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namentlich neuerdings park gewachsen ist, so muß doch auch betont werden, daß der Staat in der Be- tbeiliaung an diesen Lasten nicht zurückgeblieben ist. Dir Aufwendungen de8 Staates hierfür find allein in den Jahren von 1896 '97 bis 1899 von rund 66 Millionen auf 81,7 Millionen Mk gestiegen.

Durch die Zeitungen gehen Gerüchte über Kom- promißverhandluoge» zwischen Konservativen und Zentrum, um die Kanalvorlage auf die Verbindung de« Rheins mit dem DortmundEms- kanal zu beschränken. Wir sind ermächtigt zu er­klären, daß diesen Gerüchten lebe thatsächliche Unterlage fehlt.

Auf dem W-ge zur Leibeigenschaft be­finden fich nach dem .Vorwärts* die landwirth- schaftlichen Arbeiter infolge der kürzlich im Ab- geordnetenhause angenommene» Anträae zur Ein­schränkung derLentenoth.* Da soll ein junger Mensch, der gesetzlich überhaupt noch gar keine volle bürgerliche Freiheit besitzt, gleich einem Leib­eigenen sein, weil man verhindern will und zu seinem Besten verhindern will, daß er ohne Ge­nehmigung seiner Eltern oder Vormünder auS dem Hetmathsorte fortziehe. Wieviel solcher jungen Leute, namentlich Mädchen find infolge solcherFreiheit* den Verlockungen und Vorspiegelungen gewissenloser Agenten erlegen und haben das ihr Leben lang zu br dauern! Ist es denn nicht auch ganz folgerichtig, daß die Eltern und die gesetzlich über Unmündige gestellten Vormünder die Befugniß erhalten sollen, auch in dieser Hinsicht ihre Kinder oder Schützlinge vor Schaden zu bewahren? Ebensowenig aber wie bezüglich dieses Punktes kann von einemEingriff in die persönliche Freiheit* gesprochen werde», wenn man darauf dringt, daß dem olatten Einwandern in die Großstädte infofern ein Riegel vorgeschoben werden, als die Zuwanderer dazu angehalten werden, Subsistenzmittel oder Arbeitsstellen oder mindestens nachzuweisen, daß sie eine den sittlichen und hygieni­schen Anforderungen entsprechende Wohnung innehaben. Das find keine Schritte zur Beseitigung der Frei­zügigkeit, sondern vielmehr Sicherstellungen für die­jenigen, welche dieseFreiheit* falsch verstehen und noch immer in dem Wahne leben, in den Großstädten seien goldene Berge zu finden, man brauche sich mir aufzumachen und hinzuziehen. Gerade die Social­demokratie müßte, wofern sie wirklich eine Arbeiter­partei sein wollte, die Einführung der im Abgeord- netenhause beantragten Maßnahmen unterstützen; denn dieselbe» sind von eminent socialer Bedeutung und geeignet, die Lage der Arbeiterschaft in Stadt und Land in dem günstigsten Sinne zu beeinfluss, n. Die Svcialdemokratie aber widerstrebt gerade solchen Maß­regeln, die die Zuftiedenheit der Arbeiter fördern könnten, weil die Unzuftiedenheit ihr LebenSelement

ist und jeder socialdemokratische Wahlstimmzettel nur ein Zeugniß von dieser Unzufriedenheit, die von den Agitatoren mit allen Mitteln gezüchtet wird» ablegt. Wenn aber gerade derVorwärts* über denWeg zur Leibeigenschaft* philosophirt, so sollte er doch einmal die Geschäftsführung der Gewerkschaften und deren Terrorismus, sowie den unter der Firma Disziplin* geübten ungeheuren Druck der Social­demokratie auf ihre Mitglieder onsehen 1 Unter diesem Druck find die Arbeiter auf dem Wege zur Leib­eigenschaft, bei der dieGenoffen* Liebknecht und Singer die Peitsche schwingen. Unter diesem Drucke giebl es weder persönliche noch Meinungs- fteiheit.

Die Reichstags - Debatte über Arbeiter- Kammern und ei» Reichs-Arbeitsamt hat leider von neuem den Beweis geliefert, daß in weiten nichtsocialdemokratischen Kreisen der Entschluß zu mannhafter Bekämpfung der Umsturz-Bestrebungen fehlt. Man betreibt eine förmliche Vogel- Strauß-Politik und verschließt sich hartnäckig der Einsicht von dem immer drohendem Wachsthum der socialdemokratischen Gefahr. Lieblings-Wünsche, reine Utopien, werde» als Thatsachen, als faßbare und greifbare Wirklichkeit behandelt. Nur so erklärt es fich, daß beispielsweise in der erwähnten Debatte der Abgeordnete Stöcker dar schon so oft und so gründlich abgethane Märchen von der Mauserung der Socialdemokratie wieder vorbringen konnte. Wo ist denn auch nur die Spur eines Beweises für solche ; Behauptung zu finden? Die anerkannten Führer der Socialdemokratie haben zu wiederholten Malen mit Schärfe und Nachdruck betont, daß alles Gerede von der Ablegung des revolutionären Charakters ihrer Partei hohl und nichtig sei; Parteigenoffe», welche einer gemäßigter» Auffassung huldigen, werden alsbald einem Vehm-Gerichte schärfster Art unterworf-n, die Streiks mehren sich, der Terrorismus wächst, kurz nichts, aber auch reinweg gar nichts deutet darauf hin, daß die Socialdemokratie ihr ursprüngliches Wesen aufgegeben und die Bahn einer socialen Reform-Partei betreten habe. Indem aber ganz verkehrte Grundlagen für die Be- urtheilung der Socialdemokratie künstlich zurechtge­zimmert werden, sind dann natürlich auch Anträge, wie der auf die Errichtung von Arbeits-Kammern abzielende, erklärlich. Ist die Socialdemokratie wirk­lich so harmlos, wie angenommen wird, dann schadet es ja auch nichts, wenn ihr von Staatswezen ein neuer Stützpunkt geliehen, em neues bequemes Nest zurecht gemacht wird. Nach ideologischer Manier hält man immer noch an dem thörichten Glauben fest, die Socialdemokraten ließen sich durch geistigen Kampf, durch stete Einwirkung und Belehrung zu besserer Ansicht bekehren, während es fich doch m Wirklichkeit um eine reine Machtfrage handelt. Nicht Idee tritt der Idee gegenüber, sondern dem nationalen

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Erstes Blatt

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richt gewöhnt, in allen politischen Fährlichkeiten den ck auf das Ganze gerichtet zu halten. So flieht jetzt wieder einige Blätter, namentlich ein paar toter Partei - Organe, die nicht genug darüber entiien können, daß der Stern Deutschlands an- lieb im Sinken begriffen sei, weil die Verwirrung Samoa so lange dauere und weil fich England Rußland in China verständigt hätten.

Dabei kommen die tollsten Widersprüche zu Tage, k acht Tagen hieß es: Fleck auf dem deutschen enschild, Genugtuung, koste es, was es wolle, o selbst auf die Gefahr eines Krieges mit zwei raten hin. Jetzt schreit man von derselben Stelle nach einem Cato, der Deutschland aus seiner exponirte» Stellung in überseeischen Gebieten ausführen und es bis zu der allerdings sehr noth- iflen Verstärkung seiner Flottenmacht nach Maß- de seiner großen europäischen Interessen leiten solle.

nächsten Tage heißt es dann wieder: Für die

Um Aufregung wegen der Vorgänge in Samoa x entfachen und zu schüren, werden die amtlichen theilungen angezweifelt, dagegen Correspondenzen erhitzten und selbst von beiuntetgttommenen, Gefängniß entronnenen Landsleuten aus Apia st getreten. Wilde Matrosenbriefe werden ver- ilicht, in denen der Zorn über die traurigen ichen Ereiguiffe in maßlosem Haß gegen England d Amerika übergeht, und ohne Rücksicht darauf, damit die Lösung der Frage nur erschwert wird. Wonne citirt man Tiraden aus dem berüchtigten izl'sche»Vateiland*, um Ire für unsere Ehre und ser Ansehen nach Außen verantwortlichen Personen schwach und saumselig hinzustellen.

Das Empörendste ist aber, daß jene Blätter

de R.

Die heutige Nummer umfaßt zehn Seiten.

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a/VX 1 v < Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr: die ge»

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Wendungen über das nothgedrungen ruhige Verhalten von S. M. S.Falke* vor Apia Mangel an Muth und Ehrgefühl vorwerfen. Kann man fich da wundern, daß in illustrierten Schmutzblättern schon die eigene Seemacht vor dem AuSlande lächerlich und verächtlich zu macken versucht wird? Man suche in der ftanzöfischen, englischen, italienischen k. nur ein Organ, das eS wagen würde. See Offiziere des eigenen Landes in dieser Weise herabzusetzen!

Dieses Gebühren, daS aus einer krankhaften Nervosität, zum Theil aber auch aus Parteisucht entspringt, mag fich noch so sehr in patriotische Ge­wänder hülle», n feiner Wirkung ist eS vater- l a n d s lo S.

qstisch-rufsische Verständigung in China, die übrigens Parier« ß England selbst nicht überschätzt wird, müffen wir me Ausdehnung unserer Jnteresseusphäre verlangen, lefattelte gleich die Provinz Schantuug reichlich so groß ist sie Deutschland und mindestens 30 Millionen Ein- stunge ufoer zählt.

Bedenkliches Gebühren.

In Zeiten äußerer Schwierigkeiten und Verwick- hmgen zeigt sich immer wieder, daß uns Deutschen

Umschau.

Bei der für nächsten Montag im Abgeordneten Ijaufe anstehenden zweiten B raibung des Entwnrfs, betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Lehrer an öffent­lichen Volksschulen wird hauptsächlich die Bemessung des Staatsbeitrages für das Wittwm- und Waisengeld eine Rolle spielen. Die Kommission beantragt, in den Entwurf eine Bestimmung zu bringen, wonach der Staat zu den Bezirks-, Wittwen- nnd Waisenkaffen einen alljährlichen Beitrag in Höhe von 3/i der erforderlichen Aufwendungen zu leisten hätte. Nach dem Vorschläge der Regierung würden fich die Verhältnisse so gestalten, daß von dem ver­fassungsmäßig den Gemeinden zur Last fallenden Aufwande der Staat etwa 2/s und die Gemeinden etwa 3/s übernehmen. Man wird bei der zu er­wartenden Disknsfion im Abgeorduktenbause doch nicht verkennen dürfe», daß diese Beiheiligung des Staates dasjenige Maaß erreicht, welches kaum zu überschreiten ist, wen» bei der beabsichtigten organi­schen Regelung der Materie die verfassungsmäßige Bestimmung gewahrt bleiben soll, daß die Gemeinden in erster Linie zur Deckung des in Rede stehenden Aufwandes verpflichtet sind Der Artikel 25 der Ver­fassung besagt ausdrücklich, daß die Mittel zur Erhaltung und Erweiterung der öffentlichen Volksschule von den Gemeinden und im Falle des uachgewiesenen Unver­mögens ergäuznngsweise vorn Staate auf­gebracht werden. Es ist ferner zu beachte», daß der von der Regierung vorgeschlagene Maßstab für die Beiheiligung der Staatskaffe schon durch die geltende Gesetzgebung bestimmt ist und daß die nach dem Vorschläge der Regierung zu erwartende Belastung nach bem Durchschnitt berechnet ist, für die leistungs- fckwachen Gemeinde» also, deren Lehrer meistens verhältnißmäßig gering besoldet sind, hinter dem Durchschnitt Zurückbleiben wird. Auch wird fich die Belastung nur allmählich steigern. Wenn schließlich stets darauf aufmerksam gemacht wird, daß die Be­lastung der Gemeinden durch die Volksschullasteu

'^Rarßutrg

Sonntag 7. Mai 1899.

fluni tik. ' Wetli «ges.

Anzeigen nehmen entgegen: bie Expedition dieser Blatte«, die Annoncen» Bureanx von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M Casiel, Magd«- ni

d»tg, Wien; Rudolf Moste, Frankfurt «. M., Berlin, München, Köln; 04.

L. ß Daube & Lo., Frankfurt a. Berli», Hannover, Par» r.

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«ch viel fehlt zu b-m Ruhme, eine politisch olgksih wlkende und handelnde Nation zu sein. Nach Jahr- tzmderte langer Zerrissenheit haben wir uns noch

Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

9»b Ang. Koch, Unibersttätr-Buchdruckerei in Marburg. Verantwortlich für die Redaktion: Redakteur M. Hartman» « Marburg

ptMton: Marit 21. - Lelevdon 55. VIVMrX* «ebattt»«: Markt 21. - Televbon 5b.

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(Nachdruck verboten.)

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Glück auf!

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Roman aus dem Harze von O. Elster.

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(Fortsetzung.)

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Darüber vergingen indeß mehrere Wochen; Sommer »ar ins Land gekommen, Herr- r denn je prangten die Harzwälder im frischen w, während über den mit tausend und abertausend en bestreute» Wiesen und Bergabhängeu die n Schmetterlinge, die glitzernden Käfer und die Digen Bienen im Hellen Sonnenschein hi» und flatterten, surrten und summten.

Der Geheime Bergrath Löschburg, der Besitzer prächtigen Billa hatte für morgen die Einladung einem Gartenfeste ergehen laffen. Auch der Major *3 Familie waren geladen. Ella begrüßte diese Ein- *taag mit Jubel, denn die Feste auf der Villa Lösch- waren wegen ihres Glanzes, wegen ihrer Pracht Kit und breit berühmt.

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Annäherung John Lee's bieten. Wen» dieser P wirklich ehrlich mit Ella meinte, toeßhalb trat er

,Dn wirst sehen, Fredda*. rief sie,wir werden herrlich amüsiren*.

Fredda zeigte AnfangSS wenig Neigung, daS Fest besuchen. Gerade in letzter Zeit hatte sie bemerkt, der Verkehr EllaS mit John Lee fich immer reger

/zzzMÄtete, und sie fürchtete, diese Feier bei dem Ge- k-tatij Löschburg würde hui neue Gelegenheit zu

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, nicht fnmt und frei als Bewerber Ella's auf; Hhalb erklärte er fich nicht dem Major, sondern bei» das Beihältniß zu Ella mit dem Schleier bei ^eimuifleS zu umgeben ? Zuletzt entschloß fich Fredda M ihre Cousine nach der Billa Löschbnrg zu be» IUM

gleiten, da ein unbestimmtes banges Gefühl sie warnte, Ella allein gehen zu lassen. Sie hatte eS fich doch nun einmal zur Aufgabe gesetzt, die Hüterin ihrer Cousine zu fein und wollte so viel an ihr lag, diese Aufgabe auch erfülle». Ob es ihr gelingen würde, Ella von einem unüberlegten Schritt zurück zu halten, war allerdings eine andere Frage nnd hing ganz da­von ab. ob Ella einem guten Rathschlag zugänglich war oder ob sie schon so vollständig fich in der Ab­hängigkeit von John Lee befand, daß sie auf keinen anderen mehr höite.

Die Villa Löschbnrg erstrahlte in feenhaftem Lichterglanz. Die Befitzung lag vor dem Thore der Stadt auf einem sanft abfallende» Wiesen plan. Von der Veranda der Villa genoß man eine herrliche Aus­sicht auf die Berge des Oberharzes, aus denen fich der mächtige Regel des Brockens majestätisch empor hob. Nahe bei der Villa im Wiesengrund tauchten auS den grünen Büschen die Dächer der Sllberhütten Marie und Vorwärts* auf. Gleichmäßig klangen die Glocken derKunst*, wie die Bergleute die auf» und absteigende Einfahrtsmaschinen in den Schacht nennen, durch den stillen Abend. Tag und Rächt schlagen die Glocken in gleichmäßigen Zwischenräumen an, dadurch meldend, daß dieKunst* in Ordnung fich befindet und keine Gefahr für den Betrieb der Ein- und Ausfahrt vorhanden ist, Verstummt das Glöckchen derKunst*, dann ist Gefahr im Verzüge und die wackeren Bergleute drunten irn Schooß der Erde ringen vielleicht schon mit dem Tode, den herein­brechende Wafferrnaffen oder giftige Schwaden mit fich führen. So erinnert der einförmige Ton des Glöck­chens die Umwohnenden stets an die furchtbare Gefahr, in welcher die Bergleute schweben, und »st mag ein banges Frauenherz daheim angstvoll auf den ton der

Glocke lauschen, wenn die Stunde der Ausfahrt naht, welche auch ihr den Gatten und de» Vater wieder­geben soll.

Mahnend an ein schnell hereinbrechendes Unglück, mahnend an die furchtbare Roth und Angst des MenfchendafeinS klang das Glöckchen auch in die frohe Stimmung der Gesellschaft hinein, welche fich in dem mit bunten Lampions erleuchteten Kartensalon des Geheimraths versammelt hatte. Aber der Ton der Glocke wurde von den Meisten überhört; eine auS- s gelassene Lustigkeit herrschte und vor Allem trug der geistreiche und witzige Trinkspruch John Lees auf daS Wohl der Damen zur Erhöhung der ftöhlicken Festes­laune bei. Nur Fredda vermochte nicht in die all­gemeine Fröhlichkeit einzustimmen; fie hatte gesehen, wie zärtlich John Lee und Ella fich die Hände ge­drückt; ja, fie glaubte bemerkt zu haben, daß vorhin John Lee ihre Cousine in dem Dunkel deS Gartens umarmt und geküßt hatte. Jetzt hing Ella mit glück- strahlenden Augen an dem Munde deS witzigen Redners, Fredda aber konnte diese halb spöttischen, halb leichtferttgen Worte deS gewandten Engländers nicht mehr ertragen und fie trat hinaus auf die Veranda, anfathmend ihre Blicke zum sternenbesäeten Nachrhimwel empor sendend. Sie sah ein, daß Ella falsch ihr gegenüber handelte, daß fie doch keinen Einfluß auf daS Denken und Fühlen ihrer Cousine habe, und war entschloffen, so bald wie möglich ab» zureise».

Als sie noch bastaud und nachdenklich dem ein» förmige» Anschläge» der Grubenglocke lauschte, warb plötzlich die Gartenthüre hastig geöffnet und eine dunkle Gestalt stürzte in eiligem Lauf auf die Veranda zu. Fredda erschiack und wollte sich in daS Haus zurück- ziehe», als fie in dem herbeieilende» einen alten Berg­

mann erkannte, welchen fie stüher schon gesehen und gesprochen hatte.

Mertens, um Gotteswillen, wo kommen Sie her? Wie sehen Sie anS!* tief Fredda, indem sie mit tiefem Schrecken das beschmutzte Gewand der Berg­manns und sein geisterbleiches Gesicht sah, über dessen Stirn die blutgetränkten grauen Haare wirr und wild herabhingen.

Ab, Sie find es, Fräulein*, keuchte athemlos der alte Mann.Ist der Herr Berghauptmann hier?*

Ja, er befindet fich in der Gesellschaft. Aber was ist denn geschehen?*

Ein smchtbares Unglück, Fräulein. Die Grube Glück auf* ist verschüttet Wo ist der Herr Berg- Hauptmann ?*

Fredda fand kaum die Kraft, nach bem hell- erleuchteten Saale zu zeigen. Der Bergmann eilte i» de» Saal hinein, Fredda stützte fich zum Tode er­schreckt auf die Ballusttade der Veranda, sonst wäre fie z» Boden gesunken. Wie ein schmerzhafter Dolch­stich durchzuckte fie der Gedanke, daß auch Frederig» inGlück auf* beschäftigt war. Sie wußte ja, daß er tief im Schacht arbeitete, fie kannte seine Pflicht- treue, seinen Muth, er würde ficherlich die in Gefahr befindlichen Bergleute nicht verlassen habe», vielleicht war er mit ihnen verschüttet, vielleicht lag er zusammen mit feinen Kameraden tief unten im Schooß der Erde begraben, abgeschnitten von jeder menschlichen Hülse, dem furchtbarsten Tode preiSgegebe», vielleicht schon tobt, zerschmettert durch bie niederstürzende» FelS- maffen ...

Aufschluchzend verhüllte fie ihr Antlitz in bie Hänbe. Daun raffte fie fich auf unb eilte nach dem Saale, beffeu Thür wett offen stand. In der Thür