabe angehöriger Officier sie sich verschaffen konnte. Ebenso ist von der anderen Seite ein materieller Beweis für die an­gebliche Schuld Esterhazy's nicht erbracht.

Die Vertheidiger des Dreyfus haben daS auch eingesehen und um ihre Position zu stärken, versuchen sie den Nachweis, daß verschiedene, im ersten Dreyfus- Proceß verwendete schriftliche Beweisstücke Fälschungen sind. Es gehört dahin eine Depesche Panizzardi'S vom 2. Novbr. 1894, die man in unrichtiger Uebersetzung zu den Akten genommen haben soll, ein Brief Schwartzkoppens an Panizzardi, in dem die bekannten Wortece Canaille de D. vorkamen und daS bei dem nachträglich das D. in Dreyfus ergänzt worden sein soll, ein anderer Brief Schwartzkoppens an Panizzardi vom August 1896, in dem ein Name ausradirt, durch den Buchstaben D. ersetzt und die Datirung in Juni 1894 verändert worden fein soll, ein Brief des Obersten Schneider, worin erklärt wird, DreyfuS fei schuldig und andere weniger wichtige mehr. Auch bei einer Anzahl anderer Schriftstücke so demPetit Bleu" die geeignet sind, Esterhazy zu entlasten, Picquart dagegen zu belasten, greifen die Vertheidiger zu dem Mittel, sie als Fälschungen hinzustellen. Nun ist ihnen allerdings der Beweis der Fälschungen in einigen Fällen geglückt; die Ueber­setzung der ersten Depesche Panizzardi'S ist thatsäch­lich unrichtig, ebenso dürften die Behauptungen der Vertheidigung in Bezug auf den Briefce Canaille de D. richtig fein und Oberst Schneider hat den angeblich von ihm herrührenden Brief als eine Fälschung erklärt. Daraus läßt sich aber noch kein vollgiltiger Schluß auf die anderen Dokumente des Dossiers, die ja zum Theil in der Oeffentlichkeit garuicht bekannt geworden sind, ziehen. Daß cs bei der ersten Berurtheilung des Dreyfus juristisch nicht ganz einwandsfrei zugegangen ist und daß der leidenschaftliche Kampf um dieAffaire" gar manche Handlung herbeigeführt hat, die moralisch unbedingt z» verurtheilen ist, stand ja schon vor dem Proc-ß in Rennes fest und wesentlich Neues habe» in dieser Beziehung die Verhandlungen noch nicht erbracht. Es ist die» ja aber auch int Allgemeinen wenig in's Gewicht fallend in Bezug auf die eigent­liche Schuldfrage. Hier aber steht zur Zeit augen­scheinlich noch Aussage gegen Aussage, Gutachten gegen Gutachten. De» äußere» Erscheinungen und Eindrücken des Proceffes fei demnächst eine kurze Besprechung gewidmet.

Umschau.

Politische Beamte als Parlamentarier.

Wie derReichsanzeiger" mittheilt, hat die könig­lich preußische Staatsregierung heute nachstehenden Erlaß an die sämmtlichen Ober-Präsidenten gerichtet:

Die königliche Staatsregierung hat zu ihrem leb­haften Bedauern die Wahrnehmung machen müssen, daß ein Theil der Beamten, welchen die Vertretung der Politik Seiner Majestät des Königs und die Durchführung und Förderung der Maßnahmen der Regierung Seiner Majestät obliegt, sich dieser Pflicht nicht in vollem Maße bewußt ist. Nicht nur die höheren politischen Beamten, sondern auch die könig­lichen Landräthe dürfe» sich i» ihrer amtlichen Thätig- kett nicht durch die Stimmungen ihrer Kleise und die Meinungen der Bevölkerung über die Maßnahmen der Regierung Sr. Majestät beirren lassen; sie sind berufen und verpflichtet, die ihnen bekannten An­schauungen derselben zu vertreten und die Durch­führung ihrer Politik, insbesondere in wichtigen Fragen, zu erleichtern und das Verständniß für dieselben in der Bevölkerung zu erwecken und zu pflegen. In allen Beziehungen, in welche sie durch ihre amtliche Stcllung mit dem öffentlichen Leben gebracht werden, haben sie sich gegenwärtig zu halten, daß sie die Träger der Politik der Regierung Seiner Majestät sind und den Standpunft derselben wirksam zu ver­treten habe», unter keine» Umstände» aber auf Grund ihrer persönliche» Meinungen die Aktion der Re­gierung zu erschweren berechtigt sind. Sie würden int andern Falle durch ihr Verhalten die Autorität der Staatsregierung schwächen, die Einheitlichkeit der Staatsverwaltung gefährden, ihre Kraft lähmen und Verwirrung in den Gemüthern Hervorrufen. Ein solches Verhalten steht mit allen Traditionen der preußischen Verwaltung int Widerspruch und kann nicht geduldet werden. Wir vertranen, daß es genügen wird, die politischen Beamten hierauf mit Ernst und Bestimmtheit h i n z u w e i s e u, und hoffen, daß nicht wieder ein Anlaß geboten werden wird, weitergehende Maßregeln zu treffen.

Nach diesem Erlaß hat also die Regierung die Absicht aufgegeben, Maßregelungen eintreten zu lassen. Dann aber ist e8 nicht recht verständlich, warum Professor Jrmer das einzige Opfer sein muß; entweder mußte die Regierung wirklich durchgreifen oder aber jede Maßregelung unterlassen. So wird die That- sache, daß ein Beamter des Kultusministeriums wegen einer fein Ressort nicht berührenden Abstimmung aus dem Amt eutlaffeu wurde, desto mehr böses Blut machen. Es scheint aber, als ob thatsächlich weitere Maßregeluugcn geplant waren und als ob man diese Absicht erst in allerletzter Stunde aufgegeben hat. Wenigstens bringen die officiösenBerl. Pol. Nachr." in ihrer neuesten, vorn 31. August datirteu Nummer eine Vertheidigung der Maßregelungen, die mit den Worten schließt:

Wer die Maßregel und ihre Begründung unbefangen beurtheilt, wird sich sagen muffen, daß die Staatsregierung gar nicht anders handel» konnte, und daß sie in Bezug auf die Zurdispositionstellung politischer Beamten sich in den Grenzen des unum­gänglich Nothwendigeu gehalten hat."

Die Linke stellt jetzt natürlich die betrübten Loh­gerber dar; sie hatte und daS mit Recht zu viele Lortheile von diesen Maßregelungen erhofft. So schreibt die gute Taute vom Rhein, dieK ö l n. Zeitung":

Mit dieser Kundmachung väterlichen Wohlwollens ist die preußische Regierung auch aus der letzten Position, der sie, wie es schien, gegen den Ansturm des Landbundes zu halten entschlossen war, muthig zurückgewichen. Die Haltung, die somit die Sc» gierung ihren widerspenstigen Beamten gegenüber einzunehmen für gut befunden hat, ist die eines schlechten Pädagogen, der auch dann die bessernde Strafe noch bis zum nächsten Male aufschiebt, wenn der Schulknabe, statt ein reuigesIch will es nicht wieder thuu" zu stammeln, verstockt auf feinem Fehler beharrt."

Und dieFranks. Ztg." sagt mit einem Spott, der den Aerger nur schlecht verhüllt:

Parturiunt montes. Da hat der kreißende Berg wieder ein Mäuschen geboren. Der Erlaß ist offenbar so aufzufassen, daß die Regierung, wenigstens zunächst, die ftondirenden Beamten ungeschoren läßt. Das ist ja sehr erfreulich. Aber zu glauben, daß die Pelzwäsche eines solchen Erlasses auf die Beamten genügenden Eindruck machen werde, das ist lustig. Die arme Regierung 1 Ihr ist die Neigung zu kräftigen Worten, von Thateu gar nicht zu reden, gründlich vergangen."

Sozialdemokratische Kniffe auf dem Lande.

* Wie in Oberschlesten, wo sozialdemokratische Agitatoren bekanntlich durch Vorzeigung des Bebel- scheu Rosenkranzes polnischen Bauernfang trieben, so wird jetzt auch in der Provinz Posen durch Mißbrauch der Religio» gearbeitet. So bringt dort die Sozial­demokratie in ihren Flugschriften nicht nur Bibel­sprüche und fromme Redensarten an, sondern schmückt sie auch mit dem Kreuz und anderen Zeichen, die für die polnischen Katholiken religiöse Bedeutung haben. Solcher nichtnutziger Heuchelei ist nur die Sozialdemokratie fähig; selbst dieVossische Zeitung" hält diese Art von Laudagitatiou nicht als ein neues Zeichen derMauserung".

Die deutsch-ostafrikantsche Centralbahn.

In derDeutschen Colonialzeitung" tritt der Geh. Kommerzienrath Dr. Oechelhciuser nochmals energisch für die baldige Inangriffnahme der dentsch- ostafrikanischeu Ceutralbahn ein, eine Aufgabe, die an­gesichts der englischen und kongostaatlichen Bahnbauten

I Nachdruck verboten

D» Widerstreit der Gefühle.

| Roman von C. Wild.

I (Fortschnnz)

|~_®oalfelb glaube, es wäre dies Eva's eigenster die er ja mit Aufmerksamkeit und Liebe studirt |g» am entsprechendsten, und er hoffe daher auf Mrhas's Zustimmung, wen» er nun daran mahne, D der Termin gekommen fei, Eva wieder in das Mfeld'sche Haus zurückzufchicken.

. »Wenn sie dann ganz fertig ist," fuhr er bereit, den Kampf mit dem Leben und ^«elt zu Beginnen, dann bringe ich sie Ihnen und führe sie in Ihre Arme znrück, denn ?? habe ich mein Wort eingelöst und den Wunsch theuersteu Freundes erfüllt."

Csm-0 ^°ate beim Eva abermals dem fteundlichen Mörsterhause Ade und kehrte in die gewohnte des Saalfeld'scheu Hauses zurück. Ein be« Schmerz war es sowohl für Martha als für den Großvater gewesen, daß Eva sich jMnb der beiden Seminarjahre nur ein einziges Ferien gestatten wollte und durste, und daß sie Herzblättchen also nur etwa einen einzigen Monat ] ganzen langen Zeit sollten genießen können, hatte allerdings mit der Leichtigkeit der sofort einen Ausweg gewußt und es sich ans- daß ihre Lieben zum Weihnachtsfest noch L7 Residenz kommen sollten, aber der Oberförster vor dem Feste erkrankt, und so hatte es sich »ru sehr in Sorge um den Vater, versagt, wiederzusehen.

Eva schrieb darüber bedauernd allerdings, aber doch nicht mit der heißen Sehnsucht, die Martha empfand, als sie am Weihnachtsabend in die sternenhelle Nacht hinausblickte und ihres fernen Lieblings gedachte. Eva's Leben schien völlig ausgefüllt, ihren Briefen nach zu urtheilen, und Martha gestand sich selbst kaum, wie wehe eS ihr that, dies zu denken; bann dachte sie aber auch wieder an die Worte des guten alten Professor Saalfeld, der einst gesagt hatte, die Mutterliebe soll die Mutterliebe überwinden und jedes egoistische Wünschen zum Schweigen bringen, wenn nur das Wohl des geliebten Kindes ge­fördert wftd. Und so ging Martha bann, wenn auch roch mit Thronen in den Augen, doch gefaßt zur Ruhe, um so mehr, als sie auch ihrer Vater außer Gefahr wußte. In stiller Nacht dräugte sich ihr aber oft und öfter die Idee auf, wie es wohl alles werden solle, wenn der Vater einmal stürbe. Sie wußte ganz gut, daß bann die Oberförsterei einen neuen Herrn bekäme, und stellte sich vor, daß sie bann erst wirklich heimaihloS sein würbe.

Martha war trotz ihrer vierundzwanzig Jahre boch noch fast kindlich zn nennen, was ihre Bekannt­schaft mit der Welt anlangte, und wenn ihr gleich schmerzliche Prüfungen nicht erspart geblieben waren, so hatte sich für sie doch immer eine feste Stütze ge­funden, an die sie sich vertrauensvoll hatte anlehnen dürfen. In solchen Monaten ernsten Nachdenkens bedauerte sie zuweilen, ihr Befitzthum in L. aufge­geben zu haben, sie konnte freilich dort ja ein ähn­liches leicht wieder erwerben, wenn sie nach dem Tode des Vaters wieder mit Eva dahin übersiedeln wollte. Eva I--Der Gedanke an sie machte

ihr auch Schmerz. War es wirklich nur der

mütterliche Egoismus, welcher sie glauben ließ, daß sie für Eva eMbehrlich geworden sei, daß Eva's Herz ausgefüllt sei? Zuweilen kam es bei diesem Gedanken wie Groll gegen Erich Saalfeld über sie; er hatte das Bild des Vaters und, wie es ihr schien, auch das der Mutter aus Eva's Herzen gedrängt und sie an ihre Stelle gesetzt. Eva's Briefe be­handelten stets nur ein Thema, und das hießOnkel Erich". Seine Liebe, seine Güte, seine Klugheit seine Gelehrsamkeit, das Alles wurde in tausend und aber­tausend Variationen besprochen und belobt, und in Martha'S Herzen hatte bereits ein ganz ausgeprägtes Gefühl der Eifersucht gegen Saalfeld Platz gegriffen.

Martha hatte ihn nie wieder gesehen feit dem schönen Pfingstfeste, welches er einst mit Georg als Jüngling in der Oberförsterei verlebt hatte, aber er stand vor ihrem Geiste in lebendiger Frische und un­vergessen neben dem Bilde ihres Heimgegangenen Gatte». Jetzt stellte sich natürlich ein späteres Bild neben die alte Erinnerung und dieses Bild wurde nach jedem Brief Eva's vollkommener. Aus dem heiteren stets scherzenden Jüngling war ein tiefernster Mann geworden, dessen Wesen sogar häufig Spuren von Schwermuth zeigen sollte. Dabei war er von wahrhaft ängstlicher Besorgtheit und Zärtlichkeit gegen Alle, die er liebte, unter denen Eva ja einen hervor­ragenden Platz einzunehmen schien.

Bei dem Gedanken daran wollte es sich wie leiser Groll gegen Erich in.Martha regen. Warum vermied er sie? Denn daß er dies that, war ihr vollkommen klar.

Allerdings war Erich auch Martha gegenüber von der rührendsten Aufmerksamkeit. Er schrieb ihr

monatlich zwei Mal über Eva und berührte mit be» wundernswerthem Verständniß in diesen Briefen alle diejenige» Dinge und Frage», welche dem Mutter» herze» am nächste» lagen, gerade so wie es eigentlich nur der Vater des Kindes hätte thun können. Aber in diesem Umstande lag auch der Grund für die Be­fürchtung, welche sich Martha immer unabweislicher aufgedrängt hatte, daß uähmlich Erich ihr Kind liebe und von dem jungen impulsiven Mädchen auch wieder geliebt werde. Wie sollte Alles »erben, wie Alles enden? Mit diesem Gedanken schlief sie jede» Abend ein, und erst wenn sie wieder in den Helle» Marge» schaute, fand sie auch wieder Muth, ihre Sorge» dem anheim zu geben, der allerwegen Rath weiß und dem es nicht an den Mitteln fehlt, seine Kinder aus allen Aengste» zu reißen.

Eva verlebte indessen eine schöne reiche Zeit, wie sie wohl wenige» junge» Mädchen zu Theil wird. Die Unterrichtsstunden im Seminar bedeuteten den geringsten Theil ihrer Studien; wenn daS gemeinsame Mittagsmahl eingenommen war, folgte sie Erich in sein Studirzimmer und arbeitete mit ihm. Er widmete ihr fast seine ganzen Nachmittagsstunden und »ft auch noch die Abende, indem er sie ins Theater begleitete und sie in die Werke der großen Klassiker einführte. Schiller, Goethe, Lessing, Shakespeare lernte Eva so verstehen und begreifen, und cs darf wohl nicht Wunder nehme», wenn ihre ganze Seele in Be­wunderung aufzing für den, welcher ihrem Geiste und Verständnisse die unermeßlichen Schätze der deutschen und ausländische» Literatur erschloß.

(Fortsetzung folgt.)