mit dem Kreisblatt für die Meise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Sonnabend, 19. Dezember 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Lug. Rod), UmversttätS-Duchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Die Lage am Balkan.
Während auf den Kämmen des Balkan alle Kämpfe und Unruhen in Tieflaae von Schnee erstickt sind, nisten sich die politischen Kreise diesseits wie jenseits für die Zeit der Schneeschmelze, oon der mit Bestimmtheit der Wiederausbruch dr Unruhen erwartet wird. In Mazedonien haben Versammlungen von Türken und Albanesen statt- gefunden, in denen erklärt ist, daß sich die Mo- hamedaner dec Bestellung bulgarisch-christlicher Beamte bis aufs Messer widersehen würden, in Bulgarien selbst arbeiten die Komitees mit Entschlossenheit an der Vorbereitung für die Wiederaufnahme neuer Unruhen im Frühjahr. Es scheint in der Tat nicht, als ob die bulgarische Re- giening geneigt sei, den guten Ratschlägen zu folgen, die von österreichischer und russischer Seite ihr gegeben sind.
• Graf Goluchowski betonte am 16. Dezember km Ausschuß der ungarischen Delegation für ctu8- wärtige Angelegenheiten ausdrücklich, daß die re- oolutionären Streiche und die Grausamkeiten der pmzedonischen Zentralleitung, die sich auf bulgari- schem Boden befand, sich einer geradezu sträflichen, von einer aktiven Parteinahme kaum noch unterscheidenden Duldung der bulgarischen Regierung erfreute.
Diese scharfe Rüge des österreichisch-ungarischen Ministers des Aeußern ist von um so stärkerer Bedeutung, als Tags zuvor Kaiser Franz Josef den bulgarischen Agenten, der bisher immer nur in einer Privataudienz empfingen wurde, zum ersten Mal in feierlicher Staatsaudienz empfangen und von ihm ein eigenhändiges Schreiben des Fürsten Ferdinand entgegengenommen hatte. Es ist ganz klar, und Wohl auch vom Grafen Golu- chowski betont, daß die Grausamkeiten der Komi- tatsckiis hauptsächlich den Zweck verfolgten, auf türkischer Seite eben solche Grausamkeiten her- — vorzurufen, die in der Tat nicht ausblieben und den Leitern der ganzen mazedonischen Bewegung dazu dienen sollten, das Mitleid Europas wach- fzurufen und die Mächte zum Einschreiten zu zwingen. Es ist auch ebenso klar, daß die mazedonische Zentralleitung im Hinblick auf die Reise des Grafen Lambsdorff und die dabei zwischen Oester- veich-Ungarn und Rußland zu Tage getreteneEin- mütigkeit die Hoffnung auf eine Einmischung der Mächte nicht gehegt haben würde, wenn nicht von anderer Seite her ihr fortwährend in dieser Beziehung eine Aufmunterung und Ermutigung und insbesondere auch in Gestalt von Barmitteln, zu- peflossen wäre. Und daß diese Aufmunterung von England ausgegangen ist, unterliegt ja kaum einem Zweifel. Inzwischen ist Europa sich darü- ber klar geworden, daß das von dem Wiener und dem Petersburger Kabinet entworfene Reform- Programm den nächsten Ansprüchen der ruhe- liebenden mazedonischen Bevölkerung durchaus entsprachen haben würde, wenn es zur Durchführung gekommen wäre. Das Programm hat ja auch die Billigung der Signatarmächte gefu-iden und seine Durchführung ist vom Sultan gut geheißen worden. Wäre es der mazedonischen Zen- tratleitung wirklich um das Glück ihres Landes zu tun gewesen, so hätte sie dieses Programm als
18 «Nachdruck verboten.»
Frau Hadwig.
Eine Strandgeschichte von Ella Lindner.
'iTort’efennaJ
Sie legte das Messer hin und sah ihn an. „Was haben Sic gegen Allmers?"
’ „Ich? Nichts!" Er schob die Hände in die Taschen und lief aufgeregt hin und her. „Gar nichts!" Dann sagte er plötzlich „Adieu!" drehte sich kurz um und ging.
Kopfschüttelnd schonte sie ihm nach. Als er hinter dem Hanse verschwunden war, nahm sie die unterbrochene Arbeit wieder auf und hatte dabei dcil Kleinen bald vergessen. Wenn Herbart sich einmal sonderbar zeigte, so störte sie das eben nicht, und es war ihr auch nicht weiter verwunderlich. Solch ein seltsamer Kanz, der er immer gewesen, dem mußte man schon etwa? Nachsehen. Sie nahm ihm auch so leicht nichts übel, nur in Bezug auf Allmers tvar sie empfindlich." Und gerade weil Herbart dies fühlte, tat er es stets wieder.
Bei Tische wurde ein Spaziergang in die Dünen verabredet, aber als es dann so weit war, konnte man weder Anne noch den Professor finden, und Herbart, der seitlich vom Hause auf der Wiese lag, war zum Wandern zu faul.
„So gehen wir eben allein, was meinen Sie, Frau Hadwig?"
Ja, sie meinte es auch.
„Und wenn die anderen austaucken, lieber Herbart, dann schicken Sie uns dieselben schleunigst nach. Wir trinken im Dünenschlößchen Kaffee."
Werd's bestellen."
„Vielleicht kommen Sie dann auch noch mit?" „Ich? Nee — glaub' nicht —" Er unterdrückte ein Gähnen.
wertvolle erste Abschlagszahlung hinnehmen und zunächst die Wirkung der darin entfallenen Reform abwarten müsse. Statt dessen haben diese „Befreier Mazedoniens" mit uiwersöhnlichem Eigensinn an der Gewährung einer vollen Autonomie unter einem christlichen Gouverneur als Mindest- forderung festgehalten, die nach Lage der Sache niemals gewährt werden kann. Europa hat nicht das mindeste Interesse daran, die staatliche Lebensmöglichkeit der Türkei durch Schaffung eines zweiten Ostnimeliens in Frage zu stellen. Wohl aber hat es ein starkes Interesse daran, den ehrgeizigen Plänen Bulgariens ein festes Ziel zu setzen. Er- . freulicherweise ist dies bei der Kaifirbegegnung in
Mürzsteg im Herbste dieses Jahres bereits auf das bestimmteste ausgesprochen und auch aus den Darlegungen des Grafen Goluchowski geht der unerschütterliche Wille hervor, einerseits den maßlosen Forderungen der Mazedonier Schranken zu ziehen, andererseits aber auch die Türkei durch einen sanften Druck zu zwingen, nunmehr endlich die Reform durchzuführen, die im Grundsatz bereits vom Sultan gebilligt sind. Die Rede deS Grafen Goluchowski war deshalb in erster Linie nach Konstantinopel gerichtet und wird dort hoffentlich verstanden werden, denn es ist klar, daß die Türkei ohne europäische Ueberwachung von ihrem passiven Widerstände gegen die Reform und von der Duldung türkischer Grausamkeiten gegen die christliche Bevölkerung nicht abzubringen sein wird. Dies scheint ja durchaus verständlich für jeden, der einigermaßen in die türkische Denkungs- weise sich hineinzusetzen vermag, aber eben darum wird nichts auf die Türkei so günsüg wirken als die Festigkefi, mit der Graf Goluchowski die Einigkeit zwischen feiner und der Petersburger Regierung betonte.
Die Erklärung des Grafen Goluchowski, daß die Haltung der fürstlichen Regierung in Sofia gegenüber der revolutionären Bewegung einer sehr genauen und strengen Ueberwachung unter- zogen werden und daß Bulgarien seinem Schicksal überlassen werden würde, wenn es nicht verstände, seine Politik den Mächten anzupassen, ist offenbar mehr als eine freundschaftliche Mahnung. Vielmehr hat es den Anschein, daß bezüglich der bulgarischen Regierung zwischen Rußland und Oesterreich feste Pläne vereinbart sind für den Fall, daß sie dieser letzten an sie gerichteten Mahnung nicht entsprechen sollte.
Umschau.
Demagogisches Treiben.
Als demagogischer Agitator ist der jetzige wadelstrümpferische Abgeordnete von Gerlach längst berüchtigt. In diesen Tagen hat er vor einer Versammlung von angeblich mehr als tausend Postunterbeamten gesprochen und diese gegen Regierung und Vorgesetzte aufzuhetzen versucht. Die „Freis. Zeitung" charakterisiert diesen Vorgang durch folgende Worte: „Die Art, wie vor dieser Versammlung Abg. v. Gerlach die Beamtenfragen besprochen . . .. können wir nur al§ eine verwerfliche Demagogie bezeichnen, welche sicherlich nicht dazu beitragen
„Na, überlegen Sie sich die Geschichte nochmals," sagte Allmers. ,LStuf Wiedersehenl"
„Wiedersehn," nickte Herbart, wußte aber ganz genau, daß er nicht nach dem Dünenschlößchen gehen würde. Wozu? „Ah —" Er richtete sich halb auf und stützte den Kopf in die Hand. „Elendes Leben! Abwerfen den ganzen Plunder — ah —" Er erhob sich vollends und schlenderte über die Wiesen nach dem Watt.
Klar und rein blaut der Himmel über den Dünen. Jürke und Hadwig klettern in dem Sandgebirge umher und suchen Pirolas. Sie wollen heute durchaus Pirolas finden. Und dabei plaudern sie von dem, was sie tagsüber getan haben.
„Ein schweres Tagewerk, wahrhaftig," neckt Jürke.
„Vielleicht nicht?" fragt sie zurück. „Seesterne präparieren ist nicht sehr angenehm."
„Die Arbeit hätte ich Ihnen gern abgenommen. Ich kann das doch viel bester."
„Glauben Sie? Wie eingebildet solch eilt Mann ist!"
„Na, Sie sind doch ungeübt, während ich —* „Natürlich! Sie schlachten bestimmte täglich ein Dutzend der lieblichen Meertiere ans. Renommieren Sie nicht so, Ekkehard!"
„Das tue ich ja gor nicht."
«Nein? Mir schien's fast so. UebrigenS ist das nicht das einzige, was ich gearbeitet habe."
„Da bin ich neugierig."
„Denken Sie noch an die Taschenkrckse, die wir geftern aus dem Tang babbelten?"
„Wie denn nicht? Haben Sie die am Ende auch ausgekratzt?"
„Huh —" sie zieht eine kleine Grimasse und schüttelt sich, wie Herbart am Morgen?"
„Was ist eS also mit bett Krebsen?"
Zn Spiritus habe ich sie gesetzt imd auch
kann, für die Freisinnige Vereinigung Stimmung zu machen." Und weiter bemerkt das Richter sche Organ: „Die Sozialdemokraten sind im Verhältnis zu solcher Demagogie unter den Unterbeamten noch als unschulbsvolle Waisenknaben zu betrachten." Diese Kritik dürfte zur Kennzeichnung des neuesten von Gerlachschen Auftreten- genügen.
Auch in Hamburg hat Herr v. Gerlach versucht, sich als Freund der Unterbeamten aufzuspielen. Der dortige Oberpostdirektor sah sich deshalb veranlaßt, amtlich darauf hinzu- weifen: „daß eS in dem Erlag vom 25. Juni 1898 (Amtsblatt S. 215) als unstatthaft bezeichnet worden ist, in Beamtenversammlun gen Gelegenheit zu geben, agitatorifch durch aufreizende, die Organe der Reichsregierung und insbesondere die vorgesetzten Dienstbehörden herabsetzende Reden die Einmütigkeit vertrauensvollen Zu» sammenarbeitenS in der Beamtenschaft zu untergraben", worauf die Postbeamten der Versammlung fernblieben. Herr v. Gerlach will angeblich bei der Beratung des Postetats im Reichstag sich „beschweren". Jedenfalls wird ihm der Staatssekretär Krätke schon die richtige Antwort geben, denn wenn man sich wie ein s ozialdemokratifcher Agitator benimmt und die Beamtenschaft auf» zuwiegsln versucht, dann darf man sich nicht Wundern, wenn man auch so behandelt wird.
Auf jeden vierten Reichsboten einen Antrag.
So ist es in der Tat beinahe. Es sind bis jetzt im ganzen 91 Initiativanträge zur Verteilung gelangt, und man weiß nicht, ob nicht noch etwas „Initiative" nachkommt. So reich mit Anträgen aus dem Hause ist eine Reichstagssession bisher noch nie gesegnet gewesen wie diesmal. Allerdings ist das Anwachsen der Partei-Initiative desto begreiflicher und nötiger, je mehr es die Regierung an Initiative fehlen läßt. Tie meisten Anträge haben die Polen mit 23 Stück eingebracht, dann kommt das Zentrum mit 17. darauf die Sozialdemokraten mit 15. Die National- liberalen paradieren ebenfalls mit 15, die Konser- vativen dagegen haben sich mit dem Einbringen von 9 Anträgen begnügen lassen. Von der Reichspartei sind 6, von ber Freisinnigen Volkspartei 2, von ben Antisemiten, ber Freisinigen Vereinigung unb ben Elsaß-Lotbringern ist je ein Antrag eingebracht worben. Der Reichstag, ber bie Aufgabe hätte, alle biese Anträge zu erlebigen, würbe sich bis in den Sommer hinein ausschließlich damit beschäftigen müssen.
Beherzigenswerte Worte.
Der „Konserv. Korresp." wird geschrieben: In der eben beendeten 9. ordentlichen Bezirkssynode Kn Wiesbaden ergriff gelegentlich der Besprechung des Synodalberichtes über die inneren und äußeren kirchlichen Zustände des Bezirks der
zwei Garneelen und einen Einsiedler nebst seinem Muschelhaus."
Er lacht laut und herzhaft. „Geben Sie mit der Absicht um, irgendwo auf dem Erdball ein zoologisches Museum zu errichten?"
„Warum nicht? Sie werde ich dann als Oberaufseher für dasselbe engagieren."
„Danke ergebens!! Wenn es eine Lebensstellung ist, nehme ich gern an. Haben Sie auch schon eine Qualle in Ihrer Sammlung?"
„Nein, daß man diese Gallertgeschöpfe nicht unterbringen kann, ist mein größter Kummer. Aber wissen Sie, wer mir unsympathisch ist?"
„9tun?"
„Der Einsiedlerkrebs."
Jürke begreift nicht recht, weshalb gerade der.
„Weil er so böse aus seinem Haus guckt! Und dazu diese gestielten grünen Augen — gräßlich! Ein richtiger mißmutiger alter Junggeselle! Wenn der ein Weib hätte, wäre zt sicher fröhlicher!"
„Wer weiß!" Jürke erlaubt sich, zu zweifeln. Er , glaubt nicht an das Eheglück des Einsiedlers. „Vielleicht hat der Arme schlechte Erfahrungen gemacht in dieser Beziehung. Vielleicht ist er auch noch auf der Suche nach der Schwesterfeele, welche die Einfamkest mit ihm teilt."
„Na, wenn die Schwesterseele ihn aber erblickt, so grimmig, bann erschrickt sie sich zu Tobe!" Hadwig bückt sich bei diesen Worten nach einem Zweiglein rosiger Glockenheide und gleich darauf stürzt sie mit einem Schrei des Entzückens in ein flaches Dünental. „Pirolas!" jauchzte sie. „Da — o — diese Menge! Diese Menge!" Und nun hockt sie zwischen dem dunkelgrünen Weidengestrüpp, und in dem weißen Kleid und dem roten, weichen §ilzhut ist sie einem mächtigen Pilz vergleichbar, ürfe Allmers meint, sie sähe einem Glückspilz ähnlich.
Synodale Oberstleutnant a. D. Wilhelms daS Wort, indem er der in dem Bericht gemachten Mitteilung, daß kirchenfeindliche Agitation von sozialdemokratischer Seite nicht geübt sei, soweit es sich um öffentliche Agitation handle, entgegentrat und dieselbe darauf zurückftihrte, daß die Berichterstatter nicht ausreichend darüber orientiert seien.
Er führte weiter ans, daß gelegentlich der Reichstagswahl auch in den am Rhein und Main gelegenen Teilen des Kcmsistorialbezirks eins Sonder-Ausgabe der sozialdemokratischen „Rheinischen Zeitung" mit dem stenographischen Bericht der Rede Bebels, gehalten am 11. Mai d. I. in der Philharmonie zu Köln, verbreitet worben sei. Ob biese Rebe eine kirchenfeinbliche Agitation enthalte, bas wolle er ber hocbwürbigen Synobe zur Beurteilung überlassen, nachbem er folgenbe Sätze aus iener Rebe vorgelesen habe:
„Die Sozialbemokatie kann selblwerstänbsich keinem ihrer Anhänger verbieten, biejenige Anschauung auf religiösem Gebiete zu propagieren, bie er selber besitzt, unb ist biese religiöse Anschauung eine religionsfcinbltche, so kann auch bagegen nichts eingewanbt werben. Ich meinerseits habe nie ein Hehl baraus gemacht, solange ich politisch denke und öffentlich ausgetreten bin, daß ich auf religiösem Gebiete ein Atheist bin."
Dies das Glaubensbekenntnis der Herrn Bebel. Durch Begünstigung der Sozialdemokratie fördere man auch das Ansehen und den Einfluß deS Führers desselben, des Atheisten Bebel, und unterstütze die Verbreitung seiner reliaionsfeind- lichen Anschauung. Daß der Atheismus nicht nur in der Sozialdemokratie, sondern auch unter den akademisch Gebildeten anderer liberaler Parteien Fortschritte mache, gehe daraus hervor, baß ber getaufte Professor Dr. Labenburg es in ber Hauptstabt unserer Prvvinz wagen konnte, in einer Versammlung von Aerzten nnb Naturforschern für bie Häckelsche Weltanschauung nnb ben Atheismus einzutreten, ohne baß ein Wiberspruch aus ber Versammlung erfolgte. Das zeigt ferner ber llmftanb, baß bie Freibenker, wie bie Gesellschaft für elbische Kultur, welche an Stelle ber christlichen Moral eine von Menschen ausgestellte unb bähet wanbelbare Moral setze, in weiten Kreisen Gntgeaenfommcn unb Verbreitung finbe.
Der Atheismus sei ber gemeinsam? Feinb aller christlichen Konfessi- o n e n ; es sei bcshalb bringenb geboten, bie m allen Tonarten an uns ergangene Aufforberung zum Kampf gegen Rom jetzt zu vertauschen mit bem Ruf: „Auf zum Kampf gegen ben Atheismus I", womit alle Evangelischen aufaeforbert würben, Schulter an Schulter mit ben katholischen Christen bas große unb segensreiche Ziel zu erstreben. unser ganzes beutsches Volk für bie christliche Weltanschauung zu gewinnen.
Deutsches Reich
Berlin 18 Dezember.
1— Seine Majestät ber Kaiser machte Mittwoch Vormittag, wie noch nachträglich zu berichten ist, ben gewohnten Spaziergang, wobei er Vortrag entgegennahm. Später begleitete Ihre Majestät bie Kaiserin ben Monarchen auf einer Promenabr
„Haben Sie schon mal einen gesehen?" erkundigte sie sich von unten. „Ich bin überzeugt. Sie haben sich eben nur versprochen unb meinen einen Fliegenpilz."
„I wo!" protestiert er. „Die sinb ja giftig.* „Müssen Sie benn gleich ans Esten beulen? Aber weshalb stehen Sie benn wie angewurzelt dort oben?"
„Darf ich mit herunterkommen?"
„Bitte sehr! Da Sie doch im Besitz eines Erlaubnisscheines vom Dünevogt sind, wüßte ich wirklich nicht, was Sie abhalten könnte."
Jürke klettert also hinab unb hilft ihr Blumen sammeln. Es finb so viele, baß sie allein bie Fülle kaum bewältigen kann. Dann sinb sie beibe mübe unb ruhen ans. Hadwig macht es sich auf einem niedrigen Hügel beauem, unb Jürke streckt sich zu ihren Füßen ins Gras. Sic hat ben Hut abgenommen unb brinat bann bie Blumen unter, und derweil streicht ihr der Wind wie kosend über» Haar. Nur das Meer hört man von ferne rauschen, sonst dringt kein Laut, kein Ton aus der Welt zu ihnen — ganz füll ist cs — ganz — ganz still---die große Düneneinsamkeit schlingt
heimlich ihre mütterlichen Arme um die Menschen- fielen — Jürke träumt, und Hadwig träumt — er mit geschlossenen Augen in sich hinein — sie mit offenen in die Weite hinaus — aber es ist eines, was sie träumen, ber Mann unb Weib — „bas sonnige Märchen vom Glück!"
Jürke ist es, der sich zuerst wieder in bie Wirklichkeit znrückfinbet. Er sieht zu Habwig empor, aber sie merkt es nicht. Oder fühlt sie es doch und will es ihm nur nicht zeigen? . Dann spricht er, und da wendet sie sich langsam ihm zu, so — als kehrten ihre Gedanken heim aus goldenen Fernen. Er spricht von seiner Abreise. Schon vor Tagen hat er sie damit erschreckt, aber fb nahm es für Scherz. Nun scheint es wirklich