mit »em Kreisblatt für »i« Kreise Marburg «n» Kirchhain.
eeimtafl86dt»e<i Illuftrirte» SouniaMlatt.
Jß. 319
Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 ML, btt allen Postämtern 2,25 ML <e$tL Bestellgeld).
JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum lOPfg. Reklamen: die Zeile 25 Psg.
Marburg
Sonntag, 13. Dezember 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Job. Aug. Koch, Umversttäts-Buchdruckerei 38.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Drittes Blatt.
Die erste Zentrumsrede im Reichstag.
Es ist bezeichnend, daß in diesem Jahre nicht, wie sonst die Gewohnheit war, dem alten Etatsredner Eugen Richter der Vortritt bei der ersten Beratung des Etats gelassen worden ist, sondern daß das Zentrum die erste Stelle für sich in Anspruch genommen hat. Die Aufgabe des ersten Redners zum Etat ist gewohnheitsmäßig eine möglichst scharfe Kritik desselben, in der ja Eugen Richter ein Meister ist. Warum mag Dr. Schädler ihm diesmal diese immerhin dankbare Rolle genommen haben? Hatte das Zentrum das Bedürfnis, die bei den Reichstagswahlen vielfach gehörten Aeußerungen der Unzufriedenheit über seine allzugroße Regierungsfreundlichkeit, „bei der es, wie das Schicksal der Aufhebung des Jesuitengesetzes bewiesen habe, doch nur Enttäuschungen erlebe und die Interessen seiner Wähler, besonders seiner ländlichen, vielfach preisgäbe", gleich beim Beginn der neuen Session durch möglichst heftige Vorstöße nach oben zu beruhigen?
Wohl möglich. Aber warum mußte diese. Aufgabe dann einem Bayern übertragen werden? Auch das ist leicht begreiflich für den, der die gegen das Zentrum in weiten bäuerlicher. Kreisen gerade Bayerns herrschende Unzufriedenheit kennt und zugleich Gelegenheit gehabt hat, an Ort und Stelle zu beobachten, wie tiefe Wurzeln dort gerade in der Bevölkerung des platten Landes der PartikulariSmus geschlagen hat und wie leicht eS einem Volksredner deshalb gelingt, den Beifall seiner Zuhörer zu erringen, sobald der diese partikularistische Spitze herauskehrt und gar dann, wenn er sie gegen Preußen richtet.
So war denn Dr. Schädler in der Tat in diesem Augenblick der geeignetste Vertreter des Zentrums bei der Etatsdebatte. Er war vorsichtig genug, mit seinen Aeußerungen über den Kaiser seinen heftigen Angriffen eine captatio benevolentiae vorauszuschicken. Unter ihrem Schutze konnte er dann seinen wütenden Vorstoß unter Ausnutzung des Prozeß Bilse gegen das preußische Offizierkorps richten, von dem er sich für die Stimmung der bayerischen Wähler deS Zentrums nicht mit Unrecht gewiß einen großen Erfolg verspricht.
Man hat den Eindruck, daß Dr. Schädler auf diesem Gebiete, welches er in ausgiebigster Weise auch auf die Soldatenmißhandlungen ausdehnte, den Sozialdemokraten den Rang ablaufen wollte und deshalb sich beeilte, gleich am ersten Tage der Etatsberatung seine Beschwerden vorzubringen. Gehässiger pflegen auch Bebels Angriffe gegen die Soldateska nicht zu fein, tote die Dr. Schädlers, beide besitzen ja auch das gleiche Maß von Objektivität zur Sache, welches der völligen Unsachverständig- keit entspringt. Dr. Schädler verwahrte sich zwar gegen den Gedanken, daß er beabsichtige, jene Einzelfälle zum Ausgang der Verallgemeinerung zu nehmen, indem er darauf hinwies, daß sein geistlicher Stand ja selbst in besonders reichem Maße unter solcher Verallgemeineruiig zu leiden habe. Aber das war nichts als eine rhetorische Floskel: Tatsächlich haben die Angriffe Dr. SchädlerS gegen das preußische
SLadttheater.
Der Pfarrer von Kirchfeld.
Volksstück in vier Giften von L. Anzengruber.
Obwohl das Haus ziemlich gut besetzt war, ließ der Beifall jene spontane innere Stärke verminen, die immer ein untrüglicher Beweis für das Mitleben in der Handlung und für eine tiefere Auffassung ist. , Der lebhafte Applaus am Ende der einzelnen Akte galt einzig dem vorzüglichen Spiel der Darsteller. Der Pfarrer von Kirch-eld ist ein klein wenig Tendenzstück. nicht viel, noch nach der alten Schule, und hat als solches neben Schönem und Gutem — bei Tendenz- stüc/en besitzt der edle Charakter immer sehr viel davon — auch die Schivächeu solcher Stücke: viel grelles Licht und viel schwarzer Schatteii, manches Wahre und nicht wenig Uebertriebenes. Das sicht man gleich an der Hauptfigur, an Pfarrer Seit von Kirchfeld. Er ist eine Idealfigur, die n«ui sich wohl unter den Dienern der bestehenden Kirchen denken kann, die auch Vorkommen mag, die aber, wie der Gras von Finsterborg sagt, dort nickt am Platze ist, weil sie nicht hineinpaßt. Die
Offizierkorps nur dann einen Sinn, wenn er aus dem Fall Bilfe auf die Zustände im allgemeinen schlußfolgert.
Im übrigen hat Dr. Schädler, das soll unumwunden anerkannt werden, manche durchaus berechtigte Beschwerden gegen das Verhalten der Regierung vsrgebracht. Hoffentlich wird das Zentrum bei demnächstiger Beratung der Handelsverträge seinen „hei-, matspolitischen" Standpunkt auch energisch zur Geltung bringen. **
Umschau.
Verwendung derReichsanleihen.
Ans der dem Reichstag zugegangenen Denkschrift über die Ausführung der seit 1875 erlassenen Anleihegesetze ist auch ersichtlich, welche Anleiheteile auf die verschiedenen Reichsverwal- tungSzweiae fallen. Von den bis Ende 1902 begebenen Anleihen sind 1639,7 Millionen für Zwecke der Heeresverwaltung, 528,6 Millionen für die der Marineverwaltung, 174,9 Millionen für die derEisenbahnverwaltung, 106,0 Millionen für die Ausgaben für den Nord-Ost-Kanal, 97,5 Millionen für die Zwecke der Post- und Tele- graphenverwaltung, 46,4 Millionen für das Münzwesen, 40 Millionen als Beitrag des Reichs zu den Kosten des Zollanschlusses Hamburgs, 16,6 Millionen für das Auswärtige Amt, 12 Millionen für den Zollanschluß Bremens, 243„9 Millionen für die Expedition nach Ostasien verwendet worden. _______
Di? Ansiedelungsk omMission hat von ihrer Errichtung im Jahre 1886 bis Ende September 1903 in der Provinz Posen 150 061 und in Westpreußen 60 436 Hektar, zusammen 210 497 Hektar (rund 37’/2 Quadratmeilen) erworben. Ihre Erwerbungen übersteigen also beispielsweise den Flächeninhalt des Herzogtums Sachsen-Koburg-Gotha um etwa 2 Quadratmeilen. Am 31. Dezember 1902 waren im ganzen 186 501 Hektar erworben, in den 9 Monaten vom 1. Januar bis 1. Oktober mithin rund 24 000 Hektar gegen 22 000 Hektar in den 12 Monaten des Jahres 1902. Die angekauften Flächen bestanden in 360 Gütern und 132 Bauernwirtschaften. Bis jetzt sind rund 7300 Bauern- und Arbeiterstellen mit einem Areal von 21,15 Oua- dratmeilen (119 000 Hektar) an Ansiedler vergeben. Das bedeutet einen Zuwachs von rund 22 400 Hektar begebener Fläche und von 1290 angesiedelten Familien gegen den 1. Januar d. I. Die Seelenzahl der Ansiedlerbevölkenmg dürfte jetzt 50000 übersteigen.
Simplon- Kun'n et
Die Arbeiten am Simplon-Tunnel rücken unaufhaltsam vorwärts. Ende September waren die Bohrungen bis auf 17 225 Meter vorgeschrit- etn, am 31. Oktober betrugen dieselben 17 501 Meter und zwar 10 064 Meter auf der nördlichen, der schweizer, und 7437 auf der italienischen, also Südseite. Im Monat Oktober wurde die Arbeit also um 276 Meter gefördert. Auf schweizerischer Seite überschritt die Galerie Kalksteinschichten. Das durchschnittliche Vorwärtsschreiten der mechanischen Bohrung betrug pro Tag 4,82 Meter. Die Arbeiten mußten 183 Stunden unterbrochen werden zur Aufstellung einer Turbine, welche wegen einer im Anfang sehr heftig fließenden heißen Quelle nösig geworden war. Dieselbe lieferte 95 Liter Wasser in der Sekunde. Auf der italienischen Seite mußte die Galerie durch mit Quartz durchsetztes Gestein geführt werden, das eine außerordentliche Härte aufwies. Trotzdem konnten die Arbeiten pro Arbeitstag um 5,40
Auffassung Pfarrer Hells von seiner Stellung ist zu ideal, um in der Wirklichkeit mit der kirchlichen Organisation und Autorität im Einklang zu sein. Jede Kirche muß in gewissem Maße bedacht sein, ihren Einfluß zu wahren und zu stärken. Widerstrebt das einem ihrer Diener, so muß er die Folgerungen daraus ziehen und aus dem Rahmen heraustreten, dem er sich nicht anzupassen vermag. Dem Pfarrer von Kirchfeld kommt die geistliche Obrigkeit zuvor. Ist der Pfarer Hell als Opfer des Systems, so ist der „Wurzelsepp" als Opfer konfessioneller Unduldsamkeit dargestellt. Dom rein menschlichen Standpunkt aus betrachtet, ist er zu beklagen, weil sein Leben ein verfehltes war, — die Frage, warum er nicht den Mut gefunden hat, sich sein Glück zu erkämpfen, bleibt offen — aber auch hier ergeben sich Widersprüche, denn der Haß des „Wurzelsepp" gegen das geistliche Gewand wird durch den Autor falsch motiviert. Jede Kirche, sowohl die evangelische, tote die katholische vollzieht eine gemischte Ehe nur unter be- stimmten Bedingungen, die der Vertreter der Kirche beobachten mutz, wenn anders er es ernst mit ihren Interessen meint.
Einzig an der Figur der brüten Hauptperson
Meter gefördert werden. Die Arbeiten werden auf beiden Seiten gleichmäßig fortgesetzt trotz der erheblichen Schwierigkeiten, welche sich ihnen auf der italienischen Seite entgegenstellen.
Deutsches Reich
Berlin. 12. Dezember.
Seine Majestät der Kaiser unternahm am Donnerstag einen größeren Spaziergang durch den Park von Sanssottei und durch Charlotten- hof. Am Freitag hörte der Kaiser die Vorträge des Staatssekretärs Grafen Posadowsky, des Chefs des Zivilkabinetts v. Lncanus. Nachmit- tags wurde der Generaldirektor der Hamburg- Amerika-Linie, Ballin, empfangen.
— DaS kaiserliche Jagdschloß in Rominten wird nach der „Gold. Allg. Ztg." im neuen Jahre einen Anbau für den Aufenthalt der Kaiserin bekommen.
— Im Seniorenkonvent des Reichstages schlug ain Freitag Abg. Spahn (Ztr.) vor, den Vorsitz in der Geschäftsordnungskommission, den in der vorigen Tagung Abg. Singer (Soz.) führte, den Nationalliberalen einzuräumen. Für die Peti- tionskommission soll das Zentrum, für die Budget- kommission sollen die Konservativen, für die Wahl- priifungskommission das Zentrum den Vorsitz stellen. Den Vorsitz in der Rechnungskommission wollte Abg. Spahn den Sozialdemokraten ge- währt wissen. Abg. Singer lehnte dies aber mit dem Hinweise ab, daß früher die Sozialdemokraten den Vorsitz in der Geschäftskommission gehabt hätten. Darauf wurde beschlossen. der Freisinnigen Volkspartei den Vorsitz in derRechnungs- kommission zu geben, ferner, bei der Verteilung der Tribünenkarten die Fraktionen mehr als bisher zu bedenken und nicht soviel Karten an Behörden und Außenstehende zu vergeben.
— In der bayerischen Kammer der Reichsräte gab Ministerpräsident v. Podemils am Freitag eine Erklärung ab, die in folgendem gipfelte: Die bayerische Regierung wird ki'mstig ebensowenig wie bisher ihre Politik auf eine Majorisierung Preußens richten. Einer solchen Annahme sind wir auch bei den maßgebenden Stellen im Reiche vollkommen sicher. Man hat dort das feste Vertrauen, daß daS gute Verhältnis unter den Bundesstaaten dasselbe bleibt. Wir werden in freundschaftlichem Zusammengehen mit der Präsidialmacht und den übrigen Bundesstaaten unter unserem blaiiweitzen Banner freu zur nationalen Flagge stehen.
— Eine große Bismarck-Lotterie will der deutsche Ostmarkenverein im kommenden Jahre veranstalten. Der Ileberschuß soll der zur Unterstützung bedrängter Deutscher in den Ostmarken geschaffenen BiSmarckstiffung zugute kommen.
— Aus Deutsch-Südwestafrika wird der „Köln. Ztg." gemeldet, daß der Gouverneur von Windhoek nach dem Süden abgereist ist, um Frie- densverhandlunaen mit den Bondelzwärts zu führen. Die Eisenbahn von Swakopmund nach Windhoek soll in einem trostlosen Zustande fein. Die Kaufleute beschweren sich über die Langsamkeit des Güterverkehrs.
— lieber die Burenansiedelung in Deutsch- Ostafrika schreibt die „Ostafr. Ztg.", daß ans den Ansiedelungsplänen so gut wie nichts geworden ist und daß das Klima die Pläne als wenig aussichtsvoll erscheinen läßt. Die Buren können sich zudem nicht entschließen: die Fiebermittel Chinin zu nehmen, dann lieben sie auch größere Freiheit.
— Die Hauptergebnisse der Einkommensteuer- Veranlagung in Preußen 1903 teilt die amtliche „Statist. Karr." mit. Die Gesamtzahl der (steuer- pflichtigen betrug 3 897 782, ihr Einkommen 909114 Mill., ihre Steuer 186,35 Mill. Mark. Gegen das Vorjahr stieg die Zahl der Steuerpflichtigen um 3,6 vom Hundert und ihr Einkommen um 0,6 vom Hundert, dagegen war der Steuerbetrag um 1,3 vom Hundert geringer.
ist nichts zu finden, das Widerspruch erregt, es sei denn die allzu große Unschuld und Naivetät des jungen, noch ungeklärten Herzens, das keine Verwicklungen und schweren Konflikte aufkommen läßt. Wie wäre die Situation eine ganz andere, wenn Anna dem Pfarrer nicht diese kindliche Zu- 'neigung entgegenbrächfen, wenn sie nicht dasschüch- terne Mädchen, sondern eine leidenschaftliche Natur wäre! Wenn beide auf dem Recht ihrer Herzen beständen, welches Problem, welche Lösung hätte sich da gegeben? Es ließe sich noch Vieles in diesem Sinne über das Stück sagen. Es riß die Hörer nicht mit sich fort, es ließ keine große Spannung aufkommen. Aber einen Vorteil hatte es. ES gab unseren Darstellern Gelegenheit, ihr Können zu entfalten, und was an Gehalt des Stückes fehlte, das ersetzten die Leisttiugeir überreichlich. In erster Linie ist Herr Haag zu nennen. Sein „Wurzelsepp" ist unstreitig eine ausgezeichnete Leistung gewesen. Die Rolle ist in ihrer Durchführung die schwierigste im ganzen Stück, und um so höher ist es auzuerkeniien, daß Herr Haag ihr in jedem Punkte, in jeder Nuance aufs beste gerecht wurde. Auch seine Regie war gut. Der Pfarrer Hell des Herrn San darf
— Nach der neuesten amtlichen Auffiellung der Durchschnittspreise der wichtigsten Lebensrnittel haben sich die Gctreidepreise nur wenig verändert, ebenso die Fleischpreise mit Ausnahme des noch mehr zurückgegangenenPreises für Schweinefleisch. Erheblich teurer geworden sind die Eier, auch der Kartoffelpreis stieg.
— Die Schulden der Stadt Bersin betragen beretts 288 Mill. Mark. Dazu kommt jetzt noch die neue Anleihe in Höhe von über 200 Mill. Es sind neue Anleihen schon vohanden: sie sollen bis 1937 getigt sein. Verschlechtern sich die Finanz- Verhältnisse Berlins aber weiter tote bisher, fa wird dies kaum gelingen.
— Für die Ersatzwahlen in Schrimm-Schroda anstelle des verstorbenen Abg.v. Glebocki sind von den Polen für den Reichstag Rechtsanwalt Czyvicki in Koschmin, für den Landtag Korsanty-Kattowih in Aussicht genommen.
—Der frühere preußische LandtagSabgeord- nete Vopelius-Saarbrücken wurde ins Herrenhaus berufen. Er gehört der freikonservativen Partei an.
Ausland.
Die Kvffnthpartei will hn Interesse deS Lande« den Kampf fili die ungarische Sprache vorläufig einfteHew, von anderer Seife wird aber immer noch di« praktische Arbeit deS Budapester Abgeordnetenhauses gehemmt. Auch die Leitung der Volks- Partei will in der nächsten Woche alle ihr« Mitglieder verpflichten, sich der Obstruktion fernzuhalten. Damit würde die Zahl der Ob» struktionisten auf neun zufammenschmelzen. DaS Abgeordnetenhaus wird vom 14.—18. wegen der Delegationstagung und vom 24. bis 27. Dezember wegen Weihnachten keine Sitzung halten. Sonst dauern die Beratungen fort, man glaubt, die Obstruktion werde bis Anfang Januar dauern. Die Vorgänge in Ungarn haben das gemeinsame Kriegsministerium zu einer Maßregel in der österreichischen Reichs« Hälfte veranlaßt, deren Tragweite im Augenblick noch gar nicht abznsehen ist. Jeder Offizier muß fortan eine zweite Landessprache lernen, die nach Maßgabe der nationalen Verhältniff« für jeden Korvsbezirk genau vorgeschrieben wird und von deren Kenntnis die Beförderung der Offiziere abhängig gewacht wird.
Italien. Eine beachtenswerte Rede über den Dreibund hat der italienische Ministerpräsident Eiolifti im Senat gehalten, als er über die internationalen Beziehungen Italiens interpeflirt wurde. Giolitti erklärte, et könne nur wiederholen, was er im Programm de» Kabinetts erklärt habe, nämlich daß Italien die Erhaltung des Friedens und der Freundschaft mit den übrigen Mächten anft-ebe. Dem Dreibund werde von der Regierung bi« größte Bedeutung beigelegt. Dem Dreibunde stehe sogar als einem Elemente be8 Friedens, auch die sozialistische Partei freundlich gegenüber. Der Ministerpräsident bestritt, daß die Regierung sich von den extremen Parteien leiten taffe, und fuhr dann fort, was die Besorgnis vor einer Isolierung Italiens anbetreffe, so könne er nochmals betonen, daß Italiens Verhältnis zu seinen Verbündeten und zu den befreundeten Nationen ein glückliches sei. Niemand zweifle an der Loyalität Italiens und er — Giolitti — würde nicht auf seinem Posten bleiben, wenn seine Position ihm nicht gestattete, daS aufrechtzuerhalten, was für die Ehre des Landes notwendig fei.
schien int Vergleich mit dem Spiel des Herrn Haag etwas matt, dock, mag dies in dem Eharakter der, Nolle liegen. " An sich spielte Herr Sandors tadelfrei, wie er überhaupt gegen den Anfang in« zwischen ganz bedeutend ans sich herausgegaitgeni ist. Die Nolle der Anna bietet kaum Gelegenheit,' besonders zu glanzen. Sie 'erfordert ein sehr natürliches, ruhiges Spiel, das Fräulein Groß« müller vollständig gelungen ist, und auch in den wenigen Momenten, die etwas größere Lebhaftigkeit zeigen, entsprach sie votttoimnen dem Geiste der darzustellenden Figur. Herrn Pichle r ' s Spiel ist immer gewandt und fein abge-; tönt, so auch diesmal wieder. Sein Michl war sowohl im ernsthaften als im scherzhaften Spiel wohlgetroffen. Herr T e l e k y gab den alten guten und resignierten Pfarrer von St. Jako» lebenswahr wieder, wogegen Herr G r o n e r f als Schulmeister von Alt Octtiug etwas sehr ins. Posienhaste übertrieb. Die Rolle deS Hevntz Sinsen als Graf von Finslerberg war ja nichk groß, der Mann der strikten Autorität fand übet in ihm einen energischen Vertreter. Auch die UeH nen Rollen — daruiüer die der Damen JennU und Fischer — wurden gut gespielt. D,