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und Wachtmeister, 4139 auf die VizffeldwebÄ und Vizewachtmeister, 3894 auf die Fähnriche, 19 381 auf die Sergeanten, 38 935 auf die Unteroffiziere, 166 ans die Stabshoboisten usw., 5547 auf die Hoboisten usw., 627 auf die Bataillonstam- bonrs, 1190 auf die Zahlmeisteraspiranten, 21126 auf die Sanitätsunterofstziere. Unter der oben angegebenen Zahl der Gemeinen befinden sich auch 5877 Oekonomiehandwerker.
Die Aenderungen, die in der Etatsstärke des Heeres gegenüber 1903 vorgenommcn werden, sind unbedeutend. Die geringen Zugänge, sind durch Verstärkung der bestehenden 12 Maschinengewehr-Abteilungen, die Errichtung einer neuen Maschinengewehr-Abteilung, durch die Etatserhöhungen der Bespannungs-Abteilungen der Fuß- Artilleric, der Telegraphentruppen, durch die Abzweigung von den Maiors zu den patentierten Oberstleutnants, die Etatserhöhungen der Bezirks- kommandos, Bckeleidungsämter usw. veranlaßt. Den Zugängen stehen einzelne Abgänge infolge der erwähnten Ueberführung der Majore, einer Etatsverminderung bei den Bespanmingsabtei- lungen usw. gegenüber.
jcyt als der cntschiedendste Vertreter der Jntegn- tat des türkischen Reiches, um die Aufrechterhaltung des Status quo zu verteidigen und den Frieden auf dem Balkan zu sichern. 1876 unterstützte Rußland die aufständischen Balkan- Nationen mit) verhalf ihnen zur Unabhängigkeit; hätten die Mazedonier sich vor etwa 20 Jahren erhoben, hätte ihnen Rußland vielleicht die Anto- noinie verschafft. Heute wurde Bulgarien gezwungen, Ruhe zu halten und auf die Türkei ein scharfer Druck ausgcübt, die vorgeschlagenen Re- formen anzunehmeu, damit möglichst bald die orientalische Krisis vorübergehe und keine größeren Verwicklungen einträten.
Vom Standpunkt Rußlands ist diese Haltung sehr verständlich und klug. In ihrer derzeitigen Verfassung ist die Türkei nicht nur keine bedenkliche Nachbarschaft für Rußland, sondern im Gegenteil die angenehmste, die es sich wünschen kann. Es ist keine Nebertrcibung zu sagen, die Türkei ist Rußlands Wachtposten nm Bosporus und an den Dardanellen. Rußland weiß, daß eine Okkupation des Bosporus ihm einen Weltkrieg auf den Hals laden würde, den es Grund hat, nicht zu riskieren, oder richtiger, den es gar keinen Grund hat zu riskieren. Viel bequemer und besser ist es, Beschützer und wohlwollender Freund der Türkei zu sein, der um die Erhaltung der Ruhe und des Friedens im türkischen Reiche besorgt ist. Denn dabei bat es vollständig, was es braucht, ja noch mehr dazu. Die Freigabe der Dardanellen für Kriegsschiffe wünscht Rußland vorläufig gar nicht; es wäre dies ein zweischneidiges Schwert, denn sie kann ebenso gut zu einer Beschießung der russischen Häfen im Schwarzen Meer einladen. Viel vorteilhafter ist es also, die Türkei bewacht die Dardanellen weiter und die kleinen Nationen werden durch gegenseitige Eifersüchteleien uneins gehalten, bis Rußland eine gültige politische Konstellation Geleleuheit und bessere Möglichkeit zu weiterem Vorgehen gewährt. **
Umschau.
D i e Etats st ärke des deuts chen HeereS.
Bei der Gewißheit, daß dem Reichstage in seiner jetzigen Tagung ein auf die Friedenspräsenz- ftnvfc bezüglicher Gesetzentwurf zugehen wird,, ist es von besonderem Interesse, von der Etasstärke des deutschen Heeres, wie sie im Etat für 1904 aufgestellt ist, Kenntnis zu nehmen. Danach beträgt diese Stärke 24 874 Offiziere, 2202 Militärärzte, 679 Veterinäre, 1052 Zahlmeister, 1 Armeemusikinspizienten, 2 Werkstättenvorsteher. 808 Büchsenmacher, 93 Sattler, 203 Waffenmeister, 82 073 Unteroffiziere, 495 500 Gemeine, darunter 17023 Spielleute und 105885 Dienstpferde. Unter den Offizieren sind 390 Generale, 640 Regimentskommandeure, 205 Oberstleutnants, 1920 Majore, 5856 Hauptleute und Rittmeister, 4651 Oberleutnants und Leutnants. Don den Militärärzten sind 97 Generalstabsärzte, Generalärzte und Generaloberärzte, 467 Oberstabsärzte und Assistenzärzte. Unter dne Veterinären befinden sich 24 Korpsstabsveterinäre, 202 Stabsveterinäre, 277 Oberveterinäre. 176 Unterveterinäre. Bei den Unter- uuteroffizieren kommen 5768 auf die Feldwebel
Deutsches Reich
Berlin, 7. Dezember.
—Seine Majestät der Kaiser unternimmt täg- lich die gewohnten Spaziergänge. Am Freitag Abend fand im Neuen Valais wieder eine must- lisch- Unterhaltung statt, zu der verschiedene Eia- ladungen ergangen waren. Am SamStag hörte Seine Majestät Marinevorträge.
„Die Anne hat mein Lob gesungen? Du gutes Ding!"
Sie legte zärtlich die Hand auf die der Freundin.
„Fräulein Cönitz hat Sie mit Worten getypt."
„Nein! Und nun wiffen Sie natürlich genau, wie Frau Hadwig Otten aussieht?"
„Genau."
„Also?" Erwartungsvoll und neugierig zugleich sah sie ihn an.
„Darf ich mich durch ein Gleichnis aüS- drücken?"
„Wie Sie wollen."
„Dann möchte ich Sie mit einer lieblichen Blüte vergleichen, die bestimmt fft, alles zu beglücken, die aber mich nur lebe» und atmen kann in Licht und Soiinenschein."
„Nein, o nein," widersprach sie, „die Blume verträgt mich den Schatten und rauhe Lust. Eine Treibhauspflanze ist sie nicht."
„Das wollte ich damit auch nicht ausdrücken. Aber in Bezug auf den Schatten — täuschen Sie sich hierin auch nicht? Haben Sie das schon ausprobiert?"
„Warum denn nicht? Oder glauben Sie, daß es ein schattenloses Dasein geben kann?"
„Nein, das glaube ich nicht."
„Ich auch nicht," seufzte Anne. „Aber Deines, Hadwig, das hat so viel Licht."
„Und wo viel Licht, ist auch viel Schatten! Eine alte Wahrheit, Anne!"
Sie sagte es fast herb.
„Die Blüte fft also wetterfest," lenkte der Pro« fesfor ein.
„Ja, das ist sie. Und nachher sprachen Sie noch vom Beglücken," fuhr sie fort, ^alle be-
glücken, so meinten Sie. Aber das ist auch falsch. Dazu habe ich weder Lust noch Talent."
„Wer weißt"
„Nein, nein, ich kann nur einem gehören, nur einen Menschen glücklich machen," sie mußte Plötzlich an Jiirke Allmers denken. Da wurde sie verlegen und brach ab. „DaS ist ja alles Unsinn, nicht wahr? Erzählen Sie mal lieber, wie St« sich Anne denken, Herr Professor."
Anne wollte das nicht.
„Warum nicht? Schießen Sie nur loS!" ermunterte Hadwig.
Langsam glitt des Blinden Hand über bett weichen, blonden Vollbart. „Das will bedacht sein, sonst mache ich wieder Schnitzer, wie bei Ihnen."
„O, unbesorgt!" lachte sie. „Dann streichen wir alle rot an, ohne Erbarmen."
„Von mir ist aber wirklich nichts zu sagen," wehrte Anne.
„Abwarten, mein Liebling! Kennst Du nicht das schöne Sprichwort: Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr? Siehst Du! Dann beherzige es ein bischen."
„Sagen mit Worten kann man von Fräulein Cönitz auch nicht viel, da muß ich ihr recht geben. Ich wenigstens'möchte den Versuch kaum wagen."
„Aber so ungefähr," bat Hadwig.
„Nein, bitte, Herr Professor, bemühen Sie sich nicht- Ich bin ein ganz gewöhnliches Menschen-
„Gewöhnlich? Nein, Fräulein Anne, da» find Sie kaum," widersprach er. „Wenn da» Cello menschliche Gestalt annehmen könnte," fuhr er zögemd fort, „so würde eS vielleicht Ahne? gleichen." - - ’ ■ .
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mit dem KreiMatt sür die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonrttagsveilager Mustrktes Sonntagsblatt.
lNachdrnck verboten.)
Frau Hadwig.
Eine Strandgeschichte von Ella Lindner.
'p-ortistzuno.>
„Ach?" sie hob staunend daS Näschen. Meso (renn ?"
„Weil Sie aus allem etwas zu machen wissen, .ui allem Gefallen finden."
„Gefallen finden? Aber nein — das ist viel ’n wenig," sie rieb eine feuchte Muschel au ihrem Aermel trocken, „ich freue mich ja so unbeschrcib- ! ich über alles, und dann freue ich mich wieder, baß ich es jetzt kann."
„Können Sie es denn nicht immer?"
„Eigentlich wohl — aber daheim — wissen Sie, da zerstören die Menschen einem oft die schönsten Freuden. Ich brauchte mir nun freilich nichts daraus zu machen und könnte mich trotz der Menschen ruhig tociterfreuen, manchmal gelingt mir das auch, aber lange nicht immer, leider —"
„Das kann ich mir denken."
„Ja? Wirklich?"
Er lachte gutmütig. „Wirklich! Sie scheinen mir nicht eben viel Menschenkenntnis zuzutrauen, gnädige Frau. Uebrigeus sprachen wir vorhin sehr lebhaft von Ihnen."
„Ach? Und mir haben nicht einmal die Ohren geklungen."
„Unbegreiflich!"
„Hätte es daS linke oder das rechte sein müssen?" fragte sie munter.
„Nun, da Fräulein Cönitz so begeistert Ihr Lob fang, doch wohl das linke," gab er in derselben Weise zurück.
— Das angesehenste medizinische Fachblatt Englands, das „British Medical Journal", ist in der Sage, mit der höchsten Befriedigung auf Grund zuverlässiger QueHen zu erklären, daß bu ärztlichen Ratgeber des Kaisers die Heilung deS kleinen örtlichen Leidens als ganz vollendet bi- trachten und keinerlei Besorgnis vor einer UN güstigen Entwicklung hegen. '
— Der Kronprinz ist von der Jagd in Letzlingen wieder in Potsdam eingetroffens J
— Der Empfang des Präsidiums des deus- schen Reichstages durch den Kaiser wird wahrschs- lich Ende dieser Woche im Neuen PalaiS bei Potsdam stattsinden. '
— Die Feier des Geburtsfestes des Großherzogs von Hessen ist, wie schon berichtet, auf bett 1. Januar verlegt worden, mit Rücksicht auf bis Hoftrauer. Es wirb nun aufgefordert, an diesem Tage dem Großherzog ein besonders beredteS Zeicben aufrichtiger Teilnahme und Treue au8 allen Kreisen deS Landes entgegenzubringen durch eine Spende zur Förderung der Pstege von Kunst und Kunsthandwerk gerichteten Bestrebungen deS Groherzogs. „
— Zum Präsidenten deS Kaiserlichen DiS- ziplinargerichthoses wurde ReichsgerichtsPräsident Dr. Gutbrod ernannt.
— Den in China gefallenen Seesoldaten soll ein Denkmal gesetzt werden. Insgesamt sind während der Chinawirren 74 Angehörige bet Marine-Infanterie gefallen oder an den Folge« ihrer Verletzungen gestorben und zumeist aus dem deutsckien Friedhof zu Pecking zur letzten Ruhe be- ftatttet worden.
— Die allgemeine Lage auf dem Ruhrkohlen- markt wird als unverändert gut bezeichnet. In den letzten Wochen loar der Kohlenversand em selten hoher; er betrug 200 000 Tonnen täglich.
— Das Petroleum-Monopol droht schon wis- der. Wie der „Frkf. Ztg." geschrieben wird, sind ernsthafte Besprechungen wegen Gründung eine» internationalen PetroleumS-Kariells im Gang«, Es sind daran die. amerikanischen, russischen und österreichischen Interessanten beteiligt. Die Amerikaner sollen zu ziemlich weitgehenden Konzes-. sionen bereit sein. Angesichts dieser Bestrebungen sollte unsere Spiritusindustrie immer mehr gefördert werden.
— In der badischen Kammer zweiten Kommet legte der Finanzminister das Budget für 1904/05 vor. Dasselbe schließt in den ordentlichen Ausgaben mit 86 637 843 Mk., in den ordentlichen Einnahmen mit 86 166 384 Mk., also mit einem Fehlbeträge von 471 452 Mk. ab.
— Am 9. und 10. b. M. findet in Stuttgart eine europäische Fahrplan-Konferenz zur Aufstellung der Sommerfahrpläne 1904 statt. Art den beiden vorhergehenden Tagen werden sogs- nannie Vorkonferenzen abgehalten. Für die Konferenz, zu der gegen 200 Vertreter von, Regierungen und Eisenbahnverwaltungen erschemen
— Für eine Zwangsversicherung aller im hamburgischen Staatsdienst angestellten Personett mit einem Einkommen bis zu 2000 Mark soll nach dem „Hamb. G.-A." ein Gesetzentwurf vorliegen, Gegenstand bet Versicherung ist eine Pension für dauernde Erwerbsunfähigkeit und eine Hmter- bliebenensiirsorge. Die Beiträge zahlen bet! Staat unb bie Arbeitnehmer zur Hälfte.
„Ol" sie schüttelte ben Kopf. Ich bin nicht schön, nicht einmal hübsch." ,
„Aber jedenfalls liegt Charakter m ihre«
Zügen." . /
Hadwig stimmte ihm bei.
Er kam nochmals auf baS Cello zurück. ;
„Ich möchte eS mir sehr gut als Frau denken, als ein schlanke Frau mit dunkler Stimme uny weichen sorglichen Händen, und das haben Sitz alles, Fräulein Anne."
Sie schwieg. M
„Er ist eben blind," dachte sie. „Wenn et mich sehen könnte, so würde ihm der Vergleich sicher nicht einfaffen." i
Sinnend schaute sie hinaiis auf die glitzernbD Wasserfläche, und ihre Gedanken bauten heimlich eine schimmernde Strahlenbrücke ins Weite. ,
Plötzlich schrie Hadwig auf und fuhr ernpor^ und Anne, jäh zurückgerufen in dre Wirklichkeit,, stimmte unwillkürlich in den Schrei ein. <
Unruhig hob der Professor den Kopf. Es. batte keine Ahnung, um was es sich handelte. •
„Meine Muscheln!" jammerte Hadwig. „Q. Junge, Junge!" Zürnend blickte sie auf den kleinen Blonden, der ihr in kindlichem Ungestüm bt*; Muscheln zertreten hatte, die zum Trocknen tte Sande lagen. J
„Ich kann Dir gern andere dafür suchen, , stotterte das Bübchen in treuherziger Verlegenheit^ „Ich wußte nicht, daß Du sie hingelegt hast. J
Sie nickte. Böse konnte man dem junge» Sünder unmöglich sein, unb sie schon gar nicht.
„Laß' nur, eS macht nichts." •
Erleichtert lief er davon. -3
„Meine Muscheln." Bedauernd suchte sie tif bunten Scherben zusammen. 1
--------— - , (Fortsetzung W-l
Die Handelsbeziehungen zum britischen Reich.
Die dem Reichstag angegangene Vorlage betreffend die handelspolitischen Beziehungen zum britischen Reich, wird wie folgt begründet: Nachdem der Handelsvertrag zwischen dem Zollverein unb Großbritannien vom 30. Mai 1865 von Großbritannien am 30. Juli 1898 gekündigt war, wurde der Bundesrat ermächtigt, durch eine Vorlage die Großbritannien gewährten Vorteile auf ein Jahr weiter zu gewähren. Diese Befugnis wurde mehrmals, zuletzt durch Gesetz vom 29. Mai 1901, bis 31. Dezember 1903, verlängert. Der Bundesrat machte von. der Ermächtigung bisher gegenüber allen Teilen des britischen Reiches außer Kanada, vorübergehend auch gegenüber Barbados, Gebrauch. Der Entwurf will den Bundesrat in die Lage setzen, dis gleiche Befugnis auch über den Jahresschluß hinaus in dem durch die Lage der Handelsbeziehungen bedingten Umfang auSzuüben. Eine solche Verlängerung der Vollmacht liegt im Interesse der Bestrebungen, die auf die Herstellung einer dauernden Grundlage für den Warenaustausch zwischen dem Deutschen Reich und den verschiedenen Teilen deS britischen Reichs hinzielen. Sie erscheint besonders auch im Hinblick auf sonstige Verhandlungen wegen Erneuerung von Handelsverträgen zweckmäßig und gerechtfertigt
Rußland und die Balkanmaren.
Nicht nur früher, sondern auch jetzt noch betrachtet man die Türkei unb die übrigen Balkan- Iftaaten als ein Art Schutzwall, der im, Stande -wäre, das Vordringen der Russen zum Mittelmeer mnd die Verwandlung des Schwarzen Meeres in leine russische See zu hindern. Andererseits toirb Ibehauptet, daß die kleineren slawischen Staats- !wesen' notgedrungen immer mehr in russische Abhängigkeit gerieten unb so den Jntriguen Rußlands in der orientalischen Frage den weitesten Spielraum gewährten. In Rußlands Arme wurden die kleineren Staaten getrieben, weil sie anfangs von Europa sich selbst überlassen wurden, trotzdem sie in ihrer Kindheit einer Anlehnung undStiitze bedurften und sie größtenteils auch jetzt noch sehr nötig haben. Weil sie diesen Halt bei den oecidentalen Mächten in erster Linie bei Oesterreich, nicht in dem Maße, wie es vorteilhaft gewesen märe, fanden, sahen sie sich ganz von selbst auf Rußland angewiesen. Würde der Oc- cibcnt Rußlands Rolle übernehmen und für ihre Emanzipation eintreten, so würde der russische Einfluß weniger mächtig sein und Rußlands Vordringen weniger leicht von statten gehen.
Wie leicht inait sich ihm entziehen kann, zeigt Rumänien, daß durch seine enge Anlehnung an Oesterreich-Ungarn im besonderen und an den Dreibund im allgemeinen, sowie durch die energische Art der Regierung sich von dem russischen Gängelbande völlig frei gemacht hat, ohne daß dies beut Lande geschadet hat. Denn im Grunde übte und übt Rußland feinen Einfluß ans gewisse Balkanläuder nur insoweit, als die Interessen jener Länder den peinigen nicht zuwiderlaufen. Alle Balkanstaaten kann man als Beispiel anführen, den trefflichsten Beweis aber bietet wohl die modernste Geschichte von Bulgarien. Zum Mtielmeer zu gelangen, wird immer der Wunsch und der Traum Rußlands bleiben, wie schon zn den Zeiten Katharinas II, aber die Taktik hat sich geändert, und diese Aettderung ist von großer Wichtigkeit. Einmal hat Rußland eingesehen, daß, indem es die Balkanvölker befreite es sich nur vou seinem Ziele Konstantinopel weiter -entfernt hat, statt ihm näher zu kommen, da die kleinen selbständigen Völker ihm gegenüber auf feinem Wege zu Hemmnissen gevordeit sind. Dann hat sich die Befreterrrolle nicht nur sehr mäßig bezahlt gemacht, sondern sie kam von Zeit m Zeit ziemlich teuer. Denn selbst die kleinsten der Staaten haben sich nicht als allezeit gefügige Marionetten erwiesen, bei denen man nur am Draht zu ziehen brauchte, sondern sie haben ihre Selbständigkeit vielfach ernst genommen und sich in ihrer Politik gegenüber Rußland nicht einzig non den Gefühlen der Dankbarkeit ober ber Stammverwandtschaft leiten lassen. Eine Stär- fung der Balkanstaaten, die gleichzeitig eins Schwächung der Türkei bedingt, mag daher in -.Iler möglichen Leute Jntereffe liegen, Rußland jat keine Veranlassung mehr dazu.
Es wünscht vorderhandFrieden, unbedingteRuhs, um sich im Innern kräftigen zu können,und im äußersten Osten freie Hand zu haben. Eine Auf- rollung der orientalischen Frage käme Rußland pochst unbequem; je länger diese Dinge unerledigt bleiben, desto besser für Rußland. Auf Grund dieser Tatsachen erscheint die russische Regierung
Erscheint tvöchentlich fiebert mal. .. , ÖQ ry r . q
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Nuchdruckerck Oo< iJu^Ty« Marburg, Markt 21. — Telephon 55,
Vierteljährlicher Bezugspreis, m ver Expedition 2 $KN SDldYf) llY(t
»r i bet alle« Postämtern 2,25 Mk. <exeb Bestellgeld). ,
ViJr. Oll JnserttonSgebuhr: die gespaltene Zelle over oeren Raum 1V Psg. Dienstag. 8. Dezember 1903.
Manien: ine Zelle 2a Prg._____