L 67
Erstes Blatt
Wägungen vorauszusehen. Tie Aükommandierung des
Schließlich bitten wir unsere tiefer, Freund« und Gönner, unter ibreu Bekanntenkreisen für de Weiterverb Zeitung der ,O be r hessischen Zeitung' thun- lichst mitwirken und so auch ihrerseits Helfer und Förderer einer nationalen und loyalen Politik sein zu wollen, einer Politik die sich aller umstürzlerischen Tendenz der heutigen Zeit gegenüber treu bleibt in der Devise: .Mit Gott für Kaiser und Reich für König und Vaterland!'
Marburg, im Januar 1898.
Redaction und Expedition der ,,O b e r h e s s i s ch e n Z e i t u n g.'
Obercommandirende in Manila bereits vor der föim- lichen Uebcrtragung des Schuhes der Deutschen durch Unterdrückung eines Hetzblattes wirksam zu Gunsten der Deutsch-» in Manila eingeschritten war. Von Niederlagen, -vollends so schwerer Art w e der fran- zösischen von Faschoda, kann nur die Rede sein nach vorangegangenem Streite. Es ist aber bekannt und Staatssekretär v. Bülow hat es neulich noch im Reichstage bekräftigt, daß bk freundlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten seit dem spanischen Kriege niemals unterbrochen gewesen sind. Insbesondere in der Philippinen - Frage ist niemals auch nur eine Beschwerde unter den Regierungen aufgetaucht. Die Mißstimmung beschränkte sich auf die amerikanische Presse, die sich deutschfeindlichen Hetzereien überließ. Aber gerade die Uebertragung des Schutzes der Deutschen an die Vereinigten Staaten brachte einen erfreuliche» Umschwung hierin hervor und nöthigte de» größten Theil der Presse drüben zu der Einsicht, daß sie die Haltung Deutschlands ungerecht verdächtigt hatte. Umso unbegreiflicher ist es, wie jetzt ein „deutscher' Publicist so verkehrtes Zeug einem amerikanischen Blatte als d ritsche Ansicht auftischen konnte.
mehr die Erwartung ausgesprochen, daß es auch in Zukunft wie bisher möglich sein werde, auf dem Wege freier Vereinbarung die Zustimmung zur Anbringung solcher Stutzpunkte zu erlangen. Dagegen sollen die Privat-Besitzer verpflichtet sein, die Führung durch den Luftraum über ihren Grundstücken zu ge- staticn, wenn und so lange sie dadurch in der Benutzung des Grundstücks nicht wesentlich beeinträchtigt weiden. Tritt später eine solche Beeinträchtigung ein, z. B. weil der Eigenthümer sein von der Tele graphew Leitung übersprrntes Gebäude erhöhen will, so muß alsdann die Behörde unbedingt die Leitung auf ihre Kosten beseitigen oder verlegen.
Vergleicht man die Vorschläge des Entwurfs mit den gesetzgeberischen Maßnahmen, welche von ausländischen Staaten in den letzten Jahrzehnten ge- lroffen find, um der Telegraphie die Benutzung von fremdem Grund und Boden zu sichern, so erkennt man, daß der Entwurf weit hinter dem zurückbleibt, was dort gefordert und gewährt worden ist. Der Gesetz Entwurf hat gesucht, das Mindestmaß dessen einzuhalten, was erforderlich ist, um im Interesse der Gesammtheit die gesunde Entwickelung der Telegraphie und des Fernsprechwesens sicherzustellen. Es ist daher auch zu erwarten, daß die vorgeschlagenen Bestimmungen den ungeteilten Beifall der Volks Vertretung finden werden.
Warum die Socialdemokratie den 18. März feiert, wird in der „März-Z iturg für 1899" folgendermaßen ausgesprochen: „In der gewoliigen, alles erschütternden Revolution von 1848 huldigt die Arbeiterschaft dem großen, weltbewegenden Prirzipe des Fortschritts, der rastlosen Em Wickelung. Was für ein stürmisches, drangvolles Biegen und Brecken, was für ein rücksichtsloses Zerstören und Niederreißen
Das Petersburger Blatt „Nowoje Wremja" wendet sich an hervorragender Stelle ernst warnend an die Finländer, behauptet, dieselben ipielten ein ernstes Spiel, und fragt, ob sie sich der Tragweite ihrer Handlungen wohl bewußt seien. Die Handlungsweise der finländischen Regierungsorgane könne nicht anders verstanden werden, denn als ein Versuch, im Lande politische Unruhen hervorzurufen. Rußland fürchte die Perspektive solcher Unruhen nicht; doch dürfe man nicht vergassen, daß die finländischen Politiker nicht Finland seien. Das Schicksal des Landes solchen Politikern zu überlassen, würde grausam sein, weil nichts als Unglück und Elend für da; Land daraus erwachsen werde. Der Generalleutnant Schipow ist zum Gehülst» des General- Gouverneurs von Finland ernannt werden.
' Die heutige Nummer umfaßt zehn Seiten.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Eonn- und Feiertagen. QuartalS-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postamt cm 2,26 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die ge- batten« Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zelle 86 Pfg.
Das Telegraphen-Wegegesetz.
Dem Reichstage ist ein Gesetz-Entwurf zngegangen über die Benutzung der Verkehrs-Wege und der Privat-Grundstücke für Telegraphcn-Lcitungen. Eine reichsgcsttzliche Regelung gab es auf diesem G-biete bisher nicht. Wählend im Uebrigen die Grundlagen des Telegraphen - Wesens durch das Gesetz vom 6. April 1892 für das Reichsgebiet einheitlich fest- gestellt worden sind, bestimmt Paragraph 14 dieses Gesetz.s ausd ücklich, daß das R ich durch dies s Gesetz keine weitergehenden als die bisher bestehenden Ansp üche auf die Verfügung über fremden Grund und Bo)c», Insbesondere über öffentliche Wege und Straßen, erlangt.
Die bestehenden Ansprüche aber gründen stch lediglich auf Abkommen, welche die Telegrophen-Be- hörde mit den einzelnen Interessenten getroffen hat, und weisen demnach in den verschiedenen Gcbiets- theilen eine durchaus abweichende Begrenzung auf. Durch den Widerspruch eines einzigen Jnteressmten kann vielfach die Herstellung einer im Verkehrs- Interesse dringend nothwendigen Telegraphen Linie außerordentlich verzögert oder erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht werden. Hierin will der vorliegende Gesetz Entwurf Wandel schaffen.
Was nun zunächst die Benutzung der Verkehrswege anlangt, so soll die Tlegraphn Verwaltung ermächtigt werden, die öffentlichen Wege, Plätze, Brücken und Gewässer für ihre Linien, Telegraphen- wie Ferri sprech-Leitungen, zu benutzen, soweit nicht dadurch der Gemeingebrauch der Verkehrs - Wege dauernd beschränkt wild. Bei der Benutzung der Verkehrs-Wege soll eine Erschwerung ihrer Unterhaltung nach Möglichkeit vermieden werden. Wird die Unterhaltung erschwert, so hat die Telegraphen- Verwaltung dem Unterholtungs-Pflichtigeu die aus der E sch verung entstehenden Kosten zu ersetzen. Nach Beendigung der Arbeiten an den Leitungen hat die Telegraphen-Virwaltung den Verkehrsweg sobald als möglich wieder in Stand zu sitzen.
Ebenso sachgemäß find die Ansprüche, welch- die Telegrophenveiwaltung auf Grund des vorliegrnden Gesetzentwurfs den privaten Grundbefitzern gegenüber erhebt. Die Hausbesitzer sollen nicht ve pflichtet werden, zu dulden, daß auf den Dächern ihrer Ge» bände die Stützpunkte für die Leitungen angebracht werden. In den Motiv.» des Entwurfs wird viel
Umschau.
Im „New-Aork Herald", der in letzter Zeit mitunter ganz verständige Ansichten über die deutsch- amerikanischen Beziehungen brachte, wurde jüngst eine Unterredung mit einem „vorzüglich unterrichteten deutschen Publizisten" wiedergegeden, der seinem Mißmuthe über die Abberufung des Admirals v. Diedcrichs und die Uebertragung des Deutschenschutzes vor Manila an die Amerikaner mit dem Worte Ausdruck gegeben haben soll, es sei ein deutsches Faschoda. Di ses Wort ist Heller Unsinn Zwischen der von England durch seine Fioiten- Rüstungen erzwungenen Entfernung der Franzosen aus dem oberen Nilthal einerseits und dem Zusammenziehen des deutschen Kreuzer-Geschwaders rrnttr dem Kommando des Admirals Prinzen Heinrich an der chinesischen Küste anderseits fehlt jeglicher Vergleichspunkt. Die Abberufung des Admirals v. Diedcrichs, der jetzt zwei Jahre das Kommando über daS Geschwader in Ostasieu geführt hat, war nach de» Ge pflogcnh itcn des Tienstbetriebes in unserer Marine mit Sicherheit und ohne Rücksicht auf politische Er-
chineflschen Küste hatte bekanntlich ihren Grund gestürzten Staats- und Gesellschaftseinrichtungen sticgen in reuen chinesischen Unruhen und konnte umso bald neue sociale und politische Institutionen auf. unbedenklicher vorgeuomme» werden, als stch die'Der stockige, dumpf faulige Geruch, den die Trümmer- amerikanische Regdrung bereit erklärte, den Schutz stätte auSathmeie, zeigte nur zu deutlich, wie dringend der deutschen Reichs - Angehörigen und Interessen in ■ nothwcndig der gänzliche Abbruch der alten Gesell- dem neu erworbenen Jnselgebiete selbst zu übernehmen, j schaftsordnung gewesen war." Dieses Phantastestück, Wird doch j,tzt auch bekannt, daß der amerikanische welches zeigt, wie weit eS ein socialdemokratischer
Wöchentliche Beilagen nnbBtrlag: Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei in Marburg.
Expedition: Markt 21. — Telephon 66.
: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Jllnstrirtes Sonntagsblatt, 11 ”"6"*
Ztyß« tvn Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-
O****'*' H Bureau? von Haafenftein & Vogler, Frankfurt -. M., Cassel, Magd»- q «
1 (1 trnxvi e onn H>ra, Wien: Rudolf Masse, Frankfurt «. M„ Berlin, München, Köln; 04. Ul)elf.
Sonntag, 19. Marz 1899. <■ L. D-ub. & Co, Frankfurt -. «„ Berkin, Hannover, Pari- x.
wägun^cn vorauszusehen. Tie Abkommandierung des. führte der Völkcifiühling des Jahres 1848 herbei! Kreuzers „Kaiserin Augusta" von Manila nach der Aus dem staubigen Schutthaufen der zusammen-
; Abonnements - Einladung.
Unter den in Marburg täglich erscheinenden politischen Wagen ist die
„Oberhessische Zeitung"
ü dem Kreisblatt für die Kreise Marburg urd lrchhaiu sowie Jllustrirtcs Eouutagsblalt und iehungslisten der Königl. Preuß. Klaffen-Loitrrie l gelefenfte und am weitesten verbreitete. Mit dem April 1899 beginnt auf sie ein neues Viertel- «hrS-Abonnement.
r Die „Oberhessische Zeitung' hat es sich in «er Reihe zur Aufgabe gestellt, einzutreten für die Macht M das Ansehen von Kaiser und Reich, für Thron V. ter- W und Altlir!
Die „Oberhessische Zeitung' ist bestrebt, Werall, wo sie nur gelesen wird, das i otionale Bewußtsein, streue zur Monarchie, Liebe zum Vaterlande, Gottesfurcht ab religiösen Sinn w e Achtung vor unseren Gesetzen und ievährten staatlichen Einrichtungen zu fördern!
i Die .Oberhessische Zeitung' sucht dies Ziel «rch gediegene, sachlich gehaltene, populär geschriebene Leitartikel zu erreichen. In ihrer Rubrik „Umschau' wird N wie bisher eine Ueberficht über die wichtigsten TageS- bagniff« auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politik w deren Besprechung bringen, und die Vorgänge in den wlamenten, in Reich und Staat, unter dem Tagesbericht Pt bisher znsammenstellen.
| Durch ihre Verbindung mit der Continental - Tele- Wphen-Compagnie In Berlin ist die „Oderbessisch« «it irrig' in der Lage, ihren Lesern in Original-Tele- mtmen die neuesten Ereignisse im In- rnn Auslande »crzüglich zur Kenntniß zu bringen.
Den Vorgängen in unserer Provinz, wie dem lokalen ieile wird die „O b e r h e s s i f ch e Zeitung" ganz be» K>cte Aufmerksamkeit widmen, auch wird sie nicht nur »ch ein gediegenes Feuilleton, wie durch Zusammeu- ®®ig unterhaltender verschiedener Nachrichten für ihre >ßr Sorge tragen, sondern, wie einestheils den Vorgängen ■f dem Gebiete von Kunst und Wissenschaft, so anderer- « m volkswirthschäftiicheu und landwirthschaft- ichen Interesse durch einschlägige Veröffenllichungen thua- 18 entgegenzukommen allezeit bestrebt Mn.
Inserate finden, die sechsspaltige Zelle 10 Pfg. I der großen Auflage der „Oberhessischen «itung' in derselben die geeignetste und weiteste Ver- ^bwg. Dadurch, daß alle Staats- und Kommunalbehörden 1 Bezirks die „OberheffischeZeitung' zu ihren tamtinadmngen benutzen, ist das Halten derselben von brechendem Nutzen für jeden Leser.
Machdruck verboten.)
Schute des Lebens.
Roman von Marie Bernhard.
(Fortsetzung.)
»Sie ist entzückend, nicht wahr, liebe Schwester?" : »Wenn sie so gut ist, wie schön —' i »Dar ist sie, ich weiß es!"
»6ut, gut, ich glaub' es gern. Aber nun fein V schweigen, wir haben genug geplaudert!"
1 Sanon nickte mit ihrem lieben, geduldigen Lächeln, d lag ganz still da »od sah mit groß n, nachdenk W« Augen vor fich hin. —
Ä Um wenige Tage später waren die Sitzungen im Wer in vollem Gange.
UJa, es war dasselbe schöne Mädchen noch, das W Hansen stch so leidenschaftlich als Borwurf für Wwnester Gemälde gewünscht, daS er unbedenklich Ulkin Haus ausgenommen, so sehr der Schein auch g* sic war. Es war die einzige, liebste Freundin T*1 Frau, von der ihm Nanou nicht genug Loches, Schönes berichten konnte'. . . aber dcm W°se» Künstler war nicht ganz wohl dabei. 3?*1» dies leise Warnen in ihm: „Thu's nicht! T? iu, daß sie bald dein Hans verläßt!" und da- W sein Verstand: „Wodurch willst du solches g8 motiviere» vor ihr — vor Nanou — vor dir Was hat sie gelhan, daß du sie fortschicken — und wohin schicken? Sie, daS arme, FWcfe Geschöpf, rastlos nmhergeworfen auf pMdjet Aelle des LebenimecreS, endlich jetzt,
vielleicht nur auf kmze Frist, im sichern Hafen . . . du könntest unbarmherzig genug fein, sie zu vertreibe» ? Unmöglich! Zwinge nieder, was dich quält, und male kein Bild."
So studierte er denn mit der Hingebung des echten Künstlers, der fich in fein Modell hineinlcben möchte aus ganz-r Seele, dies Gesicht mit dem üppigen Riugelhaar, den weichen, warme» dunklen Aurikelaugen — er faßte das Köpfchen in feine beiden Hände und gab ihm die gewünschte Stellung, er hieß den süßen Mund lächeln und ernst sein und sich öffnen wie zum Ruf, er hob die zarten, feinen Hände auf, so — und so — und wilder ankers, bis eS das Bild wurde, wie er eS in seiner Phantasie geschaut, und nun daS Malfieber über ihn kam, ihn packte und festhiell wie noch nie . . . diesmal nicht wie (ine Erlösung, wie er es sonst von fich zu sagen pflegte — nein, wie eine Krankheit, die den ganzen Menschen dnrchrüttell, ihn taub und blind sein läßt sür alles Heilige, so daß er sich zwingen, ja wahrhaft zwingen muß, nicht seine ganze Umgebung zu vergesse». Saß er neben NanonS Lager und sein S-mälde gaukelte vor ihm her, greifbar deutlich und sie fing, wie immer fast, mit ihm an, von E ni zu spr.chen, von ihrer schönen, gemeinsam verlebten Kinderzeit, von dem, was Erni ihr seitdem brockenweise hier und da, ohne rechten Zusammenhang, aus ihrem spätetn Dasein erzählt — dann kam es nun nicht mehr über Gottfried Hanse», daß er hätte auf» springen mögen und rufen: „Sprich nicht weiter. Ich will das nicht hören!" sondern er horchte be» gierig auf, jeden neuen Zug wahlnehmend, dem
Ganzen anpafsind, niemals des einzigen Themas müde werdend. „Für mein Bild, — Alles für mein Bild!" sagte er sich.
Und saß er bei Tisch ihr gegenüber, wie cS nun täglich geschah, und sie sprachen, wie beinahe immer von Nanon — da konnte eS vorkomn.en, daß er sie wie selbstverloren anstante und ihr zu antworten vergaß, weil eine Bewegung, ein Zug eS ihm völlig anthat und tr an fich halten mußte, die Flamme, die in ihm aufloderte, zu unterdrücken; dann war eS wieder das Wort: „Mein Bild — Alles für mein Bild!* mit dem der Künstler de» Menschen nieder- rang — nur der Maler durfte zum Wort kommen, nur er!
Wie er aber einmal, als er den gewöhnlichen langtn Spaziergang, aus irgend einem zufälligen äußern Grunde abgekürzt hatte, früher heimkam und vom rechten Flügel seines Hauses her Klavierspiel hörte und eine süße Stimme wie die eines Waldvögelchens, ... wie er da verstohlen näher sch) ich, um zu horchen, und am nächsten Tag wieder um dieselbe Stunde kam, und am Übernächsten abermals — da sagte er sich, die Musik und die Malerei seien Schwksteikünste, und gerade diese Stimme inspiriere ihn bei der Arbeit, er habe stets die Musik enthusiastisch geliebt und es schwer entbehrt, daß sie in seinem Hause feine Stätte habe finden können. Er bat Erni, ob sie nicht Nanon etwas Musik gönnen wolle, das würde ihr sicher gut thun — und nun wurde der Flügel herübergeschafft und so aufgestellt, daß nicht nur Nanon in ihrem Schlafzimmer, sondern auch der Herr des Hauses selbst in seinem Atelier
. diese Stimme, die mit solcher Vorliebe kleine, schlichte, traurige Volkslieder fang, zu hören vermochte und unter der Wirkung stand beim Male» „für fein Bild — Alles für fein Bild!' Er hatte merkwürdigerweise gar nicht immer fein Modell bei der Arbeit nöthig, zu Gottfried Hansens Eigenthümlich- feiten gehörte es, daß er seine Persönlichfeit greifbar deutlich, Zug um Zug, vor sich sah, sowie er stch dieselbe zum geistigen Eigenthum gemacht.
Und Erni? Sie kam zu Nanon, so oft und so lange fie irgend, irgend durfte, suchte fich den Aufenthalt bei ihr zu erkämpfen und zu erbitten, schmeichelte fich an Schwester Ephrema heran nnd wußte den Arzt zu überzeugen, ihre Gegenwart thne der Kranken nur gut, sah der Pflegerin ihre geschickten Handleistungen ab und that fie ihr nach, laS der jungen Frau stundenlang vor und ging nur vom Krankenbett fort, sobald Gotiftied Hansen in'S Zimmer trat — dann freilich aber unweigerlich !
Und in die schwüle, seltsam gekannte Athmosphäre dieses Hauses schlich die weiche Sommerluft hinein wie trunken von Blnmendüfteo. Die Rosen schloffen ihre Kelche auf, die kurzen Nächte sahen mit Tausenden von Sternen drein, im Garten schluchzte ein Nachtigallenpaar sein sehnsüchtiges Lied. Vom Strauch nickten die weiße» Sterne der Jasmiublüthe, aus de» grünen Blättern stiegen langsam die bl icherr, schlanke» Lilie» empor und hauchte» betäubend süß den Athem ans tiefen Kelche». Das Kunstlerhaus hatte jetzt wieder viel Besuch, die College» und Freunde, die Jünger und Bittsteller des Meisters