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Gonniagsveilager Marktes S-nntags-latt.

38. Jahrq.

Erstes Blatt

Abonnements-Einladung.

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Inzwischen hat sich Miezchen auf den Weg gemacht. Es war wohl schön warm zu Hause gewesen, und die Milch und der Zwieback schmeck­ten köstlich, doch tvill es auch einmal etwas von der Welt sehen, wozu hat es denn vier weiße, ge­sunde Pfötchen, wenn es "nicht einmal ordentlich damit spazierte?

Doch bald fühlt es, wie grimmig kalt es ist trotz seines warmen, weißen Fellchens. Die zar­ten Schneeflöckchen kitzeln es auf sein rosiges Schnäuzchen, daß es ein paarmal tüchtig niesen nmß, was ihm ordentlich Spaß macht. Strahlend sieht es aus seinen grünen Katzenaugen unt sich, tot.? schön ist» auf der Welt wenn es nur wärmer wäre! Gar zu gern hätte es nun ein paar Mäuschen gesehen, von denen ihm Mi'ftter- chen so viel erzählt hatte, so ein Mäusebraten iväre jetzt recht am Platze gctvesen, da es doch kein Mittagbrot verzehrt hatte.

Langsam drückt es sich an deit Häusern ent­lang, mit erstaunt-n Blicken sieht es Menschen, Pferde und Hunde an sich vorüberziehen. Ein kleiner, schwarzer Pinscher, dem Miezchens glän­zendes Fell wohl ganz besonders gut gefällt, Will ihni den Weg verstellen, doch es weiß sich zu h?l- fen sofort macht es einen gewaltigen Buckel, wie es bei Mütterchen gesehen und schlagt so ener­gisch nach ihn,, daß er eilends seiner Wege zieht.

Nun hat Mieze das laute Wagengerassel satt, behende schliipft sie in einen Garten. Auf dem Zaune sitzen frierend ein paar hnirgrige kleine Spatzen, Ntiezchen blinzelt begehrlich nach ihnen ein Sprung, und es ist oben doch ach! die Vöglein sind weggepflogen, ein blondlockiges Mädchen hat ihnen ein paar Brotkrumen aus dem Fenster gestreut gierig picken sie darnach. Miezchen ist hungrig, es möchte gerne auch an deut Mahle teilneümen. Eilig will es herunter- springen, da reißt ihm ein großer, rostiger Nagel, der in die Höhe steht, das Pfötchen wund.

Kläglich fängt es an zu miauen, doch weit und breit ist keine mitleidige Seele, die ihm Hilst.

Ach wäre ich doch daheim geblieben," jam­mert es,wie schön haste ich es bei Trudchen, nun bin ich ganz allein und habe niemand, der mir mein krankes Pfötchen verbindet."

Traurig schleicht es weiter sein Beinchen schmerzt, sein Fell ist naß und den Weg nach Hause findet es nicht mehr. Immer dunkler und kälter wird es, bittend miaut es vor den Türen keine öffnet sich, um das verlaufene Mezchen auf­zunehmen.

Vor einem großen, unfreundlichen Hause, einer Mietskaserne, stehen Kinder in eifrigem Gespräche. , t ,

Sie sind alle noch nicht schulpflichstg, doch be­suchen sie die Kinderschule, lvo morgen Weih­nachtsbescherung ist. Lene, welche schon letztes Jahr diese Feier miterlebt hatte, kann nicht ge­nug erzählen von all der Herrlichkeit, die das Christkind aufgebaut hatte. Hohe Weihnachts­bäume mit Lichtern, Kuchen und Aepfeln be­hängt, prangten auf verschiedenen Tischen, und darunter lagen warme Kleidungsstücke, Soldaten, Puppen und Bücher, die man mit nach Hause nehmen durfte.

Mst großen, glänzenden Augen steht der kleine Karl daneben, er ist dex einzige, der von solchem Glücke ausgeschloflen ist, und doch, wie sehnt sich sein Herzchen nach solcher Pracht!

Für ihn toirb kein Lichterbaum altgesteckt, Vater und Mutter liegen auf dem Gottesacker, und Frau Kramer, die ihn in Kost genommen, gewährt ihm kaum das Nötigste. Er hat auch noch nicht viÄ vom Christkind gehört, seine Be- schiitzerin nimmt sich nicht die Zeit, ihm davon zu erzählen, und durch das viele Alleinsetn tst er schüchtern geworden u,td geht den Menschen aus dem Wege.

Glück und die Freude, die der heutige Tag uns spendet. Wie waren wir doch noch vor kurzem so traurig und betrübt, so füll und verzagt.

Und nun erhoben wir unsere Augen und Herzen doch wieder zum Licht, tum sind wir doch wieder froh mit den Fröhlichen, denn es, ist ja hell ge­worden um uns und in uns: es ist ja Weihnach- . ter. geworden! . _ I

Ist es nicht ein Märchen, das wer erleben, I rin Rätsel vor dem toir stehen? Woher kommt I doch der Zauber, dem sich niemand entziehen tonn I und will? , , .

Sind es die Gaben, die tote spenden und emp- I fangen? Dazu bedürfie es doch nicht des Weih- I nachtssestes. Und es gibt viele, denen kein Baum I angezündet wird, denen niemand den Tisch deckt, I die aber dennoch die Poesie des Weihnachtsfestes I empfinden. . I

Nein, es ist mehr als alles das: eS ist die I L'-ebe, die zu uns svricht, die in uns lebendig ge- toordett ist, die Liebe, die wie der Stern am I Himmel leuchtet, der in der heiligen Nacht über Bethlehem aufging und seitdem strahlt, htnetn in die Welt, in die Häuser, in die Herzen. Wenn di? Lichter flammen am Tannenbaum, wenn die Augen leuchten, und die Wangen glühen: es ist nichts, als der Abglanz der götllichen Liebe, die sich knndgegeben hat in der heiligen Nacht, da sie vom Himmel berabstieg auf die Erde, die Mensch- hrit aus der Finsternis zitm Licht, vom Tode zum Leben zu führen.

Es mag viele geben, denen das Fest» ntchts toeiter ist als eine vielleicht liebe Gewohnheit. Es gibt vielleicht auch manchen, dessen Herz kühl und leer bleibt, wenn alles sich freut, und der mit überlegenem oder mitleidigem Lächeln auf jene blickt, 'die mit den Kindern wieder zu Kindern werden uttd freudig mit einstimmen können in die Weihnachtslieder. Und auch solche, wird es geben, die ntißmustg und grollend beiseite stehen, weil die Gaben vielleicht weniger reichlich flosien, als sie erwartet hatten.

Ach die Armen: Sie wissen nicht, was sie ver­loren haben, was sie entbehren! Doch woran liegt das? Weihnachten ist doch ein Fest, das von altersber seine Wurzeln hat in dem deutschen Familienleben, im deutschen Gentüt, in der deut­schen Fröhlichkeit. Ja, gewiß. Aber wenn eS das Fest bleiben soll, dann muß dem deutschen Volke auch das Gemüt, die innige Fröhlichkeit erhalten bleibt Wer möchte zweifeln, daß es die Eltern gut meinen mit ihren Kindern? Tun sie nicht alles, tvas in ibren Kräften steht? Sie arbeiten, sorgen, ja entbehren und darben vielleicht, um ihren Lieblingen den Weihnachts- stsch zu decken. Aber nur zu oft übersehen sie dabei, daß sie den Kindertt nicht nur die Hände, sondern auch das Herz füllen sollen. Nicht die Freude an den materiellen Gaben und Gütern ist die Hauptsache, sondern die Weihe, die von dem Christfeste ausgehsn soll,, das Entpfinden jener beglückenden Liebe, die wir empfangen ha­ben aus der Höhe, und von der wir allen, wenden, die uns nahe stehen, oder mit denen wir in Be­rührung kommen. Wie bald verlieren die irdi­schen Gaben ihren Wert, wie vergänglich sind sie doch! Die Weihe aber, die Empfänglichkeit für das Hohe und wahrhaft Schöne, die wir in die

Nachdruck verboten.)

Wie Christkindchen geholfen hat.

Erzählung von Ida Großmann.

Mama, Mamachen, mein Kätzchen ist fort!" Kit wirren Locken und verweintem Gesicht- cken stürzt mit diesem Jammerschrei Trudchen in? Zimmer ihrer Mama.

Hattest Du nicht Miezchen in die Kammer eingeschlossen, solange die Handwerker an der Türe arbeiteten? Ich hatte es Dir doch befohlen!"

Nein, Mamachen, ich hatte es vergessen und jm;t ist Miezchen mein süßes Miezchen wegge- simsen."

Wiederum bricht die Kleine in einen Tränen­strom ans.

Laß Dir das eine Warnung sein für ein andermal, Kind, wenn man etwas besitzt, muß man auch Sorge tragen, es nicht zu verlieren. Vielleicht kommt Miezchen bald wieder . . ."

Hanne sagt, es sei nun ein Dachhase und werde sicherlich henke Abend in einem Restaurant verspeist."

So schlimm wird ß ihm wohl nicht ergehen, cs ist ja noch so jung. Doch frieren toirb es, es ist tmber an Kält? noch Nässe gewöhnt, und heute schneit cs schon den ganzen Tag. Aber nun, Trudchen, laß das, Weinen, das bilst nicht mehr, rielleicht bringt Dir das liebe Christkind ein an­deres Miezchen."

Ich will kein anderes Miezchen, Maina, doch Christkind findet es sicher und legt es mir unter freu Weihnachtsbaum, ich will ihm sagen, daß Miezchen ein blaues Band um fiat."

Energisch trocknet die Kleine die Kränen, der feste Glaube, daß den, Christkind nichts unmög­lich sei, bringt sie über ihren Schmerz hinweg, und zudem sind es nur noch drei Tage bis zum Weih- irachtkabend.

stand energtid) bertreten, gleichviel ob es sich um Handwerker, kleine Beamte, Kaufleute ober Bauern handelt. Sie alle sollen wie hiebet einen aufmerk­samen Anwalt ihrer Interessen finden.

Der Leserkreis der .Ober hessischen Zeitung' umfaßt in Stadt und Land Zahlreiche Mitglieder aller Stände. Es finden daher alle Anzeigen in der .Oberhessischen Zeitung' wirksamste Verbreitung.

Wir bitten unsere zahlreichen Freunde und Leser, für die weitere Verbreitung unfitet Zeitung zum neuen Quartal eifrigst tätig zu sein.

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Da die .Oberhefsische Zeitung' in ständiger Ver­bindung mit dem grähten deutschen, auS amtlichen Quellen bedienten telegraphischen Bureau steht und ein weitverzweigtes Netz von Korrespondenten i« ihrem Verbreitungsbezirke und weit darüber hinaus unterhält, so ist sie in der Lage sicher für jedermann etwas zu bringen, waS besten Interests besonders in Anspruch nimmt Außer­dem ist sie immer bemüht, die Zahl ihrer Nachrichten aus Stadt und Land zu vermehren, da der sich be­ständig vergrößernde Leserkreis der .Oberheffischen Zeitung' dies erfordert und ermöglicht. Der Aus­wahl der zur Veröffentlichung kommenden Romane und Erzählungen werden wir erhöhte Aufmerksamkeit widmen.

Hebet alle Fragen der inneren und äußeren Politik wird die .Oberhessische Zeitung' ihre Leser ausreichend orientieren, durch Leitartikel, llebersichten und Berichte und auch zu ihnen in nationaler Gesinnung frei und offen Stellung nehmen.

Das am 1. Januar 1904 beginnende neue Viertel­jahr wird wieder ein recht belebte» fein. Der neue preußische Landtag tritt im Januar zusammen, der Reichstag wird die wichtigsten Beratunaen in diesem Quartal vornehmen. Hebet die Verhandlungen beider Parlamente wird die .Oberhessische Zeitung' eigene Berliner Berichte bringen.

Auch im neuen Jahre wird die .Oberhessische Zeitung', getreu ihren Traditionen, im konser- vat-ven Geiste wirken und eintreten für Christen­tum, Vaterland und Monarchie und nach Kräften die Interesse« der städtischen und ländlichen Bevölkerung zu fördern suchen. Insbesondere wird sie den bedrohten Kern unseres Volkes, den Mittel-

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck itnb Verlag' Iah. Aug. Koch, llmversitätS-Duchbrnckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Herzen der Kinder zu pflanzen suchen, das sind Güter, so wertvoll wie kein anderes Gift der Erde. Sie bringen Segen noch in spätem Alter und sind Weihnachtsgeschenke für die Ewigkeit. Wer die rechte Lieb- schon als Kind empfangen hat, in dem wird sie bleiben, blühen und Früchte tragen, wenn längst die Jahre der Kindheit vor­über sind. Und er wird sie vererben aus Kind-r und Kindeskinder. Noch im späten Alter wird sich das Herz erwärmen an dem Feuer dieser her- ligen Liebe, die ihn hält auf dem rechten Wege, sich und andern zum Heil. Nie wird ihm da» Leben reizlos und öde werden, denn die in set- nent Herzen entzündeten Weihnachtskerzen leuch­ten fort und fort, hinein in das dunkle After bis zum friedlichen Ende. Wem aber der Glanz der göttlichen Liebe so die Serie erhellt, der wtrd auch Herz und Hand nicht verschließen dem, dec arm und freudlos neben ihm hergeht auf der Bahn des Lebens, sonder« er wird gern mitfeilen von dem ©einige« und Freude bringen in Ka8 Haus der Armen, damit auch diese Armen dank­bar und freudig mit einftimmen in den Lobge­sang der Engel:

Ehre sei Gott in der Höhe!

Und Friede auf Erden!"

Friede auf Erden? Ach, ist es denn nicht ein eitler Wahn, von einem Frieden zu träumen, der doch so fern zu sein scheint? Wo ist der Friede? Hat ihn die Welt jemals gesehen, den Frieden, den wir ersehnen, und der uns doch verheißen ist in der Heilsbotschaft der heiligen Nackt? Hat -r jemals auf der Erde gewohnt, und wird er jemals bei uns einkehren? Ich höre die Svofter und Zweifler sagen:Ans dem Kirchhofe ist der Friede, dort, wo der Kamps endet, und das Le­ben erlischt. Das Leben kennt keinen Frieden das packt uns mft seiner roben Gewalt und schlagt uns Wunden und verursacht uns Schmerzen, daß wir aufschreien in unserer Not. ans der uns we­der Beten noch Fluchen hilft. Daß wir dre Zahne zusammenbeißen in ftommer Wut und uns ver- griflich auf bäumen geaen ein Geschick, von dem wir keine Ruhe und krinen Frieden en erwarien haben in dem harten Kamps ,,ms, Dasein Dre Menfcheii befehden und bekeieaen sich. Sie fioflen sich tätlich, und einer suckt den andern von seinem Platze zu verdrängen. Die Völker stebeii rn blu­tigen Kämpfen einander gegenüber und verder­ben die Früchte langjährigen Fleißes, indem sie die frmfitbarcit Fluren verwüsten und die L'aftrn stillen Glückes zerstören. Wo also iit der Friede auf Erden.

Ja, wäre denn das Wort der Engel nur leerer Schall? Ist denn wirklich da? Heil nickt in me Welt gekommen, uns zu befreien von allem Bo­sen? Wohl tobt der Kampf, denn kämpfen fierßt I ringen und streben, und ohne Kampf kein Leben.

Aber kämpfen wir denn nur ums Dasein, mir ums tägliche Brot? Nein, damit beannaeii wir uns nicht. Wir jagen vielfach den Genüssen noch, die uns nicht glücklich machen, toir halfen der Erbe I Güter für die höchsten und wertvollsten Schatz-, I weil wir die Güter des Herzens gering amten I ober verloren haben. Die hieraus hervorgehen« I den Kämpfe sind uns nickt aufgezwnngen, wir I haben sie gesucht und sollen uns nickt dancker

I Wo wohnt denn das Christkind?" Kaum I wagt er diese Frage an Lene, die Erfahrenste zu

I ,Dummer Bub', das Chrntkind wohnt nicht

I in der Stadt, das kommt vom Himmel . .

Es ist doch der Heiland, den die bösen Men- I scheu ans Kreuz aeüMagcn haben," berichtet alt- I klug die kleine Gustle. . . .

Ifind der zu Weihiiackfen als kleines Mino | wieder auf die Erde kommt .

In, Himmel ist auch mein Vater und meine I Mutter, der Herr Pfarrer hatS getont letztes ^afir I als sie den Vater toeggeiragen haben . . * IDann soll er doch dem Christkind sagen, daß I Du so ein armer Bub bist . .

I Lene? Gnstel! Fritz!" tönt es nun von ver­schiedenen Seiten. Die Kinder trennen sick. Karl aefit nachdenklich trotz Kälte und Dnnkelbeft etn

I Stückchen die Häuser entlang. Was er eben ge- | hört, gibt ihm zu denken. Plotzlrck bleibt er I stehen, faltet die starre,l Händchen, und mit vor I Kälte zuckenden Lippen stammelt er leise:Liebes I gutes Christkind, denk' doch auch emmal an mich, I Vater kann Dir sagen, wo ich wohne."

Miau, miau!" tönt -s da neben ihm. Er I bückt sich zur Erde und sieht im Dunkeln das I weiße Fell eines Kätzchens schimmern, das sich I zutraulich an ihn schmiegt.

| Voll Mitleid nimmt er das Tierchen auf sei- I neu Arm. Freudig eilt er damit ins Haus und I die steile Treppe hinaus in die Sttibe, in welcher | eine Fran mit finsterem Gesichte am Ofen steht. IMutter, Mutter, sieh doch, ich habe ein Katz- I chen gefunden!" .

IDas fehlte mir gerade noch, tat bade Jtot I genug. Dich zu füttern." ,

ISieh dock, toie nett es ist und da? . . .

IWillst Du das Viel, sofort toegtragen, oder

* ich drehe ihm den Hals nm!"

Vierteljährlicher Bezugspreis, bet ver Expedition 2, Marburg

bet allen Postämter« 2,25 Mk. <f$cL Bestellgeld).

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Rcclaincu: die Zeile 25 P»e,. ___________ ___________

Weihnächte«. I

Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden .

find den Menschen ein Wohlgefallen!

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Ge­bot ausging vom Kaiser Augustos, daß alle Wett geschähet würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu Her Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in feine Stadt.

So beginnt die Erzählung von der Geburt Jesu. So lernen es die Kinder in den Schulen Jahr für Jahr. So hören toir es heute und in unserem Innern klang es so, seitdem der erste Duft der Weihuachtstanne uns daran mahnte, daß das Weihnachtsfest wieder vor der Türe stehe Es ist die Erinnerung unserer frühesten Kind­heit, die die Worte des Evangeliums in unser Ge­dächtnis zurückruft und lange verhallte Klänge wieder weckt. Klänge, so schön, so süß, so heimat­lich! Sie fiihrt uns zurück in das Elternhaus und gibt uns alles wieder, was toir einst be­sessen, vielleicht aber verloren haben auf dem weiten Wege des Lebens.

Wie ist es doch möglich, daß die schlichte Er­zählung von der Geburt des Heilandes solche Macht über uns hat? Ist es nicht fast toie ein Wunder, toie ein liebliches Märchen, dem toir lauschen, still, andächtig, aber fröhlichen Herzens? Ach, welch eine Welt tut sich doch wieder vor uns auf und welch eine Welf suchen wir unfern Lieben zu schäften, eine Welt voll Glanz, Frieden und Liebe! Die Kerzen flammen, die Augen leuchten, die Wangen glühen, und schneller schlagen die Herzen. Von allen Türmen tönen die Glocken so laut und fiert, und überall hallt es:

Ehre sei Gott in der Höhe!"

Es ist das Gefiihl des Dankes, das sich in diesen Worten ausdrückt, des Dankes für das