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Marburg
Mittwoch, 16. Dezember 1903. f
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Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UnwcrsitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrir
Die nationalen Arbeiter beim Reichskanzler.
Graf Bülow empfing, wie schon gestern gemeldet wurde, am Sonntag Vormittag die Mord- nung, die vom deutschen Arbeiterkongreß in Frank- furt a. M. beauftragt worden war. dessen Beschlüsse dem Reichskanzler zu überbringen. Der Sprecher der Abordnung, Herr Behrens, wies darauf hin, daß sich in Frankfurt a. M. zum ersten Male die national denkende und christliche Arbeiterschaft zu gemeinsamen sozialpolitischen Beratungen znsammengefunden habe. Der Kongreß habe dankbar anerkannt, wieviel bereits aus dem Gebiete der Arbeiterversicherung und des Arbeiter- schmtzes erreicht sei, zugleich habe er aber bestimmte Wünsche für den weiteren Ausbau des Koalitionsrechts, für die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine und für Errichtung paritätischer Arbeitskammern formuliert, die seitens der Abordnung den Reichskanzler überreicht werden sollten. Die Ansprache schloß mit der Versicherung unwandelbarer Treue und Liebe zu Kaiser und Reich. Die Antwort des Reichskanzlers lautete:
„Meine Herren, ich freue mich. Sie hier zu sehen, und ich danke Ihnen, daß Sie durch Ihren Besuch mir Gelegenheit geben. Sie Persönlich kennen zu lernen. Ihr' Frankfurter Kongreß war für mich eine willkommene Erscheinung. Ich habe mir über den Verlauf der dort gepflogenen Beratungen eingehend Bericht erstatten lassen. Als die Wahl des richtigen Weges begrüße ich es, daß die in Frankfurt versammelten Arbeitervcrtreter sich an Se. Majestät den Kaiser gewandt haben. Nur auf gesetzlichem Wege, unter dem Schuh der Monarchie und auf dem Boden der Solidarität aller Staatsbürger ist ein wirklicher und bauern- der Fortschritt für die deutschen Arbeiter möglich. Unbeirrt durch Gegenströmungen von links und rechts hält das Oberhaupt des Reiches daran fest, dag es zu seinen für Deutschlands Zukunft wich- tigsten Aufgaben gehört, die Wohlfahrt der deutschen Arbeiter zu fördern und ibr Vorwärtsstreben innerhalb der notwendigen Unterordnung auch der Arbeiterinteressen unter das Gemeinwohl mit Kaiserlichem Gerechtigkeitssinn zu unterstützen. Es itt ein bleibender Ruhmestitel unseres deutschen Kaisertunis, daß es unter allen staatlichen Macht- gebilden zuerst und aus freiem Antrieb die Initiative zur Einführung gesetzlicher Schutzmaßregeln lur Arbeiter ergriffen und eine Reihe von Für- forgeetnrichtnitgen ins Leben gerufen hat, die in mideren Kulturländern noch nicht verwirklicht sind. Die letzten 20 Jahre haben bei uns den arbeitenden Klassen gegen früher wesentliche Verbesserun- gen ihrer wirtschaftlichen Lage gebracht und an dem Ausbau der grundlegenden Gesetzgebung wird stetig^fortgearbeitet. Wenn irgend jemand dem werktätigen Deutschen die Erreichung einer Le- bensbaltung wünscht, die ihm zum bestgestellten Arbeiter der Welt machen würde, so ist es unser Kaiser. Das können Sie mir glauben. WaS ''Uli die amtliche Behandlung Ihrer Resolutionen betrifft, so brauche ich Ihnen, meine Herren, die Sie politisch geschulte Männer sind, nicht aus- -ekiianderzusetzen, daß ich als erster Beamter eines so föderativen Staatswesens wie das deutsche
Stadttheater.
„Zapfenstreich".
Mit der Aufführung dieses dramatischen Erstlingswerkes von Adam Beverlein haben sich der Theaterverein imd die Direktion ein Verdienst er- worben, einmal, weil man dadurch diese Neuhest in Marburg verhältnismäßig früh zu sehen bekam, dann, weil unsere Hauptdarsteller darin eine neue Gelegenheit hatten, die gute Meinung, welche man von ihrem Spiel besitzt, zu Erhöhen, — drittens aber auch, weil gerade an ;diesem „Drama" das Unwahre sogenannter Ten- edenzstücke schlagend nachgewiesen werden kann. fEs soll nun riicht behauptet werden, daß etwa der Verfasser des Kasernenromans „Jena oder :<vedan?" sich eigens hingesetzt habe, um das Ossizierkorps und die militärische!: Einrichtungen Möglichst schwarz zu schlldern und herabzusetzen ledeiffalls ist das Stück nichts als Tendenz, mit ver Wirkung — die nach den Vorkommnissender letzten Zeit in der Armee und Marine natur- geniag eine vermehrte ist — die von gewisser Seite mvvl" genährte Gehässigkeit gegen das gesamte Militär zu vertiefen und immer aufs neue zu dem Kamps gegen den „Militarismus" zu ermuntern
diesen Tagen erschien eine kleine Broschüre: >Militar und Zivil", worin der unge- !nannte Verfasser in höchst beachtenswerter Weise -das gegenseitige Verhältnis bespricht ,nn Einblick auf die sogenannten Militäraffären -cher letzten Jahre. Es heißt dort:
! .Zwilche- dem Volke, zumal auf dem Lande draugen, «uv dem Militär besteht keinerlei Ab- lueigung, sondern meist das beste Einvernehmen; .purfi bei den für die Bevölkerung manchmal um- Kanvlicken Mcnövereinquarfferungen kommt eS ffast nie zu Reibungen. Ebenso pflegt das Militär W der städtischen Bevölkerung, besonders unter bett l
Reich, keine bindende Zusicherungen für künftige Arbeiten der Gesetzgebung aussprechen kann, um alle Ihre Wünsche zu erfüllen. Wohl aber will ich Ihnen versichern, daß ich die Bestrebungen verstehe und würdige, die Gleichberechtigung der Arbeiter aus dem Boden der Selbsthilfe und in staatlich geordneter Interessenvertretung noch mehr zur Geltung zu bringen, und daß ich daher für eine ernste sachliche Prüfung Ihrer Frankfurter Resolutionen Sorge tragen werde. Mögen Sie auch aus der Vergangenheit der staatlichen Arbeiterfürsorge in Deutschland das Vertrauen für die Zukunft schöpfen, daß sich die Verbündeten Regierungen ihrer sittlichen Aufgaben gegenüber den Arbeitern vollkommen bewußt und entschlossen sind, sie gewissenhaft zu erfüllen. Die Hoffnung, daß Sie, meine Herren, dieses Vertrauen mit sich fortnehmen, macht mir unser Zusammentreffen wertvoll und ich danke Ihnen nochmals, daß Sie mich aufgesucht haben."
Den Bestrebungen des Frankfurter Kongresses konnte man im Grundsätze nur vollste Anteilnahme entgegenbringen. Nicht verschwiegen darf aber werden, daß sich auf diesem Kongresse eine sozialpolitische Auffassung durchzusetzen verstand, die sich sachlich von dem sozialdemokratischen Forderungen kaum noch unterscheidet und die in keiner Weise dem nationalen und christlichen Geiste entsprach, von dem der Kongreß ausgegangen war. Es wäre wünschenswert gewesen, daß die Antwort des Reichskanzlers dieser Tatsache Rechnung getragen hätte. Die Antwort betont ja allerdings, daß nur auf dem Boden der Solidarität aller Staatsbürger ein wirklicher und dauernder Fort- schritt für die deutschen Arbeiter möglich sei. Sie läßt indessen doch andererseits wieder erkennen, daß er die Fürsorge für die Industriearbeiter als die wichtigste Ausgabe für Deutschlands Zukunft erkennt, und dies wirkt doppelt stark durch die Heranziehung der Person des Kaisers. An dem sozialpolitischen Eifer der Regierung kann ja auch kein Zweifel fein im Hinblick auf das Arbeitspro- gramnt, das Graf Bülow bei feiner letzten Reichstagsrede entwickelte. Die Regierung scheut sogar nicht zurück davor, so schwierige und allseitig als unreif erkannte Probleme wie das der Arbeits- losenversicherung in Angriff zu nehmen. Anderer- seits hat der Herr Reichskanzler Graf von Bülow in feinen Ausführungen vom letzten Dow nerstage kein Wort dafür gefunden, wie dem deutschen Mittelstände geholfen werden soll, in dem doch das festeste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie liegt. Und auch Graf Posadowsky, der in früheren Zeiten die Hoffnung des deutschen Mittelstandes in Stadt und Land bildete, ist bisher jeder Andeutung darüber aus dem Wege gegangen, wie er^sich die Zukunft des Reichs ohne einen gesunden blühenden Bauernstand und ohne einen lebensfähigen Handwerker- und Gewerbestand denkt.
Bei dieser Sachlage ist es die Pflicht des Reichstages nach Kräften au8 eigener Initiative dafür ost sorgen, daß die Miftelstandsfragen nicht unter die Dampfwalze der revolutionären Gesetzgebung geraten und es ist deshalb dringend zu wünschen, daß die, zahlreichen mittelstandsfreundlichen Anträge, die von den Parteien eingebracht sind, mit dem ihnen gebührenden Ernste erledigt werden.
Gewerbetreibenden, als wichsiger Konsumierfaktor I beliebt und gesucht zu fein; Beweis dafür; die eifrigen Bewerbungen mancher Städte eine Garnison zu erhalten, und die Unzufriedenheit solcher, die ihre Garnison verlieren; nebenbei bemerkt: zugleich der überzeugendste Beweis auch dafür, daß die Millionen, die für das Militär aufgeloen- det werden, ihren Weg zum großen Teil wieder in die Taschen der Steuerträger nehmen, ans denen sie gefommeit sind. Uebelgesinntistman bem Militär dagegen in der Arbeiterbevöl- feruitg, wenigstens so weit sie sozialdemokratisch ist, was ja bei der überwiegenden Mehrzahl zutrifft. Siesiehtundhaßtin ihm die Verkörperung des monar- chtfchen, also gegnerischen Prinzips und zugleich das weitaus stärkste Hindernis für die Verwirklichung ihrer revolutionären Wünsche. Natürlich gilt dieser Haß im Grunde nicht der Mannschaft, zumal seit dem Bestehen der allgemei- neu Wehrpflicht, die ja auch sie selber und ihre Gesinnungsgeiwssen für drei Jahre in den ver- haßten bunten Rock zwängt; er gilt bloß dem Offizierkorps, als dem eigentlichen Träger des angefembeten Systems. Die erbittertsten u •: ?! 0 e fährlich sten Gegner des Mi- l l t ä r s s i n d a b e r n i ch t i n d e n u n t e r e n schichten der Bevölkerungzusuchen, s o n d e r n i n j e n e r S p h ä r e d e r G e s e l l - schäft, die sich mit Vorliebe als die der Intelligenz bezeichnet, also in den Kreisen der Advokaten, Professoren, Lehrer, Journalisten, auch der Aerzte und Kaufleute."
Ferner fragt der Verfasser auch mit unbeftrit- tenem Rechte, wieso es kommt, daß es noch nie- mano eingefallen ist, wegen Betrügereien von Bankdirektoren gegen das gesamte Bankwesen zu wettern, während jeder Anlaß itt der Armee ge-
Umschau. ■ ■■ ; yZ
Das Reich als Arbeitaeber.
Nach den „B. N. N." wird der dem Reichstage vorgelegte Reichshaushaltsetatsentwurf für 1904 auch wieder eine Steigerung in denjenigen Posten aufweisen, die das Reich als Arbeitgeber für die Kranken-, die Unfall-, sowie Invalidenversicherung jährlich ebenso wie jeder Privatunternehmer aufbringen muß. Namentlich kommen hier die Militär- und Marineverwaltung, sowie die Post- und Telegraphenverwaltung und die Reichs- druckerei in Betracht. Während im Anfänge der Geltung der Arbeiterversicheruiigsgesetze die Ko- ften des Reiches auf diesem Gebiete nur einige Hunderttausend Mark betrugen, belaufen sie sich für 1904 allein auf etwa eine Million Mark und nähern sich im ganzen der zweiten Million bedenklich. Wenn man ermitteln will, welche Kosten insgesamt dem Reiche aus der Arbeiterversicherung erwachsen, so wird man zu dieser Summe, die das Reich als Arbeitgeber aufbringt, zunächst den betrag hinzurechnen müssen, der für das Reichsver- sicherungsamt ausgegeben wird. Auch er beläuft sich im Etat für 1904 auf nahezu 2 Millionen Mark. Den Hauptposten, den das Reich für den genannten Zweck jährlich aufbringt, stellt aber der Reichszufchuß zur Invaliden- und Altersversicherung dar. Er beläuft sich im Etat für 1901 auf nicht weniger als nahezu 46 Millionen Mark. Rechnet man alle diese und noch einige kleinere Ausgaben zusammen, die das Reich für die Ar- beiterberfirfjertmg aufbringt, so gelangt man für das Etatsjahr 1904 auf einen Betrag von rund 50 Millionen Mark. Damit ist aber noch fein Beharrungsstadium erreicht. Auch in den folgenden Jahren werden die angeführten Etatsposten Steigerungen erfahren. Jedenfalls stellt diese Ausgabe schon jetzt einen recht beträchtlichen Teil des Reichsbudgets dar.
Zunahme der Einwa n d erun g in Amerika.
Der jährliche Bericht des Generalkommissars für Einwanderung, der dem Kongreß in Washington vorgelegt wurde, zeigt, daß wahrend des Finanzjahres, das mit dem 30. Juli 1903 endete, 857 046 Zwischendeckspassagiere, d. 208 303 oder 32 Prozent mehr als in dem vorhergegangenen Jahre in Amerika angekommen sind. Von diesen kamen 804 456 in kontinentalen Häfen der Vereinigten Staaten an, 16 670 in Häfen von In- lein, in Hawaii oder Porto Rico, und 35 920 in kanadischen Häfen. Von der Gesamtzahl der Zwischendeckseinwanderer waren 814 507 Europäer und 29 966 Asiaten, während 12 573 aus den anderen Erdteilen kamen. Außer den Zwischendeckspassagieren kamen noch 64 269 Kajül- Passagiere an, was eine gesamte Einwanderung von 921 315 ergibt, 105 043 mehr als die größte bisher erreichte Zahl. 8769 Einwanderern wurde die Zulassung in den Häfen aus folgenden Grün- den verweigert: 1 wegen Idiotie, 23 wegen Wahn- sinns, 5812 wegen Armut, 1773 wegen ansteckender Krankheiten. Ferner wurden zurückgewiesen: 51 Sträflinge, 1 Polygamist, 13 unmoralische Frauen, 9 unterstützte Fremde, 1086 Kontrakt-
rode recht ist, gegen sie in der denkbar gewöhnlichsten Weise vorzugehen. — Warum sollen die sittlichen Verfehlungen immer gerade „typisch" für die Armee feilt, warum ist ein menschliches Drama, wie das vorliegende, nicht ebenso gut in anderen Kreisen möglich? Liebschaften dieser Art gibt es in allen Ständen — warum mußte gerade die Kaserne der Schauplatz fein? Wegen der Mache, wegen der äußeren Einwirkung, wegen der Sen- sation, wegen des äußerlichen Anstriches, den Offiziersportepse und Uniform geben muß, denn wenn der Schauplatz etwa eine Bürgerswohnung wäre mit einem jungen Studenten oder Kaufmann der filia hospitalis und deren Arbeiter- Bräutigam, oder sonst kleine Leute, ohne gesellschaftliche Stellung, dann würde kein Mensch dem Stück die Bedeutung beimessen, die es durch den glänzenden Aufputz bekommt, durch das ganze Mllieu, das auf gewisse Jnsttnkte der Massen zu wirken bestimmt ist.
Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist das Werk Beyerleins nicht besser und nicht schlechter und gleich tendenziös, als alle seine Vorgänger, wie z. B. „Rosenmontag" und ähnliches^ Diejenigen, welche nach dem Roman ein wirklich sensationelles Theaterstück erwarteten, das brennende Fragen behandelte oder besondere kulturelle Prob- lerne zum Gegenstand hätte, waren hinsichtlich des Gehaltes des Stückes sehr enttäuscht. Was aber den rein dramatischen Wert angeht, so fordert die Gerechttgkell zu sagen, daß der Ver- fasser den Aufbau sehr geschickt gemacht hat, daß er in dem ersten Test mit großer Sicherheit und in lebhafter Handlung nnf das Ziel hingeht, die für eine erste dramatische Arbeit alles Lob verdienen. ES ist dies in der Tat sogar mehr als bloße theatralische Geschicklichkeit, es ist wirkliches dramatisches Empsinden. Aber diese auf den dra- matischen Effekt berechnete Handlung beeüürächttgt
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arbeitet. Die letztere Zahl ist die größte Zahl die ser Art, die bisher erreicht worden ist. Im ver gangenen Jahre wurden aus deiiselben Gründe« 4974 zurückgewiesen. Von der Gesamtzahl der Zwischendeckspassagiere waren 233 546 Italiener, 82 343Polen, 79 347 Schweden, 76 203 Juden, 71 782 Deutsche, 35 347 Iren, 34427 Slovalen, 32 907 Kroato-Slovänen, 28 451 Engländer, 27 124 Magyaren und 155 550 von anderen Nattonalitäten.
f;.-, Deutsches Reich
Berlin, 15 Dezember.
,— Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen, tote noch nachträglich zu melden ist, am Sonntag vor und nach der Frühstückstafel Spaziergänge. Am Montag Vormittag 10 Uhr empfing der Kaiser das Präsidium des Reichstages in Audienz, sowie später den neuernannten Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates, Voigts, und hörte dann den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts von Lucanus. Nach der Audienz bei Sr. Majestät wurde das Reichstagspräsidium auch von der Kaiserin empfangen.
— Der Minister der öffentlichen Arbeiten gibt wiederholt bekannt, daß eine gewaltsame Verhinderung der Reisenden am Ein- und Aussteigen bei fahrenden Zügen vermieden werden soll, weil hierdurch in der Regel die Gefahr vergrößert, nicht selten aber auch erst herbeigeführt wird. Es soll lediglich eine rechtzeitige Warnung der Reisenden erfolgen und bei Zuwiderhandlungen die Persönlichkeit festgestellt werden, damit Bestrafung eintreten kann.
— Der Krankenkassenkouflikt in Königsberg in Ostpreußen hat mit dem Sieg der Aerzte geendet. Die freie Arztwahl wurde beibehalten, das Honorar von 4 Mark auf 5,60 Mark für Mitglied und Jahr erhöht.
— Das Flnßkanonenboot „Vaterland", das Geschenk der deutschen Flottenvereine im Ans- lande, hat feine Eroberungsfahrten mit sehr befriedigendem Ergebnis erledigt. Die Schichau- wetst läßt es jetzt wieder auseinandernehmen und ein Frachtdamvfer befördert es "von Danzig nach Hongkong. Für die 425 000 Mark, die die Flottenvereine schentten, hat die Bauwerft das „Vaterland" bis auf die Bewaffnung geliefert. DieKosten für diese übernimmt das Reich. Das Boot wird ein 8,8 Zentimeter-Schnellfeuergeschütz, eine 5 Zentimeter-Schnellladekanone und zwei 8 Millimeter-Maschinengewehre führen.
— Das Gordon-Benett-Rennen bei Homburg im Taunus int nächsten Sommer wird eine sportliche Veranstaltiing von gewaltigem Umfange werden. Mait schätzt die Zahl derer, die dem Rennen und den Vergnügungen beiwohnen werden, auf 100 000, zur Hälfte Deutsche, zur Hälfte Ausländer, und die Zahl der Automobile auf — 5000t Aus Frankreich allein werden 2000 Automobile erwartet. Angesichts dieser bedeutenden Zahl müssen Garantien verlangt imd geboten werden, um Unheil zu verhüten.
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nachher nicht nur sehr die Stimmung, sondern auch die Charakteristik, und schließlich auch alle Wahrheit. Aus dem alten Wachtmeister, der so stolz und aufrecht dasteht, wird ein seines Hauses Schande in langen Tiraden deklamierender Odoardo, der mit dem Armeerevolver in der Hand tendenziöse Betrachtungen über zweierlei Ehre anstellt, und am Ende nicht den Leutnant, sondern die „Leutnantsdirne" erschießt. Auch die Kriegs- gerichtsszene bietet allerlei zu Aussetzungen — wenn schon ein so ernstes Thema behandelt werden sollte, so hätte es auch in etwas weniger humoristisch-unterhaltender Weise geschehen dürfen.
Rückhaltloses Lob verdienen die sämtlichen Darsteller. Der Wachtmeister Volkhardt deS Herrn L i it z e n war eine Prachtfigur, die ein renommierter Gast, wie er sonst für Theatervereinsvorstellungei: herangezogen zu werden pflegt, toabr- scheinlich auch nicht besser hätte spielen können, Herr Linzen gab den im ehrenvollen königlichen Dienste grau gewordenen Soldaten mit großer na*, tiirlicher Treue und selbst in dem etwas schwächlichen Schlußakte ließ sein gutes Spiel über das tendenziöse Pathos leichter hinwegfinden. Rollen wie der Leninant von Sauffen liegen Herrn Ä ch - t i v b e r g sehr. Der leichtsinnige und haltlose Charakter des jugendlichen Offiziers, der durch die Liebe zu Klärchen und durch die Diskretion vor dem Kriegsgericht einige sympathische Züge bekommt, wurde von Herrn Achterberg vorzüglich zum Ausdruck gebracht, namentlich die für ihn so peinvolle Szene des Verhörs. Auch das Zusain- menspiel mit Klärchen, sowie die Haltung gegenüber den Sergeanten Helbig und dem Freunde von Höwen zeugte von einem guten Vertiefen in die Erfordernisse der Situation. Fräulein Vellberg spielte die Rolle des Klärchen mit der ihr eigenen Anmut und Sicherheit. War fte im Alleinsein mit ihrem Geliehten so richtig das