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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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m 28 SÄKLStfÄ äfcftÄ Marburg SSSÄÄi?«S?ö8!ÄÄ wallen. Zeil^derder« Raum 40 Pfg., Reklamen - dL Zeile 25 Pfg. DüNNerstag, 2. FebrUllk 1899. 1T&Tg0 f,
Die Bekämpfung der Social-
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demokratie.
DaS Stadtpolizeiamt zu Schwerin bat eine von brot socialdemokratischen Gewerkschafts - Canell einbe- ruftne Versammlung auflösen lassen, weil die Ber- femmlung eine öffentliche, nicht genehmigte Versammlung zu politischen Zwecken war. Zu dieser Versammlung war mit Karten eingelade». Gegen das polizeiliche Verfahren hat das Gewerkschafts - Kartell bie Beschwerde an das Großherzogl. Ministerium des Amern erhöbe». Diese Beschwerde ist als vollständig »begründet verworfen.
Mit Recht tritt — so bemerken hierzu die »Mecklenburger Nachrichten" — das Schweriner Stadtpolizeiamt mit Energie allen Versuchen der srcialdemokratischen Parteileitung, die gesetzlichen Be
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ßMMungen zu umgehen, entgegen. Daß sein entschiedenes Verfahren durchaus den gesetzlichen Bestimmungen entspricht, hat daL Gioßherzogliche Ministerium des Innern in letzter Instanz ausdrücklich anerkannt. In Einklang mit einer Entscheidung deS Großherzogl. Oberlandesgerichts hat eS ftstge- stellt, daß eine Versammlung schon dadurch den Character einer öffentlichen verliert, daß besond re Knladungen durch Karten ergehen. Die Frage, ob ane Versammlung als eine politische anzusehkn ist, iß sodann nicht allein nach ihrer Tagesordnung, die ja von der Socialdemokratie immer recht unver- s-aglich eingerichtet zu werden pflegt, zu beurtheilen, sondern auch nach weiteren Umständen, nach der Parteistellung der Einberufer, der Versammlungs- redner u. s. w.
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, u ' wwvvi** 11 UW* uuuj Wi sein will. Geben die zur Führung berufenen "erionen die Zügel aus den Händen, so ergreifen
Wäre das Socialistengesetz nicht scblumeit- aufgehoben, so hätte die Socialdemokratie 'en itd annähernd solche Fortschritte in D,rein, Mecklenburg gemacht, wie sie es seitdem gethan. Im . grnä([( 2ah:e 1887, die letzte Wahl, welche unter schaifer Anwendung des Socialistengesetzes stattfand, brachte es die Socialdemokratie in Mecklenburg nur auf 5893 Stimmen. 1890, als die Aufhebung des Eocialistengesetzes bereits feststand, und der neue Kurs ^ Anzüge war, brachte sie eS sogleich auf 26 548 bummen, um 1898 42973 Stimmen auf sich zu «reinen. Diese Zahlen sprechen besser, als alle sonstigen Beweise, daß die gesetzliche Be zu »erst Mnpsung d r Socialdemokratie mit den Machtmitteln Leis Startes erfolgreich ist.
Dies ist in Mecklenburg leichter, als irgend wo I arbiiki' <n?tt8- dortige Arb-it.rbevölkerung ist im Großen ; gi,.*, ""Ganzen eine durchaus gesetzliche, politisch gleich- iminen ^rlche der Führung bedarf, aber auch ge- UUUHU» hthlf S.1- Cf Mt r r
ichl 1899
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
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Erni wurde flammendroth.
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Du denn gar nicht, ob er irgend eine «schafttgung in Brüssel hatte — und w lche? fragte
^ .3a," sagte sie hart. „Ich habe eS erfahren und ^°r mrs sicherer Quelle: er war dort Bortäuzer in «nvn Balllocal."
«nn wurde flammendroth. Sie senkte den als ginge sie mit sich zu Rath, ob sie sollte was sie wußte. — Nach einem Augen- das Antlitz, die Braunen finster ge- die Lippen trotzig geschürzt, wie ein Mensch, «tfj? * tm ^"tschlossen ist, dem es auf nichts mehr
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Schule des Lebens.
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®t#f 1 ’ Roman von Marie Bernhard. iui%«
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,l9v J alte Herr ruckte zusammen. Wenn dies i°7*1 sS?“ tne Ballis wüßte! Cr faßte »ach Ernis 101 H ~ sie lag eisig kalt und wie leblos in der
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jirf »Wie lange seid ihr in Brüffel geblieben?"
Mjl X 'Gm Jahr — oder nicht ganz! So ungefähr!" Scii l. «Uud er — Dein Vater, meine ich — wie war Benehmen gegen Dich?"
Zeit lang hatte er mich wenig beachtet, ^drr jch glücklich m«. Ich habe ungerufen nie-
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mg » gemacht als dies!
»Kind, dies Gespräch ist zu aufregend für Dich drecheu wir es ab!" sagte er mahnend.
98 fc.» aei», Onkel Konrad!" Erni hatte wieder 98*.) ^^verächtliche Aufflammen in de» Augen. „ES 8,1/4 **ait ia nun alle» auf ein und dasselbe heraus!
^7 wolltest von mir wissen — ich bin jetzt gut im SSL* • • Uttb «laude es mir, ich habe Schlimmeres
handenen Anschluß an das völkerverbindende Meer. In dem neuen Landungspuncte am Bosporus werden künftig Deutschlar ds Handelsschiffe die für die Einfuhr nach Kleinasien bestimmten Waaren löschen uud dafür die auf dem Schienenwege der Anatolischen Bahnen herangeführten Erzeugnisse Kleinasiens zur Verfrachtung nach den verschiedensten Bestimmungsorten übernehmen. Der Hafenbau von Haidar Pascha wird daher dem deutschen Handel im Orient und der deutsche» Schiffahrr nach der Levante ein werthvoller Stützpunct sein und die wirthschaftliche Erschließung im deutschen Sinne fördern. Auch dieser neue Erfolg unserer auswärtigen Politik legt Zeugniß dafür ab, daß die Orientteise unseres Kaisers ihre Früchte trägt und die berechtigte» Wünsche unserer HandelS- krtise schneller und reicher verwirklichen hilft, als es sonst möglich gewesen wäre.
die Socialdemokraten dieselben. Es find Arbeiter bekannt, welche im letzten Sommer den Socialdemo- kraten gewählt haben und jetzt gern und willig ihren Groschen aus freien Stücken für das Bismarck-Denkmal in Schwerin gezahlt haben. Durch ihre Abstimmung glauben sie ihre pecuniäre Lage zu verbessern. Dabei ist ihnen gar nicht der Gedanke gekommen, daß damit auch fie ein kleines dazu beitragen, das Werk des groben Mannes zu zerstören. Diese Leute gilt es wieder zu gewinnen, und fie sind wieder zu gewinnen !
Aehnlich wie in Mecklenburg liegen die Verhältnisse vielfach auch in anderen, namentlich den östlichen Laudestheilen Dentschlands. Darum haben wir und mit uns alle auf Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Ordnung bedachten Elemente jedes Anzeichen, daß die Behörden jetzt beginnen von den ihnen zustehenden Befugnissen gegen die Socialdemokratie umfassenden Gebrauch zu machen mit Genugthuung begrüßt. Nur weiter mit fester Hand zugegriffen! Dann wird sich die Hohlheit der Behauptung, daß sich mit „Polizeimitteln" gegen die Uwsturzschürer nichts aus- richtcn lasse, schon klar vor aller Augen zeigen.
Umschau.
Die Ueberzeugung, daß gegenüber der fortgesetzten Neubildung deutscher Staatslotterien bezw. der Verstärkung der bereits bestehenden ein Korrektiv gefunden werden muß, um die Einzelstaaten gegen das Uebermaß-deS LotteHtf pielszu schützen, durchdringt immer weitere Kreise. Der durch Strafgesetze zu vermittelnde Schutz gegen das Eindringen von Loosen der nicht zugelassenen Lotterien hat sich bisher nicht als ausreichend erwiesen. Man wird daher auf anderweite wirksamere Maßnahmen Bedacht nehmen müssen, um diesen Zweck zu erreichen. In Preußen macht sich dieser Mißstand um so stärker fühlbar, als dadurch der von der einheimischen Lotterie- Verwaltung befolgte Grundsatz, dem Spielbedürfniß im Interesse der Bekämpfung der Spielleidenschaft enge Grenzen zu ziehen, vereitelt wird. Die Preußische Staat Slotterie bezweckt ihrer Bestimmung und Einrichtung entsprechend nur die Befriedigung deS Spiel- bkdürfnisscs der einheimischen Bevölkerung. Die Zahl der Loose, das Verbot des Anbietens und der Reklame schließt naturgemäß jeden Eingriff in die wirthschaftliche md sittliche Sphäre der anderen Bundesstaaten aus. Die Achtung vor den Gesetzen wild in keiner Weise verletzt. Dieser Standpunkt ist zweifellos der richtige. Ihn hat sich auch der Senat der freien Hansestadt Bremen bei Versagung der Zustimmung zu dem auf Einführung einer Staatklotterie gerichteten Anträge angeeignet, und die Ablehnung damit begründer, daß die Unterbringung von Loosen in finanziell zweck-
mals das Zimmer betteten, wenn er da war! Einmal aber, als es wieder ein heftigen Zank zwischen ihm und Beatrice gegeben hatte — ich hörte ihre lauten Stimme» bis in mein Stübchen — wurde ich zu ihm geholt, und er eröffnete mir in hartem Ton, das Nichtsthun habe nun endlich ein Ende — ob ich meinte, er werde ein so großes Mädchen unausgesetzt kleiden und füttern, um nichts davon zu haben? Jch sagte nein — und überwand mich — und bat ihn — und was hat eS mich gekostet! — noch einmal, er möge mich lernen lasse» — ich wolle eisern fleißig fein . . . nun, ich wußte zum voraus, waS er antworten würde. Selbst wenn eS fei Wunsch gewesen wäre, mich Stunden geben sehen — ich mußte doch mindestens achtzehn Jahre alt werden, ehe ich daran denken durste, Unterricht zu ertheile». Das hätte länger al» drei Jahre gedauert, hätte Geld gekostet, und waS wäre für ihn wetter dabei herausgekommen? Jch hätte für mich selbst sorgen können allenfalls — er aber wollte, ich solle für ihn sorgen; das war seine Speculatton getoefen, als er mich zu fich kommen ließ, abgesehen davon, daß dies ein Racheact gegen Großmama war, die er von Grund feiner Seele haßt. Jch fing dann von der Musik an, ich weiß eS ja, ich bin dafür begabt, Alle hatten eS in Posen gesagt, und eine Konzertsängerin »der -spieleri» kann große Einnahmen haben. Aber auch dazu gehörte» ei» paar Studienjahre und Geld, daS er nicht hatte, für fich selber nolhwendig brauchte und das ich ihm verschaffen sollte. Meine Bitten und Vorschläge wurde» mit verächtlichem Lachen zurückgewiesen, — er wie Beatrice behandelten mich dabei, als ob ich nicht meinen Verstand hätte. Dau» flüsterten fie unter fich, wiesen mich aus dem Zimmer, und zwei oder drei Tage später erschien ein sehr kostbares, aber unendlich auffallendes Kostüm für mich, daS mußte ich an-
entsprechendem Umfange nur durch den Vertrieb in anderen Staaten erreicht werden könne, dieses aber nicht möglich sei, ohne die fremden Gesetze zu verletzen und den Wey des Schmuggels zu beschreite». Daß die außerp-cubischen deutschen Staatslotterien nur auf diesem Wege den ausgiebigen Absatz ihrer Loose erreichen können, weil die Zahl derselben das einheimische Spielbedürfniß weit übersteigt, ist bekannt. Der Umfang dieser Ueberproduktion tritt am deutlichsten zu Tage, wenn man sich daS Ver> hältniß der Bevölkerungsziffer zu dem cursirenden Spielkapital vor die Augen führt. Während Preußen bei einer Einwohnerzahl von 31855123 ein Spiel- kapital von 70 510 924 Mk. in Bewegung setzt, bei dem Spiel der Staatsloiterie also ein Betrag von 2,21 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung entfällt, stellt fich dieses Verhältniß in den übrigen deutschen Lotterie Staaten wesentlich anders dar; in Sachsen bei einer Einwohnerzahl von 3 787 688 und einem Spielkapital von 40 920 000 Mk. auf 10,80 Mk, in Mecklenburg bei einer Einwohnerzahl von 597 436 und einem Spielkapital von 17 820 000 Mk. auf 29,83 Mk., in Braunschweig bei einer Einwohnerzahl von 434213 und einem Spielkapital von 24420 000 Mk. auf 56,24 Mk, in den Staaten des Anhalt-Thüringischen Lotterie- Verbandes bei einer Einwohnerzahl von 1471419 und einem Spielkapital von 11528 000 Mk. auf 7,83 Mk. in Hamburg bet einer Einwohnerzahl von 681632 und einem Spielkapital von 27 869 874 Ätark auf 40,89 Mk., in L ü b e ck bei einer Einwohnerzahl von 83 324 und einem Spielkapital von 6173 998 Mk. sogar auf de» Betrag von 74,10 M. pro Kopf der Bevölkerung. Wollte man das Spielkapital auf das Niveau der Preußischen Staatslotterie bringen, so würde Sachsen von 40920 000 M. auf 8370790 M., Mecklenburg von 17820000 M. auf 1320 333 M., Braunschweig von 24420 000 M. auf 989 610 M, der Anhalt-Thüringische Lotterie- Verband von 11528 000 M. auf 3 251 835 M., Hamburg von 27 869 874 M. auf 1506 406 M., Lübeck endlich von 6173 998 M. auf 184146 M. zurückgehen müssen.
Am 29. Januar hat der Sultan einen kaiserlichen Befehl, Stabe genannt, erlassen, wodurch die deutsche An at o lisch e Eisenbahn-Gesellschaft in den Besitz des von ihr seit langer Z it erstrebten Rechtes gelangt, einen großen Handelshafen in Haidar Pascha am Bosporus zu erbauen. Durch diesen Hafen erhält die anatolische Bahn, die bekanntlich daS werthvollste Werkzeug der wirthschaft- liche» Unternehmungen Deutschlands in Kleinast.n ist, den bisher nicht in ausreichender Weise vor
ziehe», einen extravaganten Hut aufsetzen, mir das Haar auflösen und ein Bouquet Malmaisonrosen anstecken. So angethau, mußte ich an Papas Arm durch die belebtesten Straßen von Brüssel gehen, später fuhren Beatrice und ich in einer eleganten Equipage langsam, ganz langsam durch dieselben Straßen an einer ganzen Reihe anderer Wagen vorbei. Damals sah ich noch nicht klar, was damit bezweckt wurde ... ich sah nur, daß die Menschen mich beinahe alle angafften, viele mit einem Ausdruck — vfui, warum noch darüber reden? Sehr bald darauf kam Papa mir verkünden, ich solle gemalt werden, ein sehr bedeutender Künstler habe sich dazu erboten, eS sei eine große Ehre für mich, ich könne mich dieser Auszeichnung freuen."
»Und waS wurde eS für ein Bild?"
»Ich weiß eS nicht. Beattice brachte mich zu dem Maler, und der alte Herr hielt wohl ein Dutzend Sitzungen mit mir. Jetzt brauchte er mein Gesicht en face, jetzt ein halbe» Profil, — Dreiviertelprofil, daS Haar hoch hinaufgewunden — das Haar lose herabfliißeud — nun die Hand, — bann den Arm, — bas Gesicht emporgehoben, die Ange» auf- oder niedergeschlagen, ich nehme an er hat gut dafür bezahlt."
«Dann hat ein Bildhauer meinen Kopf gemeißelt, Hand und Arm ebenfalls. Und eines Tage» gingen wir fort von Brüssel, nach Paris."
„Führtest Du denn dort dasselbe Leben wie in Brüssel?"
„O nein, wir bewohnten in Pari« nun wieder ein großes, schönes Hans uud sahen ost Gesellschaft bei ms, ähnlich, wie in Berlin, — nur daß dies meistens Franzosen waren. Einer von ihnen wm ein großer Musikfreund — ich überredete ihn, mich zu einem Professor des dortigen Konservatoriums zu führen, der mich prüfen sollte.
Deutsches Reich.
Berlin, 31. Jan. Se. Majestät der Kaiser hörte heute Vormittag die Vorträge de» Chefs beS Militärkabinets, Generals von Hahnke unb des kommandirende» Admirals, Admirals von Knorr. Um 12 Uhr empfing S. M. der Kaiser den General- Superintendenten D. Faber.
— Der Unterstaatssekretär int Kultusministerium D. Dr. v. Weyrauch hat aus Gesundheitsrücksichten zum 1. April d. Js. feine Peufiouirung erbeten. Herr v. Weyrauch steht im 67. Lebensjahre und leidet, dem Vernehmen nach, an häufige» rheumatischen Affektionen, d'e ihm die Verwaltung seines anstrengenden Amtes mehr und mehr erschweren.
— Laut telegraphischer Meldung an das Ober- Kommando der Marine ist der Reichs Postdampser „Preußen" mit der abgelöfte« Besatzung S. M. S. „Möwe", Transportsührer: Leutnant zur See Kühne, am 30. Januar in Hongkong auge- kornmcn und will am 1. Februar über Singapore die Heimreise fortsctzen.
^rlamentarisches.
Reichstag.
Berlin, 31 Januar. (22 Sitzung.) Der Reichs, tag beschäftigte sich heute zunächst wieder mit den im Vorjahr angenommenen Anträgen der Abgg. Dr. Bachem und Münch-Ferber auf Abänderung des Zolltaiifs für gewisse rohseidene Gewebe. Nachdem die Abgeordneten Bachem und v. Kardorff über die amerikanische Rücksichtslosigkeit in der Zollpolitik geklagt, und letzterer der Regierung gerathen, den alten Bi-maickschen Giundsatz zu befolgen und die äußere 4 olttik unabhängig von der Handelspolitik zu führen, wurde beide Anträge in zwei Lesungen einstimmig angenommen.
Dann ging das HauS zur zweiten Berathung bei Haushalts für Kiaulschou über; Di. Lieber erstattete Bericht
Jch mußte spielen und finge» ... es hieß, es sei viel Talent für beides da, aber das Spiel bedürfte noch einer sehr sorgsamen Schulung und die Stimme sei noch zu zart, ich wäre zu jung, um jetzt schon das angreifeude Gesangsstndium ohne Schaden für meine Gesundheit betreiben zu tonne». Das war meine letzte Hoffnung gewesen, und nun blieb mir nichts übrig, als Abend für Abend als Schaustück h» Salon zu sitzen, wie mein Vater es wünschte und wie es ihm für seine Zwecke auch offenbar dienlich war. Hätten mich jetzt Gerichtsbeamte und Polizisten über das Wie und Was meiner Umgebung ausgefragt ich hätte ihnen besser Bescheid geben können als damals in Berlin! Einmal war's in dieser Zeit, da hörte ich in einer Gesellschaft einen deutschen ßieberfänger, der trug ein Lied vor, das fing an: .£), fänd" ich doch den Weg zurück, den lieben Weg ins Kinderland!" Unb die mich dafitzen und zu- hören sahen, die mußten denken, für mich fei dies Land noch mit wenigen Schritten zu erreichen, für mich, die ich selbst »och wie ein halbes Kind aussah ... und ich blickte darauf zurück, wie auf ein verlorener Paradies! Bis zum hellen Morgen hab' ich bann wach unb fiebernd bagelegen mit Thränen u°d immer Hai es mir im Herzen nachgeklungen: „D, fände" ich den Weg zurück, den lieben Weg in» Kinderland!"' “
Mit heißen Augen starrte Erni an dem Justiz- rath vorüber auf den bleu leuchtenden See. Hastig ging und kam ihr bewegte» Athmen.
„Dann brachen wir unfern Pariser Aufenthalt ebenso rasch und plötzlich ab, wie vor Jahren den Berliner, nur mit dem einzigen Unterschied, daß man mich diesmal nicht zurückließ.
(Fortsetzung folgt.)