Vergleicht man die Unteroffiziere von jetzt mit denjenigen, welche die Siege in den letzten großen Kriegen mit erkämpften, so werden die beiden nur ihre Tüchtigkeit, ihren Opfermuth und ihre Tapferkeit, wenn sie vorm Feinde stehen, gemeinsam haben; im Uebrigen haben die jetzigen feinen Herren in frühzeitig erlangter auskömmlicher Stellung mit vermehrten Aussichten nur noch eine gewisse Aehnlichkeit mit den Unteroffizieren aus eiserner Zeit.
Freilich, sie haben viel zu thun. Zwar ist ihr Dienst vielseitiger und detzwegen anregender geworden, doch wird von der Geistesthätigkeit mehr verlangt wie früher, und gerade diese Anforderung, verbunden mit der Nothwendigkeit, bei dem viel häufigeren Wechsel der Vorgesetzten sich deren Ansichten anzu- passen, bedingt einen schnelleren Verbrauch der Kräfte. Gewisse geistige Ruhepunkte sind zur Erhaltung der Spannkraft bei jedem Menschen erforderlich, ebenso wie für den Körper die Erbolungszeit. Der Training, in dem das militärische Ausbildungspersonal ununterbrochen steht, darf auf die Dauer nicht allzu stark betrieben werden: es tritt sonst eine Erschlaffung oder die sogenannte Dickfelligkeit ein. Da nun das allgemeine Pensum zur Ausbildung nicht verringert werden kann, aber in zwei Dritteln der früher gegebenen Zeit gelöst werden muß, da überdies die Anforderungen in den einzelnen Dienstzweigen stetig steigen, so muß etwas geschehen, um dem jahraus jahrein angestrengten Ausbildungspersonal eine Erleichterung zu verschaffen.
Dies kann auf zwei Wegen geschehen: durch Erhöhung des Standes an Unteroffizieren oder durch Heranziehung von Hülfskräfteu. In dem Gesetz-^ entwurf ist der letztere Weg beschritten worden. ?
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Umschau.
In den Rückblicken auf das Jahr 1898, die kürzlich in der europäischen Presse erschrenen sind, begegnen wir häufig demselben Gedanken, daß sich nämlich Deutschland in der glücklichen Lage befinde, von mehreren Seiten umworben zu werden. In der That sind ja nicht allein in England, sondern auch in Frankreich ganz unverhohlen Annäherungs-Versuche an Deutschland gemacht worden, und ebenso ist auch auf unser Gcwinnconto aus dem vorigen Jahre die Stärkung des deulschen Einflusses und Ansehens im nahen Oriente zu rechnen. Freilich ist Deutschland nicht die einzige Großmacht, die mit Befriedigung auf das abgelaufene Jahr zurückschauen kann; die Bereinigten Staaten von Nordamerika z. B. haben werthvolle Kolonien erobert. Aber das war ein Erfolg der Waffen, wenn man will sogar der brutalen Gewalt, während sich das Ansehen des deutschen Reiches befestigt hat, ohne Krieg, ohne
Säbelrasseln, lediglich durch eine kluge Diplomatie, die es verstand, je nach Umständen Maß zu halten oder fest aufzutreten, und dabei niemals Zweifel an der friedlichen Ehrlichkeit der deutschen Politik aufkommen ließ. Die V o r a u s s e tz u n g für solche diplomatische Erfolge, wie wir sie in der Umwerbung^ des Deutschen Reiches erblicken, bleibt natürlich immer die Macht der Waffen, über die wir verfügen. Eine gute Diplomatie würde die Schwäche und den Verfall des Heeres niemals ersetzen können; aber wie es zu den wichtigsten Aufgaben des Parlaments gehört, dafür sorgen zu helfen, daß das Rüstzeug immer im besten Stande sei, so liegt es an der Leitung der auswärtigen Politik, eine möglichst hohe Schätzung des Werthes der deutschen Freundschaft im Auslande zu erzielen. Wir wünschen, daß die Bahnen einer maßvollen, besonnenen, aber kraftvollen und selbstbewußten Politik auch im laufenden Jahre unter wachsendem Verständniß für die hohen Ziele und die Staatskunst unseres Kaisers weiter verfolgt werden. Dann wird man am Ende des Jahrhunderts über die auswärtige Politik Deutschlands das Urtheil wiederholen, das eine Wiener Zeitung in ihrer Rückschau auf 1898 fällte: daß sich nämlich die deutsche Politik im Todesjahre Bismarcks auf der von dem großen Tobten vorgezeichneten Bahn wandelnd als diejenige offenbart habe, die am sichersten und erfolgreichsten die Zwecke friedlichen Fortschrittes mit denen einer allseitig respektierten Macht st ellung verbindet.
Für den deutschen Außenhandel hat sich das eben abgelaufene Jahr als recht erfolgreich erwiesen. Wenn auch die Dccember-Ziffern noch nicht bekannt sind, so kann man doch für 1898 mit Sicherheit schon jetzt auf einen Ueberschuß des Exports von mindestens 55 Millionen D.-Centner gegenüber der 1897er Ausfuhr rechnen, da bereits vom Januar bis Ende November 1898 die gesammte 1897er Exportsumme ziemlich erreicht ist. Erfreulich ist es jedenfalls, daß sich die deutsche Ausfuhr nach England und Oesterreich Ungarn, welche 1897 gegenüber dem Vorjahre schlecht abschnitt, in 1898 recht stattlich gehoben hat.. Es wuchs im Verkehr mit England der Versand von Roh und Brotzucker, Wollkleidern, Wolltuchen, Bildern, feinen Ledermaaren, Anilinfarben, Halbseidenzeugen, seinen Hoizwasren, groben Eisenwaaren, baumwollenen Strumpfwaaren, Spitzen und Stickereien, sowie in Chemikalien. Von der Steigerung des Exportverkehrs rach Oesterreich-Ungarn hatten in erster Linie die deutsche Kohlen-, Eisen- und Maschinenindnstrie, die Textil-, Farben und Metallindustrie größere Vortheile. Auch hob sich die Verschickung von Weizen, Roggen, Sämereien ec. Der deutsche Export nach den Ver-
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Zur Unteroffizierfrage.
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trennt von dem Mannschaftsessen, in solch Vorzug-
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tigteu Verbesserungen unseres Heerwesens Verwirklichung finden. Voraussetzung ist hierbei allerdings,
langung von Civilstellungen geboten waren, auf ihre Unterkunft in der Kaserne und auf die Sorge, die M» ihrem leiblichen und geistigen Wohl angcdeihen ließ, so sind, wie dies mit Recht in der „N. A. Ztg." hervor- gchoben wird, nach allen Richtungen hin allmähliche, aber ganz gewaltige Fortschritte wahrnehmbar. Sie begannen im Wesentlichen mit dem Inkrafttreten des Reichs-Militärgesetzes von 1873. Alle Klassen der Unteroffiziere wurden in der Löhnung wesentlich erhöht und nahmen gleichzeitig Theil an der Erhöhung des extraordinären Verpflegungszuschusses, so datz der Unteroffizierstand jetzt als ein solcher bezeichnet werden kann, in dem Jeder bei mätzigen
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daher angezeigt sein, auf die im Gesetzentwurf angeregte Unteroffizierfrage näher einzugehen.
Wirft man einen Blick auf die pekuniäre Lage
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»it Bibliotheken und Lillards eingerichtet, und es »erden Annehmlichkeiten geboten, die von Manchem
In der Begründung zu dem Gesetzentwurf, betr. die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, wird 8, A. gesagt: „Dank dem unermüdlichen Eifer des Lkhrpecsouals und der bereitwilligen Gewährung von Mitteln für die Ausbildung der Truppen ist es ge-
sie erhielten die Erlaubniß, eine Stunde nach dem Zapfenstreich in die Kaserne zurückzukehren; ver- heiratheten Unteroffizieren können permanente Urlaubs- karten ertheilt werden, während die Unteroffiziere mit Offizierssäbel keinerlei Urlaubs über Zapfenstreich bedürfen.
Im Zusammenhang mit dem allgemein zu Tage getretenen Bestreben der individuellen Erziehung und Behandlung, insoweit es die militärischen Verhältnisse zulassen, steht die Hebung der moralischen Stellung und des Ansehens der Unteroffiziere. In Folge dessen können ihre Vorgesetzten ihnen mehr Freiheit, einen größeren Spielraum gewähren, wodurch sie andererseits in den Äugen ihrer Untergebenen gehoben werden. Hand in Hand hiermit geht die Heranbildung der Unteroffiziere zu höheren Stellungen und gleichzeitig zum Uebertritt in Civilstellungen. Es wird in dieser Beziehung so viel geleistet, daß es von gar Manchen als ein militärischer Uebelstand angesehen wird, und die Rücksichtnahme auf den Kapitulantenunterricht und das häufige Fernbleiben der zu Unterrichtenden von dem rein militärischen Dienst ist wahrlich ein Moment, das mit kurzer zweijähriger Dienstzeit auf die Dauer nur dann in Einklang zu bringen ist, wenn ein höherer Stand an Offizieren und Unteroffizieren zu erreichen wäre.
Durch die Vergrößerung der Armee und die erhöhte Fürsorge der Armeeleitung zum leichteren und gesicherten Uebertritt der Unteroffiziere in Civilstellungen ist die Beförderung der Unteroffiziere eine vorzügliche geworden. Es ist die Stellung der Vicefeldwebel, der Zahlmeister - Aspiranten und für den Mobilmachungsfall diejenige der Feldwebel-Leutnants hinzugekommen. Das sind nicht nur erstrebenswerthe Stellungen, sondern auch solche, die für Frieden und Krieg von großer Bedeutung sind. Ohne daß in den Stand der Offiziere Elemente gelangen, die nach Erziehung und Heranbildung nicht zu ihm gehören, wurden den Unteroffizieren erhöhte Aussichten gewährt und gleichzeitig Wege zur Abhülfe des Mangels an unteren Führern beschritten.
, Mit der guten Beförderung winkt dem Unteroffizier nunmehr die Dienstprämie und außerdem eine vermehrte Sicherstellung im Hinblick auf das Civilversorgungswesen. Wir erwähnen bezüglich der letzteren die im Jahre 1882 erlassenen „Grundsätze für die Besetzung der Subaltern- und Unterbeamtenstellen im Reichs- und Staatsdienst mit Militäranwärtern", das Gesetz von 1892, betreffend die „Anstellungsberechtigung in der Verwaltung der Kommunalverbände", dasjenige von 1897 bezüglich der Versicherungsanstalten des Reiches, die Verordnungen über das Anmeldeverfahren und die Probe- dienstleistungen, diejenigen über die Organisation der Gendarmerie und der Schutzmannschaften.
(71 Öring. Kna dcma» Wolf.
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Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die ge- rvyi.,...A spalten« Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg. Mittwoch, 11. Januar 1899.
tagen, trotz der verkürzten Dienstzeit die Anforderungen Artikel 5 des Friedensdienstes vorläufig zu erfüllen. Dies ist Eckhai and) für die Zukunft zu erhoffen, wenn die beabsich-
«grauten Offizier als „zu weitgehend" bezeichnet Serben. Alle Unteroffiziere erhielten ferner die Be- kechtigung, sich von commandirten Gemeinen die Bekleidungsstücke ohne Vergütung reinigen zu lassen;
einer Mr Unteroffiziere zur Zeit unseres letzten großen Krieges und auf die Aussichten, die ihnen zur Er-
zum 3® Mb Offiziere wie Unteroffiziere den erhöhten Ansprüchen dauernd gewachsen bleiben ..." Es dürfte
HAnsprüchen sein gutes Auskommen findet; bei Be- •Xx i rückfichtigung der freien Bekleidung, Wohnung, 1(1) !♦ Beköstigung und des Vortheils, daß er durch die . Santinen billiger leben kann, ist der junge Unteroffizier so gestellt, wie ein Mann im Civckverhältniß mit einem Einkommen von 1000 bis 1200 Mk.
Um dem Unteroffizier den Aufenthalt in der Werne angenehmer zu gestalten, ist während des letzten Vierteljabrhunderts sehr viel geschehen. Die Carporalschaftsführer erhielten gesonderte Aufenthalts- Md Schlafstellen, und für ältere Unteroffiziere wurden -besondere Stuben eingerichtet. Ihr Essen wird, ge-
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain.
**”*Jlluftrirtes Sonntagsblatt.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-
Bureanx von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- q * bürg, Wien; Rudolf Moste, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; 04. ^M)llj. C. L. Daube & Co., Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover, Paris rc.
। ja Scher Weise zubereitet, wie es in ihrem späteren en, rrr 8vilverhültniß wohl nur selten ihnen zu Theil LrJ kvird. Es sind Speise- und Versammlungszimmer
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„Edite, bibite, collegiales, Post multa saecula poeula anlla!“
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ihr nichts .... und während drinnen der Graf von Luxemburg in einer einzigen Nacht zum fünften oder sechstenmal all' sein Geld versuchte, klofte eine schüchterne Kinderhand von draußen an die Thür.
Stimme — Erni unterschied sie ganz deutlich — den »Abt von Philippsbronn" zu singen.
Je länger Erni zögerte, um so bedenklicher wurde die Situation für sie, das sah sie ein. Es kostete sie einen ungeheuren Entschluß, sich zu melden — aber was sollte sie thun? Zurück konnte sie nicht
Der junge Mann war mit zwei Schritten draußen, die Stirn voll uvmuthiger Falten, die Lippen zu schwerem Vorwurf schon geöffnet . . .
Was er vor sich sah, war kein elendes Philister- haupr, kein klagender Hausbewohner, sondern ein
neue Strophe des Solisten, die derartig „. daß man ihn auf die Schultern hob und Zimmer Herumtrug, r
Bei dem Heidenlärm hörte man es drinnen eine geraume Zeit nicht. Aber Herbert Freibank, der der Thür zunächst saß, vernahm schließlich doch etwas und erhob sich, den Busen von gerechter Entrüstung geschwellt. Hatte am Ende doch einer von den Hausbewohnern die Frechhest, sich über den Lärm zu beschweren, trotzdem er, Herbert, persönlich mit dem Wirth gesprochen und ein Zircular erlassen hatte, daß er zur Feier seines ersten medicinischen Examens gesonnen sei, ein kleines Fest zu veranstalten, das sich vielleicht ein wenig über die Bürgerstunde aus- dehnen und einen vorwiegend heiteren Charakter tragen könnte? Wagten es nun diese Philisterseelen
dennoch, den Aufschwung studentischer Begeisterung zu unterbrechen?
Herberts Aufstehen blieb unbemerkt — man saß schon geraume Zeit beisammen und war allgemach dahin gelangt, auf den Nebenmann nicht mehr zu achten und sich ausschließlich mit dem eigenen interreffanten Ich zu beschäftigen. Ein einziger au8 dem fidelen Kreise sah den Gastgeber zur Thür gehen, er dachte aber, Herbert habe vielleicht im Flur noch ein angenehmes kleines Fäßchen liegen und wolle ftischen „Stoff" hereinholen
Machdruck verboten.)
Schule des Lebens.
Roman von Marie Bernhard.
(Fortsernns.)
Sie kannte nur den Herbert Freibank ans Posen, soliden, vernünftigen Gymnasiasten früherer Jahres Md neuerdings den flotten, aber doch maßvollen Studen- den gesitteten Sohn seiner Mutter, der zweimal im Ahr nach der Heimath zum Besuch kam, zu Hause ge= bestaunt und verwöhnt wurde, sich aber natur- St®äj5 des gesetztesten Lebenswandels während dieser Men befleißigte und jede kleinste Ausschreitung vermied. *?n „Berliner" Herbert Freibank hatte Erni gar ®$t in Betracht gezogen — aber wie sie hier nun °rathlos stand und lauschte, wurde ihr der Unter« wb auf'S deutlichste fühlbar.
Wie konnte sich Herbert über seine kleine Freundin .Posen freuen, jetzt, da er so und so viele Studenten 7^ sich hatte? WaS sollte er für Erni thun, wo Me er mit ihr hin, mitten in der Nacht? Ihr *9 es mit Thränen in der Kehle auf, das Herz ihr mehr und mehr.
aber doch unmöglich! Es mußte eine Hallucinatiou fein! Ec hatte wacker gezecht da drinnen, und nun trieben die Geister des Alkohols ihr Spiel mit ihm • • • ja, ja, so mußte eS fein! Mechanisch zog er die Thür hinter sich zu und stand und starrte auf das Kind, und das Kind starrte auf ihn. Sie sahen einander an, als währen sie beide hypnotisiert.
„Herbert!" sagte Erni endlich mit schwankender Stimme.
6r griff sich an die Kehle, als würgte ihn da etwas, dann legte er seine beide» Hände gegen die Schläfen mit pressendem Druck. Es fuhr im durch den Sinn, daß ihm ein nasses Handtuch um die Stirn in gegenwärtiger Situation gute Dienste leisten würde . . . aber natürlich ... es war keines zur Stelle.
Ernis Lippen fing an zu beben, ihre Augen füllten sich mit Thränen. Herbert benahm sich auch zu sonderbar — was hatte er sie denn in einem fort so stumm anzustarren?
„Kennst Du mich denn gar nicht mehr, Herbert?" fragte sie zaghaft.
Er schluckte ein paarmal, ließ die Hände herunter und senkte sie in die Rocktaschen, nm sich mehr Haltung zu geben.
„Natürlich kenn' ich Dich!" Seine Stimme klang tief und kam zu ihr wie aus »eiter Ferne.
„Slber Du freust Dich ja gar nicht, mich zu sehen!"
L Drinnen stimmten sie jetzt den Chorgesang an: ?a, geschmausetl" Sie fangen alle mit voller rw, von dröhnenden Faustschlägen auf die Tisch- begleitet. Eine Einzelstimme erhob sich dann fang nach derselben Melodie eine neue Strophe,
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_ ------- -----j — er hatte es für eine Sünde gehalten, den Kom-
Sodann begann Herberts militonen in einer so verdienstvollen Handlung zu stören.
aber was sollte sie thun? Zurück konnte sie nicht Kind mit einem blassen, verängstigen Gesicht, wmrnein- ”, &5ttC c8 ""ch?'chl.^tvolltes halsj gemummt, ein Reisetasche in der Hand, aus großen, ^flehenden Augen ihn arftarrenb. Und diese großen, flehenveu Augen waren ihm doch so wohlbekannt —
„Nicht?" Er dehnte das Wort sehr lang, zog die Augenbraunen hoch und lehnte den Kopf zurück. „Ja — warum soll ich mich denn nicht freuen?"
„Du — Du giebst mir ja nid) trnal die Hand!" stotterte Erni.
Er riß die Rechte aus der Rocktasche und schüttelte die Hand des Mädchens mit einer Ausdauer und Kraft, die sie hätte zuftiedenstellen müssen
„Du sagtest mir doch, ich sollte kommen!" begann sie schüchtern von neuem.
„Sagte ich?"
„Aber ja doch — besinn Dich nur! Wie wir von Posen hierher nach Berlin fuhren, unterwegs, da sagtest Du, ich sollte Dich besuchen, und gabst mir Deine Visitenkarte mit der Adresse — und Onkel Konrad Werder war auch noch mit dabei!"
„Onkel Konrad Werder! Onkel Konrad Werder!" wiederholte der Student in tiefsinnigem Ton.
Aber nun scheine ich Dir gar nicht gelegen zu kommen." Ernis Ton wurde immer kleinlauter.
Ihr kleines bekümmertes Gesicht rührte ihn. Er hatte sich empfindlich ins rechte Handgelenk gekniffen, hatte den Schmerz gefühlt und wußte es nun mit ganz unumstößlicher Gewißheit: es war wirklich Erni Lentz aus Posen, seine kleine Freundin, die hier vor ihm stand, — und er träumte nicht dies Alles!
„Doch," sagte er mit starker Betonung. „Kommst mir sehr gelegen! Ist mir un—ge—heuer angenehm. Dich zu sehen, Emi! Wie bist Du denn aus Posen herausgekommen?"
Sie starrte ihn sprachlos an.
„Ich meine — wart mal — ich meine nämlich was Anderes." Er suchte sich zu orientieren. „Wie es Dir hier gefällt — das hab ich fragen wollen — ja das hab ich fragen wollen!" (Fortsetzung folgt.)