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/ - Der uordamerikanische Imperialismus.
In den Vereinigten Staaten von Amerika bereitet man sich schon auf die kommende Präsidentenwahl vor, und Herr Roosevelt giebt sich in allem besondere Mühe, bei den maßgebenden Kreisen keinen Anstoß zu erregen und sich für die Wahl bestens zu Empfehlen. Daß ihm dies ge- lingM wird, darüber kann nach Lage der Sache *» keirr«ftweifcl bestehen. Die demokratische Partei ■■■■' in der- Union, die noch vor der Wahl Mac Kinleys ein nicht zu unterschätzender Gegner der im- perialistischen Republikaner war, ist seitdem immer mehr in den Hintergrund getreten, und die von ihr verlangte Rückkehr in die Bahnen der früheren traditionellen politischen Reserve und Exklusivität der Union und zum Freihandelssystem ist der Großmachtpolitik der Imperialisten gerade entgegengesetzt. Die letzteren haben die unbestrittene Vorherrschaft und Führung, und es ist nicht wahrscheinlich, daß in dieser Entwicklung eine Aende- rung oder ein Stillstand eintreten wird.
Ihren eigentlichen Aufschwung hat die imperialistische Bewegung unter dem ermordeten Präsidenten Mac Kinley genommen, dessen Name eng mit der Geschichte der beginnenden Welt- Politik der Vereinigten Staaten verknüpft ist. Ob- svohl die große Mehrzahl des amerikanischen Volkes mit der seit einer Reihe von Jahren immer rmverhüllier -hervortrctenden Expansionspolitik völlig einverstanden ist, die dem nationalen Ehr- geiz schmeichelte — trotzdem der Sieg über Spanien sehr billig errungen war — kann man sich doch darüber nicht im Unklaren bleiben, daß der so schnell vollzogene Umschwung in der Politik das Land in, eine ganz neue Lage gebracht hat, ihm Ideen einflößte, denen gegenüber es sich bisher fremd gehalten hatte, nnd es Vor ganz neue Aufgaben gestellt hat, denen es sich schwer gewachsen zeigen dürfte.
War die nordamerikansiche Regierung schon handelspolitisch sozusagen feindlich gegen Europa ausgetreten und in dem englisch-venezolanischen Konflikte der neunziger Jahre gegen England selbst, so kam es zu einem eigentlichen Hcraus- treten aus der bisherigen politischen Zurückhaltung erst im Lauf nnd nach dem Krieg mit Spanien.
©eit jener Zeit ist die Union an verschiedenen Punkten der Erde als Rivalin einzelner europäischer Mächte oder Gesamteuropas aufgetreten. Das „Amerika den Amerikanern" der Monroedoktrin scheint die Union jetzt auch ernstlich aufSüdamerika ausdehnen zu wollen, wo der europäische Handels- politische Einfluß zurzeit noch vorheri-schend ist nnd auch durch den Nordamerikas nicht verdrängt werden darf, ohne daß die europäischen Interessen aufs schwerste verletzt würden. Der so plötzliche Vorstoß auf dem Isthmus von Panama ist nur der erste Schritt gewesen zu dem Hinübergreifen auf südamerikanisches Gebiet. Daß die Union den ganzen Kontinent als ihre Domäne betrachtet, bewies schon die mehr als unfreundliche Haltung bei der Blockade Venezuelas durch Deutschland und England. Wenn auch Kuba dem Namm nach noch ein selbständiges Staatswesen ist unter amerikanischem Schutze, so wird es doch über kurz oder lang völlig einverleibt werden. Puerto- Rico
lNachdrucl verboten.)
Frau Hadwig.
Eine Strandgeschichte von Ella Lindner, 'ftortfet-mm.
Werner Otten war nicht der Mann gewesen, der sein Weib hätte erziehen können, und Hadwig war noch so unfertig in allem, als sie die Seine wurde. Da kam mm Herbart, und dieser erkannte bald, was dem jungen Geschöpf fehlte. Er sah, wie es nach Wissen dürstete, und er reichte ihm den Becher der Erkenntnis. Der Trank war bitter denn süße Wahrheit ist selten, — aber er war auch heilsam. Anfangs wußte Hadwig freilich nicht, sollte sie dem Schriftsteller danken oder zür- iien, daß er so unbarmherzig die rosigen Schleier «der Illusion vor ihren Augen zerriß. Erschrockm schaute sie die Welt, wie sie in Wirklichkeit war i— und das tat ihr weh. Doch dann nach und nach befreundete sie sich mit dem neuen Bilde, wenn- schon sie nicht über eine heimliche Menschenver- >achtung hinanskam. Und da war es wieder Her- bart, der diese Menschenverachtung leise in eine große Menschenliebe umvoandelte, in ein tiefes Erbarmen mit jenen, die „nicht wissen, was sie iun", wenn sie ihr Menschentum mit Füßen treten Md mit Schmutz bewerfen. Und so dankte Had- feig wohl das Beste, was in ihrer Seele blühte, fdem kleinen, häßlichen Menschen. Wie hätte sie nun anders können, als sich freuen, da er ihr so Unverhofft in den Weg lief? Sie machte einen weilen Spaziergang mit ihm und dabei plauder- ten sie wie früher, tauschten ihre Ansichten über Kunst, über neue Bücher, die sie in der Zwischen- geit gelesen, stritten sich, daß sie rote Kopfe bekamen und söhnten sich dann lachend wieder aus '-y genau wie früher. Und Hadwig vergaß voll- ßrändig, daß derweil einer oiif dem Hehentwiel
ist auch amerikanisch, der Versuch aus Haiti festen Fuß zu fassen, wird schon seit längerem im Geheimen immer wiederholt, die dänischen Antillen sollen angekauft werden, so wird allmählich ganz Mittelamerika vom Norden abhängig. dmnMeriko hat nicht viel zu bedeuten, wenn Panama den Nordamerikanern gehört.
Wenig Erfolg hatten die Amerikanern auf den Philippinen. Hier zeigt sich so recht die Halbheit der amerikanischen Expansionspolitik, welche mit den europäischen Großstaaten konkurrieren zu können glaubte, ohne deren historiiche Basis und politische Praxis zu besitzen. Daß die Amerikaner unter keinen Umständen mehr die Philippinen aufgeben werden, ist sicher, wenn die notdürftige Behauptung der Inselgruppe ihnen auch viele Opfer auferlegt. Denn eine bessere Position können sie in Ostasien nicht haben und in Manila besitzen sie eine wertvolle Basis für diplomatische Beobachtung und militärische Operationen, deren Wichtigkeit bei der Ausrottung der chinesischen Frage augenscheinlich ist. An den maßgebenden amerikanischen Stellen besaßt man sich, wie aus Washington berichtet wird, in überaus reger Weise mit den Ereignissen in Ostasien. Denn die chinesische Frage wird einstmals das Kriterium zwischen Europa und Amerika werden. Durch Er- Werbung einer Reihe von Stützpunkten im Stillen Ozean hat die imperialistische Politik hier vorgearbeitet. Haiwai wurde eirdgiltig annektiert, auf den Samoa-Inseln ein Kriegshafen erworben, und die Insel Guam vervollständigte dann die Verbindung mit den Philippinen. So hat sich die Union eine Stellung im fernen Osten geschaffen, welche den übrigen Großmächten wenig anaenehm ist. da sie ihr die Möglichkeit eines Einschreitens auf allen Punkten nieSf. was über kurz oder laug in Anbetracht der gesonderten Wege, welche Amerika in Ostasien zu gehen geneigt ist, zu Reibereien und Verwicklungen Anlaß gehen wird.
Aber nicht nur das rivalisierende Zusammentreffen, mit irgend einer europäischen Großmacht, dem die Union setzt fast allerorts ausgesetzt ist, macht die Situation schwierig, sondern die Durchführung dieser imperialistischen Politik erfordert auch im innerpolitischen und staatlichen Leben des Landes tiefgehende Aendernngen. Vor allem können die Amerikaner dem „Militarismus, dem das alte Europa anheimgefallen ist", jetzt selbst nicht aus dem Wege gehen, und den spöttisch behandelten Monarchien Europas muß die demokratische Republik ihre Militärsysteme entleihen, um die Bahnen einer bei diesen früher verachteten Er-' obeningspolitik jetzt selbst zu beschreiten. Außer- dem bedingt der Anschluß von Protektoraten, Ko- Ionien unS Schutzgebieten eine Aenderung bczw. Ergänzung der amerikanischen Verfassung und ihrer Institute, von welch letzteren eine Anzahl neu geschaffen werden müssen. Kurz, es wird von der Union eine solche Anzahl schwerwiegender Neu-Einführungen gefordert, welche sich gar nicht von heute auf morgen machen lassen. Daher ist der Widerstand, den die Demokraten allem dem entgegensetzen, nicht unberechtigt; aber vorläufig dürfte wohl kaum ein Umschwung zu erwarten sein, bis einmal die schlechten Erfahrungen in größerem Umfange und in tiefer einschneidender Weise eingetreten sind. ”
saß und ihrer harrte. Mit keinem Atemzug dachte sie an Jiirke. Daß dieser von dem Auftauchen jenes Freundes nicht sehr erbaut war, läßt sich begreifen. Er empfing Frau Hadwig an dem betreffenden Morgen ziemlich verstimmt, und da sich ihre Spaziergänge mit dem Schriftsteller in der Folgezeit des öfteren wiederholten, so stieg die Verstimmung natürlich mehr und mehr. Jürk-, der kluge, klardenkende Jiirke, war regelrecht eifer- süchtig auf den Kleinen, und er verspürte nicht die mindeste Lust, sich mit ihm anzufreunden, obgleich Hadwig dies sehr wünschte. Aber auch Herbart kam ihm nicht entgegen. Bei ihm war das eine seltsame Sache. Er betrachtete den jungen Handelsherrn mit einem Gemisch von Wohlgefal- len und Mißbehagen. Als Mensch an sich war er ihm wohl sympathisch, aber nichts als Hadwigs Freier. Jürkes stolze Selbstherrlichkeit, die doch niemals unangenehm auffiel, mochte er leiden, daß jener aber nebenbei noch ein Attentat auf Frau Hadwigs Freiheit beabsichtigte — Herbart war ja nicht mit Blindheit geschlagen und in dem Punkte auch doppelt scharfsichtig — das verdroß ihn, denn er liebte sie selbst, liebte sie mit glühender Leidenschaft, lange schon, vielleicht seit dem Tag, wo Werner Otten ihm sein Weib zugeführt hatte. Aber er verstand es meisterhaft, sich zu beherrschen. Kein Mensch, selbst Hadwig nicht, ahnte, wie es um ihn stand. Er hatte damals diese Liebe wachsen scheu, Tag um Tag, mit einer Art grausamer Freude an der eigenen Qual,' und dann, als er sich nicht mehr zu helfen gewußt, als die Flammen gedroht hatten, über ihm und seiner armen Seele zusammenzuschlagen, da war er geflohen. Um Hadwig hatte er die Stadt verlassen. Aber damit war die Liebe nicht tot und begraben, denn man kann sich nicht selbst entfliehen. So hatte er gelebt, bis jetzt. Da war mit einem Male dir Sehn«
Umschau.
Die Rede des Reichskanzlers.
Wenn in der französischen Nationalversammlung ein Staatsmann eine progammatische Rede hält, so besteht die Gepflogenheit, daß durch einen Beschluß des Hauses diese Rede im Wortlaute in allen Orten Frankreichs öffentlich angeschlagen und derselben so die weitest mögliche Verbreitung gegeben wird. Der Zweck liegt klar zu Tage. Es wird so den Wirkungen der Entstellungen, welche die politischen Gegner des Redners in ihrer Partei- Presse sich zu Schulden kommen lassen, vorgebeugt, indem jedermann Gelegenheit gegeben ist, den genauen Wortlaut der Rede kennen zu lernen. Bei uns in Deutschland besteht diese Gepflogenheit nicht, und selbst die Presse, welche auf dem Standpunkt des Redners steht, findet es oft genug aus Sparsamskeitsrücksichten für nützlich, mit einem nicht immer sachverständig abgefaßtem Auszüge ihre Leser zu bedienen. Die Rede, Sie der Reichskanzler Graf Bülow im Reichstage gehalten hat, ist solch eine staatsmännische KmiSgebung, die es verdiente, daß jedermann in Deutschland sie in ihrem ganzen Umfange mit der Autorität der amtlichen Publikation kennen lernte. Der Kanzler hielt eine Abrechnung mit der Sozialdemokratie, wie toir sie seit Jahren vermißt haben. In schar- feu Zügen zeichnete er das Wesen und die Tätig- keit der Sozialdemokratie. Er ließ sich keinerlei Ucbertrcihungen zu Schulden kommen, übte aber keinerlei Rücksicht in seiner Kritik. Man wird überall au? seinen Ausführungen erkennen, daß die Regierung sich ihrer Kraft bewußt ist, unsere monarchischen Institutionen wie alle anderen Grundlagen unseres Staatswesens wirksam zu verteidigen. Die sozialdemokratischen Führer eines Besseren belehren oder gar überzeugen zu können, glaubt her Reichskanzler wohl selbst nicht, denn diese Führung schöpft Luft und Nahrung aus derVerhetzung n.Täuschung derMassen. Umsomehr aber müßte Graf Bülow daraus rechnen können, daß seine Ausführungen bei den monarchischen Parteien auf guten Boden fallen und baldigst zum Heile des Reiches Früchte tragen!
Gefährliche Logiergäste.
Die Mehrzahl der sogenannten Nationalsozialen, welche für das krause und bedenklich gemischte Potpourri ihres politischen Glaubensbekenntnisses keinen Anklang im Volke finden konnten, hat bekanntlich, angelockt von dem destruktiven Genie eines Barth, bei den freisinnigen Wadelstrümpfler Unterschlupf gesucht. Nach Sen bitteren Erfahrungen, welche gerade die.se Partei bei den letzten Wahlkämpfen hat machen müssen, scheint ihr diese Einwanderung der Nationalsozialen in ihr Lager nicht weniger als Vorteil gebracht zu haben. Um so mehr muß es überraschen, daß in Ulm der neu- gebildete nationalliberale Jiigendverein den Mut gehabt hat, auch zahlreiche Nationalsoziale in seinen Reihen aufzunehmen. Nun, junge Leute sind eben oft leichtsinnig und geneigt auch mit ernster Gefahr zu spielenz tote aber Senken die Parteisenioren über die Aufnahme solcher Schlafburschen in ihr Parteihaus? B. L.
sucht wieder übermächtig in ihm emporgeflammt, er meinte, cs nimmer aushalten zu können, fern von ihr, und so packte er Senn eines Tages kurz entschlosien seinen Koffer und reifte ab. Noch am selben Abend, just zur Theestunde war cs, zog er an Frau Hadwigs Wohnung die Klingel. Aber er sand nur Sie alte Ursula, die ihn von Hadwigs Reise in Kenntnis setzte. Er war enttäuscht, faßte sich jedoch sofort und folgte ihr. Mitten in der Nackt setzte er sich in den Schnellzug und fuhr nordwärts. So kam er an, so sah er sie wieder, und heißer, brennender als zuvor loderten beim Anblick der geliebten Frau die Gluten in ihm empor. Er wußte, nie und nimmer konnte sie sein eigen werden, und dennoch hätte er um nichts diese unselig-selige Liebe hergegeben. Sie war cs, die befruchtend auf sein Schaffen wirkte, die schönsten Blüten, die reifsten Früchte verdankte er ihr, — wenn es ihn auch ausrieb, dies ewige Kämpfen, dies nntzkosc Sichverzchren. Nein, sie konnte nie die Seine werden — sie hatte nur Freundschaft für ihn, und Herbart war klug genug, sich diese Freundschaft wenigstens zu erhalten — aber — solange noch ein Atemzug in ihm war, sollte auch kein anderer die Hand ausstrccken dürfen nach ihr — auch ein Jiirke Allmers nicht!
VI.
Es regnete — eine ganze Woche schon — ganz füll, aber unaufhörlich, und da nun der Himmä gar kein Einsehen hatte und an jedem neuen Morgen dasselbe trübselige, langwellige Gesicht zeigte, machte sich unter den Kurgästen allmählich eine ziemliche Mißstimmung bemerkbar. Nein, wirk- ttch, darum ging man doch nicht an die Seel Regenwetter konnte man daheim auch habe»!
„Mich schreckt so'n bissel himmlische Feuchttg-, fett gewiß nicht Gleich," meinte Hadwig, di» am
Ein „allgemeiner deutscher Woh« nungskongreß"
soll im Herbst des kommenden JahrcS, voraussichtlich in Frankfurt a. M. stattfiudcn. Der Anstoß dazu geht von dem Verein „RcichSwohnungs- gesetz", dem Sozialen Museum, dem Institut für Gemeinwohl unS dem Verein für FörScrung Ses Arbeiterwohnungswescns und verwandter Bestrebungen, die sämtlich ihren Sitz in Frankfurt a. M. haben, auS. Nachdem bereits die Woh- nimgsfrage mehrfach auf internationalen Kongressen, so 1900 in Paris, 1902 in München be- hanSelt worden ist, erscheint es nicht nur angezcigt sondern geradezu geboten, einmal das ganze Gebiet der Wohnungsreform unter ausschließlicher Berücksichtigung der deutschen Verhältnisse zu erörtern. Gerade bezüglich der Wohnungsfrage liegen die Verhältnisse in den einzelnen Kulturstaaten durchaus verschieden. In England weichen Bodcnrecht, Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden u.Wohngctoohnheiten so ganz von den deutschen ab, daß eine Vergleichung wohl nicht immer zu fruchtbaren Ergebnissen führen kann. JnFrank- reich gewinnt die Frage deshalb ein gänzlich anderes Gesicht als in Deutschland, weil man es int ersteren Lande mit einer kaum wachsenden, im anderen Lande mit einer sich stark vermehrenden Bevölkerung zu tun hat, während Rußland, Oesterreich und Italien kaum ettvas Vorbildliches zu bieten vermögen. Dagegen haben die kleineren Grenzstaaten, wie die Niederlande, Belgien, die Schweiz, die Lotung der Wohnungsfrage schon nachdrücklich in die Hand genommen. Aber auch in Deutschland ist so viel nicht nur schon gedacht und geschrieben, sondern auch geleistet worden, daß ein Kongreß mit der Besprechung des Geschehenen und mit Anregungen zu weiteren Maßnahmen nur förderlich wirken kann. Um in den Verhandlungen möglichst viele Gesichtspunkte zur Erörterung zu bringen, werden auch Vertreter der anderen Kulturbestrebungen zur Teilnahme ein geladen, so z. B. Sie Personen und Organ i- fationen. Sie für Bekämpfung des Alkoholismus, für Hebung der Sittlichkeit und Vollsbilduug, für Volks- und Jugendspiele, für innere Mission und Charitas eintreten.
Deutsches Reich
Bevftcz 14 Dezember.
■— Seine Majestät der Kaiser tmternabm um Freitag seinen gctoohnlen Spaziergang und hörte am Samstag Vormittag Marinevorträgc. Ihre Majestäten Ser Kaiser und die Kaiserin trelfen nachmittags %3 Uhr aus dem Potsdamer Bahnhof in Berlin ein. Die Kunde: „Der Kaiser ist in Berlin!" wirkte elekttisierend, dickte Scharen hielten den Potsdamer Platz und die Straße Unter den LinScn besetzt, um den Kaiser zu sehen. Brausende Hoch- und Hurrahruse begleiteten die Majestäten auf ihrer Wagensabrt. Der Monarch, der Kürassieruniform und den Stahlhelm trug,; sah, wie Ser „B. L.-A." schreibt, sehr frisch und" gesund aus, tote wir ihn aus seiner besten Zeit kennen. Das Kaiserpaar begab sich zunächst nach der Königlichen Akademie der Künste, um dort; Gemälde zu besichtigen, die für den neuen Dom bestimmt sind. Am Abend wohnten der Kaiser
Fenster des Lesezimmer stand, „aber wie cs jetzt; ist — nein!"
„Sie finden also auch^ daß es des Guten zu- viel ist, Frau Hadwig?"
„Ja, lieber Herbart, entschieden. Ich sehne mich nach Sonne."
„Ich mich," sagte er leise.
Sie dachte aber nicht daran, daß seine Worte einen tieferen Sinn haben könnten und beachtete sie darum kaum besonders. Noch ein Weilchen schaute sie neben ihm in das Unwetter hinaus, daun trat sie oft den Tisch, wo Jürke Allmers eifrig pinselnd über einer Leinwand saß.
„Wie toeit ist denn das Kilnstwcrk schon gediehen?"
„Noch einen Augenblick Geduld, und es wird fertig fein."
„Wahrhaftig? Ich zweifle bereits an dieser Möglichkeit."
„O, man tut mir bitter unrecht!"
Er versuchte, dm Schwergekränkten zu spie- len, aber es gelang ihm so-wenig, daß Hadwig über die verunglückte Bcmüh'.mg hell auflachte.
„Ach Ekkehard! Was seid Ihr drollig in Eurem Zorn!"
„Hohe Frau, cs steht Euch keineswegs wohl an, über den Jünger deS heiligen EalluS derart zu spotten."
„Wir wollten nicht spotten," sie lachte noch immer, „verzeiht unsere Lustigkeit und madjt; darob nicht solch grimmig Gesicht. Ihr solltet Euch' freuen, daß Frau Hadwig noch lachen kann bei sa- trübseligem Wetter. Aber nun wollen wir Euch,! den Kunstbeflisscnen, nicht länger stören." I
Sie neigte ernsthaft das Haupt und wollt» an ihm vorüber. Er hielt sie zurück.
Fortsetzung folgt.)’