mit M» Kreisblatt für die Kreise Marburg und KirchHz»in.
Sonntagsbcilagei JAustrirt-S LoniitazLblatt. '
Jß. 322
Vierteljährlicher Bezugspreis, bei der Expedition 2 Mk, bei allen Postämtern 2,25 Mk. <t$cL Bestellgeld).
JnsertlonSgcbiihr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Neclanicn: die Zeile 25 Pfa.
Marburg
Donnerstag, 17. Dezember 1903.
Erscheint wöchentlich siebm mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchdrucker« 38. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon a5.
Elftes Blatt.
lieber die Gründung einer besonderen Mittelstandspartei,
worüber wir uns an dieser Stelle schon eingehend geäußert haben, schreibt man von konservativer Seite: Schon vor einer Reihe von Jahren hat eine organisierte Mittelstandsbewegung bestanden, die eine Zeit lang eine nicht unbeträchtliche Zahl von Anhängern heranzuziehen vermochte. Lange aber hat 'sich diese Bewegung nicht halten können, weil es eben ganz unmöglich war, die Interessen der vielgestaltigen Volksschicht, die man Mittelstand nennt, auf einer allgemein anerkannten Grundlage zu vereinigen. Die konservative Partei hat die Interessen ^gewerblich en Mittelstandes, insonderheit der Handwerker, der Kleingewerbetreibenden und der ländlichen Kleinbesitzer stets nach ihren programmatischen Grundsätzen, wonach den wirtschaftlich schwachen besonderer Schutz und kräftige Fürsorge gewährt werden müsse, mit Festigkeit und Ausdauer seit Jahrzehnten vertreten. Ein Mehr würde auch eine besondere Mittelstandspartei nicht tun können.
Neuerdings ist wieder von einem Unternehmen die Rede, das die Gründung einer besonderen Mittelstandspartei zum Ziele hat. Zu diesem Projekt bemerkt die „Leipz. Ztg." das folgende: Es ist ohne Zweifel ganz in Ordnung, wenn auf die Angehörigen des Mittelstandes, insonderheit auf Handwerker, Kleingewerbetreibende, Kleinkaufleute hingewirki wird, daß sie politisch regsamer werden und den Wert der Parlamentswahlen auch für ihre materiellen Jntereffen schätzen lernen. Was diesen Erwerbsständen aber in erster Linie eingeprägt werden muß, ist die Erkenntnis, daß nur durch festen Anschluß an große, kräftige Organisationen ihre Sache gefördert werden kann und daß jede neue Parteiabsplitterung ihnen zum Schaden gereicht. Der Hauptgefichts- punkt, von dem die Glieder des gewerblichen Mittelstandes bei der Wahrung ihrer Interessen ausgehen müssen, ist der, daß sie ihre Feinde von ihren Freunden zu Unterscheiden wissen und danach im holirischen Leben Stellung nehmen.
Die ärgsten Feinde des Handwerks und Kleingewerbes aber find die Sozialdemokraten. Wenn man nun wahrnimmt, daß ein nicht geringer Teil dieser Gewerbetreibenden es mit den Sozialdemokraten hält, so kann man über solche unglaubliche Kurzsichtigkeit nur staunen. Wir wissen ja sehr wohl, daß der sozialdemokratische Terrorismus auf manchen von der Arbeiterkundschaft abhängigen Ge- werLetreibeiiden bestimmend einwirkt, aber
16 Mach druck verboten.) •
Frau Hadwig.
Eine Sirandgeschichte von Ella Lindner.
l^ortsehun«.)
„So, der ist besorgt und aufgehoben —"
„Aber —"
„Kein „aber", Frau Hadwig i Sie bekommen has Buch nicht zurück und wenn Sie noch so erstaunt und noch so erzürnt dreinschauen. Heine ist nichts für uns." Er brauchte absichtlich das Wörtchen nnö. „Die da drüben, die mögen sich immerhin an ih,n ergötzen, aber nicht wir — wir find zu gesund dafür! Auf dem Hohentwiel liest ßnan nicht Heine."
„Mögen Sie Heine nicht?"
„Mögen — Gott, mögen l" Er fuhr sich mit der Hand ein paarmal schnell nacheinander durchs Haar. Von mögen kann da überhaupt keine $kbe sein —"
„Ich meine, ob Sie zu den Heinehassern gehören?" verbesserte sie sich.
„Nein, im Gegenteil —"
„sie stellen ihn hoch?"
. „Ja. Um seiner unvergleichlichen Lyrik willen üerzeih ich ihm alles, was die Menschen ihm — knit und ohne Berechtigung — vorwerfen."
Sie nickte. „Auch ich. Und nun geben Sie piir das Buch zurück, bitte.".
„B^vahre, ich werde mich hüten. Sie können Pater die Skordseekieder lesen, wenn ich fort bin, richt jetzt. Jetzt wollen wir das Schöne, was Heine ans vorerzählt, selbst erleben. Da, schauen Sie die Warben, die das Meer heute hat! Das soll mal fner nachmachen! Dies Flimmern und Glänzen fciö das Leuchten in der Tiefe! Hier muß dem
gerade solche schwachmütige Elemente müssen gewarnt und nötigenfalls gegen die Sozial- demokraktie gestützt werden. Im großen und ganzen jedoch wird den Angehörigen des Mittelstandes klar gemacht werden müssen, daß die utopistischen Ziele der Sozialdemokratie, wenn überhaupt, dann erst erreicht werden können, nachdem vorher der gesamte Mittelstand ruiniert worden wäre.
Ein anderer Feind der wirtschaftlich schwächeren Erwerbsstände ist der Freisinn beider Richtungen, der noch immer an weitgehender Gewerbe- und Handelsfreiheit festhält, obwohl durch die Erfahrung festgestellt ist, daß dadurch die wirtschaftlich schwachen Existenzen einfach der kapitalkräftigen Minderheit auf Gnade und Ungnade ausgeliefert werden. Bei einigem Verständnis kann es also keinem der Handwerker, Kleingewerbetreibenden oder Kleinhändler schwer fallen, die politischen Parteien zu erkennen, bei denen ihre Sache am besten aufgehoben ist, und die ihre Jntereffen gegen Freisinn und Sozialdemokratie kräftig verteidigen. —
Keine der großen positivenParteien kann freilich eine mittelständische Sonderpolitik treiben. Eine derartige Politik ist an sich ein Ding der Unmöglichkeit. Die Jntereffen deS Mittelstandes sind vielmehr bm denen des Gemeinwohles in den meisten Punkten gar nicht zu trennen. Wir erinnern nur an den, doch auch dem Mittelstände zuzurechnenden Bauernstand, deffen Jntereffen mit dem der gesamten Landw^tschaft identisch sind. Einerechte und wikstnn- Mittelstandspolitik kann immer nur darin bestehen, daß auf Schutz und Kräftigung wirtschaflich schwacher Elemente gegen unlauteren oder brutalen Wettbewerb hingestrebt Wird7 Es ist in dieser Hinsicht in den letzten Jahrzehnten schon manches geschehen und es kann auch keinem Zweifel unterliegen, daß man in dieser Richtung weitergehen wird.
Speziell das Handwerk hat eine Organisation erhalten, durch die eS befähigt wird, seine Jntereffen beffer als vorher und in autoritativer Form zu wahren, zudem ist daS Genossenschaftswesen zu Gunsten der kleinen Erwerbsstände kräftig ausgebaut und gefördert worden, auch zah'reiche Klagen deS Kleinhandels haben bereits Berücksichtigung gefunden. Daß aber zur Erhaltung und Kräftigung des Bauernstandes die Hände geregt werden, daß insonderheit bei der Erneuerung der Handelsverträge die Interessen dieser wichtigen Volksschicht gefördert werden sollen, wird unbedingt anerkannt werden müssen, und mit der Förderung der Landwirtschaft geht die Förderung der Kleingewerbetreibenden Hand in Hand.
Man sieht also auch in diesem Punkte, daß die Wahrnehmung des Gemeinwohles gerade dem Mittelstände in hervorragender Weise zu gute kommt. Die Angehörigen des Mittelstandes können somit im eigenen Interesse nichts besseres
Menschen die eigne Ohnmacht doch peinvoll zum Bewusstsein kommen."
„Peinvoll? Ich weiß nicht." Sie schaute sinnend hinaus. „Es regt sich hier die Schaffenslust auch neu und doppelt mächtig, meine ich. Man fühlt sich so stark — man könnte sich an die schwersten Ausgaben wogen."
„Haben Sie etwas dergleichen vor?" Er blickte lächelnd auf sie nieder.
„Vielleicht!" sagte sie und dachte an ihre „Sprachschule für Unbemittelte". Da — haben Sie die Woge eben gesehen?"
„Ja — dort wieder — und dort! Ist das nun nicht „Heine erlebt"? „O Meer! Mutter der Schönheit!" Aus jeder Woge, die sich hebt, meint man der Göttin weiße Arme schimmern zu sehen. Kommen Sie hinunter — ans Wasser."
So gingen sie denn. Hadwig winkte einen Gruß hinüber in Annes Burg, und Anne erwiderte denselben scheinbar fröhlich — aber nur scheinbar.
„Betörter Geselle!
Dein Arm ist kurz und der Himmel ist weit, und die Sterne droben sind festgenagelt mit golb- neu Nägeln.
Vergebliches Sebnen, vergebliches Seufzen, das Beste wäre. Du schliefest ein."
So hatte sie eben vorgelesen und nun klangen die Heineworte unaufhörlich in ihr wieder. Di- Gedanken Konnten nicht loskommen davon. Auch der Professor verhielt sich schweigsam. Anne sah den beiden glücklichen Menschen nach. Müde lag das aufgeschlagene Buch in ihrem Schoß.
„Und die Sterne droben sind festgenagelt mit goldenen Nägeln —*
Ja, ach ja, sie wußte es! Tausendmal wußte sie es, sagt- sie es sich — und dennoch — dennoch blieb das heiße Sehnen nach dem Unerreichbaren.
tun, _ als die parlamentarischen Mehrheits- Parteien kräftig zu unterstützen. Wollten sie den Bestrebungen, eine eigene politische Partei zu gründen, nachgehen, so würden sie ihren bisherigen Freunden schaden, statt sie, wie es notwendig wäre, zu kräftigen.
Umschau.
Der große Erneuerer des Liberalismus,
Dr. Barth, sieht sich von seinen alten Freunden ringsum verlassen, desto fester halten die neuen, nationalsozialen Freunde zu ihm. Diese Entwickelung ist immerhin charakteristisch. Noch im vorigen Jahre waren die meisten der liberalen Blätter, die fetzt Herrn Barth die Gefolgschaft kündigen, dessen getreueste Stützen. Damals blühte der Handelsvertragsverein und dieser sah in Barth und Gotbein seine Führer. Damals wurde die Brotwucheragitation der Sozialdemokratie auch von den Hansa- und Handelsstädten unterstützt, die henke so scharf wie möglich von den Sozialdemokraten abzurücken sich beeilen. Ein solcher Wandel ist bmerkenswert er hat sich aber nicht etwa vollzogen, weil die „Genossen" in Dresden sich in die rechte Beleuchtung gebracht und ein deutliches revolutionäres Bekenntnis abgelegt haben, sondern weil die liberale Wählerschaft endlich sich zu emanzipieren beginnt und einsieht, auf welche Holzwege der „entschiedene" Liberalismus sie führen möchte. Würde sich aber das liberale Bürgertum, um das sich Barth so eifrig bemüht, mit den unverbindlichen Protesten gegen diesen zufrieden geben, so würde auch zu gelegener Zeit die s ozialdem okratenfr eundliche Richtuiig unter den Wadenstrümpflern wieder zur Geltung kommen. Daher wird man die Absagen der Wadenstrümpfler an Barth so lange nicht ernst nehmen können, als bis daraus tatsächliche Konsequenzen gezogen werden.
Eine irrige Auffassung.
Durch die Vreffe geht eine von den Grenzboten aufgestellte Berechnung, wonach der sozialdemokratische Stimmenzuwachs bei den letzten Rstchstagswahleu gar nicht so erschrecklich ist, weil die bürgerlichen Parteien insgesamt einen nur um rund 64 000 Stimmen geringeren Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben wie die Sozialdemokratie. Da diese Auffassung sehr leicht einschläfernd auf die bürgerlichen Parteien wirken könnte, hält es die „Allg. Ztg." für angezeigt, den zu Grunde liegenden Irrtum aufzudecken. Den einen Fehler ihrer Berechnung deuten die Grenzboten selbst an, mit dem Hinweise, daß sich der Zuwachs der bürgerlichen Stimmen auf 14 Parteien verteilt. Schon diese eine Tatsache beweist die vollkommene Wertlosigkeit der Aufmachung der Grenzboten. Die bürgerlichen Parteien stehen zum Teil einander in Presse, Parlament, ja sogar im gesellschaftlichen Leben feindlich gegenüber, während die Sozialdemokratie trotz aller gelegentlichen Meinungskämpse der Genossen taktisch stets als eine geschlossene Partei auftritt. Auf den Dresdener Parteitag und die sich daran anschließende Preßfehde innerhalb der sozialdemokratischen Partei folgte die völlig einheitliche Tak-
Wie sie ihn liebte — Jürke Allmers! In ihm fand sie das Ideal verkörpert, von dem die stille, kleine Anne geträumt — früher — ganz, ganz früher. Jetzt träumte sie nicht mehr, oder doch selten nur, tm Kampf mit dem Leben hatte sie es verlernt. Aber Jürke! O, daß es wirklich einen gab, wie sie ihn damals sich geträumt! Das war ja wie ein Wunder! Nun hatte sie den Königssohn gefunden, nachdem sie ausgeschaut, aber er — er würde nicht sie freien — die kleine Prinzessin war ihm zu unscheinbar — er dachte an die junge Königin —
„Guten Morgen!"
Sie fuhr erschrocken zusammen. Es war Her- bart, dessen Stimme sie so unsanft geweckt hatte. Nun stieg er durch den lockeren Sand geradewegs auf ihre Burg los.
„Morgen, Fräulein Anne! Morgen, Professor! Sie sind ja all- miteinander so frühe Vögel?"
„Sind wir auch," antwortete der Professor. „Die Luft ist kostbar, mein Lieber, die muß man ausnützen."
„Der Hohentwiel ist verwaist, scheint mir?" Herbart machte einen langen Hals nach der Nachbarsburg.
„Ja, die erst! Di- stehen beide mit der Sonne auf. Seit dem frühesten ist Frau Otten schon am Strand, wie sie mir sagte, und jetzt —"
„Ist sie selbstverständlich mit Allmers auf und davon," vollendete der Schriftsteller. „Hoffenllich nicht für immer — vorläufig wenigstens." Er machte ein grimmiges Gesicht. „Denn einmal wird eS doch der Fall sein."
„Was?" fragte der Professor ahnungslos. „Was? Nun! Heiraten wird er fte.* .
_ ^Oas ist aber doch kein Unglück."
tik bei den preußischen Landtagswalcken. Der zweite Fehler in der Berechnung der Grenzboten liegt darin, daß die Zahlen absolut einander gegen* übergestellt sind, während es doch auf das Ver, hältnis des Zuwachses ankommt. Es sind gegen* übergestellt worden die Wahlen von 1898 und diejenigen von 1893. Nun, vor fünf Jahren erhielten bieSoziatdemokraten mit ihren 2107076 Stimmen nur etwa 26 Prozent der gesamten abgegebenen Stimmen, während die bürgerlichen Parteien 74 Prozent erhielten. Bei den Wahlen von 1903 aber brachten es die Sozialdemokraten mit ihren mehr als 3 Millionen Stimmen auf ungefähr 32 Prozent aller abgegebenen Stimmen, die bürgerlichen Parteien auf 68 Prozent. Demgemäß haben die Sozialbom-ckraten bei den Wahlen von 1898 wenig mehr als ein Viertel aller abgegebenen Stimmen erhalten, diesmal aber nahezu ein Drittel. Relativ genommen, ha^-m sie also bei weitem günstiger abgeickmitten, als die Gesamtheit der bürgerlichen Parteien.
Zur Nachahmung.
Daß die Sozialdewokrafie die reichste, aber auch die cwferwilltaste Partei ist, beweist wiederum die Quittung über die Beiträge, die der Partei- kasse im November zuflossen: diese belaufen sich auf über 47 000 Mk., darunter ein kosten von 10000 Mark für die preußischen Landtaoswohlen und 15 000 Mk. als Geschäftsa"winn aus der Buchhandlung des Vorwärts. Zu bieder Summe von über 47 000 Mk. für die Porteikasse kommen noch über 57 000 Mk., die der Berliner Gewcrk- schaftskommission für den Streik in KrimmiZ^au zugingen. Wie verhält sich dazu die Opferwilligkeit der anderen Parteien? Es nimmt sich doch kläglich aus, wenn z. B. bürgerliche Parteien Rundschreiben über Rundschreiben an die Wähler dieses oder j-netz Wahlkreises verschicken müssen, um die Kosten aus der Neichstagswahl zu decken, NUckstände, die nur einige Hundert Mark betragen! Wenn man sich in dieser Beziehung nicht ebenfalls aufrafft, wird eine nachhaltige Gegen* Agitation nie durchgeführt werden können!
Deutschland und Rußland.
Die große Deutlichkeit, mit welcher der Reichskanzler in seinen gegen Bebel gerichteten Auslassungen sein Bestreben betont hat, die Beziehungen zu Rußland zu pflegen, kann nicht verfehlen, im Auslands wie im Inlands den erfreulichen Eindruck zu machen, daß unsere auswärtige Politik einen festen Angelpunkt gewonnen hat, den sie längere Zeit vermissen zu lassen schien, und daß unfruchtbares L ebeswer- ben nach Richtungen hin, wo man demselben nicht entcegenkommt und unser fortgesetztes Entgegenkommen nur als Schwäche auffaßt, einer auf das gute Verhältnis zu Rußland gestützten Politik deS kühlen Ansichherankommen' lassens gewichen ist. Das gibt daS beruhigende Bewußtsein von der ruhigen Sicherheit unserer Anslandöpolitik, der dadurch gleichzeitig «ach allen Seiten hin großes Ansehen und Gewicht verliehen wird.
„Nee, im allgemeinen nicht."
„Und im besonderen?"
„Professor, entschuldigen Sie gütigst, aber heute sind Sie das reine Fragezeichen."
Er sah bei diesen scherzhaften Worten so gequält aus. daß Anne zu ahnen begann, wie es um ihn stand. Ein Leidensgefährie! Ein Schicksalsgenosse! Sie streifte ihn mit einem bedauernde« Blick. Er bemerkte es und sein Wohlbehagen würd' dadurch keineswegs erhöht.
„Was glicken Sie denn so sonderbar, Fräulein Anne?" fuhr er fast zornig auf. „Das sah ja bei* nahe aus wie Mitleid."
„Nein, nein," stammelte sie verwirrt, „keineswegs."
„Nein? Ist mir lieb, daß ich mich getäuscht habe. Mitleid ist mir was EkÄhaftes!"
„Mir auch." Sie blickte ihm ruhig in die Augen.
„Na, schön, freut mich! Adieu!" Er schüttelte ihr kameradschaftlich die Hand. „Ich will mal die Ausreißer suchen gehen. Adieu, Professor!"- Fort stampfte er, natürlich gerade nach der der* kehrten Seite. Anne setzte den Blinden lächelnd' davon in Kenntnis. Dann sprachen sie noch man* cherlei über den kleinen Schriftsteller.
„Es giebt Menschen, denen man ordentlich anmerkt, daß sie Kämpfer sind," sagte der Professor im Laufe der Unterhalsting. Herbart ist solch einer. Aber er gehört auch zu denen, die mchk feig sind, nicht die Flinte ins Korn werfen, die el aufs Aeußerste ankommen lassen. Er besitzt eine* gewissen Mut."
Anne stimmte ihm bei. 7
(Fortsetzung folgt.)