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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Beamte und Socialdemokratie.
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aus der Verhinderung der arbeitswilligen Mehrheit
Gruben durch Aufgebot der erhellt aus Grubenarbeiten
mit Nachdruck darauf hingewirkt wird, daß halb der Beamtenschaft derjenige Zustand eiutrete, wir als socialdemokratenrein be-
Jn der Socialdemokratie herrscht große Erregung, weil es sich immer mehr zeigt, daß im Reiche wie n Preußen Seitens der Regierung mit Konsequenz
keinen Eingang finden, daß aber, wo dies hie und da doch gelingen könnte, mit größter Strenge verfahren wird.
das
81118= dem und
selben ist die Disorganisation von Staat und ellschaft.
Früher, als noch Graf Caprivi „gesegneten Au- " der Socialdemokratie die Gleichberechtigung te, war die Anmaßung jener Partei, womit sich auch an die Beamten herandiängte und dort ganisationsversuche" machte, um den Beamten-
eien,' geeignet (4421
Der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, hat an den Staatssekretär des Auswärtigen Amts, StaatsministerGrafen v.Bü low,folgendes Glückwunschschreiben gerichtet: „Euerer Exzellenz spreche ich anläßlich des Gnadenbeweises, welchen die Huld Seiner Majestät des Kaisers Ihnen hat zu Theil werden lassen, die aufrichtigen und herzlichen Glückwünsche der Deutsche» Kolonialgesellschaft aus. Freudig bewegt ist jedes ihrer Mitglieder davon, daß anscheinend gerade eine Bethätigung auf kolonialem Gebiete Seiner Majestät den letzten Anlaß gegeben hat, den Leiter unseres Auswärtigen Amts derart auszuzeichnen. Alle Anhänger der kolonialen Bewegung blicken voll Vertrauen auf Euere Exzellenz
ungen die Umlageruog der anfangs wenig zahlreiche ständigen ausgeübt hat, theilweisen Stillstände der
moralische V eran tl i ch k e it den berufsmäßige» Hetzern Lehrern des modernen „Streikrechts"
wenn er sich an focialdemokrattfchen Bestrebungen betheiligt oder auch nur selbst durch Zurückhaltung dergleichen Bestrebungen begünstigt, hat allgemein Geltung gewonnen und das ist der „völkerbefreiende»" Eocialdcmokratie äußerst ärgeilich.
„Die Bureaukratie verwechselt sich mst dem Staate" — so schreibt der „Vorwärts" ohne zu
der Zechenarbeiter an der Fortführung ihrer Thätig- keit. Dabei ist zu beachten, daß diese am Ausbruch des Streiks unbetheiligten, an der Arbeit verhinderte» Arbeiter i» Organisationen zusammeugeschlosien sind, die sich bei anderen Gelegenheiteu rühme», daß die Entscheidung über Krieg und Friede» auf dem Gebiete des gewerblichen ArbeitSverhältnifies ausschließlich in ihren Händen ruht. Thatsächlich hat erst die Keßer» wachrmg der Gruben durch die Streikenden de» Dingen eine kritische Wendung gegeben und eine Reihe wüster Gewaltthaten zur Folge gehabt. Die Socialdemokratie lehnt im vorliegende» Falle mit feierlichem Protest jede Verantwortung für die Ausschreitungen der streikenden Bergarbeiter ab, indem sie darauf hinweist, daß junge polnische Arbeiter, welche nicht einmal den socialistischen Verbänden angehöre», die Urheber der Exzesse in Herne gewesen sind. Ob das zutreffend gewesen ist, bedarf »och einer näheren Untersuchung, die vor Allem auch den Beziehungen der Avsständischen zur polnischen Socialdemokratie nachzugehe» hätte. In keinem Fall aber wird die Socialdemokratie von einer Mitschuld an den Borgängen im Ruhrrevier sich fteimache» könne». Die verhängnißvolle Lehre, daß eine Minderheit Streiklustiger der Arbeitswillige» Mehrheit ihrer Arbeitskameraden ihren Wille» aufdränge» dürfe, und daß solchenfalls die Niederlegung der Arbeit, die Aufrechterhaltung der Arbestssperrc und die Fern- Haltung der Zuzügler selbst mit despotischen und widerrechtliche» Mittel» erzwungen werden dürfe», hat i» Herne Wurzeln geschlagen, welche jetzt eine mächtige Triebkraft entwickel». Die Führer der Socialdemokratie, welche de» Wind gesäet, ernte» in Herne den Sturm mit alle» Consequenze», die der gelehrige Nachwuchs für seine» Theil daraus gezogen
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rsebft deren Gratisbeilage»
KreiSblatt" für die Kreise Marburg uni
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körper zu desorganifiren und die Disciplin zu untergraben, begreiflich und ihr schwer beizukommen. Heute aber, nachdem wiederholt von leitenber Stelle betont worden ist, daß für die Beamte» die Socialdemokratie nicht eine Partei wie jede andere sei, ist es einfach dreist von den „Genoffen" und verhängnißvoll für die Beamtenschaft, wenn das Andrängel» an dieselbe noch weiter betriebe» wird. Erst noch bei Schluß des Reichstags find die Herren Social- demokrate» wieder „tapfer" davongelaufen, um nicht bei dem Verlesen der Allerhöchste» VertaguogSordre von den Plätzen sich erheben zu müssen und solche Leute glauben, in der Beamtenschaft sich ungehindert Anhänger suchen zu dürfen?
Wir empfinde» eine große Genugthuuug darüber, daß man in der Regierung endlich damit vorgegangen ist, der Socialdemokratie von Amtswegen den Krieg zu erklären. Möge man nur in diesem Kriege nicht Nachlassen und tu der Belehrung der Beamtenschaft fortfahren. ES ist ein Unding, zu verlangen, daß es den Beamten freistehen solle, sich auch zur social- demokratischen Partei zu bekennen. Wozu bann noch den Diensteid? Wenn die Socialdemokratie auf solche Eide gewohnheitsmäßig nichts giebt, ja wenn Herr Bebel sogar einmal erklärte: Führen Sie nur im Reichstage den Verfaffungseid ein, wir schwören ihn auch! — so liegt für die Beamten die Sache doch anders. Der religionslose und republikanische „Ge- nosse" kann auf solchen Eid „pfeifen", — ein Be- amter, der auf einem solchen Standpunkt stünde, wäre nicht werth, noch weiter in seinem Dienste zu bleiben.
Der „Vorwärts" sncht die Beamtenschaft aufzureizen. Er schreibt, werde jemand Beamter, so „müsse er aufhören Staatsbürger zu sein", er würde „scheinbar erhöht, thatsächlich aber erniedrigt". So kann nur jemand sprechen, der keine Ahnung von Beamtenehre und Beamtenpflicht hat. Doch wie steht es denn — um eine praktische Frage an den „Vorwärts" zu richten — mit de» „Parteibeamteu" des social- demokratische» „Staats im Staate"? „Wer nicht parirt — stiegt!" So lautet dort die Regel; und die „Behandlung?" Darüber „schweigt des Sängers Höflichkeit". Selbst Liebknecht kann ein Lied von der Behandlung singen, die ihm der Parteitag hat zu Theil werden kaffen, als man ihm sein Gehalt herunter setzen wollte.
Ist also das focialdemokratische Gerede über die „unfreie" Lage unserer Beamten thörichtes Geschwätz, so ist die Aufhetzerei, die doch nur den Zweck hat, die Disciplin zu untergraben und das ganze staatliche Gefüge zu lockern, nur geeignet, der Beamtenschaft Verlegenheiten zu bereiten. Die Reichs- und Staatsbehörden aber werden hoffentlich darüber unablässig wachen, daß solche Aufhetzereien unter den Beamten
Bestellungen
für das dritte Quartal auf die
Umschau.
In Herne im Ruhrrevier ist ein Berg- arbeiterauSstand auSgebroche», der bereits in seinen ersten Anfängen von rohe» Ausschreitungen, brutaler Vergewaltigung und gemeingefährlicher Widersetzlichkeit begleitet gewesen ist. In den blutigen Zusammenstößen der Streikenden mit den Organe» der staatlichen Gewalt find bisher 5 Menschenleben verloren gegangen, schwere Verwundungen find vorgekommen, da» Leben und Eigenthum Unbetheiligter ist ernsten Gefahren ausgesetzt. Diese betrübenden Vorgänge gewähren wieder einmal einen erschütternden Einblick in die arge Zerklüftung des Terrains, auf welchem die Ar beiter kämpfe der Gegenwart flch abspielen, und in die ungeheuerliche Verwirrung der rechtlichen nnd sittlichen, Anschauungen auf Seite» der die Stteikwaffen erhebenden Arbeiter. Auch in diesem Falle drängt sich wiederum mit überzeugungs- voller Klarheit die Wahrnehmung auf, daß die in der Gewerbeordnung und im Strafgesetzbuch sich darbietenden Handhaben zur Niederhaltung des Streikterrorismns und zur Ahndung der durch Ausstände bewirkten Ausschreitungen nicht a u S r e i ch e n. Wie häufig, so dürfte auch hier der § 153 der Gewerbeordnung, dessen Straf- androhunge» nur anwendbar sind, wen» es sich um „Verabredungen" handelt, und zwar um solche Verabredungen, welche die Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen zum Gegenstände habe», versage». Ob diese Kriterien für die Heranziehung des § 153 be« Vorkommnissen in Herne gegenüber zutreffen, muß nach ben bisher vorliegenden Berichten als mindestens zweifelhaft gelte». Desgleichen ist es ftaglich, inwieweit die §§ 240 und 241 des Strafgesetzbuches, welche für Röthigung und Bedrohung strenge Sttafen festsetze», hier anwendbar sind. Die in ihnen enthaltenen Lücken sollte der § 2 des Gesetzentwurfes zum Schutze des gewerblichen ArbeitSverhältnisfeS ausfüllen, eine Waffe, über deren gesetzgeberische Billigung der Reichstag bisher noch nicht schlüssig geworden ist. Eine hochbedenk- liche Rolle spielt ferner bei dem Heiner Ausstand, gleichwie bei den meisten größere» AuSstands- bewegungen der »eueren Zeit, die „planmäßige Ueberwachnug" der Betriebsstätten. Welche Wirk-
Warburg
Sonntag. 2. Juli 1899.
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iKirchhain, „Illustriertes Sonntags- blatt" und „Verloofungsliste der
wissen, welche Selbstironie in diesem Satze liegt. J * Von einer Aktion der „Bureaukratie" zu sprechen, lctie« wenn es sich um Wahrung der Beamtenehre und schrei BeamtendiSciplin handelt, ist widersinnig. Wenn die ZahrsSocialdemokratie sich konsequent mit dem „Staate" rächten und ihre Partei mit dem „Volke" identificirt, so ist tverkau gerabe dieser Unfug am meisten geeignet, über die !fl-, Off Gefahr einer so organistrten Vereinigung die Augen ffkl« u zu öffnen. Vor dem Eindringen dieser Leute muß u. Mper Beamtenkörper gewahrt bleibe»; denn das Ziel
'UN nen möchten. Der Grundsatz, daß es mit dem (438p)ieusteide des Beamte» keinesfalls vereinbar ist,
idhoj^gl. preußischen Klassenlotterie" iftlichet werden von allen Poftanstalten, Landbrief- ng^ üb, trägern, in der Expedition (Markt 21), sowie stellunj von unserm Filial-Expeditionen in Kirchhain, (442 Neustadt und Wetter entgegengenommen.
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89^ wbniß dazu. Sie soll recht musikalisch sein und laoi* fr0, öenn ich nicht irre, nach dem Souper zum 1251’ Umz aufspielen, dann können gnädigste Gräfin ja
— uutheilen, »b sie wirklich etwa» kann."
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(Nachdruck verboten.)
Schloß Böhnhausen.
Bon M. Buch Holtz.
(Fortsrs-mg.)
et S Es gab eine allgemeine Bewegung, als Graf Schyritz io ®it dem schönen Mädchen ziemlich in der Mitte der Tafel Platz »ahm. An ben für sie umgelegten
16» dachte Barbara nicht mehr; aber ihre Ber- sandten und Sigrid Scheust blickten in höchstem - ^staunen und Aerger zu ihr und ihrem Nachbar - >in und Gräfin Schyritz wandte fich mit der Frage,
>7v rte jetzt von vielen Seiten laut wurde, an den neben 89* sttzenben Hausherrn, wer die junge Tischnachbarin
Der Justizrath ließ nach feiner Antwort ein Ackerndes Lachen ertönen, als hätte er irgend etwas witziges gesagt, aber Gräfin Schyritz stimmte nicht 1 das Lachen ein und ihre äugen sahen mitleidig 1 dem jungen Mädchen hinüber, das in Böhnhausen dtwiß nicht auf Rosen gebettet war.
L Barbara schien im glücklichen Jugendsinn äugen» Mklich die vielen Demüthigunge» der letzte» Tage Mgesse» zu haben. Znrn erste» Male, settdem fie ’PM verlassen, lachte fie wieder, und Horst, der heute Maeint, fie müffe dann zum Stoffen schön fein, hatte per mit dieser Behauptung nicht Unrecht. Barbar« W ben freudig strahlende» Augen und dem freße» 'sicheln und dem feinen Mund sah bezaubernd schön
„Eine Nichte des Freiherr« v. Nymwegen," »ar 35% ” Erwiderung, „ein Fräulein Hatten, die, so viel 3831 H weiß, sich gerne- zur Sängerin ausbilden möchte, 67% »ch der Freiherr giebt als Vormund nicht seine Er-
aus. Mehr als ein bewundernder Blick flog auch zu ihr hinüber und »ach aufgehobener Tafel ver- säumte kaum Einer der anwesenden jungen Herren, fich ihr vorzustellen. Wie schnell waren ihr die Stunden des Soupers vergangen, im Grunde kannte fie ja Graf Waldemar kaum, und doch war es ihr, als wäre er ihr ein alter, lieber Bekannter, dem sie rückhaltlos von ihrem Leben, ihren Wünschen erzählle, dabei in zarter Weise über ihr jetziges demüthiges Leben in Böhnhausen fortgehend.
Graf Waldemar hatte sie nach Tisch zu feiner Mutter geführt und die Gräfin, die fie an ihre Sette nölhigte, unterhielt sich mtt ihr gütig und herzlich. Barbara wurde erst an ben Zweck ihres Hierseins durch Sigrid erinnert, die auf fie zutretend, ihre» Aerger über Barbaras'» Erfolg gewaltsam beherrschend, stmndlich sagte:
„Dürfte ich vielleicht fragen, Fräulein Hatten, ob Sie jetzt die Güte haben möchten, ein wenig zu spielen?"
Barbara erhob fich und folgte schweigend der Tochter der Hauses, die, fie anscheinend in liebens- würdigster Art zum Füge! begleitend, im schnell ver- änderte», scharf lautenden Tone sagte:
„Bitte nicht vergesse» zu wollen, weßhalb ich Sie eingelaben habe, mein Fräulein; »m fich den Hof machen zu laffen sicher nicht."
Barbara wurde blaß dis in die Lippe», setzte fich aber ohne Antwort a» den Flügel und begann zu spielen. Während um fie her eine allgemeine Lustig- leit mehr und mehr Platz griff, wurde ihr das Herz immer schwerer; die» monotone Herunterspielen von Tänze» war ihrem mustkalische» Sinne eine
gewesen und heute konnte er fich selbst zu den noth- wendigste» Pflichttänzen schwer entschließen. Er sah zu Barbara hinüber, auf deren bleichem Antlitz ein Zug innerer Qual immer mehr hervortrat. Schon als Knabe hatte er fich zu dem scheuen, verwaiste» Kinde hingezogen gefühlt und er, der bisher für kein weibliches Wesen ein wärmeres Jntereffe gefühlt hatte, konnte seinen Blick nicht von diesem jungen hübschen Geschöpf wende», das ihn angezogen hatte vom ersten Augenblick an. Eine Stunde und noch eine verging, Barbara hatte mit kurzen Unterbrechungen fort und fort gespielt, jetzt sollte eine Quadrille getanzt werden, und in vorangehender Pause hatte fie fich wie ermüdet zurückgelehnt, die Hände im Schooße gefaltet, und schaute träumerisch vor fich hi».',
«ras Waldemar war zu seiner Mutter gebeten, hatte ihr einige Worte zugeflüstert und diese, ihm zunickend, erhob fich gleich direkt quer durch ben Saal auf Barbara zu:
„Gnädiger Fräulein," sagte Graf Waldemar zu der erstaunt Aufblickenden, „ich möchte Sie sehr bitten, mit mir die kommende Quadrille zu tanzen, meine Mutter möchte Sie gern für diese» Tanz ablöse»."
„O, das ist sehr liebenswürdig," stotterte Barbara, sich verwirrt erhebend, „doch da» kann ich von Ihrer Fran Mutter nicht annehmen, nein, das kann ich nicht, gnädige Gräfin."
„Nehmen Sie es immerhin a», Fräulein Hatten, Sie haben schon so lange gespielt, ich löse Sie gern ein wenig ab, machen Sie meinem Sohn die Freude, mtt ihm zu tanzen."
Sie hatte fich mtt diesen Worten auf Barbaras Qual und nur mtt Mühe konnte fie die aufsteigenden Stuhl gesetzt, diese aber stand noch immer unschlüssig Thräuen unterdrücke». neben ihr, als Sigrid eilig aus die kleine Gruppe
Gras Waldemar lehnte in Gedanken verloren an I zutrat und Barbara einen bösen Blick zuwerfend ge» der Saalthür, ein leidenschaftlicher Tänzer »ar er nie'schmeidig zu Gräfin Schyritz gewandt sagte:
„Das kann ich unmöglich zulassen, daß Sie fich für uns opfern wollen, gnädigste Gräfin, wenn Ihr Herr Sohn mit Fräulein Hatten durchaus tanzen will, dann spiele ich natürlich."
„Bitte, Fräulein Scheust," sagte die Gräfin kühl, „die kleine Bitte meines SohueS zu erfüllen, ist mir kein Opfer, Sie werde» mir gestatten, diesen Tanz spielen zu dürfen."
Die Bitte der Gräfin klang mehr wie ein nachdrücklich ausgesprochener Wunsch und Sigrid entfernte fich nach einigen Redensarten, ihr Unvermögen, hindernd Graf Waldemars Wunsch entgegen zu fein, einsehend. Dieser aber führte seine schwer genug errungene Dame in den fich ordnenden Kreis, mit ihr fröhlich lachend und sprechend, daß man kaum ben sonst so schweigsamen Man» in ihm wiedererkannte, und manch eine spitze Bemerkung über feine auffallende Art und Weise, diesem armen, bürgerlichen Gesellschastsstäulein den Hof zu machen, laut wurde.
Hildegard war wütheud und Freistau vo» Nymwegen verwünschte im Stille« ihre unglückliche Idee, auf Barbaras Mitkommen bestanden zu haben. War fie ihr nie gewogen gewesen, so verbitterte fie die Anerkennung, die Barbaras Schönheit von allen ©eiten fand, aufs tiefste; was fie aber geradezu empörte, das war, wie fie meinte, die berechnende Koketterie, mtt der das junge Mädchen Graf Waldemar an fich zu locken wußte. Keinem der anwesenden Herren hätte fie ihre Nichte gegönnt, aber nun gar dem Grafen Schyritz, dem vornehmsten, reichsten und schönste», den fie sich selber für ihre eigene Tochter zum Satten wünschte, nein, das konnte fie Barbara nicht vergeben und ein Gefühl bei Hasses stieg in ihr auf, als fie zu Barbara hinübersah, die in eifrigem Plaudern mit Graf Waldemar die Mensche» um fich her bergeff en zu habe» schien.