und hohes Riedgras wuchsen jetzt cm jener Stelle, wo früher die Einfahrt in die Srube stch geöffnet hatte. Ringsum war b«8 Erdreich einige Fuß tief eingesunken und mehrere klaffende Riffe mahnten zur Borfichr beim Betteten des UoglücksplatzeS. Ein hölzernes Gitter war um den Platz gezogen worden, ttr dessen Mitte sich sechs einfache schwarze Holz- kreuze erhoben mit den Namen der vernnglückten Bergleute, deren Leichname man nicht ans den Trümmern der versunkenen Grube hat hervorzieheu können und welche jetzt da unten tief im Schooße der Erde in ewigem Schlaf rnhte». Jedes Jahr, bei der Wiederkehr des verhängnißvollen Tages, wnrde» die Kreuze mit frische» Kränzen geschmückt und der Pfarrer der Dorstirche gedachte im sonntäglichen Gebet der Verunglückte«.
Aber die Zett schreitet Vetter, unbekümmert ton Freud und Leid der Menschen und fast wahllos streut das Leben hier Blume» der Glückes, dort Dornen des Kummers. Aber et» tteueS Herz, et» redlicher Sinn, sie wisse» stch ttotz widrige» Geschickes der LedenS Glück zu erkämpfen. Nur wer sich ttotzig auf. lehnt gegen da» übermächtige Geschick, wer mtt rascher verwegener Hand die Blühten des Glücke» an sich reiße» will, der wttd bitterlich enttäuscht werde», d«»u enr dem ernsten Wille», der rastlosen Srbett und der stille» Zufriedenheit gelingt es, die Blume des Glückes zur herrlichen Blüthe zn bringen.
Fredrrigo und Fredda hatten das Glück dieses Lebe»» tu der Me» Einsamkett de» Herze»» ge- fuudeo.
Gegenüber dem Forsthause in dem einst Fredrrigo mtt dem Tode gerungen, erhob sich am Rande de» Hochwalde» ein freundlich-einfache» Landhaus. Ein Garte» voll blühender Blume», dusteuder Rose» nab Flieder, umgib das Hau», an dessen Wände» der Wei»
sich fast schon bi» znm Dach empor rankte. A» de« hintere» Theil de» Gartens schloß sich der herrliche, schattige Hochwald an, während den Raum zwischen dem Vordergarten und der Landstraße ein grüner Wiesenabhang auSMte. Bo» der Veranda des Landhauses a«S genoß man eine prächtige AuSficht auf da» Thal und die gegenüber liegende Berge, während ein Bergoorfpruug die langgestreckte Fabrikgebäude und Schornsteine der SUberhütte dem Ange entzog. Nur die Häuser des von Bergleuten nnb Holzarbeitern bewohnten Dörfchen» blickten freundlich au» dem Grün der Gäiteu und Wiese» hervor.
In dieser idyltscheu Einsamkett lebte daS junge Paar nnb sehnte sich nicht hiuanS in be» hastige Treiben der großen Welt. Frederig» fand seine Be- friediguug in der Arbeit auf dem Hüttenwerk, sein Glück im Kreise seiner Famllie.
Ein herrlicher Sommernachmittag war er, als Fredda auf die Veranda tret, um nach dem Gatten auSzuschauen, der um diese Stunde hettnznkehrr» pflegte. Auf dem Arm trug sie ihr jüngstes Töchterchen, die kleine ka»m einjährige Ella, während sich der dreijährige Enrico schmeichelnd an ihre Sette schmiegte. War Enrico das Ebenbild der blonde» sausten Mutter, so glich die kleine dunkeläugige Ella mehr bent Vater ober noch mehr bem peruanischen Oberst nnb Großvater, der jetzt in Peru wiederum ein hohe» Slaatsamt einnahm, aber jede» Jahr doch Zett fand, seinen Kinder» eine» kurzen Besuch abzustatten.
Frederig, erschien jetzt auf de« schmalen Pfade welcher sich durch die Wiesen »and. Jauchzend streckten ihm die Kinder die Aermche» entgegen, während Frederig» zum Gruße den Hut empvrschwenkte. Frederigo war nicht allein, die Gestatt einer alten Dame ging an seiner Sette nnb Fredda erkannte in ihrer ftendigen Ueberraschung die atte Taute Lore.
„Wie fteuudlich von Dir, Tante*, rief Fredda, „daß Du unS einmal wieder besuchst. Jetzt mußt Dn aber auch recht, recht lange bei uu» bleiben, Enric» und die kleine Ella quälen mich mtt Fragen, warum Tante Lore denn nicht immer bei unS bliebe*.
Taute Lore küßte Fredda und die Kinder zärtlich. 3» ihren Augen aber schimmerte eS feucht und ihre Stimme zitterte leise, als sie entgegnete: ,3a, liebe Kinder, Taute Lore bliebe ja herzlich gern bet Euch, aber sie hat daheim auch ein arme», kranke» Kind, welches sie nicht verlassen darf.*
,Wte geht eS Ella?* fragte leise und mit innige« Ausdruck de» Mitleid» Fredda. „Will fie mich »och im«er nicht Wiedersehen?*
,Du mußt eS ihr nicht übel nehmen,* antwortete Taute Lore, „wenn sich da» arme Kind nicht entschließen konnte, Dir und Deinem Gatten wieder zn begegnen.*
„Aber, ich bitte Sie, Taute Lore,* nahm Frederig» da» Wort, ,wir bedauern t» von ganzem Herzen, daß Ella noch immer da», was vergangen ist, nicht vergessen kann. 3ch weiß, fie lebt einsam «cd freudlo» dahin, weßhalb weist fie unsere Liebe uud Freundschaft zurück? Kein Wort über die Bergangeuhett sollte über unsere Lippen kommen, wtt wollten fie ansuehme» wie eine Schwester nnd nichts sollte fie cm daS Leid erinnern, welche» ihr die Ruttrne jene» MauneS zugefügt hat. Sie soll zu uu» kommen, fie soll bei un» eine Heimath finden!
„Frederigo ist da» ihr Ernst?*
„3a Tante Lore, eS ist mein Ernst. 3ch würde Ella von ganzem Herzen in meinem Hause willkommen heißen.*
„Nun,* rief Tante Lore anfS Tiefste bewegt ans, „dann hott fie Euch her! Dort drüben i* Förster- hause fitzt fie und wagt nicht, hieher,n k»m«en, bi»
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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhai«.
~ Jllnstrirtes Sonntagsblatt.
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X- 3reitag, 2. Juni 1899,
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worden. Die vor mehreren 3ahreu durch die 2*°^ unterirdischer Gewässer zerstörte Grube war ^.wieder eröffnet worden. ES war nicht möglich ben ZugaugSstollen auf» Neue in Betrieb z» J*» «an hatte sich darauf beschränken müssen, die Graben vor de» nuterttdische» Wassern wttk- । $ schützen. Noch immer aber lebte die Erinnerung vttsrtzliche Unglück in der Bervölkerung bei fort, hielt doch der Anblick der dicht am ^«egenden verschütteten Grube daS Sedächtuiß bkrtcuglückten Kameraden stets lebendig. Blume»
(Nachdruck verboten.)
Glück auf!
Roman aus dem Harze von O. Elster, (Schluß statt Fortsetzung).
XXII.
We waren vergangen. Wiederum grünten und die Wälder des Harzes in sommerlicher Pracht, ta Gräsern der Halde», mit ben Blumen bei 'm spielte bei leichte Sommerwind seine Spiele und hoch am wolkenlose» Himmel zog »««gekehrte Schwalbe mtt jubelndem Kreischen ^»ielverschlungeuen Kreise. 3» den Wälder» er» die Axt der Holzfäller, welche mit de» dmch ss-? E «interstürme verursachte» Brüchen auftäumten, ll-M "®®ten im Schooß der Erde erklang bet dumpfe !>t- der Spitzhaken, «Ü dem die Bergknappen lttgav.? »i«stbare Erz von dem Urgestein des Erdinuern
I, feinen „Erinnerungen und Gedanken* spricht -immk einmal von den beiden europäischen ihnuige», die er bezeichnen möchte „einersettS als । System der Ordnung auf monarchischer Grnnd- „ anderseits al» die sociale Republik, auf deren -1 Jai die antimonarchische Entwicklung langsam a sprungweise htnabzufinken pflegt, bis die Un» 7 NgÄkeit bei dadurch geschaffenen Zustände die 6 *• j M'chte Bevölkerung für gewalrfame Rückkehr zu ^irchische» 3»stitutio»eu in cäsarischer Form Wsönglich macht.* Eine Betrachtung der gegen» irrigen Zustände lehrt, wie richtig bei große iglet mtheilte.
Süden wir beispielsweise nach Frankreich hinüber. B hier die antimonarchische Entwicklung Nicht ill r That bereits Verhältnisse gezeitigt, die ein arisches Regiment weiten Volkskreisen al» einzigen tiaitg, als einzige Rettungs-Möglichkeit erscheine» S«! Die Symptome des Hivabgleitens auf schiefer wie mehren fich in geradezu unheimlicher Weise. I ist ttineswegs bloß die Dreyfus-Affaire, die in Itjem Sinne zeugt, auch zahlreiche andere Dinge ge, zu ben nämlichen Sedanken-Reihe» an, so mrdiugs ein in seinem Verlaufe unbedeutender, Bül nach 24 stündiger Dauer beendeter Stteik, der «sträger-AnSstand zu Paris.
Das, was diese» Stteik trotz seiner Geringfügig- ii bemerkens Werth macht, ist sei» symptomatischer Knitter. 3n den innerpolitische» Kämpfen moderner d-dlike» prägt sich besonders zweierlei aus. Ein- »1 gewinnt in denselben noch weitaus mehr al» ckrswo das sociale Moment die Vorherrschaft, ja, « »aste fast sagen ausschließliche Gettung. Die mhschaftliche Begehrlichkeit der Massen drängt fich ntc augenfälliger in den Vordergrund und ver- üsgt Alles, was an ideellem Gehalte den Kämpfe» etlicher Parteien sonst wohl eigen zu sein pflegt. I ist eben, wie Bismarck bemerkt: daS staats- und üwffeiadliche Bcmausenthum der sociale» Republik IM vernehmbar näher. Sodann aber ist auf anti- ««rchischem Boden characteristisch, daß von der ötr Schlammfluth wirthschaftlicher oder socialer «Vfesgier schließlich keine Bevölkerungsschicht un» aii.it bleibt, auch diejenige nicht, deren natürlicher «s es doch ist, Träger deS StaatsgedankeuS, Hüter v Wächter der öffentlichen Ordnung zu sein.
3n dem Pariser Briefträger - Stteik hat zum fa Jia le eine staatliche Beamten - Klaffe zu dem «Pfwittel des Ausstandes gegriffen und fich i» «rr Auflehnung gegen ihre Oberen gewandt.
dem schnellen und entschiedenen Auftteteu der gesetzte» Behörde ist eS diesmal noch gelungen, >lln»fiandes rechtzeitig Herr zu werde». Aber
* auf der Silberhütte nnb ta dem Bergwerk
!♦ auf* herrschte reges Lebe» und Treibm. Die schütte war bedeutend vergrößert, die hohen . ?®i«iie «ehrerer neuer Gebäude ragten zum Himmel Xi w asb verschiedene neue Stollen waren anstatt > gesunkenen Schachtes in ben Berg hinein ge«
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was läßt sich aus solchen Anzeichen für die Zukunft erwarte»? Es ist bekannt, daß der Geist socialistischer Empörung in ben verschiedensten Beamten - Klassen Frankreichs umgeht. Was soll daher werde», wen» die Einzelflammen einstmals zu einem großen verheerende» Brande zusammenschlagen? 3eder Staat bedarf eines treuen, gehorsamen Beamtenthums als stützende» Pfeilers. Wird dieser Pfeiler morsch oder brüchig, so ist eS um die staatliche Lebenskraft geschehe».
DaS „System der Ordnung auf monarchischer Grundlage* findet eben neben dem Heer im Beamten- thum seine ttastvollste Stütze. In Monarchien fühlt fich auch der niedrigste Beamte als Träger jener gewaltigen fittlichen Verantwortlichkeits-3bee, die de» monarchischen Staatswesens bestes Erbtheil ist. Aber eS kann in unserer Zeit ungehemmten Verkehrs leider nicht fehlen, daß demokratisch - republikanisches Wesen vielfach auch auf monarchische Einrichtungen abfärbt, und deßhalb gilt hier, wenn irgendwo der Satz: Den Anfängen leiste Widerstand! Die deutsche Reichsregierung hat dies in erfteulicher Weise erkannt und zeigt fich daher entschlossen, jeder Regung eines der monarchische» Tradition widerstreitenden Geistes inner« halb der Beamtenschaft mit nachdrücklicher Strenge eutgegenzutteten, wie besonders das gleichzeitig mit fürsorgender Milde gepaarte Vorgehen des Staatssekretärs v. Podbielskt lehrt. Noch steht diese Traditio» steilich in unerschütterter Kraft da, aber eS ist zuweilen gut, vorsorgend auch in eine ferne Zukunft zu blicken, und hierzu vermag uns der neuliche Pariser Briefträger-Streik ein mahnender Zeichen zu fein.
Umschau.
Der Großherzog von Baden hat in Pforzheim bei Gelegenheit bet Einweihung einer Kirche eine Rede gehalten, in bet er den Gedanken an ein Deutsches Reich und einen Deutschen Kaiser allein für Kaiser Wilhelm I. in Anspruch nimmt. Er hat dabei auch darauf hingewieftn, daß vielfach versucht worden ist, daS Verdienst dessen, wa» geworden, anderen zn gebe». Diese Ausführungen haben in der Presse vielfachen Widerspruch hervorgerufen. Sie werden al» ein Versuch angesehen, die Verdienste des Fürsten Bismarck um die Herstellung deS Deutschen Reiches zu bestreiten, oder wenigstens zn verkleinern; und es wttd aus diesem Grunde zum Theil seht energisch Verwahrung gegen fie eingelegt. Eine solche Wirkung der Pforzheimer Rede war vorauSzuseheu und hätte, so meint sehr richtig die „Post*, besser vorauSgeseheu werden solle». Man kann deßhalb nur bedauern, daß in der Rede nicht alles vermiede» worden ist, was als eine Spitze gegen den Fürsten Bismarck angesehen werden konnte und angesehen worden ist. Das unsterbliche Verdienst
Kaiser Wilhelm« I. wird darum nicht kleiner, wenn man daneben auch de» Verdiensten deS Fürsten Bismarck volle Serechtigkett wiederfahren läßt. Wir sollten dankbar sein, daß unser Volk in der großen Stunde der nationalen Wiedergeburt zugleich einen Herrscher wie Kaiser Wilhelm I. und einen Staatsmann, wie den Eisernen Kanzlet gehabt hat. Es ist im hohen Stade unnöthig und unerwünscht, wenn immer wieder von der einen ober anderen Seite Streitereien darüber hervorgerufen werde», wem das größere Verdienst an dem nationalen Einigungswerke gebührt. _________
3st man verpflichtet, Briefe anzu- nehmen? Neber diese namentlich für die @e» schäftskreise sehr wichtige Frage ist vor kurzem vom Amtsgericht wie auch in der Lerufsinstauz vom Landgericht zu Hamburg eine beachtenSweithe Entscheidung gefällt worden, die umsomehr in's Gewicht fällt, als fie be» bisher von den oberen Gerichtshöfen in ähnlichen Streitfällen ausgestellte» Grundsätzen stritte entgegensteht. Ein Abzahlungsgeschäft in Harburg hatte an einen Miether verschiedene Mobilien verkauft, die dieser in eine gemietete Wohnung einbrachte. Vor de« Einzug richtete die Firma an den Vermielher einen eingeschriebenen Brief, in dem fie ihm anzeigie, daß die Mobilien be» Miethers noch ihr Eigenthum seien, weil fie noch nicht völlig bezahlt seien. Der Bermiether nahm den Brief nicht an. Er erklärte in der Verhandlung, er nähme grundsätzlich eingeschriebene Briefe von Ge- schäfte», mit denen er nicht in direktem Geschäftsverkehr stehe, nicht an. DaS thäte er nicht, schon so lange er HauSeigeuthümer sei. Er sei also im guten Glauben gewesen, als der Miether die Sachen einbrachte, und habe daher MiethSpfandrecht daran erworben. — Diese Ansicht hat daS Landgericht ftüher gebilligt, weil eine Beipflichtung zur Annahme eines Briefes nicht existtte, von einem dolosen Verhalten daher nicht die Rede sein könne. Und an diese Entscheidung hielten sich die meisten Urtheile, die über die Frage zu entscheiden hatten. 3m vorliegenden Falle aber kamen das Amtsgericht wie Landgericht zu einem anderen Resultat. E» kommt nicht darauf an, heißt eS in den Gründen, ob das Verhalten des Beklagten dolos war, was steilich nach seinen eigenen Erklärungen zu fein scheint. Das wesentliche ist, daß die Klägerin in verkehrSüblicher Weise daS bewirkt hat, was sie thnn mußte, um ihre Rechte zu wahren, und daß fie das nur nicht erreicht hat, well der Beklagte die Annahme der Erttäruvg verweigerte. Wenn der Beklagte, wozu er natürlich ein Recht hat, die Annahme des Briefes verweigerte, so kann er anderersetts nicht die Thatsache, daß der Brief ihm angeboten wurde, als nicht geschehen behandeln. Er muß den Brief an dem Tage, an dem
ihn der Briefbote ihm anbet, alS empfangen gelten lassen. Nach den Grundsätzen von Treu und Glauben durste die Klägerin annehmen, daß der Bellagte den Brief als bestellt gelte» lassen werde, und brachte nicht au» Harburg einen besonderen Boten zu schicken, um ihm die fragliche Mittheilung perfönlich zu mache». Diese Grundsätze find bisher nur auf Parteien angewandt, die im Berttagsverhältniß zu einander standen. Außerdem hat fich daS Reichsgericht für ben kaufmännischen Verkehr in diesem Sinne anSgesprochen. Es liegt kein Grund vor, die Grundsätze von geschäftlicher Redlichkeit auch auf außer- kontraktliche Verhältnisse nnb zwischen Nicht-Kaufleuten nicht anzuwenden. Hiernach hat der stagliche Einschreibebrief als zur Kenntniß des Bettagte» gekommen zn gelte», da es nur eine Folge seines eigenen fehlerhaften BerhastenS war, baß der Brief nicht zu seiner Kenntniß gelangte. Beklagter ist deshalb anzusehen, als nicht im guten Glauben befindlich, al» die Mobttien eingebracht wurden. Ei hat als» kein Pfandrecht und war deshalb zur Herausgabe der Sachen zu vermtheileu.
Au» der deutschen Kriminalstatistik erhellt, daß im 3ahre 1897, also in einer noch vergleichsweise stiedlichen Zeit, nicht weniger als 254 Ser» urtheilungen auf Grund des § 158 der Sewerbeordn ung stattgefunden Haden. Die Verurtheilung ist erfolgt, weil Arbeiter dmch Anwendung körperlichen Zwanges, durch Drohung, durch Ehrverletzung oder durch Verrufserklärmig bestimmt oder zu bestimmen versucht wurden, an Verabredungen behufs Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen Theil zu nehmen, oder andere Arbeiter mit gleichen Mitttln gehindert worden find, von solchen Verabredungen zurückzutteten. 3» zwei Fällen hat auf das höchste Strafmaß, drei Monate Gefängniß, in 54 Fällen auf Gefängniß von einem Monat »der mehr erkannt werde» müssen. Damit ist die Lffte der Vermtheilungen wegen Bergewalligung Arbeitswilliger noch nicht entfernt erschöpft, beim gerade die schwersten Fälle werden nicht nach dem betteffeuden Paragraphen der Gewerbeordnung abgeurtheilt, weil sie nach dem allgemeinen Sttafgesetze mtt einer höheren Strafe als dreimonatigem Gefängniß bedroht find. 3m 3ahre 1898 dürfte sich die Zahl der Vermtheilungen voraussichtlich bettächtlich höher stelle», well inzwischen die giftige Saat der social- demokratischen Verhetzung gegen Arbettswillige mehr und mehr aufgegangen ist, und der Terrorismus der socialdemokratisch organisierten Arbeiter in einer für die Willensfreiheit bet anderen Arbeiter höchst bedrohlichen Stärke und Ausdehnung angenommen hat. Besonders zu denken aber giebt die Thatsache, daß neben den erwähnten Vermtheilungen in nicht weniger