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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Jllustrirtes Sonntagsblatt. e~e-dW " ***

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Ä» 34. Jahrg.

irt «. M., Berlin, München, M» Redin, Hannover, $e* x.

AwT« ’SÄ nchlmn entgegen: He Expedition dieses Blatte«, die »nmmeen-

OuartalS-AbonnementS-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen VM4- U Burenin von Hansemlün & Realer Frankfurt a. M Caiiel Maad»

Postämtern 2,25 Mk. (rxkl. Bestellgeld). JnsertionSaebühr: die ge- . __ NtÄro- Öf!Dto*T S“- mag»»

»dtot Zeile oder deren Pan» 1V Pf», Reklamen:A Zeile 25 Pfg.LMNabMd, 29. ApNl 1899. <8. Dnnfc * do., Knnäft^ch z

B.

^-Bestellungen

für die Monate Mai und Juni auf die

nebst deren Gratisbeilage«

r e i S b l a t t" für die Kreise Marburg ur ?

XXV* rrchhain, „Illustriertes Sonntags

(298t >latt" und „Verlos-ungs liste der 1 lgl. preußischen Klassenlorterie" rJ[R gerben von allen Poftanstalten, Landbrief- . tigern, in der Expedition (Markt 21), sowie Ier' „ Bit unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Lustadt und Wetter entgegengenommen.

>Pfg.

6.75 M

Unheilvolle socialpolitische Ideen.

Wer als Politiker ruhig und sachlich darüber

;--------1- chatsächliche VorwärtSschreiten auf diesem Gebiete

' ., c langsam geht. Es ist dies gar nicht anders Cttttji liglich. Wir haben im deutschen Reiche in dieser

wficht bereits Io Bedeutsames geleistet, and haben

l Sinne der bekannten Botschaft Kaiser Wilhelms

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tegcber sehr bald wirtbschaftlich dermaßen

LNdt-» bracher werden müßten, daß die ArbeitS- und Ver-

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gewöhnlicher Schimpferei und publicistischen Uuan-

U Herrn von Gerlach schaaren, sind auf dem social- Wschen Gebiete heute die reinsten National- maldemokraten geworden, ihre Ideen nimmt keiner i Eingangs erwähnten politischen Denker mehr ift. Sie vertrete» immer einsestiger und immer

^-Gelegenheit der Arbeiter überhaupt bald in td e n k l i ch st e m Maße gefährdet werden würde.

schaffen, daß es uns die aufrichttge Bewunderung ü den Nachahmungstrieb des Auslandes einge- »cht. Letzteres hat es uns aber bisher nur wenig

stcialpolitik im Reiche, wie im Staate heilsam sein ms, der wird sich nicht wunder» dürfen, daß heute

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i nchzudenkeu pflegt, was im weüeren Ausbau unserer

un^ Liebknecht nur den Arbeit . 1 chmer, den fie gegen den Arbeitgeber aufhetzen und ——*— rder. dabei vollständig die Erkenntniß dafür verloren, i, wenn es nach ihren Ideen weiter ginge, die

«tsche Wählerschaft denn doch viel zu intelligent, je da hinein zu wählen. Das werden Herr

> solcher Fürsorge gleichzuthuu vermocht. Politiker «eiselhaster Art, wie solche z. B. sich speciell im rttuual-socialen Verein" um de» Pfarrer Naumann

, ck Kroßen vom November 1881 in der Fürsorge (286i u HK wirthschaftlich Schwächeren so Mustergiltiges

:et Naumann und Herr von Gerlach auch damit i« e» iht änderu können, daß fie national sociale Organe

chnrg. zum Glück find Liese national - socialdemokrari- ’ w Talmi Politiker nicht iu einem einzigen Exemplar der Volksvertretung zu finde», u»d wir halte» die

% Ivo2 Flesten greifen lassen.

Aber nicht blos die National-Socialdemokratcn des Herr» von Gerlach, des Redakteurs der demokrati­sche» .Welt am Montag" und der .Hilfe", treiben verfehlteste Socialpolitik, sondern auch Leute, die schon ernster genommen zu werde» pflegen. Am Mittwoch hat fich unser Reichstag wieder einmal mit dem Thema Arbeiterkammern und Reichs-Arbeits­amt beschäftigt, und zwar auf Grund zweier aus dem Eentrnm und von linker Seite gestellter Anträge. Wie oft hat nun schon der Reichstag fich mit der unheilvollen socialpolitischen Idee beschäftigen ulüssev, „die Arbeiter müßten durch besondere Kammer» vertreten sein und das Reich müsse sich dazu ver- stehen, ein die Arbeiter- und Arbeitsverhältniffe be­sonders vertretendes Amt zu errichten 1" Die Land wirthschaft, so motiviren diese Socialpolitiker ihre Anträge, hat ihre entsprichenden Organe in den Landwirthschaftskammer», der Handel in den Handels­kammern, das Handwerk in den Innungen und demnächst in den Handwerkskammern, kurz, es wäre nur eine gleiche Behandlung, die den Arbeitern zu Theil würde, wenn fie eigene Vertretungskörper- schasten erhielte».

Und doch dürfen die Handarbeiter fich über die Ungleichartigkeit der Behandlung uicht beklage», denn sie find s e l b st S ch u l d an der Verweigerung der Arbeilerkammern. Ein Staatswesen, welches die Organisasio» dieser Arbeiterkammern zuließe, würde gegen fich selbst wüthen, denn mit denselben würde der größte Feind von Staat und Gesellschaft, die Socialdemokratie, eine Agitationswaffe in die Hand bekommen, wie er fie so gut bisher »och nicht besessen hat. Man braucht nicht in die einschlägigen Ver- hältniffe genau eingeweiht zu fein, um zu wissen, daß nur sehr wenige Arbeiterkammern nicht unter socialdemokratischem Einfluß stehen würden. Gewiß giebt es glücklicherweise noch weite Arbeiterkreise, welche sich den umstürzlerischen Irrlehren fernhalten und es sind dies nicht bloß die in den evangelischen und katholischen Arbeitervereinen vereinigten Arbeiter; aber fie würden bei der ewigen Wüblerei und be. der sitzt schon strammen Aahlorganisation der Social­demokratie diesen in der Stellung der Mitglieder zu den Kammern fast stets unterliegen. Darüber braucht man sich keiner Täuschung hinzugeben. Zudem wäre jede Wahl zu den Arbeiterkammern Wasser auf die Mühle der Socialdemokratie, fie würde ihr Gelegen­heit geben, ihre ganzen Verhetzungskünste erst im rechten Lichte erscheinen zu laffen und einen Terroris mus auszuüben, gegen ben der bisher bei Sinkes vorgekommene ein Kinderspiel wäre. Nein, es wäre Wahnsinn vom Staatswesen, wollte es die Arbeiter­kammern zulassen. Die Arbeiter selbst haben sich durch das Großziehe» der Socialdemokratie den An­spruch auf solche eigene Vertretung einfach verscherzt.

Könne» auf diese Weise feine Arbeiterkammer» entstehe«, nun, so bleibt natürlich auch das Reichs- Arbeitsamt aus. Charakteristisch ist, daß das demo­kratische Centrums-Mitglied Herr Dr. Lieber und feine Antrsgsgenossen geflissentlich nicht von Arbeiter-, sonder» Arbettskammera spräche». Wir wiffen nicht, inwiewest Herr Dr. Lieber die Bereitung seines Ge-

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(Nachdruck »erbeten.)

Glück auf!

Roman aus dem Harze von O. Elster.

(Fortfetzuag.)

höre nicht auf Deine dumme Ella. Ich fteue

sie wollte ihn umarmen, doch sie sanft abwehrend ete Frederig» im ernsten Ton:

-Wenn das kreuz iu der That eine übele Vor- 8 haben sollte, so wird unsere Liebe den böse» breche». Komm', sieh mir einmal tief iu die und sage mir, daß Detue Liebe zu mir »och - ist, wie damals, als wir uns kennen lernten." Wie magst Du nur so sprechen?" erwiderte schmollend.

31 diesem Augenblick traten der Major und Lore in das Zimmer und begrüßten Frederig«. alhmete auf, e» war ihr fast unheimlich bei den Worten ihres Bräutigams geworden. Mit ilvürdigeu Lächeln zeigte fie dem Vater uud

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. Lore das Geschenk Frederig»,. Tante Lore Achtete da, Kreuz mit Entzücken. „Aber", so fie, „ein Kreuz bedeutet Thränen. Doch laßt £ durch diesen dummen Aberglauben die Freude r verderben. DaS Kreuz ist sehr schön. Du uh»* t Z1 Himmel, zu «einer Zeit machte «au fich »,ch

* s»Iche Geschenke. Ein gestickter Tabackskasten, W« Hausschuhe, oder ei» kleiner Medaillon

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% «7)i ' sehr über das Kreuz, ich danke Dir vo» ganzem

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ober ein einfaches Ringlein — aber jetzt ist Aller anders geworden, ein Brautgeschenk kann nicht kostbar genug sein".

„Wie Tu nur Aller da» wissen willst, Tante Lore?" rief lachend Ella, „Du warst ja niemals ver­lobt und verheirathet".

, »Verheirathet uicht, aber verlobt," entgegnete leise Tante Lore, indem es in ihre» blauen Augen feucht schimmerte. Mein Verlobter starb, fieh, das ist das einzige Andenken, was ich von ihm habe — dieser schmale Goldreif —"

,Na, na, Tante Lore", meinte gutmüthig der Major, tttn nicht traurig heut am ersten Weihnachts­feiertage.'

Die gute Laune und ftöhliche Stimmung der früheren Zeit schien zurückgekehrt. Der Major erzählte Späße aus seinem Soldateuleben, Ella war zärtlich und liebenswürdig, Taute Lore war von inniger Herzlichkeit, sodaß Frederigo alle seine trüben Gedanken vergaß. Nach dem Mittagessen wurde muficiert, Ella spielte einige neue Stücke in wahrhaft brillanter Weife und sang eit hinreißendem Ausdruck das Winterlieb, welches Freberigo einst so gern gehört hatte. Plötz­lich aber sprang fie empor und rief: »Mein Gott, fast hätte ich vergessen, daß el Zeit zum Anziehen ist. DaS Fest beginnt um sechs Uhr und ich muß mindestens nm 5 Uhr dort fein. Auf Wiedersehen, lieber Schatz! Wie schade, daß Du iu dem Festspiel uicht «itwirken kauuft, Du wärest ei» viel schönerer Prinz als der lange John Lee."

sundheitSthees und fein sonstiges Wirken als Arbeit taxirt; das ist auch seine Sache. Die außerhalb der Handarbeit stehenden Volkskreise müssen es fich aber doch verbitte», daß ihre Thätigkeit dadurch herab­gesetzt wird, daß nur die Handarbeit als »Arbeit" gerechnet wird. Hierzu haben wir uns vorgestern eingehend ausgesprochen und wir hoffen, das genügt, um das Unberechttgte der Lieber'schen, dem „Vor­wärts" abgelauschte» AuSdrucksweise nachzuweisen!

Umschau.

schloß die Commission, dem Reichstage den Uebergang zur Tagesordnung zu empfehlen.

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lieber Arbeitslosigkeit, Arbeits - Vermittlung und Arbeitsscheu wird dem »Hannov. Cour." geschrieben: »Unter der Spitzmarke „Elendsstattstik" berichtet der „Vorwärts", daß daS Berliner Asyl für Obdachlose im Monat März von 4269 Personen benutzt worden ist. Rechnet man hiervon 227 Personen ab, welche den Krankenhäuser» überwiesen wurden, so bleiben noch 4042 obdachlose Personen übrig. Da mit Sicherheit anzunehmen ist.

Ein Telegramm deS „Reuter'schen BüreauS" aus Washington besagt: »Als Beweis, daß die Vereinigte» Staate» gewillt sind, freund­schaftliche Beziehungen zu Deutschland aufrecht zu erhalten, wird hier die Thatsache angesehen, daß Präsident McKinley den Plan für die Legung eines «tuen Kabels zwischen Deutschland und Amerika ge­nehmigt hat." Wichtiger ist noch folgendes Tele­gramm des Wolff'schen Telegraphenbüreaus aus Washington vom 27. April:

Präsident McKinley empfing gestern den deutschen Botschafter. Der Prästdent sprach Herrn v. Hollebcu seine Mißbilligung über daS Benehmen deSCapitäns Coghlau aus und ersuchte den Botschafter, dem deutjcheu Kaiser uud der kaiserlichen Regierung die! Versicherung seiner freundschaftlichen Sefinnung zu übermitteln.

Zur auswärtigen Polüik liegt »och folgende Londoner Nachricht vor: Am 26. d. M. hielt der Erste Lord der Admiralität Goschen auf dem Mittagsmahl der „Institution of mechanical Engineers“ zu London, welches alljährlich stattfindet, eine Rede, in welcher er erklärte, daß in diesem Augenblick vom politischen Horizont alle drohenden Wetterwolken geschwunden seien. »Was Rußland bettifft", führte der Redner aus, „so denke ich, daß wir mit diese» zu einem fteundschaftlichen Vergleich gelangt sind; mit Deutschland haben wir ein freundschaftliches Abkommen abgeschlossen, und mit Frankreich konnten wir, ohne hier noch dort die nationalen Gefühle zu verletzen, über eine höchst delikate und schwierige Frage eine würdige Ver­ständigung erreichen."

Heber den Gebrauch der Schußwaffen durch Militärposte» verhandelte am Mittwoch die P e t i t i o n s k o m m i s s i o n des Reichstags: auS Anlaß einer Petition, betreffend Abänderung der Bestimmungen über ben Waffengebrauch ber Militär- Posten. Von der Militärverwaltung wurde eine Erklärung abgegeben, 1. die Fälle hätten abgenommen, 2. fei für die Posten eine neue Instruktion ausgearbeitet, 3. seien die Fälle, in denen von der Schußwaffe Gebrauch zu machen ist, eingeschränkt, 4. sei die Zahl der Posten, welche scharfe Patronen erhalten, veringert worden und 5. solle» die Militärgefangeueu möglichst in ge­schlossenen Wagen transportitt »erden. Hierauf be-

daß diese Obdachlosen zugleich arbeitslos waren, erscheint die Zahl 4042 gerade im Monat März auffallend hoch. Denn nach der Statistik, die 58 Verwaltungen deutscher Arbeitsnachweise in der Berliner Zeitschrift „Der Arbeitsmarkt" veröffenllicht haben, zeigte der deutsche Arbeitsmarkt gerade im März eine so günstige Lage, wie fie bisher noch niemals beobachtet worden ist. Es kamen nämlich auf 100 offene Stellen im März nur 89,3 Arbeits­suchende, d. h. es war directer Arbettermangel vorhanden. Wen» dieses Verhältniß auch nur durch die weiblichen Abtheilungen herbeigeführt ist, so zeigten doch die männlichen Abtheilungen das Ver­hältniß von 100,5 Arbeitssuchenden auf 100 aus­gebotene Stellen. Die äußerst angespannte Berg- unb Hüttenindustrie, die lebhafte Bauthätigkett, die zahlreiche» Stteiks im Bekleidungsgewerbe, der Be­darf der Landwirthschast habe» jenes Ergebntß ge- zeittgt. Es ist daher einleuchtend, baß ein für ben gejammten beutschen Arbeitsmarkt orgauifirter Arbeits­nachweis ben Berliner Arbeitslosen mit Leichtigkeit hätte Arbeit schaffe» könne», vorausgesetzt, baß jene Arbeitslose» sämmtlich Lust gehabt hätten, Arbeit anzunehme». Sehr wahrscheinlich aber befinden fich unter ben 4042 Personen, bie im Monat März bas Berliner Asyl für Obbachlose benutzt haben, eine sehr große Anzahl Arbeitsscheuer, welche bas Betteln ge­werbsmäßig betteiben. lieber bie reichlichen Gaben, bfe das Publikum immer noch den gewerbsmäßigen Bettlern svendet, ist erst jüngst wieder von maß­gebender Seite, nämlich auf ber Jahrer Versammlung bes CentralvorstanbeS beutscher Arbeiterkoloniee», Klage geführt worben. Der Vorfitzende bes Centtal- vorstandes, Herr von Massow, schätzte bie tägliche Einnahme eines gewerbsmäßigen Bettlers auf 2 Mk. im Durchschnitt. Sind von ben 4042 Benützern deS Berliner Asyls für Obbachlose auch nur 90 der Polizei vsrgeführt wo: den, so dürfte diese Zahl »IS Maßstab für die Beurtheilung der Arbeitswilligkett der Gesammtheit der Benützer deS Asyls doch nicht angewandt werden. Der „Vorwärts" verwerthet natürlich jene Zahl ohne Weiteres agitatorisch, indem er ber betreffenden Notiz bie Spitzmarke „Elends­stattstik" voraostellt. Verglichen aber mit der er­wähnte» Statistik der 58 Arbeitsnachweisanstatten, gewinnt fie ein anderer Ansehen. Solche Er­fahrungen werden hoffentlich ber Sache bes Arbeits­nachweises und der Arbeiter - Koloniee» zu Gute kommen".

Sie eilte lachend davon. Frederigos Herz krampfte fich schmerzhaft zusammen, als er hier wiederum den Namen des Engländers hörte, der, wie er wohl wußte, früher fein Nebenbuhler in ber Bewerbung nm die Gunst Ella's gewesen war.

Die Zeit, während er auf Ella wartete, erschien ihm endlos, die trübe Stimmung wollte sich seiner Seele anf's neue bemächtigen, und erst als Ella ftisch und fröhlich wie ein junge« Reh wieder in das Zimmer hüpfte, verschwand der Trübsinn und er mußte ein gestehen, daß Ella in dem neuen Kleide allerliebst aussah. »Wie schön Du bist, Ella!" rief er an8 und wollte fie in die Arme schließe».

Doch fie entschlüpfte ihm schelmisch lachend und sprach:

„Nicht doch, Du böser Schatz. D» zerdrückst mir das Kleid. Wir haben auch keine» Augenblick mehr Zeit. Bitte gieb mir dort den Pelzmantel her."

Er legte ihr den Mantel nm bie runden Schultern, Dabei fiel ihm auf, daß fie das Kreuz, welches er hr geschenkt, nicht trug.

„Und mein Kreuz?" fragte er.

_ Sie hüllte fich fest in den Mantel und das leichte Spitzentuch vor dem Spiegel über die dunklen Locken egend entgegnete fie leichthin: „68 paßte nicht zu meinem Anzug. ES gab mir ein gar zu frommes Aussehen."

Frederigo erwiderte nichts. Stumm schritt er an ihrer Seite dem Clnblocal zu.

Die Vorstellung verlief glänzend. Alla feierte

als Schneewittchen Triumphe über Triumphe, und als sie nach beendeter Vorstellung in den Saal trat, in dem einfachen weißen Gewände der Märcheuprinzefstn, um die zarte Taille einen schmalen Goldgürtel, in ben von Gold staub flimmernden Locken das blitzende goldene Krönchen, umringte mau fie jubelnd und be­glückwünschte fie von allen Seiten.

Frederigo saß fttfl in einem Winkel. Es wider­strebte ihm, fich unter diese lachende und schwatzende Menge zu mischen und mit John Lee und ben anderen jungen Herren in Schmeicheleien zu wetteifern. War er ein Anderer geworden oder hatte fich Ella ge­ändert? Er wußte eS nicht, aber das wußte er, daß er fich in der Einsamkeit der letzten Monate ei» ganz anderes Bild vo» der Geliebten gemacht hatte. Er glaubte ein lebenSftoheS, ober sanftes und hingehendes Mädchen zu lieben; was er in­dessen hier sah, war ei» überlustiges, vergnügungs­süchtiges, nach eitlen Triumphen und Schmeiche­leien verlangendes Dämchen, welches mti seinem Ideal ganz und gor nicht übereivstimmte und ficher- lich nicht in die Einsamkeit seiner arbettSvolleo Lebens hineinpaßte.

Jetzt Hub die Musik an und Ella schwebte an der Hand John Lee's durch den Saal, ihrem Bräutigam glückstrahlend zunickend. Der lauge Engländer sah als Märchenprinz nun allerdings grotesk genug aus, aber sei» reicher, glänzender An­zug ersetzte in mancher Beziehung, vaS ihm au Schönheit mangelte. (Forschung folgt.)