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vom 18. Juni 1888

gerechter und milder Fürst zu sein, Frömmigkeit

IL und Gottesfurcht zu pflege», 11 | schirmen, die Wohlfahrt des Lc

den Friede» zu

Landes zu förderu,

U Monarchen zu entfremden, und, je mehr ihnen an

von

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1899

durch strengere Zucht Religion, Sitte und Ordnung M wahren, so wird ihm hoffentlich bei diesem Werke, das die Befestigung deS Friedens im Innern be- Deckt, der Erfolg ebensowenig auSbleiben, wie eS Er. Majestät gelungen ist, durch seine unausgesetzten Bemühungen nach außen den Frieden zu sichern.

Auch im vergangenen Jahre hat unser Kaiser sich als Schirmherr deS Friedens gezeigt. Hauptsächlich seiner Fürsorge ist eS gelungen, die verschiedenen

625 Mk., für jede Halbwaise 94 und für jede Vollwaise 144 Mk. betragen. In Stadtkreisen würde die Pension höher, in den übrigen Städten und auf dem platten Lande niedriger fein und zwar in den ersteren für jede Wittwe 873, Halbwaise 128, Vollwaise 243 Mk., in den letzteren für die Wittwe 595, Halbwaise 89 und Vollwaise 140 Mk. aus­machen. Nach einer angestellten Erhebung gab es am 1. April 1898 in Preußen 12109 Wittwen, 5139 Halbwaisen und 763 Vollwaisen von Volks- schullehreru. Davon waren int Etatsjahre 1897/98: 634 Wittwen, 563 Halbwaisen und 90 Vollwaise» hinzugetrete». Die Belastung des Staates au» dem neuen Gesetzentwurf ist auf vorläufig 158488 Mk. jährlich berechnet. Sie steigt von Jahr zu Jahr mit dem jährlichen Zugang an Wittwen und Waisen. Wegen der mit der Bevölkerungszunahme regelmäßig fortschreitenden Stellenvermchrung befindet sich die Zahl der Wittwen und Waisen in ziemlich regel­mäßiger Zunahme. Nach der aufgenommenen Schul­statistik waren 1891: 63 237 Volksschullehrer und 1898: 71993 vorhanden, die jährliche Vermehrung betrug danach 1251 Stellen. Nach den bisher vor­liegenden Erfahrungen wird angenommen, daß ans je 5,65 Lehrerstellen eine Wirtwen- und Waisen­familie kommt. Hiernach würde nach etwa 50 Jahren, wenn bis auf eine ganz geringe Zahl die bezugs­berechtigten Wittwen und Waisen aus den alten Raffen auSgestorben fein werden und nur noch solche der neuen Kassen vorhanden sind, bei einer Anzahl von 134543 Lehrerstellen die Zahl der Wittwen auf 22 242, der zum Bezüge von Waisengeld be­rechtigten Halbwaisen auf 9439 und der Vollwaisen auf 1395 anzunehmen sein. Die Aufwendungen des Staates würden dann rund 4,7 Millionen Mark betragen. Dieser Aufwand wird sich noch etwas dadurch erhöhen, daß nach dem neuen Gesetzentwurf auch den Hinterbliebenen der vor Ablauf einer zehn­jährigen Dienstzeit sterbenden Lehrer Wittwen- und Waisengeld gewährt weiden kann, welches der Regel nach ausschließlich aus der Staatskasse zu zahlen sein wird. Die bisherige Leistung des Staates betrug 1,8 Millionen, seine wirkliche Mehrleistung würde also nach 50 Jahren 2,9 Millionen ausmachen. Diese Mehrleistung wird aber erst im Laufe der Jahre erforderlich. In den erste» Jahren tritt vielmehr für die Staatskasse eine Minderausgabe ein, da die jetzt an die Wittwen- und Waiseukasseu zu leistende» Staatszuschüffe aus dem Kapitalvermögen der Kassen gedeckt werden. Die Mehrausgabe des Staates be­ginnt »ach 8 Jahre».

/ «armem Wohlwollen entgegengebracht wurde, destomehr die Unzufriedenheit und Begehrlichkeit zu schüren.

Gleichwohl hat unser Kaiser niemals aufgehört, ein milder und gerechter Fürst zu sein und den Bedrängten seine besondere Fürsorge zu widmen. , Wenn Se. Majestät nun besonders seitdem die / Rotte der socialdemokratischen Führer und Agitatoren

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den Armen und Bedrängten ein Helfer, dem Rechte ein treuer Wächter zu fein/

Dieses Gelöbniß hat unser Kaiser in unver­brüchlicher Treue gehalten. Leicht ist eS ihm nicht gemacht worden, als er mit landesväterlicher Milde de» Frieden im Innern zu schirmen sich entschloß mid als thatkrästiger Helfer den Armen und Be­drängten Wohlthaten über Wohlthaten erwies. Immer dreister erhob sich die revolutionäre Strömung und bemühte sich, die unverständigen Maffe» ihrem

Für die Allgemeinheit dürfte» die aus Angriff und Abwehr sich zufammeusetzenden Erörterungen im preußischen Abgeordnetenhause am

Auf den Thron meiner Väter berufen, habe Ich die Regierung im Aufblick zu dem Könige aller Könige übernommen und Gott gelobt, nach dem Beispiel Meiner Väter Meinem Volke ein

Sonnabend und Montag kein starkes Interesse haben. Etwa abgesehen von der Erklärung des Herrn Ministers des Innern, daß eine Entscheidung über die Frage der Bestätigung des Ersten Bürgermeisters von Berlin und über die Genehmigung zur Restamimng des Friedhofs int Friedrichshain in naher Aussicht stehe, förderte» die Verhandlungen neue positive Momente zu den bekannten Zeit- und Streitfragen nicht zu Tage. Das war anders auch kaum zu er­warten, da die freisinnigen Ärititen theils Themata betrafen, welche in breiter Oeffentlichkeit bereits aus­reichend klargestellt find, wie z. B. der Fall Delbrück oder der Erlaß, betreffend den Waffengebrauch der Polizei, theils Fragen berührte», wie die Reform des Landtagswahlrechts ober den noch unbekannten Gesetz­entwurf über die RechtSverhältniffe der Communal- beamten, welche noch nicht spruchreif sind. Nichts­destoweniger sind, so heißt es in derNordd. Allg. Ztg/, die Debatten keineswegs nutzlos gewesen. Die Kundgebungen der Verdrossenheit Seitens der bürgerlichen Demokratie eiuerseUS, die zielbewußte und energische Haltung des Staatsministeriums andererseits werden dazu Beitragen, die öffentliche Meinung darüber aufzuklären, warum zwischen der Regierung und dem Freisinn in feiner gegenwärtige« Gestalt nicht so leicht ein Band der Eintracht sich knüpfen läßt. Man wird getrost darauf bauen können, daß, falls das preußische Staatsministerium gestern dem ftcisinnigen Führer die glatte Erfüllung aller von ihm voigebrachten Forderungen zugesagt hätte, heute die fteistnnigen Beschwerdeführer mit einem neuen Klagebuch anrücken würden. Denn das Endziel der gesummten freisinnigen Opposition gipfelt nun einmal in dem Verlangen:es muß liberal regiert werden", d. h. doch wohlliberal" im Sinne der Freisinnigen Volkspartei. Aus dieser Grundstimmung heraus gestand denn auch der Abg. Richter am Schluß seiner Rede, daß dieUnzufrieden­heit im Lande", genauer ausgedrückt: die Miß­stimmung in den Reihen deS Freisinns, in der Zu­sammensetzung und Richtung der Regierung ihre tiefere Wurzel habe. Die Gegenwart ist aber ganz und gar nicht danach angethan, die demokratischen Ten­denzen zur Herrschaft zu berufen, die Regierung dürfte daher trotz des freisinnigen Mißtrauens Votums an der Mahnung des heiligen Benedict festhalten: ecce labora et noli contristari.

richtigen Friedensliebe des deutschen Kaisers und Lölkes; und wenn wieder neue Kriegsrüstungen auch für unser Land sich als nothwendig erwiesen haben, fe weiß Jedermann, daß dies nicht geschieht, um

In München hatten am 24. d. Mts. Abends zur Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers die Officiere des Be- urlaubtenstaudes ein Festmahl veranstaltet, an welchem auch Ihre Königlichen Hoheiten die Prinzen Ludwig, Leopold, Franz, Georg, Arnulf, AlfonS und die Herzoge Siegfried und

Angriffe vorzubereiten, sondern nm eine gewaltige Macht zu Gunsten der Friedenserhaltung in die Wagschale legen zu können.

Aus eigener Initiative unseres Kaisers entsprang da» thatkräftige Eingreifen der deutschen Politik in Ostasien. Durch die Besitzergreifung von Kiautschou und die emsige Ausnutzung der dort errungenen Position ist dem vaterländischen Handel und Wandel ein neuer Weg zur Ausdehnung eröffnet und das Ansehen Deutschlands im AuSlande beträchtlich ge< stärkt worden. Denselben Erfolg hatte die welt­bewegende Reise unseres Kaiserpaares in das heilige Land, und unvergessen sind die goldenen, Worte, die Se. Majestät bei der Einweihung der Erlöserkirche an die Christenheit richtete:

Nicht Glanz und Macht so sprach der Kaiser nicht Ruhm, nicht Ehre, nicht irdisches Gut ist eS, was wir hier suche», wir lechze», flehe» und ringen allein nach dem Einen, dem höchsten Gute, dem Heil unserer Seele». Und wie Ich das Gelübde Meiner in Gott ruhenden Vor fahren:Ich und Mein Haus, Wir wollen dem Herrn dienen", an diesem feierlichen Tage wiederhole, so fordere ich Sie alle auf zu gleichem Gelöbniß. Jeder sorge in feinem Stande und Berufe, daß alle, welche de» Namen des gekreuzigten Herrn tragen, in dem Zeichen dieses hochgelobten Namens ihren Wandel führen zum Siege über alle aus der Sünde und der Selbstsucht stammenden finsteren Mächte. Gott verleihe, daß von hier aus reiche Segensströme zurückfließen in die gesummte Christen­heit, daß auf dem Throne, wie in der Hütte, in derHeimath wie in der Fremde Gottvertrauen, Nächstenliebe, Geduld im Leiden und tüchtige Arbeit des deutschen Volkes edelster Schmuck bleiben, daß der Geist des Friedens die evangelische Kirche immer mehr und mehr durch­dringe und heilige."

Mögen diese goldenen Kaiserworte in den Herzen der Deutschen lebendig bleiben! Möge das landeS- väterliche Regiment unseres Kaisers und Königs auch in seinem neuen Lebensjahre und immerdar gesegnet sein! Möge der allmächtige Gott feinen Schirm und Schutz in aller Zukunft unserem kaiserlichen und königlichen Herrn und seinem Hause angedeihen lassen!

Zum 27. Januar.

Zum zehnten Male, seit unser geliebter Kaiser

Umschau.

Nach dem im Abgeordnetenhause vorliegenden Gesetzentwurf über die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Lehrer an öffentlichenVolkSschulen würde die durch­schnittliche Pension im ganzen Staate für jede Wittwe

3 n <- gewagt hat, das Andenken des Großen Kaisers Uv bei dessen Jahrhundertfeier zu schmähe» mit der Milde auch die Strenge paart und darauf sinnt,

Lntwt Konflikte, die die Ruhe Europas bedrohten, zu lokali- r i* finil und die beste» Beziehungen zu allen Mächten ar M erhalten. Niemand zweifelt mehr an der auf-

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.Aufrufe an Sein Volk" erklärte Se. Majestät:

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchham.

M»ckund Verlag: Zoh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei in Marburg. ffi t'W'ViVerantwortlich für die Redaktion: Redakteur M. Hartmann in Marburg.

Expedition: Markt 21. Telephon 55. Redaktion: Markt 21. Telephon 55.

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geh König den Thron feiner Väter bestiegen hat, fdern wir morgen seinen Geburtstag. Alle die zehn e e h gflijte seiner Regierung hat unser Monarch bewiesen, ^TTi daß die Förderung des Wohles von Volk und Baier- 'vCÄhnb ihm als oberste Richtschnur gilt. In dem

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Zeugs pha, Bertil aufen. (tröffe

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. tYVY Anzeigen nehmen entgegen: di- Expedition dieses Blatte?, die Annoncen-

Quartals-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Bureaux von Haasenstein L Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- n*

Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die ge- ~ i onn bürg, Wien; Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; 04. ^Zllyllj.

spalten- Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen. die Zeile 25 Pfg. Freitag, 27^JaNUar 1899. 6. L. Daube & Co., Frankfurt a. M Berlin, Hannover, Pari, rc

: 40.

Sri«!

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(Nachdruck verboten.)

Schute des Lebens.

Roman von Marie Beruhard.

(Sortsetzxug.)

Es war um einige Stunden später. Die Tisch- gwcke rief die Mittagsgäste zur Tafel.

Äderte alsbald Erui's Vater Herons, er hätte Mtoören mögen, es sei der elegante Herr in dem ^dellosen schwarzen Gesellschaftsanzug, Haar und :Bsri nach allerneuester Mode zugestutzt, echte große

t Im Speisesaal ftanben die Fensterthüre» weit uffeu. Das märchenhafte Blau des Sees grüßte kein, in hohen Kelchgläsern und Schalen blühten dufteten die wonnigen Frühlingsblume», die vsiche Lust streichelte liebkosend darüber hi», wie DiüeidigeS Trösten: ihr müßt welken und sterben, »ehmt meinen letzten Gruß mit, ehe ihr ermattet zur Erde niedersinkt! Felix Merck, eine auserlesene Gardenie im Knopfloch, erschien mit dem Justizrath Hammen und schickte seine erwartungsvollen-Augen Ech zwei Spähern voran, die Gruppe, die er suchte, "«nte er nicht entdecken.

Gleich darauf öffneten sich abermals die Flügel­türen, und die Erwartete» traten ein. Merck

Wo der Kerl das Alles her hat!" dachte der Ästhetiker neugierig und entrüstet zugleich.Wissen

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r $<i °Ate man doch, wo bei diesen zweifelhaften Aistenze» immer die Baarmittel Herkommen, um die Au«i> sich doch schließlich Alles im Leben dreht siehe i ^ti»e Tante und mich! Der Mensch hätte ein j wes, hübsches Besicht, säh' er nicht so tödtlich ab« 1 Klebt und front au8. Und das ist uatürlich

Patrice, die unentbehrliche Freundin pfui Teufel,

die ist ein unerfreulicher Anblick! Von Liebe ist natürlich bei den Beiden längst nicht mehr die Rede, aber er kann sie nicht mehr loswerden, sie weiß zu viel von ihm, und damit halt sie ihn fest, da sie sonst feine Chancen mehr hat. Zu dem Gesicht und der Figur nun dies blumenüberfäte Helle Foulard­kleid 'S ist ein Faustschlag mitten ins Angesicht der heiligen Aesthettk. Nun, das weißgekleidete Mädchen versöhnt sie wieder, Wonne meiner äugen, möge das Schicksal in Gestalt des maitre dhötel mir gnädig sein und mich in deine Nähe bringen. Der Mensch neben ihr, das ist dieser ekel­hafte Tota. Hat eigentlich gar kein Gesicht, ist bloß ein TypuS, weiter nichts. Und dieser graubloude nichtssagende Automat dann der Geck mtt dem tief ausgeschnittenen Gilei und den Pluderhosen, endlich der alte, widerliche Kerl mit seinem Satyr- lächeln und dem verkraxelten Gangwerk daS ist die Sarde dieses süßen Wesens eine Beatrice gibt die Ehreudame ab. Schütz mich Gott, 's ist die reine Menagerie!"

Mit diesen lästerlichen Gedanken setzte sich Felix Merck neben den Justizrath zu Tisch, Erni hatte ihren Platz ihnen schräg gegenüber, sie saß zwischen Tota und dem alten, von Merck so wohlwollend krittfierten Herrn, der hn leisesten Flüsterton mtt ihr französisch sprach und die Worte meistens so kurz abhackte, ja, uuvollendet ließ, daß kaum sie, feine Nachbarin, im Stande war, ihn zu verstehen. Sie schickte, während sie sich setzte, einen kurzen Blick zu dem Justizrath hinüber und wies bann mit ben Augen unauffällig »ach einer der auf hohem Fuß ruhenden Blumenschalen, die rechts von dem alten Herrn, ihm wie ihr in eneichbarer Nähe, auf bei Tafel stand. Gleich nach der Suppe zog sie, »ährend sie ruhig zu Tota weitersprach, wie in halber Zerstreuung die Schale zu sich heran, tastete mit

suchender Hand unter den Blumen, zog eine halb er­blühte Magnolie heraus und befestigte sie seitwärts an ihrem Kleide.

Das können wir auch, Fräulein Leni. Die junge Dame drüben giebt uns ein gutes Beispiel!" Mit diesen Worten wandte sich der Justizrath an seine Nachbarin zur Linken, ein verlegenes, niedliches Backfischchen von vierzehn Jahren, das mit ihrer Mama, einer stattlichen Branerswittwe aus Mönchen, schon seit etwa fünf Tagen in Riva weilte und feinen Platz bei Tisch stets neben dem freundlichen alten Herrn hatte, der es väterlich bediente, neckte und versorgte.

Gar zu gütig, Herr Justizrath; Lenerl, bedank' Dich!' sagte die Mama mit ihrer behaglichen Stimme, als der alte Herr dem erröthenden Kinde ein paar schöne Narzissen heraussuchte und geschickt genug in ben Gürtel der biaufeibenen Bluse schob'

Wirklich, es sieht hübsch auS!"

Das mußte auch der Justizrath finde», er schmunzelte beifällig, versprach, sich Lenerls fortan immer in dieser Weise onzunehmen, und nestelte ein wenig an seiner Westentasche, wie wenn er nach der Uhr sehen wollte.

Felix Merck erlebte es nicht, vorgestellt zu »erben. Es hätte fich allenfalls machen lasse», allein der gesühlose Justizrath schien, seitdem er seine kleine Nachbarin mit Narzissen geschmückt hatte, so zufrieden zu fein, daß es ihm nach weiter nichts verlangte und er die vorwurfsvollen bohrenden Blicke seines jungen Freundes gar nicht zu sehen schien. Er führte eine scherzhafte gänzlich nüchterne Unterhaltung mit Lenerl und ihrer Mama, suchte auch Merck hineinzuziehen und nahm eS kaltblütig auf, als dieser fich spröde und ablehnend verhielt. Der Aesthetiker horchte an­gestrengt nach der Gruppe gegenüber, aber daS junge Ideal sprach wenig und stets mit gedämpftem To»

er mußte fich mit dem Stimmenklang zufrieden geben. Die übrigen leisteten das Menschenmögliche im Schwatzen, sie betrugen sich so laut und ungeniert, als säßen sie allein an der Tafel, namentlich Beatrice, der Felix Merck die zweifelhafte An­erkennung zu theil werden ließ, sie wolle wenigstens nichts Besseres scheinen als das, was sie wirklich war. Sie neigte sich einigemale wett über ihren Nachbar bor, um nach Erni hiuzufeheu, die nach und nach immer einsilbiger würde, die Hand öfters gegen die Stirn führte und wenig, auch einen matten, gequälten Ausdruck im Gesicht hatte. Einmal erhaschte Felix auch ihre Antwort auf eine überaus beflissene Frage des alten Herrn ihr zur Seite, er redete mit geradezu zärtlicher Besorgniß in sie hinein, und sie murmelte etwas vontic donloureux legte Messer und Gabel ganz weg und lehnte sich gegen ihren Stuhl zurück. Der findige Aesthetiker witterte als Eiugewetther in diesem tic donloureux nichts weiter als ein Manöver, das irgendwie mit dem Justizrath zusammenhing und der alte Herr mochte derselben Meinung sein.

Der Nachtisch war verzehrt, die Herrn ttate« ins Freie und zündeten ihre Cigarretten au. Ernis Vater kam zu dem jungen Mädchen heran und sagte leise ein paar Worte, sie schüttelte nur ben Kopf unb bog sich bann zurück, als falle ihr ber Cigarrettengeruch über bie Maße» lästig. Bald daraus verließ sie nun auch ben Saal, von Beatrice begleitet, die vertraulich ben Arm um ihre feine Taille legte.

Wollen wir auch gehen?" fragte Werber seinen jungen Frennb unb dieser sprang bereitwillig auf und folgte dem alten Herrn aus fein Zimmer.

Darf ich wiffeu?" fragte er eifrig unb schloß zum Üebei fluß die Thür ab.

(Fortsetzung folgt.)