wird jttrn mindeste« al» vollständig überflüssig bt* zeichnet werden muffen, da eS feit dreißig Jahren ohne franzSsstsche Schilder gegangen und die 8t> völkerung mit den deutsche« Bezeichnungen völlig vertraut ist.
Er kennt sich. Ein Berliner Fabrikant befand sich seit 14 Tagen in Heringsdorf zur Erholung. AIS dieser Tage ein dringeudeS Telegramm seiner Geschäftsführer» eintraf, das in lakonischer Kürze meldete: „Ungebetene Gäste Wohnung Besuch ab, gestattet, bitte sofort zurückkomme«*, drahtete er sofort: ,RP. Einbrecher oder Gerichtsvollzieher?"
Lu» Rah und Fern. In Naundorf bei Zeitz find schwere TyphuSerkraukungen ausgetreten. Die Ursache soll, wie in Löbtau, in den schlechten Trinkwasierverhältniffm liegen. — Dmch einen Orkan wurden in Florida fünf Städte völlig zerstört, andere überschwemmt und von der Außenwelt abgeschnitten. Ein Passagierdampfer ist mit Mann und MauS untergegangen, Bahnzüge wurden vom Gleise geweht. — Am 18. und 19. November begeht die gesammte Berliner Studeuteuschaft den 15 0. Geburtstag Goethes in festlicher Weise. Am 19. November wird eine Festoorstellung veranstaltet, die in der Aufführung des „Jahrmarktsfestes zu PlunderS- weilera" und „SatyroS*, ferner in der Darstellung lebender Bilder besteht.
Der zerknirschte Heinrich. Im „Syker Kreisblatt" lesen wir folgendes Inserat: „Theile Jedem hierdurch mit, daß ich mich von nun an bessern und erneu Jeden in Ruhe lassen will. Haussohu Heinrich Menke, Melchiorshausen." — Da wird man ja ordentlich neugierig, zu erfahren, was Heinrich, der Haussohn, verbrochen hat.
Au» unser« Witzblättern. Peppi: „Du, Papa, waS find denn das für Thierchev?" — Papa: „Das find Ferkel:" — Pepi: „O, die sehen aber ganz anders auS, wie ich!"
E i n K e n u er. Herr (zu einem Geschäftsreisenden): „Wird der Zug hier wohl so lauge halten, daß man ein Beefsteak essen kann?" — „Selbstverständlich!" — „Sie kennen wohl den Fahrplan genau?" — „Nein — aber die Beefsteaks l"
Neueste Telegramme
Wolffs Bürean.
Görlitz, 5. August. Der „Niederschl. Ztg." zufolge stieß auf dem Bahnhofe Lanban heute früh ein leerer Persouenzug auf eine» R a n g i r - z u g. Zugführer Hake aus Görlitz wurde getödtet, ein Lokomotivführer und 2 Heizer schwer verletzt.
Kattowitz, 5. August. Die Oberschlesischen Kohlenproducenten beschlossen neben dem gewöhnlichen Winterpreisaufschlage die N otir« u n g e n für Kohle» aller Art vom 1. Septbr. d. I. ab um 40 Pfg. pro Tonne zu erhöhen.
London, 5. Ang. Die „Times" melden auS Santtago vom 3. er.: Die Nachricht des „New Jork Herald" vom Verkauf der Wellington- Insel an der Küste von Chile an die Vereinigte» Staaten entbehrt jeder Begründung.
Bukarest, 5. Slug. Das Amtsblatt veröffentlicht folgendes Bulletin: Das Befinden des Königs hat sich merklich gebessert. Der Kräftezustand dürste in kurzer Zeit normal fein.
I v $1* Jäzerdatnilliu. Auf seinem Schieß- chav-k^' hi der Knutzbach hielt heute da» hiesige ^S^bataillou sein diesjähriges KönigS-Prämieu- heri«^ ab. Den Ehrenhirfchfäuger erhielt der mS Tangerding von der 1. Compagnie, rn gfrt gj Ringe geschossen hatte. Die Bataillons- c, h? tttongt“ die Oberjäger Eickhof nud Müller, stch Kerber» erhielt noch eine Anzahl Jäger ( Lfljriepteife. Um 1 Uhr Mittag» zog das ib. \ hie mit Eichen kränzen geschmückten PreiS- be~ij ja voran, mit klingendem Spiel »ach der Kaserne
:n.
niftit
--- rffl-- Heute wmrag yaric ore enjt eine Lemper-un von «rab 6. Wärme. Barometerstand 748 mm, t w gestern um lmm gefallen. Windrichtung: SW. an 6emt««anfgen6 < 29 Mond-Aufgang 4,29
y 11» ßonvor-Urrtergang 7,43 Mond-Untergaug 6,56
* Sittenmg. Diese Nacht waren 15 Grad C. lt- heute Mittag hatte die Luft eine Temperatur von
mtirr ick.
geh j. Sohlthätigkrit» - Konzert. DaS gestern im Museumsgarten stattgehabte Wohlthätig-
isl.. k. Kirchhain, 4. August. Als heute Abend ;Ull| । «ach 6 Uhr Zimmermeister Nan von Großseel öa»! rt mit seinem Vater und seinen Gesellen mit dem >itst stelle» einer Feldscheune für den Landwirtb 8 % |orb Rohl Hierselbst beschäftigt waren, kam das Mm e Stockwerk, gerade als die Genannten sich zwecks oerbe rstigung desselben auf ihm befanden, ins Wanke». —' ar sprangen die Handwerker schnell ab, doch bcn die beiden Meister Nau sen. und jun. von ".ix, ilen der herabstürzenden Wand schwer gettoffen, " 7 renb ein Lehrling mit ganz geringen Verletzungen , onkam. Die beiden erstgenannten mußten mittelst
1 ® gtn nach Hause befördert werden.
2 pgonjert der Jägerkapelle zum Besten der in» ||| Jäger und Schützen erfreute fich besonders r8 der Mannschaften des JägerbataillonS eines artea; jj zzesuchs. Auch der Reinertrag war znfrieden-
■9. d.
kittet
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Feld zu tragen. Unterwegs glitt sie aus und dabei so unglücklich zu Fall, daß ihr die Sense
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Lorke«, 4. August. In dem nahegelegenen
rfe Betzigerode war die junge Frau des dortigen fönt wohrrers Hommel im Begriff, eine Sense auf
Mgei chalb des KnieeS in's Bein drang. Aerztliche
fe wurde sofort in Anspruch genommen, allein
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Cafsek, 5. August. OberlandeSgerichts-Secretär
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«S berichten Casseler Blätter: Die Kaiserin traf
den Prinzen und der Prinzessin auf Bahnhof
W« lhelmkhöhe gestern ftüh 7 Uhr 50 Mi», in einem * 1 siebe» Salonwagen bestehenden Sonderznge ein.
er-
llafferS wurde Abends halb 8 Uhr erwartet.
te die Ankunft des Kaisers hn Wagen fitzend
i m« fürstliche» Empfangs - Halle, während die "kbst Prinzessin dem Kaiser «ach dem Salon- ® entgegen eilten. Nach herzlicher Begrüßung ' ’ fich ter Kaiser an die zum Empfang an» X, ^tn Herren und begab fich bann durch die Erhalle nach dem Wagen der Kaiserin. Der
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! bedenkliche Entzündung der Wunde machte eine eimige Ueberführung in's Landkrankenhaus zu
k Casseler Lehrerverein hat nämlich beschlossen, t öffentliche, allgemeine Feier dieses Tages im edtparksaale abzuhalten. Das Festprogramm 6er»
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[ zahlreiche Menschenmenge hatte schon lange ic am Bahnhofe und zu beiden Setteu der Allee DilhelmShöhe hinauf Aufstellung genommen. ™ 7»/4 Uhr kamen die Kaiserin mit dem Kron» to und der Prinzessin und in mehreren anderen Id die Prinzen von WilhelmShöhe und begaben "ach dem Bahnhofe. Der Kaiserliche Sondeqng Punkt 7 Uhr 30 Mi», eie. Die Kaiserin et»
unserm Schwalmthal scheint eine ganz besonders tadle zu werde», sowohl was Qualität als antität anbelaugt. Ein hiesiger Laudwirth zählte einer Weizenähre nicht weniger als 96 Körner;
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^rorte Hambsen betroffen. Der junge Mann sich auf dem Wege nach einem Weizenfelde, Katzen zu schießen. Als er einen Graben Att, entlud fich da» Jagdgewehr und die ganze "'ddung ging dem jungen Mann in den linken Verletzungen sind so schwer, daß möglicher
welcher Marinenniform trag, nahm nach herz- 1 Legrüßnng «eben der Kaiserin Platz, nahm 1 b« kleine Prinzessin auf den Schooß n«d so Kaiserpaar, von brausenden Hochrufen der ^köpfige» Menschenmenge begrüßt, dmch die s "ach dem Schlosse. Der Kronprinz nebst den
i;6*iLk Ekrolse«, 4. Aug. Von einem bedauerlichen ■ ‘■6#8faa wurde der Oekononüeeleve E. in unserem
(5 i Kaiserin verließ dann mit dem Kronprinzen den irnwagen, an dessen AusgaugSthür eine das Aus-
a u fei nothwendig. Die Amputation des Beines ® * t zu befürchten. — Die diesjährige Weizenernte
Srtrog wäre also in diesem Falle ein nahezu (5 »faltiger.
pt|t lht sehr reichhallig und gewählt zu weiden.
I Cassel, 5. Slug, lieber die Ankunft des Kaiser^
se aus Cassel ist zum Geheimen Registrator bei —— Söüigl. Ober-Rechnungskammer ernannt worden. Lil Nuch hier werden Vorbereitungen zu einer würdigen er des 150. Geburtstages Goethe» getroffen.
|tn erleichternde Pritsche angeschoben war, über ^asse. stch die Kaiserin am Arme des Kronprinzen —i der harrenden Equipage begab. Die Kaiserin ? ® W von dem in Berchtesgaden erlittenen Unfall
ranz erholt zu haben. Die Kaiserin ließ unter» atce 1 des SchloffeS den Wagen halten und nahm von ^5- 8d Damen Bouquets in Empfang. Die Ankunft
IKUl ÜUJIU||C. Jlivupiuig VVU
‘cis», ^8 Eitel Friedrich und Adalbert mit Herrn ,»i^ ^^nant von der Goltz folgten im zweiten Wagen, dritten Wagen die drei jüngsten Prinzen.
weife eine Amputation des Fußes wird erfolgen müsse«.
t. Wiesbaden, 4. August. Die Borbe» reitnngen zu dem 24. Mittelrheiuische« KreiStnrnfest, das hier in den Tagen vom 6. bis 20. August ab» gehalten werten wird, find jetzt beendet und Wir können nunmehr dem Eintreffen der Festgäste in Ruhe entgegensehen. Dir vereinigten AuSschüsie gaben in ihrer letzten Sitzung ein anschauliches Bild der Bor- atbetien. Danach beläuft fich der Reservefonds auf 133 000 Mk, während die Ausgaben auf 70000 Mk veranschlagt find. Der größte Theil der Ausgaben — ca. 42000 Mk. — fällt ans die Bauten und die Ausschmückung der Plätze. Der Tmuplatz ist 100 m lang und 43,50 m breit; er ist durch eine 5 m breite Bahn dnrchschnttte«, um dem Schau» bedürfniß des Publikums Rechnung zn tragen. Gemeldet sind außer den 300 Kampftichtern und Wett- turnera ca. 5600 Turnergäste, die in den städtischen Schulen in Massenquartieren untergebracht werden. Am Fe^ug werden ca. 6400 Personen Theil nehmen, darunter 37 hiesige Vereine. Der Fürsorge für die Festgäste dient eine SanitätSwache auf dem Festplatz und der Abschluß einer Unfallversicherung für die Turner. So darf mau dem Fest freudig entgegen« sehen. Der Besuch wird zweifellos sehr stark werden, zumal der Festplatz wohl der idealste in ganz Deutschland ist: unter deutschen Eichen, in freier Waldeslust und auf Bergeshöhen.
Homburg v. d. H., 4. Aug. Seit Jahren kennt man eine Sahen - Badener Rennwoche, eine Bayreuther Festwoche n. f. w. Nun tritt Hornburg vor der Höhe, der weltbekannte Cnrort im Taunus bei Frankfurt a. M., auch mit eiltet „Homburger Woche" auf den Plan. Die „Homburger Woche" fällt zwischen Bayreuth und Baden-Baden. Sie beginnt mit einem großen Saisonsest am 11. August und wird als Hauptstück eine Darstellung altdeutschen Lebens auf der Saalburg zur Zeit der Römerherrschaft bringen. Besonders pompös dürste sich der Triumphzug des römischen Kaisers Caracalla gestalten, dessen Anwesenheit aus der Saalbnrg durch einen ansgesurrdenen Votivstein verbürgt ist. Großes Aussehen dürste auch ein großartiger, namentlich von den Herren Baron Viiere und Sholte Douglas arrangirter Bazar machen, zn dem die sämmtlichen Räume des Kurhauses geöffnet werden. Der gesummte Reinertrag der Ber» anstaltnng ist für den Fonds zur Reconftrnction der Saalburg nnd zur Errichtung des Reichs • Limes» Museums innerhalb derselben, bestimmt.
Ha«a«, 4. Ang. Der Arbeitgeberverband für daS Baugewerbe für Hanan und Umgegend hat einstimmig deschloffen, auf die in der Lohnangelegenheit von den hiesige» orgunifirten Maurern gestellte» Forderungen nicht einzngehe». Somit werden wir demnächst den Generalstreik bet Maurer zn erwarten haben.
Frankfurt a. M, 4. August. Mit dem kommenden 1. Oktober tritt int ganzen Bereiche der vormaligen Hessischen Ludwigsbahn Perron- s p e t r e ein. Um die Perronsperre durchzuführen, waren an allen Stationen größere bauliche Veränderungen nothwendig, weshalb stch die Einführung der Neueinrichtung verzögerte.
Weidenhanse«, 4. August. DaS 30jährige Stiftungsfest des „Gesangvereins Weidenhausen", das dieser Tuge hier unter großer Betheiligung der ganzen Umgegend gefeiert wurde, ist ungetrübt und glanzvoll verlaufen. Neun auswärtige Gesangvereine hatten ber Einladung Folge geleistet. Ein Festzug zu dem an der Bahnhofstraße gelegenen Festplatz leitete die Feier ein. Gesänge und Tänze unterhielte» die Gäste auf daS Beste und die exacte Ausführung ber GesangSvorträge bewies, daß daS deutsche Lied in unserer Gegend eifrige Pflege genießt. In gleicher harmonischer Weise verlief auch der zweite Festtag.
Laasphe, 4. Aug. Nach fast vierzehnjähriger Dauer ist gestern die Zwangsverwaltung über daS Vermögen unseres Fürstlicheu Hauses zur Aufhebung gelangt. Es ist dieses ein Ereigniß, welcher von allen Einwohnern des Wittgenstetner Ländchens mü Freuden begrüßt werben wird.
Düsseldorf, 4. August. Wie recht wir hatten, als wir davor warnten, die Darstellung der „Düsseldorfer Reuest. Nachr." über den Tod deS Pioniers Schöler iu ihren Einzelheiten für richtig zu halten, zeigt fich jetzt. Der „Tgl. Rdsch." wird eine Darstellung gegeben, die den Vorfall iu wesentlich anderem Lichte erscheinen läßt. Es heißt in derselben: „Ein Sahn mit drei Insasse» ist in stockdunkler Nacht (10,30) den Rhein hinuntergefahren und dabei gegen einen Dampfer gefahren. Ein Manu hat nach diesem Zusammenstoß das Schleppseil eines angehängten Schiffes erfaßt, ttotz Warnung und Zurufe ber Anderen. Er ist bann über Bord geschleudert. Die beiden Jusaffe» find dann nicht gleich nach dem Ufer gefahren, sondern haben ihr Möglichstes geihan, den Mann zn retten, was ihnen in der Dunkelheit ber Nacht leider nicht gelang. ES ist dem Feldwebel keine erregte Volksmenge gefolgt, sondern es haben einige neugierige Summier am Ufer gestanden, welchen der Feldwebel allerdings die Auskunft verweigert hat." Weiterhin wird der „Duisburger Volksztg." von einem Kameraden des Schöler eine ausführliche Darstellung gegeben, der wir das Hauptsächlichste entnehmen. „DaS Pionierbataillon befand sich von Wesel aus auf der Rückkehr von einer Uebnng; der verunglückte Schöler war mit dem Feldwebel und Gefreiten am Donnerstag Morgen nach Düsseldorf vorgereist, um Quartiere zu besorgen. Abends fuhren die drei in einem Nachen dem Bataillon entgegen; nach 10 Uhr, also schon zur vorgeschrittenen Dämmerungszeit, sahen sie bei Kaisersweri einen Dampfer ankommen, den sie für den Schleppdampfer
hielten, der die Pontons von Wesel aus stromaufwärts ziehe« mußte. Der Nachen fuhr dem Dampfer entgegen, um Bericht über die Duartierberetiung erstatten zu können. Erst kurz vor Bord bemerkten die Insassen des Nacheus ihren Jrrthum; da geschah eS, daß dem Pionier Schöler, der am Ruder saß, eiu Riemen aus der „Dolle" sprang, wodurch er die Führung des Nachens verlor und letzterer iu die Schraubeuwelleu des Dampfers gerieth. Schöler erfaßte eiu Schleppseil, nachdem er wahrscheinlich schon vorher davon einen heftigen Schlag an den Kopf erhalten hatte, der ihn betäubt gemacht haben muß; er vetmochte sich aber nicht zu halten und stürzte über Bord. Die beiden Begleiter schwebten in dem Augenblicke selbst in höchster Lebensgefahr — auch der Gefreite soll im Waffer gelegen haben, da der Nachen sich mitten in den hohen Wellen befand und mit der Breitsette vor den ersten Schleppkahn getrieben war. Mit der größten Anstrengung arbeiteten fich die beiden, schon ermattet, aus der verzweifelten Situation heraus, ohne von ihrem Kameraden irgend eine Spur gesehen zu haben."
Vermischtes.
Der Roman einet gefrierten Mnfikert. Es find zwanzig Jahre her, aI8 Jguace Jan Padeiewski, der berühmte Clavieivirtuose, damals aber ein mittelloser, unbekannter Pianist, ein Tour durch Rußland, Sibirien, Serbien und Rumänien machte. Er spielte nur vor einem kleinen Publikum, obwohl oder vielleicht weil die Eintrittspreise zu seinen Concerte» mehr als bescheiden waren. Die Mehrzahl seiner Zuhörer vnstmd ihn nicht; nur Wenige verspürten da» Geniale in dem Spiel des jugendlichen Pianisten. Eine dieser wenigen Personen war ein 17 jährige» Mädchen, die Tochter eines steinreichen Rumänen. Rosa fiassal glaubte das Geflüster von Engelsstimmen zu vernehmen, wenn der blaffe junge Künstler die Tasten berührte. Ihre Auge» folgten jeder seiner Bewegungen und er fühlte den Blick dieser Augen und spielte, wie er eS nie zuvor vermocht hatte. Drei Monate später wurde die verwöhnte junge Rumänin daS Weib des armen Künstler» ohne Namen. Der Vater verstieß fein Kind und Hand in Hand wanderte das Paar in die Welt hinaus. Es ging ihnen oft genug recht jämmerlich, aber sie liebten sich abgöttisch und waren namenlos glücklich. Wenn Paderewski übte — und er that dies täglich acht Stunden lang —, bann saß seine Gattin neben ihm mit einer Näharbeit beschäftigt. Er erklärte, daß feine Finger ihm nicht gehorchten, wenn „sie" nicht in seiner nächsten Nähe weilte und er nicht ab und zu einen Blick aus ihren tiefdunklen Augen erhaschen konnte. Oft brach daS Spiel plötzlich mit einer kleinen Dissonanz ab. Dann hatte die nimmermüde Zuhörerin die nimmermüden Hände des Gatten von den Tasten genommen und mit Thiänen und Küssen bedeckt. In einem solchen Augenblick wurden die Beiden von einem Warschauer Professor überrascht, der schon häufig das Spiel des jungen Paderewski hatte loben hören und gekommen war, um fich von deffen Künstlerschaft zu überzeugen. Er hatte draußen gestanden und als die Töne, denen er mit Entzücken gelauscht, auf einmal verstummte», war er unbemerkt eingetreten. Das Resultat dieses Besuches war, daß Paderewski mit einem guten Gehalt an das Konservatorium in Warschau engagirt wurde. Ehe er aber noch diese Stellung antreten konnte, kehrten eines Nachts zwei Engel in seine armselige kleine Hütte ein. Jeder hatte seine Gabe gebracht und war entschwunden. Am andern Morgen fanden die Nachbarn Jguace Paderewski am Bett seiner entschlafenen Gattin knieen. Neben der tobten Mutter lag ein wimmerndes Baby, deffen Glieder welk und schlaff herabhinge». Dieses Kind ist der heute 19jährige, an beiden Armen und Seins n gelähmte Sohn des mit Ruhm und Gold überschütteten Virtuosen, der, obgleich er noch nicht die Vierzig überschritten hat, im Herzen vollkommen ein alter Mann ist. Seinen hülflosen Jungen, der aus den Augen der Mutter zu ihm anfsieht, schleppt Paderewski überall mit sich herum.
(Sine bemerkenswerthe Auszeichnung ist der Schützengilde zu Wigandtsthal, Reg.-Bezttk Liegnitz, zu Theil geworden. Aus Anlaß ihre» 200 jährige» Bestehens verlieh der Kaiser dieser Gilde eine goldene KönigSmedaille mit eigenartiger Prägung. Die thalergroße Medaille zeigt auf der Vorderseite daS Rcliefbildniß de» Kaisers mit Umschrift und auf der Rückseite iu der Müte de» preußischen Adler, unter demselben Szepter, Schwert nnd dar efferae kreuz von 1813. Der Adler wird umgeben von der Kette de» Schwarzen Adlerorden» nnd den Wappenschildera der acht älteren Provinzen.
Au» Gelrhrle«. und Sünstlerkreisen. Dr. med. Wilhelm Sklarek, der Herausgeber der „Naturwiffeuschastlicheu Rundschau", von Hause au8 Arzt, ist zum Professor ernannt worden. — Dem Erfinder der Taschenuhr, Peter fiele (Henlein), will der deutsche Uhrmacherbund in Nürnberg, seiner Vaterstadt, ein Denkmal errichten. ES ist geplant, die lebensgroße Gestatt deS Erfinders in Bronce gießen zu laffe» und sie zur Vervollständigung der Ausstellung der deutschen Uhrmacherkunst zur Pariser WettauSstellung zu senden. — Der Groß - Herzog von Bade» läßt gegenwärtig auf eigene Kosten bei einem Hof-Goldschmied in Heidelberg einen großen Weinpokal herstelle». Dieser wird in Silber getrieben und reichlich auSgestattet werden und ist dazu bestimmt, aus der Pariser Weltausstellung die badische Goldschmiedekunst zn verirrten. ' .
Son der Westgrenz« deS Reichs kommt eine befremdende Nachricht. Tie Stadiverwaltung von Metz hat an einer Reih: von Straßenecken neben den bisher allein vorhandenen deutschen auch französische Sttaßeuschilder anbringen lassen. Diese Anordnung
Auszug aus de« Standesbücher» de- Kai. Prentz. Standesamtsbezirks Marburg.
Vom 29. Juli bi» 5. August 1899.
Geboren».
1. Johanne» Heinrich, S. des Schuhmacher meister» Emanuel Emil Weber. 2. Max Eduard, S. des Kaufmann» Hermann Moritz Rudolf Schimpff 3 Karl Erwin, S. de» GaSanstaltdschlofier» Wilhelm Jean Menge». 4. Walter Heinrich, S. de» Lackirers Heinrich Böth. 6 Martha, T. de» Schuhmacher» Heinrich Schott. 6. Il e Käthe Lori» Johanna, T de» Rechtsanwalts Franz Friedrich Eduard Auth. 7. Ungenannt, T. des Schriftsetzer» i| eter Erbach. 8 Amalie Earoline, T. de» Fabrikarbeiter» Johanne» WUHelm Eberspächer. 9. Elisabeth Margarethe Sophie Dora, T. de» Tapeziermeister» und Decorateur» Georg Schmidt.
Gestorb»«».
1. Rentner Georg August Euker, 53 I. alt. 2. Helen« Lhriftiani, ledig, 61 I. alt.
Marktberichte.
Marburg, 5. August war mittelmäßig besticht. Butter kostet« p. Pfd. 100 bis 120 Pfg.
Hühnereier 1 St. 6 Pf. Enteneier 1 St. 7 Pfg. Käs« per Stück 10-12 Pfg. Kärchen per Stück 8 Pfg.
Kochkäse per Pfd. 40 Pfg. Kasematte per Stück 6 Pfg. Zwetschen- und Lirnenmu» 1 MaaStopf 130—140 Pf.
Kirschen per Pfd. 20-25 Pfg. Stachelbeeren per Pfd. 25 bis 20 Pfg.
Gr. Erbsen 2 Str. 20 - 25 Pf. Erbsen 2 Liter 20—’O Pfg. Linsen 2 Liter 50 Pfg. Schnittbohnen p. Pfd. 15 Pf. Wachtbohurn p. Pfd. 15 Pf. Kartoffeln, frische, 2 Str. 15 bi, 20 Pfg.
Kohlrabi per Stück 10 Pfg. Wirsing p. Kopf 10 -15 Pf. Endivien 3 St. 10 Pr>
Der heutige Wochenmarkt
Gurke« p. St. 10-30 Pf», Blumenkohl p Kopf 40- 5» „ Salat 2 - 3 Köpfe 10 Pf«.
Möhren p. Pack 8-10 Pf. Radieschen p. Pack 7-8 Pf. Rettig per Stück 10 Pfg Hafergrütze ». Ltr. 85 Pf. Zwiebeln p. Pfd. 12 Pfg. Knoblauch per Knoll« 5 Ps. »oll« p. Pfd. 1,00-1,20 Mk. Enten p. St. 1,50—1,80 Wii. Hühner p. St. »J—120 Pfg. Hähne v. St. 100-150 Pf,. Hähnchen p. St. 70-99 Pf. Gänse p Pfd. 65 Pf.
Reh« per Pfd. 60 Pfg. Tomaten p. Pf». 30 Pf.
1 firsiche p. Pfd. 60—70 Pf. Johannistrauben per Pfund
18 20 Pfg
Erdbeere« 1 Str. 40—50 Pfg. Aepfel per Pfd. 20 Pfg. . Weißkraut p. Kopf 15 - 20 Pf.
* Die für dr» Weichensteller Dietrrt bei uns eingelaufenen Beträge haben wir vor Kurzem bä» durch das bekannte Brandunglück Geschädigten übermittelt. Er schreibt nun heute folgende Quittung:
Für die uns zugesaudte» 33,50 Mk. sagen wir Ihnen hierdurch unseren herzlichsten Dank.
Aug. Dietert, Weichensteller.