Marburg
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Gefcheirt täglich «ujtr « Werktage, «ach Seme» mb Feiertagen.
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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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nicht, und der richtige Freisinnige und Demokrat
hsMt vielmehr die Entwickelung der Menschheit und des eigenen Vaterlandes für das beste Ziel.
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3« Sprechsaal der Zeitschrift .Das Echo" haben kürzlich zwei Leser des Blattes im Anschluß an Kerehrung, die der englische Romandichter Kipling in Deutschland genießt, über Nationalstolz und gerthum unterhalten. Der eine hatte beklagt,
augenblicklich leider alles Englische im deutschen onde schlecht angeschrieben stehe, worauf der — ein Landsmann in Sa» Francisco — sehr treffenden Ausführungen antwortete. Er zunächst dar, daß, ganz abgesehen von Shakespeare, Hier wie Scott, Dickens rc., in Deutschland viel bekannt seien, als in der „großen anglo- ischen Nation*. Der Deutsche sei fteideukend gebildet genug, um bei Beurtheilung großer wenig auf die Nationalität zu achten. ES i sogar ein deutscher Fehler, ausländische Leistungen zu bewundern als einheimische, während z. B.
Amerikaner geneigt sei, die bloße Thaisache iranischer Herkunft als Beweis von Tüchtigkeit ehe», und darin so weit gehe, daß er eS als „Triumph amerikanischer Äunft* preist, wenn b eine amerikanische Trikot-Soubrette mit ihren irgend ein schwarzer Schaf der englischen kratie bestricke.
3n der That kenne» wir einen ähnlichen National.
„freisinnigen*, für allgemeine Verbrüderung ende» Widerpart vorhält:
„Sie haben gewiß einmal den „Mikado* gesehen; ern Sie sich der Szene im Garten, wo der Chor singt und tanzt, und Koko, ganz Feuer Flamme, mit einspringt und wie toll mitbrüllt die Beine schwenkt ? Die andern treten still rechts links ab, er aber kräht und strampelt immerfort dis plötzlich die Musik abbricht! Erinnern Sie des dumme» Gesichts, mit dem Koko sich auf leeren Bühne umsteht? — Mein Koko ist der ische Socialist: so ein Gesicht wird er machen, er das Verbrüderungs-Ballet im besten Zuge t und plötzlich sieht, daß er sich allein anstrengt f rod die Zuschauer lachen; für die andern war's , müßige Abend-Unterhaltung, was ihm heiliger vht war! Darum wollen wir ihn hindern, unsere e abzubrechen, während andere Völker die ihren Wrkeu; im Nolhfall müssen wir ihn mit Spritzeu- a aus feiner Hypnose zurückrufen. Er mag sein, seine Nationalität über Bord zu werfen! Völker find es nicht.*
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Ftnl ii *4 stehe allein und was ich werden will, muß 'M) mich werden.*
«p, ich könnte Haffen Deine Verwandte,* sagte
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7*“ leidenschaftlich, „daß fie find zu Dir so n< >»t! Meine Rama hat gesagt immer zu mtt, EKommt nicht allein auf den Adel der Geburt,
»un will ich Dir aufsetzen Dein Lorbeerkranz "sa Schleif, den» Du hast bekommen für Klugheit! Wie man kann bloß wiffeu so un- viel, ich glaube, ich es nicht könnte?*.
«Du brauchst es nicht, Herz, Du gehst heim zu ?ia lieben Eltern und denkst nicht mehr an Weir. 1 M Wiffenschast; ich aber muß noch viel lernen,
(Nachdruck verboten.)
Schloß Böhnhausen.
Von M. B u ch h o l tz.
(8ortf«6«ng.)
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Juliette hatte in ihrer Lebhaftigkeit nicht die luffene Antwort auf ihre zweite Frage bemerkt, rief jetzt in anftichtiger Bewunderung ihre zusammenschlagend, über den allerdings unbe- lich liebreizenden Anblick, de» Barbara in ihrem chw weißen Batistkleide gewährte, laut;
'N-iu, wie schön Du ansschaust, wie ein Engel, Derne weiße Kleid und Deine blonde Haar!
,3a, das weiß ich*, gab Juliette bereitwillig zu, ,, *' ich will Dir helfen, aber erzähle doch, Deine
Rater® ^ude haben sich gefreut natürlich sehr über Dein (40! totn, dar Du hast bestanden mit solch groß- Sext Glanz. Der Sohn, der Herr Doktor, den ^uicht haben gesehen so lange Jahre, kommt er (404 V
ifbnä. „ . 6are war bei der letzten Frage tief errötet und —V 6?ic erste beantwortend, sagte fie: „Ja, Fran Nestor »ahm wie immer auch heute an meinem M gütigen Authell, Herr Profeffor war nicht hause.*
39.
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Die Wahrhett dieser Worte haben wir oft genug beobachten können, z. B. in dem Unterschiede, der zwischen deutschen, französischen und englische» Socia- liste» bei ihrem Aufttete» auf internationalen Kon. griffen besteht. Der Deutsche macht immer am meisten in Verbrüderungsdnsel, während die andern darauf halte», in erster Linie Franzosen oder Engländer zu sein. Amerika zeigt »us eine ganze Musterkarte von Nationalitäten, gleichwohl ist der Bürger der Vereinigte» Staate» nichts weniger als Weltbürger int Sinne unserer Verbrüderungsmeier, sondern ein ganz bestimmt ausgeprägtes Wesen für sich, das sich zuerst als Glied der amerikanischen „Nation* fühlt und darnach gegenüber den Angehörigen frember Staaten handelt.
Umschau.
Einem Wahlschacher der schlimmste» Art redet die „Frankfurter Zeitung* da8 Wort. Der Sieg des conservattven Grafen Knyp- Hausen über seinen uationalliberalen Gegner soll nach dem Organ der süddeutsche» Demokratie National- liberalen und Freisinnigen zu denken geben; den» der letzte unmittelbare Anlaß des Mandatverlustes sei die Vorlage wegen Schutzes der Arbeitswilligen gewesen. Die „Franks. Ztg.* tritt dafür ein, daß der national- liberale Candidat die Erklärung hätte abgeben solle», die Vorlage abzulehne», um sich die socialdemokrati. schen Stimmen zu sichern. Abgesehen davon, daß die Folge einer solchen Erklärung die gewesen wäre, daß der nationalltberale Tandidat mehr Stimme» ans seinem eigenen Lager verloren, als socialdemokratische hinzugewonne» hätte, zeugt es doch von einem totalen Aufgeben aller politischen Grundsätze, wen» man sich auf de» Stanbpunct stellt, lieber vor nett» anderthalbtausend „Genosse»* zu Kreuze zu kriechen und nm die Gunst der Socialdemokratie zu buhlen, als seine Meinung zu verfechten.
Nachdem, wie bereits mitgetheilt, die deutsche Expedition von Jichao nach Erledigung ihrer Aufgabe Ende v. M. nach Tfintau zurückgekehrt war, find wenige Tage später auch die beiden noch in Peking und Tientsin stationiiten deutschen Marine- d e t a ch e rn e n t s abgezogen, welche bekanntlich s. Zt. zum Schutze der Gesandtschaft bezw. der deutschen Kolonie AngefichtS einer in der chinefischen Bevölkerung bemerkbar gewordenen feindseligen Haltung dorthin gelegt worden waren. Kmz vorher hatte der deutsche Gesandte dem Kaiser von China den Schwarzen Adler-Orden und der Kaiserin-Regentin Namens Sr. Majestät del Deutschen Kaisers als Geschenk zwei kostbare Sirandole» überreicht. Die
eS ankommt hauptsächlich auf den Adel der Seele! O, und Du bist, liebe Freundin, doch die Beste unter die ganze Menschheit!*
„Vielleicht in Deinen Augen, denn Liebe macht blind.*
„Aber ich sage es doch nicht allein,* rief Juliette triumphierend, „eS sagen hier doch alle Mensch, Madame, die Lehrer und wir alle daß--*
Em schriller Glockeuton, der de» Begin» des Effens anzeigte, schallte durch daS HanS und ließ Juliette verstumme». Es wurde auf dem Korridor lebendig, große und kleine Füße rannte» eilig die Treppe hinunter, dem Speisesaal zu, der zu ebener Erde lag. In wenigen Minuten folgte» auch Bar. bara und Juliette de» ander» und betraten ziemlich al» letzte de« festlich erleuchteten große» Speisesaal, rudern eine lange und eine kürzere Tafel, die festlich mit Blumen geschmückt, gdeckt waren.
An der kürzeren Tafel saßen Madawe und die Lehrer und Lehrerinnen, wie die fünf, heute in der Pension im Examen glücklich bestandenen jungen Mädchen; an dem anderen Tische »ahmen die anderen Penfionärinue» Platz.
Kaum waren Barbara »nd Juliette in de» Speise, saal eingetreten, als durch eine andere Thür Madame erschien, eine ältere, fein und klug aussehende Dame. Bei ihrem Eintritt »erbretiete sich sofort ein feierliches Schweigen unter der dis jetzt lustig lachenden und plaudernden Mädchenschar; und alle Blicke ruhten ge. spannt auf der eingetretenen. Mtt einem freundlichen »Guten Abend,* das einstimmig erwidert wurde, näherte Madame sich ihren Zöglingen, trat auf Barbara zn und ihr die Hand reichend, geleitete fie die tief Errötheude, während je eine Lehrerin ein» der anderen vier jungen Mädchen führte, auf die ihnen bestimmten Ehrenplätze. Barbar« »ah« de» in der Ritte stehende», ganz mtt Blume» bekrä»zte» Stuhl ei», das war eine besondere Auszeichnung für de» erhaltene» Preis; ihr zur Sette saßen je zwei ihrer
Audienz, welcher außer den Mitgliedern der Gesandtschaft auch Major Dürr ans Tfintau, der Adjutant des Seebataillons, sowie die beiden Offiziere des deutsche» Detachements beiwohnte», ist, wie die „Nordd. Allg. Ztg.* hört, befriedigend verlaufen. Der Kaiser hat die OrdeuSttifignien sogleich angelegt, und die Kaiserin hat ihrer Freude über das geschmackvolle Geschenk lebhaft Ausdruck gegeben. Beide haben auch Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm ihren Dank auf telegraphischem Wege durch den Berliner chinefischen Gesandten aussprechen laffe». Es zeigt sich, daß die entschiedenen deutschen Maßnahmen und die Art ihrer Durchführung, weit entfernt, die beiderseitigen Beziehungen zu beeinträchtigen, vielmehr bei Regierung und Bevölkerung in China von guter Wirkung gewesen sind. Nicht allein, daß die chinesische Regierung sich in der Misstouarftage zu energischen hoffentlich durchgreifende» Vorkehrungen aufgerafft hat, eB ist auch al» sicher anzunehmen, daß die Anwesenheit der Deutschen Detachements ans den glücklichen Abschluß des Tientsin. Tschinkiang • Eisenbahnvertrags fördernd und beschleunigend eingewirkt hat. Die von einigen ausländische» Blättern wiederhott verbreiteten Nachrichten, daß die chinesische Regierung gegen die Deutsche» in Shanttmg ein feindselige» Vorgehen plane, haben sich als Erfindungen erwiese». ES steht zu hoffen, daß der von uns in Peking und Shantung erzielte Eindruck nachhaltig bleibt, und die chinesische Bevölkerung stch allmählich an die Anwesenheit von Europäer» auch im Inner» des Landes gewöhne» lernt.
Der freifinnige Abgeordnete Goldschmidt, eine» der »en gewählten Mitglieder der Richter'schen Fraktion, hat kürzlich im Abgeordnetenhanse folgende Aenßerung gethan:
„Man wiff« ja, daß Preußen besonder« scharf sei in der Bekämpfung der Arbeiterkoalitionen und e« sei auch kein Geheimniß, daß Herrn von der Recke« letzte Weisheit darin bestehe, wenn di« Arbeiter nicht pariren wollen, i n die Bein« schießen zu lassen. Statt da» Koalitionsrecht zu beschränken, mög« man e« lieber «rwritern.*
Derselbe Herr äußerte in der von dem freifinnigen (Hirsch - Duncker'schen) „Centtalrath* der deutschen Gewerkvereine einberufenen Protest-Versammlung gegen die sogenannte Zuchthaus Vorlage:
„Wenn dieser Entwurf Gesetz wird, so werde bald ein Knebelgesetz der Presse und die Aufhebung des allgemeinen gleichen Wahlrechts erfolgen, damit die Junker und die ihnen verwandttn (!) Unternehmer um so ungenirttr da» Volk ausplündern konnten.*
Herr Dr. Max Hirsch, ebenfalls zu dem „frischen Blute* der freisinnigen Fraktion des Abgeordnetenhauses gehörig, kündigte an derselbe» Stelle an, die Gewerkvereine werden etwa 1700 Protest-Versammlungen in Scene setzen und äußerte:
junge» Kolleginnen, während Madame und der Direktor sich ihnen gegenüber setzten.
Nachdem alle ihren Platz eingenommen, begann da» Essen, die zuerst herrschende, befangene Stille machte bald einer frischen Heiterkeit Platz; es war ein Lachen und ein Scherzen, daß bet Herr Direktor genöthigt »ar, ein zweites Mal recht energisch a» sein Glas zu schlagen, nm sich zu feiner Rede Gehör zu »erschaffen, in der er seine jungen, heute im Examen bestanden Kolleginnen leben ließ.
Bald nachdem die jubelnden Hoch» verklungen waren, erhob sich auch Madame n»d in ihrer ruhigen, sicheren Weise richtete fie erst wenige allgemeine Worte an die nun bald von ihr scheidenden junge» Mädchen; bann wandte fie sich spcciell an Barbara und ihre Stimme klang bewegt, indem fie in herzlichen Worten, wie Madame selten sprach, die 9 Jahre, die Barbara in der Anstalt »eilte, kurz durchging und hervorhob, daß fie, Barbara, stet» ein glänzendes Vorbild für alle ihre Zöglinge gewesen wäre. Nun hätte mit ihrem heutigen Examen dieser Zeitabschnitt einen glänzende» Adichlnß gefunden, fuhr Madame fort, und fügte bann weiter hinzu, baß, wie Sie ja alle wissen, Barbara etwa» anberes int Leben erstrebe, al» Erzieherin zu werde«, etwas Höhere» erringen wolle, wozu die Natur ihr auch eine große Begebung milgegeben habe, und diese herrliche Begebung, der- eint mtt dem felteuen Fleiß, bei seltenen Willens, stärke Baibare» zu den schönste« Hoffnungen berechtige! „Auf daß solche Hoffnungen fich erfüllen möge«, auf daß da» Glück Barbaras Wünsche» und Strebe» die Wege e6»e» möge, auf daß fie daS hoch gestellte, verlockend schön winkende Ziel erreiche» möge, darauf bitte fie die Gläser zu leere» und in den Ruf einzustimmenn: Barbera Hatten lebe hoch — hoch — hoch!*
Kurz »,i Schluß de» Mahle» überreichte Rodame noch jeder der fünf jungen Mädchen eine» einfachen
„Der Entwurf (deS Gesetzes bett. Schutz de» gewerblichen Arbeitsverbältnisse») bezwecke nicht« anderes, al» den deutschen Arbeitern da« kostbare Gut der Koalition»- freiheit zu nehmen, weil die Unternehmerkreis« die Macht der Arbeiter - Organisationen fürchten; «in ander«! Grund lieg« nicht vor!*
Der be—rühmte fteistnnige Reiseredner Dr. Müller nannte den Entwurf bei derselben Gelegenheit ein „Attentat auf das Koalitionsrecht*; — kurz" es waren recht angenehme Demagogen am Werke — jedenfalls um die doch auch schon recht leistungsfähigen sozialdemokratischen Hetzer auSzustechen.^ Wie man sieht, „macht fich* der Nachwuchs des Freisinn» und eröffnet recht angenehme Aussichten auf die Zukunft de» Parlamentarismus. — Wie lange, und wir haben durch solche herrliche Kräfte da» Niveau der Parlamente in Oesterreich - Ungarn, Italien und Frantteich erreicht!
I» Frankreich ist gestern da» Ministerium Dupuy gestürzt worden. Inder Deputirteu« lammet wurde nämlich nach längerer erregter Debatte über eine Interpellation Vaillant, betreffend das Verhalten der Polizei am Sonntag über die Tagesordnung des Radikalen Ruau zur Abstimmung geschritten, nachdem Dupuy er- klärt hatte, daß die Regierung diese Tagesordnung ablehue. Dieselbe lautete folgendermaßen: „Die Kammer ist entschloffen, nur eine Regierung zu unterstützen, welche gesonnen ist, mtt Entschiedenheit die republikanischen Einrichtungen zu vertheidigen, sowie die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und geht zur Tagesordnung über*. Die Kammer nimmt die Tagesordnung Ruau mit 321 gegen 173 Stimmen an, worauf die Minister den Sitzungssaal verlassen, nm stch nach dem Elysöe zu begeben und dem Präsidenten Loubet ihre Demission anzubieten. Die Kammer vertagt fich auf nächsten Montag. In den Wandel- gängen der Kammer wird das Resultat der Abstimmung lebhaft diskutirt. Ma» nimmt an, daß Loubet die Demission annehme» und Constans, den jetzigen Botschafter in Konstantinopel, mit der Neubildung de» Cabinets betrauen wird. Der Pariser Polizeipräfect ordnete infolge der Beschwerden über gewaltthätiges Vorgehen einzelner Polizeiorgaue am Sonntag eine strengere Untersuchung an. Die schuldige« Polizisten sollen bestraft werde».
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Jimi. Heute Morgen hötte Se. Majestät der Kaiser von ^lO Uhr ab die Vorträge be» Chef» des Civilkabinets Wirk!. Geh. Raths Dr. v. Lucanus und anschließend des Staatssekretär»
goldene« Armreif, auch das war in Madame'» Anstatt ein alter Brauch. Auf der einen Seite waren Datum de» Examentages und Madames Namen eingravieit; nur mtt Barbara» Reif war darin eine Ausnahme gemacht, es waren «och in feiner Schrift wenige Worte zugraviert: „Mtt Gott und Fleiß, d« fehlt kein Preis.* — Barbara küßte gerührt die Hand Madame'», doch diese zog sie in ihre Arme und küßte fie vor all' de« Versammelten herzlich auf den Mund; und das war sonst nicht Sitte, sondern eine ganz außergewöhnliche Auszeichnung und wiederum geschah das Wunderbare, daß Barbara niemand beneidete.
Al» Barbara und Juliette schon in ihren Bette» lagen, sprach die Heine, von be» Ereignissen be» Tages aufgeregte Französin:
„Ich begreife nicht, liebe Freundin, wie Du kannst' schlafen nach all' den vielen Anszeichnnnge», die Dir sind geworden heute zu theil, ich weiß bestimmt, daß ich nicht schließen ein Ang' vor lauter Gluck und Seligkeit, wenn ich wäre an Deiner Stelle, aber Du bist ja auch eine kühle Deutsche, gute Nacht, ich glaube wirklich, Du schon schläfftl*
„Nein, »och nicht, aber wir wollen jetzt schlafen, gute Nacht!* klang eB zu Juliette hinüber und die kühle Deutsche druckte ihr Gesicht in die Kiffen und weinte leise, fie wußte selbst nicht warum. War e» )er Schmerz, die Menschen, die fie liebte, von denen fie fich geliebt wußte, nun bald verlassen zu sollen, war e» der Gedanke an ihre nächste Zukunft, die so grau und undurchsichtig vor ihr lag? Aber als die kleine Juliette schon lange schlief, da lag Barbara »och immer wachend, mtt brennenden Sagen in ihrem Bette und dachte und grübelte, wie doch Alle» kommen nnd fich für fie gestalten würde.
(Kvetsetzung folgt.