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sowohl wie nach Aufhebung der Tafel war sehr lebhaft.

Reichskanzler Fürst Hohenlohe wird seinen 8 0. Geburtstag (am 31. März d. I) in Baden-Baden im Kreise seiner Familie feiern.

Verschiedene Blätter, darunter auch dieFr. Ztg.* *, bringen die Nachricht, daß die Wahl des Oberbürger­meisters Kirschner bestätigt sei. DieBerl Neuesten Nachr.* erklären jedoch nach an kompetenter Stelle eingezogenen Erkundigungen die Nachricht für unbegründet.

parlamentarische?.'

Reichstag.

Berlin, 11. März. (53. Sitzung). Im Reichstag konzentrirt« sich heut« Nachmittag, während vom ziemlich schwach besetzten Hause der Rest des Kolonialetats, darunter der Vertrag mit der Neu-GuinewKompagnie, in zweiter Lesung erledigt wurde, das wesenlliche Interesse auf den in der Diplomatenloge anwesenden Mr. Cecil Rhode«. Dieser befand sich daselbst zusammen mit dem in letzter Zeit gleichfalls vielgenannten Mr Porter, dem Vertrauens­mann und inoffizielle» Bevollmächtigten b.8 Präsidenten Mac Kinley. Die beiden interefianien 't ersönlichkeiten waren von eiuigea Damen und Her en der englischen und der nordamerikanisch.n Botstafi begleitet. (Sceil Rhodes ist ein starkknochiger untersetzter Mann mit scharfeil, eckigen, inf- gebräunten G.sichtszügen, h.llen wafierblauen Augen, unter der stark gebogenen Nase eia spärlicher Schnurrbart.

Die Anwesenheit b.8 Mr Cecil Rhodes in der Log« gkstaltete sich noch beiordcrs interefiant dadurch, dah der Reichstag gewisse'maße!- ihm zu Ehren eia RhodeS-Debatte veranstaltete. Als nach oer Erledigung des Kolonialetatr der Etat der Auswärtigen Amt« an die Reihe kam, sprach der konservative Abgeordnete Graf Stolberg die Er­wartung aus, daß die gestern vom Kolonialdirrktor von Buchka abgegebene Erklärung, fortan würden souveräne Recht« an ausländische Ges.llsa aften in deutschen Kolonien nicht mehr ve>liehen werden, auch Anwendung finden werde auf die zur Zeit mit Cecil RhodeS hier geführten Verhavd- lungen. Das Echo vom Reg'« ungst sch ließ nicht auf sich warten; Herr v. Buchka bezeichnete sofort die Annahme des Gra'en Stolberg als richtig, er bestätigte unter großer Heiterkeit di« Anwesenheit von Ceci RhodeS in Berl n (Zuruf: Er ist ja auf der Tribüne!) und versicherte, daß bei den Verhandlungen mit RhodeS die deutschen Interessen in weitestem Maße gewahrt werden würden. Als Abg Hasse hierzu das Wort nahm und betonte, an sich sei Rhode« Anwesenheit in Berlin wegen seiner Unfreundlichkeit gegen Deutschland kein erfreuliches Ereign b, wenn man auch die Sache selbst unter der Abneigung gegen die Person nicht leiden lasten würde, da schien e8 Herrn Rhode« in der Loge etwa« schwül zu werden, er wartete den Schluß der ihm gewidmeten Debatte nicht ab, ging hinaus und kam nicht wieder. Vielleicht lag auch der Grund seines Aufbruchs in dem Wunsche, für seine auf heut« Nachmittag 6 Uhr angesetzte Audienz beim Kaiser rechtzeitig Toilette zu machen.

Nachdem noch die Abgeordneten Lieber und Richter sich über RhodeS Berliner Besuch kurz geäußert halten, wandte sich das Haus anderen Gegenständeu zu. Abg. Richter wünschte Aufklärung über die Gerüchte, daß wir mit Spanien wegen des Ankauf» der Karolinen- und Paula-Inseln verhandelten.

Staatssekretär v. Bülow lehnt« eS ab, sich mit dem Abg. Richter in «in« akadtmische Eröiterung üb«r die?« Frage «inzulasten. Auf Anregung des Abg Richter gab Ministerialdirektor Hellwig eine Erklärung über die ägyp­tische Bombenverschwöluvg ab und verlas die vom deutschen Generalkonsul in A erandrien hi«rüber eingegangenen Be richt«. Nachdem noch Abg. Hie der (nationallib.) ein warmes Wort für die schwäbischen Kolonisten in Palästina eingelegt und Staatssekretär v. Bülow hierauf eine wohl­wollende Antwort erth-ilt hatte, vertagte sich das Hau«.

Preußisches AbgeordueteuhauS.

Berlin, 12. März. (40. Sitzung.) Da« Abgeoldneten- hauS setzte die zweite Lesung des Kulturetats heute in etwas schnellerem Tempo fort Eine lebhaftere Debatte entspann sich bei der Forderung von 54000 Mk. für die altkatholische Kirche. Die von der Kommission abgelehnte Mehrforderung vou 60C0 Mk. für die Ausbildung altkatholischer Theologen ward in der vom Abg. v. Eynern beantragten namn.t lichen Abstimmung mir 13 ' gegen 128 Stimmen abgelehat, wobei die freisinnige Volkspartei und die große Mehrheit der Konservativen mit dem Centrum ging. Dagegen t-at daS HauS dem Kommissionsbeschluß, das gefordert« Extra- ordinariat für Staatswissenschaft an der Berliner Universität abzulehnen, einstimmig nicht bei.

AlS Abg. v. I a z d z e w S k i sich über die Auflösung zweier polnischer Studeutenvereine in Breslau beschweite, ent­stand eine kleine Polendebatte, in der Abg. Sattler dem Beschwerdeführer entgegentrat. Vom RegieruogStische be- theiliglen sich Minister Dr. Bosse und Ministerialdirektor Alt hoff an der Debatte- AuS ihr sei Folgendes erwähnt:

Abg. v. Pappenheim (kous.) Ein« haar­sträubend« Mitthiilung ging durch die Zeitungen, wonach ein Breslauer Professor syphilitisches Serum 8 Kindern eingeimpft hat, wovon vier erkrankten. In der Zeitschrift für Dermatologie habe ich mich überzeugt, daß es mit dieser ganz ungeheuerlichen Angabe seine Richtigkeit hat. (Allgemeine Entrüstung.) Ich habe keine Worte für meine Entrüstung. (Lebhafter Beifall.) Die Regierung mutz mit aller Strenge ohne jede Rücksicht auf die Person einschreiteu, um die die Ehre der deutschenWissen- schäft blank zu halten; (Stürmischer Beifall)

Minister Dr. Bosse: Das ist eine Sache von tiefstem Ernst. Sie ist sofort untersucht worden und Maßregeln sind eingeleitet, um Remedur zu schaffen. Sie liegt der wissenschaftlichen Deputation für das Medicinal- wesen vor. Wir werden, im Fall sich alles beftätigt, ein schreiten ohne jede Rücksicht der Person und die Ehre der deutschen Wistenschaft wahrnehmen damit solche Diaige sich nicht wiederholen, welche ich aufs entschiedenste verurtheile. (Lebhafter Beifall.)

Die Etats einiger Universitäten wurden genehmigt. Am Montag findet die Fortsetznng der Debatte statt.

Ausland.

England.

London, 11. März. DieTimes* sagt in einem Artikel: Indem der Deutsche Kaiser RhodeS eine Audienz gewährt, löscht er hochherzig peinliche Erinnerungen an Jamesons Einfall anS. Man hätte keinen besseren Weg ausfindig machen können, still­schweigend den Grundsatz: Laßt Vergangenes ver­gangen sein, zur Anwendung zu bringen, und den Völkern beider Länder die Thatsachr des englisch­deutschen ^Einvernehmens bezüglich der afrikanischen Angelegenheiten zum Bewußtsein zu bringen. Der Kaiser liefert, wenn er RhodeS empfängt, den Beweis seines offenen Sinnes und wetten Blickes, den ihm

kein einsichttger Beurtheiler jemals abgesprochen hat. Dies ist ein gutes Omen, nicht nur für den Plan RhodeS', sondern auch für die Beziehungen zwischen Deutschland und England in allen Welttheilen. DieTimes* hofft, das deutsche Volk werde Rhodes' Vorschläge leidenschaftslos und geschäftsmäßig er­örtern im Hinblick darauf, daß Abmachungen zu Stande kommen mögen, die gleichermaßen den engli­schen und deutschen Interessen nützen. Der Daily News* zufolge will RhodeS nicht nur über die Kap-Kairo-Route in Berlin verhandeln, sondern auch die vorbereitenden Schritte für den Bau einer Eisenbahn durch Deutsch - Südwestafrika nach Rhodesia thun, welche Rhodesia directen Zugang vom Atlantischen Ocean gewähren und so den Weg nach England verkürzen würde. Diese Bahn würde von der Walsischbai oder Lüderitzbucht ausgehen; letztere würde vorgezogen werden, falls fie sich als Hafen- unb Endstation der Bahn paffend erwiese, da sie eine kürzere und leichtere Straße nach Buluwayo gewähre Dieser Weg wüidr Afrika eine fest gradlinige Bahn vetbindung gier durch von Westen nach Osten geben. ES sei dies natürlich keine Sache von heule auf morgen, doch pflege Rhodes weit in die Zukunft zu blicken.

Amerika.

Retv-Aork, 11. März. Der deutsche Botschafter begab stch nach Cambridge (Massachusetts), um mit dem Professor Münsterberg die Errichtung eines germanischen Museums an der Harvard-Universität zu besprechen.

Aus Marburg und Umgegend.

Marburg, 13. März. Se. Majestät der König ernannte nach Prüfung derselben durch das Kapitel und ouf Vorschlag des Herrenmeisters Prinzen Albrecht von Preußen zu Ehrenrittein des Johanniterordens u. A.: den Rittmeister und Eskadron-Chef int Husaren-Regiment Landgraf Friedrich-Wilhelm II. von Hessen - Homburg (2. Hessisches) Nr. 14 HanS Freiherr« v. Berlepsch, den Erbgrafen Otto zu Solms-Laubach zu Laubach in Oberhessen, den Regierungs-Assessor Wilhelm Louis Gustav von Roques zu Cassel, den Großherzoglich hessischen Kammeijunker und Kreisamtmano Hermann Freiherrn Schenk zu SchweinSberg zu Gießen, den Rittmeister und Escadron Chef im Thüringischen Manen-Regiment Nr. 6 Emanuel von Eckartsberg, den Hauptmann und Kompagnie-Chef int 1. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 81 Curt von Kriegs­heim, den Gutsbesitzer Elger von D a l w i g k - Schauenburg zu Hoof bei Cassel.

«s Gymnasium. Laut einer directen Mit theilung auS dem Kaiserlichen Ober-Ho'marschall-Amt zu Berlin hat Se. Majestät der Kaiser und König ein Exemplar der von der Kunst-Verlags-Handlung Ad. O. Troitzsch in Berlin hergestellten farbigen Re- produclionen des A. v o » Menzel'scheu Bildes Flöten - Concert Friedrich des Großen*,um den Namen und die Bedeutung des Künstlers auch weiteren Kreisen näher zu bringen*, dem hiesigen Königlichen Gymnasium zu verleihen geruht. Das Bild wird in Kürze zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt werden.

* Städtische Polizei. In unserer Stadt ist vielfach die noch recht verfrühte Nachricht verbreitet, Marburg übernehme demnächst die P o l i z e i als st ä d t i s ch e. Da dies sicher für 1900/1901 schon einen erheblichen Zuschlag zur Einkommensteuer ; und den Realsteuern mit sich bringen müßte, so wollen wir mittheilen, daß nur wieder eine Aufforderung an die Stadt ergangen ist, daß aber unseres Wissens der Herr Vorsitzende des Magistrats fein Möglichstes thut, diese Uebernahme der Polizei durch die Stadt von Marburg abzuwenden.

* Conservativer Verein. Wir machen noch­mals ganz besonders auf die heutige (Montag) MonatSversammlung des Conser- vativen Vereins bei Baertsch aufmerksam.

q Freiwillige Feuerwehr. Heute Montag Abend 8^ Uhr findet im Restaurant Bärtsch die Monats- Versammlung statt verbunden mit einer Comrnando- Sitzung.

* Für die Zahlmeister und Zahlmeister-Aspiranten der Garnisonen des 11. Armeekorps beginnt Ende dieses Monats im Schlachthofe zu Cassel eine Uebung, welche bezweckt, diesen Militärbeamten die Beurtheilung des Fleisch- und Fettgehaltes der zum Schlachten bestimmten Thiere und deren Gesundheitszustandes zu ermög­lichen. Auch die Kenntniß des Schlachtens selbst soll dabei in's Auge gefaßt sein. Die Uebung wird bis in den April hinein dauern.

* Zum Sucher-Concert. Ueber Frau Rosa Sucher schreibt E. E. Zaubert in derPost* vom 1. März 1899 in Nr. 60 Folgendes: Die beiden Wagner-Vereine Berlin und Berlin-Potsdam haben gestern in der Philharmonie eines jener großen Concerte veranstaltet, in welchen das bedeutend ver­stärkte philharmonische Orchester und mehrere Chöre, diesmal der Gesangverein Berliner Lehrer (Professor Felix Schmidt) und der Lehrerinnen (R. Schumacher) vereinigt der Leitung eines bedeutenderen Kapellmeisters unterstellt werden, der mit Wagner's Werken eng öertraut ist. Für den gestrigen Abend war Josef Sucher zur Führung des TaftstockeS gewonnen worden und mit ihm wirkte Frau Rosa Sucher mit. Als die Künstlerin auf dem Podium sichtbar wurde, erscholl minutenlanger Beifall im Saal, von allen Seiten flogen ans dem Publikum heraus ihr Blumen zu und eS dauerte geraume Zeit, bis sowett Ruhe eingetreten war, daß der Kapellmeister den Tattstock erheben und die Musik beginnen konnte. Auswärts ist das Berliner Publikum wie die Berliner Kritik

als kalt und indifferent verschrien und gefürchtet wer gestern Abend die herzliche Ovation für Rosa Sucher erlebt hat, konnte sich davon überzeugen, wie treu gerade die Berliner Musikfreunde dem liebge­wordenen Künstler zugethan bleiben in der Erinnerung an die herrlichen Genüsse, die sie ihm verdanken. Fran Sucher's I olde, ihre Sieglinde, ihre erwachende Brünhilde wird denen, die diese Gestalten von ihr erlebt haben, unvergeßlich im Gedächtniß hast»; im Wagner-Verein gestern Abend saßen viele, viele unter den Zuhörern, welche die vergeistigte, plastische Aus­gestaltung des Wagver'schen Heldenweibes durch Frau Sucher oft genug zu bewundern Gelegenheit hatten, und so wurde das gestrige Concert zu einer spontanen Huldigung« feier für die Künstlerin, die von der Berliner Bühne geschieden ist. Mit dem 8o beer- kranz, der ihr gereicht wurde, flog der Dank von Tausenden zu ihr hin; wird es der Künstlerin schwer, von der Berliner Bühne zu scheiden, wird es dem Publikum nicht weniger schwer, sie massen zu müssen

f RecitationS. Abend. Im Seebode'schen Saale fand gestern Abend ein RecilationsVortrag des Herrn Walther Waldheim vom Stadtih ater in Gießen statt, welcher bedauerlicher Weise sich eines nur geringen Besuches zu erfreuen hatte. Im ersten Theile des sehr gut gewählten Programms behandelte der Vortragende dieForums ne* aus Julius Cäsar, im zweiten basHexenlied* von Wildenbruch, im drittenDie Wallfahrt nach Kevelaar* vou Heinrich Heine sowieDer alte Organist* vou Schließen und im letzten Theile die Thurmscene ausDie Räuber* von Friedrich von Schiller. Leider ge­stattet es der Raum unseres Blattes nicht, näher auf die einzelnen Programm-Nummern einzugehen und wollen wir nur hinzufügen, daß e8 der Vor- tra;enbe sehr gut verstaub, seine gespannt lausch üben Zuhörer zu fesseln und aus das Beste zu unterhalten, was am Schluffe durch lauten Beifall feine Be­stätigung fand.

+ Einen wirklichen Frühlingstag kann man den gestrigen Sonntag nennen. Im Wald und Feld sah man deßhalb auch zahlreiche Spaziergänger, die sich an dem herrlichen Gesang unserer gefiederten Sänger, welche sich zum großen Theil ans dem Süden schon bei uns eingefunben haben, erfreuten. Als Boten bcs Frühlings bemerkte man auch einzelne Schmetterlinge.

+ Frühjahrs Pferdemarkt. Am nächsten Donnerstag findet Hierselbst Frühjahrs - Pferoe markt statt.

+ Geflügelzucht-Verein. Der hiesige Geflügel­zucht Verein, ber ja stets für die Hebung der Geflügel­zucht eine rührige Thätigkeit entfaltete, ist j-tzt dem Verbände b r Hessischen Geflügelzüchter vereine, zu bem fitzt 8 33ereine zählen unb welcher seinen Sitz in Cassel hat, beigetreten. Bemerkt Ri noch, baß ber hiesige Verein sich auch in den Besitz eines neuen, sehr practischen Brut Apparates gesetzt hat.

* Vorsicht! DemPos. Tagebl.* wird be­richtet : Die Firma S. Ladinski in Fraustadt bezieht seit Jahren amerikanisches Schweine­fleisch, Speck und Schinken en gros und berarbei et b.-zw. räuchert dasselbe dort. Jedes Stück wird in Fraustadt eingehend untersucht, und wenn Trichinen Borgefurben werden, vernichtet, und zwar unter polizeilicher Aufsicht. Seit dem 1. Januar dieses Jahres sind nun von einem Fleischbeschauer in 16 Stücken Fleisch und einem Stück Speck Trichinen gesunden worden; zwei andere Fleisch- beschaue! innen haben 4 bezw. 10 Mal Trichinen während dieser Zeit konstatirt. Jnsgesawmt find also in zwei Monaten etwa 30 Trichinen­funde festgestellt worden.

-V Landwirthschastlicher Verein. Gelegentlich des am Sonnabend im Restaurant Bärtsch Hierselbst abgehaltenen fünften Frühlings-Saatmarktes hatte auch der Landwirthschaftliche Kreisverein Marburg als Veranstalter desselben zugleich eine Sitzung damit verknüpft, welche sich eines sehr guten Besuches er­freute. Der Vorsitzende, Herr Dr. Hesse, gab zunächst seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Saatmarkt ein so gutes Gelingen gehabt und sprach dem rührigen Comitv desselben im Namen deS Ver­eins den herzlichsten Dank auS. Nachdem man nunmehr als neues Mitglied den Herrn Leutnant a. D. Grimm hierselbst in den Verein ausgenommen, fanden eine ganze Reihe geschäftlicher Sachen ihre Erledigung. Zunächst machte der Herr Vorsitzende die Mittheilung, daß in der nächsten Zeit keine Sitzung abgehalten würde; dieselbe könne man viel­mehr bis kurz vor der geplanten Molkerei-Ausstellung, vielleicht bis Ende April oder Anfang Mai, ver­schieben. Bis dahin wüßte man auch genau, ob daS Exerzierhaus für die Ausstellung zur Verfügung ge­stellt würde oder nicht. Die letztere solle so grof als nur möglich ausgestaltet werden. Eventuell würden auch Diplome und Medaillen angefertigt und vielleicht dürfte ja auch die Landwirthschastrkammer in Cassel ein Uebriges thun. Freudig zu begrüßen sei, daß das Pferdemarkt-Comite in seiner letzten Sitzung beschlossen habe, dem Landwirthschaftlichen Kreisverein 400 Mark zu dem Zwecke zur Verfügung zu stellen, solchen Dienstboten im landwttthschastlichen Betriebe, welche 10 Jahre ununterbrochen ihrer Herr- schäft gedient haben, Prämien zu gewähren. Eine ganze Anzahl solcher Dienstboten sei bereits an­gemeldet und solle nur jedes Mitglied, das einen solchen treuen Arbeiter oder Arbeiterin habe, dies zur Kenntniß des Vorstandes bringen. Auch die Vieh­markt-Commission habe getagt und würde demnächst mit einer Eingabe an die Stadt herangetreten werden. Hoffentlich zeige dieselbe daS nöthige Entgegenkommen, damit die Marburger Viehmärkte so einen Aufschwung nähmen, wie man ihn erhoffe. Zu der am nächsten Sonnabend in der Aula der höheren Töchterschule

1818)

stattfiudeuden Prüfung der Schüler der landtzj»; schaftlichen Winterschule möchten sich die Landg,^ recht zahlreich einfinben, daß sich die Erkeuntmß mehr Bahn breche, wie nützlich die dort erworb-^ Kenntnisse für die Zukunft der jungen Land«^, seien. Seitens der Regierung würde j tzt dem Formu'are zur Verfügung gestellt, in welchen Viehbefitzer bescheinigen lassen könnten, ob ihr $3 eine Tuberkulin Jnpspcobe bestanden. Auf den 8wr dieser Impfung könne nftbt genug hingewiesen »triJ; Einige Mitglieder, die sich darüber beklagt, uL

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dafür bieten, daß die bei der Herbstbestellung geM Phosphorsäure in größeren Mengen von den Pflanz ausgenommen würde, als die im Frühjahr gegebfl So hat z. B. die Versuchsstation Bern folgend HrferdüngungSversuch in Vegetationsgefäßen geführt: Es wurden 6 Gefäße mit sehr hnuuss Boden gefüllt. Nr. 1 erhielt keine Düngung Phosphorsäure, Nr. 2: 35 g Superphosphat, 9h-' 35 g Thomasmehl, Nr. 4: 35 g PyosphK Nr. 5: 35 g rohes Knochenmehl, Nr. 6: 3»! entleimtes Knochenmehl. ES wurden an Körner t Stroh geerntet, Nr. 1 ohne Phosphorsäni 14,3 g, Nr. 2 mit Superphosphat: 16,70j Nr. 3 mit Thomasmehl: 17,15 g, Nr. 4 < Phosphorit: 15,1 g, Nr. 5 mit rohem Kno^ mehl: 15,9 g. Superphosphat und Thomas haben also ganz erheblich zur Ertragssteigerungi getragen, während die anderen phosphorsäurehalH Düngemittel keinen nennenswerthen Erfolg 9!* haben. Das Ergebniß dieses Versuchs ist durch' Märker'schen Vegetationsversuche und durch die verschiedenen practischen Land wirt Heu und auch d anderen angestellten Feldversuchen bestätigt W® Ich will vou diesen nur einige hervorheben: «J Conirole der Versuchsstation Oldenburg, Vor^ Dr. Petersen, führte Gutsbesitzer Dierks zu D« (Oldenburg) einen HaferdüngungS - Versuch welcher folgendes Ergebniß hatte: Außer einer büngung von 600 kg Kainit und 100 kg salpeter pro ha erhielt bie eine Parzelle a® April 6 Ctr. Thomasmehl, währeub bie andere» Photphorsänre - Düngung blieb; von bieser lek® Parzelle wurden nnr 1280 kg Körner unb 27W, Stroh geerntet, während die Thomasmehl - einen Ertrag von 1570 kg Körnern und 286»

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Stroh brachte, mithin mehr 290 kg Körner L 165 kg Stroh. Dieser Mehrertrag hatte einen werth von 44,70 Mk., so daß nach AbM Düngungskosten in Höhe von 14,70 Mk. eiß J ertrag von 30 Mk. pro ha verblieb, währ®« zum Vergleich auch dnichgeführte Düngung, Superphosphat nur einen Reineittag von ca. Dj ergab. Director Gabriel in Friedland (Ö$5 erzielte bei Hafer durch eine Kainit-PhosphaM ung gegeben am 5. April 80,75 Mk. ertrag pro ha, mit Superphosphat nur einen 1* von 33 Mark. Recht in die Augen springen»

vorläufig eine ablehnende Haltung eingenommen, wie auf Befragen Herr ©erlaub bemerkte, bie Mi hierzu nicht flüssig zu machen waren. Au Landwirthschastskammer sind Setters des Sei ei Vorstandes mehrere Schreiben abgegangen, so z die beschlossene Befürwortung der Vermehrung Viehmäikte in Wetter, event. auf privaten W Einrichtung solcher in Münchhausen; fern -r die U theilung, daß das Ersuchen an die Regierung, Schutzvorrichtungsbestimmungen bet lanbwirths lichen Maschinen nur bei Kraftbetrieben in w ndung zu bringen, adschläglich beidjieben w ei. Die Baumer möge bas nöthige -Diäten ammeln unb nochmals mit bezüglichen Abänbc Vorschlägen an bie Behörden herantteten. Schluß theilte Herr Diiec'or Dr. Hesse noch daß die Landwirthschastskammer mit ber Süddeuts Feuerverficherungs Gesellschaft einen günstigen L abgeschlossen habe. Bestellungen auf eine landwirthschaftliche Zeitung, welche den Jntereff unentgeltlich zugesandt wirb unb eine kleine Bioschi über die Fleischuoth - Debatte im Reichs können bei bem Vorstände bewirkt werden. Im Anschluß an den geschäftlichen Theil s

hief ti Lau stell- -Ak netter mer treffai

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dann Herr Landwirthschaftrlehrer Kuhnen über Ast Siu Verwendung von Thomasmehl zu den Frühjahrs e lai faatm. Es herrscht noch vielfach der Glaube, InZ Die Phosphorsäure des Thomasmehls eines längen ser Hci Lagerns im Boden bedürfe, um zur Wirksamkeit j schäft kommen. Aus diesem Grunde hat man bis jetzt i tzüerw unserer Gegend das Thomasmehl fast ausschlietzh ; den nut zu den Wintersaaten angewandt unb die I Wer Winter unb Frühjahr den Ueberschwemmungen an $ heiu gesetzten Wiesen blieben zumeist ohne Thomasmch j-e ni büngung. Man nahm davei an, baß während h ä Lagerns im Winter im Boden Umsetzungen durch welchen die Phosphorsäure in einen leicht löslichen Zustand versetzt würde, so daß die PflaiP -Bfon im Frühjahre gewissermaßen eine vom Boden t» bereitete Phosphorsänre vorfanden, so daß sie da» l 8ät eine größere Menge Phosphorsäure anfnehmeu köiwle Eg) als wenn dieselbe erst im Frühjahr gegeben Aus diesem Grunde gab mau bis jetzt, wenn U : Haupt eine Phosphorsärire-Dünguug stattfand, di-Ä » im Superphosphat. Es ist nun aber höchst W wahrscheinlich, daß solche Umsetzungen vor sich ge^ET wenigstens liege jetzt eine ganze Masse von suche« vor, welche auch nicht de» geringsten AnWE«

sie bei der Zustellung der landwirthschaftlichen Biz^ 30 verg-ssen worden, wurden von dem in der Serfammla ^gun anwesenden Vorsitzenden der Landwirthschaftskani^ gchiertr Herrn Oekonomierath G e r l a n d - Cassel dahin beltfe ^yen daß vor allen Dingen die Bestellung auf der - jenje ei folgen und auch dort bie 3ufteBurg8gebüht ggtrne richtet werben müsse. Betreffs der sogen, ffa, A versuche, welche, wie beschloss n, in einer Reihe von(tz Mgs schäften unter der Uederwachung deS Herrn Holly tzG ^hden finde» sollen, hat d'e Landwirth'chaftskammer zu