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Vuremrx von HaasenHnn & Bögler, Frankfurt e. M., Cassel, Magbo- qj
tttefl, Wien; Rudolf Mo««, Frankfutt a. M., Berlin, München, S9ta;
O. $e*6e * «9., Frimkfurt«. »„ Berkin, Hannover, PaM X.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
•****■■ **Jllustrirtes Sonntagsblatt.
Erscheint täglich außer an Werktagen nachEonn» und Feiertagen. 't)STAt*Rl"tYA
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112 «ÄMÄSÄÄSBÄÄE Sonntag, 14. Mai 1899.
Staatliche Kranken-Fürsorge.
Ein auf socialpolitischem wie hygienischem Gebiete hervorragend lhätiger Arzt schrieb vor kurzem: „Der Paragraph 12 de» JnvaliditätS-VersicheruvgS-Gesetze» P das Salz deS ganzen Gesetzes. Mit diesem Paragraphen wächst die JuvaliditätS-VerstcherungS« Anstatt zu einem öffentlichen rechtlichen Fürsorge» Organ für Volks - Gesundheit empor, dank ihren Kapitalien und ihrer Autorität. Nicht zu uferloser Humanität, sondern zu klaren, erreichbaren Zielen, »elchi mit den bisherigen Einrichtungen schwierig, « Wirklichkeit oft gar nicht erreicht wurden, giebt dieser Paragraph 12 die Besugniß.*
Diese Worte einer Mannes der Praxis würdigen bi völlig zutreffender Weise die außerordentliche Wichtigkeit der im Paragraphen 12 des JnvalidttätS- uad Alters - VersicherungS • Gesetzes enthaltenen Bestimmung. Hiernach ist nämlich die BerficherungS- Anstatt befugt, für einen erkrankte» Versicherte», Welcher der reichSgesetzlichcn Kranken - Fürsorge nicht unterliegt, daS Heilverfahren zu übernehmen, sofern als Folge der Krankheit Erwerbs-Unfähigkeit zu deftigen ist, welche einen Anspruch auf reichsgesetzliche Aivaliden-Rente begründet. Bon dieser Befugniß habe» nun zwar die einzelne» Versicherungs-Anstalten bisher einen höchst ungleichmäßigen Gebrauch gemacht, bnmerhi» aber weisen die in de» einzelnen Jahren str die Zwecke deS Paragraphen 12 verausgabten Oesammt-Summen ein recht erfreuliches WachSthum ,wf. Während im Jahre 1894 für das Heilver« ^fthren nur 220600 Mk. ausgegeben wurde», bedünge» die Kosten desselben im Jahre 1896 bereits B175 000 Mark.
Durch erweiterte Faffung der Paragraphen 12 tio6 aber nach der Novelle zum JnvaliditätS- und fAlters-Bersicherungs-Gesetze die bisherige Kranken- ' Fürsorge noch reicher und wirksamer ansgestaltet . werden. Die Kranken - Versicherung des deutschen AeicheS sorgt für 7 600 000 Köpfe, die Jnvaliditäts- ^Lnsicherung für rund 11400 000. Es blieben ^daher nur 3800000 Versicherte übrig, für welche Wch dem geltenden Rechte daS Heilverfahren der JnvaliditätS - VersicherungS - Anstalten Platz greifen durste. Künftighin sollen nun demgegenüber die Ber- isicherungS - Anstalten das Recht haben, einzugreifen lohne Rücksicht darauf, ob Jemand der Kranken-Versicherung unterliegt oder nicht, um der Gefahr tdauernder Erwerbs-Unfähigkeit zur richtigen Zeit zu Entgegnen.
Insbesondere dürfte durch diese» erwesterte» Leitungs-Bereich des Paragraphen 12 die Pflege der kSenesendeu in Genesuugs - Heime» einen mächtigen Ansporn empfange», und gerade das ist außerordeut- lich wünschenswerth. Mit Recht bemerkt der bereits
oben citirte ärztliche Gewährsmaun: „Die Recon- valeScenz »ach schweren Erkrankungen der arbeitenden Klasse ist eine der dankbarsten Aufgaben für die JnvaliditätS- Versicherungs-Anstalten und ihre reichen Mittel gestatten ihnen, ans diesem Gebiete schöpferisch vorzugehen*.
Eine weitere segensreiche Neuerung liegt in dem Vorschläge, in allen Fällen den Angehörigen des Versicherten während der Dauer des Heilverfahrens eine gesetzlich festgelegte tägliche Unterstützung zu gewähre». So mancher Versicherte scheute sich bisher vor dem Heilverfahren, weil er Fwm und Kinder daheim nicht darben lasfen wollte. Diese Sorge soll nun von ihm genommen werden.
Der Reichstag würde sich daher ein hohes social- polittsches Verdienst erwerben, wenn er den Vorschlägen der Novelle zum JnvaliditätS- und Alters- VersicherungS • Gesetze, durch welche der Inhalt des Paragraphen 12 in der dargelegten Weise abge- ändert und erwettert werden soll, einmüthig seine Zustimmung ertheilte.
Umschau.
Die am Montag auf der Tagesordnung des Abgeordnetenhauses stehende Fortsetzung der Berathung deS LommisflonsberichtS über die Anttäge Kamp und Arendt-Labiau betreffend Mittel gegen Mangel an ländlichen Arbeitern wird die Frage der staatlichen Förderung der inneren Colonisation zur Erörterung stellen. Wie der Commiffar des Finanzministers bei der CommisstouSberathuvg erklärt hat, ist die Regierung, schon um dem Be- siedeluugswerk in den Provinzen Westpreußen und Posen keine schädliche Konkurrenz zu machen, aber auch aus schwerwiegenden grundsätzlichen und praktischen Gründe» nicht Willens, die Thätigkeit der An- fledelungscommisston unter entsprechender Verstärkung deS 200 Millionenfonds ans andere Provinzen auS- zudchne». Daraus darf aber nicht geschloffen werden, daß die Staatsregierung nicht geneigt wäre, eine sachgemäße private Colonisation noch wirksamer als bisher zu fördern. Aus der Mitte der pommerfchen Landwirthschastskammer ist unter hervorragender Mitwirkung des Abg. Frhr. v. Wangenheim, welcher für Montag als erster Redner in die Rednerliste eingetragen ist, angeregt worden, staatsseitig der Förderung würdige Aufiedelungsunternehmungeu durch Gewährung billigen ZwischencreditS für die Zeit von der Abstoßung der Hypotheken des zu besiedelnden Gutes bis zur Ausgabe der Rentenbriefe zu unterstützen. Dieser Gedanke ist, soweit eS sich, wie bei der preußische» Centtalgenoffenschasts- kaffe nicht um Gewährung von Geschenken, sondern darum handelt, für diesen Zweck Gelder etwa zu dem Selbstkostenpreise des Staates flüssig zu machen, sehr
beachtens werth. Zu seiner Durchführung könnte man auch unschwer an bereits bei der Ansiedelung thätige StaatSei»richt»ngen anknüpfe». Der Reservefonds der Rentenbanken ist «eit über daS Bedürfniß angewachsen. Er könnte ohne Beein- ttächtigung seiner Zweckbestimmung die Mittel für den bezeichneten Zweck hergeben. Die Seehandlung, welche Beretta jetzt für AnfiedelungSzwecke Zwischenkredite gewährt, mit ihrem eigenen Kapital aber dem Reichsbankdiskont folgen mnß, wäre zur Verwaltung dieses Kredits durchaus geeignet. Als dritte im Bunde würde dieGeneralkommission eintreten müssen, namenüich soweit eS darauf an kommt, sachkundig die Beschaffenheit eines Aufiede- lungsplcmes und seine UnterstützuugSwürdigkeit zu beurtheilen. Gesetzgeberisch würde ein solcher Plan sich leicht verwirklichen laffen, well eS nur der Ber- fügbarmachung einer Theiles jenes Reservefonds für den in Rede stehenden Zweck bedürfte; feiner Durchführung im Einzelnen würden sich allerdings große Schwierigkeiten darbieten, und ein voller Erfolg nur unter der Voraussetzung sehr nmstchttger Leitung, und wenn die betheiligten Staatsbehörden sich gegen» fettig sehr gut in die Hände arbeiten, zu erwarten sei».
Der Beschluß der mit der Vorberathung der AuS- führnngsgesetze znm Bürgerliche» Gesetzbuche Betrauten Kommission deS Abgeordnetenhauses, die Pfandbriefe der preußische» Hypotheken- Basken als mündelstcher a»zuerke»»en, ist von den Vertretern der Staatsregierung entschieden Bekämpft worden. Mit vollstem Recht. Wenn neBen der Thatsache, daß den meisten nicht preußischen Hypo- thekenBanken die Mündelflcherheit zugesprochen ist, wesentlich die Annahme völliger Sicherheit Betreffs der Pfandbriefe jener Banken für die Entschließung der Kommission maßgebend war, so mag daran erinnert werde», einerseits, daß es doch etwas sehr Verschiedenes ist, ob ein Papier für den Umfang des preußischen Staates oder z. B. für Reuß als mündel- sicher gilt, andererseits, daß, wen» man vielleicht zur Zeit die Pfandbriefe der bestehenden preußischen Hypothekenbanken als mündelsicher ansehen kann, doch wohl niemand die Gewähr dafür übernehme» möchte, es werde diese volle Sicherheit für alle Zeiten und betreffs aller Zünftig zu errichtenden Hypothekenbanken bestehe». Jedenfalls find die Pfandbriefe der Hypothekenbanken in Bezug auf Sicherheit den Pfandbriefen der land- und ritterschastlichen Kreditinstitute nicht gleichwerthig, hinter welch' letzteren nicht nur die Soltdarhast des gesammte» dem Verbände angehörigen GrundbesttzeS steht, sondern für welche auch eine durch lange Hebung erprobte absolute Solidität der Verwaltung und Geschäftsführung bürgt. Noch weniger natürlich find die Pfandbriefe der Hypothekenbanken den Schuld
verschreibungen des Reiches und Preußens gleichzustelle». Aber die relattve Sicherheit der Pfandbriefe der Hypothekenbanken ist auch nicht einmal der springende Punkt bei der Beurtheilnng der Mündelsicherhett. Der Hauptnnterschied zwischen den land- und ritterschastlichen Kreditinstituten und den Hypothekenbanken besteht vielmehr darin, daß die ersteren rein gemeinnützige Anstalten find, wahrend diese mit einzelnen Ausnahmen, j. B. die Ceutral- Bodencredit-Anstalt, welche ihrer gemeinnützigen Thätigkeit wegen, wenn fie allein in Bettacht käme, wohl eine andere Beurtheilung rechtfertigen würde, Erwerbszwecken dienen. Die Hypothekenbanken find im letzten Grunde meist nichts anderes als eine der vielen Veranstaltungen, in denen das Großkapital erwerbsthätig arbeitet, und wenn tu Folge deffen der Kredit der Landschaften stets bettächtlich billiger war und ist, als der der Hypothekenbanken, so ist doch auch ferner klar, daß es den Regeln der Gerechtigkeit und Billigkeit widersprechen würde, die Papiere dieser ErwerbSgesellschasten in Bezug auf Mündelsicherhett günsttger zu stelle» als die Papiere anderer Ettverbsgesellschafte», welche, wie die Obligationen mancher industriellen Unternehmungen, stch derselben relattve» Sicherheit erfreuen, wie die Pfandbriefe der Hypothekenbanken. Verläßt man den Grundsatz, daß als mündelstcher nur die Papiere öffentlicher Korporationen und gemeinnütziger Anstalten angesehen werden, so verliert man eben den sicheren Boden unter den Füßen und läuft Gefahr, immer weiter getrieben zu werden. Vor Allem aber fallt ins Gewicht, daß die Zuerkennung der Mündelsicherhett an die Hypothekenbanken eine Begünstigung der Erwerbsinteressen deS Großkapitals znm Schaden der Interessen der dem Gemeinwohl nnd gemeinnütziger Thätigkeit gewidmeten Korporationen und Anstalten, von Reich und Staat garnicht zu rede», bedeuten würde. Eine solche Begünstigung widerspricht dem öffentliche» Jnterefle und dürfte daher auch in den weitere» Stadien der Berathung von der Staatsregierung sicher nachdrücklich Bekämpft werde».
Auf Ben Antrag der Abtheilung Tilsit wttd sich die Deutsche Kolonialgesellschaft in ihrer nächsten Hauptversammlung auch mit der Frage der Beschleunigung im Ausbau der deutschen Flotte beschäftigen. Der Anttag geht dahin, möglichst Bei der Reichsregierung auf die Beschleunigung hinzuwirken, damit die Flotte Baldigst eine der Bedeutung unserer kolonialen und HandelSdeziehungen entsprechende Stärke erhält, in jedem Falle aber durch Vermittelung der Ortsgruppe in eine Agitation für jenes Ziel einzutteten und die Mittel dazu Bereit zu stellen.
Nachdruck vrrdoteru)
I Glück auf!
Roman aus dem Harze von O. Elster, (Fortsetzung.)
Linnen Kurzem werde er auch aus dem Zustande kr Schwäche erwachen. So schien denn für Fredda der Zeitpunkt gekommen, wo sie von dem Forsthause Abschied nehmen mußte, denn sie sagte fich selbst, daß sie bei dem Genesenden nicht länger die Stelle einer Pflegerin beibehalten könne. Schwere, traurige Tage hatte sie in dem Forsthause verlebt und doch auch Etunden eines wehmüthigen Glücks, wenn fie an dem Lager FrederigoS saß. Die Eindrücke, welche sie «während dieser Zeit empfanden, würde fie während ihrer ganze» Lebens nicht wieder vergesse». Der Dasein» Roth und Elend war in furchtbarster Ge- Bolt vor fie hingetteteu. DaS Forsthaus war ja zu ! ttnem Lazareth umgewandelt und fast jeden Tag hatte «an einen seinen Wunden erlegenen Bergmann bin» W zur ewigen Ruhe gettagen. Am Erschütterndsten kor der Eindruck der Begräbnisse» der 40 Bergleute Sewesen, welche man tobt aus den Trümmern der Schachtes gezogen hatte. In langer Reihe standen ke einfachen, niedrigen Särgen auf dem Hofe der Hütte da, geschmückt mit Kränzen und Blumen, Bändern ®ib Schleifen, welche von de» Angehörige» und de» Kameraden gewidmet waren. Weinend »nd schluchzend Mieten die Frauen und Kindern der Verstorbenen Kben de« letzten Ruhebette» ihre» Sieben. Eine ^voße Menge Leidttagender hatte fich eingefunden, mnrntliche Beamte der Bergbehörde und der Bergakademie, sowie zahllose Bergleute wollten er dch nicht nehmen laffen, den verunglückten Kameraden ke letzte Ehre zu erweise». Die Bergkapelle spiette ttnste Choräle und er war ein wahrhaft überwälttg-
ender Anblick, bei dem kein Augen trocken blieb, als sich der Zug der in ernstem Schwarz gekleideten Bergleute in Bewegung setzte, um die auf so entsetzliche Weise Verunglückten zur letzten Ruhestatt zu geleiten.
ES war ein Anblick, welcher selbst da» leichtfertigste Gemüth auf's Tiefste erschüttern und zur nachdenklichen Einkehr in sich selbst bewegen wußte. Fredda hatte gehofft, daß ihre Cousine wenigsten» bei dieser ernstheiligen Feier nicht fehlen und daß die Feier einen heilsamen, unauslöschlichen Eindruck auf EllaS'S Seele machen würde. Aber Ella in ihrem lebensfrohen Egoismus, welcher fich jeden trüben Eindruck absichtlich verschloß, war auch dem Segräb- »iß der Bergleute fern gebliebe«. Fredda hatte ihre Cousine seit dem Tage, wo fie an Frederigo's Lager geeilt war, nicht wieder gesehen. Jetzt handelte es fich für fie darum, ob fie »och einmal in daS Hau» ihre» Onkels zmückkehren ober sofort »ach ihrer Hetmath reifen solle. Sie fand e» jedoch paffender, ihrem Onkel und vor allem der Tante Lore Lebewohl zu sagen und so bat fie den Förster, daß er fie morgen »ach der Stadt fahren laffen möge.
Der SanitätSrath war sehr erstaunt, al» er von der SbfichtS Fredda'» erfuhr.
„Da» ist nicht Recht von Ihne«, Fräulein Fredda,* meinte er mißbilligend, „daß Sie uv» jetzt schon Derlaffen wollen. ES giebt hier noch so manche» zu thn», wir haben noch 15 Kranke im Hanse und die alte Försterin sowie die eine Kranken- Pflegerin, welche mir zur Verfügung steht, reichen zur aufmerksamen Pflege der Verletzten nicht au». Weßhalb wollen fie denn eigentlich fort?*
Fredda schlug erröthend die Augen nieder und erwiderte in leisem Tone: „Ich darf nicht länger bleiben, Herr SanitätSrath. Sie sagen selbst, daß, Herr Prado fich auf dem Wege der Beflerung befindet,'au»,'
»och hat er mich nicht deutlich erkannt, aber ich möchte nicht, daß er mich an feinem Lager sähe.*
„Oha, ich verstehe. Ich erkenne vollständig an, Fräulein Fredda, daß eS Ihne» peinlich sein müßte von unserem Frederigo erkannt zu werde». Er hat auch Ihre Pflege nicht mehr so nöthig und kann stch mit der Pflege der Schwester Anna begnügen. Aber fühle» Sie nicht eine gewisse Verpflichtung, mir bei meinen anderen Kranken hülfreich zur Sette zu stehen? Ich schätze Sie sehr hoch, Fräulein Fredda, nicht nur al» Krankenpflegerin, o nein, ich möchte Sie in der Thal noch nicht entbehre». Bleiben Sie noch einige Zeit hier*.
Fredda kämpftt mit fich selbst. Die Worte de» Arzte» hatte» auf ihr Herz einen tiefen Eindruck ge- macht, fie hielt fich allerdina» gewiffermaßen für der- pflichtet, diese Stätte de» Elends, wo fie noch so viel nütze» konnte, noch nicht zu verlaffen. Aber was würde Frederigo, was würde vor Allem die Welt zu ihrer Handlungsweise sagen?
Der Arzt las diese Gedanken in Freddas Augen.
„Fürchten Sie nicht, Fräulein Fredda*, fuhr er fort, „daß Herr Prado Sie zu sehen bekommt, wenn Sie es selbst nicht wünschen. E» wird immerhin »och einige Woche» dauern, bi» er sei» Zimmer verlaffen kann. Dann find Sie ja nicht mehr hier und während dieser Zett können Sie e» leicht vermeiden, Frederigo Prado zu sehen. Seine Pflege übernimmt Schwester Anna, Sie selbst aber sollen die Oberaufsicht über unser inprovifirteS Lazareth übernehme», denn ich mnß mich doch auch wieder meinen anderen Kranken außer- halb diese» Hause» widmen.
„Wird man eS mtt nicht übel deuten, wenn ich bleibe?*
Wer sollte eS wagen*, rief der Arzt erzürnt „Ihnen in dieser Beziehung Unrecht zu thun!
Ich weiß, daß Ihre Handlungsweise dem edelsten Gefühl deS menschlichen Herzens, dem Mitleid mit den leidenden Brüdern, entspringt, und ich werde Jeden, der fich erlauben sollte, eine tadelnde Be- merkung über Sie und Ihre Handlungsweise auS- zuspreche», schon in die gebührende Schranken zurück- weisen. — Nicht wahr, Fräulein Fredda, Sie bleiben bei mir? Au Ihren Vater werde ich selbst schreiben. . .*
Er hielt ihr seine Hand entgegen und Fredda legte tief bewegt die ihrige hinein. „Ich bleibe*, sprach fie in festem Ton, während eine leichte Röthe ihre Wangen überzog und ihre Augen im feuchten Schimmer erglänzten.
„So ist's recht', rief der Arzt erfreut au», indem er ihr die Hand in zärtlich freundlicher Weise schüttelte. „Und nun kommen Sie, daß ich Sie mit de» Obliegenheiten Ihre» Amtes bekannt mache*.
Für Fredda begann jetzt eine arbeitSvolle und verantwortungsreiche Zeit. Der SanttätSrath hatte voll Vertrauen die gesammte Leitung und die Oberaufsicht über die Pflege der Verwundeten ix ihre Hände gelegt. Die ersten Tage fühlte fich Fredda ihrer Aufgabe kaum gewachsen, gab fich jedoch mit vollem Eifer derselbe» hi», sodaß fie in kmzer Zeit ihr Amt in vollkommenster Weise ausfüllte. Nach und nach gewann fie die Thätigkeit lieb und fand eine freudige Genngthung in der Dankbarkeit und Verehrung, welche ihr die Kranken entgegen brachten. Wenn fie mit fast lautlosem Schritt durch die Zimmer ging, in denen die Kranken lagen, leuchteten die Augen der armen Burschen freudig auf und über ihre blassen Gesichter flog ein glückliches Lächeln.
(Fortsetzung folgt.)