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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg nnd Kirchhain.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. fto"""""
34. Jahrg.
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glicht nicht unterliegen, z. B. russische, polnische oder
ordnungsmäßigen Buchführung zwingen und damit
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P« ist hauptsächlich an land- und forstwirthschaft- litze Arbeiter gedacht, die während der Ernte oder in Winter im Walde kurze Zeit thätig sind. Der Wmdesrath soll ferner befugt sein, zu bestimmen, Mer welchen Voraussetzungen Ausländer,
setzung einen Antrag auf Gewährung der höheren Invalidenrente gewärtigen zu müssen. Dies doppelte Verfahren mit seiner zweifachen Arbeit und Belästigung kann sehr wohl erspart werden. Wer 70 Jahr als Arbeiter alt geworden ist, wird meist zudem der Invalidität schon sehr nahe stehen. Um in der ersten Zeit die Renten etwas höher werden zu lassen, könnten für Männer und Frauen entsprechende Minimalrenten festgesetzt werden; vielleicht verschieden bemessen, je nachdem Kinder vorhanden sind oder nicht. Sodann muß davor gewarnt werden, die Steigerungssätze zu niedrig zu bemessen. ES muß unbedingt das Interesse, möglichst lange Zeit zu arbeiten, um möglichst viel Marken und damit eine thunlichst hohe Rente zu erhalten, wachgehalten und gefördert werden. Diesem Gesichtspunkte scheint in der Vorlage nicht ausreichend Rechnung getragen zu sein.
Die preußische Steuerreform des F i n a n z m in i st e r S v. Miquel hat in den letzten Tagen im Abgeordnetenhause lebhafte Erörterungen veranlaßt, indessen haben diese nur gezeigt, daß die neuen Steuergesetze sich im großen Ganzen durchaus bewährt haben. Eine bessere Anerkennung konnten Einkommen- und Ergänzungssteuer- gesetze gar nicht erfahren, als daß gegen sie nichts weiter wie einige Klagen über Härten bei den Veranlagungen laut wurden. Es ist selbstverständlich, daß sich die Selbstdeclaration erst einleben muß, ehe sie überall so gehandhabt wird, daß Beanstandungen im nennenswerthen Umfange nicht vorkommen. Man wird aber die jetzt noch vorhandenen Schwierigkeiten um so leichter in Kauf nehmen können, als die neuen Pflichten, welche den Zensiten mit der
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--- Wartezeit gilt nicht bloß Krankheit im eigentlichen i ui binne, sondern auch Wochenbett- und Genesungs-Zeit.
zu werden, die größte nach Großbritannien und den Vereinigten Staaten.*
Daß diese Worte nicht geschrieben sind, um dem deutschen Handel ein Loblied zu singen, sondern um den englischen Handel anzuipornen, bedarf keiner besonderen Versicherung. So Hingt denn auch der Bericht des Herrn Gastrell in der Mahnung an seine Landsleute au», sich nicht überflügeln zu lassen und namentlich darauf zu halten, daß die englische Industrie nicht auf der Pariser Ausstellung durch die deutschen Industriellen, die mit Unterstützung der Regierung ungemeine Anstrengungen machen, um die anderen Nationen zu übertreffen, zurückgedrängt werde. Die Deutschen werden sich bevorstehender harter wiith- schaftlicher Kämpfe bewußt bleiben müssen.
die von den Knusleuten längst erworbene Möglichkeit der Uebersicht über Einkommens- und Vermögensverhältnisse zu jeder Zeit auch anderen Bevölkerungsschichten gewähren. Gegen das neue Communal- abgabengesetz wurden im Abgeordnetenhause zwar, soweit die Realbesteuerung seitens der Gemeinden in Frage stand, auch prinzipielle Bedenken erhoben. Man braucht aber nur, wie die „Berk. Pol. Nachr." hervorheben, die in früheren Zeiten, in denen die Einkommensteuerzuschläge in gar vielen Gemeinden schließlich geradezu unerträglich hoch wurden, mit den heutigen, in denen eine solche Ausartung unmöglich gemacht ist, zu vergleichen, um zu erkennen, daß die Bedenken ohne jede gercchtfert'gte Unterlage sind. Bei jeder Steuergesetzgebung wird es schließlich Zensitenclassen geben, die sich durch dieselben bedrückt fühlen. Die ganze vorn Finanzminister v. Miquel duichgeführte Steuerreform beruht auf dem
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durch das Staatsbahnwesen — lebhaft unterstütze. Dann schreibt er:
„Mit brr Gründung des deutichen Reiches in 1871 begann die kommerzielle Größe Deutschlands. Vordem verhinderte der Mangel einigen Vorgehens unter den deutschen Staaten Ausdehnung. Bismarcks Anstrengungen, dem einigen und wtederg« boreuen Deutschland den HandclSgeist und die kraftvolle Energie der alten Hansastädle einzuflößen, wurden von dem Volke, das für Handelsunte nchmungen ungewöhnliche Begabung besitzt, selber unterstützt. Seine charakteristische Gründlichkeit hat ihm geholfln, seine jrtzige Stellung auf jedem Handel? gebiet zu erreichen . . . Diese höchst werthvolle Characleristik hat alle Schichten der Bevölkerung durchdrungen und ihre Wirkungen sind sichtbar in der Weise, wie jedes private oder nationale Ur ternebmen durchgeführt wird: Keine Einzelheiten gelten als zu un bedeutend in der Erreichung eines gegebenen Zieles; keine Mühe wird gestellt in dem Bestreben, Details zu bewältigen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß es ihr in dem Wettbewerb mit anderen Nationen eher durch eine Menge kleiner Neuerungen, als durch große Veränderungen ge: lungen ist, die wichtigste Handelsmacht auf dem Eo tiuent
Umschau.
Der wirthschaftliche Aufschwung Deutschlands wird namentlich von den Engländern mit stets wachsender Mißgunst betrachtet. Diesem unschönen Gefühle, das aber unsere britischen „Vettern* zu noch lebhafteren Gegenanstrengungen gegen den deutschen Handel reizen dürste, wird ein soeben veröffentlichter Bericht des Handels-Attaches Gastrell bei der britischen Gesandtschaft in Berlin an seine Londoner Behörde neue Nahrung geben. Herr Gastrell Betont zuvörderst, daß Deutschland im Umfange seines Handels und seiner Handelsmarine in der Welt an die dritte Stelle gerückt sei, daß es überall thatkräftig vorgehe, seine Kriegsflotte zu
1888 bis 1890 genaue Arbeitsbescheinigungen für mindestens 141 Wochen beigebracht werden. Dieser Nachweis war sehr lästig und oft recht schwierig. In Zukunft genügt es, wenn dargethan wird, daß der Versicherte während dieser drei Jahre berufsmäßig, wenn auch nicht ununterbrochen, eine ver- stcherungspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Unter bestimmten Voraussetzungen soll dieser Nachweis überhaupt erlassen werden dürfen.
Für Rentenempfänger, welche keine Angehörigen haben, wird von hoher Bedeutung sein, daß sie auf Kosten der Versicherungsanstalt in ein Siechenhaus ausgenommen werden können. Freilich geht die prac- tische Anwendung dieser Bestimmung zu einem guten Theile dadurch verloren, daß dies nur „auf Antrag" des Rentners geschehen kann: andererseits wird man füglich kaum einen dahingehenden gesetzlichen Zwang aussprechen können.
Für Ansprüche weiblicher Personen, welche heirathen, und hinterlassener Wittwen und Waisen auf Rückerstattung geleisteter Beiträge wird die Wartezeit von 235 auf 200 Wochen ermäßigt. Das Verfahren hierbei wird insofern vereinfacht, als die Bescheide des Vorstandes nicht mehr durch Berufung und Revision,' sondern nur durch Beschwerde an das Reichs- veisicheiungsamt angefochten werden sollen.
Die Ausschlußfrist ist von drei auf sechs Monat verlängert und für Witwen und Waisen auf ein Jahr nach dem Tode des Erblassers bemessen.
Als von Bedeutung für eine erhöhte socialpolitische Wirkung des Gesetzes schlägt der Entwurf die Er- hnng der Rentengrundbeträge in Abstufungen nach den fünf Lohnklaffen auf 60, 90, 120, 150 und 180 Mark vor, während die Steigerungssätze umgekehrt auf 2, 3, 4, 5, 8 Pfennige sich ermäßigen sollen. Die Altersrente soll sich aus dem Grund- betrage und dem Retchszuschuß von 50 Mk., die Invalidenrente aus dem entsprechend erhöhten Grund- betrage und den Steigerungksätzen zusammensetzen.
Durch diese neue Berechnung wird erreicht, daß die Invalidenrente in den ersten 20 Jahren nach Eintritt in die Versicherung, in den höheren Lohn- kiassen durchweg höher ist als jetzt, während sie von da ab niedriger wird. Dagegen verbleibt die Invalidenrente der ersten Lohnklasse in bisheriger Höhe und die Altersrenten stellen sich in spaterer Zeit etwas niedriger als nach den jetzigen Bestimmungen.
Dieser Vorschlag muß in zweifacher Beziehung als nicht glücklich bezeichnet werden. Zunächst müßte man für die Altersrente ebenfalls die Steigerungssätze zulassen; andernfalls bleibt sie zu niedrig. Man wird sie am besten wie die Invalidenrenten berechnen, schon deßhalb, um nicht gar bald nach ihrer Fest-
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition diese» Blattes, die Annoncen- BurearC von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Mägde- '*■ " "" " ~ " t a, M., Berlin, München, Köln;
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kalten« Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg. TMNllökNd, 11. 1899. 6. L. Dauöe & Co^, Frankftrt a. M.
pesen her Aufenthalt im Jnlande nur für eine be- stimmte Zeit behördlich gestattet ist, der Bersicherungs-
Weiter, welche nur in bestimmten Jahreszeiten für Mt mehr als 12 Wochen Lohnarbeit übernehmen.
jüdkmngsvoisch'äge, durch welche der Entwurf eine Artbildung der geltenden Rechtes anstrebt. Wir lejegnen hier zunächst der wohl zu billigenden Ausdehnung d e r V e r s i ch e r u n g s p f l i ch t über i Kreis der Handarbeiter hinaus auf Personen- tfe, welche sich einer höheren, mehr geistigen und ffenschastlichen Beschäftigung widmen. Dahin ge= üreu Beamte von Gemeinden und anderen öffent- en Korporationen, männliche und weibliche Lehrer Erzieher, Privatsekretäre und ähnliche Hilfskräfte Haushaltes, sofern ihr Jahresverdienst 2000 Mk.
übersteigt. Dagegen werden andere Personen m her Versicherung? pflicht freigelassen, so namentlich
Zum Entwurf des Jnvaliditäts- Versicherungs-Gesetzes.
Zu« Schluß unserer Erörterungen über den
Die Uebergangsbestimmunge» sind einfacher gestaltet. Von besonderer Bedeutung ist die Abschwächung „für die Altersrente erforderlichen Nachweises einer Bucht Echerung-pflichtigen Beschäftigung aus der vor- lisctzlich en Zeit. Bisher mußten für die Jahre
ft 6t Menische Arbeiter. Höher gelöhnten Arbeitern wird leise, durch Einschaltung einer fünften Lohnklasse der Erwerb ——1 einer höheren Rente ermöglicht und daneben wird die
.... ... . Declaration auf et legt sind, für die Wirihschaftlichkeit
Gunsten des Handels vermehre, sein Eisenbahn- und weiter Kreise deshalb von Nutzen sind, weil sie zur Kanalwesen entwickle und den Handel — begünstigt ordnnngsmäßigen Buchführung zwingen und damit
Die Voraussetzungen für die Erwerbung der -okiobck^tknansprüche sind wesentlich erleichtert und zwar dahin, daß die Wartezeit für Invalidenrente aus 1.3« lorübergehender Erwerbsunfähigkeit von 52 t. 3. inf 26 Wochen verkürzt, die Wartezeit für die Jn- ilsplErlidenrente aus dauernder Erwerbsunfähigkeit in Wn 235 auf 200 und die für die Altersrente von J HlO auf 1200 Wochen herabgesetzt wird. Als
V Werverstchernng allgemein erleichtert. Die fteiwillige ’ Lersicherung erfolgt nicht mehr durch die theneren 6pvtt Dsppelmarken und ist fernertoeit nicht mehr auf . Febi Lvhuklasse II beschränkt. Die Beiträge in Lohn- hi: ü-sse I und II find auf 12 bezw. 18. Pfg. herabgesetzt.
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hatte er unternommen, — ihm dringend zu gönnen, wie die Geheimräthin immer von neuem betonte, er hatte fich eben überarbeitet, der gewissenhafte, fleißige Mann. Jedes Jahr machte er eine Rtise — warum sollte er auch nicht, da er eS dazu hatte? Aber dieselbe fiel dann in die Gerichtsferien und währte nur solange diese dauerten . . . diesmal hatte er sich einen Extraurlaub angedeihen lassen.
„Wüßte man wenigstens genau, wann Prätorius zurückkommt — könnte man die Geschichte nur so lange hinziehen 1" seufzte die alte Dame.
»Hat er D r nicht kürzlich geschrieben, Mama?" fragte Hertha ruhig — sie ahnte wohl die stillen Pläne der Beiden, hielt es aber nicht für nothwendig, sich vorzeitig darüber anfznregen.
„Ja, aus Venedig, das ihn übrigens enttäuscht hat, er hat eS sich poettscher gedacht, auch hat er viel Regen gehabt, und der Mond ist an keinem Abend zum Vorschein gekommen! Ja, also auS Venedig war sein Brief, aber von Rückkehr stand, soviel ich weiß, kein Wort darin."
solchen Mann wie unfern PrätorinS beurteilen könnte! Gieb es zu, meine Hertha, er ist doch ein seltener Mensch!"
„Sanz gewiß, Mama, schon darum, weil Papa ihn so hochschätzte und auch Du so viel von ihm hättst!" —
Hier kam Lollo wieder mit Ungestüm ins Zimmer gestürzt, eine graue, große Malschürze nmgebnnden, die buntscheckige Palette in der Linken.
„Lol, in diesem Aufzug kommst Du in mein Boudoir, — und nun mü Deiner schrecklichen Palette I Da weißt doch, wie fatal mir dieser Geruch ist —*
Kto'y’S wagt fich eben an Alle heran und an L^uibe Männer wie an schöne Frauen am p’Wen!
k/^enfaßg war dies Juwel von einem Mann, kJT' Beamten und künftigen Schwiegersohn jetzt [ eine lange ErholuvgStour nach dem Süden
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(Nachdruck verboten.)
Schule des Lebens.
Roman von Marie Bernhard.
(Fortfetznng.-
»Dann müffen wir doch ohne ihn handeln, findet es überhaupt schrecklich, daß Du nichts Prätorius thun willst — fie kann ihn gar nicht recht leiden."
Prätorius galt als tüchtiger Beamter, machte gute luifcftttiere, war jetzt wohlbestallter RegiernngSrath und 00 Sr mit seiner strengen korrecten Denkweise, seine» 93 Set n drundsätzcn so ausgezeichnet zu der Geheimräthin, l«^C?.?e seitdem sie Wittwe geworden, als ihren - Ernten Hausfreund ansah, seinen Rath bei jeder 4:>gkn Gelegenheit einholte und befolgte und, wie geweihte sagten, eS nicht ungern sehen würde, J® Prätorius, der Treffliche, einmal die treffliche tha als sein ehelich Gemahl heimführen wollte. °Mand eine Art von stiller llebereinkunst zwischen R-gieuuiggrath und der alten Dame über diesen Punkt — Prätorius behandelte einstweilen Zukünftige etwas väterlich und gönnerhaft von Aerab, was wohl dem Umstand zuzuschreiben [ daß er fie als Kind im kurzen Kleidchen ge« hatte. In allen Fragen, welche die Dankei- He Häuslichkeit betrafen, fühlte sich Prätorius l'u hineinzureden, nur Lollo behandelte ihn «ch schlecht »nd liefe sich von ihm nichts sagen, 9> QI8 alberne Kinderei großmüthig ignorierte. 100% * Zungen wollten freilich behaupte», der kluge
Regierungsrath sei ein arger Stteber, und mit „i/. £ allerorten zur Schau getragenen Solidität gelg. tS auch nicht so überaus ernst z» nehmen; 97M L«."^?^lte, et lönne zuzeiten gefährlich über die
Klagen und ttr da» gerade Gegentheil der W A Sittenstrenge verfallen — nun, die Ver-
„Ach, das ist ja ganz egal!" Lollo hielt die schreckliche Palette hoch in die Luft empor, als ob damit etwas gebessert würde. „Ich geh gleich wieder — hatte oben keine Ruh beim Malen, bekam nichts fertig, mußte erst wissen, wie toeit hier die Debatten gediehen sind, ob wir das entzückende Geschöpf in das Haus bekommen oder nicht. Wenn nicht — na, dann werdet Ihr was an mir erleben! Nun — also?"
Blitzg-schwind drehte sie den Kopf zwischen Mutter und Schwester hin und her.
„Ja, Kind, das geht so schnell nicht, wie Du denkst! Wir haben nnS noch nicht entscheiden können!"
„Noch nicht?" Das temperamentvolle Kind wollte die Hände vor Entsetzen zusammenschlagen, vergaß darüber die Palette und liefe dieselbe von ihrer Höhe herab mit der Farbenseite auf den hellgetönten Teppich falle». Doppelter Auffchrei vo» Mutter und Schwester: „Die Palette!" — „Mein Teppich!" Lollo zog de» Kopf zwischen die Schultern und streckte die Zunge lang heraus ... eg war dies ihre Manier, Rene über eine angestiftete Dummheit zu zeigen. Sie kniete nieder, sah den Schaden an und sagte halb lachend: „Die chemische Fleckenreinigungsanstatt wird fich freuen. Gott, die Leute dort wollen auch leben 1 Also was wird mit Erika Levtz? Klingt nicht schon der Name reizend? Als ob man etwas schönes riecht!" LolloS Stumpfnäschen sog. begeistert den Delfarbenbuft der Palette ein.
Was that man mit diesem enfant terrible ? Die Geheimräthin sah zweifelnd auf Hertha. Lollo fing den Blick auf und umarmte die Mutter stürmisch.
„Du thust eS, natürlich thust Du es! O, Du gute — beste — prachtvollste aller Mütter! Nun schreibst Du gleich nicht wahr, und machst, dafe sie schon morgen hier ist? Ich brenne auf fie — sie mufe mir fitzen, ich zeichne fie — in Pastell, in — in — tote eS wird! Und mit der zusammen durch
die Strafekn zu gehen — hui! Werden aber da die Leut' aufschauen!"
„Mein Kind, diese Art der Auffassung —"
„Ja, Mamachen, das ist so meine! Bin ich auch erste Mitte fünfzig, hab' ich vielleicht Deine; ich glaub’ eS übrigens nicht! Mitte fünfzig! Einfach nicht zu Ende zu denken! Wenn man so jung ist und so verliebt, wie ich —"
„Ver-ver—liebt? Lollo!"
„Aber natürlich! In zwei Menschen — in Gottfried Hansen und Erika Lentz! Das eine ist ein verhttratheter Mann und das andere ein Mädel, also hat's keine so grausam große Gefahr! Ihr seid doch auch verliebt in euren Tugendspiegel Ferdinand Prätorius — mein Fall ist der nun weniger! Wie einer überhaupt Ferdinand heifeett kann!"
„Liebe Tochter, wirklich, der Regierungsrath entzieht fich Deiner Beurtheilung!"
„Und ich entziehe mich seiner! Thu' ich ganz bestimmt nnd immer, wo ich nur kann! Mag er regieren, wo und wen er will — Euch beide, unser ganzes Haus — ich thu' nicht mit, ich bin „Linke", ich bin Opposition, ich streike!" Sie schwenkte unternehmend die Palette.
„Wie mir das alles auf die Nerven fällt!" klagte die hilflose Mutter und griff sich an den Kopf.
„Ja, Lollo, Du bist rücksichtslos!" warf Hertha ein.
„Wir gehen sofort — ich und die Kunst! Ihr solltet euch nur frtuen, daß ein bifferl Atelierluft in Eure parfümierten Sclons kommt! Aber ihr könnt ja hinter mir lüften, mich und die Kunst ausräuchern! Abgemacht! Morgen kommt Erika Lentz, das Mädchen mit dem maienhaften Namen und dem süßen — süßen — süfeen Gesicht!"
Die graue Leinenschürze wirbelte zur Thür hinaus. Die Geheimeräthin schüttelte seufzend das Haupt. — Und am folgenden Tage hielt Erni Lentz ihren Einzug in das Dankelmannfche Haus am MarimiliauSplatz. (Fortsetzung folgt.)