G-nntagSheila-er JUuftrirtes Sonntagsblatt
Ji 328
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ZnsertionSgcbübr: die gespaltene Zeile oder oeren Raum 10 Psg.
Neelamen: die Zeile 25 Pfa.
Marburg
Donnerstag, 24. Dezember 1903.
Erscheint wöchentlich sieden .nat.
Druck Md Verlag' Zoh. Auz. Koch, UmversttStS-Buchdruckerei Marburg, Marti 21. — Telephon 65.
38. Ichrg.
Wie Wohltätigkeit geübt, und wie sie nicht geübt werden soll.
Das Weihnachtsfest allen Mitmenschen $u einem Fest der Freude zu machen, ist von jeher daS Bestreben der gesitteten Menschheit gewesen. Ist der eigenen Familie der Weihnachtstisch bereitet, dann denkt manche edle Frau auch aus den Kreisen, in rvelcbeu nicht gerade Ueberfluß herrscht, nicht dec als lästig empfundenen Pflicht, sondern des gern benutzten Rechtes wohlzutun und mit« .zuteilen. Unbemerkt und ohne anderen etwas mitgeteilt zlt haben, eilt die schlichte Bürgers- oder Bauersfrau in die Dachkammer oder in die nahegelegene Hütte zu den Armen. Der dankende Blick aus den Augen der Beschenkten erwärme ihr Herz und froh kehrt sie in den Kreis ihrer -Kinder zurück, die nicht ahnen und nieist nicht erfahren, welch gottgefälliges Werk die Mutter inzwischen getan bat.
Diese unmittelbare Wohltätigkeit, die immer einen edlen Zug unserer? deutschen Wesens gebildet hat, möge "Gott unserem Volke dauernd erhalten. Sie möge auch nicht wesentlich eingeschränkt werden durch die organisierte Wohltätigkeit. die neuerdings vielfach in den Vordergnmd gedrängt wird und die gewiß auch notwendig und segenstiftend ist. wenn sie auch die unmittelbare Wärme naturgenläß meist nicht vermissen läßt und das Bedenken nicht aus der Welt schafft, baß die wirklich Bediirftigen sich oft verschämt zurückziehen und die minder Notleidenden von ihr nicht selten fast gewerbsmäßig Gebrauch machen. Es gibt aber midj eine organisierte Wühltätigkeit, für der gesunde Sinn weiter Volkskreise nie wird ermannen können und die neuerdings in einzelnen Schichten der Gesellschaft doch mit besonderem Eifer gepflegt wird: Die Wohltätigkettsver- guiigen und die Weihnachtsbazare. Jedes Wohl- rätigkeitsvergnügen muß den Verdacht aufkommrn lassen, daß ohne das Vergnügen die Wohltättgkeit nicht geübt werden würde; und die Erfahrung geigt, daß die Teilnehmer an derartigen Veranstaltungen nur zu häufig der eigenen Lust ein Silber- oder Goldstück opfern, während für die Armen nur ein Nickel abfällt. Andererseits ist nicht zu verkennen, daß die Weihnachtsbazare den kleinen Kaufleuten eine empfindliche Konkurrenz bereiten, und das erscheint «m so bedenklicher, als viele kleine Mittelstandsexistenzen auf das Weihnachtsgeschäft ihre ganze Hoffnung zu setzen gezwungen sind.
Wer sich erst noch davon überzeugen muß, tote bedenkliche SchattenseitenWohltätigkeitsvergnügen und Weihnachtsbazare mit sich bringen können, für den ist die Puppenausstellnng außerordentlich lehrreich, dis dieser Tage in der Reichshauptstadt von deut dort vielgelesenen unpolitischen „Berliner Lokalanzeiger", August Scherl, G. m. b. H„ in die Wege geleitet worden ist. August Scherl hat eine Summe, die im Vergleich zu seiner jährlichen Dtillioneneinnahme wie ein Almosen ausschaut, in Puppenbälgen angelegt, diese waren tarnt von Berliner Damen anzttkleiden und aus- zustaffieren und wurden schließlich in einer mit allerlei Vergnügungen verbundenen Ausstellung zu Gunsten armer Kinder in Armenstiften, iKranken- ttnb Waisenhäusern veräußert. Der ^Berliner Lokalanzeiger" hat sich ein Verdienst er«
22 «Nachdruck verboten.)
' Frau Hadwig.
Eine Strandgeschichte von 611« Lindner.
«Fortsetzung.)
An einem trüben, stürmischen Tag hatte Her- • bart früh das Hotel verlassen und war an den 'Strand gegangen. Dort zog es aber dermaßen, daß an ein Ruhen im Korb ober Stuhl nicht zu denken war. Mißmuttg wanderte er nach dem Herrenstrand, mtb kroch dort in einen Bade- farrcit. In diesem war er von allen Seiten vor Wind geschützt. Blaß und vergrämt saß er und schaute l/naus auf das Wasser. Eine Möwe schwebte über den Wellen, die silberne Brust in der Flut badend, und von irgendwoher erscholl der seltsam klagende Laut der Seeschwalben. Herbart fii«n die Sandln., k ich en und em* Anzahl Mobben, die sich dort sonnten. Die Sandbank! Db Jürke im Ernstfälle wirklich schwimmend die Insel erreichen würde? Der Kleine bereute ietzt beinahe, daß er die Wette nicht gehalten hatte. Aber vielleicht ließe sich die Sache noch arran- tzieren. Eine Wettet Wenn dabei ein Unglück "geschah, so trug ja niemand die Verantwortung, jauch er — Herbart — nicht. Wirklich nicht? Er stützte den Kopf in die feine, nervöse Hand. Wirklich nicht? Gerichttich konnte er freilich nicht bedangt werden, nein, aber — das Gewissent Ob das ihn auch freisprechen würde, toenn--
-Ach," er fuhr sich über die Stirn, als wolle er die Gedanken verscheuchen, die ihn quöllen, folterten. „Wahnsinn!" Dann zog er sein Notiz- 'Huch aus der Tasche. Er hatte gestern ein Märchen geschrieben, das las er nun, um den eigenen Bedanken zu entfliehen. . —
worben, indem er über diese Wvhltätigkeitsaus- stellung auf das eingehendste berichtete. Wir erfahren, luie Wagen um Wagen vor das in strahlendem Lichte Prangende „Neue KöniglicheOpern- Theater" (Kroll) heranrollen, und ihnen Damen in Spitzenroben und flimmernden Tüllhüten in Begleitung befrackter und uniformierter Herren entsteigen, wie fröhliche Walzerklänge die Besucher von Saal z>t Saal locken, wie die Lecker- mäulchen reiferen Alters lvahre Orgien in Schokolade und Eis-Baisers feiern, tote man noch einen Blick in den Spiegel wirft, der einem die Gewißheit gibt, daß man — der „Lokalanzeiger scheint die beteiligten Damen für außerordentlich eitel zu halten — wirklich reizend aussieht, wie hier Militärnlusik, dort der Karussell-Leierkasten erklingt, wie es an der Schießbude knallt u. a. in. Der Berichterstatter des Scherlscheit Blattes faßt sein Entzücken über all den Trubel in die Worte zusammen: "Es herrschte eine wahre „Völksfest- ftimmung". Er teilte aber an anderer Stelle auch mit, daß den Besuchern am Eingang der Ausstellung in goldenen Buchstaben der fretmdliche Gruß „Sttlle Nacht, heilige Nacht" aus blauen Stoffwolken entgegenleuchtete.
Will man die Wirkung dieser Scherlschen Wohltätigkeitsausstellung richttg einschätzen, dann hat man zu erwägen, daß nirgends die Kleingewerbetreibenden unter der Konkurrenz der Warenhäuser so schwer zu seufzen haben tote gerade in Berlin. Und nun lassen sich weite Kreise der doch so intelligenten Reichshauptstadt an den Scherlschen Wagen spannen unb erreichen, gewiß nicht absichtlich, aber doch tatsächlich, daß die dem selbständigen Mittelstände bereücte Konkurrenz noch weiter verschärft wird. Nur mit tiefem Bedauern kann es festgestellt werden, daß sich gerade die sogenannten „besseren" Kreise an dem Scherlschen Unternehmen mit besonderem Eifer beteiligt haben, und kopfschüttelnd wird man im Lande die Kunde vernehmen, daß an dieser Veranstaltung auch die Frauen der höchsten Beamten beteiligt toaren. Die Beteiligung dieser Damen erscheint einfach unverständlich, toenn man hören muß, daß in einem Nebensaale auch eine Puppen- gruppe des Warenhauses Tietz Aufstellung gt» fanden hatte. Fordert das die Kritik nicht geradezu heraus? Das preußische Staatsministerium bringt ein Gesetz gegen die Warenhäuser ein, und die Frauen prerrßifcher Beamten scheinen kein Empfindcil dafür zu haben, daß sie unter die Veranstalter einer Ausstellung nicht passen, die zu- gleich für ein Warenhaus Reklame macht. Friih genug hat der Verband Berliner Spielwarengeschäfte gegen diese Ausstellung Front gemacht, und noch vor Eröffnung der Ausstellung haben die rechtsstehenden Tageszettungen den hochgestellten Kreisen gegenüber mit ihren Warnungen nicht zurückgehalten. Und trotzdem die Beteiligung au dieser doch gewiß nicht übermäßig edlen Art der Wohltätigkeit.
Diese Beiträge zum Ruhme Scherls und seiner Helfershelfer mögen genügen. Der Wunsch wird jedenfalls berechtigt erscheinen, daß alle Telle unseres Volkes in dem Verlangen, wohlzutun und mitzuteilen, zurückkehren möchten zu der minder glänzenden und prunkenden, aber edleren Art mrserer Väter, tote sie heute noch in den breiten Schichten des Mittelstandes als die allein übliche Form der Wohltätigkett bekannt ist.
„ES lebt ein alter Volksglaube, welcher behauptet, daß ein zertretener Wurm nicht sterben könne, so lange die Sonne noch am Himmel steht. Erst mit dem letzten Lichtstrahl, heißt es, verglimmt auch des Wurmes letzter Lebensfunke. Da war nun 'mal solch ein Wurm, solch ein armseliger, den niemand leiden mochte, weil er häßlich war, grundhäßlich. Nur eine machte sich "lchts aus dieser Häßlickstett. Das war die Sonne, ßtebebott wärmten ihre Strahlen den armen Wurm und erhellten sein freudloses Dasein. Und m ferner Seele wachte eine große Liebe auf zur Sonne, und diese Liebe wuchs und wuchs und trug um auf schimmernden Flügeln empor auS all dem Schmutz der Erde. Und einmal, da konnte er nicht anders, da mußte er sein Glück einem Menschen mitteten, well die übergroße Seligkeit ihm sonst das Herz zersprengt hätte. Aber der Mensch lachte ihn ans.
. "Du ,Wurm, Du armseliger, was Du Dir embildestl Die Sonne muß Dich ja wärmen, auch wenn sie nicht wollte. Du liegst ihr doch fortwährend im Weg! Aber glaub' nur nicht, daß sie Dir allein die Wohltat erweist. Bewahret Sie teilt allen aus von ihrem Reichtum, sie ist eine Verschwenderin und hat noch dazu ein lvetteS Herz."
„Kann sie denn alle fieben?" fragte der Wurm enttäuscht.
„Lieben?" lachte der Mensch. „Ja, toa« man so lieben nennt! Ihre tiefste Neigung gehört nur einem —"
„Wem?" Der Wurm zitterte förmlich vor Erregung. ..
„Dem Meer." <
1 „Dem Meer? Ach —* '
Umschau.
ErsteWirkungderBrüsselerZucker- konveuti o n.
Wie bei allen wichtigen gesetzgeberischen Aktto- neu im deutschen ReickMage ist bekanntlich auch das Zentrum für Annahme der Brüsseler Zucker- koiwenfion ausschlaggebend gewesen. Jetzt aber schon muß das Hauptorgan der rheinischen Zen- tnimsmitglieder wenig erfreuliche Reflexionen über die ersten Wirkungen dieses Abkommens anstellen. Während früher die Ausfuhr nahezu das DovpÄte des Julandskonsums an Zucker auszumachen pflegte, hat sich dies Verhältnis schon in den ersten Monaten nach Inkrafttreten der Konvention vollständig umgekehtt. In den Monaten September und Oktober war der Jn- laudsverbrauch 2(4 mal größer als der Export an Zucker unb leider ist dieser Umschwung viel weniger auf die Zunahme des Konsums, als auf Abnahme der Ausfuhr zurückzuführen.
Der Gesamtverbrauch des Inlandes belief sich in den ebengenannten beiden Monaten auf 2 342 303 Doppelzentner Zucker unb 313 484 Doppelzentner Abläufe. Zur Ausfuhr gelangten dagegen nur 1 028 134 Doppelzentner gegen 1444 200 Doppelzentner ht den gleichen Monaten des Vorjahres.
Dieser Rückgang dürfte, wie das Blatt resigniert meint, sich noch lange, toenn auch in langsamer Gangart fortsetzen. Dazu kommt noch daS relativ bedeutende Anjchwellen des Imports ausländischen Zuckers zu uns. Dieser betrug ht den beiden ersten Monaten nach der durch die Konvention bedingten Zollermäßigung bereits nicht weniger als 36 736 Doppelzentner gegen nur 6121 Doppelzentner im gleichen Zeitraum deS Vorjahres.
Die von agrarischer Seite immer wiederholte Warnung vor den üblen Folgen der Konventtonsbestimmungen, durch welche uns die Hände gebunden, den englischen Zuckerkolonien aber frei- gelassen wurden, erweist sich in allen Teilen also leider als nur zu sehr berechtigt.
Die Entwickelung der Parteien im preußischen Abgeordnetenhaufe in dem Zeitraum von dreißig Jahren veran« schaulicht folgende Tabelle:
s ? n n n COOOOÖOOOOOOOQO
Konservative 30 104 116 129 124 147 144 148
Freikonservative 33 54 58 65 66 62 58 54
Zentrum 86 96 98 101 99 95 100 97
Nationalliberal, 169 101 66 67 87 90 75 79
Fortschritt 72 35 38 --- - -
Deutsch-Freifinn — — — 43 29 14 26 28
Freis. Bereinigung — — — — — g 10 8
Polen 17 19 18 15 15 17 18 13
Außerdem sind jetzt noch im Landtage 2 Dänen, 2 Antisemiten, 2 Landwirtbündler und 5 Fraktionslose, von denen zwei liberal sind. WaS die Tabelle aber hauptsächlich vor Augen führt, ist die Tatsache, daß die Links« liberalen, welche einst trotz des jetzt so befehdeten DreiklaffenshstemS auf stolzer Höhe standen, immer mehr Sitze eingebüßt haben.
„Ja, gewiß! Hast Du noch nie gesehen, wie sie mit ihm kost, es küßt unb ihm Golb in die Locken flicht? Sahst Du noch nicht, wie sie am Äbenb mit einem Strahlenlächeln in seine Arme sinkt, die es ihr jauchzend entgegenbretet? Am Herzen des Meere- ruht sie aus von den Mühen deS Tages. Manchmal freilich gibt es auch Zank zwischen ihnen, und dann ist sie versttmmt und zieht einen dicken Wolkenschleier vor ihr schöne- Antlitz, unb das Meer wird schließlich nach all dem Toben ernst unb müde. Regungslos liegt e- ba, nur hin und wieder rollt eine Welle matt zum Strande. Dann aber zürnt unb grollt es von neuem unb holt sich den Bruder Sturm zur Hilfe, damit et die Wolkenschleier zerreiße und Frau Sonne versöhne. Sahst Du das noch nicht?"
Der Wurm krümmte sich in heißer Qual.
Daß die Sonne zu anderen noch freundlich und flut war, das wußte er, das hätte er ertragen — daß sie aber einen so ausschließlich liebte, daS brach ihm das Herz. „Es ist wohl bester, ich sterbe nun."
Der Mensch nickte gleichmütig. „Ja, da- magst Du halten, wie Du willst, ich für mein Test hab' gefunden, daß sterben oft besser ist, denn leben."
„Warum bist Du denn noch nicht gestorben?" „Was geht's Dich an!“
„Du hast recht! Was geht's mich an."
Der Mensch wollte sich entfernen, doch der Wurm hielt ihn zurück.
„Töte mich!" bat er. „Ihr Menschen seid ein grausam Geschlecht. ES kann Dir nicht schwer werden. Töte mich!"
Gern," sagte der Mensch und versetzte ihm einen Fußtritt. Aber darum war deo Wurm doch lange nicht tot. Ein Wurm stirbt so schnell
Am Wahlsystem liegt» also nicht, denn damals war es dasselbe! Woran denn , . . . ?
Sozialdemokratischer TerroriSmuS.
Ein neues Beispiel von der Verhängung deS Boykotts über Geschäftsleute teilen die .Dresdener Nachr." mit: „Am vorigen Sonntag ist in den Dresdener Vorstädten Pieschen, Mickten, Uebigau, Trachau unb Kadih ein Flugblatt verteilt worden, daS bi« Namen von 54 Dresdener Bürgern, Geschäfts« te uten aller Branchen, enthält, die zur Kenntnis der .Genossen" unter dem Hinweis« gebracht werden, daß dieselben .sämtlich den anläßlich der Stadtverordnetenwahl erlassenen Wahlaufruf Dresdner nationaler Bürger mit« unterzeichnet und sich somft mit dem Inhalte desselben einverstanden erklärt hätten, da ein Widerruf ihrerseits nicht erfolgt sei." Unb WaS haben diese Geschäftsleute Schweres begangen ? Sie haben bei den Stadtverordneten« wählen nicht sozialdemokratisch gewählt und deshalb find fie gerade zur Weihnachtszeit boykottiert worden. WaS sagt dazu eine ge« wisse linksliberale Presse, dis der Sozialdemokratie zuhält und sich dabei .national" geberdetf Darüber gleitet man stillschweigend hinweg. Würdige „Genossen!"
Deutsches Reich
Verkitt 23 Dezember.
— Seine Majestät bet Kaiser hörte am Dienstag die Vorträge des Chefs des AdmiralstabeS, des Marinekabinetts und des Militärkabinetts. Am Montag unternahmen beide Majestäten Spaziergänge in der Umgebung des Neuen Palais bei Potsdam.
— Die Hochzeit des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin mit der Prinzessin von Cumberland soll im Mai stattfinden.
— Die silberne Hochzeit des Herzogs von Cumberland wird von bet welfischen Presse als Gelegenheit benutzt unter mehr oder minder heftigen Angriffen gegen Preußen dem Wunsche auf Wiederherstellung des Königreichs Hannover Ausdruck zu geben. Es ist bedauerlich genug, daß sich noch immer Leute finden, die mit dem Schein des Ernstes derarttge Wünsche zu hegen und auszn- sprechen sich berufen fühlen, lieber die Frage der Wiederherstellung des Königreichs Hannover ist die Weltgeschichte doch schon längst zur Tagesordnung übetgegangen.
— I« Berlin wollen am heutigen Mittwoch die zu einem Verband zusammengeschlossenen Taxameter-Droschkenbesitzet ihre etwa 3500 Kutscher entlassen, toenn diese sich weigern, gegen 40 vom Hundert bet Tageseinnahme weiterzufahren. Die Kutscher verlangen 1,50 Mark Grundlohn und 30 vom Hundert bet Einnahme täglich. Jetzt verdienen sie nach ihrer Angabe 3 Mark bis 3,75 Mark den Tag, während iie Droschkenbesitzet einen Wochenlohn von 28 bis 32 Mark herans- rechnen. Ungefähr 200 Kutschern ist die Forde- runa bewilligt worden. Es ist das eine verschwindend kleine Anzahl. Die „Taxameter-
nicht. Noch stand die Sonne hoch am Himmel unb obschon sich bet Wurm toanb in rasendem Schmerz, so wollte doch bet erlösende Tob nicht kommen. Des Wurmes ganze Seele hing ja an der Sonne, und die hielt sein armselig Leben in ihren Händen. Unb er mußte ruhig zusehen, tote sie schmeichelnd das Meer küßte, wie ihre Strahlensinger kosend darüber binglitten und wie sie endlich in die geöffneten Wogenarme sank. Ein letzter Lichtgrußbuschte über die zitternde Wasserfläche zu dem Wurm und baute eine goldene Brücke l>ou der Sonne bis zu ihm. Dann erlosch das Licht. Kalt — dunkel lag daS Meer — der Wurm zuckte noch einmal leise zusammen und — starb. Niemand kümmerte sich weiter um ihn. niemand wat, der ihn vermissen würde. Unb die Sonne? Bis die wieder ertvachte aus seligem Traum, hatte sie den armen Wurm wahrscheinlich auch vergessen — vergessen —
Herbart klappte bas Buch zu.
„Vergessen," murmelte er. „Nein, sie soll mich nicht vergesien — sie soll nicht."
Ein leises Gerättsch ließ ihn erschreckt auf- fahren. Die umherliegenden Muscheln knirschten tote unter leichten Tritten, und gleich darauf erschien Hadwig in der Nähe deS Badekarrens. Sie kam aus den Dünen — allein — Herbart konstatierte dies mit heimlicher Genugtuung — unb war über den Abhang am ßerrenftranb hinunter- geklettert. Der Winb hatte ihr eine ganze Ladung Sand ins Gesicht getrieben. Ein graubärtiger Insulaner, der des Weges kam, tröstete sie damit, daß Sand klare Augen macht, und trotzdem ihr dies ziemlich zweifelhaft erschiett, nickte sie doch dem Alten lächelnd zu, aber es war ein müde- Lacheln. ■•
Mortietzuna solat.l