Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für -re Kreise Marburg und Kirchham.
ertw*»tdei: S°h «ug. Koch, UnivorfitätS-Buchdruckerei in Marburg. »rrantworttich für di« ftebafttat: SUbatteur M. Hartman« in Marburg,
«vxdttion: Mar« 21. - Ltltphon 56. VVWWWgWWH* Redaktion: Mar« 21. - Ttlephon 56.
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Warburg
Mittwoch, 12. April 1899.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blatte«, die Anrumcen- Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Caffel, Magdo- hug, Wien: Rudolf Moffe, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; C. L. Dau« & do., Frankfurt a. M, Berkin, Hannover, Pari« k.
34. Jahrg.
Erstes Blatt.
Eine Versammlung deutscher Berg- und Hüttenarbeiter.
Einige führende Elemente der deutschen Berg arbeiterbitaegung hatten zu Ostern vorigen Jahres ihre Anhänger nach Dortmund zu einer „Generalversammlung" einbernfe», der fie die Bezeichnung „Erster Kongreß deutscher Berg- und Hüttenarbeiter" beilegten. Hauptzweck jener Versammlung war, wie in derselben offen erklärt wurde, die Neubelebung deS alten socialdemokratische» Verbandes der Bergarbeiter. Jener „Kongreß" hat in diesen Tagen in Halle eine neue Auflage erlebt. Die auf demselben anwesenden 73 Delegirten haben nur einen sehr geringen Biuch- theil der deutschen Bergarbeiter hinter sich. Schon MS diesem Gründe fehlt de» Theilnehmern an der Lersammlung in Halle jede Legitimation, Namens der Gejammtgeit der in deutschen Gruben und Hütten beschäftigten Arbeiter das Wort zu führen, B-schwerden zu erheben und gesetzgeberische Forderung-« aufzustellen.
Der Verlauf der Verhandlungen in Halle läßt aber auch erkennen, daß dem „Kongreß* weniger daran gelegen war, den sachlichen Jntereffen der Bergarbeiter in leidenschaftsloser Wrise zu dienen, als die von den Congreßleitern betriebene Agitation im Zuge zu erhalten. Indem die Versammlung einstimmig eine Resolmion gulhieß, in welcher die gegenwärtig gÄbte staatliche Grubenkontrole ein „Zerrbild" von Arbeiterschutz genannt und als völlig unwirksam chrrakteristrt wurde, hat fie die agitatorische Tendenz der Veranstaltung deutlich erkennen lassen. Denn es ist allbekannt, daß in keinem anderen Betriebe die Aufficht so streng und durchgreifend ist wie gerade im Bergbau, und daß die staatlichen Organe auf die »eitere Ausgestaltung der Maßnahmen zur Sicherung der Arbeiter unablässig bedacht find. I» dieser Beziehung braucht nur erinnert zu werden an den Plan, die Grubenkontrole durch Einführung eines lokalen unteren AuffichtsapparatS zu verstärken, sowie an die von der Staatsregterung tinberufene Sachverständigen - Commission, deren Aufgabe es sein soll, die hauptsächlichsten Ursachen der durch Stein- und Kohlenfall herbeigeführten Unfälle zu ergründen und Mittel und Wege ausfindig zu machen, um denselben nach Möglichkeit vorzubeugen. Ueber solche That- sachen gehen die socialdemokratischen Bergarbeiter stillschweigend hinweg, um mit desto größerem Eifer für die Einführung von freigewählten Grubenauffichts- beamten aus der Zahl der Bergleute einzuireten. In welcher Weise aber auch die in Aussicht genommene Erweiterung der Grubenkontrole schließlich ihre Verwirklichung finden sollte, dem von den gewerbsmäßigen Agitatoren geschürten politischen Klaffenkampf wird die Reform sicherlich keine neue Unterlage bieten. Die „Kongreßbeschlüffe", nach denen für die Berg-
Bilder-Motive aus Hessens Geschichte.
-a. Marburg, 9. April.
Es wurde neulich in Ihrer Zeitung gesagt, die kommisfion der Marburger Universität, welche miss Anlaß der Anfertigung der großen Bilder für die Marburger Aula eingesetzt ist, möge dem Herrn Maler Janssen geeignete Motiv: für diese Bilder Vorschlägen. Ganz unmaßgeblich und ohne irgendwie den verehrte» und gelehrte» Herren Professoren vorgreifen z» wollen, erlaube ich mir als Hesse auf einige Gesichtspunkte aufmerksam zu machen. Ich weiß recht wohl, daß wir nicht mit alle» unseren hessischen Landesherren i» der Geschichte Staat machen könne», ich bin mir aber auch mit Stele» bewußt, daß unsere hessischen Boifahreu und einzelne ihrer Regenten zweifellos auch Tüchtige» geleistet haben. Und daran darf und muß jederzeit und am rechten Orte erinnert werden. Die Wände der Aula der hesfische» Universität find aber gewiß geeignete Plätze dafür, gute Bilder aus der hessischen Geschichte auf- runehme» und solche der Nachwell zum Gedächtniß zu erhalten.
1. Der erste Wahlköutg der oststänkischen, deutschen Reiches Konrad I., 911—918, war ein Hesse; er hatte in Fritzlar seinen gewöhnlichen Sitz, er ist in Fulda begraben; er war ein tüchtiger Herrscher. Als er fühlte, daß sei» Ende nahte, war er mit Erfolg bemüht, daß nicht sei» Bruder, sondern fein hastiger Gegner, der Sachsen Herzog Heinrich I.
und Hüttenarbeiter die Arbeitszeit durch Gesetz auf höchstens acht Stunden festgestellt und ein täglicher Duichschnittslohu von 5 Mk. gewährt werden soll, (»tstammen gleichfalls dem Br streben, die Begehrlichkeit wachzurufen und die Unzufriedenheit zu schüien, damit den Führern bet Bergarbeiterbewegnng die folgsamen Truppen nicht verloren gehen. AuS den fortlaufenden amtlichen Veröffentlichungen über die den Bergarbeitern gezahlten Löhne ergebt sich für die Mehrzahl der deutschen Bergbaureviere eine fortschreitende beträchtliche Steigerung des Arbeitsverdienstes. Der Kongreß war aber der Meinung, daß die Löhne im Verhältuiß zu dem Zinserträge der in den Gruben und Hütten festgelegten Kapitalien erhöht werden müßten. Daß es von diesem Gesichtspunkte aus nur der Billigkeit entspräche, weun die Arbeitslöhne bei eintretenden Rückschlägen in den Beiriebs- ergcbniffen auch entsprechend gekürzt würden, hat der Kongreß freilich nicht anerkannt. Wird aber die hier angedlübte Folgewirkung nicht zugelassen, so entfällt auch jeder Schein einer Berechtigung für die geforderte Lohnfeststellung.
Dem Kongreß in Halle wird von einigen bürgerlichen Blättern nachgerühmt, daß er in seinen Forderungen durchaus maßvolle Grenzen innegehalten habe. Dieses Lob ist unverdient. Der Kongreß verfolgte mit aller Entschiedenheit den Zweck, den Klaffenkampf auch auf dem Gebiete der Montanindustrie nach Möglichkeit zu verschärfen. Ob die Form der Debatten mehr ober weniger scharf war, ob die erhobenen Forderungen mehr oder weniger weit gingen, ist an sich unerheblich, da der prinzipielle Boden, auf den sich die Forbernden stellten, mit der bestehenden Gesellschaftsordnung nicht vereinbar ist. Die ge- flffftnliche Diskreditirung der umfassenden social politischen Fürsorge deS Staates und das Verlangen iwch Gewährleistung einer Durchschnittshöhe des Arbeitslohnes reichen vollständig ans, nm die Leistungen des Kongresses als das zu kennzeichnen, was fie sind, nämlich als ben Versuch eines social demokratisch gerichteten Bruchtheils der Berg- und Hüttenarbeiter, die gesammte Arbeiterschaft dieses Erwerbszweiges dem socialdemokratischen Heerbanre anzugliedern. Und diesem Versuche muß sowohl seitens der staatlichen Organe, wie aller betheiligten gewerblichen Kreise mit Nachdruck begegnet werden.
Umschau.
Bei Eröffnung des Landtages in Gotha verlas Staatsminister v. Strenge ein an ihn vom Herzog von Counaught gerichtetes Schreiben, wilches lautet:
„Nach dem allzu ftühen Heimgang Sr. Königlichen Hoheft des Erbprinzen von Coburg und Gotha und zufolge des bedingten Verzichtes Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von Wales für sich und seine Nachkommen auf das Erbfolgerecht in den Herzogthümern Coburg und Gotha bin ich nach dem Hausgesetz der
(919—936) in Fritzlar von den Franken und Sachse» gewählt wurde.
Könnte nicht aus diesem Vorgänge ein prächtiges Motiv für einen Maler entnommen werden? Aus dem Hessenlande ist also ein tüchtiger deutscher Kaiser hervorgegange», und wäre der Landgraf Ludwig I. nicht — wie schon sein Beiname ergiebt — allzu „friedfertig" gewesen, hätte er gewiß die Kaiserkrone nicht ausgeschlagen, die ihm nach dem Tode Albrechts II 1439 angeboten wurde.
2. Dieser Ludwig war einer der bedeutendsten Regenten des Heffenlandes; er bekämpfte die Raubritter, ebenso die Geistlichkeit, brachte mit den Grafschaften Ziegenhain und Nidda 1450 Hessen zu einem Ganze» und erhielt vom Papst Nikolaus V. die geweihte goldene Rose. Auch aus seinem Lebe» ließe sich ein wirksames Bild herstellen.
3. Aus dem 16. Jahrhundert tritt uns Philipp der Großmüthige, Regent von 1509—1567, entgegen. Seine Regierung gehört der hesfische», der deutschen, ja der Weltgeschichte an, denn er war einer der Hauptförderer der Reformation. Wir wiffen, daß er nicht frei von menschlichen Schwächen war und daß er den große» politische» Fehler gemacht hat, durch fein Testament sein Land in vier Theile zu zerreißen. Trotz alledem überwiegen feine großen Vorzüge derart, daß er i» einem Cyclus von hesfi- scheu Geschichtsbilder» unbedingt nicht fehle» darf. Luther bezeichnete als größte That des Landgrafen die Entreißung des Herzogthums Württemberg aus ben Hände» der Habsburger und die uneigennützige Wiedereinsetzung deS Herzogs Ulrich von Württemberg
nächste zur Thronfolge bestimmte Agnat des Herzogshauses. Als solcher bin ich und mein Haus bereit, unsere Pflichten gegen die unS angestammten Herzog- ihümer Coburg und Gotha zu eifüöen. Ich ermächtige Sie, von meiner vor stehenden Erklärung den geeigneten Gebrauch zu machen.
In der gestern schon in Bezug auf die DrehfuS Affaire erwähnten Rede, welche am 9. April vor seine» Wählern in Puy der französische Ministerpräsident Dupuy bei einem ihm zu Ehren veranstalteten Banket hielt, verbreit«te sich Herr Dupuy, was hier noch berichtet fei, auch über die allgemeine politische Lage Frankreichs, welche er als zufriedenstellend bezeichnete. _®a8 Kabiuet wolle sich ausschließlich auf eine rein republikanische Majorität stützen und begünstige ohne Hintergedanken die Vereinigung der Republikaner. Die Republik fürchte nichts von den faktiösen Ansprüchen einzelner Persönlichkeiten, die von einem Plebiszit zu Gunsten bet phantastischen Wiederherstellung früherer Regierung?formen träumen. Die unter Ausschluß jedes fremden Einflusses erfolgte Wahl eines zuverlässigen Republikaners zum Präst- dknten der Republik bezeuge vor Europa die Dauerhaftigkeit und Lebensfähigkeit der Republik. Sodann legte der Redner dar, daß auch die w irt h s ch a ft - l i ch e Lage gut sei. Er beglückwünsche sich zu dem französisch-italienischen Uebereinkommen, das normale Beziehungen zwischen zwei Nationen wiederhergestellt habe, welche dazu geschaffen seien, sich gegenfeitig zu verstehen. Dupuy erinnerte sodann an das jüngste Niger-Abkommen, das Frankreich im Nordwester, Afrikas ein wirkliches Kolonialreich sichere. Der Faschoda-Zwischenfall fei beigelegt zum Besten der Interessen Frankreichs. Redner erwähnt die für die Sicherheit der Küsten und Kolonieen getroffenen Maßnahmen und fügt hinzu, Frankreich könne Vertrauen haben, die Unruhe sei nur auf der Oberfläche, unter der bewegten Oberfläche herrsche Ruhe und Sicherheit. — Am 19. April Vormittags empfing bann in Le Puy Herr Dupuy in der Präfektur die Beamten und Vertreter der Behörden. General Jacquemin erklärte, daß das Heer den Worten deS Ministeiprästdevten und des KriegsministerS Vertrauen schenke und schweigend die Lösung der Frage erwarte, welche die öffentliche Meinung beunruhige. Diese Lösung werde von allen pattiorisch Gesinnten freudig begrüßt Dupuy erwidei te, seine Auslassungen bezüglich des Heeres seien ihm von seinem Herze» und von seiner Vernunft eingegeben worden. In seiner Antwort auf die Ansprache deS P Sfidenten des GeneralrathS sagte Dupuy, er sei stets bemüht g-wesen, die allgemeine Politik in Bahnen zu lenken, die von revolutionären und cäsarischen Bestrebungen gleich weit entfernt seien.
In der Samoa - Frage behaupten, wie nicht anders zu erwart n war, die Beamten des Washingtoner Staatsdepartlmeuts, die Krönung Ma
in fein Land, daher bei Beiname Magnanimus, der „Hochherzige", bester alS: der „Großmüthige". Der Maler dürste sich nicht etwa verleiten lassen, ans dem erfolgreichen Verfolgungstteffe» bei Laufen am Neckar 1534 ein großes Schlachtenbild machen zu wollen Könnte nicht die erste evangelische, durch Philipp berufene Synode in bei schönen, gothischen Kirche zu Homberg 1526 zum Gegenstände eines großen Bildes gemacht werden? Oder da» von Philipp veranlaßte Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingli auf dem Schlosse zu Marburg 1529? Oder die Gründung deS schrnal- kaldischeu Bundes zu Schmalkalden 1531 ?
4. Landgraf Moritz, 1592—1627, gestorben 1632 zu Eschwege, verdient seine» Beinamen „der Gelehrte" mit vollst,m Rechte; er stand unge- geachtet seiner nicht weg zu leugnenden Fehler in der damaligen Welt in hohem Ansehen. Eine persische Gesaudtschaft kam an seinen Hof und diese begrüßte er in persischer Sprache. Wie wäre eS, wen» diese Scene auf einem Bilde fixirt würde?
5. Wilhelm V, der Beständige, 1627—1637, schloß 1631 ein Schutz- und Trutzbündniß mit Gustav Adolf von Schweden, war also wie sein Sohn.
6. Wilhelm VI., 1637—1663, welcher zu R« fang feiner Herrschaft unter der Vormundschaft seiner hervorragend bedeutenden Mutter Amalie Elisabeth stand, eine wesentliche Stütze der protestantischen Partei. Es wäre gewiß verdienstlich, das erfolgreiche Wirken eines dieser Männer i»„ einem Bilde barzustellen.
lietoa Tanus eutpr eche vollkommen dem Berliner Vertrage, der bestimmt erkläre, daß die Entscheidung des O^rrichters ausschlaggebend sein solle. Osborne und Kautz seien also vollkommen berechtigt gewesen, im Verein mit Moxse und den englischen Kriegsschiffen die^Einsetzung TanuS vor- znnehrnen. — Diese Beweisführung hat zunächst, wie die „Köln. Ztg." hervorhebt, den Fundamentalfehler, daß sie die Entscheidung der Oberrichters als bindend austeht. Nach der Samoa-Acte hat allerdings der Oberrichter bei einem Streite über die rechtmäßige Wahl eines Königs die Befugniß, die Entscheidung zu treffen, und die Vertragsmächte solle» sie annehmen und sich daran halten (and the Signätory Governments will accept and abide by such decision.) Aber die Entscheidung ist zugleich an die Bedingung geknüpft, daß sie erfolgt „entsprechend ... ben Gesetze» und Bräuche» von Samoa und nicht im Widerstreit mit ihnen" (conformably . .. to the laws and customs of Samoa, not in conflict therewith), und diese Bedingung hat der Oberrichter Chambers nicht nur nicht beachtet, sonder» dos grade Gcgentheil von ihr gethan. Es kann also keine Rebe davon sein, daß die Vertragsmächte eine solche Eutscheidung unbesehen anerkennen müssen, noch viel weniger, daß bi-fettige von ihnen, die sie als bas Gegenihell einer unparteiliche» gesetzmäßigen Entscheibung betrachtet, die Hand zu ihrer Durchführung bieten muß. Streng genommen war aber der Samoavertrag längst durchbrochen durch ben ein» müthlgeu Beschluß ber Konsuln, eine provisorische Regierung einzusetzen. Eine solche Regierung ist überhaupt nicht vertiagsmäßig, dürfte also nicht nach dem Buchstaben, sondern nur nach dem Geiste des VerteageS behandelt werden. Und der Geist, der aus allen seinen Bestimmungen spricht, ist ber, daß daS Vorgehen der Vertragsmächte nach dem Princ'p ber Einstimmigkeit zn erfolgen hat. So ist also die Handlungsweise ber beiden Konsuln Osborne und Maxse sowie ihrer militärischen Handlanger dem Buchstaben und dem Geiste des Vertrages zuwider.
In F in land will man festg-stellt haben, daß zahlreiche Agenten das Land durchstreifen, um unter ber bäuerlichen Bevölkerung Stimmung für ben engem Anschluß an Rußlanb und für eine Gegenkundgebung gegen ben Landtag und den Senat zu mache». Diese Leute sollen als Hanfirer verkleidet sein. Inzwischen ist die Begeisterung für die autonome Richtung noch im Wachsen. Es find Schritte ein» geleitet, um neue Gesuche an den Zaren unter strenger Beachtung der vorgeschriebenen Formen zu richten. Das Verbot der „Nya Pressen" auf zwei und der „Aftonposten" auf einen Monat erregte starke Mißstimmung und Kundgebungen vor deren Redactionen.
Deutsches Reich.
Berlin, lO.Aprll. Se. Majestät der Kaiser hörte gestern Mittag de» Vortrag des Staats-
7. Landgraf Carl, 1670—1790, hat das unbestreitbare Verdienst, nach Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 «18 einer ber ersten Fürsten in Deutschland die flüchtigen Hugenotten, sowie die in Savoyen ihres Glaubens wegen verfolgten Waldenser im Hessenlande freundlich und unterstützend ausgenommen zu habe». Auf solchem Hintergründe ließe sich doch gewiß ein wirkungsvolles Bild schaffen.
8. Hessische Truppen nahmen i» der siegreiche» Schlacht gegen die Franzosen bei Hochstädt (1704) revanche pour Speierbach (1703). Durch hesfische Dragoner wurde der ftanzöfische Marschall Tallard gefangen genommen, sein Degen und feine Handschuhe zieren noch heute die Sammlung hesfischer Alterthümer im Untergeschoß der Casseler Bildergallerie, und noch heute hört man im Hessenlande bei entsprechender Gelegenheit das geflügelte Wort: „revanche pour Speierbach." Sollte man nicht diese glorreichen Erinnerungen des Hesse»Volkes in einem würdige» Bilde für spätere Geschlechter fest- legen?
Wem die Aufgabe zufiele, in der hessischen Geschichte Motive für Bilder aufzufinben, würde gewiß unschwer weitere als die oben angebeuteten finden. Obige find mir bei einigem Besinne» entgegengetreten. ES wäre verdienstlich für unser Hessenland, insbesondere für die Bilder in der Aula unserer Uni» veifität, wenn Andere, Kundigere, Berufenere in dieser Richtung thätig weide» wollte». Dann müßte» fie freilich gebeten sein, mit ihrem Ergebnisse bald hervorzutreten, damit solches bei bei noch zu tieffende» Auswahl der Anlabilder verwerthet werden könnte.