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Der Verfasser meint sodann, er glaube wenig Widerspruch zu begegnen, wenn er die Anficht aus- »richt, daß die K r i m i n a l st r a f e in der weit verwiegenden Mehrzahl aller Fälle nicht dasj nige Mittel sei, durch dessen Anwendung die verbrecherische Ägend wirklich in bessere Bahne» gelenkt werde. Weder in der regelmäßigen Dauer der Strafe, noch

sagt mein Herz . . . das wäre mein Tod, sagt mein Verstand, und darum leg' ich mir diese Ketten an, denn ich toifl lange leben, und mein Leben scheint mir kurz, weun ich an Alles denke, was ich noch muß und möchte!"

Eine selbstvergessene Feuerseele sprach aus dem Blick, der Ernis Augen begegnete. Sie war nicht erstaunt, nicht geschmeichelt, daß der berühmte Maler so zu ihr sprach, wie er eben that ... ihr schien es so, als dürfte eS nicht anders sein.

.So bin ich auch heute vor mir selbst davon­gelaufen, vor mir und vor den guten Freunden, die alle von mir lernen möchten — und ich kann nicht Andere lehren, ich kann nur male», nur zeigen: so mach' ich eS! Aber das wollen die Leute nicht ver­stehen, wie nicht in jedem Künstler zugleich der Lehr­meister stecken kau» — und wird man bann un­geduldig, dann heißt'S: der Götz hat Launen! Ta hab' ich mich in diesen Anzug gesteckt, i» dem mich keine Menschenseele vermuthen kann, und hab' meine Stifte und Mappen daheim gelassen bis aufs Titelchen und wollte versuchen, mir in voller Einsamkeit das wüthende Malfieber von der Seele wegzuspülen . . . »nd sich da! ich sitze im ärgste» Malfieber drin, und der Feind fällt mich an im tiefste» Waldesfriede» und spricht meinen besten Vorsätze» Hohn!"

Er sah Erni förmlich vorwurfsvoll an, und sie machte eine bedauernde Bewegung mit ihren nach außen gekehrte» Handfläche», wie wenn eS ihr in seinem Sinn ebenfalls leid thäte, daß er sie hier habe finden müssen.

»Dann hätte ich Sie wohl ruhig sollen Ihres Weges gehen lasten, Meister, anstatt Sie hierher zu holen?" mischte sich Lollo von neuem ein; .Ach und ich war so glücklich, als ich entdeckte, daß Sie in dem weißen Tevnisauzug stecken, war ich zu Anfang für ganz unmöglich hielt! Ebru noch hatte ich zu

Kriegsmiuister aber mag des Dankes sicher sein dafür, daß er auf jene .ernste Angelegenheit" mit warmen Worten hingewiesen, und Herr v. Goßler wird sich den Dank der Zukunft unseres Vaterlandes erwerben, wenn er zu einer Lösung der hierdurch gezeigten Aufgaben mitwirkt!

Erni gesagt, sie müßte Sie kennen lernen, und fit äußerte wieder allerlei Bedenken — bas thut sie nämlich immer, aber ich glaube, ste zwingt sich dazu, um sich mir gegenüber Stellung zu geben — und nun kommen Sie, und statt mir zu danken, find Sie noch böse auf mich!"

.Einfältiger Kind, wer redet denn davon?" unter­brach Hausen sie ungeduldig. Können Sie den» nicht verstehen, was es heißt, ein Motiv finde», wie'S einem selten begegnet, vielleicht nie mehr, und zu fühle», daß mau das malen muß — und dann kommt eben dies Motiv daher und sagt, es sei Gesellschafterin und wisse nicht, ob es «rlaubniß bekomme, und es sei nicht frei und könne möglicherweise bald auf Reise» gehen?"

-Wenn das .Motiv" ei» selbstäudiger, deokender Mensch ist," sagte Erni, der diese Art, über sich reden zu höre», selbst von dem berühmten Gottfried Hausen nicht gefiel, in ziemlich scharfem Ton, .dann müßten Sie immer darauf gefaßt sein, daß dieser oder jener E.nwanb laut wird. Man geht doch nicht bloß von dem Gesichtspunct eines Motivs aus durch die Welt, das mögerlicherweise einmal von einem Maler auf die Leinwand ge­bracht werden kann .... es giebt am Ende noch andere Dinge im Leben zu thnn, als zu fitzen und auf die Möglichkeit eines solchen EreignisteS zu warten!"

Der gefeierte Künstler, nm den sich die vor­nehmsten Damen auf einen Wink scharte», bereit, sich jedem seiner Einfälle unbedingt zu fügen, falls er sich nur herbeilaffen wollte, sie überhaupt zu malen, hörte eine solche Sprache wohl zum erstenmal. Ec war bis fitzt viel zu sehr Künstler gewesen, um als Mensch irgend eine Empfindung Ernt gegenüber zu haben, malen wollte er sie, das war Alles.

(Fortsetzung folgt).

(Nachdruck verboten^)

Schute des Lebens.

Roman von Marie Bernhard.

. »®ic ist es, gnädiges Fräulein, dürste ich hoffen, 0<|6 Die mir ein paar Sitzungen bewillig, n?" X Erni bewegte unruhig den Kopf.

I .Ich — ich weiß vollauf die Ehre und das Glück Sätzen, von dem bedeutendsten Künstler —* »Ach!" Gottfried Hansen zuckte, als ob ihm 2®®8 weh thäte. .Nicht aus der Tonart, ich bitte I. ? Das stimmt nähmlich gar nicht dazu, * * e Pfcen! Geradeaus gesprochen: warum *»L» Sie nicht?"

»Ich will ganz ernstlich, aber ich bin in abhäng'ger itüung: Gesellschafterin bei Frau Geheimrath Daukel- E allerlei Pflichten an sie und ihr HauS :Mrlt. Ich weiß nicht ob die Dame es mir ge- k-tte» wird —"

ß Kriminalpolitik und Wehrkraft.

Der Herr Kriegsminister v. Goßler hat bei Er- Srtenmg der Frage der Dienstzeit im Reichstage auf filzende trübe Erfahrung hingewiesen: Eine die Zeit rom Jahre 1882 bis 1897 umfassende Zusammen­stellung ergiebt, daß sich die Zahl der in dieser Zeit mkgehobenen Personen, die wegen vor ihrer Ein­stellung begangener Handlungen bestraft find, um 82 Proz. im Verhältniß vermehrt hat. Die absolute Lemehruug seit 1882 ist von 10,56 auf 19,2 Proz. gestiegen. Die im Jahre 1897 in die Armee eivgc- stellten Vorbestraften umfassen 41423 Mann, von dieses find zwei bis fünfmal bestraft, 12873 Mann, sechs- bis zchnmal 1399 Mann. Diesen Hinweis «terzieht der Straßburger Professor vr. v. Calker s der „Deutschen Juristenzeitung" einer interessanten Erörterung, der wir Nachstehendes entnehmen:

Daß sich in diesen Zahlen eine große gar nicht .traft genug zu nehmende Gefahr für die Gesundheit AsereS ganzen Volkslebens ausspricht, darüber bedarf es keiner weiteren Erörterung. Und auch die von

Umschau.

Dem Bundesrath ist der Entwurf eines Tele- graphenweggesetzeS zugegangen, welches die Telegraphenverwaltung ermächtigt, die öffentlichen Wege, Plätz-, Brücken und Gewässer für Telegraphen­linien zu benutzen, ferner Linien durch den Luftraum über Privatgrundstück- zu führen, soweit der Eigen- thümer in der Benutzung d:s Grundstückes dadurch nicht dauernd beschränkt wird. Die Begründung hebt hervor, bis jetzt fehle der Telegraphenverwaltung gänzlich ein gesichertes Recht der Benutzung der öffent­lichen Flüsse und Canäle sowie Privatgrundstücke. Durch den Widerspruch eines einzigen Interessenten könne die Herstellung einer dringend nöthigcn Tile- graphenllnie erschwert ober unmöglich gemacht weiden. Für die geplante Ausdehnung des Telegraphennetzes auf kleinere Orte und das flache Land seien neue Leitungen erforderlich, für welche die bisher wenig benutzten Nebenstraßen und Landwege herangezogen werden müssen. Bezüglich der gesetzlichen Regelung des unvermeidlichen Eingriffs in fremde Rechtssphären hält die Regierung es für besser, der Telegraphen­verwaltung gegenüber der Straßenbauverwaltung kein Enteignungsrecht, sondern ein den jeweiligen Bedürf­nissen entsprechendes Mitbenutzungsrecht einzuräumen.

Aus amtlichen Mittheilungen der Preußischen Central-Gen offen schaftS Kasse ergiebt sich zahlenmäßig, in wie schneller Weise in Preußen das Interesse der Bevölkerung am Genossenschaftswesen steigt. Im gesammten Königreich Preußen gehörten von 1000 der Bevölkerung Ende Februar 1897 30,64 zu Genossenschaften und Ende Juni 1898 bereits 35,48; die Zunahme betrug also in etwas mehr als einem Jahre 4,84 pro Mille. Von der Zunahme entfielen 2 47 auf die Genossenschaften mit unbeschränkter Haftpflicht, 0,03 auf diejenigen mit unbeschränkter Nachschubpflicht und 2,34 auf die mit beschränkter Haftpflicht. Das Genossenschaftswesen mit unbeschränkter Haftpflicht überwiegt überhaupt noch bedeutend. Von 1000 der Bevölkerung ent- fielen Ende Juni 1898 auf diese Genossenschaften 22,01. auf die mit unbeschränkter Nachschußpflicht 0,45 uud auf die mit beschränkter Haftpflicht 13,02. Die beide» letzteren Genosseuschaftsarten find bekannt­lich erst durch daS Gesetz vom Jahre 1889 geschaffen worden. Jnsgesammt ist die Entwickelung des Ge-

noffenschaftswesens, die sich in diesen Zahlen kund- giebt, recht erfreulich. Zu bedauern bleibt nur, daß es bisher nicht möglich gewesen ist, die Ausdehnung der statistischen Erhebungen auf das Reich heibei- zuführen, da nur dadurch ein wirkliches Bild des Ge­noffenschaftswesens erreicht werden könnte. Gerade das Genossenschaftswesen in seinen Gruppen schließt nicht mit den Laudesgrenzen ab; nur die Aus­dehnung der Bearbeitung auf das Reich würde die wirthschastliche Bedeutung der Entwickelung zur An­schauung bringen.

Ans Washington wird telegraphirt: Alle hiesigen Blätter berichten ausführlich über die Reden des Staatssccretärs v. Bülow. Der allgemeine Eindruck ist ein günstiger, namentlich der politische Theil der Rede» begegnet sympathischer Zustimmung. Daneben fehlt eS nicht an Beschwerden über un­freundliche Artikel der als antiamerikanisch bekannte» deutschen Blätter. Auch die Nachrichten über Zmück- weisung getrocknete» amerikanischen Obstes unter Schilb- laus verdacht wirkte» noch verstimmend. Daran sind allerdings nicht wir Deutschen, sonder» die eingeborenen amerikanischen Schildläuse schuld, welche mit dem Obst nach Deutschland möchten.

Die amerikanische Schlachtflotte soll auf 16 Linienschiffe erhöht werden. Dies ist in so fern von besonderer Bedeutung, als die amerikanische Schlachtflotte damit die Stärke erlangt, welche die deutsche Flotte nach dem vorjährigen Flottengesetz im Jahre 1903 haben soll. Der Unterschied ist nur der, daß die Amerikaner erheblich schneller bauen als wir in Deutschland, sodaß die amerikanische Schlacht­flotte voraussichtlich im Jahie 1903 aus 16 ganz neuen Linienschiffen neuester Konstruction bestehen wird, während im deutschen Flottenbestande dann immer noch die Division der Baden Classe sein wird. Wenngleich wir an keine politische Combination glauben, die die amerikanische Flotte zu einem kriegerischen Gegner der deutschen machen würde, so muß doch darauf hingewiesen werde», daß diese 16 amerikanischen Linienschiffe ein Faktor sind, mit dem bei der Ent­werfung und Berathung des deutschen Flottengesctzes noch nicht gerechnet werden konnte. Auch gewinnt die Sache dadurch an Bedeutung, daß kein Geringerer als der bekannte Kapitän Mahan im Juliheft vorigen Jahres von „Harpers New Monthley Magazine" die amerikanische Seerüstung direkt gegen Deutschland gerichtet wissen wollte. Binnen wenigen Jahren wird somit die amerikanische Flotte der politisch militärischen Lage auf dem Mittelmeere ein wesentlich verändertes Aussehen geben, wobei die reichen finanziellen, tech­nischen und Personen-Hilfsmittel der Union wesentlich ins Gewicht fallen.

"ein," rief Lollo dazwischen, „e nein, Erni, igW' die Dame gestattet es Dir nie! Wir müssen " 818 ohne ihre Erlaubniß gestatten!'

»Das geht doch nicht gut, Voll» — Dn vergissest daß Deine Mama täglich davon spricht, wir r Antu an de» Chiemsee gehen —*

das kommt nicht so rasch dahin, und zuvor JtaT der Meister mit seinen Augen! Das tt herrlich — denken Sie nur an daS kleine au? MM, von dem Sie mir sagten u. h^ten es zweimal ganz flüchttg gesehen und mit to9t” Sohlen. Und wie ist eS lebensvoll!" w ’®Mr!" sagte der Maler mit e'nem gedanken- Jv11 Nicken. „Man muß das können, wenn's eben ZT anberg geht. Aber daS kleine Blumenmädchen NWa, das hab' ich als flüchtige Skizze hinge- j 1 — unb hier — hier möcht' ich" — seine

öchentlichc Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.

ewbtiion: Markt 91. —Jllustrirtes Sonntagsblatt. Vrrantwottlich für die Redaktion: Redatteur M. Hartmann ix Marburg.

_________ Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.

Setten des Kriegsministers ausgesprochene Anschauung, daß die Ausbildung des Ersatzes durch das ständige Steigen der Zahl der zur Einstellung kommenden Vorbestraften auf das ungünstigste beeinflußt werde, »ttd Jedermann ohne weitere Beweisführung als Messend erscheinen. Wer jemals Gelegenheit gehabt hat, sich einen persönlichen Einblick darüber zu be­schaffen, wie groß der Einfluß der kriminell „Er­fahrenen" auf die besseren Elemente einer Abtheilung, »ie stark hier die Ansteckungsgefahr ist, und wer Gelegenheit gehabt hat, Truppentheile, die durch ihre Ersatzverhältnisse in der Lage find, keine ober nur Rnige Vorbestrafte einzustellen, mit solchen in Ver- «ltich zu bringen, für welche bie Lage in biefer Richtung ungünstiger ist, bem wirb wohl ber Grund der Verschiedenheit in dem Geiste und in der ganzen Leistungsfähigkeit der Truppe gelegentlich zum Be- »ußtsein gekommen sein und der wird sich vielleicht w banger Besorgniß die Frage vorgelegt haben, ob denn gegen die durch solche Erscheinung unserer Wehr- rrpe», traft drohende Gefahr kein Rettungsmittel zu finden sei. Ja! Das Steigen ber Krimmalziffer betreutet für unsere Wehrkraft eine unmittel» :Hre G fahr und es ist die höchste Zeit, daß wir anschicken, dieser Gefahr entgegenzuwirken.

nach den zur Verfügung stehenden allgemeinen Ein- richtungen in den Strafanstalten bestehe eine solche Möglichkeit. Die Einwirkung auf die seelische Ent­wickelung könne niemals die Sttafanstalt, könne nur die Erziehungsanstalt geben, die Erziehungs­anstalt, in welcher nicht die Strafe als gerechte Ver­geltung für begangene Verbrechen, sondern die geistige und (körperliche Ausbildung des Zöglings den für die Dauer und die Art und Weise der Einwirkung maßgebenden Gesichtspunkt bilde.

Diese Erwägung führt den Verfasser dazu, eine Abänderurg des geltenden Rechts einmal in der Richtung für wünschenswerth zu erklären, daß daS Alter der Strafmündigkeit hinauf­gerückt werde — mindestens bis znm vollendeten 14. Lebensjahre — und daß dem Richter die Be- fugniß gegeben werde, entweder auf ©träfe oder auf Einweisung in eine Erziehungsanstalt (oder auf beides) zu erkennen. Dies führt noch zu einem weiteren, zu ber Frage: „Ist es benn kriminal­politisch angemessen, daß ber Staat mit ber Ein­leitung einer von ihm überwachten Erziehung so lange wartet, bis das Kind eine strafbare Handlung begangen, oder richtiger gesagt, bis das Kind wegen der Begehung einer Strafthat in gerichtliche Unter­suchung gezogen wird?"

Wer nach der Quelle der Verbrechen forscht, der findet diese Quelle in der übergroßen Anzahl aller Fälle in den M ä n g e l n der dem Kinde zu Theil gewordenen Erziehung. Denn werden durch die Erziehung nicht gegen die staiken, von allen Seiten berantretenben Reize zum Verbrechen, burch bie Einflößung sittlicher Grundsätze Gegenmotive ge­schaffen, bann muff n ja bie ungebändigten egoistischen Triebe auf die Bahn des Verbrechens führe». Ge­wiß fällt die Aufgabe ber Erzi.huvg in allererster Linie den Eltern zu; wenn aber diese natürlichen Erzieher fehlen, ober wenn dieselbe» jener Aufgabe nicht gewachsen sind? — dann unterbleibt die Er­ziehung, und es kommt in nothwendiger Entwickelung zu den Erscheinungen, denen wir heute mit Schrecken unb Sorge gegenüberstehen.

Hier muß ber Staat eingreifen, hier muß ber Staat als Erzieher bie Auf­gabe übernehmen, bie von ben natürlichen, in erster Linie hierzu berufenen Erziehern nicht gelöst wirb. G.wiß werben bie Kosten, welche bie Durchführung jener Vorschläge etforbcrt, große, sehr große sein, aber sie werben gegenüber ben Zwecken, bie zu er­reichen sind, nicht zu große fein. Dem Reich obliegt in elfter Linie bie Fürsorge für bie Erhaltung ber Wehrkraft, an die Reichs gesetz g e b u u g müssen wir deshalb auch hier in erster Linie appelliren; sie hat die Maßregeln zu treffen unb bie Mittel zu ge­währen, welche hier ersorberlich finb. Der preußische

Blicke streiften wie eine Liebkosung Ernis Haar, ihre Augen unb Sippen— „'s ist eine himmelweit andere Sache! Nicht zwei Menscheugefichter auf dem weiten Erdenrund sind einander gleich — hier macht es nur die Form — da nur der Ausdruck. Aber wo Form und Ausdruck einem ins Herz Hineinreben, daß man nach Stift und Pinsel greifen möchte —" «

i . Es kam eine zitternde Ungeduld in fein beweg­liches Gesicht, eS war, als wenn er anffpringen unb bavonlaufen wollte, unb wieder schien eS ihn gegen feinen Willen festzuhalten. Seine Hand that sich auf, ballte sich wieder, als wolle ste etwa» mit Ge­walt ergreifen unb festhalten.

„Haben Sie benn kein Skizzenblatt, keine» Crayon bei sich, Meister?" fragte Lollo.

Er schüttelte zornig den Kops, tastete, wie zur Bestätigung mit den flachen Händen an den beiden Rocktaschen umher und stieß einen kurzen, unmutigen Laut aus, wie ein recht verwöhntes Kind, dem es einmal nicht nach bem Sinn geht.

„Absichtlich baheimgelafle»! Nichts gebacht, nichts gewollt, als Lust unb Änsamkeit — .'mal keine Menschen! Ich hab' bie Menschen lieb unb bin ge­sellig, nnb Nerven — Nerven," — Hansen wanbte fich gegen Erni unb warf übermütig ben Kopf zurück — „bie kenn' ich dis jetzt nicht. Nur Selbstbeherrsch­ung braucht'-, bamit ich sie nicht doch bekomme, sie, unter benen alle Welt seufzt nnb leidet. Ich will mich gesund erhalte» für meine Kunst, nub darum turne ich und schwimme und reite unb schieße Pistolen ab unb muß auch zuweilen ohne Menschen sein unb schweigen können. Das alles zwing' ich mir ab, um gesund zu bleiben, benn sonst, wenn es bloß nach meiner Meinung girge . ' . ich stünde tagelang und malte — malte vom Aufgehen der Sonne dir zum Dunkelwerden, ohne Essen, ohne Trinken, ohne Denken ... bas wäre mein Leben,

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