mit dem Keeisblatt sür btc Kreise Marburg und Kirchymu.
Sonntagsbeilage» ZVustrirteS TosntagSblatt.
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Bierteljährilchcr Bezugspreis: bet oer Expedition 2 Mk, bet ollen Postämtern 2,25 Mk. (.ejeu Bestellgeld).
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Marburg
Sonnabend, 5. Dezember 1903.
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Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmvcrsitStS-Buchdruckerei 38, Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Die Preisbildung für Getreide.
Im Auftrag; der „Internationalen landwirtschaftlichen Vereinigung für Stand und Bildung der Getrcidepreis;" hat soeben Prof. D c. G. R u h l a nd, der Schriftleiter der Wochenschrift „Eetreideinarkt", ein weiteste Kreis; lebhaft interessierendes Buch: „Die Lehre von der Preisbildung für Getreide" herausgeaeben. Der Verfasser ist aiis diesem Gebiete unzweifelhaft der erfahrenste Spezialist, er ist ein; hierin selbst von den größten Habitues der Terminbörse anerkannte Autorität. Wohl niemand ist im Stande, uns so gründlich und in so weit umfassender Weise die Ursachen der Preisschwankungen für Gstroid? vor Augen zu führen, und, noch niemals sind bisher die Machenschaften der Terminbörse so ersichtlich in ihrer Einwirkung auf die Getreidepreise dargelegt worden, wie dies in dem vorliegenden Nhlandschen Buche geschehen ist. Der Verfasste nennt seine Schrift ein „Lehrbuch sür Landwirt- schastsschulen, Handels- und Müllerschulen, zugleich praktisches Handbuch für Getreidc-Jnter- essentm".
Wir wollen hier von dem Inhalte der Professor Nublandschen Arbeit nur wenige Hauptmomente anführen. Dieselbe gibt uns zunächst eine Mit all- gemein interessantesten Angaben und Feststellungen ausgesiattete „Geschichtliche Entwicklung des heutigen Getreidemarktes und seiner Preisbildung", welche mit der sogenannten „guten alten Zeit" beginnt. Damals waren noch vielfach gesetzliche Bestimmungen gegen den Getreide - A u f - k a uf, den Getreide -Verkauf und dergleichen gerichtet, welche nicht selten int Wiederholungsfälle mit Todesstrafe geahndet wurden, das Privatkapital wurde vom Getreidemarkt zielbewußt zurückgedrängt. Es fand aber auch in den 93er- kehrsverhältnissen der früheren Zeit Hindernisse genug. Hierzu gehörten neben den schlechten Straßen zahlreiche Binnenzölle, periodische Grenzsperren und Ausfuhrgebote, Marktgebühren und städtische Marktrechte mit Verkehrs Privilegien aller Art. Im Jahre 1800 mußte man beim Getreidetransport von Magdeburg nach Hamburg 14 mal Zoll zahlen, auf d:r Strecke von Bamberg nach Mainz waren 33 Zollstätten. Traitsport- kosteit und Transportzeit ließen sich unter solchen Verhältnissen im Voraus gar nicht berechnen, und jede vorherige Vereinbarung über Lieferpreis und Lieferfrist waren damit ausgeschlossen. Dazu traten ferner die Unsicherheit auf den Land- straßen, die Schwierigkeiten des Personen-, Nachrichten- und Zahlungsverkehrs auf größere Ent- fernungen neben einer mangelhaften Technik der Verarbeitung des Getreides. Die Getreidepreise wurden in dieser Periode überwiegend von lo- k a l e n Ereignissen beherrscht. Der geringeren Größe des Zufuhrgebietes entsprechend war der Marktpreis für jeden Mangel, wie für jeden Ueberschuß sehr empfindlich. Der Getreidemarkt der alten Zeit hatte unter Preisschwankungen viel zti leiden.
In sehr interessaitten Darlegungen schildert dann der folgende Abschnitt den Uebergang zu den heutigen Verhältnissen. Hierbei wirkten vor allen Schritten die fortschreitende Verbilligung der Transportkosten für Getreide und die immer
6 Mach druck verboten.)
Frau Hadwig.
Eine Strandgeschichte von Ella Lindner.
'Stnrt’etuna.'
„Nun, vielleicht führt auch unS wieder der Zu- fall zusammen."
„Würde Si; das freuen?"
„O ja, sicher!"
„Man kann dem Zufall dock etwas unter die Arme greifen."
Die Maschine setzte sich in Bewegung und langsam glitt der Zng auS der Halle ins Freie. Eine ganze Weile noch flatterte Frau Hadwigs Spitzen- tüchlein grüßend im Winde.
Jürke AllmerS aber stand und stand und schaute dem schwarzen Ungeheuer nach, bis es verschwunden war, und dabei kreisten seine Ge- oanken alle um den einen Sab: Man kann ja dem Zufall unter die Arme greifen I
HI.
Leuchtendblau ist der Himmel und goldener Sonnenschein gleitet Zimmernd über die wette, wogende Wasserfläche. Hadwia, die neben Anne Cönitz dicht am Wafler int Strandstuhl sitzt, blinzelt schläfrig mit den Augen, denn die Sonne scheint ihr gerade ins Gesicht, und das strahlende, schimmernde Farbenspiel auf der glitzernden Fläche blendet sie. Wie flüssiges Silber glänzt es Hinter der Sandbank schäumt die Brandung. Wie seltsam sich das von fern ausnimmt l Sie muß a>t Böcklin denken und an die weißen Glieder seiner Meerweiber.
Anne kiest. Sie ist ganz vertieft in ihre Lektüre. Hadwig kann das nicht begreifen. Sie nimmt sich zwar auch an jedem Morgen ein Buch nut zum Strand, aber zum Lesen kommt es darum
größere Raschheit und Sicherheit des Güter-, Per- fonen-, Zahlung?- und Nachrichtenverkehrs. Professor Ruhland legt dies alles in interessantester Weis; dar, weist nach, tote überdies auch die Größe der entsprechenden Getreidetransporte zugenommen hat und Ivie hierdurch die früher weitgehende Selbständigkeit der alten Lokalmärkte fast verschwunden ist. Der moderne Weltmarkt für Getreide hat sie in sich ausgenommen. Unter so wesentlich geänderten Verhältnissen hat die Gesetzgebung die Sorge aufgegeben, die Beteiligung d;s spekulativen Privatkapitals an der Preisbildung für Getreide fönne zu einer empfindlichen Schädigung der Volksinteressen führen. Es kamen die Grundsätze des wirtschaftlichen Freihandels zur Herrschaft, so begünstigt; man die Beteiligung des spekulativen Privatkapitals an dem Getreidehandel und seiner Preisbildung.
Durch die hervorragende Beteiligung des spekulativen Privatkapitals am Getreidehandel sind unzweifelhaft gewaltige Fortschritte int nationalen, wie internationalen Warenausgleiche erzielt worden. Ob dadurch auch ähnliche Fort- schrtte im Ausgleich der Getreidepr;isc erreicht wurde? Zu leichterem Verständnis der hierdurch zu gebenden Antwort läßt der Verfasser seinen Darlegungen ein Verzeichnis von technischen Ausdrücken der Börse und des modernen internationalen Getreideverkehrs mit Erläuterungen vorangehen. Den diesem Verzeichnis folgenden zweiten Hauptteil füllt das über „die heutige Technik der Getreidepreisbildung" Gesagte aus. Zuttächst erörteret der Verfasser eingehend und fesselnd die Frage, wer die heutigen Getreidepreise bestimmt? und zeigt, wie die Mitwirkung des spekulativen Privatkapitals bei der Preisbildung für Getreide erst durch die Organisation der ntc- dernen Getreide-Terminbörse zum Träger der sozial so schädlichen intensiven Preisschwankungen der Gegenwart wird. Ec erklärt das Wesen der Terminbörsen und ihre Treibereien und führt nunmehr den eingehenden Beweis für den unheilvollen Einfluß der Getreideterminbörsen auf die so ungemein verschärften jetzigen Getreidepreisschwankungen nach zwei Ricktunaen: durch eine scharfe und zersetzende Kritik jener Theorien, welche die Getreidebörsen verteidigen, und durch eine zusammenfassende Darstellung all jener Vorgänge, welche die heutige Getreidepreisbewegung in der Praxis beherrschen. Die mit reichem statt- stischem Material und neun graphischen Darstellungen ausgerüsteten Ausführungen schließ'N mit den Sätzen:
„Die große Menge der Gctreideiuteressen ist längst nicht genügend darüber unterrichtet, wie heut; die Getreidepreise statt nach Vorrat und Bedarf, nur zu regelmäßig darnach bestimmt werden,^ ob Herr Valentine der Firma Armour Grain u. Co. in Chikago von seiner Badereise zurückgekehrt ist? Ob Philipps oder seine Baissegegner die größere Geldbörse zur Verfügung ha- ben? Ob neue Fälschungen in irgend einem Teile des Nachrichtendienstes geglückt sind? usw. Dieser Mangel an genügender Aufklärung in weiten Kreisen bietet die wesentliche Erfläntng dafür, daß die Preisfestsetzungen der Getreideterminbörsen immer itoch einen so weitgehenden Einfluß ausüben. Also muß die Aufklärung der Masse der Interessenten über die heutige
bei ihr doch nie. Selbst wenn man sie dazu zwingen würde, aber das tut sie nicht, denn warum sollte sie es? — so würde sie doch kaum einen @e- danken erfassen. Das Meeresrauschen lenkt sie ab. Sie kann so stundenlang sitzen und lauschen und dem Spiel der Wogen zuschauen. Es wird ihr nie langweilig. Und so leicht ist ihr hier geworden, so leicht und so frei. Es ist fast, als seien der Seele mit einem Male Schwingen gewachsen. Nun schwebte sie hoch über allein Kleinlichen. An die Welt da draußen denkt Hadwia kaum noch. Aber Ursulas Briefe von daheim sorgen schon dasiir, daß die junge Fran nicht ganz untertaucht in dem großen, seligen Vergessen, und manchmal Anne Cönitz. Diese stört Hadwig im Ganzen nicht. Sie ist ein stilles, anspruchsloses Geschöpf und froh, wenn man sie in Ruhe läßt. Früher war das nicht so. Hadwig weiß noch recht gut, welche tollen Streiche sie damals in Annes Gesellschaft verübt hat. Aber freilich — neun Jahre — das ist ein; lange Zeit. Da kann sich der Mensch wohl ändern, besonders wenn ihn das Leben so hart anfaßte, wie die kleine Anne, die alles verlor, Eltern, Heimat, Vermögen.
„Darum mußt Du mich aber nickt bedauern. Hadi," hatte sie gleich an jenem ersten. Tage im Coup6 gesagt, ich fühle mich trotzdem sehr glücklich, wenn ich auch nur eine arme Volksschullehrerin bin. Mein Leben hat doch nun einen Inhalt. Das war früher noch nicht einmal der Fall. Das Hetzen aus einem Vergnügen ins andere konnte man wenigstens kaum so bezeichnen."
Hadwig erfuhr auch, daß eine wohlhabende Tante ihr die Mittel zu dieser Erholungsreise vorgestreckt hatte.
„Geschenkt mit! ich nichts haben, auch nicht von den reichen Verwandten."
Technik der Getreidepreisbildung der erste Schritt zur Beseitigung der Mißstände in der Getreide- Preisbildung sein. Man wird vor allem für ganz Europa von einer Kontrolle auS die Ziffern und Nachrichten über wirklichen Vorrat und Bedarf sammeln müssen, um sie möglichst frühzeitig dem Wein kt; für Getreide wie der Maste der Getreide .. .iereffenten zugänglich zu machen. Die Wirkung einer solchen durchgreifenden Aufklärung der Marktlage kann in der stabileren Bewegung der Getreidepreise nicht lange auf sich warten lasten."
Diese kurzen Angaben über den Inhalt des so hoch interessanten 179 Seiten fassenden und gebunden für 2 Mark zu beziehenden Buches mögen genügen, scn Leser zu überzeugen, daß diele Kenntnis für jeden, dem das Interesse an der Getreidepreisbildung ernstlich nahe liegt, von un- schätzbarem Werte sind.
Umjckau.
Polizei und Publikum.
Unter dem Titel Polizei und Publikum hat der königliche Polizeikommissar Eiben in Köln ein Polizei-Taschen-Lexikon herausgegeben, welches sowohl die den Kreis polizeilicher Tätigkeit berührenden Reichs- und Landesgesetze als auch die Mnisterial-, Provinzial- und Regierungs-Verordnungen zusammenfaßt. Die reichhalstge Sammlung ist übersichtlich alphabetisch geordnet und beschränkt sich nicht auf die zweckdienliche Widergabe der Gesetzestexte, sondern enthält außer zahlreichen Urteilen der höchsten Gerichte auch viele aus einer langjährigen Tätigkeit bei einer großen Polizeiverwaltung gewonnene Erfahrungsgrundsätze. Das ganze Werk zeugt von dem Bestreben, durch eine möglichst bequeme Vergegenwärtigung der polizeilichen Rechte und Pflichten ein gutes, von allen Seiten erwünschtes Einvernehmen zwischen Polizei und Publikum zu fördern und zu festigen. Bei der umfassenden Tätigkeit, welche die Polizei auf saft allen Gebieten auszuüben berufen ist und mit Rücksicht auf die meistens recht unliebsamen Folgen, welche die Verletzung polizeilicher Vorschriften nach sich zieht, ist es mit Freude zu begrüßen, aus dem Kreise der Erekuttv-Polizei- beamten ein Buch zu erhalten, in dem nicht nur diese, sondern auch alle übrigen Personen, welche als Arbeitgeber, Dienstherr undGewerbetreibende, Hauseigentümer usw. polizeiliche Besstmmungen zu beachten haben oder zum Schutze für sich in Anspruch zu nehmen berechtigt sind, einen zuverlös- sigen und nützlichen Führer und Ratgeber gewinnen, welcher ihm Gelegenheit gibt, sich auf dem fast unendlichen Gebiete schnell zurecht zu finden. Von den verfassungsmäßig gewährleisteten, durch Reichs- und Landesgesetze gestcherten hohen Rech, ten bis zu den zur 'Aufrechterhaltung der Ordnung, Ruhe, Sicherheit und Sittlichkeit und zur Abwendung der dem Publikum drohenden Gefahren erlassenen ortspolizeilichen Vorschriften enthält die Sammlung alles Zweckdienliche und Wissenswerte. Die lexikalische Form des Buches, welche, nur den betreffenden Buchstaben bezw. den betreffenden Artikel aufzuschlagen nötig macht, ermöglicht eine schnelle Orientierung. So enthält z. B. der Artikel Eisglätte die Polizeiver-
Hadwig dachte bei all dem znm ersten Male daran, daß es für sie vielleicht auch bester gewesen wäre, wenn sie nicht im Ueberfluß hätte auf- wachsen dürfen, wenn sie sich ihr Glück ein wenig aus eigener Hand hätte zimmern müssen. Sie war klug und musig — das auf eigenen Füßen stehen würde ihr kaum schwer gefallen fein. Nun war cS zu spät.
,,„O nein, Hadwig, Du irrst," sprach Anne gelegentlich auf eine derartige Bemerkung. „Zum Lernen ist es noch nie zu spät."
„Doch. Wenn man noch dazu fein aüsge- gi-sprochenes Talent hat,"
„Trotzdem. Man kann auch so seinem Leben Wert und Inhalt geben. Uebr: ;ns — Du bist ja nicht talentlas. Oder hast Du vergessen, daß Du in ben Sprachen uns allen über warst?"
Um Hadwigs Mundtvinkel zuckte es spötsisch. „Soll ich am Ende Stunden geben?"
„Warum nicht?" war Annes ruhige Erwiderung. „Ich wüßte nicht, was Dich davon abhalten könnte, wenn es Dir wirklich Freude bereitete."
„Ach, ich hab' noch nicht darüber »achgedacht, ob das der Fall wäre. Aber vielleicht — man kann das nicht wissen." Sie schaute nachdenklich vor sich bin, bann lachte sie leise. „Es ist ja eine Tollheit! Hadwig Otten und Sprachlehrerin! Was man bloß daheim sagen würde!" Wieder lachte sie.
„Was man da heim sagen würbe!" wiederholte Anne langsam. „Ich dachte nicht, daß dies für Dich in Betracht käme, daß es Dich bekümmern würde."
„DaS tut es onck nicht," antwortete sie schnell. „Gott bewahre, im Gegenteil. Erst recht täte
ordnungen, welche die Verpssichstmgen der Büv» ger zur Reinigung der Fußwege bei Schneefall und zum Bestreuen der Bürgersteige bei Winterglätte feststellt nebst einer wichtigen Reichsgericht?-, entscheidnng, welche die Folgen der Nichterfüllung solcher Verpflichtungen beleuchtet. Die Anschaf- fung des Buches kann daher für alle Behörden, Anwälte, aber auch Privatleute nur bringen# empfohlen werben.
Französischer Dank an die Elsässer.
In der französischen Deputiertenkammer tourbi die „Elsaß-Lothringische Frage" wieder aufgerollt. Für uns Deutsche existiert sie nicht. Aber i# Frankreich versucht man, die Jugend wieder zu« Revanche zu erziehen und den Verlust von Elsaß« Lothringen unauslöschlich in ihre Erinnerung einzuprägen. Wie wenig sich im Jahre 1871 dis Nationalversammlung zu Bordeaux um da» Schicksal Elsaß-Lothringens und um die elsässische« Proteste in dieser Versammlung kümmerte, hat schon der damals als Deputierter nach Bordeaux entsandte Elsässer Schneegans dargelegt. Aber auch aus neuester Zeit finden sich Beweise dafür, wie geringschätzig Frankreich die Elsässer behan« beit. Im vorigen Jahre erschien bas französisch« Generalstabswerk über den Krieg 1870—71. Mit großer Aufopferung hat sich die elsässische Bevölkerung des geschlagenen Heeres angenommen. Der deutsche Bearbeiter des französischen General« stabswerkes, Oberstleutnant v. Schmidt, weist in dem soeben erschienenen zweiten Heft auf die Tatsache hin: das französische Generalstabswerk hat auch nicht ein Wort der Anerkennung für die Be« wohner des Landes, welche Tausende von bet« mundeten Franzosen wochenlang verpflegt habe« und welche die Soldaten auf ihrer Flucht mit Nah« mng und Getränk versehen haben! Das ist befl Dank Frankreichs an die Elsässer!
In Sachen einer Aenderung des preußischen Wahlrechts spekulieren die Nationalliberalen, die der Sozialdemokratie gern einen neuen Liebesdienst erweisen möchten, auf die Mitwirkung de» Zentrums. Wie aber au§ der Zentrumspresse hervorgeht, besteht in dieser Partei keinerlei Absicht, zu einer Wahlrechtsreform die Hand zu bieten. Die »Korrespondenz für Zentrums» blätter" schreibt zu dieser Frage:
„Nach dem Dresdener Parteitage und dem geradezu flegelhaften Verhalten der Sozial» demokraten bei den Wah.en hat jetzt bis weit in die reformfreundlichen Kreise die Tendenz Platz gegriffen: Nun gerade nicht! Es darf nichts preisgegeben werden, was noch als Wehr» mittel gegen die freche Sozialdemokratie irgend» wie zu verwerten ist!" . . . „Bei dieser Sachlage erscheint eS uns gerade im Interesse einet guten Reform zu liegen, daß die heikle Frag« nicht eher angeschnitten wird, als bis eine ge- wisse Grundlage für eine Verständigung aller gesetzgebenden Faktoren gefunden oder wenigsten» in bestimmte Aussicht gerückt ist. Wer darauf drängt, daß jetzt sofort mit dem Kopf gegen
ich'S, wenn es mir Spaß machte. Aber es ist da» Rechte nicht," setzte sie ernster hinzu. „Sieh mal,. Sinne, die da lernen, das sind Backfische, halb« wüchsige kleine Mädel, die nur Unterricht nehmen, weil es mal zum guten Ton gehört. Englisch und Französisch plappern zu können. Und d i e Auf« gäbe reizt mich nicht."
„DaS kann ich mit ja denken," gab Anne zu. „Aber olle sind das doch nicht. Wie ist eS denn mit Deinem Russisch? Du singst gerade damit an, als wir uns zuletzt sahen."
„O, daS habe ich an der Quelle weitersiudiert. Ich war mit meinem Manne einige Monate in Petersburg. Ebenso Italienisch. Unsere Rom«, reife habe ich ausgenutzt."
„Und das soll nun alleS so liegen bleibe« f, Wo es Dich nach Arbeit verlangt! Sei nicht töricht! Du brauchst ja keine Backfische zu unterrichten, Liebste. Ach Du, es gicbt noch so viele andere — Unbemittelte, die brennend gern lernen möchten und nicht können, weil das Geld ihnen fehlt. Denen gieb Unterricht. Du kannst es ja ohne Honorar tun, Du Reichel Und da hast Du bann eine Tätigkeit und ein weites Feld für dieselbe. Wie viel Du fördern kannst, denke bloß! Und wie Dich das beglücken wird!"
Die kleine Anne war ordentlich begeistert. Hadwig hatte die Hände unterm Kinn gefaltet und sagte nichts. Aber in ihr arbeitete es mächtig — daS sah Anne wohl und verstand es auch. Darum störte sie die Freundin nicht, sondern überließ fi- ruhig den eigenen Gedanken.
- - " ' '(Fortsetzung folgt.)