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Freitag, 21. Juli 1899.
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öchenttiche Beilagen: Kreishlatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain. »—— Jlluftrirles Sonntagsblatt. ..............
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Das Kranken. VerficherungS. Gesetz ist das eiste
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I im« ”f öffentlich- rechtlicher Grundlage zur Aufgabe ge. li'LIlllc qt haben. Hinsichtlich seiner practischen Handhabung
emht daffelbe auf dem Grundgedanken bernfsge-
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/>„Z ab es ist auch keine Frage, daß daS Besetz in seiner Urn izhxrigen Fassung äußerst segensreich gewirkt hat.
sie Selbstverwaltung übt einen wohlthätigen morali.
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In der Thronrede, mit der in Darmstadt gestern der Großherzog Nachmittags im Refidenz- schloffe die Session deSLandtages schloß, sprach er den Ständen seinen Dank aus für die mühevolle und angestrengte Thätigkeit, mit der sie sich den Angelegenheiten des Landes gewidmet. Durch Bewilligung reichlicher Mittel sei es der Regierung ermöglicht worden, auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens den erhöhte» Ansprüchen, welche unsere Zeit stellt, gerecht zu werden. Für daS Untenichtswesen, die Hebung der Landwttthschast, für Handel und Gewerbe seien namhafte Summe» zur Verfügung gestellt worden. Für Genehmigung des BesolduugS-
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ti großen socialpolitischen Gesetze, welche sich die ------ Durchführung der Fürsorge für die Hilfsbedürftigen
der er lange finueud auf die große gedruckte Anzeige, die Barbaras erstes Covcert «»kündigte, hingeblickt hatte. Seine Auge» leuchteten auf im selige» Be- wußtsei», Barbara nun bald Wiedersehn zu können, Wie sehr er sich nach einem Wiedersehen mit ihr gebangt, gestand er sich selber kaum et», er hatte nun gefühlt, daß selbst die rastlose Arbett, in die er sich versenkt, seine» Gedanke» keine Ruhe gebracht hatte. Er lehnte sich in seinen Seffel zurück und versank in ttefeS Sinnen. Was war doch schließlich das ganze Lebe» I eine verhältnißmäßige kurze Spanne Zeit, in dem die Meisten schon einem feindlichen Schicksal ermüdet erlagen, das Biele schon durch ihre Geburt in widrige Verhältnisse zwang, ans denen sie vergebens anstrebten, sich zu Befreien I Er durfte schließlich nicht klagen, er hatte es noch bester als tausend und abertausend Andere, ihm war die rettende Hand geworden, die ihn aus dem Schmutz de» Lebens in reinere Höhen hob, eS war vielleicht jetzt Umecht von ihm, mit dem Schicksal hadern zn wollen, da» ihn nicht ans diesen Höhe» geboren werden ließ. Oder wen» er auf denselben geboren und nur in den Schlamm des Elends, wenn auch nur für kurze Zeit hinaus gestoßen worden? O, diese geheirnniß- volle Geburt, wie oft hatte sie ihn schon mtt Bitter- niß erfüllt und er sagte sich heute wieder, mit durch Sehnsucht nach Barbara noch verschärfter Qual, daß er nicht die geringste Hoffnung hätte, über seine Herkunft je aufgeklärt zu werden.
Durch Eintreten eines Dieners wurde HanS aus seinem Sinnen aufgeschreckt, er nahm die ihm von demselben auf silberner Platte gereichte Depesche, öffnete sie ruhig und laS den Inhalt derselben, die ihn an daS Krankenlager eines Freiherrn v. Nym- wegen rief. Er war es gewöhnt, oft solche Berufungen wett nach Auswärts zu erhalten, er toar
lehr und mehr zu Tage getreten ist.
Die Bildung von Orts - Krankeukasteu für die en Berufs - Zweige hat vielfach zu einer wetten Zersplitterung der Kräfte geführt. ES giebt ganze Anzahl kleiner Kassen, bei denen Bergs - Kosten und Leistungen in argem Mißver- !ß stehen. Daher regen sich neuerdings vieler- Bestrebungen, »m durch Vereinigung der der- Kranken - Kassen einer Stadt oder Bezirks Lasten auf breitere Schultern zu Vertheilen. Daß dadurch eine beträchtliche Steigerung der Leistungen läßt, beweist das Beispiel mancher Städte, konnte die allgemeine städtische Kranken-Kasse zu ig, welche die sämmtlichen gewerblichen Beruf»- Zveige des Orts umfaßt, im letzten Jahre 30 000 Rf. aufwenden, nm 515 Personen die Kranken-Gelder 26 Wochen 34 Wochen lang zn zahlen.
Die weitau» grellsten Mängel sind aber aus dem cip der Selbstverwaltung hervorgewachsen, und
zwar durch Schuld der Socialdemokratie. Auch die ! kranken - Kassen - Organisation totrb, wie jede andere । öffentliche Organisation, von den Socialdemokraten zu wlttischm Partei-Zwecken mißbraucht. Mau will mch die Verwaltungs-Organe sämmtlicher Krankenkassen in gefügige Cadres für das socialdemokratische llevolittionS-Heer umwandeln. Offen hat der social- »emokratische Reichstags-Abgeordnete Wurm auf dem unlängst stattgehabten Congresse der Kranken - Kassen- Borstände, der eine ganz einseitige Veranstaltung der Revoluttovs - Pmtei war, eS ausgesprochen, .daß die Vorkämpfer der Kranken-Kassen-Sache partei-politische Folgernngen ziehen, d. h. zur Socialdewokratie schwören müßten. Hier liegt die schwerste Gefahr, die sich aus der gegenwärtig gütigen Form des Kranken-Versicherungs-Wesens ergiebt, und die künftige Gesitzgebung wird an ihr kaum vorübergehen können.
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Umschau.
Ter König Albert von Sachsen begeht am 21. Juli den Tag, an dem ihm vor 50 Jahren der Orden pour le merite verliehen worden ist. Die letzte Nummer des „Militär-Wochenblatt" widmet aus diesem Anlaß König Albert als Soldaten einen Artikel, worin es zum Schluß heißt: „Mit hoher Verehrung blickt auch das preußische und das deutsche Heer zu dem erhabenen Freunde und Verbündeten des Kaisers auf, dem erprobten Feldherr« auS der Zeit Kaiser Wilhelms des Großen, dem älteste» deutschen General-Feld- marschall und einzigen noch lebenden Inhaber des Großkreuzes des Eisernen Kreuzes, dem bewährten Ritter des Ordens pour le mSrite. Den Glückwünschen aber, die auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs eine Deputation der Ritter des Ordens pour le merite dem hohen Jubilar zu der seltenen Feier Überingen wird, schließt die ganze Armee sich an. Möge es Sr. Majestät König Albert von Sachsen, dem Vorbilde eines echten Soldaten, vergönnt sein, den Orden zum Stolz seines und des ganzen deutschen Herres noch lange Jahre zu tragen!"
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ßjlfl er Kaffen-Mitglieder zu einander erleichtern die zur erhütung der Simulation (Verstellung) nnentbehr- iche Aufsicht. Trotzdem läßt sich nicht leugnen, daß lären Kehrseite dieser Vorzüge im Laufe der Zeit
wssenschaftlicher Selbstverwaltung innerhalb kleiner orporativer Verbände. Man wird diesem Gedanken hue Zweifel mehrfache Vorzüge zugestehen müssen,
(Nachdruck verboten.)
Schloß Böhnhausen.
Von M. B u ch h o l tz.
(Forttetzong.)
Graf Schyritz kommt selten nach Böhnhausen, weist
■ ch künftighin unmittelbar anschließen wird, in der 181» rschlichen Fürsorge also keine Lücke mehr bestehen leibt. Es ist aber als sicher anzunehmen, daß neben
§ m t- en Neuerungen, zu welchen der angedeutete Gefichts- ßrrad. ract Anlaß giebt, auch noch weitere Aenderungen Migüe- "°tz greisen werde».
Kranken-Kassen.
Lei Berathung des neue» Jnvaliden-Verfichernngs- sesetzeS ist Seitens der Reichs Regierung eine Novelle nn Kcankeu-Versicherungs-Gesetze angekündigt worden. )yich dieselbe soll ein engerer Zusammenhang zwischen nvaliditälS- und Kranken - Versicherung hergestellt »erben. Insbesondere ist geplant, die Mindestzeit, Ehrend welcher die Wanken-Kassen Unterstützung zu «währen haben, von 13 auf 26 Wochen zu erhöhen, o daß die Unterstützung der VerficherungS - Anstalten
* da, wäre er immer viel in der Stadt bei dem eichen Justizrath und daS schöne Fräulein Sigrid N) in Böhnhausen, die Leute redeten ja auch, er Ade sie noch mal heirathe», aber dazu sei Erron Horst viel zu hochmüthig und wache sie man ilos nm Narren.
Barbara hörte der 8Hten gerne zn, wenn fie er» iihlte; die Verwandten, von denen fie nicht» Liebe» Wangen hatte, hatten für fie doch immer in ^Kresse behalten und e» that ihr von Herzen Leid, M Onkel Egon durch feine nervöse Unruhe so elend Ade. Besonder» gerne hörte sie aber von Graf Wdewar, sie hatte dem jungen Grafen, der ihr A nur Liebes erwiesen hatte, ein freundliches Ge- •toten bewahrt und fie hätte sich von Herzen gefreut, einmal wiederzusehe».
Mehrere Wochen waren vergangen, da» Weih- Atsfest war vorüber, das neue Jahr hatte feinen Wang genommen und in wenigen Tagen führte Abara Hatte» ihre Concert- Tournee nach der ^rffdeoz, um hier im Januar mehrere Concertc zu J*ben. ($ht großer Ruf ging ihr voraus, und die Astkalische Welt Berlins war begierig, die so ge» tobmte Stimme der jungen Sängerin zu hören.
: Professor HanS Werder, der in seinem Arbeit»» "Nwer saß, legte soeben eine Zeitung bei Seite, in
Einfluß aus, für die berufsgenoffenschaftliche |f 01% Inmblage spricht u. A. die verhältnißmäßige Gleich- Ieit der Krankheits-Gefahr, und die nahen Beziehungen
«-J, wenn er zu großen Gesellschaften eingeladen wird, , ’k* Baroneß Hilde denke gewiß, so lange er noch
’ : toverwählt wäre, seien für fie auch noch Hoffnungen! , ®c Earon Hoist wäre nur feiten zu Hause gewesen, sei
gesetzes und der Besoldungsordnung, welche die langgehegten Wünsche der Staatsbeamte» nach Regelung ihrer Gehaltsverhältnisse erfüllt hätte», spreche er dem Landtag seinen besonderen Dank aus. Aufgabe der Regierung werde es sei», sobald eS die Mittel des Landes erlauben, auch de» berechtigte» Wünschen der Volksschullehrer nach Besserung ihrer Verhältniffe gerecht zu werden. Die Thronrede erkennt sodann dankbar an, daß die Stände den Kirchen die Möglichkeit gegeben hätten, eine entsprechende Erhöhung des Gehalte» der Geistlichen anzubahve», und gedenkt schließlich mit Befriedigung der Erledigung der durch die bevorstehende Einführung des bürgerlichen Gesetzbuches veranlaßte» Gesetzentwürfe und der Verständigung, welche über die Gesetzentwürfe zur Durchführung der Reform des Steuerwesens zwischen den Stände» u»d der Regierung erzielt ist.
Aus der französischen Centrale schreibt man der „Köln. Ztg.": So angenehm e» auch gewesen wäre, wenn fich au» der Idylle zu Berge», wie es auf die erste» Nachrichten hin schien, die Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland avgebahnt hätte, so muß doch wieder vor dem voreüige» Schluffe gewarnt werde», al» wen» jener Besuch des Kaisers auf der „Iphigenie" de» andern auf der Pariser Weltausstellung von selbst möglich mache. Derouläde machte Diejenige», die dem Kaiser zu diesem Besuche rathe», schon jetzt für die Folge» verantwortlich. Und der „Eclair" bringt ein Gespräch mit drei Mattosen der „Iphigenie", die unterdessen in Saivt- Servan bei St. Malo angekomme» ist; sie bettachte» — um den Inhalt des Artikels kurz anzudeuten — es als eine Schande, daß fie vor dem Kaiser, der ihre Front abnahm, die Gewehre präsentiren mußte». (Diesen Mattosen wird eine solche Aeußerung aber gewiß nicht ungestraft hingehen. D. R.) Freilich kann fich bis zur Weltausstellung noch manches ereignen, waS den Lauf der Geschichte verändern könnte; aber vorläufig stehen noch allzu viele von den verderblich treibenben Kräften der Republik auf dem nackten Revanchestandpunkt. Wenn fich daher der Kaiser nicht entschließen will, dem Pairiotenhäupiling SeroulSbe in die rechte Tasche Elsaß, und in die linke Lothringen zu stecken, so darf er fich schwerlich auf einen ganz ungetrübten Empfang zn Paris, wie eS seiner Würde entsprechen würde, gefaßt machen".
Der gestern vom englischen Ministerrathe gefaßte Beschluß, der englische Vertreter in Kapstadt, Milner, solle von bei Transvaalregierung bie Gewährung der Nationalität in Transvaal noch fünfjährigem Aufenthalt fordern, ruft große Erregung hervor, da bekanntlich der Volksraad von Pretoria soeben erst die Dauer des
ihnen auch stets willig und gerne gefolgt, froh, wenn es feiner Kunst gelang, einen Kranken zu retten. Heute flog beim Lesen des TelegrammeS ein unge» bnlbiger AuSbruck über feine Züge, e» war ihm im höchsten Grab unlieb, gerabe morgen nicht hier fein zu können, morgen, da er sicher gehofft hatte, Barbara in Berlin erwarten zu können; aber natürlich ging die Pflicht vor.
AIS er bie Depesche noch einmal durchla», blieben seine Augen flirtend auf bem Namen v. Nymwegen haften. Wo hatte er denselben schon gehört? ah — richtig, durch Barbara Hatten, wie ihm daS nur hatte entfallen können! Frechen v. Nymwegen auf Böhnhausen war ja ihr Onkel, der fich stets so wenig verwandtschaftlich chr gegenüber benommen hatte.
Nun das war ja ganz intereffant, diese Verwandten einmal kennen zu lernen! Der Zustand de» Frei- henu war als sehr gefährlich bezeichnet worden, ein operativer Eingriff als unumgänglich nothweudig, da that natürlich größte Eile Noth, und er griff nach bem CnrSbuch, um nach den am Abend abgehenden Zügen zu sehen! er konnte am anderen Morgen an Ort und Stelle fein.
Am anderen Tage um 8 Uhr stütz stieg HanS auf der Leinen Bahnstation O. anS, es war noch fast ganz dunkel und feiner Schnee stöberte unablässig hernieder. Nachdem fich der junge Arzt erkundigt, ob ihn ein Fuhrwerk ans Böhnhausen erwartete, trat er noch schnell in das, wie auf allen kleinen Bahnstattonen höchst primitive Bahnhofsgebäude, nm fich nach der lange» Nachtfahrt mit einer Tasse Kaffee zu erquicken. Trotz der stützen Stunde waren schon drei Personen in dem kleinen Wartesaal anwesend: eine auffallend schöne junge Dame in einem höchst eleganten Zobelpelz; ein kleiner Herr, der ihm
AufenthattS auf sieben Jahre festgesetzt hat.!- Die allgemeine Ansicht geht dahin, Chamberlain wolle den Krieg gegen Transvaal durchsetzen. Aus Kapstadt und Prätoria kommende Bericht be« ägen, daß die Buren zu weiterem Nachgebe» nicht entschlossen seien und daß die gesummte Astikauder- partei Südastikas die Bure» gegen England unter, tützeu werde.
Die Samoa-Commission erledigte dre Hauptarbeit mit der Erttwaffung und Beruhigung der Eingeborenen. Der Oberrichter Chambers wttd am 14. ds. nach den Bereinigten Staaten zurückkehren. Die Deutschen in Apia find mit dm Erfolge», die Freiherr Speck v. Sternburg einer starken Oppositto» des englischen Vertreters ad- gerungen hat, durchaus zufrieden. Die Forderung des amerikanischen Commissars Tripp, daS viel angefochtene Urtheil deS Oberrichters in der Sache des Königsrechtes anzuerkenne», ist als Formsache zugestauden worden zur Erhaltung der werthvollen amerikanischen Freundschaft. Deutschlands Stellung gegenüber dm Eingeborenen ist stärker als je.* Die Samoaner fordern für Mataafa eine Sonderstellung auch ohne Königthum.
Deutsches Reich.
Bern«, 19. Juli. Der gestrige Unfall Ihrer Majestät der Kaiserin bei Berchtesgaden ereignete sich auf dem Waldwege zwischen der Eiskapelle und St. Burtholomä. Ihre Majestät glitt auf einem über den Fußweg befestigten nasse» Brett aus und kam dabei zu Fall. Trotz starker Schmerze» ging Ihre Majestät noch eine kurze Strecke, wurde bann aber auf einem herbeigeholten Stuhl weiter getragen und kehrte erst im Boot, bann im Wagen gegen Abend nach Berchtesgaden zurück. Die Nacht verlief befriebigenb. Die Schmerzen waren nach Anlegung des Verbandes gering. Die Schwellung an dem verletzten rechten Unterschenkel ist mäßig, macht jedoch die Anwendung einer Eisblase nothweudig. Voraussichtlich bedingt die Verletzung eine längere Ruhelage.
— AuS Aalesund wirb gemelbet: Seine Majestät der Kaiser verließ heute Vormittag Molde und traf um IV, Uhr vor Aalesund ein, wo Nachmittags eine Begegnung mit bem Lloybdampfer „Auguste Victoria" stattfand. Der Kaiser besuchte den Dampfer und gestattete dm Paffagieren die Besichtigung der „Hohenzolleru". An Bord der „Auguste Victoria" befanben sich ber Gesanbte Graf Metternich unb Graf unb Gräfin Schönburg, welche ben Thee beim Kaiser einnahmen. Die Fahrt nach Tronbhjem wttb heute fortgesetzt. Vormittag» er
ben Stüde* zuwaudte, und noch eine Leine Dame mtt grauen Locken, in einem unsäglich Lein- städtischm Geschmack verrathendeu Anzug. Sie hatte ihre» Hut abgenomme» unb zupfte an einer auf dem- selbe» befindlichen Feder herum, während Hans, beffen Eintritt fie nicht bemerfte, sie sagen hörte: „Die Feder ist dmch ben Schnee ganz zu Schauben ge- worden, Sigrid, da» habe ich nun davon, daß ich Deinem Drängen nachgab und bei diesem Wetter mit Dir die Reise nach Berlin anttete» will."
„Beruhige Dich, Tante," war die Entgegnung der jungen Dame, die mit einem bewundernde» Blicke bie auffallend schöne, elegante Männergestalt Dr. Werder» streifte, „wir kaufen in Berlin einen neuen Hut."
„Ja immer kaufen! war die mißmnthige Ent- gegnnng, „die ganze Reise bei der Winterkälte ist überhaupt ein Unsiun, bloS um Barbara Hatte» finge» zu höre»; Barbara, die Du früher nicht ansahst."
„Aber Taute," unterbrach Sigrid scharf bie alte Dame und ein bezeichnender Blick ließ diese, wie den Leinen Heim fich umwenden.
Einm Augenblick ftarrte letzterer bie vornehme Gestatt des jungen Mannes an, wie abwehrend hob er dann bie Hand gegen Hans auf, seine Züge würbe» erdfahl und wie ohnmächtig sank er in seinen Stuhl zurück.
Beide Damen waren mit einem Laut des Schreckens aufgesprungen, Hans war eilig hinzugettetev und sich vorstellend, bot er feine Hülfe an. Aber schon erhob fich der Justizrath und fich mit seinem Taschentuch ben kalten Schweiß von der Stirne trocknend, sagte er mit seiner blechernen Stimme, indem er ein meckerndes Lachen auSstieß:
„Das war ein fataler Schwindelanfall, ich danke Euch, laßt mut," wehrte er seine um ihn besorgt