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Expedition: Markt 21. Telephon 55.

und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei in Marburg.

1^190 Expedition: Markt 21. Telephon 55.

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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain. ..................' Jllustrirtes Sonntagsblatt.

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Dreyfus.

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reyfnsprozesses gekämpft wird, sondern der Bestand

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n U -sucht geht auch uns der Prozeß des schmäh- U. L <n Landesverraths Verdächtigen etwas an. Vom

de» Revancheschreter Dreyfas noch für den

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der Hand dieser kurzen

beeinflußt hätten. Damit trat die bis dahin M, M betriebene Agitation zu Gunsten des Dreyfus

au bas Kriegsgericht in des Dreyfus bilden die

bis die Stellung der englischen Geschäftswelt daselbst hinreichend erstarkt ist, um vor auswärtiger Concuren- keine Furcht mehr hegen zu müssen.

Ueberweisung des Processts Rennes sowie die Rückkunft Schlußdate».

Wenn wir uns so an

Die wirthschaftliche Zukunft des Sudan.

n. Die wirthschaftliche Zukunft des Sudan wird von der englischen Berichterstattung in ziemlich düstere» Farben geschildert. Darnach würde» sich alle an die Rückeroberung dieser Provinz für egyptische Rechnung geknüpften Hoffnungen als eitel Täuschung erweisen. Während schon der etwa vor 9 Woche» veröffentlichte Sttuationsbeiicht Lord CromerS die Zustände deS Sudan sehr pessimistisch beurtheilte, kommt neuerdings ei» hoher englischer Beamter, welcher dem Sudan-Jnspektorat zugetheilt ist und erklärt, daß mehrere Generationen darüber hinsterben könnte», ehe der Sudan, »ach unzähligen Opfern an Menschenleben und an Geld, irgend eine Einnahme bringen würde. Ohne behaupten zu wollen, daß der Sudan ein afrikanisches Dorado sei, wird man doch gut thun, jene englischen Schilderungen mit Vorsicht aufzunehme». ES ist schon aus fiühere» Anzeichen bekannt, daß eS England mit der Freigabe des Sudan für de» allgemeinen Handelsverkehr keineswegs eilig hat, sondern seiner eigenen Geschäftswelt erst volle Muße, das Fett von der Suppe abzuschöpfen, gönnen will. Die Thatsache, daß bis zur Stunde nur Reisende englischer Nationalität Pässe nach Khartum und darüber hinaus zugestellt erhalte», liefert dafür einen vollgiltigen Beweis. Behufs Erreichung ihres doppelten, politischen und wirthschaftliche», Zieles im Sudan hat die anglo egyptische Verwaltung ihre über den Sudan verhängte Sperre bisher immer mit der allgemeinen Unsicherheit für Gut und Leben, welche dort an der Tagesordnung sein soll, zu beschönigen gesucht. Dieser Einwand wird indeffen mit jedem Tage fadenscheiniger, da der Khalifa auf die Stämme des oberen Nil keinen nennenswerth Einfluß mehr übt, und diese sich augelegen sein lassen, ihre» Frieden mit de» Engländern zu schließen. Des- halb muß nun der angebliche Mangel an wirthschaft- lichen Hilfsquelle» herhalteu, den ftemdeu Unter­nehmungsgeist von diesem Lande fernzuhalte», solange,

Daten das Schauspiel nochmals vergegenwärtigen, das Frankreich in de» letzten Jahren in diesem schmähliche» Handel bot, so entrollt sich uns ei» un­erfreuliches Bild. Ein wildes Getümmel selbst­süchtiger Leidenschaften; Maßlosigkeften statt Mäßi­gungen, Schlagwörter statt Grundsätze, offener Verrath uud Jntrigueu statt Gcstnnuugstteue und Gradheit des Wortes und des Handelns, Terrorismus des Wortes »nd der That. Deßhalb aber vertreten wir auch die Meinung, daß mit dem Ende des ProcesseS Dreyfus mag die Entscheidung in Rennes auS- falleu wie sie will das Ende derAffatre' »och lange nicht gekommen ist. Die Divge sind zu todt gediehen, als daß Frankreich schon zur Ruhe kommen sollte.

und de» Fälscher deS Bordereaus erklärte. Nu» folgen sich die Ereigniffe i» raschem Gange. Am 14. September 1896 wird das geheime Beweisstück gegen Dreyfuscette Canaille de D.', am 10. November das Fccsimile des Bordereau ver­öffentlicht; am 16. November 1897 erhebt Mathien DreyfuS öffentlich beim Kriegsmiuister die Anzeige, daß Esterhazy der Verräther sei. Gegen Esterhazy wird Untersuchung eingeleitet, der Rohrpostbrief, den Piquart aufgefangen haben wollte, derPetit Bleu', wird als Fälschung erklärt und Esterhazy fteige- sproche». Aus dem Ankläger Piquart wird ei» Ange­klagter. Piquart wird wegen Vergehens im Dienst ent- lasten. Inzwischen kam am 13. Dezember Zola's Brief an die Jugend mit seinen maßlosen Schmähungen und Mitte Januar 1898 der zweite Brief au de» Präsidenten Faure, in dem er das Kriegsgericht an- kiagt, Esterhazy auf Befehl freigcsprochen zu haben. Zola wird am 24. Februar verurtheilt, der CassatiouS- hof ordnet jedoch eine erneute Verhandlung au, die am 19. Juli mit einer Berurihelluug in contumaciam endete. Der Kampf wird immer erbitterter; ihm fällt das Cabinet Meline zum Opfer. Cavaignac wird Kriegsminister und erhärtet am 8. Juli bei einer Interpellation in der Kammer die Schuld deS Dreyfus mit nachträglichen von dem Obersten Henry gelieferten Beweisen. Picquart bezeichnet diese Be­weise als gefälscht, wird verhaftet und unter Anklage gestellt.. Daun kommt eine entscheidende Wendung. Henry wird als Fälscher entlarvt und tobtet sich selbst. Die Folge davon war die Einleitung der Revision durch das Ministerium am 26. September. Der bekannte Beschluß des Casiationshofcs und die

Umschau.

Die Verkoppelung der Kanalvorlage mit der Gemeiudewahlreform

soll nach einer Behauptung vo» liberaler Seite Herr Dr. von Miquel den Konservattve» nachgesagt habe». Das kann der Herr Minister natürlich nicht gesagt haben; denn er weiß, daß das unrichtig ist. Verkoppelt haben diese beide» Dinge Centrum und Nationalliberale, und noch heute steht e8 nur bei diesen Parteien, ob diese Verkoppelung gelöst werden soll. Die Konservattve« sind jeden Augen­blick bereit, die beiden Gegenstände getrennt zu be­handeln. Man mache doch nur den Versuch!

Samoa.

** Noch immer liegen keine amtlichen Nachrichten über die jüngsten Vorgänge auf Samoa vor; noch immer ist man deutscherseits auf die spärlich und ttüb fließenden englischen und amerikanischen Quellen angewiesen; noch immer herrscht Unklarheit über die letzten Beschlüsse der Commission. Aus de» kärg­lichen sich in vielen Punkten widersprechenden Mit­theilungen scheint nur eins mit Sicherheit festzustehen, daß Dr. Solff von dem ihm in erster Linie gebühren­den Rechte der Stellvertretung des Oberrichters keinen Gebrauch gemacht hat und der Generalkonsul Osborn an Stelle deS auf Nimmerwiedersehen abgereisten Mr. Chambers als Oberrichter fungirt. Die be­fremdende Nachricht, daß die Commission beschlossen habe, de» Posten deS Munieipalpräfidenten abzu­schaffen, vermögen wir, trotzdem sie Reuter's Bürean bestätigt, nicht zu glaube». Den» ein solcher Be­schluß würde eine so bedeutende Minderung der deutschen Interessen darstellen, daß eine Zustimmung des deutschen Commissars völlig unerklärlich wäre.

Nach dem sogenannten Berliner Verttag oder der Samoa-Akte vom 14. Juni 1889, welche die Insel» veil leider der deutsche Reichstag für eine Besitznahme nicht zu haben war unter die ge­meinsame Oberhoheit Deutschlands, Englands und Amerikas stellte, ist die Verwaltung Apia's so geregelt, daß au der Spitze des Gemeiuderaths ei» Municipal- präsideni steht, der von den drei Mächte» oder vom König von Schweden ernannt wird ebenso wie der Oberrichter. Es hatte sich nun die Praxis herauS- gebildet, daß das Amt deS Muuieipalpräfldenteu von Deutschland, bas des Oberrichters von Amerika be­setzt wurde. Wen» nun das Amt des Municipal- präsidenten abgeschafft wird, so bedeutet das nicht nur eine Aenderung der Samoa-Akte, die möglicher­weise zur Auftollung der ganzen Samoafrage führe» könnte, sondern auch eine versuchte bedeutende Herab­setzung des deutschen Einflusses, zumal der Oberrichter- posteo in amerikanischen Händen verbliebe. Deutsch­land würde nach de» Commissionsvorschlägen in Zukunft lediglich durch seinen Consul vertreten fein. Daß das aber nicht der Billigkeit entsp.echen würde, zeigt ein Blick auf die Nationalitätsverhältnisse der Inseln. Auf der Inselgruppe find 70 000 Acres in deutschem Besitz, nur 9000 in englischem und amerikanischen und etwa 52 pCt. der gesummten Einfuhr, 62 pCt. der Ausfuhr bewirke» deutsche Kaufleute.

Sollte daher thatsächlich die Kommission de» Re­gierungen die Abschaffung des Municipalpräsidiums

7? - jetzige» Republik. Darum nicht aus den runden, mit denen die deutsche Dreyfuspresse daS »treffe für ihren Stammesgenosten wachzuhalten

In D'M . rw» , ' '

häitiid ronagemann Piquart zu erwärme», die politischen

. uM tonalen Standpunkt aus brauchen wir uns weder

* her

ES war am 15. Oktober 1894, als der damalige ießkminister Mercier de» Hauptmann Dreyfus ver­te» ließ; Dreyfus sollte als Generalstabsoffizier lüärische Geheimnisse an das Ausland uud zwar ►IW Vmrschland verrathen haben. Der Prozeß fand 19. Dezember 1894 statt. Unter den Beweisen tote u. a. auch daS später vielerwähnte Bordereau, Verzeichuiß von Aktenstücken, welches DreyfuS deutschen Milttär-Attachö, Oberste» v. Schwartz- A, ausgefolgt haben sollte. Die Schrift auf dem fbande des gefälschten Bordereaus wurde vo» lneu Schreibsachverständigen als diejenige des yf«S begutachtet. Nachdem das von dem Ver- ilie» eingereichte Reviflonsgesuch am 22. Dezember orfen worden war, wurde Dreyfus am 4. Januar » seiner militärischen Ehren und Abzeichen ent» und alsbald nach der Teufelsinsel gebracht, -r am 12. März anlaugte. Während seiner irung soll Dreyfus ein Geständniß seiner 1 gemacht haben. Eineinhalb Jahre später das Gerücht auf, daß dem Vertheidiger des fus, Demange, und seinem Clienten Beweisstücke vorgelegt worden seien, welche das Urtheil ent«

oguei uoälzangen aber, die in Frankreich sich vorbereiten ----6 uns einmal aus unserer Ruhe scheuche» könnte», Itfatigen es, wenn in diesen Tagen auch unser

MH Ba$ bem stillen Städtchen Rennes hinüberfliegt; dH rechtfertigen es auch, wenn wir uns jetzt einmal SS tj die Daten des DreyfusprozesseS vor Augen halten.

Anzeigen nehmen entgegen: die Exvedition dieses Blattes, die Annoncen-

Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- o a

bürg, Wien; Rudolf Mosie, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; 04. TjLUjrQ

C. L. Daube & Co Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris 2C.

i «Ei» neuer Akt des gewaltigen DramaS, das Wh aa diesen Namen knüpft und das Frankreich bis , die Grundfesten erschüttert, beginnt, de» DramaS ° ri r Korruption und der Leidenschaften. Nicht daS L. -schick des vielgenannten französischen Kapitäns ist ouu® um daS bei der jetzt beginnenden Revision des

Z-S bie Oeffentlichkeit und zwar zunächst getragen von jXJ^ijcpräfibenten des Senats, Scheurer Kestner.

Scheurer-Kestner und Demange gesellte sich dann .-b-rst Piquart, der auf Grund einer Rohrpost- ,0. bie angeblich aus der deutschen Botschaft an 55g gerichtet war, Esterhazy für den Verräther

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen.

Ouartals-Abonnements-Preis bei der Expeditton 2 Mk,, bei allen JÄlUl-vUtU

Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnscrtionsgebühr: die ge-

spaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg. Mittwoch. 9. August 1899.

Roman von C. Wild.

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4.40.

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8.10

I. Capitel.

Du meinen »rief zu Post besorgen lassen?'

Nachdruck verboten

3^ Widerstreit der Gefühle.

8.35 0.30 .2.00 1.88 2.30

3.30

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L*Dctor Hochberg seiner eben eintretendeo Frau

*bem er sich in seinem Lehnstuhl etwas in

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s."* * ^^türlich, mein Herzensman», .50SlnttoÄtt. ul.

hicm vergenemann,' lautete die 7, yfex Antwort,wo würde ich denn den Brief uf« AtIt8', an bem Du so lange geschrieben hast. E dre Postquittung, und nun theile mir auch «Wt des werthvollen Dommente» mit, das Deine» Freund Saalfeld geschickt hast. Du vir feit dem Abgang des Briefes ruhiger «uer-r zu sein: so erzähle mir doch auch, Aschen Dich und Saalfeld getreten ist, daß «ar nicht mehr sähet. Er war, al» wir 7Be lernten, Dein bester Freund, Ihr schient _ . lich zu fein, nnd plötzlich wurde der Ber- Elchen Euch ganz abgebrochen.'

75 «eine thenre Martha, ich will mit Dir von , benn ich habe ihm in jenem Briefe ge» . a ich die Riegel lösen werde, welche Saal- ernst vor nufere gemeinsame Vergangenheit L daß ich Dich einweihen wollte in alle» «lene, damit Du den Schritt, den ich heute

* J*1» begreifen und billigen könntest. Ich k, Saalfeld's Antwort ab, nnd dann will D?lle, erzählen.'

5.4° h, , barfst jetzt auch nicht mehr sprechen, lieber '10 rVtfle Dich auf da, Sopha, ich will mich zu »en und Dir etwas vorplaudern; Du weißt, r unser trauliches DämmerstLndchen immer ge- "CB- Erinnerst Du Dich der Zeit, al» Evchen

noch klein war und wir ihr Rollbettchen hier bei uns stehen hatten? Wenn sie dann schlief und Du zum Lesen nicht mehr sehen konntest, legte auch ich die Arbeit bei Seite, rückte mit meinem alten Kinder- stühlchen zu Dir und dann besprachen wir mtteiu- ander alle Angelegenhett, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wurden durchgenommen. Ernst und Heiterkeit wechselten ab, und ich war jedes Mal um ein guter Theil reicher und ein tüchttgeS Stück Dir näher gerückt, wen» Eschen dann erwachte und uns Beide mahnte, unsere Pflichten da wieder aufzunehme», wo wir sie kurz vorher hattkN ruhe» laffe». Ja, das waren selige Stande», in denen mir erst nach »nb »ach daS Verständniß für Dein treue» Herz und für Deinen umfaffendeu Geist aufging, benn als Du mich von ben Ellern fortnahmst, war ich boch eigentlich »och ein ganze» Kinb, das ein Leben voll ewigen Sonnenscheins tiänmte und nicht daran dachte, daß un» Mensche» auch trübe Tage nnb ernste Prüfungen bestimmt seien.'

»Und doch hast Du daS Dir zuertheifte Schwere mit wunderbarer Festigkeit und Fassung ertragen und mir gezeigt, daß mein munteres Waldvögelein trotz seines heiteren Sinnes nnb seiner sonnigen Lieder auch fähig sei dem Sturme zu trotze», wenn er kommt, und nicht zu ttmnleu im Ungemach.'

»Aber wem danke ich diese Kraft? wem ander», al» Dir, mein Geliebter? Hast Du mir nicht treu zur Sette gestanden, als mir die thenre Mutter ent« risse» wurde und wieviel Geduld hast Du damals mit mtt haben muffen! Wie böse war ich Dtt in der ersten Zeit, al» Du mir nun Evchen in ben Arm legtest und mtt sagtest: .Ich will garnicht ver­suchen, Dich zu tröste», Martha, benn bei einem verlast wie bem Deinigen giebt es keinen mensch­liche» Trost. Worte find nur leerer Schall, nui die Erfüllung Deiner Pflichten kann Dich ihn nach und

nach vergessen machen, indem fie Dich voll in An­spruch nehmen; wahrer Trost kann Dir nur ans Deiner kindliche» Gottesfurcht uud aus Dir selber kommen.' Niemals werde ich jene Momente der- geffen, und in wie neuem Lichte Du mtt damals erschienst. Bis dahin warst Du immer nur mein liebender, zärtlicher Gatte gewesen, ich war so feste Worte von Dir kaum gewöhnt, aber fie waren mir uöthig, durch fie bin ich gereift worden, durch fie lernte ich überhaupt erst in mich scheuen und nach­denken.'

Unb Du glaubst nicht, welche Beruhigung für mich baiin liegt, Dich unter einem schwere» Schicksals, schlage gesehen zu haben! Martha, mein thenre» Weib, es steht Dir ein härterer Schlag bevor, nnb Du wirst mich, wenn er Dich trifft, nicht neben Dir haben/ um Dtt Halt und Stütze zu fein. Ich wieder- hole, was ich Dir früher gesagt, klammere Dich an Gott unb an Deine Pflichte», bann wirst Du auch da» neue Unglück tragen unb Trost ftnbe».*

Der Kranke legte feine Hand babei wie feguenb auf ba» Haupt feines neben im fitzenden Weibes. Sie hatten daS Gesicht mtt ihren Händen bedeckt unb weinte leise vor sich hi», fie wollte ihn ihre Thränen nicht ahne» lasse»; hatte fie ihn doch nur zu gut verstanden nnb wußte fie boch, baß et von seinem nahe bevorstehenden Ende sprach. ES war ihr ja auch klar geworden, daß sie nicht hoffen durfte, ihren heuen Freund und Gefährten, ihre erste Liebe ihren thenre» Georg erhalte» zu sehen. Erst gestern hatte ihr der alte erprobte Arzt gesagt, daß daS Lebenslicht ihres Mannes dem Erlöschen nahe fei, daß das matte Flackern nicht mehr lange bauern würde und daß jeder Tag ber letzte fein könne. Wie schwer war es ihr, sich jetzt »ach elfjähriger Ehe ein Beben ohne ihn zu beulen, für sich keine

Stütze, für ihr zehnjähriges Töchterchen keine» Vater zu habe».

Der Pattent war durch das Gespräch und die hübe Wendung, welche eS genommen, sehr ange­griffen, er kehrte seinen Kopf ermattet zur Wand und schlummerte sanft ein. Leise breitete Martha eine leichte Hülle über ihn, trat bann an eines der Fenster nnb blickte auf die trotz bet Dämmerung »och sehr belebte Straße hinaus.

Das Haus des Gelehrten lag etwas außerhalb ber Stabt an einer mit schönen Bäumen besetzten Allee, durch welche während fast aller Stunden be» Tages eine lebhafte Promenade stattfand. Auch jetzt kehrten zahlreiche Spaziergänger heim. Martha wurde jedoch durch die» eigentlich freundliche Bild nicht heiterer gestimmt, es erinnerte fie nur an ver­gangene glückliche Tage, die für fie nun auf immer dahin zu fein schienen. Mancher Gruß wurde von unten zu ihr hinaufgesanbi, deren Schicksal all­gemeine Theilnahme erweckte. Waren doch Hochberg und feine Gattin überall beliebte Persönlichkeiten bie fich durch ihre» heiteren Siu», ihr Wiffen und ihre mannigfache Talente in ben verschiedensten Steifen Hochachtung, Zuneigung nnb herzliche» Wohlwollen errungen hatten.

Man entsann fich noch recht wohl der Zett, wo der junge Gelehrte seine kaum sechszehnjährige Gattin den Honoratioren be» Städtchens vorgestellt hatte. Hier unb da belächeüe wohl Einer nnb ber Andere den junge» Hochberg, weil er ein solches Kind in fein Haus führte, da fie den Meiste» »»geeignet schien, die Gefährtin einer ernst Strebenden zu fein. Sie übersahen daß Martha'S ganzes Wesen in vollster Harmonie mit ihrer Erscheinung wie ein Sonnen­strahl ttr dar vereinsamte Beben Hochberg'S einzog und seine Existenz mtt Wärme und belebenden Zauber verschönte. (Fortsetzung folgt.)