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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain

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mcbLerlag: Joh. Aug. Koch, UnivrrsitätS-Buchdruckkrei iu Marburg. fFt tS Verantwortlich für die Redaktion: Redakteur Hans Hupfer in Marburg.

Expedition: Markt 21. Telephon 55. Redaktion: Markt 21. Telephon 55.

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Zur Lage.

* Es ist ganz selbstverständlich, daß über die Ber

iwdlungin, die der Kronrath am Mittwoch gepflogen Coltei et, das strengste Geheimniß gewahrt bleibt. Alle schöne» Reibungen und Andeutungen über die Ergebnisse (5513 nutzen also auf Combinationen. Die Presse der Men ist /war fortgesetzt mit großem Eifer bemüht, ie Lage zuklären", allein cs stellt stch immer 2 Mer" heraus, daß man auf jener Seite selbst sich Mcht Rath weiß. DenAuflösungsgedanken", den Linke bis vor kurzem sounentwegt" festhielt, sie halb und halb aufgegeben, denn sie verlangt, ß vorherGarantien" für einen ihr angenehmen hlausfall geschaffen werden. Zunächst betreibt die inke zu dem ZweckeWinisterstürzerei"; auf ihrer oskrtptionsliste stehen namentlich die Herren I)r. von

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liquel und Freiherr von der Recke- Wen sie an neu Stelle etwapräsentieren" möchte, darüber be­ehrt sie noch strenges Geheimniß.

Ob es möglich sein wird, den Landtag schon lesen Sonnabend zu schließen, ist wieder zweifelhaft worden, da das Herrenhaus erst Donnerstag die lerathung der Justizgesetze beendet hat. Be sntlich sind vom Herrenhause verschiedene Aender-

ißtn der Abgeordnetenfassung beschlossen worden

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, agitatorische oder stillschweigende Unterstützung , kr Gegner der Regierung zu gewärtigen hat. Die , Nationalztg." meint, das sei doch nur eine negative iaßregel, geeignet, ein auch die Staatsordnung im Hgemeinen untergrabendes Hinderniß der RegierungS- lckirtk zu beseitigen.Aber durch die bisherigeRegierungs- »itik selbst ist der AgrarkonseroatismuS zu seiner genwärttgen Machtstellung gelangt, er ist zu dem "ternehmen ermuthigt worden, die preußische Staats­halt sich unterthau zu machen. Daran wird nichts >u>dert, w.n» man die Beamten-Fronde beseitigt, ren Träger sich noch vor etwa einem Jahre in test Glauben für gouvernemental halte» konnte». 11 wenn die Regierung unter unveränderter

.50, oben werden muss n. Für den Landtagsschluß, r wahrscheinlich durch den Kaiser selbst erfolgen

.50 , cd, erwartet mau ein Wort der Aufklärung.

Es seien int Anschluß hieran einige der Combi- itiomn wiedergegeben, die von den Zeitungen in

an ib darum ist das Abgeordnetenhaus genöthizt, sich it einzelnen der Ausführungsgesetze nochmals zu be- . , ästigen. Tritt unsere zweite Kammer den Herren- i. «sbeschlüsse» bei, so ist der Landtagsschluß noch in l. , tfei Woche möglich; andernfalls würde das Herren-

ms nächsten Montag noch einmal zusammentreten . , >d der Landtageschluß bis zu diesem Termin ber«

Mg auf die Ergebnisse des Kronraths aufgestellt erden. DieNationalztg." ist der Ansicht, 6 im Kronrath unter Vorbehalt aller weiteren Ent- j_, täfle vorläufig nur Maßregeln gegen diejenigen Mischen Beamte» beschlossen worden find, von denen

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daß fie seiner besonders bedurfte, sie hatte

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mit dem fie ja wie mit Georg die erste» Tage ihrer Bekannffchaft durchlebt hatte.

Wartha hatte sich allerdings v»o de» erste» ihrer Begegnung au mehr zu Georg hin- gefühlt, hatte deshalb auch mit weniger ^offe auf Saalfeld geachtet und besvaderr später t? Weniger an ihn gedacht. AIS fie dann nach ^«erladung brieflich sawvhl als mündlich zu- L? nach dem Freunde gefragt hatte, waren ihr drorg stets Oberflächliche Autwsrteu geworden.

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Nachdruck verboten

3« Widerstreit der Gefühle.

Roman von C. Wild.

(Fortsetzung.)

.Martha laS den Brief wieder und immer wieder, obgleich er so unendlich einfach und klar war, ^lrn er ihr doch wie ein großes Räihsel. Eines

... ® heiligste Vertrauen gesetzt hatte, war fern und * 'M Stande, ihr irgendwie helfend beizuspringen. , '«o |ic jcihci uquuuciö dc»ul[ic, jie parre cU _ ® Major und seine Frau und Kinder, die ihr in "j Allster Weise beigestauden hatte» in der erste» des Augenblicks.

. $® Tage nach Georg'S Tode war auch »och ^«bends ihr guter Vater eingetroffen, der »atür- U. Buj einzige» Sind tu dieser Stunde der herbsten

"tcht allein ließ; aber war eS der Umstand, t. ®toI9 gerade an seinem letzten Lebenslage »och zI,Martha von Saalfeld gesprochen, war es da» Ge- 2r8:6, welches das Verhältniß der beide» Männer um- -J/Lj ikdenfalls dachte Martha viel an Saalfeld und sich wieder ei» klares Bild von ihm zurück-

Bekundunz der Bereitwilligkeit zu jeder berechtigten Forderung der Landwirthschaft selbst mit allem Nachdruck den Kampf gegen den Agrarkonservatismus im Laude aufnimmt, wird das weitere Vorgehen nicht zu einer neuen und schlimmeren Niederlage führen."

Die freikonservativePost" bezeichnet die Auf­fassung, welche sich im Kronrath geltend machte, als eine durchaus nüchterne und kühle.Die Kanal­vorlage ist abgelehvt, die Vorlage wird wiederkommen", ist als Grundgedanke festgehalten worden. Dem entsprechend ist von einem Wechsel an leitender Stelle keine Rede, wenn auch von dieser der sehr dringende Wunsch geltend gemacht worden sein soll, sich zurückzuziehen und die Arbeit jüngeren und kräftigere» Schultern aufzuerlegen. Für die nächste Zeit ist eine Veränderung in der Zusammen­setzung des Stastsministeriums höchstens in einem Ressort, das bei Berathung der Kanalvorlage nicht unmittelbar im Vordergründe stand, wahrscheinlich. Der Gedanke einer Auflösung des Abgeordnetenhauses ist ernstlich gestern nicht mehr in Frage gekommen, er wurde von leitenden Stimmen als zum Min­deste» bedenklich bezeichnet. Dagegen wird als möglich und wahrscheinlich bezeichnet, daß die letzten Vorgänge dem Monarchen den Wunsch nahe gelegt haben, der Volksvertretung bei ihrem Auseinandergehen persönlich seine Ansichten mitzu- theilen. Es dürfte also anfangs nächster Woche offizieller Schluß mit Thronrede stattfinden."

Nach den regierungsfteundlichenBerl. Neuest. Nachr." wird der bisherige politische Zustand keine wesentliche Verschiebung erfahren. Man erblickt in der Art und Weife, wie der Kron- rath gestern die ihm gestellte Ausgabe erfüllt hat, einen Erfolg der Politik des Vizepäfidenten des Staatsministeriuws Dr. v. Miquel, die auch unter den gestrigen schwierige» Verhältnisse» sich in abge­messenen vorsichtig erwägenden Bahnen bewegte und noch bewegt. Selbst die begreifliche Aufregung über die Haltung der Konservative» ist durch die Erkenntniß gemildert worde», daß zur Verfolgung einer staats­erhaltende» Politik der Einfluß einer starken kouservativen Partei unerläßlich ist."

DieK r e u z z t g." schreibt: Ueber da» Ergebniß der gestrigen Sitzung des Konraths ist Sicheres noch nicht bekannt geworden. Eine Auflösung des Abge­ordnetenhauses scheint aber thatsächlich nicht mehr in Frage zu kommen. Ueber Veränderungen im Staats­ministerium verlautet bisher nichts.

Der »ItramonianKölnischen Volks­zeitung" wird von eingeweihter Seite versichert, daß die Mehrheit der Minister sich gegen die Auflösung ausgesprochen habe. Die Stellung Miquels sei unerschütterlich fest. Das Jubelgeschrei linksliberaler Blätter über einen angeblich bevor­stehenden Bruch der Krone mit den Konservativen

Bald nachher war dann Georg nach L. in das Elternhaus übergefiedelt, um eS zum Empfange seiner jungen Fra» vorzubereiten nnd einzurichten, und zur Zeit ihrer Hochzeit war Erich Saalfeld auf einer Studienreise begriffe» gewesen und nur seine Eltern waren der Einladung gefolgt. AIS Saalfeld dann zurückgekehrt war, hatte Martha Evche», welche inzwischen geboren worden, nicht ver­lassen können; Georg war allein in die Hauptstadt gefahren, um de» Freund zu begrüßen, kurz Martha hatte den Jugendsteund ihres Mannes nicht wieder gesehen. In ihrer Erinnerung tauchte jetzt lebhaft das Bild der zarten Liebe und Sorgfalt auf, welche Erich stet» für Georg gehabt hatte, uud fie bedauerte, daß dieser liebende, fürsorgevde Freund ferne sei. Ja, gewiß hatte Georg gut gewählt, in­dem er ihn gebeten hatte, seine Stelle bei Frau und Kind zu vertteten.

Der Oberförster unterbrach dmch seftteu Eintritt das Sinnen seiner Tochter.

Mattha, mein liebes Kind, komm', soeben ist der Profeffor Saalfeld angekommen. Er eilte auf die Todesanzeige herbei uud hat auch noch vor seiner Abreise eine» Brief seine» Sohne» erhallen, in welchem derselbe ihm provisorisch die Vormundschaft über Eva überträgt, bis er selber znrückkehrt. Der Profeffor ist im Gasthof abgestiegen, aber ich denke, wir laste» seine Sachen sofort hierher holen, damit er zu uu» überfiedell, meinst Du nicht auch? Ich bin herzlich ftoh über sein Kommen, und ich meine, die Sorge um ihn und mich ist Dir gerade am heil­samsten."

Gewiß, Papa, Du hast ganz recht gethau, und ich will eilen, Deine Aufforderung dem lieben Freunde zu wiederholen."

habe auf den Kaiser die entgegengesetzte Wiikung auSgeübt. Der Kaiser sei unter dem Eindruck nach Potsdam zurückgekehrt, daß er zu einem solchen Bruche gedrängt werden solle. Er Verschlüße sich, so werde in Regierungskreisen behauptet, nunmehr erst recht der Erfüllung dieser Forderungen.

Der konservativeReich sbote" erfährt, der Kaiser wolle, obwohl ihn die Opposition der Konser­vative» sehr verstimmt habe, doch in dem traditionellen Verhältniß derselben zur Krone keine Aenderung ein- tteteu lasten.

Umschau.

Sozialdemokratische Agitation unter den Eisenbahnarbeitern.

C. Wie die MünchenerAllgemeine Zeitung" mittheilt, soll die sozialdemokratische Eisenbahnarbetter- bewegung, welche langsam eingeschlafen ist, wieder zu neuem Leben erweckt werden. Wen» man gewissen irr der Bewegung stehenden Leuten glauben darf, soll es bereits15 000 orgamsirte Eisenbahnen" gegeben haben. DerWeckruf der Eisenbahner" giebt in einer Bemerkung zu, daß eS in Halle und Umgegend eine 1500 Mann starke Organisation gegeben habe, von der aber heute nichts mehr zu finden sei; in einer Anzahl Städte deS Königreichs Sachsen (Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau) dürfte» die Verhältnisse ähnlich liegen. Die Eisenbahndirekttonen haben zweifellos alles gethan, um vorhandene Mißstände zu beseitigen. Jetzt sollen indessen von den Agitatoren zwei Thatsachen ausgenutzt werden, die, wenn sie wahr sein sollten, jedenfalls noch lebhaft besprochen werden dürften. So soll nach den sozialdemokrati­schen Quellen die Eisenbahndirektion Halle eine Ver­fügung erlassen haben, i» der es zum Anfang heißt: Nachdem neuerdings auch in Halle und Kottbus der Dienst für das Rangier personal auf zwölf Stunden ausgedehnt worden ist, fifcn wir voraus, daß diese Anordnung nunmehr auf sämmtlicheu Bahnhöfen, auf denen bisher ein achtstündiger Rangierdienst ein­gerichtet war, durchgeführt ist." Sodann soll ein Bremser Albert Draeger in Dresden, weil er seine Beförderung zum Beamten bei gleichzeitiger Versetzung in's Erzgebirge nicht annehmen wollte, entlassen, d. h. gemaßregelt sein, wie die Sozialdemokraten sich auszu­drücken belieben. Etwas anders werden wohl die Sachen liegen, aber die sozialdemokratischen Agitatoren haben wieder Stoff und in den nächsten Wochen werden sie von Hamburg ans von neuem durch das ganze Deutsche Reich ihre Ausflüge machen. Die Parteikasse soll auch wieder erhebliche Summen flüssig gemacht habe». Die Eisenbahnarbeiter in die sozial­demokratischen N tze einzufangen, ist und bleibt der Lieblingsgedanke der Parteileitung. Wir glauben zwar, daß es auch jetzt den sozialdemokrattscheu

Eilends schritt sie in das andere Zimmer, wo ihr der alte Herr bewegt entgegen trat.

Meine liebe Frau Martha," rief er indem er ihre beiden Hände ergriff und schüttelte,müssen wir »ns so Wiedersehen? Ich hatte immer gemeint, Ihr Kinder solltet unS zur ewigen Ruhe geleiten, und nun begrabe ich alter Mann meinen Jungen. Sie Wiste», wie lieb uns Georg war, und meine Frau ist ganz »nttöstlich, um so mehr, als Erich nun auch gerade verreist ist. Sie wollte mich durchaus begleiten; der Arzt aber untersagte eS ihr auf das Energischste und so mußte fie sich fügen. Nun zeigen Sie mit aber Ihr Töchterchen, wir hatten längst gehofft, daß Georg uns das Kind einmal mitbringen sollte!"

Martha gab sofort die vöthigen Befehle wegen deS Gepäck» des Professors und kehrte dann mit dem Kinde zu den Herren zurück.

Eva versprach daS tteue Ebenbild ihrer Mutter zu werde», wenigstens umgab dasselbe reiche Haar das liebliche Köpfchen, au» dem die großen blauen Auge» offen und furchtlos in die Welt blickte». Haar und Auge» wäre» jedoch bnnfler, als bei der Mutter, und während Marthas Antlitz nur Weichheit zeigte, fände» stch iu Eva entschiede» die ernstere» Lioie« von Georg'S Gesicht wieder, wodurch deS Kindes Antlitz schou jetzt einen gewisse» Grad von Charakter und Energie zeigte.

Eva eilte auf den Großvater zn, für welchen fie die zärtlichste Siebe fühlte, und dieser zog da» Kind jetzt mit verdoppelter Innigkeit an sich, da er sie nun ohne den Vater und natürlichen Beschützer wußte und fein Herz selbstverständlich de» Wunsch hatte, ihr beide» zu ersetzen, so viel dies in seiner Macht stand.

Nun, Etzchen," begann Professor Saalfeld, willst Du nicht auch Deinen »wetten Großpapa be» grüßen?" indem er dem Kinde die Hand entgegen»

Agitatoren nicht gelingen wird, diese Absicht zu er­reichen, sind aber doch der Meinung, daß man alle derartigen Versuche sehr sorgfältig verfolgen muß.

Die DreyfuSpresse.

Ein charakteristisches Beispiel dafür, wie die deutsche Dreyfuspresse über den Dreyfusprozeß ten­denziös berichtet, liefert dasBerliner Tageblatt". Diese Zeitung ließ sich dieser Tage von ihrem Corre- spondenten Theodor Wolff aus dem Gerichtssaal folgendes über Picquart schreiben:

Wenn diese Affatre DreyfuS keine anderen heilsamen Folge» haben sollte, so hat sie doch ein schönes und präch­tiges Resultat gehabt: sie hat die Gestalt PicquartS aus der Verborgenheit ans Licht getragen, hot diesen Mann vor , der ganzen Welt auf einen hohen Sockel gestellt. Sie hat uns so viel verschiedene Charaktere gezeigt, gestern noch in Raget das menschliche Kampf­thier in seiner intelligentesten Verkörperung, aber sie hat uns auch den Menschen in feiner höchsten Vollendung gezeigt, den Menschen, in dem Alles, Verstand und Herz, gleich frei und edel entwickelt ist mit einem Wort, die feinste Kulturblüthe deS Menschenthnms . . . Wer Picquart kennt, wer ihn seit zwei Jahren auf seiner Bahn verfolgt hat und nicht gerade von Parteihaß verwirrt ist, kann von dieser Erscheinung nicht ohne ein Empfinden sprechen, das ich künstlerische Freude nennen möchte .... Heute hat er diese Befangenheit, diesen Rest von Unfreiheit abgestreift. Man bemerkte das sofort, als er mit schnellem, sicheren Schritt in den Saal trat, sich vor den Richtern verbeugte, sich bann b quem int Sessel zurücklehnte, ohne jeden Zwang das rechte Bein über das linke Knie legte, und mit lauter, klarer, klangvoller Stimme seinen Vortrag begann. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: eine Stimmung verbreitete sich im Saale, wie fie entsteht, wenn Lohengrin über die Wasser heranzieht. Es ist etwas so Harmonisches, Abgeklärtes in dieser Er­scheinung, und dabei so etwas Starkes, Männliches, Jmponirendes. Ein geborener Fürst. Und indem er spricht, zugleich liebenswürdig und doch, ohne es zu wollen, herablassend, mit einem leichten elsässischen Accent, ist es nicht, als ob er eine Zeugen­aussage macht eS ist, als ob er Gesetze eriheilt. Französisches und deutsches Blut haben sich in Picquart gemischt. Und das Beste, was diese beiden Volks­stämme hervorbringen können, ist in ihm bereinigt. Mit welcher sonnigen Klarheit trägt er stundenlang diese verwickelte, komplizirie Affaire vor, ohne ein beschriebenes Blatt zu Hilfe zu nehmen! Und da» Köstlichste ist diese vornehme, elegante weltmännische Unbefangenheit gegenüber de» siebe» Richter», die in ihm er weiß eS wohl zunächst ein feindliches, fremdes, unsympathisches Wesen, einen Abtrünnigen, einen Empörer sehen müssen. Seine Ankläger, die vier Generale auf den rothgepolsterte» Sesseln der

streckte.Ich habe Deinen Papa sehr lieb gehabt, uud er hat stets bei mir gelebt, fast seit er so jung war als Du, denn sein Vater war ja auch so früh gestorben!"

Dan» sind Sie wohl Onkel Saalfeld?" und bot dem Professor ihr Gesichtchen zum Kuß.Ich hätte Sie auch gleich uach der Photographie erkannt; Papa hat mir so ost von Ihne» erzählt, aber Walter noch viel mehr, Tante Saalfeld hat ihm Sonntags Abends immer so schöne Wurst und Kuchen in die Taschen gesteckt, wen» et ins Kadettenkorps zurück mußte, und ganz heimlich hat fie es immer gethan, ohne daß eS Matter wußte, das habe ich so hübsch gesunde», bann hat er boch nicht gleich zu banken brauchen, bas wäre ihm gewiß schwer geworbenuach vierzehn Tagen ist baS schon leichter.

So, so, meinst Du? Dankst Du denn nicht gern, mein Herzchen?"

O, ja, aber gerade für solche Sachen, finde ich, muß eS einen Jungen boch in Verlegenheit setzen, wenn er fie auch gern ißt. Mir wenigstens ginge t« f».e;

Sieh' da, steh' da. wir find ja schon ein sehr denkendes kleines Fräulein", sprach der Profeffor nach­denklich halb für fich,also der Walther hat Dir daS Alles erzählt? Das ist ein prächtiger Kerl, der verspricht einmal gerade so ein Mann zu werde», wie fein Vater."

Nur ein freundlicheres Loos wolle» wir ihm wünsche» all dem Major," warf der Oberförster da­zwischen,denn e» ist doch eigentlich tramrig, wenn men steht, wie ein Mann so in seinem Streben ge­hemmt ist durch seine Verstümmelung. Jedenfalls bewundere ich, daß er fich »och viel Menschenfreund- lichkett bewahrt hat." L (Fortsetzung folgt.)