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mit dem Krcisblatt für die Kreise Marburg und KitMai«.
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Marburg
Dienstag, 22. Dezember 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Umvcrtztäts-Buchdruckcrei 38. Jahrfl.
Marburg, Markt 21. — Telcphon o5.
Die Wahrheit über den Ausstand in Crimmitschau.
Dor Weberstreik in der sächsischen Fabrik- stadt, die Dank der Sozialdemokratie eine traurige Berühmtheit erlangt hat, ist nun bereits in die achtzehnte Woche getreten und gestaltet sich immer mehr zu einer sozialdemokratischen Krast- Probk. Der Kampf in Krimmitschau ist ein Kampf um die Herrschaft, denn er hat längst den Charakter eines rein örtlichen Lohnstreikes zwischen Arbeitern und Fabrikanten verloren und sich z» einem Kriege entwickelt zwischen der sozialdemokratisch organisierten Arbeiterschaft und den infolge des Terrorismus der „Genossen" cben- falls organisierten Aebeitgebern, wer der Herr in den Fabriken sei.
Es ist deshalb mehr als abgeschmackt, wenn die Sozialdemokratie und die mit ihr verbrüderte linksliberale Presse, die trotzdem das Wort „national" von sich zu gebrauchen sich nicht schämt, diesen .Kampf gewissermaßen als eine Folge des Uebermutes und der Rücksichtslosigkeit der Arbeitgeber und den Streit fälschlicherweise als das Ergebnis der Notlage der Arbeiter hinzu- stellen bemüht ist. Ist doch in den Forderungen der Arbeiter selbst ein Verlangen nach Mehrver- dienst gegen früher nicht enthalten l
Wie die materielle Lage in Krimmitschau ist und >vie die Lohnverhältnisse der Arbeiter sind, die als schlecht bezahlte und ausgeb miete Lohnsklaven von der obengenannten anfhekenbenPresse dargestellt werden, darüber gibt die „Deutsche Arb.-Ztg."folgendes der Wahrheit entsprechendes Bild: „Es'(nämlich Krimmitschau) besiht 23 ODO Einwohner, 39 Bnckskinsabriken, 10 Vigogne' spinnereien und 0 Färbereien, wozu noch eine Reihe von Nebenbei rieben kommt. Im Jahre 1901 wurden 0829 Arbeiter gezählt, wovon das 21. Lebensjahr 5100 überschritten ba'ten Die Industrie selbst ist mit den modernste» Maschine« ausgestattet, sie ist kapitalkräftig und getund und nimmt im Rahmen unserer nationalen Industrie einen bedeutenden Rang ein. Von Ueberpro- duktion kann keine Rede sein. Der Giroverkehr bei der Reichsbanknebenstelle bewegt sich jährlich 'Zwischen 30 und 35 Millionen Mark. Ebenso be- wciscn die amtlichen Zahlen der Einkommen- steuerbehörde, daß es sich um eine wirtschaftlich durchaus gesunde Bevölkerung handelt."
Man lese ferner ' folgenden Angaben über die „Hungerlohne":
„Es verdienen wöchentlich: . Jugendliche Leute beiderlei Geschlechts, von 14 Jahren an, 9 bis 12 Mark: b. Weber im Akkord 19 bis 27 Mark: c. Weberinnen 15 bis 20 Mark: <1. We- berei-Hnlssarbeiter 14 bis 20 Mark: o. Spinner im SOfort) 20 bis 30 Mark: f. Spinnerei-Hiilfs- arbeiter 14 bis 18 Mark. Wenn daher in einer fünf- bis sechsköpfigen Familie drei oder vier Mitglieder arbeiten, etwa Vater, Mutter und eins Tockiter — und die Töchter der Arbeiter hin dies regelmäßig, weil sie den guten Erwerb in der Fabrik der Verdingung als Dienstboten vorziehen — so stellt sich das Pinkoininen einer solchen Familie mit Leichtigkeit auf 3- bis 4000 Mark. Nach Versicherungen eines Getverbeiuspektors sind auch Jahresverdienste von 4- bis 5000 Mark nichts Seltenes. Die Arbeit ist leicht ausznführen und leicht zu lernen, so daß der AufaugSverdienst vom ersten Tage der Beschäftigung an bezogen
23 'Nachdruck verboten)
Frau Hadwig.
Güte Strüudgeschichte von Ella Lindner.
„Seit wann sind Sie denn empfindlich in der Beziehung?" forschte er weiter, ohne sich durch ihre Gewitterangen abschreckcn zu lassen. „Früher waren Sie daS nicht. Und eS ist auch unklug. Sie machen den jungen Mann höchstens eitel. Fräulein Willing ist Ihnen, was das anbelangt, entschieden über."
Sie wird aufmerksam. „Fräulein Willing? Wieso?"
lieber sein hässliches Gesicht gleitet ein boshaftes Lächeln. „Na, er macht ihr doch auch den Hof, genau wie andern, und sie nimmt es nicht übel, wenn er dann wieder einmal zur Abwechslung mit Ihnen berumläuft. Lieber Gott — ich verdenke es ihm nicht, und Ihnen und der kleinen Rose Willing erst recht nicht — man muß halt die Feste feiern, wie sie fallen!"
Hadwig ist zu müde, um sich beute mit dem Kleinen zu zanken. Aber einen leisen Stachel lassen seine Worte doch in ihrem Herzen zurück. Es ist wahr. Jürke hat sich in letzter Zeit mehr als ihr lieb gewesen mit dem blonden Mädchen beschäftigt, dennoch vertraute sie ihm. Doch nun —
„Da schauen Sie mal, Frau Hadwig," der Schriftsteller bleibt stehen und hält auch sie am rlermel zurück, „ist das denn nicht AllmerS mit fer Willing?"
-Ich kann die Person nicht erkennen," antwortet ste gleichgiltig, und dabei will ihr das
werden kann. Kleinere Wohnungen sind für 100 bis 125 Mk., mittelgroße für 2—300 Mk. bequem zu haben. Das Rindfleisch kostet 1,30 Mark für das Kilogramm, das Schweinefleisch 1,40 Mark, ebenso niedrig sind die Durchschnittspreise für alle anderen Lebens- und Gebrauchsmittel. Die Stadtkasse verfügte am 31. Dezember 1901 über beinahe 10 Millionen Mark Guthaben. Der Zuwachs des Einlage-Guthabens in den leben fünf Jahren betrug 21/« Millionen Mark, wobei man nicht fehlgeht, wenn man bett größte« Teil dieser Ersparnisse auf die Einlagen der Textilarbeiter zurücksührt, da diese das Hauptkontigent der gewerblichen Bevölkerung ausmachen."
Man vergleiche diese Einnahmen mit denjenigen anderer Berufe. Welcher Bauer, der sich auf seiner Scholle abmüht, hat je solches Einkommen, welcher kleine unb mittlere Kaufmann in der Stadt, dem Konkurrenz und Warenhaus den Verdienst schmälern, welcherBeamte, dessenAusbil- dung mit ganz anderen Kosten verknüpft ist als die eines Textilarbeiters? Wer hat angesichts dieser Tatsachen die Stirn von einer „elenden Lage" der Weber in Krimmitschau zu reden? Wer es mit den Arbeitern wohlmeint, täte besser, sie darauf aufmerksam zu machen, daß der Kampf selbst int Falle eines Sieges — der ganz aussichtslos ist — unter keinen Umständen der ungeheueren Opfer wert ist. welche bü Arbeiterschaft bisher gebracht hat. „Seit siebzehn Wochen" — heisst es in der bereits angeführten Quelle — „ist eine blühende Industrie lahmgelegt. 6000 Arbeitskräfte feiern, in 60 Fabriken stehen Maschinen still, deren Wert man mit 20 bis 30 Millionen nicht zu hoch veranschlagen wird. Wichtige Erportbeziebungen gehen verloren. Da her Jahresumsatz der Spinnereien etwa 15 Millionen, der der Webereien 35 Millionen, der der Nebenbetriebe 5 Millionen ausmacht, so bedeutet ein viermonatiger Stillstand schon hieraus einen Verlust von etwa 18 M "^nrii. Der Lohn» anssall beträgt jetzt schon zv. 'Millionen. Der Wohlstand der Stadt hat empfindlichen Schlag erlittten. Im klein im großen sind dir Wunden, dir der sozi ickratischk lieber- mut geschlagen hat, tief und werden schwer heilen!"
lind in welcher Lage sind die Arbeiter jetzt, die so mutwillig auf höheren Befehl seitens der sozialdemokratischen Leitung in den Ausstand getreten sind? Um nur das Leben fristen zu können, müssen sie sich die härtesten Entbehrungen, auferlegen, sie sehen den Rest ihrer Ersparnisse schwinden, sie sind bereits aus die Mildtätigkeit der „Genossen" angewiesen, die völlig ungenügend ist, die bitterste Not herrscht in den Familien.
Haben die sozialdemokratischen Machthaber noch ein Gewissen, das sie die Verantwortung für das von ihnen leichtsinnig herausbeschworene Elend empfiiiden laßt?
lieber die Entstehung des Streiks schreibt die „Köln. Ztg.", daß er kein Ausstand sei, dem heißen Blut entsprungen, sondern einer, der mit kaltem Bewußtsein, mit höhnischer Berechnung von den Drahtziehern langer Hand vorbereitet wurde und der skrupellos durchgeführt wird, ohne Rücksicht darauf, daß die Arbeiter selbst genau so ivie die Fabrikanten geschädigt werden, daß die Industrie Krimmitsckxuis einer schweren Gefährdung ausgesetzt wird und in letzter Linie die streikenden Arbeiter mir den Ast ab-
Herz zerspringen, denn sie sprach die Unmahrbeit. Sie hat mir zu gut Jürke und Rose erkannt.
„Schau, schau." Herbart reibt sich vergnügt die Hände, „ein Dämmerspaziergang! Wie Poetisch! Ja, ja, Handelsherren sind keineswegs so Prosaisch, wie man glaubt!"
Hadwig schreitet so hastig tueiter, daß er ihr kaum zu folgen vermag und auch Anne und der Professor ein ziemliches Stück Zurückbleiben. Des Blinden Hand liegt auf Annes Arm, und sorglich leitet sie ihn. Und wie sie nun langsam neben- einander hertvandern. da sagt er ihr, daß er sie lieb bat und bittet sie, lein Weib zu toerben. Anne ist grenzenlos benotrrt und überrascht. Sie war bis jetzt so ausschließlich mit Jürke Allmers beschäftigt, daß ihr der Gedanke an eine Verbindung mit dem Professor kaum gekommen ist. In die Ferne batte sie sehnend geschaut, und derweil lag das Glück so nahe! Aber ob es auch ein Glück in Wahrheit ist — ein Glück für sie, für den Mann? Betrügt sie nicht ihn und sich, wenn sie einwilligt, sein Weib zu werden? Statt jeder Antwort ■■■’ '! fic ihm voi: ihrer Liebe — ohne JürkeS zu nennen — sie hält diese Offen
heit für ihr Pflicht. Als sie zu Ende ist und nun zaghaft cniporblickt, liegt ein Lächeln auf seinen Zügen.
„Anne, mit diesem Märchenprinzen nehme ich den Kampf auf. Mit dem hoffe ich fertig zu werden."
Unb da geht Plötzlich ein Wunderseltsames in ihr vor. Ihr wird mit einem Male so tvohl. Sie fühlt sich so sicher — so geborgen — ein leises, leises Glücksgefühl wacht in ihrem Herzen auf. Wenn er ihr beihielt, dann muß es anders werden, besser, sie hat so viel Vertrauen zu ihm, wie
sägen, auf dem sie selbst sitzen. Die Arbeiter wurden in den Schänken hearbeitet und kamen dann mit Forderungen verschied mster Art. Das ging endlich so weit, daß in mehreren Fabriken die Arbeiter Forderungen aufstellten, wonach sie selbst zu bestimmen hätten, wie viele und welche Leute an den einzelnen Maschinen arbeiten sollten. Kurz, es handelt sich, tote bereits gesagt, um die Herrschaft in der Fabrik. Die Forderung des Zehnstundentags ist nur ein vorgeschobener Grund, denn tatsächlich besteht in bett Fabriken in Krimmitschau durchschnittlich nur ein lOsitzstün- diger Arbeitstag. In Krimmitschan besitzt die Sozialdemokratie eine ihrer bestenOrganisationen» und deshalb wurde, unbekümmert um die Folgen, unbekümmert um die Millionen von „Ar- beitrrgroschen", die verloren gehen, der Ausstand frivol ins Werk gesetzt, eine sozialdemokratische Machtprobe veranstaltet.
Wie nicht anders möglich, zeigt sich bei diesem Streike der sozialdemokratische Terrorismus gegen Arbeitswillige in der schlimmsten — und in der gemeinsten — Form. (Wurde den Arbeitswilligen doch von den „Genossen" ins Gesicht gespukt!) Nicht die sächsische Regierung hat beit „Belagentngszustanb" eiitgesührf, sondern die Sozialdemokratie. Denn der ganze Bezirk Krim- mftschau war nicht nur mit Streikposten besetzt, sondern es wurden auch in 40 Gastwirfschasten sogenannte Kontrollversammluitgen abgehalten, durch die sich der Streikausschuß über den Umfang der Bewegung auf dein Laufenden hielt und etwaigen Zuzug bezw. etwaige Neigung zur Wiederaufnahme der Arbeit unterdrückte. In Wirklichkeit kam dies einem wahren Belagerungs- zusiande gleich. Auf dem Bahnhose patroullierten die Streikposten, in allen von der Arbeiterschaft besuchten Lokalen standen die sozialdemokratischen Aufpasser und die ganze Stadt war unter die Aufsicht der „Genossen" gestellt.
Angesichts dieses Verhaltens der Sozialdemokratie macht es einen um so widerlicheren Eindruck, wenn sie, die doch bei dieser Gelegenheit wieder ihre Macht beweisen will und den ganzen Ausstand offen als einen absichtlich organisierten Kampf gegen da? „Unterniehmertnm" erklärt, gleichwohl in der sonst so tief verhaßten bürgerlichen Gesellschaft das Mitleid für die Opfer dieses Kampfes zu erwecken versucht Gewiß sind die Arbeiter, die den gewissenlosen Verführern leichtsinniger Weise Gehör schenkten, zu bedauern, sind es die vielen anderen Opfer, das „Kleingewerbe, die Krämer, Bäcker und Metzger und alle vom Arbeitereinkommen abhängigen bürgerlichen Existenzen", die wie die „Hilfe" schreibt, „unter der Last des Kampfes seufzen", nicht in viel höherem Maße, da sie doch ganz unschuldig leiben, bk Arbeiter aber nicht?
„Wackere Kämpferschar" nennt das national- soziale Hanptorgan die sozialdemokratischen Aus- ständischen in Krimmitschau und fordert zur llnterstützung durch Geld auf, damit der „Helden- hafte Kampf" ausgefochten werden kann, ermutigt also die „Genossen" noch! Man hat die National-Sozialen einmal Schrittmacher der Sozialdemokratie genannt, unb es hieß damals, man täte ihnen damit Unrecht. Auf Manche mag die» ses Beiwort — wie zu ihrer Ehre angenommen werden soll — nicht passen, auf die Mehrzahl 'kann es jetzt nach diesem offenen Eintreten für die Sozialdemokratie aber Anwendung finden. Die- ses Verhalten ist nicht „sozial", sondern soziali-
zu keinem Mensckpm sonst — er wird sie schützen, er ist stark, trotz feiner blinden Augen. Sie legt das Köpfchen an seine Schulter.
„Anne, was antworten Sie mir?"
„Wenn Sie mich nun nicht wollen."
„Wollen?!" Mitten auf dem Weg bleibt er stehe». „Wollen! O Du Kind! Du liebes, törichtes! Du mein Lichtlein!" Er nimmt sie in seine Arme, und sie duldet es, baß er sie küßt, toieber und wieder.
„Hab' Nachsicht mit mir," bittet sie.
„Nachsicht? Die wirst Du mit mir haben müssen. Mein Kleines, Du bekommst einen Blinden zum Mann, hast Du es auch recht bedacht?"
„Ja."
„Und so eilt Blinder, Geliebte der macht viel Last."
„Eine liebe Last!" antwortet sie innig.
,,-O Du!" Noch einmal zieht er sie an sich. „Du! Wie ich Dir danke! Du mein Liebstes!"
Eng aneinander geschmiegt gehen sie weiter.
Noch am selben Abend wird die Verlobung im Hotel bekannt. Der Professor ist ja nicht eine Viertelstunde imstande, sein Glück zu verbergen. Natürlich will nun- jeder lange vorher gewußt haben, daß eS so kommen würde, man gratuliert, fragt, schwatzt durcheinander, und Anne atmet auf, als sie endlich einen Augenblick Ruhe hat. Sie sieht mit Hadwig halbverborgeii Hinterm Flügel, während Jürke Allmers mit dem Professor am Fenster lehnt. Verstohlen schaut Anne hinüber. Er hat ihr auch Glück gewünscht heute ebenb, hat ihr sogar die Hand geküßt — unb «im wundert fic sich, daß sie so ruhig geblieben
stisch im schlimmen Sinne dieses Wortes, «nd noch weniger „national", beim wenn man, abgesehen von dem geplanten Zusammengehen bei beit Wahlen, sich gewissermaßen als „untei- stützendes Mitglied" mit der internationalen, rr volutionären Sozialdemokratie solidarisch erklärt und sich zum Handlanger oder Vorarbeiter bet Herren Bebel, Singer, Arons unb Genossen er- niedrigt hat, klingt diesWort tote ein Hohn auf bis Gefühle der nationalen Deutschen. — Der Ausstand in Krimmitschau ist also in vielerlei Hinsicht höchst belehrend. **
Deutsches Reich
Perfitt. 21 Dezember.
— Seine Majestät der Kaiser nabm am Samstag in Hannover keine Vorträge entgegen. Um 9 Uhr war Frühstückstafel, zu der keine Einladungen ergangen waren. Dann begannen die militärischen Festlichkeiten zu Ehren des 100jäh- rigen Stiftungsfestes des Füsilierregiments „Prinz Albrecht von Preußen", des Köni-.s- Ulanenregiments und des Feldartillerieregnmnis von Scharnhorst, worüber bereits berichtet worden ist. Der Tag ivttrde mit besonderem Glanze begangen. Der Kaiser stiftete eine Denkmünze aus Bronze eroberter Geschütze. Die Vorderseite zeigt das Abbild der Waterloosäule in Hannover, die Rückseite trägt den Stiftmwstag der Regimenter und den Tag der Jubelfeier. In der zehnten Vormittagsstunde fuhr der Monarch unter dem Jubel einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge nach der Garnisonkirche, wohin dis lorbeergefchmückten Feldzeichen gebracht worden waren. Die nichtfeiernden Truppen bildeten mit der Musik Reihen. An dem Feldgottesdienst nahmen die jetzigen und früheren Mannschaften der drei Regimenter teil, ferner die Generalität u. s. w. Gleichzeitig fand in der katholischen Kirch ine Feier statt. In der Garnisonkirche prach Militäroberpfarrer Dr. Rocholl über Psalm 143, Vers 5—6: „Ich gedenke an die vorigen Zeiten, ich rede von allen Deinen Taten." Später ritt der Kaiser zur Abnahme der Parade nach dem Waterlooplatz. Er trug das Band des Schwarzen AdlerordenS über dem Mantel und führte den Marfchollftab Sein Aussehen war ein vortreffliches. Tie Regimenter, mehrere tausend ehemalige Angehörige unb Mitglieder der alte» hannovrschen Armee hatten im offenen Vierer Aufstellung genommen. Die Truppen prüfen Herten, dreimages Hurra! wurde laut. De: Kaiser ritt die Front ab unb zeichnete viele Krieger, die zum Teil in alten hannoverschen Uniformen erschienen waren, durch Ansprachen ans. Dir Zuschauer brachten dem Monarchen Huldigungen dar. Unter klingendem Spiel ging der Vorbeimarsch der Truppen von statten. Der Kaiser führte die Königsulaneii, Prinz Albrecht von Preußen sein 73. Regiment. An der Spitze der Fahnen, umbranst von nicht enbeiitool’enbcm Jubel, kehrte der oberste Kriegsherr ins Schloß zurück. Nachmittags folgte im Tivoli das Festessen der Offiziere, toobei Prinz Albrecht dos Wohl bcS Kaisers ausbrachfe unb dieser mit markigen Worten erwiderte. Für die Mannschaften sanden F iern in den Kasernen und in verschiedenen Lokalen statt. Den Beschluß deS Tages machte, eine Festvorstellung int Hoftheater. Das Festspiel schrieb Freiherr v. Oinpteda, die Szene
ist bei alledem. Mit keiner Wimper bat sie gezuckt.
„Anne," Hadwigs Hand stiehlt sich in bie ihre, „liebe Anne! Ich freue mich so mit Dir!"
Anne streichelt zärtlich die kalten Finger.
„Vor Dir liegt eine reiche Zukunft," fährt Hadwig fort. „Einem Menschen alles sein dürfen — Schöneres giebt c-5 nicht auf der Welt. Dein Leben hot einen herrlichen Inhalt bekommen."
„Unb Deines Hadi?"
„Meines? Ach —"
„Deines wird ihn noch bekommen. Ekkehard wird um Fran Hadwig werben, und sie vertawcht den Hohentwiel mit der stolzen Brenta und wird in dem alten Patrizierbous herrschen als viel- schöne und vielgeliebte Herrin. Nicht so?"
Die Gefragte schüttelte den Kopf. „Neinl" Und dies „nein" klingt dermaßen sonderbar, daß Anne nicht weiter zu forschen wagt.
VIII.
Jürke Allmers fuhr auf die Sandbank zm Robbenjagd. Die andern begleiteten ihn bis dahin, wollten darauf weitersegeln, um nach zwei Stunden ihn toieber abzuholen.
„Was toürben Sie tun, wenn die Flut käme unb unser Boot nirgends in Sicht toäre?* fragte Herbart. „Müßte eine verteufelte Situation sein! Einfach so iveggespült werden."
Allmers Prüfte gerade fein Gewehr. _
„Glauben Sie nur nicht, daß ich mich einfach so wegspülen ließe," sagte er ruhig.
„Ja, der gute Wille würde Jhnep wohl V-r- flirt wenig Helsen. Verehrtester!"
„Doch, bet gute Wille ist alles!"
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