Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«. Jllustrirtes Sonntagsdlatt.
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M 126 eax^aaä.j: Donnerstag, 1. Juni 1899. ft
Erstes Blatt.
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Aus Handwerkerkreisen.
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enventz Dem neuen Handwerker-Gesetz stellen sich jetzt titgliü, ws einer nicht erwarteten Seite Schwierigkeiten ent- i ront, die den Erfolg des ganzen Gesetzes zu Nichte Men können. Die Roth an Leuten herrscht Mt nur in der Landwirthschaft, sondern auch seit
SberiM Wm l® Handwerk und kleinen Gewerbebetriebe.
* Die Frage nach dem Lebensberuf ist nicht mehr nie früher eine Gefühlssache, wo Ausschlag gebend ——, wu, zu was der Junge Lust hatte und was seinen CCUJÜK iikigmigen und Fähigkeiten entsprach. Dieser ver- Le» Idealismus ist vom jetzt herrschenden
AaierialiSmuS Über den Haufen gerannt worden. Mlunj Zktzt ist der Lebensberuf nur noch ein trockenes lbendsi llechm-Erempel. Wo kann mit der wenigsten raste. Kühe das meiste verdient werden?
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Ks lautet die Parole.
Da kommt nun das Handwerk und der Kleiu-
leerti w am schlechtesten weg, beim da kann man mit
Mer Mühe nut wenig Geld verdienen. Söhne
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Kslaer Stände wenden sich lohnenderen Berufsarteu P und nur die ganz atmen ober unfähigen Rekruten . ai den unteren Stäuben werden nothgedrungen
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Handwerker, wenn sie nicht vorziehen, in die Fabrik zu gehen, was von Jahr zu Jahr mehr zeschieht. Sie verdienen eben da mehr und da venden sie dem Kleinbetrieb den Rücken.
Dmch das neue Gewerbegesetz wird der Eintritt
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i» die kleinen gewerblichen Stände unleugbar
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te kleinen Gewerbebetriebe werden von der einen
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llriprücheu gerecht zu werden. Wenn mit dem ans k Nchraufwaud von Kenntnissen und Geld dann eine ' wünsi sichert LebenSexistenz erreicht werden kann, i st ei» würde Jeder mit Freuden dies Opfer bringen.
$tm ist aber leider n i ch t s o. Die Einnahmen
alwaa« erschwert, da ein etwas höherer Grad von (381 iantniffen und Aufwendung von Geldmstteln für tü Neueintretenden erforderlich ist, um den jetzigen
sein Täte durch die erdrückende Konkurrenz der Groß- . tzreifch Arbrcken, auf der anderen Seite durch die unreelle cx W Echleuderei der Versandgeschäfte und Ramschbazare Mnj) wmer mehr geschädigt. Hat ein junger Manu die W etwas größeren Opfer gebracht und auch die
(3811 ästigen Prüfungen bestanden, so ist die Branche Zwischen so weit ruiniert, daß er verhungern kann, »der er muß zu einem anderen Lebensberuf übergehen.
M Die Opfer waren nutzlos gebracht.
>en sich. Erdacht war ja das Gesetz ganz schön, und so !---Ne mehr Zudrang von jungen Leuten zum Klein-
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Mette war, so daß ausgewählt werden konnte, war N auch der Standpunkt des neuen Gesetzes ganz Wig. Werden die neu Hinzutretenden auf einen rrbtth fihllkn Standpunkt gehoben, so wird dadurch der
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Mze Stand gehoben. Die größeren Opfer während ^khrzeit werden aber nur in der Erwartung ge- * fi( Nht, daß der Beruf später die gebrachten Opfer N lohnt. Da dies nicht der Fall ist, denn dem «wen Gewerbe wird eine Einnahmequelle nach der
(Nachdruck verboten.)
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I .Dummer Zeug," brummte der Major ärgerlich, ' hätten wir jetzt davon, wenn wir die Lei- ^rrg anstecht erhalten hätten und Frederigo liebte Nt Ei«, sondern meine Nichte. Es ist bester so! JT“ dem veränderten Wesen ElaS muß etwa» Oberes stecken, sie ist krank und ich »erbe morgen be» SanitiltStath sprechen. Aber wo ist sie Abend?"
Glück ans!
Roman ans dem Harze von O. Elster, (Fortsetzung.)
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,--2 biesen Worten nahm der Major in dem
VW\ neben dem Ofen Platz, nm sich der schweren, Mnäfeteu Stiefel zu entledigen.
»Wo ist Ella?" fragte er, sich suchend umblickend.
-Ach, da» arme Kind war heute Abend wieder sonderbar", entgegnete seufzend Dante Lore, weiß nicht mehr, wa» an» ihr werde» soll. ^ Gedanke, daß heute die Lerlobnng FreddaS ge- wird, scheint sie ganz außer Faffung gebracht babeu. Petter, Du hättest damals doch nicht so - o tof die Aufhebung der Verlobung Ella» dringen
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^3. »Ein schauderhaftes Wetter, Du hast Recht, Lore!
°ls ob alle Gespenster der Hölle heute Abend Mbelasten wären."
»Eie hat sich auf ihr Zimmer zurückgezogen."
„Du hättest eS nicht dulden sollen, Lore, Dn »rißt, das viele Alleinsein ist nicht gut für Ella, und außerdem habe ich e» gern, wenn ich mit Ella de» Abends noch etwas plaudern kann."
„Ich werde sie rufen," entgegnete Dante Lore und entfernte sich.
Eine Weile saß der Major in Gedanken versunken da. Er grübelte darüber nach, wie er feinem Liebling die fröhliche Laune wieder verschaffen könnte und er nahm sich vor, mit Ella noch in diesem Herbst eine kleine Reise zu unternehmen, vielleicht nach Berlin oder einer anderen großen Stadt, nm sie zu zerstreuen und von ihren trüben Gedanken «bzuleuken. Daß hier ein seelischer Leiden mit im Spiele war, erkannte er sehr wohl, glaubte auch den Grund desselben zu kennen, war aber rücksichtsvoll genug, mit Ella nicht darüber zu sprechen. Da» Unglück der Verliebten; so philosophirte er, hellt die Zeit am Besten, ohne daß wir in den HellungSprozeß hinein zu pfuschen brauchen. Diese Besorgniß um seinen Liebling erfüllte ihn indesten trotz aller Philosophie und so wollte er nicht» unversucht lasten, wa» auf den Zustand Ella» günstig edlwirkeu könnte.
Plötzlich horchte er auf. Ein entsetzlicher Schrei ertönte, der auS dem oberen Stockwerk de» Hause» zu kommen schien. Da» war eine menschliche Stimme die sich denllich au» dem Dosen, de» Heulen und Pfeifen de» Sturme» hervorhob.
Eine bange Ahnung erfaßte den alt« Mann, er
anderen verschlossen, dafür aber immer mehr Opfer und Ausgaben aufgebürdet, so will einfach Niemand mehr Handwerker werden. Selbst zu den alten billigeren Bedingungen find Lehrlinge nicht zu haben, zu den neueren schwereren Bedingungen aber erst recht nicht.
Die Handwerker-Frage ist dadurch ans die einfachste Weise gelöst, denn das Handwerk stirbt einfach auS. DaS so wohlgemeinte neue Gesetz hat wider Willen dazu beigetragen, die Wenigen, die noch Handwerker werden wollten, zu verjagen, da jetzt etwas höhere Opfer für die Lehrzeit nöthig find. An die Leute- noth im Handwerk hatte Niemand gedacht, auch die Handwerker nicht. Jetzt ist aber diese Noth wohl vorhanden.
Einige Berufe bilden Ausnahmen, haben von der neueren Zell Vortheile, so z. B. Decorateure und Tapezierer, Maler, Stuckateure, überhaupt alle, die an der reicheren Ausschmückung von Wohnräumeu re. beiheiligt find, soweit diese Ausschmückung Handarbeit ist. Auch Schlosser bekommen noch Lehrlinge, da alle technischen Bahnbeamten und Ingenieure erst die Schlosserei erlernen muffen. Also nicht der Schlosserei wegen, die auch auf dem Hunde ist, sondern um später Beamte zu werden, drängen junge Leute zur Schlosserei. — Die Uhrmacherei zählt auch zu den Ausnahmeberufen, fie wird nie durch Fabriken verdrängt werden können, da die Herstellung der Theile feit Jahrzehnten schon Fabriksache ist und das Zusammensetzeu und in Gang bringen immer Handarbeiter besorgen werden. Trotzdem die Uhrmacherei einen günstigen Ansnahmestand entnimmt, herrscht aber jetzt schon in derselben Mangel an Lehrlingen und Gehilfen. Man kann sagen, bei 90 pCt. der Kleingewerbetreibenden herrscht Lehrlingsnoth und Leutenoth.
Nun giebt es aber leider unter den Handwerkern zu wenig klar denkende und etwas »eiter ansschauende Menschen. Die meisten werden durch die Sorgen der täglichen Arbeit so in Anspruch genommen, daß fie sich mit dem Luxus des Denkens über andere Dinge nicht erst abgeben. Frägt man fie, so kommen unklare, manchmal widersprechende Ansichten zu Tage. Gehören fie zu den 10% Ausnahmen im Gewerbe- ftanbe, so sehen fie die Sache viel zu günstig an, andere glauben wieder, mit der Einführung bei Gesellen- und Meisterprüfung sei dann die Gewerbe- fteiheit aufgehoben. Es dürfen nur noch die Fachleute ihre Artikel verkaufen und nicht mehr der Kaufmann; das goldene Zeitalter wäre bann für fie angebrochen. Leider ist aber die ganze Sache eine arge Täuschung und ein Verkennen des Gesetzes, daS uns leider in vielen Punkten int Stiche gelaffen hat.
In den Handwerker-Kammern werden zuerst die widersprechendsten Ansichten zu Tage gefördert, aber später ist doch eine Klärung über das Nöthige zu erhoffen. Diese Einrichtung verspricht gut zu werden. Eine wllkliche Hülfe aber kann dem Kleingewerbe nur bann kommen, wenn seine Einnahmen nicht ferner geschmälert werden. Also einen wirksamen Schutz gegen Rarnsch- bazare und Schwindelkonkurenz errichten, dies hilft allein! Die Hilfe muß
aber bald kommen, sonst gehen Viele zu Grunde und werden Socialdemokrateu. Hat der Gewerbestand erst lohnende Einnahmen errangen, so finden sich auch wieder Lehrlinge für den Beruf und die Leutenoth hat ein Ende.
Umschau.
Die gesetzliche Ermächtigung, von dem zur Zeit mehr als 15 Millionen betragenden Reservefonds der Rentenbanken bis 10 Millionen zur Förderung der inneren Kolonisation zn verwenden, dürfte, wie schon bekannt, in kürzester Zeit bei dem Landtage eingeholt werden. ES handelt fich dabei um die Bereitstellung von Mitteln, um AufiedluugS- Unternehmungen, welche die Gewähr der Gründung dauernd lebensfähiger und gedeihlicher Rentengüter bieten, die Ueberwindung der schwierige» Zeit zwischen der Abstoßung der Hypotheken und der AuS- gäbe der Renteubriese zu erleichtern. I» dieser Zell bedarf da» Untenehmen sowohl zum Zwecke der Ent- Pfändung des in Rentengüter zu verwandelnden Grund- befitzeS, wie zur Herstellung der zur Bewirthschaftung der Rentengüter nöthigen Gebäude erheblicher Kapllalien, während der Unternehmer solche aus dem Befiedlungs- unternehmeu selbst in bei Hauptsache erst mit bem am Abschluß derselben artszufertigenden Rentenbriefe erhält und die Baaranzahlungen der Rentengutserwerber überwiegend durch die Kosten der Zurichtung des Geländes für die Colonisation aufgezehrt werden. Besitzt der Unternehmer, waS namentlich bei Auslegung von Rentengütein durch den Besitzer des zu theilenden Gutes die Regel bilden wird, diese Kapitalien nicht selbst, so muß !er Zwischencredit in Anspruch nehmen, welcher bei dem in der Sache liegenden Risiko und der im Boran» unbestimmbaren Dauer deS Credllbedürfuiffes verhällnißmäßig theuer zu sein pflegt. Die Seehandlung hat z. B. solchen Kredit aus ihren Mitteln nur zu 1 pCt. über RcichS- bankdiScout geben können, andere Geldinstitute haben »och höhere Zinsen berechnet, u. A. eine viel in Anspruch genommene Kreditanstalt 1 pCt. über den Lombardzinssatz der ReichSbauk. ES kommt, genau wie bei der Förderung des genossenschaftlichen PersonalcreditS durch die preußische Centtalgenossen- schaftskaffe, [fomit nicht darauf an, Geschenke aus Staatsmitteln zu machen, fonbera es genügt, den soliden, der staatlichen Förderung würdigen Unternehmungen jenen Zwischencredit etwa zu dem Zinssätze zugänglich zu machen, welcher den Selbstkosten des Staates für die Verzinsung und Verwallung des betreffenben Fonds entspricht. Bei einer Verzinsung der Zwischencredtte mit 3% pCt. würde der Staa zur Zell zwar noch nicht voll feine Selbstkosten erstattet erhalte», eine Verzinsung i» solcher Höhe würde sich aber mit Rücksicht darauf wohl rechtfertigen taffen, daß eS fich darum handelt, zweckmäßige» Erfolg versprechenden Unternehmungen einen ausreichenden Vorsprung vor solchen zu verschaffen, welche lediglich in gewinnsüchttger Absicht, ohne ausreichende Fürsorge für die Lebensfähigkeit der Ansiedlungen, unternommen werden. Der Staats credit würde sich natürlich innerhalb einer Sicherhells-
stürzte zur Thür, aber schon ward dieselbe von außen hastig geöffnet, Tante Lore taumelte in daS Zimmer, streckte ihm die Hände, wie um Vergebung flehend, entgegen und bat mit zitternden fahlen Lippen: Verzeih' mir, — verzeihe mir, daß ich nicht bester Obacht gegeben habe — aber wer konnte da» ermatten — o daS arme, arme Kind!"
Auftchluchzeud schlug Taute Lore die Hände vor das Antlitz und sank ohnmächttg zur Erde nieder. Der Major stürmte an ihr vorüber die Treppe hinauf nach dem Zimmer EllaS. Die Thüre desselben war weit geöffnet, daS Licht, welches Tante Lore vorhin mit hinauf genommen hatte stand auf dem Toilettentischchen und flackette unruhig hi» und her. Ein entsetzlicher Anblick bot fich dem Major dar. Auf ihrem Bett tag bleich wie die Kiffen deS Lagers Ella mit geschloffenen Augen, halb geöffneten fahlen Lippe» und schlaff herabhävgevdem linken Arm. Ans einer tiefen Wunde an dem Handgelenk sickerte langsam daS Blut und bildete auf dem Fußboden eine Leine Lache, in welcher fich das flackernde Licht röthlich wieder fpiegdte. Da» kleine spitze Meffer, mll dem fich die Unglückliche die Wunde beigebracht haben muhte, war ihrer recht«» Hand entsunken und ebenfalls zur Erde geglitten.
Mll einem furchtbaren Schrei stürzte der Major auf sei» unglückselige» Sind zu, nahm e» in die Arme usb preßte e» zärtlich an sein Herz.
„Slla, Ella," flüsterte et mit heiserer, thränen-
grenze zu hatten haben, welche, wenn fie auch eine Gefahr nicht ganz ausschließt, doch das Risiko auf ein Mindestmaß rebucirt. Durch ein intensives Zn- ämmenwirken der Seehaudluug, als des für diesen Zweck gegebenen staatlichen GelbinstlluS, und der Geueralcommisfionen, deren Mitwirkung bei der An« iedlung die unerläßliche Voraussetzung für die Gewährung eines staatlichen ZwischeucredllS zu bilden hatte, wird fich die Aufgabe nach beiden Seiten, und •jtoat sowohl der Prüfung der Boullät der Aufied- ungsunteraehmungeu und der Unternehmer, wie der Bemessung und der Sicherstellung des StaatscreditS in sachgemäßer Weise lösen taffen.
DaS kgl. Landesökonomie-Kollegium hatte in seiner diesjährigen Plenarsitzung bei dem Land- wirthschastSmiuister die Berufung einer ständigen Kommission für die gemeinschasUichen Angelegen- hellen der LandwirthschaftSkammern beantragt. Diese Commission ist nun gebildet und hat in ihrer ersten Sitzung folgenden Beschluß über ihre Aufgaben gefaßt: Die ständige Commission deS königl. Laudesökonomie-Collegiums bettachtet im wesentlichen alb ihre Aufgabe: a. durch eine vor bereitende Zusammenstellung de» eiuschlagende» Materials in ihrem Bureau oder in ihren Unterausschüssen den ettizelnen Kammern die Bearbeitung der gemeinschaftlichen Angelegenhellen zu erleichtern; b. und zwar al» ihre Hauptaufgabe aus den Einzel- bkschlüssen und Gutachten der einzelnen Kammern Gesammtbeschlüste und Gutachten der Gesommthett der preußischen LandwirthschaftSkammern zur Ver- fügung des Ministers für Laudwllthschaft, Domänen und Forsten zu stelle»; c. die gemeinschaftliche» Angelegenheiten der preußische» Landwiithschaftskammnu »ach Maßgabe der Satzungen deS Landes ökonomie- CollegiumS officiell zu vertreten, insbesondere die Wahlen etwa erforderlicher besonderer Vertteter dieser gemeinschaftliche» Angelegenhelle» der Kammer» Namens derselben zu vollziehen.
Nach in Berlin eingetroffenen Nachrichten ist daS in Jichao verbliebene deutsche Detachement von frort am 26. d. Mts. abgezogen und ohne jeden Zwischenfall nach Tfintau zmückgekehtt. Fünf Literaten find von demselben al» Bürgen mitgenommen worden, bis die eingeleitete Bestrafung der dem Magistrat von Jichao namhaft gewachten Rädelsführer bei der Mißhandlung des Missionars Stenz durchgefühtt fein wird. Die Rückkehr der Expedition hat augeorbnet werden können, nachdem festgestellt wurde, daß dieselbe eine gute Wirkung auf die Bevölkerung gehabt hat. In der Uwgegend von Jichao und Jtschoufu ist jetzt Alles stiedlich. Auf Verlangen der deutschen Regierung hat überdies die chinesische Regierung an säwmtliche in Bettacht kommende Lokalbehörden von Neuem strenge Befehle ertheiü, fich den Schutz der deutsche» Reichsangehörigm mit allem Eifer angelegen fein zu lassen.
Iw Kassationshofe in Patts ging gestern in der DreyfuSfache der Berichtnstatter Ballot- B e a u p r ö zur Eröteruug der Frage über, ob der
erstickter Stimme, „weshalb hast Dn mtt dar ge» than? Hattest Du denn gar kein Verttaneu mehr zu Deinem alten Vater? Ella, mein Liebling, wach auf, Du darfst nicht sterben, nein, nein, Du darfst nicht sterbe», wach auf, mein süßer Liebling, wach auf!"
In wahnsinniger Angst bemüthe fich der alle Mann nm sein bewußtloser Kind. Er schlang ein Tuch fest um das verwundete Handgelenk, er wusch ihre Stirn mit kaltem Wasser, und küßte ihre Äugen, ihren Mund, er flößte ihr einige Tropfen Wein ein, und endlich — endlich hatte er die Freude, daß Ella einige schwache Lebenszeichen gab.
„Zu dem Arzt, um Sotteswille» — rasch — zu dem Arzt," rief er Taute Lore entgegen, welche todtenblaß und mit zitternden Snieen wieder in daS Zimmer GllaS trat.
„Ich habe das Dienstmädchen schon fortgeschickt," entgegnete mit bebender Stimme Taste Lore. „Lebt fie noch? Ist »och Rettung möglich?
„Ich hoffe es!" sprach -ufathmevd der Major, indem er seine Bemühungen nm die Bewußtlose fort» setzte.
Nach wenige» Minuten erschien der Arzt. Anch er bestätigte, daß nicht alle Hoffnung verloren fei.
Auffchlnchzend sank der Major vor dem Lager Ella» auf die Knie und flehte in der Angst feine» Herzen»: „Mein Gott, mein Gott, laß mir mein Kind."--- (Fortsetzung sogt.)