mit dem Kreisblatt für bte Kreise Marburg md Kirchhain.
Sonntagsheilager JllustrirLes Sonntagsblatt.
M 313
——ii 1 'i i j i s--™*'«****«TM
Vierteljährlicher Bezugspreis, vci -er Expedition 2 Mk, btt allen Postämtern 2,25 Mk. .c$cL Bcitcllgeld).
Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum Iv Pfg.
Neclarnen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sonntag, 6. Dezember 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Sug. Koch, UnwersitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Erstes Blatt.
Rußland und England in Asien
Die Zeit, wo Rußland seine Kräfte wirtschaft- lich und finanziell in der Mandschurei festgelegt hat, sucht England nach Kräften auszubeuten, um den in den letzten Jahren immer weiter zurückgedrängten Einfluß seiner ostindischen Stellung lvieder zu heben. Der indische Vizekönig Lord Curzon selbst ist auf Reisen gegangen, um die Küste des Golfes von Persien zu besuchen, den ara- beschen Scheiks die Macht Englands zu zeigen und wieder engere Beziehungen mit Persien anzuknüpfen. Unter königlichem Gepränge ist die Zlotille Lord Curzons in den bergumkränzten Hafen von Haskat eingelaufen. Der Sultan von Haskat wurde am Bord des Kriegsschiffes „Argonaut" wie ein Untertan empfangen und erhielt die goldene Kette des Großkreuzes vom Orden des in- dischen Kaiserreichs. Inzwischen ist die Reise von Hafen zu Hafen fortgesetzt worden. Es heißt, Lord Curzon »volle selbst bis Bagdad gehen, um in der Stadt Harun al Raschids ein Hoflager von feuer Pracht und Ueppigkeit abzuhalten, wie sie -euie mir noch in den Märchen und Träumen der Leute am Schat el Arab lebt. Daß Englands Handelsinteressen durch diese Fahrt deS Vizekönigs eine wirksame Förderung erfahren, liegt auf der Hand.- Lord Curzon läßt aber auch keine Gelegenheit vorübergehen, um die englisch-indischen Kauf- leute zu ermutigen. So hatten ihm einige englische Untertanen in Maskat eine Adresse überreicht, in der sie zunächst ihre Zufriedenheit über -ne Vorrechte zum Ausdruck brachten, die der eng- -isch-indische Händler in Maskat genieße. Gleichzeitig beklagten sie sich aber über die inneren Un- - gen, die zeitweilig nicht nur ihr Eigentum und ■Öre Interessen gefährdeten, sondern auch ihr Leben^ 'n den Küstenstädten bedrohten. Der Vize- könig erwiderte, daß die Suprematie des englischen Handels in Maskat unbestreitbar sei, denn 80 Prozent des ganzen Handels liege in den Händen der englisch-indischen Untertanen, und 97 Prozent der Schiffahrt desgleichen. Wenn nun mich die englische Regierung sich nicht in die Angelegenheiten und inneren Streitigkeiten des Landes ein- mischen könne, so werde sie doch zum Schutze des Lebens und des Eigeutums englischer Untertanen riuschreiten, sobald diese bedroht seien, und er glaube versichern zu können, daß die englisch-indischen Untertanen der Unterstützung von Seiten des Sultans gewiß sein könnten.
Eine weit schwierigere Aufgabe wird Lord Curzon in Persien zu lösen zu haben. Persien galt ja bis in die zweite Hälfte des vorigen Jabr- hunderts hinein als von England abhängig. In den letzten Jahrzehnten aber hat sich von Norden her der russische Eiuftuß immer stärker geltend gemacht, und in England war man ebenso er- staunt wie erbittert, als 1900 der König der Könige in Teheran sich die leeren Taschen statt mit englischen Sterlings mit russischen Rubeln füllen
«Nachdruck verboten.)
Ein Kunststück Pilganinis.
Humoreske aus dem fiüniUerleben von T. Spielman».
(Schluß).
„Weine nicht, Mona, weine nicht! Ich kann teine Tränen sehen! Von Haus und Hof aber vertrieben werden, Dein Bräutigam? So sage doch ordentlich, wie das zusammenhängt, vielleicht kami ich Dir helfen."
Mona erzählte.
„Hundert Lire! Hm! Eine große Summe freilich!" meinte ber Künstler, der in Geldsachen etwas stark an sich haltend, der sogar unzweifelhaft sehr stark geizig war, in sehr bedenklichem Tone. „Hundert Lire? Ja, ja! Das ist ein böses Ding, hundert Lire schaffen und nicht wissen woher sie nehmen! Aber, sei still, Mona, weine nicht mehr, ich will darüber nachdenken, wie Euch zu helfen ist!"
„Ja! Und darüber wird die Frist verstreichen Sor Paganini, und der alte Schuft Bucillo wird mit dem Gerichtsvollzieher da sein in der Hütte Mos, ehe Sie mit Ihrem Nachdenken zu Ende gekommen und die hundert Lire da sind!" schluchzte Mona.
„Maladetto! Schluchze nicht so, Mona, ich kann das nicht, hören, sage ich Dir! Wart'! Laß mich sehen! Diabolo! Du sollst nicht mehr schluchzen! Ich verspreche Dir — geh'! Vier Wochen sind eine Ewigkeit, mir fällt gewiß etwas ein, Dir zu helfen. Euch zu den hundert Lire — eine große Summe, Mona, eine große Summe! — cospettol so höre doch mit dem Schluchzen auf! Nun ja, ich verspreckje Dir, Dein Gio soll nicht von Haus und Hof vertrieben werden, ich verspreche es Dir, Mona, aber, corvo di bacco! Ob Du das Schluchzen läßt und wieder lachst, Mona! Hörst Du! Lachen sollst Da. lachen, immer lachen und fröhlich jein, wie sonst!"
ließ. Im Kleide des Geldwechslers, des Händlers und des Ingenieurs haben sich die Russen in Persien immer tiefer eingenistet, sie haben Straßen in das Land hineingebaut und sich Eisenbahnkonzessionen erworben. Im ganzenLande sind Filialen der russischen Bank errichtet und die zahlreichen russischen Zollbeamten in einzelnen persischen Häfen zeigen, daß sich Rußland auch daS Pfandrecht auf die Zolleinkünfte gesichert bat. So ist heute namentlich der nördliche Teil Persiens wirtschaftlich und politisch von Rußland abhängig, und die Zeiten sind längst vorbei, wo man in London, sagen konnte, die Besetzung von Merw durch die Russen bedeute für England einen Casus Kolli. Heute geht Rußlands Streben dahin, sich eine Ausfallspforte in den indischen Ozean zu verschaffen.
Für Lord Curzon muß dieses imanfhaltsame Vordringen der Russen in Persien besonders schmerzlich sein. Die in früheren Jahren vom britischen Weltreich betriebene Politik bat niemand schärfer verurteilt, als der heutige Vizekönig von Indien selbst. In seinem preisgekröntem Buche über Persien schrieb er: „Wir haben gegen denselben Herrscher Kriege geführt und ihm den Hof gemacht, buben dieselbe Armee ausgebildet und in die Fluckit geschlagen: wir haben das persische Volk bald geliebkost und bald vernachlässigt. , Unsere persische Politik, gleichviel ob sie von Neigung oder Abneigung beeinflußt wurde, hat sich jederzeit durch Uebcrtrcibung gekennzeichnet, war schwach in ihren Entschlüssen und unheilvoll in ihren Erfolgen." Als dann der ineit- blickende Staatsmann zum Vizekönig von Indien ernannt wurde, war cs gewiß sein Streben, größere Stetigkeit in dis Behandlung der persischen Angelegenheiten zu bringen. Freilich hatte er dabei mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Beginn seiner Herrschaft siel mit dem Anfang des Burenkrieges zusammen, der Englands militärische und finanzielle Kräfte an Südafrika fesselte, und so mußte Lord Curzon ruhig zusehen, wie sich Rußland geradezu darnach drängte, den Schah von Persien mit Geld unterstützen zu dürfen. Freilich untätig ist er auch während des Burenkrieges nicht gewesen. Er war es, der die Telegraphen linien tiefer nach Persien hineinschob und der die militärische Position Englands in Quetta verstärkte, um den englischen Einfluß int benachbarten Afghanistan zu beben. Seine jetzige Meerfahrt ist abermals ein Mittel, um die russische Macht nach Möglichkeit einzudämmen oder zurück,zudrängen. Erwägt man schließlich noch, daß er nach Tibet eine starke Heeresmacht entsandt hat, dann wird man erkennen, daß der alte Kampf Rußlands und Englands um Asien jetzt nahezu auf der ganzen Linie entbrannt ist.
Umschau.
Einfranzösische sUrteilüberKaiser Wilhelm I.
In der „R«voe des denx mondes" vom Juni 1903 veröffentlicht der frühere französische Kriegsminister Zurlinden einen in mancher Be-
„Ja! Darf ich Ihnen denn auch glauben mit Ihrem Versprechen, Sor Paganini?" fragte Mona halb nur erst getröstet und beruhigt.
„Diavolo! Das ist stark, Mona! Mir nicht glauben!? Ich verspreche Dir, Du sollst die hun- dert Lire — hm, hm, hundert Lire, ein ganze- Kapital! Nun ja! Meinetwegen bentv ich find' schon etwas, Dir zu helfen. Sapistri! Laß das Schluchzen! Meinetwegen denn! Ich nehme die hundert Lire auf mich, Mona!"
„Tank, Sor, Dank!" jubelte Mona und zog die schlanken, weißen Finger des Königs dec Geiger wiederholt inbrünstig an ihre frischen Lippen.
Es war ganz kurz vor Weihnachten, da sich diese kleinen Szene« abspielten.
In Italien hängt man in der Christnacht einen Holzschuh in beit Schornstein. Ein Engel vom Himmel, sagt man den Kindern dann, fülle den Schuh mit allerlei schönen Gaben für die frommen und artigen Kleinen.
Am Abend des 24. Dezember befand sich der Maestro in seinem Salon, als ein Facchino ein- traf, und eine große Kiste übergab, auf der in Lapidarschrift zu lesen stand: „Signore Niccolo Paganini. Zu eigenen Händen."
Erstaunt ließ der Künstler sich Hammer, Meißel und Zange bringen und machte sich daran, selbst die Kiste zu offnen. In einer Umhüllung von vielen hundert Pavierbogen, fand er darin einen Holzschuh, einen plumpep Holzschuh, wie die Landbewohner solche Holzschuhe tragen.
„Ein Holzschuh!" rief der Künstler voll Zorn. „Ha, das ist ein malitiöser Scherz! Die schätzbaren Parmesaner schicken mir einen Holzschuh zu Weilmachten, um mir damit zu sagen, daß ich, wie kleine Kinder, immer nur verlange, niemals gebe! Maladetto!"
„Pah, ärgern Sie sich nicht darüber, Sor!" tröstete Mona, die wie gewöhnlich allein um den Herrn herum war. .Man haf's mit dem Spaß
ziehung beachtenswerten Arttkel über den Oberbefehl der Armeen. Zurlinden geriet 1870 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er weigerte sich, sein Ehrenwort zu geben, nicht zu entfliehen, erklärte vielmehr, er würde die erste, sich hierzu bietende Gelegenheit benützen. Er hielt Wort. Dank seiner vollkommenen Beherrschung der deutschen Sprache (er ist geborener Elsässer) gelang es ihm aus Glogau, wo'er interniert war, zu entkommen, unangefochten durch ganz Deutschland zu reifen und endlich infolge ungenügender Achtsamkeit eines deutschen Armee-Gen dannen vor Basel die Grenze zu passieren. Er hat dann während deS Krieges und in späteren Jahren Frankreich her- vorragende Dienste geleistet. Seit den Zeiten der Römer sind die gefährlichsten Feinde der Deutschen immer die Deutschen gewesen, die ihre Nationalität aufgaben und ihre Kräfte und Gaben in den Dienst des Gegners der Deutschen stellten. Zurlinden ist seiner Gesinnung nach durch und durch Franzose. Er knirscht bei der Erinnerung an 1870. Aber er hat doch zu viel deutsches Blut in den Adern behalten, um dem Feinde nicht Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Das gilt — im Gegensatz zu den Aeiißerungen vieler anderer französischer Schriftsteller — von seiner Beurteilung eines Moltke, Roon und Bismarck. Ganz besonders beachtenswert aber ist, was er über linieren alten Kaiser sagt. Die nachstehenden Zeilen aus seinem Anffatz ehren ihn ebensosehr, wie den Kaiser.
„Die Wahl dieser drei Männer (Moltkes, Roons und Bismarcks), denen er ununterbrochen sein Vertrauen gewährt, und die ihm helfen, Preußen zu vergrößern und da? deutsche Reich zu gründen, würde genügen, aus dem König, dem Kaiser Wilhelm I. einen der größten Herrscher in der Weltgeschichte zu machen. Vom Standpunkt des Heeres, aus. muß man zu diesen Ruhmestiteln noch lnnzufügen seine beständige Sorge für die Vervollkommnung feiner Truppen, das Ehr- und Pfsichtgefühl, dessen königliche Personifikation er gewisiermaß en in den Augen feiner Offiziere und Soldaten war, und das er ihnen in einem so hohen Grad einzuimpfen verstanden bat." Zurlinden fügt dann noch eine Erinnerung aus dem Manöver von 1884 hinzu. „Der alte Kaiser war 87 Jahre alt; er war noch zu Pferde. Bei der großen Parade des achten Korbs in der Umgegend von Köln sah man ihn während des Vorbeimarsch es der Truppen seinen Platz verlassen, um sich in kurzem Galopp an die Spitze seiner Königs- husaren zu fetzen und das Regiinent unter den begeisterten Zurufen der Menge der Kaiserin bor- zufiihren. Nach der Kritik des letzten Manövers ritt er an die fremden Missionen heran, die sich gemeinsam von ihm verabschieden wollten, und sagte lächelnd mit feinem Humor auf französisch: „J'espbre, que ces messienrs ont bien vn, et qu'ils pourront rendre campte, que tont est en andre dans man iirm^e." (Ich hoffe, daß die Herren gut gesehen haben, und daß sie berich- ten können, daß in meinem Heer alles in Ordnung ist.) Zurlinden fügt hinzu: „Die fremden Missionen hatten weiter nichts zu tun, als sich zu berneigen."
gewiß nicht boshaft gemeint. Und wissen Sir was, Sor Paganini? Geben Sie mir den Holz- schuh, ich werde ihn in den Rauchfang hängen, vielleicht legt mir ein Engel dahinein über Nacht die hundert Lire — Sie wissen ja, Sor!"
Paganini blitzte das Mädchen mit feinen dämonischen Augen einen Moment mißtrauisch an, ob am Ende auch Mona ihn, seiner geringen Geneigtheit halber zu geben verspotten wolle. Aber in des Mädchens treuherzig und vertrauend, wenn auch nicht ohne Schelmerei, auf ihn gerichteten Blicken war fein Spott zu lesen.
„Den Holzschuh Dir geben, Mona?" sagte er sinnend und den Schuh in der Hand wiegend.
„Ja, Sor, es ist ja Christnacht heute, und die hundert Lire — Santa Madonna! haben sie ja immer noch nicht!" meinte seufzend Mona.
„Hm, die hundert Lire! Ja, ja, hm, hm! Das ist's! Du sollst den Holzschuh haben, Mona, aber nicht heute Abend schon, sondern ich will ihn Dir als Aussteuer, als Hochzeifsgeschenk geben, und gieb acht, es wird nicht lange Zeit vergehen, so werden sich Leute genug finden, die Dir diesen Schuh, mit dessen Gabe mich die Geber zu verspotten gedachten, mit Gold aufwägen!"
Und damit nahm der .Künstler den Holzschuh und zog sich mit ihm in fein Schlafkabinett zurück.
Kopfschüttelnd sah ihm Mona nach.
„Madonna! Er wird doch nicht?!" flüsterte sie und tippte sich mit dem Finger vor die Stirn.
Drei Tage lang blieb er in seinem Schlafgemach. Nur Mona durfte zu ihm, um ihm den Kaffe und das Essen zu bringen, und das Zimmer aufzuräumen. Erstaunt sah sie, wie der Signore mit Feile und Meißel, Hammer und Säge an dem Holzschuh herumhantierte.
„Verschweige gegen jeden, was Du mich hier tun siehst, Mona. Es handelt sich sonst um Deine hundert Lire!" sagte der Künstler, und Mona natürlich schwieg, schwieg gegen jeden, Gio selbst diesmal nicht ausgenommen.
ZurZündholzfabrikation.
Nach dem Reichsgesetz vom 10. Mai 1903 darf, zur Herstellung von Zündhölzern weißer Phosphor nur noch bis 1906 verwendet werden. Um den deutschen Fabrikanten, soweft sie an jeder Reibfläche entzündbare Streichhölzer Herstellen, den Uebergang zu einer, dieser Anforderung genügenden, weißphosphorfreien Zündmasse zu erleichtern, hat das Reich ein brauchbares Verfahre« zur Herstellung einer entsprechenden Zündmasse erworben und stellt dieses Verfahren den deutschen Züiidholzfabrikanten auf Antrag zur Verfügung. Der Reichskanzler hat nunmehr denjenigen deutschen Zündholzfabrikanten, welche dies bisher beantragt haben, die Zusammensetzung der Zündmasse sowie eine eingehende Beschreibung des Verfahrens zur Herstellung der Masse mitgefeilt« Diese Mitteilung erhält jeder deusickie Zündholzfabrikant ausschließlich zur eigenen Benutzung. Fabrikanten, welche dies münfrfipn, werden nach Maßgabe der beim Reichsaml des Innern eingehenden Meldungen auf Kosten des Reichs in dek Herstellung der Zündmasse praktisch unterwiesen.
FranfreichunddieAbrüstungssrage
Gelegentlich der englisch-französischen Verbrüderung, die neuerdings anlänlich des Besuches einer größeren Anzahl englischer Parlamentsmitglieder in Paris in Szene gefetzt worden ist, war lvieder einmal von einem Weltfrieden und der Notwendigkeit einer allgemeinen Abrüstung di« Rede. Niemand, der auch nur einigermaßen die Ereignisse in Frankreich während des letzten Menschenalters in der Erinnerung bat. wird diese Kundgebungen irgendwie ernst genommen haben. Kaum aber sind die Pariser Friedensklänge verhallt, so wird auch schon wieder das Register aufgezogen, das den Grundfon der öffentlichen Meinung in Frankreich, das Revanchebedürinis, enthält. In Tarbes (Dev. Hanfes Vnr6n6es) hat bei der Einweihung eines Denkmals für Danton der Kriegsminister General Andree eine Rede gehalten, in der er zum Schlüsse sagte: „Wir können nicht die Drohungen vergessen, die hinter dem niedrigsten Gebüsch und dem kleinsten Pfahl an unseren Grenzen versteckt sind. Wir find gerüstet und wollen es fein, und wir sind, wenn es nötig wird, zum Krieg entschlossen. Frankreich wird nicht abrüsten." Diese Erklärung unterscheidet sich schon äußerlich von den langatmigen und nicht ernst zu nehmenden Ausführungen auf dem Bankett der französischen und englischen Parlamentarier; sie ist kurz und präzis, und ihr Inhalt wird' deshalb um so leichter in Deutschland von allen denen behalfen und verstanden werden, die, unbeirrt durch politische Gaukeleien, welcher Art sie immer sein mögen, sich gewöhnt haben, die Dinge so zu sehen, wie sie tatsächlich sind.
Revision der StrasProzeßordnung.
Die Kommission zur Vorbereitung der Revision der Strafprozeßordnung wird in ihrer am 18, Dezember beginnenden nächsten Tagung den Abschnitt „Abgekürztes Verfahren" erledigen. Als neue Gegenstände der Tagesordnung sind bet i".™__ii --- == -
So lange bereits auch Meister Paganini in Parma wohnte, vergebens batten die Musikfreunde ibn immer und immer gebeten, doch einmal, ein einziges Mal nur sich hören zu lassen. Stets schlug der launische Künstler alle Bitten rund und nicht immer in allzu gewählter Form ab, und, um es nicht zu verschweigen, das boshafte Geschenk des Holzschuhes am Christabend war eine kleine Rache gewesen, die an dem Meister zu nehmen sich die Musikfreunde Parmas erlaubt hatten. Paganini ahnte dies sehr wohl, und die Sünder wollte er strafen, womit sie gesündigt, mit dem schnöden Geschenk, dem Holzschuh, wollte er sie in Entzücken versetzen.
Zum größten Erstaunen ganz Parmas verkündeten eines Morgens Anschlagzettel: „Signore Paganini wird am Neujahrsabend im Musiksaal seiner Villa ein Konzert geben. Er wird sechs Stücke spielen. Drei auf feiner Geige, drei auf einem Holzschuh. Es werden fünfzig Billette z« zwanzig Lire das Billett ausgegeben."
In kaum einer Stunde, nachdem man die Anschlagzettel gelesen, waren natürlich die fünfzig Billets vergriffen, und in der ganzen Stadt sprach man nur von dem Doppelwunder, daß Paganini spielen und daß er aus einem Holzschuh spielen werde.
Die enthusiasmierte kleine Gemeinde empfing den Meister, als dieser auf das Podium trat, lächelnd, verjüngt, seine Lieblingsgeige unter dem Arm, mit begeisterten Evvivas, und als et di« Geige absetzte nach seinem ersten Stück, waren die fiinfzig Auserwählfen, die Eintritt gefiinden, in einem wahrhaften Rausch der Verzückung.
. Und dann — der Meister hob ein Tuch auf, das einen Gegenstand verdeckte, der auf einem Tischchen lag. Und dieser Gegenstand war der Holzschuh, der wirkliche, wahrhafttge Holzschuh, aber von des Meisters wunderbarer Hand geglättet, gemeißelt, gehobelt und mit Saften bespannt. War doch der große Geiger eines Geiger^