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GWM ZÄW

mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg rmd Kirchhain.

Sonntagsbeilager Jllustrirtes Sonntagsblatt.

M 323

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JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Dicclamen: die Zeile 25 Psy.

Marburg

Freitag, 18. Dezember 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivcrsitätS-Buchbruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg«

Serbien.

Gegen die serbischen Königsmörder hat sich naturgemäß je länger je mehr die Empörung des ganzen gesitteten Europa gerichtet. Es scheint daß man sich nunmehr auch seitens der nächstin- teressierten Mächte Rußland und Oesterreich- Ungarn zu einem energischen Vorgehen gegen den Zustand wenden will, daß die mit dem Blute ihres Königs befleckten Offiziere an den entscheidenden Stellen der Regierung des Landes stehen und so­gar die Anerkennung der Diplomatie für sich in Anspruch nehmen. Die Herren sind ja weit davon entfernt, das vernichtende Urteil, der Welt anzu­erkennen. Zur Erklärung ihrer Stellung mag wohl zugegeben werden, daß die Zustände, denen die Blutnacht von Belgrad ein Ende gesetzt hat, für das serbische Volk unerträgliche waren und daß sich gegen König Alexander und Traga Ma- schin eine große Erbitterung angesammelt hatte, die sich nicht zurückhalten ließ. Man mag auch int Auge behalten, daß der letzte Karageorg von der Dynastie Obrenowitsch gleichfalls in brutaler Weise ermordet worden ist.Alles dies mildert nichts an der Scheußlichkeit des persönlichen Verhaltens von Dragas Mördern. Tiefe selbst freilich schei­nen sich noch hellte ausschließlich als Volksbesreier zu fühlen, lind es ist nicht zu leugnen, daß -in großer Teil der Bevölkerung ihiten recht giebt. Blutige Verbrechen wie das an Alerander und Draga begangene erscheinen dem serbischen Volke nicht so sehr als dent gesittet-n Europa verdam- nienswert, sobald die politische Leidenschaft dabei im Spiele steht.. Soweit sich das letztere lcdialich von seinen politischen Interessen leiten zu lassen hat, blieb ihm nach dem Königsmorde auch kaum etwas übrig, als den neuen König, der vom Volke berufen war, anzuerkennen, zumal man hoffen konnte, daß er Ordnung und Ruhe in das un­glückliche Land zurückführen würde. Die Voraus­setzung hierfür lvar immerhin, daß er dem öffent­lichen Empfinden mindestens so weit Rechliung tragen würde, um die Königsmörder, wenn er sie schon nicht bestrafen wollte, mindestens aus seiner Umgebung zu entfernen. Das ist nicht ge­schehen und König Peter hat dadurch nicht nur den diplomatischen Vertretern der Mächte den Ver­kehr init seinen Ministern unmöglich gemacht, son­dern er hat durch diese Form der Belohnung deS Königmordes ein Aergernis gegeben, das schon aus dem persönlichen Empfinden heraus die Ser­bien befreundeten Staatsoberhäupter sich nicht bieten lassen konnten.

Infolgedessen sind seit einiger Zeit die Ge­sandten Rußlands, Oesterreichs und Deutschlands beurlaubt und es stand zu erwarten, daß beim bevorstehenden Neujahrsempfange der König kei­nen auswärtigen Vertreter in Belgrad empfangen könnte. An dieser Sachlage konnte am aller­wenigsten Oesterreich-Ungarn Freude haben. Es verdient daher eine besondere Beachtung, daß der Kaiser Franz Joseph selbst die Initiative zu einer Befreiung deS Königs Peter von den Königs- Mördern.ergriffen hat, die im Belgrader Konak die Rolle der '^forktner spielen, die dem Cäsar ihren Willen aufzwingen. Wie bereits kurz mit- geteilt wurde, hat der Kaiser Franz Joseph beim Empfang des serbischen Gesandten betont, daß durch die blutigen Ereignisse des 11. Juni das Ansehen Serbiens im Auslande empfindlich ge-

(Nachdruck verboten'

Frau Hadwig.

Eine Strandgeschichte von Ella Lindner.

'srortteimna.'

Diesen Mut haben Sie übrigens auch grau­le in Anne."

Ich? Ach"

Doch. Ich kenne Sie ja nun schon ziemlich gut. Hätten Sie diesen Mut nicht, so würden Sie Ihr Leben nicht so fest in die eigenen Hände jgenommen haben. Sie zwangen das Schicksal nieder ist das nicht Mut?"

Mut?" Um ihrs Lippen spielte ein bitteres Lächeln.Er bestand zum größten Teil im Ent­sagen."

Dazu gehört meist noch mehr als zum Wa­gen. Glauben Sie, ich wüßte das nicht? Was Entsagen heißt ein Blinder weiß das"

Anne griff leise nach seiner Hand. Da glitt e9 wie Sonnenschein über das ernste Dulder- antlitz.

Inzwischen wanderten Hadwig und Jürke All- mers den Strand entlang, immer dicht am Wasser hin. Die Flut war bereits im Kommen, und bei jeder Woge, die schäumend heransfiirzte, sprang Hadwig jauchzend zur Seite. Der Strand war bunt von Muscheln. Vorsichtig faßte sie die Falten ihres Kleides zusammen und sttchte mit spitzen Fingern die Dingerchen aus dem weißen Glitzer- sand heraus.

Was wollen Sie denn mit all dem Zeugs an fangen?" fragte er, als sie ihr Spitzentüchsl- fchen auf dem Boden ausbreitete, um darin chren Reichtunt zu bergen.Das hat doch gar feinen Zweck. Die Menge Muschelns"

litten habe und daß bei aller Sympathie für das serbische Volk an ein vollkommenes Einvernehmen zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien so lange nicht zu denken sei, als die Königsmörder am Hofe im Heere und in der Verwaltung eine solche Rolle spielen. Die Bestrafung, zum mindestens aber die Entfernung aller Personen, welche den Makel des Königsmordes auf sich geladen haben, sei eine Forderung des öffentlichen Gewifsens Europas, und König Peter müsse sich fügen, selbst auf die Gefahr hin, die Lage im Inneren schwieriger zu gestalten. Es sei eine Sache des Rufes Serbiens der zivilisierten Welt gegenüber, die welthistorische Scheußlichkeit nicht ungesühnt zu lassen. Was die Beurlaubung des österreichischen Vertreters in Belgrad betreffe, so hat der Kaiser erklärt, daß dieser verhältnismäßig milden Maßnahme in Zu­kunft ernstere und wirksamere Kundgebungen folgen würden, falls die königsmörderische Partei am Hofe ihren Einfluß beibehalte.

Es ist zweifellos, daß Rußland die gleiche Hal­tung einehmen wird, während Deutschland sich zwar mehr zuriickhalten, im wesentlichen aber doch den beiden nächstinteressierten Mächte folgen wird Gänzlich fehl greifen würde man, wollte man die Kundgebung des Kaisers Franz Josefs als gegen die Person des Königs Peter gerichtet betrachten, int Gegenteil, kann und muß es diesem nur erwünscht sein, durch einen solchen von außen her geübten Druck von den Königsmördern befreit zu werden, denen er aus eigener Kraft sich nicht zu entziehen vermag. Wäre bei den Urhebern des Verbrechens vom 11. Juni auch nur eine Spur von Patriotismus, den sie doch immer im Munde haben, so würden sie selbst mindestens einstweilen von der Bühne des öffentlichen Lebens abgetreten sein. Für diese Notwendigkeit bestand sa bei den Besseren unter ihnen, denen namentlich die bei dem Morde begangenen Scheußlichkeiten das Gewissen bedrückten, ein gewisses Verständnis, denn man entsinnt sich, daß einer dieser Offiziere damals gegenüber einem Vertreter der Presse die Äuße­rung tat, er würde als Mann die Konsequenzen seines Tuns zu ziehen und nötigenfalls durch eigene Hand wie ein Held zu fallen wissen. Die Mehrzahl der Verschwörer steht jedoch nicht auf diesem Standpunkte, sondern will neben der ihnen erteilten Straflosigkeit auch die materiellen Vor­teile in jeder Hinsicht ausnützen.

Welche Schritte nach dieser direkten scharfen Aufforderung König Peter unternehmen wird, da­rauf wird man aufs höchste gespannt sein, mehr noch aber auf das Verhalten der Königsmörder, ob sie es vorziehen, sich ruhig zu entfernen, um ihrem Lande Uitannehmlichkeiten zu ersparen, oder ob sie etwaigen gegen sie ergehenden Maß­regelungen Widerstand entgegensetzen. Ein Ig­norieren der Kundgebung des Kaisers von Oester, reich ist nicht gut möglich. **

Umschau.

Die badische Landtagswahl- Reform.

Die badische Regierung hat den Ständen die verheißene Wahlreformvorlage zugehen lassen. Nach den jetzt geltenden Besfimmungen besteht die Abgeordnetenkammer in Baden aus 63 von Wahlmännern gewählten Mftgliedern. Wahlbs- rechtigt ist jeder im Wahlbezirk wohnhafte Biir-

Ekkehard ja, EkkehardI" svottete sie, ohne nd) in ihrem Tun stören zu lasten.Wer so er­haben ist über derlei! Aber ich mich freut es ben! Warum wollen Sie mir die Freude neh­men ?"

Das will ich doch nicht. Nur well es so zweck­los ist"

Ach, muß denn alles einen Zweck haben! Wenn es mir Spaß macht, ist das nicht Zweck ge­nug? Ich kann sie wirklich nicht liegen lassen wirklich nicht schauen Sie bloß, tote entzückend!" Sie hielt ihm eine halbgeöffnete, dunkelrosige Muschel entgegen, und sah dabei mit strahlenden Augen zu ihm empor. Vorsichfig nahm er sie aus ihrer Hand.

Nicht wahr, wunderschön?"

In der Tat."

Sehen Sie wohl!" triumphierte sie.

Soll ich Ihnen die Muschel schenken, Ekks- Hard? Zur Erinnerung an"

An den Hohentwiäl"

.Nein, zur Erinnerung an das Zwecklose!" Sie lachte luftig auf.

Meinetwegen auch das" Die Muschel

verschwand in seiner Brieftasche.

Da" sie stieß im Weitergehen mit dem Fuß an ein Büschel Tang, das könnte etwas für unser Herbarium sein, nicht wahr?"

Er hatte ihr einmal von feiner Pflanzsnp sammlung erzählt, die er sich aus aller Herren Länder zusammengetragen, und sie schnell be­geistert legte sich daraufhin auch sofort ein Her­barium an. Nun wollte sie alles trodnen, was nur halbwegs wie eine Pflanze aussah. Die un- möglichsten Produkte schleppte sie heim, und der kleine Schriftsteller behauvtfte sogar, sie habe kür»

ger, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat. Die Wahl erfolgt durch Stimmzettel im Couvert. Da­nach besteht also im Großherzogtum Baden das allgemeine und geheime aber indirekte Wahlrecht.

Nach dem neuen Entwurf soll die Wahl fortan auch eine direkte werden. Nur eine Einschränkung wird sie vom Reichstagswahlrecht unterscheiden, nämlich, daß nur derjenige wahlberechtigt sein soll, der entweder zwei Jahre in Baden seinen Wohnsitz hat oder ebensolange das badische Staats­bürgerrecht besitzt. Von weiteren Abänderungen des jetzigen Wahlrechts sind die folgenden zu nennen:

Die Zahl der Abgeordneten der Zwesten Kam­mer soll von 63 auf 70 erhöht werden und an Stelle der hälftigen Erneuerung die Gesamt­erneuerung nach vier Jahren treten. Die Städte, welche mehrere Abgeordnete wählen, werden in ebenso viele Wahlbezirke geteilt, als Abgeordnete zu wählen sind, wobei die Zahl der Abgeordneten der Städte Mannheim und Karlsruhe von je drei auf sechs und vier erhöht wird.

In die Erste Kammer soll der Landesherr statt acht künftig zehn Abgeordnete ernennen, worunter sich vier Bürgemeister der größeren Städte und Kreisausschüsse befinden. Die tech­nische Hochschule erhält, wie die beiden Landes- Universitäten bisher schon, einen eigenen Ver­treter. Endlich wählen die großen Berufsvertre­tungen sechs Abgeordnete, 'nämlich die Handels­kammern drei, die Landwirtschastskammer zwei und die Handwerkerkammer einen Ageordneten. Die Vermehrung der Abgeordnetenzahl in der Ersten Kammer beträgt somit neun.

Das Budgetrecht der Ersten Kammer soll wie dieBadische Post" mitteilt in der Weise erweitert werden, daß sie über jede einzelne Po- sition des Budgets abstimmen darf und im Falle der Ablehnung einer Position eine Gesamtaus­zählung der Stimmen beider Kammern erfolgen soll, wobei dem Präsidenten der Zwesten Kammer der Stichentscheid zusteht. Das wäre allerdings nur ein formales Zugeständnis, da die Zweste Kammer kraft ihres zahlenmäßigen UebergewichtS stets ihren Willen durchzusetzen in der Lage sein würde.

Mittelstand und Kampf gegen den Umsturz.

Die Rede Bülows gegen die Sozialdemokratie war ohne Frage ein rhetorisches Meistersfiick, aber es ist doch verfehlt zu glauben, daß durch solche Reden etwas Wesentliches erreicht wird. Sie über­zeugen und wirken nur auf die, die auf sich wirken lassen wollen, dieGenossen" wollen das nicht, und die Rede wird daher auf sie höchst unbedeutend sein. Ganz richtig bemerkt daher dieDeutsche Tagesztg.", es müssen den Worten auch Taten folgen, nicht nur Taten der Abwehr, sondern auch Taten der Vorbeugung, die noch nötiger und wirksamer sind. Der einzig wirksame Damm gegen die Sozialdemokratie ist der selbständige Mittelstand. Unter den Anträgen, die beim Reichstage eingegangen sind, befinden sich sehr viele, die sich mit den brennenden Mittelstands- fragen beschäftigen. Es genügt aber nicht nur daS Einbringen dieser Anträge, es muß mit allen Kräften dafür gesorgt werden, daß sie möglichst auch zur Beratung und zur Annahme gelangen:. Da das bei allem nach Sage der Sache nicht mög­

lich einen lebendigen Seestern in die Blumenpresse gelegt, was von Hadwig jedoch energisch bestritte» wurde.

Die Algen lasten Sie nur," riet Jürke All- mers, als sie mit der Spitze ihres Sonnenschirme- das grüne Gewirr durchwühlte. Das ist nichts für Sie."

Nein? Wie schade!" Sie bedauerte es auf- richtig, sah aber doch schließlich ein, daß Jürke recht hatte. Mit diesen fleischigen Meergewächsen war nicht viel anzufangen. Die brauchten sicher ein ganzes Vierteljahr, ehe sie ttocken wurden und dann war der Erfolg immer noch zweifelhaft. Mtt den Algen war es also nichts.Aber eigentlich könnten wir mal Bernstein suchen," schlug sie vor. Anna hat gestern ein hübsches Stück gefunden."

Er verhielt sich der Bernsteinfrage gegenüber zwar etwas skeptisch, aber Hadwig zuliebe erklärte er sich mit ihrem Vorschlag einverstanden. Nun ging es an ein fröhliches Suchen nach dem Gold des Meeres, und als sie endlich, nach vielem Bücken, ein Stück gefunden zu haben glaubte und jubelnd damit zu Jürke Aümers stürzte, der zwanzig Schritt davon Quallenstudien machte, wurde sie durch ihn schmählich enttäuscht.

Das halten Sie für Bernstein?" Er wog das nußgroße Stück prüfend in der Hand.

Aber natürlich," erwiderte sie eifrig.Da- lasse ich schleifen."

Es tut mir leid, Frau Hadwig sehr leid aber das ist nämlich gar kein Bernstein"

Nein?!" Sie war sprachlos.O, Sie wollen mich nur ärgern, Sie schlechter Menschs"

Wahrhaftig nicht," beteuerte er.

»Aber was soll eS denn dann sein?"

»Kolophonium."

li difein wird, dürfte es zweckmäßig sein, die ehu Seinen Fragen bei der Etatsberatung, beispiels­weise bei der Beratung des Etats des Reichsamt- des Innern, vorläufig anzuregen, damit die Ver­treter der verbündeten Regierungen veranlaßt wer­den, dazu Stellung zu nehmen. Ob es nötig war, daß dieselben Anträge von verschiedenen Parteien eingebracht wurden, mag unerörtert bleiben. Wir begrüßen auch diese Tatsache mit besonderer Freude, weil sie beweist, daß das Interesse für die Mittelstandsfragen in den verschiedenen Par­teien reger und lebendiger geworden ist. An der Nachhaltigkett, mit der die Vertreter der einzelnen Parteien die Anträge verfolgen werden, wird er­kannt werden können, wie stark das Interests ist, das sie den Mittelstandsforderungen entgegen­bringen.

Deutsches Reich

Berlin 17 Dezember.

- Seine Majestät der Kaiser hörte am Mitt­woch Vormittag den Vortrag des Chefs des Zi­vilkabinetts, v. Lucanus und empfing dann den neuernannten brajilianischen Gesandten. Am Dienstag unternahmen beide Majestäten vor und nach der Frühstückstafel einen Spaziergang. Am Mittwoch Abend traf Großsürst Wladimir von Rußland in Potsdam ein, zu dessen Ehren größere Tafel stattfand, zu der auch der Reichskanuzler, die Chefs des Zivil-, Militär- und Marinekabi­netts, der russische Botschafter sowie mehrere Her­ren der Botschaft geladen waren.

König Christian von Dänemark verweist soeben zum ersten Male in Berlin. Er traf am Mittwoch Abend dort ein und übernachtete im königlichen Schlosse, in dem der Kaiser ibm Ge­mächer zur Verfügung gestellt hatte. Am heu­tigen Donnerstag besuchte der König das Kaiser­paar im Neuen Palais bei Potsdam. König Christian hat seit 1864 Deutschland schon wieder­holt besucht, aber noch nie führte ihn sein Weg nach Berlin. Als Kaiser Wilhelm im letzten Som­mer Kopenhagen besuchte, fanb er dort eine herz­liche Aufnahme, nachdem er schon 1888, nach der Thronbesteigung seinen Antrittsbesuch in der däni­schen Hauptstadt gemacht hatte. Inzwischen sind beide Länder sich durch Handel und Wandel einan­der näher getreten, desgleichen sind die Bezieh­ungen zwischen den Höfen engere geworden. Dec Kronprinz von Dänemark kam seit einem Jahre schon zweimal nach Berlin und Potsdam, und nun hat auch sein greifet Vater unserem Kaiser seinen Gegenbesuch gemacht. Der König befindet sich auf der Durchreise nach Gmunden in Oester­reich, wo seine Tochter, die Herzogin von Cum­berland, mit ihrem Gemahl am Montag das Fest der Silberhochzeit feiert. Dort verlebt er auch das Weihnachtsfest.

Das bisherige Herrenhaus gegenüber dem Dönhoffplatz in Berlin (das alte Abgeordneten­haus) wird am Sonnabend geräumt. Der Neu­bau des Hauses am anderen Ende der Leipziger Straße, wo das alte Herrenhausgebäude stand, ist zum Beziehen fertig.

lieber die Frage der Einbringung der Ka­nalvorlage an den preußischen Landtag gehen die Meinungen auseinander. Während die einen be­haupten, es liege bei den bezüglichen Angaben eine Berwechselung mit der Vorlage betr. den Hoch-

vn.

Was in aller Wett treiben Sie denn hier, Frau Hadwig?"

Seesterne auskratzen," antwortete sie gut­mütig, ohne sich auch nur einen Augenblick in ihrer Beschäftigung stören zu lassen.

Brrrl" machte Herbart.

Ja, appetitlich ist es nicht sehr," gab sie zu, aber Sie brauchen ja schließlich nicht herzugucken, wenn Ihnen davon schlecht wird."

Sie stand unter dem Küchenfenster zwischen allerlei Abraum vor einer alten Tonne, hatte die Aermrt etwas zurückgestreift und reinigte mit einem alten Messer die auf dem Faß ansgebreitst liegenden Seesterne.

In dieser Konservenbüchse habe ich sie kochen müssen. Einen Topf gab die Köchin nicht heraus."

Das kann ich ihr nicht verdenken. Hätte ich in diesem Departement zu gebieten, so würden Sie samt Ihren Seesternsn nicht über die Schwelle gekommen sein. Brr!" Er schüttelte sich.

Nicht über die Schwelle? Und Sie wollen mein Freund sein? Danke schön!"

Da hört die Freundschaft auf! Dies ist über­haupt keine Beschäftigung für Sie. Ich würde die Freundschaft mißbrauchen, wenn ich das gut- hieße. Diese Grausamkeit!"

Nun, sie sind doch tot, ich tue ihnen doch nicht weh."

Und der Schmutz?"

Ja, bissel eklig ist es. Aber Wasser nimmt allen Schmutz fort."

Herbart trommelte ungeduldig mit den Fin­gern auf der Tonne herum..Das haben Sie nur von diesem Allmersi Dec bringt Sie auf so unnütze Gedanken." Fortsetzung folgt).