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Marburg
Donnerstag, 17. Dezember 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UmdcrMts-Buchdruckerci
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Zweites Blatt.
(Nachdruck verboten.)
Herder.
<Zu seinem hundertjährigen Todestage am 18. Dezember 1808.)
Bon Albin Roßlau.
»Auch Herder mußte sterben! Seine große »rast geht hinüber in eine höhere Welt, in höhere Wirkungskreise. Diesen Trost hat das zweifelnde stzerz. Aber uns ist er verloren, und wir sehen toeinenb das Meteor sich in höhere Zonen auf» schwingen, dessen Glut unsere Herzen nicht mehr beleben und ergötzen kann. Er verschwindet tote 'ein Schatten aus der sichtbaren Welt." So schrieb Schillers Gattin Charlotte, als am 18. De- getnber 1803 der Oberhofprediger und Gencral- superintendent Johann Gottfried von Herder in Weimar gestorben war in ihr Tagebuch, und Schil- ler selbst war, als bald darauf auch der Herzog von Meiningen, ein alter Gönner des Dichters, starb, von lebhaften Todesgedanken erfüllt.
Am 25. August 1744 war Johann Gottfried Herder als Sohn eines Kantors, Glöckners und Mädchenschullebrers in dein ostpreußischen Stadt- chen Mohrungen geboren. Wo er ein Buch aufzutreiben vermochte, las er cs, und auch bei dem für die Dichtkunst begeisterten Prediger Willa- moviuS zeigte er sich als fleißiger Schüler.
Als dann der Diakonus Trelcho den Knaben olS Abschreiber in sein Haus anfnahm, fand Her- der in der reichen Bibliothek seines Herrn eine unerschöpfliche Fundgrube für seine Ausbildung; und dankbar nahm er den Vorschlag eines russischen Negierungschirurgen an, der im Jahre 1762 den achtzehnjährigen Jüngling nach Königsberg mitnahm, um ibn in die Wundarznei einzu- führen. In Petersburg sollte dann Herder mit Kilse seines Gönners Medizin studieren.
Indessen kam es nicht dazu. Als Herder zum erstenmal einer Leichenöffnung beiwohnte, empfand er ein so fürchterliches Grauen, daß er von dem gefaßten Plane Abstand nahm. Der Königs- berger Buchhändler Kanter war ihm mmmehr behülflich, feinen Lieblingswunsch, Theologie zu studieren, auszuführen.
1 Er hörte in Königsberg theologische Vorlesungen, bei Kant Philosophie und Naturwissenschaften. Kant, der berühmte „Weise von Königs- ck'erg", war von den Fähigkeiten seines jungen Hörers so entzückt, daß er dem Schüler sogar einige Arbeiten vor der Veröffentlichung zeigte, um Herders Urteil zu vernehmen. Mehr aber noch als Kant übte auf Herder Joh. Georg Hamann, der „Magus des Nordens", Einfluß, j Im Herbste 1764 wurde Herder auf Hamanns amd des Buchhändlers Hartknoch Empfehlung nach Riga als Kollaborator an die dortige Domschule berufen. Hier erschienen auch seine „Fragmente iibec die neuere deutsche Litteratur", seine erste litterarische Arbeit, bei welcher der Einfluß Hamanns offenbar ist.
Im Juli 1770 wurde die Reise angetreten, in Riga auf; er hatte sich durch die erwähnten und anderen, Schriften ein kleines Kapital erspart und wollte, in der Absicht, später in Riga eine Erziehungsanstalt zu begründen, eine Reise durch Frankreich, England, Holland und Deutschland machen, um die größeren Anstalten dieser Art kennen zu lernen. So reiste er zunächst von Riga ,3» Schiff nach Nantes, wo er sich vier Monate 'aufhielt, kam nach Paris, tvo er mit Diderot besonders verkehrte und die Bibliotheken, Kunstsammlungen und Theater fleißig besuchte.
In Paris aber wurde sein Plan unterbrochen; er erhielt den Ruf, den Sohn des Fürstbischofs Herzog von Holstein-Eutin auf einer dreijährigen Reise zu begleiten. Herder willigte ein und kehrte sofort nach Deutschland zurück. Durch die Niederlande kam er nach Hamburg, wo er mit Ncimarus, Lessing und Claudius in Verkehr trat. ,Dann holte er den Prinzen von Kiel ab.
Im Juli 1870 wurde die Reise angetreten, .und auf dieser ward zunächst der Aufenthalt in »Darmstadt für Herder bedeutungsvoll. Er lernte Merck, den vielgewandten, geistvollen Mann kennen und Karotine Flachsland, ein geistvolles Mädchen, das, aus dem Elsaß kommend, dort bei ihrer Schwester lebte. Herder gewann die zwanzigjährige Vaterlose schnell lieb und verlobte sich mit fthr. Dann ging die Reise nach Straßburg, und hier entschloß sich Herder, fein Verhältnis zu .dem Prinzen zu lösen, da dieser sich in „traurigen Gemütszuständen" befand. Herder sich auch nicht gut mit -em Oberhofmeistec des Prinzen vertrug.
Zunächst blieb Herder in Straßburg, um sich einer Augenoperation zu unterziehen, und dieser Aufenthalt war für ihn insofern sehr fruchtbrin- 'gend, als hier seine von der königlichen Akademie der Wissenschaften preisgekrönte Schrift über den „Ursprung -er Sprache" entstand. Noch wich- tiger war, das; er hier mit dem jungen Goethe, der damals in Straßburg studierte, bekannt wurde, der oft ganze Tage lang bei Herder verweilte.
„Ich ward," so erzählt Goethe, „mit der Poesie von einer ganz anderen Seite, in einem ganz anderen Sinne bekannt al? bisher und zwar in einem solchen, der mir sehr zusagie.--Was
die Fülle dieser tvenigen Wochen betrifft, welche wir zusammen lebten, kann ich wohl sagen, daß alles, was Herder nachher allmählich ansgeführt hat, im Keim angedeutet ward . . .; aber er war mehr geneigt, zu prüfen und anzuregen als zu führen und zu leiten."
Im Jahre 1771 verließ Herder Straßburg, — die Augenoperation war mißglückt, — und folgte einem Rufe des Grafen Wilhelm zur Lippe, in dessen Residenz Bückeburg Herder des verstorbenen Thomas Abbt Stellung als Hauptpastor und Konsistorialrat einnehmen sollte. Vier Jahre lang etwa blieb Herder dort, peinvolle Jahre, denn mit des Grafen Wilhelm Schroffheit vermochte er nicht auszukommen, so sehr sich auch die edle, inilde Gemahlin des als Feldherrn berühmten Grafen bemühte, dies Verhältnis erträ« lich zu gestalten, und obwohl Herder durch diese Stellung im Jahre 1773 in die Lage versetzt war, seine Braut heimzuführen. Er war froh, nachdem er noch int Jahre 1775 zum Superintendenten befördert worden, durch einen Ruf als Professor der Theologie nach Göttingen des unleidlichen Verhältnisses enthoben zu sein. Aber noch waren die Bedingungen, unter denen er nach Göttingen gehen sollte, nicht ganz festgesetzt, da trug ihm Goethe im Namen des Herzogs von Weimar die Stellung eines Generalsuperintendenten und -Oberpfarrers an, und freudig griff er zu und ging im Oktober 1776 nach Weimar, wo er bis zu feinem Tode, über ein Vierteljahrhundert, verblieb. Eine ihm im Jahre 1788 während eines zeitweiligen Aufenthalts in Italien aufs neue an ihn ergangene Berufung nach Göttingen lehnte er, nicht ohne inneren Kamps, ab. Diese Reise nach Italien, wo er in Rom mit der Herzogin Amalie zusammentraf, um sie nach Neapel zu begleiten. war, wie er selbst an seine Gattin schrieb, für ihn „eine hohe Schule, nicht sowohl aber der Kunst als des Lebens". Nach seiner Heimkehr wurde er zum Vizepräsidenten und 1801 zum Präsidenten des Oberkonsistoriums ernannt. Im selben Jahre wurde er auch durch den Kurfürsten von Bavern geadelt.
Die letzten Jahre seines Lebens waren durch Krankheiten aller Art getrübt, und seinen Tod dursten die Angehörigen und Freunde als eine Erlösung empfinden.
Herders Bedeutung ist eine beinahe so vielseitige, inte diejenige Goethes. Wie bei Goethe bilden die Werke, die über Herders Wirken und Schaffen bandeln, die sein Leben schildern und seine Werke kritisch durchleuchten, eine ganze Bibliothek. Als Dichter ist uns Herder lieb und inert geworden durch das Volkstümliche seiner Poesien. Eine ganze Anzahl seiner Gedichte, einfache religiöse und weltliche Lieder, Legenden, Parabeln ec. sind gleichsam in den Hausschatz des deutschen Volkes nbergegangen.
Epochemachend wirkte seine Sammlung „Stimmen der Völker", die den Zweck hatte, „das rohe Geschrei über und gegen das Volkslied zu dämmen," , worin Herder mit unvergleichlicher Belesenheit und mit wunderbarem Feinsinn für die eigentümlichen Schönheiten der verschiedenen Volkspoesicu, bereit Töne und Weihen in deutscher Sprache wieder klingen ließ. Wir finden da Volksweisen der Litauer, Tartaren, Italiener, Spanier, Engländer, Franzosen, Skalden-Ge- fänge ec. in einer so glatten, einfachen deutschen Sprache wiedergegeben, daß viele dieser Lieder auch in Deutschland heimisch wurden, ebenso >vje denftche Volksweisen erst in. der ihnen von Herder gegebenen Form volkstümlich und allbekannt wurden, so z. B.: „Wenn ich ein Vöglein wär' Und auch zwei Flüglein hätt' ec. oder das Simon Dach'sche „Aennchen von Tbarau ist die mir gefällt ec."
Auch das National-Epos der Spanier, den „Eid", machte Herder in Deutschland heimisch, freilich durch eine Umdichtung, die mehr und weniger ist als eine Ueberfetznng, denn, mit dem souveränen Genie eines Dichters begabt, tvar ihm mit einer Verdeutschung da^ spanischen Dichtung nicht Genüge geschehen. Der Herdersche Cid ist ein in deutsch-humanistischer Weise au «gefaßter Held, nicht der wirkliche Cid der Spanier, wie er denn auch die Cid-Romanzen nicht aus dem Spanischen selbst, sondern aus einer französischen Prosa-Uebertragung übersetzte. Aber Herder hat mit seinem Cid das Verdienst.den Deutschen zuerst einen vollen Blick in die Wett der spanischen Poesie eröffnet zu haben.
Aber^der Dichter Herder ist doch nur die kleinste Seite seiner Bedeutung.; feine Größe liegt in den kulturhistorischen, religionsphilosophischen, ästhetischen und besonders in seinen kritischen Schriften und geistreichen Essays auS den verschiedensten Wissensgebieten. Wenn man erwägt, daß ein und derselbe Mann über den „Geist, der ebräischen Poesie" in liefgrundiger Weise schrieb iinb „Ideen zur Philosophie der Grfchimte der Menschheit" veröffentlichte, das, nach Goetpes Meinung, „unglaublich auf die Bildung der Ration eingetoirtt hat"^ so wird man das Um«
fassende seines geistigen Wirkens erkennen, das weniger in der eigenen dichterischen Produktton wurzelte, als vielniehr in der Beeinflussung des Geistes feiner Zeit. Alles, was von Herder auS- ging, war auf die Bildung und Veredlung des deutschen Volkes gerichtet. Er war der größte Humanist, der bedeutendste Förderer der allgemeinen Bildung des deutschen Volkes, den das achtzehnte Jahrhiinder hervorgebracht hat.
Vermischtes
Die Fttltrwkhrprsir. Ein heileres Stücklein wird in Simbach am Inn viel belacht. Bei der jüngst stattgefundenen großen Feuerwehrübung wurde auch der dortigen SanitätSkolonne Gelegenheit gegeben, sich an der Uebung zu beteiligen und ihr Können zu beweisen. E? wurde folgendes Programm aufgestellt: Dachstuhlbrand, Abstürzen eines Feuerwehrmannes von hoher Leiter, Anlegen eines Notverbandetz durch die Sanitäter der Feuerwehr und Einbringung der Verwundeten in das Krankenhaus. Alles geht programwäßig und der auserlesene Feuerwehrmann markiert den Sturz vorzüglich. Die Sanitäter legen ihm rasch die Verbände an und fort gehtS ins Krankenhaus. Hier erwartet der Arzt bereits den angeblich Verwundeten und beschließt, um die Verbände aus ihr fachgemäßes Anbringen zu prüfen, diese eigenhändig abzunehmen. Es war als Verwundung angenommen worden: Beinbruch und schwere Kopfverletzung. Alles stimmt, nur der Verband am Kopfe will sich absolut nicht entfernen lassen. Da stellt es sich heraus, daß dieser Verband in aller Eile an daS eine Ohr deS „Verwundeten" mit einer Stecknadel an geheftet war. „Ja, haben Sir denn nichts gespürt?" fragt der Oberarzt den nun wirklich Verwundeten. „G'fpürt hab'iS stcho", sagte er, „aber i hob' g'moant, dös g'hort mit zur Prob'." All'emeineS Halloh!
Vom Bnckennarkl.
** Im Zeichen des Weihnochtsbaumes steht unstreitig die soeben erschienene Nummer 50 des beliebten Frauenblattes „Häuslicher Rat - gebe r", wann wir u. a. folgende Beiträge finden: „Neber Geschenke von A. W.; „Wie schmückt man seinen Christbaum reich, geschmackvoll und billig?"; „Eine hübsche Tafeldekoration"; „Wie versendet man Weihnachts-Pakete?"; Der Karpfen in verschiedener Zubereitung"; Weihnachts-Bücher- ttsch". Auch der übrige Inhalt ist ein sehr reicher. Abonnementspreis vierteljährlich 1,40 Mark. Verlag von Robert Schneeweiß, Berlin W. 30, Eife- nachstraße 5.
“ John Habberton, der Klassiker des Kinder- Romans, hat ein neues Buch geschrieben, das soeben in trefflicher Uebersetzung von Clara Dinter unter dem Titel „D er Tiger uni) das IIlse k t" im Verlag von Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig erschienen ist (Mk. 3.—). Der Verfasser von Helene's Kinderchen hat sich in diesem Buche einmal so recht gehen lassen, und es wirkt so amüsant, so ungemein lustig, daß einem vor Lachen die Tränen über die Backen rollen, wenn man es in der richtigen Laune liest. Der Tiger, ein kluges, liebes und sinniges Kind mit dunklen leuchtenden Märchenaugen und tiefer, wohltönender Stimme — das Insekt, ein süßes, dickes und drolliges Pusselchen mit wunderlichen Ideen und reicher Phailtasie. Dazu die jugendliche Tante, der in Abwesenheit der Eltern die Obhut der Kleinen anvertraut ist und die die SHnber« seelen studiert und immer neues in ihnen ent- deckt — schließlich die Schilderung der jungen Mutter, die in ihren Kindern kleine Engel sieht, und endlich „Onkel Streit", der durch die Naivetät der Kleinen in die fatalsten Situationen gerät, der lebenslustigen Tante das Radfahren lernt, bei einer Radpartie den Arm bricht und von ihr geschickt und erfolgreich — erfolgreich in jeder Beziehung — verbunden wird — das sind Züge der Erzählung, so prachtvoll durchgeführt, daß man nicht zuviel sagt, wenn man behauptet, Habberton habe sich in seinem „Tiger und Insekt" selbst und sogar noch — was sehr viel bedeutet — „Helene's Kinderchen" übertroffen. So ist Jobn Habbertons „Der Tiger und das Jnsett" im wahrsten Sinne deS Wortes ein Buch für die Familie und das Haus und toirb überall dort willkommen sein, wo bet Segen eines göttlichen Humors anerkannt wird und das sttlle Glück goldner Freude und schönen Frohsinns ein Heim hat.
D ie verkaufte Großmutter ist der sonderbare Titel eines Märchenbuches, das man dem Besten, was die deutsche Märchen- fitieratur kennt, an die Seite stellen darf. Es ist von Hans Heinz Ewers verfaßt, der bekannte Leipziger Zeichner Horst-Schulze hat das entzückende Kinderbuch liebevoll illustriert, und der Verlag von Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig hat es zu dem tatsächlich sehr billigen Preis von Mk. 2,50 für das gebundene Exemplar auf den Markt gebracht. .Es ist ein Zeichen unserer
Zeit, daß Schriftsteller von Rnf es nicht verschmähen^ auch für unsere Kleinen zu schreiben, und es ist verblüffend, wie Hanns Heinz Ewer- es versteht, in einem Kinderbuch wie dem vorliegenden so ganz auf die Eigenart des kindlichen Gemüts einzugehen und ihm seine Kunst so ausschließlich zu widmen. Das Buch hebt sich wohltuend ab von dem landläufigen Einerlei der meisten Kinderbücher. Wie natürlich und frisch wirken die Abenteuer der beiden Jungen Otto und Paul, wie phantastisch und einschmeichelnd die Märchen, die die alte Grosimnter erzählt. Fügen wir hinzu, daß Horst-Schulze, einer der begabtesten unserer jungen Künstler, sein Bestes in seinen mehrfarbigen Illustrationen flieht, so glauben wir die Versicherung geben zu können, daß jeder deufiche Junge und jedes deutsches Mädchen sich sicherlich herlich fr.men wird, dies treffliche Buch auf seinem Weihnachtstisch zu finden.
•* Trude Alberti. Roman von F. v. Zobeltitz. Illustriert von M. Bnrascudts. Preis geh. 3 Mk., elegant geb. 4 Mk. Verlag von Karl Krabbe, Stuttgart. Die Fremdenkolonie mit ihrer interessanten, internationalen Gesellschaft und das farbenglühende, bunte Leben der ewig anziehenden unvergleichlichen Roma ist der Schau- platz dieses feinen psycholoaischen Romans. Die weibli^e Hauptfigur - Trude Alberti — ist ein herzgewinnendes, talentvolles Münchener Kind, das durch widrige Verhältnisse zur Bühne gedrängt wurde. Weich, vertrauensselig, ernüchllrt vom Scheinleben der Konlissenwelt und ihrer düsteren Kehrseite, tastet Trude nach einem festen Halt für ihr junges Leben; sie findet diesen in ihrem treuen Jugendfreund, einem frohgemuten Künstler, dessen markige Gestalt besonders fesselnd gezeichnet ist. Zu einem prächtigen Gesamtbild haben sich die verschiedenen Charaktere geschlossen. dessen freundlichem Schlnßakkord der fruchtbare, mit Recht zu unseren ersten und besten Romanschriftstellern zählende, Vcrsasscr noch eine ungemein befriedigende Wirkung gegeben hat. — Gut gewählt sind die sinnigen Illustrationen und die geschmackvolle Ausrottung, weshalb wir das elegante Buch namentlich als Weihnachtsgeschenk für Damen aufs Wärmste empfehlen.
°° Pult keilender für 1 904. (Verlag von Moritz Schauenburg in Labr.) Auch dieser Jahrgang, der siebenundzwan,zigste, des bekannten außerordentlich zweckmäßig eingerichteten Termin- und Notizkalenders sollte in keinem Kontor fehlen, denn er bietet neben dem 26 Bogen starken Schreibkalendarium in schmal Folio noch einen Anhang, der einen überans reichen Inhalt hat. Eine wertvolle Beilage bildet die neue Eisenbahnkarte von Mitteleuropa. Dazu kommt noch der recht mäßige Preis von 1 Mk. 50 Pfg., so daß wir diesen „Pultkalender" bestens empfehlen können.
** Max Wetter ist ein echter Rheinländer und tritt in seinem Buch „Altrhein is ch e Geschichten und Schwänke" (Hermann Seemann Nachf., Leipzig. Preis Mk. 2,50) auch gleich mit der besonderen Note auf, die für die Anwohner des schönen Stromes charakterisiisch ist. Die rheinischen Geschichten, die er erzählt, sind gemütvoll empfunden und sind alle im Rheintal oder auf der Eifel gewachsen. Der Humor, über de» Max Wetter verfügt, komnft seinen Schilderungen so reichlich zu gute, daß man sie nicht nur als wertvolle litterarische Gaben, sondern als wahre Seelenstärker und Herzenstöster empfehlen muß.
* * Luther, Goethe, Bismarck, drei Heroen deutscher Kultur hat soeben die Knnst- c.nstalt Grimme & Hempel. A.-G. Leipzig, iit wohl reproduzierten Bildnissen herausgegeben. Tas Luther-Porträt tvurde nach einem Gemälde von Hans Best reproduziert das Goethe-Porträt geht im Original auf das das bekannte, in dec Münchener neuen Pinakothek befindliche Oelge- mälde von Jos. ©tiefer zurück, während dein Bildnis des Alt-Reichskanzlers ein Gemälde aus Lenbachs Meisterhand als Vorlage gedient , hat. Alle drei Arbeiten sind mit den besten Mitteln moderner Farbenreproduktion hergestellt und zeichnen sich vor der Menge von Wandschmnck- bildern, die alljährlich um diese Zeit erscheinen, dank der tonschönen und gediegenen Ausführung und des billigen Preises von Mk. 6.— pro Blatt zu ihrem Vorteil als ganz prächtiges Festgeschenk ganz besonders ans.
Zeitlos«. Eine Familiengeschichte aut dem siebenjährigen Kriege von Karl, Freiher r n Schenck z u Schweinsberg. Karl Jügels Verlag (M. Abendroth). Frankfurt am Main. 1903. Preis broschiert Mk. 4.50, geb. Mk. 5,50. Die Geschichte spielt, wie schon der Titel besagt, zur Zeit des siebenjährigen Krieges und der Hauptort ist das an der hessischen Grenze gelegene Gut Burgscheit in Waldeck. Auch nach Kassel wird der Leser verschiedentlich geführt. Fäc denjenigen, der einem modernen Roman eine gute Schilderung des eiifleren Heimatlandes vorzieht, wird das Buch sicherlich von großem Interesse sein, und da es geschickt und wirkungsvoll geschrieben ist, bietet es eine anregende und genußreiche Lektüre.
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Leranuvorllrck tut ute yieoaitioa:
Dr. Doerles-Boppard in Marburg.