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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
ZÄuftrirtes Sonntagsblatt.
alteten Standpunct der Küsteu-Vertheidiguvg zu dem heute auch schon veralteten der Berthcidigung dir heimischen Gewässer. Es ist unerläßlich, auch an fernen Küsten das Gewicht einer angemessenen Schlachtflotte gegen Vergewaltigungen der Handelsund Verkehrs - Freiheit durch andere Mächte in die Wagschale werfen zu können, ohne deßhalb den Schutz der deutschen Häfen in der Ostsee und in der Nordsee beeinträchtigen zu müsse». Das deutsche Volk kann die für eine starke Vermehrung der Schlachtflotte aufzuwendenden einmaligen und dauernden Ausgaben sehr wohl ohne Beeinträchtigung anderer Interessen ertragen. Darin find alle practischen, sachverständigen Finanzmänner einig. Darum unterstützt den Flo tten-V e rei n und wirkt für unsere Flotte!
Umschau.
Während des letzten Jahrzehnts hat fast in jedem Jahre der Betrag, welcher im preußischen Etat für das gewerbliche Unterrichtswesen ausgeworfen wird, eine Erweiterung erfahren. Die Mehrforderungen sind theils für höhere Zuschüsse zu vom Staate unterstützten Anstalten, theils zur Einbeziehung neuer Unterrichtszweige in die Staats- anstalten, theils zur Besserung der Gehälter der Lehrer im gewerblichen Unt?:richtswese», theils zur Erweiterung schon bestehender Schulen u. s. w. verwendet worden. Noch im letzten Jahre ist, abgesehen von der Vermehrung der Baugewerkschulen, die Ausbildung im Tiefbaufache und im Steinmetzgeschäfte in den Kreis des gewerblichen Unterrichtswesens ausgenommen, es ist Vorsorge getroffen, daß den Lehrern an von dem Staate mit unterhaltenen gewerblichen Unterrichtsanstalten Ruhegehälter gewährt und deren Relikten versorgt werden, es ist die Ausdehnung des Unterrichts an einzelnen Baugewerkschulen auf das ganze Jahr, die Erweiterung des gewerblichen Fort- bildungsunterrichts vorgesehen, kurz es ist eine ganze Anzahl Aenderungen vorgenommen, die eine» Mehraufwand von nahezu einer halben Million erforderten. ES darf trotzdem als ganz sicher angesehen werden, daß auch im nächsten Staatshaushaltsetat die für das gewerbliche Unterrichtswesen aufzuwendende Summe eine beträchtliche Weitererhöhung erfahren wird. An deu Vorbereitungen zur Einsetzung bef Neuerungen in den Etat wird bereits seit längerer Zeit gearbeitet.
Beglich der Begegnung der deutschen Schiffe mit dem französischen Schulschiffe „Iphigenie" tritt eine Zuschrift tu den „Berl. Reuest. Nachr." der Mittheilung des Pariser „Figaro" entgegen, der behauptet hatte, die „Hohenzollern" hätte beim Einlaufen i» den Hafen zu Ehren des bereits
anwesenden französische» Schulschiffes die Trikolore im Großtopp gehißt gehabt. Die Zuschrift an die „Berl. Reuest. Rachr." giebt zu, daß die „Hohen- zollcrn", nachdem sie in Bergen zu Anker gegangen war, für einige Zeit auch unter der ftavzösischen Trikolore gelegen habe, und zwar bei Gelegenheit der Entgegnung des Saluts, nachdem die „Iphigenie" die „Hohenzollern" durch die für den Kaisersalut vorgeschriebene Anzahl von Schüssen begrüßt hatte. Die „Hohenzollern" mußte bei dieser Gelegenheit die französische Kriegsflaggr hissen, um die „Iphigenie" zu verständigen, daß der von der Kaiseryacht abgegebene Salut ausdrücklich der Gegensalut für den von der „Iphigenie" vorangegangeuen sei, denn die „Hohenzollern" hatte während des Ankermanövers auch die norwegischen Farben salutirt und bei dieser Gelegenhett die norwegische Kriegsflagge gehißt.
Das Pariser Blatt „Matin" veröffentlicht längere Berichte seines Londoner Korrespondenten, dem Esterhazy die Geschichte des Bordereaus erzählt hat. Rach diesen Angaben Esterhazys hätte derselbe das Bordereau »ach Diktat mit Bleistift geschrieben, dann nochmals abgeschrieben und es in die deutsche Botschaft an die Adresse v. Schwartzkoppens gebracht, welcher damals abwesend gewesen sei. Das Bordereau sei aus der Loge des Pförtners aus dem Briefkasten v. Schwartzkoppens a» demselben Tage entnommen worden, an dem es überbracht wurde; es sei folglich niemals in die Hände des deutschen Attaches gelangt, der es also niemals gesehen habe und es niemals zerreißen und in den Papierkorb werfen konnte. Alles sei auf Anstiften Henrys geschehen, um die Quelle glaubhaft erscheinen zu lassen. Esterhazy sei gezwungen worden, das Bordereau an- zufertigen, weil man bestimmte Kenntniß vom Ver- rathe des Dreyfus durch Verbindungen der Agenten des Nachrichtendienstes in Berlin erhalten hatte; die Zeugenjchast dieser Agenten anzurufcn, sei unmöglich gewesen, ohne sie zu vernichten, oder sie auf das schwerste zu kompromitiren. Esterhazy behauptet, Mercier, BoiSdeffre und andere hätten alles gewußt und gebilligt. Er erzählt Einzelheiten über Weisungen, welche er von BoiSdeffre erhalten habe; dieser selbst habe sich mit der Zusammenstellung einer Geschichte des Bordereaus bis ins Einzelne beschäftigt. Ebenso hätten die Schreibsachverständige» Weisung gehabt, mit der Schrift Esterhazys keine Vergleichungen anzustelleu; hierüber giebt Esterhazy ausführliche Aufklärungen. Er behauptet, den Schreib- sachverständigeu Belhomme zwischen dcm 20. und 22. November bei Pellievx gesehen zu Haven, glaubt aber nicht, daß der General fähig sei, auf die Sachverständigen einen Druck auszuübe». Esterhazy schlicht mit der Drohung, er wolle als Ankläger gegen die Generale auftreten, da man ihn verlassen habe, wie
man Henry verließ und wie man du Paty de Elam verlassen wolle. — Der „Matin" berichtet dann weiter, Esterhazy habe erzählt, das Bordereau sei ihm von Sandherr diktirt worden; es sei fabricirt worden, weil mau nur moralische Beweise gehabt habe, welche aber in den Augen Sandherrs und seiner Vorgesetzten unwiderleglich die Schuld deS Dreyfus festgestellt hätten.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Juli. Anläßlich des Ablebens der verwittweten Gräfin von Perponcher-Sedlnitzky find seitens des K a i s e r p a a r e s an die Söhne der Verstorbene» nachstehende Telegramme eingegangen:
„S. M. Jacht „Hohenzollern"- Ich spreche Ihnen und den Ihrigen beim Ableben Ihrer Mutter, einer treuen Dienerin und Freundin Meiner Großmutter, der hochseligen Kaiserin Augusta, Meine herzlichste Theilnahme aus.
Wilhelm R.
Berchtesgaden. Spreche Ihnen Mein ttefempfundeneS Beileid aus beim Tode Ihrer theuren Mutter, deren Andenken mit der Kaiserin Augusta verbunden ist und der sie so lange Jahre treu zur Seite gestanden hat.
Auguste Victoria.
Ferner haben telegraphisch ihre Theilnahme ausdrücken lassen die Kaiserin Friedrich, die Großherzogin von Laden und Prinz Albrecht. Die Kaiserin ließ sich dann bei dec Beisetzung der Gräfin durch den Vize-Oberzeremonienmeister Kammerherrn v. d. Knesebeck vertteten und einen Kranz am Sarge niederlegen.
— Nachdem das Gut Cadinen durch Schenkung in den Besitz des Kaisers übergegangen ist, hat der Monarch dem Vernehmen nach die Absicht, eine wettere westpreußische Gutsherrschaft, nämlich das bei Schwetz gelegene Sartowitz, durch Kauf in seinen Privatbesitz einzubeziehen. Es sollen bereits zwischen der Gutsherrschast und dem kaiserlichen Hofmarschallamte Verhandlungen schweben. Eigenthümerin der genannten Herrschaft ist die in Berlin lebende Oberhofmeisterin Gräfin Schwanenfeld, gebotene Gräfin v. Hagen. Sartowitz ist herrlich gelegen, hat große Forsten und einen prächtigen Schwarzwild- und Hirschbestand.
— Der Königliche Hof legt heute für den Großfürsten-Thronfolger von Rußland die Trauer auf vierzehn Tage an.
— Eine große Pionierübung fand in der vergangenen Nacht auf dem Müggelsee statt. DaS Garde-Pionierbataillon und das Pionierbataillon v. Rauch setzten in etwa 140 Pontons das gesummte Kaiser Alexander Garde - Grenadierregimeut von Friedrichshagen ans über den See. Die Beförderung des ganzen Regiments über die 3,5 Kilometer breite Wasserfläche dauerte ungefähr 45 Minuten. Angegriffen wurde das am jenseitigen Ufer aufgestellte
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mögen. Änz«sm nehmen entgegen: kt Expedition diese» Blatte», bk «nnonteu»
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»PI«. Donnerstag, 20. Juli 1899. <1. Saufe * «e., »r**«t t. Ä. Bidta, *.
Wirkt für unsere Flotte!
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a schnelleren Ausbau der deutschen Flotte ein. Es tfrb auf die in China den deutschen wirthschaftlichen
k Die „Mittheilungen des deutschen Flotten-Vereins" I 113t sie« neuerd ngs mit anerkennenswerthem Eifer für
It eröffneten Aussichten und die Erwerbung olinen und Marianen, als eine „auch i werthvolle" Vermehrung des deutschen Besitzes hingewiesen und da»» gesagt: Kreis unserer überseeischen Interessen sei in erfreulichem Steigen begriffen. Mit ihm itsprechend das Schutz - Bedürfniß über das naus, das der Aufstellung des Flotten- im Herbst 1897 zu Grunde gelegt worden so bedauerlicher erscheine es, daß der Auscer Flotte selbst in der als unbedingt »oth- nternannten Mindeststärke auf eine längere heilt sei, als nach der Leistungsfähigkeit der Werften und der deutsche» Industrie zur mg der in dem Flotten - Gesetz vorgesehenen Neubauten erforderlich wäre. Trotzdem ich die verbündete» Regierungen wegen der je», die bei der Berathung des Flotten-Ge- legebeu worden seien, an den Flotten - Bau- unben erachten unb die Initiative zur Berber Bauzeit nicht ergreifen. Es trete deß- meint bei Flotten-Verein — die Frage an jstag heran, ob nicht er selbst die Initiative sittgung der zeitlichen Schranken ergreifen ie das Gesetz dem Ausbau unserer Flotte Da der Reichstag in die Sommerferien ge- st, hält es der Flotten - Verein für geboten, Reichstags - Abgeordneten, wenn sie nach der tarischen Pause int Herbst wieder nach Berlin aus der Mitte ihrer Wähler die Ueoer- vo» der Nothwendigkeit einer Beschleunigung öchiffs-Reubauten mitbringen.
Das Ziel, das der deutsche Flotte» - Verein hier «z-jchnct, kräftig zu verfolgen, wird jeder Vater-
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toeigt der Parteihader. Deutschland bedarf einer Rttn Flotte, um sich feinen Anlheil an der Welt-
e, iweis ib8freunb als feine Pflicht erkennen. Es handelt 1 nm das Wohl und Wehe des Vaterlandes; da
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Mit der Beschleunigung des im Flotten - Gesetze lesehenen Schiffsbaues allein ist fteilich »och nicht
gelegte Maß hinaus ist. Der diesem Gesetze zu tobe liegende Flottenplan von 1897 bedeutet «stens den Fortschritt von dem schon längst ver
lier gethan. Die Ereignisse her letzten anderthalb
•tre haben durch die Wucht der Thatsacheu erkennen »übt# fielt, wie nothwendig eine Vermehrung unserer fette über das im Gesetze vorn 10. April 1898
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(Nachdruck verboten.)
8rau Profeffor Werder, die dar gegenseitige
«Ich begreife Dich nicht, tote Du glauben kannst,
Ie läßt sich Niemand abbringen, aber glaube mir, 1' es wäre richtiger von Dir, Du ließest Dir
Traurig sah ihn seine Mutter an und sagte: -Von tief eingewurzelten Ansichten über eine
: ganzen Zeit seines Besuchs im Elterhause, den »«scheinend so sorglos Heller genoß, quälte ihn
Kl 8«
Kioe* 81’1
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Schloß Böhnhauscn.
Von M. B u ch h o l tz.
(Sottfaeng.)
Endlich schlief sie ei» und als sie am andern en erwachte und über Alles nachdachte, fand
es unbegreiflich, solchen Unsinn sich ausgedacht haben.
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: _ Hans erwähnte seines Hamburger Aufenthaltes - ! 1 keiner Silbe, er wußte, er würde dadurch die i «tu mir aufrege», und einen Zweck hatte es weiter ! ♦'* v. Doch denken that er unaufhörlich daran. In
41 67ii r®00' es erschien ihm unmöglich, ohne sie zu i 90*i ebenso undenkbar, aber auch, ohne erlangte » *8^ Märuug sie an sich zu fesseln.
k ! §rau Profeffor Werder, die dar gegenseitige ijoo% der beide» jungen Menschenkinder sehr 96M bemerkt hatte, machte eines Tages, als sie
i ioo*i «t Hans allein war, eine leise glückliche Anspielung 11 die von ihr so gewünschte Verbindung, aber
‘ 963* fuhr fast heftig bei diesen Worten der Mutter ' >6b " und sagte erregt:
I 961 .Ich begreife Dich nicht, wie Du glauben kannst, ।, 8?? Könnte mich verloben, und nun gar mit Barbara tn»»** fc?"’en' ^e ich nicht ganz gewiß weiß, daß mich Au- s. /®e Geburt zu keinen erniedrigenden Verhältniffen tfit«#« “Niebt."
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4 wi» * Gedanke über seine dunkle Herkunft. Bon Tag
* Tag wuchs seine Liebe, wie er es geahnt, zu
mit unserem Namen genügen und unterdrücktest den krankhaften Wunsch, über Deine Herkunft aufgeklärt zu werde» und unvermählt zu bleiben, wenn Dir diese Aufklärung nicht wird.
Hans umschlang die alte Frau zärtlich, sagte aber fest:
„Nein, Mutter, Du hast recht, von dieser Ansicht bringt mich Niemand ab, und kostet es mein LebenS- glück; ob es richttg ist, weiß ich nicht, ich weiß nur, daß ich meinem Gefühl nach nicht anders kann."
So gingen die Tage hin, herrlich schöne Herbsttage, wundervoll waren die Ausflüge, die der alte Profeffor mit seinen beiden Pflegekindern machte, begeistert kehrten sie von denselben heim, und Fran Professor Werder meinte lächelnd, durch die ausführlichen Berichte genöffe sie jeden Ausflug mit den Ihren genau so mll, als wenn sie sie begleiten würde. Barbara war von einer seltenen Unruhe, ihre Pflegeeltern schoben eS auf die nahe bevorstehende Konzert- Reise, sie aber wußte, daß es die nicht allein war, sie wußte, daß eS Dr. HanS Werders Nähe war, die sie beunruhigte und ihr Herz bange klopfen ließ, wenn sie an die Trennung von ihm dachte. Aber alle diese wirren, sie beunruhigenden Gedanken würden verschinden, wenn sie sich der geliebten Kunst nach her Zeit der Ruhe wieder voll und ganz widmete. Das hoffte und glaubte sie sicher und sie wünschte de» Zeitpunkt ihrer Abreise mit Sehnsucht herbei, um
Auch Barbara rüstete sich bald darauf zum Aufbruch; bis Basel, woselbst sie mit Babette und der mit ihr gemeinsam die Konzerte gebenden Pianistin zusamme»- traf, brachte sie ihr alter Lehrer.
Frau Profeffor Werder blieb traurig zurück. Die Bügel waren einmal flügge und flogen in die weite Welt, um die Kraft ihrer Schwinge» zu erprobe»;, ihr blieb daS ftohe Bewußtsein im Herze», die beide» geliebten jungen Menschenkinder immer wieder in das traute Haus, nach kürzerer oder längerer Zeit, mit Sehnsucht im Herzen, zu ihr znrückkehre» zu sehen.
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Barbaras Concertreise glich einem Triumphzug! Hatte sie bisher auch stets Lob und Anerkennung gefunden, waren ihr, wie auch letzthin in Paris, begeisterte Ovationen schon zn Theil geworden, so war das noch alles nichts gewesen gegen die Huldigungen, die man ihr jetzt darbrachte. Mll ganzem Eifer hatte sich Barbara in die geliebte Kunst versenkt, es zog eine hohe reine Freude durch ihre Brust, wenn sie durch den Vortrag eines einzigen kleinen Liedes ein nach Hunderten zählendes Publikum hinriß; sie lächelte schelmisch glücklich, wenn Babette in komischer Verzweiflung sie fragte, wo man um Gottes Willen mit der Unmenge Blumen, die man ihrer jungen Herrin huldigend zu Füßen legte, bleiben sollte. Stundenlang am Tage aber saß sie träumerisch am Fenster und ihre Gedanken eilten immer wieder zu Hans, sie zürnte sich selber darum, und konnte es doch nicht ändern; eine grenzenlose Freude überkam sie, dachte sie an ein Wiedersehen in Berlin, um sich gleich darauf zu sagen, es wäre besser für sie, Hans nicht wiederzusehen. Babette war über die Triumphe,
bald darauf traurig zu werden, daß er schon so nahe bevorstand. Hans reiste einige Tage früher als ' Barbara ab, als er in ihre traurigen Augen beim
Abschiede sah, da bedurfte eS seiner ganzen Willensstärke, um seinem Entschlüsse treu von ihr zu scheide», ohne ihr ein Wort von seiner tiefe», warme» Siebe
die ihr Liebling in jeder Stadt, die sie besuchte»,
zu sage»; aber er riß sich gewaltsam los mit der die ihr Liebling in jeder Stadt, die sie besuchte», schwache» Hoffnung, sie fich doch noch zu erringen. I feierte, selig, sie, die ihr ganzes Leben in stiller
ländlicher Zurückgezogenheit verbracht hatte, lebte auf ihre alten Tage wieder ganz auf, selbst die Gedanken an ihren verschollenen Baron Hans, dem sie fast ein Menschenleben nachgetrauert hatte, traten jetzt bei ihr mehr und mehr in de» Hintergrund. Sie sprach wett seltener von ihm, als in früheren Jahren und Barbara vermochte nie, ihr nur mll einem Wort von der Aehnlichkett Dr. Werders mit Baron Hans zu spreche», tote sehr fich ihr Herz auch mll dem jungen Professor beschäftigte und fich immer wieder fragte, was feine Eltern wohl gewesen sein mochten, über die sie zu ihrem Leidwesen nichts in Genf erfahren hatte. —
I» Böhnhauseu bei ihren Verwandten hatte fich im Laufe der Jahre wenig verändert; Babette hatte zu Barbara gemeint, Freifrau Ulrike wäre noch ganz unverändert, der Freiherr wäre aber in den letzten Jahren merkwürdig gealtert, aber „das macht auch wohl seine rastlose Unruhe; wenn er fich wenigstens die Rachttuhe gönnte," hatte die Alte gesagt, „aber er ginge, weiß Gott wann schlafen, nnd des Morgens wäre er mll den Hühnern wach, solche Unruhe müßte ja schließlich den Stärksten aufreiben."
Babette hatte ihr auch von Hildegard erzählt, die noch immer unvermähtt zu Hause lebte, vor einem Jahre erzählte man fich, berichtete fie, daß Rittmeister v. Sohren um fie geworden, sie hätten ihn aber nicht genommen. Er soll fteilich ein ältlicher Herr schon sein, aber mein Gott, Baroneß Hilde ist ja auch nicht schön, sie hätte es nur thun sollen und ihn nehmen; aber die ist einmal wie vernarrt in den Jantikauer Grafen und wartet auf ihn von Jahr zu Jahr, ich glaube aber, umsonst, der nimmt sie doch nicht.
(Fortsetzung folgt.)