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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

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[ Zur parlamentarischen Lage.

Der Reichstag hat in überraschend kurzer Zeit kl Reichsbankgesttz in zweiter und dritter Lesung erledigt. Der Haltung deS Centrums gegenüber, das za, erst jüngst von derKöln. Volkszeitung* als kn Interessen des Kleinkapitals widersprechend bei- Atheisten Kommissionsbeschlüssen geschlossen beitrat, garen alle Abänderungsversuche vergebliche Mühen, gleichwohl ist anzuerkennen, daß der Reichstag sich anf große Redeschlachten nicht eingelassen, sondern zu «kennen gegeben hat, daß er die in der Kommission «folgten breiten Auseinandersetzungen für auS- «ichend hält. t

Wenn bei len noch zu erledigenden weiteren Sorlagen ebenso »verfahren wird, wenn man also «rmeidet, die in^den Kommissionen vorgebrachten Argumente noch einmal in aller Breite auch im Plenum zu erörtern, so könnte erwartet werden, daß ter Reichstag trotz der starken Zeitverschwendung, die « schon verübt hat, noch vor dem Eintritt der Hnnds- tagt sein Pensum aufgearbeitet haben wird. Am Freitag haben sich unsere Reichsboten eine dreitägige Sdchepause bewilligt; es soll dadurch den Kommisfions- berathunge» größerer Spielraum gewährt werden. Hoffentlich wird dieser Zweck erreicht, damit daS Plenum nicht bald wieder in die Lage komme, ««freiwillig feiern zu muffen.

Heute, Mittwoch, ist die parlamentarische Er- ftischungspause zu Ende; ob aber nicht die meisten ter Abgeordneten sich noch einen Tag zulegen werden, Biri) abzuwarten sein. Mittwoch ist nämlich Schwerins- tag und auf der Tagesordnung steht neben der tennuthlich rasch verlaufenden zweiten Lesung des Lchächtverbotantrags die Fortsetzung dergroßen* «der unfruchtbaren socialxolitischen Debatte behufs LettrennenS zwischen Certrum, Liberalen und Soctal- temokiaten um die Gunst der Arbeiter. Es ist eine sehr weise Einrichtung, daß derlei Berathungen auf den Schwerinstag beschränkt find, sonst könnte man tei dem neuerwachten socialpolitischen Eifer auf der Linkenetwas erleben*.

Größere Debatten dürften sich an das in der ikmmisston zweimal durchberathene JuvaliditätSgesetz knüpfen, dar nach Eingang des Berichtes vermuthlich in der nächsten Woche zur zweiten Lesung gelangen Birb; hoffentlich beschränkt mau sich im Plenum auch tei diesem Gegenstände auf daS Notbwendtgste. Die Peichsbotcn find im allgemeinen pailamentsmüde mb das Publikum ist eS auch schon längst. Drei- diettelhundert Sitzungen hat der Reichstag hinter sich: ter ist in Anbetracht der geringen positiven Ergebnisse, ie dabei herausgekommen find, eine Leistung!

3m Abgeordnetenhause, wo unzweifelhaft schärfer tod sachlicher gearbeitet wird, als im Reichstage, ist

^Nachdruck verboten.)

( Glück auf!

Roman auS dem Harze von O. Elster.

(Fortsetzung.)

XI.

Die Nachricht, daß die Verlobung EllaS mti dem fcß so viel gefeierten Peruaner aufgehoben war, er- We auf der einen Sette großes Erstaunen, während »vl anderseits dieses Ende der Verlobung ganz Atürltch fand.

Ella'S Charakter war allgemein zu bekannt, als 4 nicht viele Leute diesen AuSgang der Sache vor- « gesehen haben sollten, nachdem Frederigo Prado m Vermögen verloren hatte. Ella selbst athmete schiert auf, fie fühlte sich wie von einem Albdruck kfrett und gerade dieses Gefühl war eine gewisse Rechtfertigung für fie, daß sie die Verbindung gelöst ttte. Taute Lore sah wenigstens die Sache von dieser Stile an, indem fie meinte, daß EllaS Unrecht nicht 1 der Aufhebung der Verlobung liege, sondern darin, kj fie früher die Annäherung FrederigoS begünstigt >b ih» über ihre eigenen Gefühle getäuscht habe.

Kopfschütteln aber und tiefer innerlicher Ent- tifctng beobachtete Tante Lore daS fernere Benehmen ^a'S. Wohl hiell sich diese einige Zett von gesell» östlichen Vergnügungen fern, streifte indessen häufig Oberhalb der Stadt umher und Tante Lore war W harmlos genug, auzuuehmeu, daß diese Stteifereieu ttn Grund in einer plötzlich erwachten Liebe zu der Etur hätten, zumal die Tante zufällig bemerkte, daß $ Engländer John Lee jetzt häufiger denn je an

Hause vorüber ging und gerade zu solchen Zeiten, 18 Ella am Fenster mit irgend einer Handarbeit be» I üftigt war. Sie ertappte Ella auch dabei, wie fie

man mit der Erledigung der zugewiesenen Arbeits­pensums noch in wette« Felde. Es ist kaum ab­zusehen, wann die nothwendigsten Vorlagen fertig­gestellt sein werden. Den Hauptballast der laufenden Sesston bilden die AuSfühmngsgesetze zum Bürger­lichen Gesetzbuche, die unbedingt in diesem Jahre unter Dach gebracht werden müssen. AIS von confer vativer Seite der Vorschlag gemacht wurde, die In­kraftsetzung des Bürgerlichen Gesetzbuches um ein Jahr hinauszuschieben, suchte man denselben als Ob­struktionsversuch zu verdächtige«. Heute erschallen schon aus juristischen Kreisen Stimmen, die über die Kürze der Zeit zum Studium der wer weiß wann fertigen Ausführungsgesetze klagen.

Die Commission, der dieser Berathungsgegenstand überwiesen ist, arbeitet mit juristischer Gründlichkeit, also sehr langsam. Von verschiedenen Seiten ist sogar schon die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Ausführungsgesetze vor dem Augustfrühestens!* nicht aus der Kommission herauskommen würden. Dann erst käme das Plenum zum Worte und dahinter das Herrenhaus, das ebenfalls gründliche Kommisfions- berathungen dieser Materie schon angekündigt hat. Es scheint also die Ansicht, daß der Landtag bis in den Hochsommer hinein zum Tagen vermtheilt sein werde, noch Biel zu optimistisch zu sein.

Unter solchen Umständen sollte der Vorschlag, zu­nächst die übrigen wichtigen Vorlagen zu erledigen und bann das Plenum bis zum Herbst zu vertagen, nicht nur für Abgeordnetenhaus und Herrenhaus, sondern auch für die Regierung sehr erwägenswerth fein. Glaubt die Justizkommission, für ihre Be­rathungen noch vier bis fünf Monate uötbig zu haben, so würde ihr in diesem Falle vollauf Zeit gegeben fein, mit werterer Gründlichkeit die Vorlage zu fördern. Das Plenum aber für eineDauersesston* über den Sommer in der Hand zu behalten, erscheint uns ttotz der Diätenzahlung nicht möglich. Ernte, Schul­ferien und Erholungsbedürfniß sprechen dabei doch zu laut mit, als daß nicht auch der regste Pflicht­eifer schließlich erlahmen müßte.

Umschau.

Unser Kaiser, welcher soeben von Berlin nach Straßburg unterwegs ist, hat seit dem Antritt seiner Regierung den Reichslanden sehr häufig einen Besuch abgestattet, namentlich seit er selbst in dem Lande Schloß- und Gutsbesitzer geworden ist, in den letzten Jahren sogar jedes Jahr. Die Straßburger haben sich bereits gewöhnt, den alljährlichen Besuch als einen ständigen Brauch anzusehen, und man sieht dort den Kaiser tu der That sehr gern kommen. Wir haben,* so heißk es in einem Straßburger Briefe,schon früher Gelegenhett gehabt, auszuführen, baß die Person deS Kaisers den Elsässern sehr

den Gruß John Lees mit allzu freundlichem Lächeln erwiderte und ihm mit der Hand ein Zeichen zuzu­winken schien. Mit tiefer Besorgniß blickte Tante Lore deßhalb in die Zukunft und wußte sich keinen anderen Rath, als daß sie ihre Befürchtungen in einem langen Briefe Fredda an vertraute, deren ernste Lebensauffassung ihr von jeher außerordentlich sym­pathisch gewesen war.

Fredda hatte berettS dnrch einen Bries EllaS v»n der Aushebung der Verlobung gehört. ES war der erste Brief, den fie von ihrer Coufiue seit ihrer Ver­lobung mit Frederigo erhalten hatte. Damals hatte in dem Schreiben EllaS lauter Jubel geherrscht, daß fie FrederigoS Braut sei, jetzt jubelte Ella auf über die Befreiung auS diesem Brautstande. Damals hatte Fredda nur mit eine* kurzen Glückwünsche geant­wortet, fie hatte die schwere Enttäuschung ihres Herzens muthig und standhaft ertragen und hoffte aufrichtig, daß die Verlobung rum Glück FrederigoS und Ellas bettragen möge. Sie hatte sich indessen der Besorg- niß nicht verschließen können, daß Ella'S Charakter zu dem gesetzten Wesen Frederigo's kaum paffen werde, und als fie erfuhr, daß Frederigo's Reichthum in nichts zerflossen war, daß er für fein Leben arbeiten müsse, wie jeder gewöhnliche Sterbliche, da vermochte fie die düstere Ahnung eines kommenden Unglücks nicht zu unterdrücken. Jetzt lag der Beweis, daß diese Ahnung richtig gewesen war, in dem Briefe Ella'S vor ihr. Ein tiefeS Mitleid mit Frederigo erfaßte sie, kannte fie doch fein weiches Gemüth, welches von dieser Enttäuschung schwer getroffen sein mußte. Der geheime Groll und die Bitterkett, welche fich »egen des Verhaltens Frederigo's ihr gegenüber in ihr Herz geschlichen, verschwanden nach nud nach vor diesem Mitlech, glaubte fie doch diejenigen Mittel zu kennen, durch welche Ella ihn au sich ge-

sympathisch sei; der Kaiser hat fich hier bei seiner öfter« Anwesenheit eine gewisse Volksihümlichkeit zu erwerben verstanden. Namentlich macht dem schau­lustigen Soldatenvolk der Elsässer daS militärische Gepränge viel Freude, daS mit seinem Besuche stets verbunden ist, da eS in den starken Garnisonen des Elsasses fich gar leicht in glänzender Weise bemerk- stelligen läßt. So bildet denn auch augenblicklich der bevorstehende Besuch den Gegenstand deS allgemeinen Interesses. Zur großen Freude der Elsässer beab- fichtigt der Kaiser, diesmal auch den Vogesen einen mehrtägigen Besuch abzustatte«. Der Elsässer ist stolz auf dies schöne Gebirge, und er hat darin wohl recht. Giebt es doch gar viele Touristen, die behaupten, unter den deutschen Gebirgen gebühre den Vogesen die erste Stelle. Die Elsässer werden dem Kaiser vielen Dank wissen, wenn er durch sein persönliches Beispiel zu zahlreicherm Besuche deS herrlichen Elsasserlandes anregt; denn die deutschen Touristen und VergnügungSreisenden schenken dem Lande nicht die Aufmerksamkeit, die namentlich das theilweise gradezu großartige Vogesengebirge verdient. Elsässische Blätter melden, der Kaiser beabstchtige bei dieser Gelegenheit auch dem Prästdenten des Landes­ausschusses, Staatsrath Dr. v. Schlumberger, einen Besuch abzustatte«. Diese Abficht wäre mit Freuden zu begrüßen, denn ein solcher Besuch würde in altelsäsfischen Kreisen sehr wohlthuend berühren.*

Laut derKöln. Zeitung* beschäftigt sich die Regierung mit der Frage, in welcher Weise das deutsche Konsularwesen mit Verbesserungen! ausgestattet werden könne, vielleicht nach der Richtung | hin, daß die kaufmännische Tüchtigkeit der Konsulate! gestärkt werde. In amttichen und kaufmännischen! Kreisen werden zwei Vorschläge erwvgen; es ist nämlich der Plan aufgetaucht, die Konsulate kaufmännisch da­durch zu stärken, daß man ihnen kaufmännische Attaches beigiebt, während man anderseits betont, man solle anf den Berufskonsul verzichten und an­gesehene Kaufleute ernennen, denen man zur Besorgung der juristischen und Bureaugeschäfte einen juristisch gebildeten Beamten beigiebt.

Bei der gestrigen Eröffnungssitzung der französischen Kammer brachte Präsident Deschanel zahlreiche Anträge und Interpellationen zur Verlesung. Ministerpräsident Dupuy bittet, die Besprechung aller auf die Dreyfus-Angelegenheit bezüglichen Interpellationen bis nach der Fällung des i Spruches des KassationshofeS zu vertagen. Nach einigen Bemerkungen VivianiS, welcher an den Minister­präsidenten die Anfrage richtet, ob er eine Unter­suchung über die Unterschlagung gewisser Aktenstücke angeorbnet habe, und ob er bereit sei, sogleich nach der Entscheidung des KassationshofeS Maßreg-ln gegen

fesselt und seiner ursprünglichen Neigung untteu ge­macht hatte. Mit Ella konnte fie kein Mitleid fühlen, Ella verlangte auch gar nicht danach, ja eS schien Fredda sogar, als ob auS den Zeilen ihres Briefes beretts die Neigung für einen Andern Hervorfähe. Fredda konnte fich deßhalb auch nicht ensschließen, den Brief Ella'S zu beantworten, und »och viel weniger, der Einladung ihrer Coufine, den Sommer bei ihr im Harze zu verleben Folge zu leiste».

Der Brief Tante LoreS erschreckte sie doch in hohem Grade. So leichffertig hatte fie fich Ella'S Wese» ttotz Allem, waS vorgefalle» war, nicht ge­dacht. Tante Lore bat auch nm Fredda's Besuch, da fie von demselben einen guten Einfluß auf Ella erwarte. Ehe jedoch Fredda dieser Einladung Folge leiffetc, wollte fie mit Tante Lore persönlich sprechen. I» diesem Sinne schrieb sie an die Tante, welche denn auch »ach wenigen Tage» der Bitte Fredda'S nachkam und anf einige Tage znm Besuch eintraf.

Zärtlich umarmte die Tante Fredda, welche mit Schrecken den kummervollen Ausdruck in dem Antlitz der alten Dame bemerkte.

Steht es wirklich so schlimm um Ella, Tante?* fragte Fredda, als fie allein an dem Kaffeetisch saßen, während Fredda's Vater und Bruder wieder in das Geschäft gegangen waren.

Ja, mein Kind,* entgegnete die Taute traurig, .wtt haben uns in Ella sehr getäuscht. Ihre ftöhliche Lebenslust, welche nnS früher so viel Freude berettete, ist in Gefahr zum Leichtsinn auSzuarten. Sie ist »och immer daS gutmütige und liebenswürdige Mädchen von ftüher, indessen tritt ihre Genußsucht immer mehr hervor nud das Verlangen nach Glanz und Reichthum unterdrückt bei ihr alle guten Eigen­schaften. Nur weil Frederigo arm geworden, hat fie die Verlobung aufgehoben, und ich fürchte, der Reich­

alle kompromitttrten Persönlichkeiten zu ergreifen welches auch immer der Rang und die Stellung der­selben sein möge, nimmt die Kammer Dupuy'S Vorschlag an. Da» ist eine empfindliche Nieder­lage der Opposition gegen das Ministerium. Wie derSiede* meldet, werden mehrere radikale De« putirte den Anttag stellen, über die Machenschaften des Generalstabes eine parlamentarische Untersuchung einzuleiten. Die Kammer wird wohl solchen Anttag ebenfalls ablehnen.

Der ftanzöfische Botschafter Gamben hinter­legte auf der Bank zu Washington Anweisungen auf 20 Millionen Dollars, welche er in Gemäßheit des FriedenSverttageS für Spanien erhalten hat. Die Einkassierung der Anweisungen dürfte durch eine New Dorker Bank erfolgen. Hinsichtlich der lieber» mittlung der Summen nach Europa erwartet man die Anordnungen der spanische» Regierung. DemNew Jork Herold* wird auS Manila ge­meldet, die Commissare der Aufständischen seien mtt neuen Vorschlägen für Einstellung der Feindseligkeiten nach den amerikanischen Linien zurückgekehrt.

Deutsches Reich.

Berlitz», 2. Mai. Se. Majestät der Kaiser hörte gestern Nachmittag, nach der Rückkehr von den Bataillonsbefichtigunge» auf dem Tempelhofer Felde, von 3 Uhr an im hiesigen Königlichen Schlosse die Vorttäge des Kriegsminitzers, Generalleutnants von Goßler, sowie des Chefs des Militärkabinets, Generals von Hahnke und begab sich um 7 Uhr Abends wieder »ach dem Renen Palais bei Pots­dam. Heutt Morgen um 7 Uhr empfing Se. Majestät daselbst den Staatssettetär des ReichS- marine - Amts, Si aats - Minister, Kontte - Admiral Tirpitz, den Chef des Admiralstabes der Marine, Kontre-Admiral Freiherrn von Senden-Btbran zn Vorträgen und hielt von 9 Uhr Vormittags an auf dem Bornstedter Felde Bataillons-Besichtigungen ab. Heute Abend 6 Uhr empfing der Kaiser den gestern eingetroffenen Oberprästdenten der Provinz Ostpreußen, Grafen Bismarck, zum Vortrag und reiste um 6 Uhr 40 Minuten mit der Kaiserin nach den R e i ch s l a n d e n ab. (Sergi, unter Um­schau. D. R.)

Das Staats-Ministerium trat heute Nachmittag 3 Uhr im Dienstgebäude, Leipziger Platz 11, unter dem Vorfitz des Minister-Prästdenten Fürsten zu Hohenlohe zu einer Sitzung zu­sammen.

AuS Anlaß der Enthüllung des Denkmals für den Staatssekretär deS Reichspostamts v. Stephan fand gestern Abend beim Reichskanzler ein Diner statt, zu welchem der Staatssettetär, bet

thmn eines Anderen, welcher fich in letzter Zeit ihr auf­fallend näherte, hat ihre Augen und ihr Herz ver­blendet.

Sprichst Du von John Lee, Taute?* fragte Fredda erschreckt.

Ja, mein Kind, ich spreche von dem reiche» Engländer, der mir seines spöttischen Wesens wegen im Grund meiner Seele zuwider ist*.

Aber wenn er es ehrlich und auftichtig mit Ella meint?*

Das ist eS ja eben, wovon ich mich nicht über­zeugen kann. Ich habe schon allzu ost in meinem langen Leben gesehen, wie gerade reiche Fremde, welche fich bei uns einige Zett laug aufhielten, junge Mädchen bezogen haben, indem fie fich eine Zett lang mit ihnen amüstrten, nm bann in ihre ferne Heimath zu verschwinden, ohne fich wettet nm bie Verlassene zu bekümmern. Ich fürchte auch Ella wirb eS nicht anders ergehen*.

Ja, Tante*, erwiderte Fredda,waS soll ich denn thun, um Ella vor einem solchen traurigen Schicksal zu bewahren? Wenn Du und der Onkel keinen Einfluß auf Ella habt, so fürchte ich, wttd fie auch auf mich nicht hören*.

Auf Deine Worte gewiß nicht. Da hast Du Recht. Aber ich hoffe, nm so mehr wird Dein ernstes gesetztes Wesen auf Ella von Einfluß sein und deß- halb bitte ich Dich herzlich, komm mit mti, Du er­wirbst Dir nicht nur um Ella, sondern um die ganze Familie ein Verdienst.

Fredda blickte eine Weile schweigend und nach­denklich vor fich hin, bann erwieberte fie:Laß u»S mti dem Papa nnb meinem Bruder sprechen; wenn fie derselben Meinung find wie Dn, liebe Tante, dann will ich Dich gern begleiten und sehen, ob ich ein Unglück von Ella abwehren tarn*. (Fortsetzung f.)