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Marburg
Freitage 4. Dezember 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, UnwersttLtr-Buchdruckerek
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
88. Jahrg.
Der neue Reichstag.
Am heutigen Donnerstag erfolgt die feierliche Eröffnung der neuen Legislaturperiode. Da der letzte Reichstag am 6. Dezember 1898 zusammengetreten war, glaubte man verschiedentlich, daß der neue nicht früher eröffnet werden dürfe, weil erst mit diesem Tage, genau genommen, die fünf Jahre abgelaufen seren. Diese buchstabenmäßige Auffaffung der Ver- faffungSbestimmung blieb jedoch mit Recht nnbe- Achtet, und so wurde der Zusammentritt auf den 3. Dezember festgesetzt.
Die Parteien werden in dem neuen Reichstag in folgender Stärke vertreten sein: 52 Mit- Sliebet der konservativen Partei und 19 der )t engverwandten Reichspartei, 104 vom Zentrum einschließlich der 4 Welfen, die Hospitanten find, 50 Nationalliberale, 10 Mitglieder der freisinnigen Vereinigung, zu welcher auch der Abgeordnete von Gerlach gehört, 21 der freisinnigen Volkspartei und 6 der deutschen Volkspartei, 11 Antisemiten, 3 Mitglieder deS Bundes der Landwirte und 3 deS bayerischen Bauernbundes, 81 Sozialdemokraten, 3 Welfen, 16 Polen, 10 Elsaß - Lothringen, von denen mehrere nach rechts neigen und 1 Däne. Keiner Partei haben sich angeschlvffen 6 den Konservativen nahestehende Mitglieder, darunter auch Fürst Herbert Bismarck, sowie ein Liberaler. DaS konservative Element ist, abgesehen von dein Zentrum, durch die beiden konservativen Parteien und die verschiedenen ihnen nahestehenden Abgeordneten der kleineren Fraktionen annähernd durch ein Drittel der Gesamtzahl vertreten. Präsident deS neuen Reichstages wird höchstwahrscheinlich wieder Graf Ballestrem werden, der sich bisher auf diesem schwierigen Posten durchaus bewährt hat, sodaß gar keine Veranlassung zu einer Veränderung vorliegt. Den ersten Vizepräsidenten wird wie bisher die konservative Partei stellen, voraussichtlich wieder in der Person deS Grafen Stolberg-Wernigerode. Den Posten deS zweiten Vizepräsidenten wird man den Nationalliberalen überlaffen, die hoffentlich einen Herrn vom rechten Flügel ihrer Partei dafür präsentieren werden. Daß ein Sozialdemokrat zweiter Vizepräsident werden könnte, selbst wenn diese Partei einen „Genossen' vorschlüge, ist eine ganz undiskutierbare Frage. liebet die nächsten an den Reichstag herantretenden Aufgaben verlautet: Die Zahl der Interpellationen, die eS von vornherein regnet, ist ungemein groß. Vielleicht kann dadurch die erste Lesung deS Etats entlastet werden. Vor Weihnachten bleibt nach der ersten Lesung deS Reichshaushaltsvoranschlags schwerlich Zeit zu weiterem, als zur Erledigung .bet Vorlage wegen des englischen HandelS- proviforiumS und vielleicht der einen oder anderen Interpellation. Zu bett Vorlagen, die
5 Machdruck verboten.»
Frau Hadwig.
Eine Strandgeschichte von Ella Lindner, ^ortsepuna.»
Sie warS zufrieden. Und fo rollten sie denn im leichten Einspänner an den Wallanlagen vorüber nach dem Hafen, über die Brücken und endlich am Osterdeich entlang nach dem Dobben und wie die Straßen alle heißen mögen, wo blumen- gcschmückte Balkons und Veranden die kleinen, vornehmen Häuser schmücken und blaues Cle- niatisgerank bis hoch unter das Dach hinauf- klettert und die großen Blüten sich leicht und lose im Winde schaukeln. Bremen ist eine gar stolz.' Schöne, die es aber auch versteht, sich anmutig zu schmücken. Hadwig todr entzückt von dem üppigen Blütenreichtum. Den hatte sie nicht erhärtet, und laut äußerte sie ihre Verwunderung.
„Ja," antwortete Jiirke Allmers, „nian meint für gewöhnlich wohl, daß Bretnens Kaufleute durchweg nüchterne Menscheit seien. Da sehen Sie aber nun, löte unrecht man uns tut. Beweist diese Bluinensulle nicht, daß auch wir Sinit haben fiir^des Lebens zierliche Freuden?"
Sie nickte nur. Es war so wonnig, still im Wagen sitzen und ohne jede Anstrengung das Schöne genießen dürfen. Aber ein Haus, dessen flaches Dach auf weißen Marmorsäulen ruhte, entlockte ihr doch einen lauten Jubekruf. Ein Teppich leuchtendroter Geranien breitete sich vor der doppelten Freitreppe über den grünen Rasen. Tas war etwas für Hadwig.
„O sehen Sie doch! Wie entzückend! Hier müssen fröhliche und glückliche Menschen wohnen!" „Warums" Ein sonderbares Lächeln umspielte seinen bärtigen Mund.
„Warum? Aber wo doch Geranien blühen! L.'.cke Eeranieu! Die ivirb sich doch im ganzen Leben lein Huvochouder jo dicht vor die Augen
dem Reichstage in seiner ersten Tagung in der neuen Legislaturperiode bestimmt zugehen, gehören daS MilitärpersionSgesetz, das Gesetz wegen der kaufmännischen Arbeitsgerichte, daS Automobil-Polizei-Gesetz und der Entwurf wegen Entschädigung unschuldig Verhafteter. Ob von den neuen Handelsverträgen einer wird vorgelegt werden können, ist einstweilen noch nicht abzusehen. Von dem schweizerischen wird es für möglich gehalten. Der Gesetzentwurf über den Versicherungsvertrag wird dem Reichstag in der ersten Tagung schwerlich noch zugehen können, da er vor Ende Januar kaum an den BundeSrat gelangt und dieser einige Zeit mit der Beratung zubringen wird. Der Umfang der Geschäfte ist also noch ziemlich unbestimmt und über viele Fragen herrscht noch völlige Ungewißheit. Eine neue Militärvorlage ist vorderhand noch nicht in Aussicht genommen, da daS Quinqaennat provisorisch verlängert werden soll. Auch der Nachtrag zur Flottenvorlage steht für die kommende Session noch nicht zu erwarten. In den weitesten Kreisen herrscht jedoch Uebereinstimmung, daß die Frage der zweijährigen Dienstzeit möglichst bald ihre endgültige Erörterung und Entscheidung finde. Wenn man zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Einführung der zweijährigen Dienstzeit der Erhaltung unserer Wehrkraft auf ihrer höchsten Höhe nicht förderlich ist und daß dementsprechend zur dreijährigen Dienstzeit zurückgekehrt werden müsse, so dürfte eS keinem Zweifel unterliegen, daß dies je eher je besser zu geschehen hätte. Mit Genugtuung ist zu begrüßen, daß die Regierung sich diesmal die Aufbesserung der Oberstleutnantsgehälter ernstlich angelegen sein lassen wird. Der ReichShauShaltSetat für 1904, der bereits in allen Teilen bekannt ist, gewährt ein etwas erfreulicheres Bild tote bet vorjährige und übersteigt auch bei einer Gesamtsumme von 2460 Millionen den letzteren nur um etwas über 43 Millionen. Wie sich der Reichstag bei der Durchberatung dazu stellen wird, bleibt abzuwarten. An den ge- wohnten Anfechtungen seitens der Sozialdemokraten und ihrer linksliberalen Gefolgschaft wird eS nicht fehlen, weder hier, noch bei sonstigen Fragen. Ueberhaupt werden die 81 auS dem Klosett hervorgegagenen Sozialdemokraten allein schon den Mund voll nehmen und vielleicht noch schlimmere Auftritte herbeiführen, wie jetzt gerade vor einem Jahr im Dezember 1902. Jedenfalls werden sie die rechtsstehenden Parteien entschlossen finden, etwaigen lieber« griffen unnachsichtlich entgegenzutreten, und hoffentlich wird ein derartiges neues Aufspielen der „Genossen' auch bei den anderen regierungsfreundlichen Parteien die Wirkung haben, daß sie geschlossen den Kampf gegen die revolutionäre Partei und ihren heimlichen Anhang aufnehmen.
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pflanzen! Wie das glüht! Geranien sind ftir mich die verkörperte Lebensfreude."
Ihr Eifer belustigte ihn. „Die Blumen sagen aber wirklich nichts, gnädige Frau. Bon denen dürfen Sie nicht auf die Bewohner schließen. Vielleicht haben diese nicht das mindeste damit zu tun. Das kann alles der Gärtner so gemacht haben."
„Ach!" sie war enttäuscht. „Nun nehmen Sie mir die ganze Freude."
Das tut mir aufrichtig leid. Aber ich begreife eigentlich nicht, weshalb Sie gerade dem Hause so viel Interesse schenken. Der roten Geranien wegen? Lieber Gott!"
„Nein — das heißt — ich weiß fast selber nicht, warum," gestand sie zögernd. „Haben Sie noch nicht geftmden, daß es Häuser giebt, die toi? ein Menschenantlitz sind? Man braucht sie nur einmal zu sehen und kann sie daun nicht wieder vergessen. Sie haben so etwas ganz Person- liches aii sich — nichts vom Durchschnitt —"
„Danke sehr!" sprach Jiirke AllmerS vergnügt.
„Es ist nämlich mein HauS — Ekkehards Klaus-, wenn Sie wollen."
Hadwig biß sich aus die Lippen und wendete den Kops nach der anderen Seite. „So —" antwortete sie obenhin.
Er war überzeugt, daß sie keines von all den Worten gebraucht haben würde, hätte sie eine Ahnung von des Besitzers Namen gehabt. So weit kannte er sie nun schon. Aber natürlich freute es ihn, was sie da über sein Heim gesagt.
Am Nachmittag reiste sie weiter. Er begleitete sie selbstverständlich nach dem Bahnhöfe, und als er ihre Sachen — sie reifte nur mit dem allerwenigsten Handgepäck — im Kupee untergebracht hatte und sie dann langsam aus dem Bahnsteig hm und her wandelten, stellte er fest, daß die paar Stunde» geradezu gesetzwidrig schnell verflossen seien.
Umschau.
Deutscher Reichspostdienst nach Afrika.
Im Fahrplan der deutschen Reichspostdampfer der afrikanischen Linien treten 1904 einige bedeutsame Aenderungen ein. Die beiden Hauptlinien der Deutschen Ostafrika-Linie, die ganz Afrika von Osten und Westen herum fahren, verzichten fortan auf das Anlaufen Lissabons und erreichen damit eine benlerkenstoerte Abkürzung ihrerFahrtdauer, die speziell nach den südafrikanischen Häfen im Wettbewerb mit den englischen Linien von Bedeutung ist. Dagegen werden die Reichspostdampfer der nach Ostafrika gehenden Zwischenlinie Lissabon anlaufen, wofür diese den bisherigen Anlaufhafen Tanger in Marokko aufgeben. Die Westlinie wird außerdem anstatt Amsterdam im Jahre 1904 Rotterdam anlaufen.
Die Reisenden der östlichen Zwischenlinie finden durch Dampfer der Bombay-Zanzibar-Fahrt der Ostafrika-Linie Anschluß nach Beira, Delagoa- Bay und Durban, so daß auch nach diesen Häsen eine 14tägige deutsche Verbindung besteht. Ebenso soll eine solche nach Kapstadt geschaffen werden, indem außer der westlichen Hauptlinie versuchsweise eine vierwöchige Fracht- und Passagierlinie über die Kanarischen Inseln nach dem Kaplande eingerichtet wird.
D i e An st ellungs Verhältnisse der I u r i ft e n
weisen hinsichtlich der einzelnen Oberlandesgerichtsbezirke große Verschiedenheiten auf. An erster Stelle steht Marienwerder mit einem Durch- schnittdienstalter von 3 Jahren 91/2 Monaten; dann folgen Breslau (3, 11), Posen (3, HVl). Königsberg (4), Stettin (4, J575), Kiel (5, 1%), Hamm (5, 51/3), Kassel (5, 8%), Celle (5, ll‘/p), Kammeraericht (6, 7%), Naumburg (6, 10). Köln (7. 3), Frankfurt (7, 11). Die Verhältnisse sind also im Osten der Monarchie bedeutend günstiger als im Westen. In Köln und Frankfurt ist das Anftellungsdienstalter noch einmal so hoch wie in Marienwerder, Breslau und Posen. In einem Aussatz der „Preuß. Jahrbücher" wird berechnet, wie in den letzten drei Jahren die Zahl der Richter und Staatsanwälte um 51/2 Prozent, die der Rechtsanwälte um 9. die der Assessoren um 17% und die der Referendare um rund 25 Prozent gestiegen ist. Von einem Zurückbleiben der Produktion im letzten Jahre betrifft, so wurden in der Zeit vom 1. August 1902 bis dahin 1903 686 Referendare zu Assessoren ernannt, während nur 600 ans der Reihe der Assessoren durch Anstellung (262), U ebergang zur Rechtsanwaltschaft (228) ober in andere Verwaltungen ausschieden, so daß ein Ueberschuß von 86 verblieb. Die Zahl der Studierenden der Rechtswissenschaft ist noch stetig im Zunehmen begriffen. Sie betrug im Sommersemester 1901 an den deutschen Universitäten ca. 10 290, 1902 stieg sie auf 10 926 und in diesem Sommer auf ea. 11 450. Trotzdem die Zahl der älteren Assesso- ren nicht ganz so groß ist wie früher, sind doch die älteren Jahrgänge noch recht zahlreich ver
„„Und manchmal ist es, als hätte die Zeit Blei an den Füßen," entgegnete sie.
„Langweilt sich Frau Hadwig bisweilen auf dem Hohentwiel?"
„O, entsetzlich!" gab sie zu. „Darum bin ich doch fort. Und am meisten sind es die Menschen, welche uns das Leben verekeln."
„Ja. das ist nun so. Alles Schlimme — aber auch alles Gute kommt uns von den Menschen und durch die Menschen. Man muß sich eben gegenseitig ertragen lernen."
„Hoffentlich ist Ihnen das mit mir nicht gar zu schwer geworden," neckte sie, vor ihrem Wagm- abteil stehen bleibend und Jiirke die Hand zum Abschied reichend. Fest umschloß et die feinen Finger mit seiner Rechten.
„Ich möchte Ihnen darauf dieselbe Antwort geben, wie Ekkehard einst der Schwabensürstin, nachdem er sie über die Schwelle des Klosters getragen. Entsinnen Sie sich?"
„Nein —"
„Er sagte: Ihr dürft wohl von Euch behaupten, wie geschrieben steht: Mein Joch ist sanft und meine Bürde leicht."
Jiirke Allmers zog Frau HadwigS Hand an die Lippen und gab sie dann frei.
Hadwig war einigermaßen verwirrt und froh, daß der mit einer schwarzgekleideten Dame her- zutretende Schaffner sie einer Antwort überhob.
„„Da ist noch Platz." Der Beamte warf einen flüchtigen Blick in das Coupti. „In Sand? um- steigen."
Die Fremd? neigte besahend das Haupt.
„Das ist — wer ist das nur?" Hadwig schaute ihr sinnend nach. Da fom tbr plötzltcb vaS Erkennen.
„Änne! Anne Cömtzl"
Das Mädchen, welches unt Den Gepäck Le« fchäftigt war. wandte sich ihr zu. «in fnrudst.ee Rot färbte die blassen Wangen.
treten. Von dm am 1. August d. I. vorhandenen 2065 Assessoren befanden sich 305 im 1. Dienstjahre, 552 im 2., 405 im 3. 317 im 4., 2212 im 5., 116 im 6., 66 im 7., 35 im 8., 30 im 9., 11 im 10., 6 im 11, 8 im 12., und je 1 tm 13. und 16. Dienstjahre. Daß die Zahl der im L Dienstsahre befindlichen Assessoren kleiner ist als die des 2. Jahrganges, erklärt sich zum großen Teil aus der Vorpatentierung, welche den Assessoren, die erst als Referendare ihrer militärischen Dienstpflicht genügt haben, zuteil wird.
Deutsches Reich
Berit«, 3. Dezember.
— Seine Majestät der Kaiser erfreut sich fortgesetzt des besten Wohlseins. Er unternimmt täglich mit Ihrer Majestät der Kaiserin Spaziergänge im Park von Sanssouci. Am Mittwoch hörte der Kaiser verschiedene Vorträge, darunter den deS Chefs des Zivilkabinetts und des Finanz- Minister von Rheinbaben. Für den Neubau der „Heimat" des Kieler Ortsvereins der Freundinnen junger Mädchen bewilligte der Kaiser einen Beitrag von 2500 Mark.
— Die Großherzogin Louise von Baden, die einzige Tochter Kaiser Wilhelm I., die am 3. Dez. 1838 in Berlin geboren ist, vollendet am heutigen Donnerstag ihr 65. Lebensiabr.
— Der Bundesrat hat beschlossen, von einer Neuregelung der Vorschriften über die Fleischeinfuhr, wie sie für die Zeit nach dem 31. Dez. 1903 vorgesehen ist, Abstaud zu nehmen, da das Gesetz erst kurze Zeit in Kraft fei und es nicht angezeigt erscheine, es schon jetzt zu ändern. Dem Reichstage wird eine entsprechende Vorlage zugehen.
— Die Einführung der Reichtseinkommensteuek bedeute einen Eingriff in die Rechte der Gingel- staaten, darüber seien alle Bundesregierungen einig, so erklärte der sächsische Finanzminister Dr. Rüger in der zweiten sächsischen Kammer. Er sagte damit nichts neues, die Einführung direkter Reichssteuern hat schon immer als ausgeschlossen gegolten.
— In Hessen hat man einen Ausweg gefunden um schon vor der ersehnten Reichsfinanzreform die Landesfinanzen vor Erschütterungen durch die Ansprüche des Reichs an die Staatskasse zu bewahren. Wie der „Berl. Zig." aus Darmstadt gemeldet wird, ist der Zweiten Kammer des Grotz- herzogtums ein Gesetzentwurf zur Bildung eines Ausgleichsfonds zugeganaen. in dem es heißt: AuS den Anteilen des Großherzoatums am lieber- schuß der hessisch-preußischen Eisenbahngemein- schaftsverwaltung und der hessisch-tbüringischen Staatslotterie ist ein Ausgleichsfonds zu dem Zwecke zu bilden, den Staatshaushalt von den Schwankungen der Ueberschiisse bei der Eisenbahn- unb Lotterieverwaltung sowie der Leistungen an das Reich möglichst unabhängig zu machen.
— Der von der bayerischen Abaeordneten- kammer angenommene Antraa. jeden Soldaten- mißhandler aus dem Heere zu entfernen, findet in der Kammer der Reichsräte kein Echo, vielmehr wird vorgeschlagen, über ihn zur Taaesordnung
„Ja, ich Bin'3 — guten Tag, Hadwig!" Sil ergriff die Hand, die sich ihr lebhaft entgegen, streckte.
„Die Anne! Solch ein Zufall! Du hattest mich wohl gar nicht erkannt?"
„O doch — ich wußte nur nicht, ob Du — wir haben uns so lange nicht gesehen und — es hat sich inzwischen so vieles geändert."
„Aber unsere Freundschaft ist doch die alte geblieben! Du — wo hast Du nur gesteckt in der letzten Zeit? Du warst ja wie vom Erdboden verschwunden. Das erzählst Du mir nachher, nicht wahr? Wohin willst Du denn?"
„An die See — nach Langeoog."
„Nein?! Ich dock, mich! Ist das herrlich! Mein altes Anning! Solch ein Zusammentreffen!"
Sie batte in der Wiedersehensfrende Jiirke Allmers beinahe vergessen. Jetzt erinnerte sie sich seiner wieder.
„Verzeihen Sie — aber ich bin so glücklich! Sie ist meine Pensionsfreundin —"
Der Schaffner kam und mahnte zum Entsteigen.
„Adieu denn und vielen Dank!"
„Adieu, gnädige Frau!"
Die Tür fiel krachend ins Schloß, Hadwif ließ das Fenster herab.
„Ich werde Ihr Bremen nie vergessen."
„Und Sie werden babei auch Ekkehards gedenken?"
„Ich will's versuchen." Sie lächelte schalkhaft,
Er bedauerte, daß sie nun so „namenlos" auseinandergingen. Er hätte zu gern gewußt, wer sie war.
„Ach, es kann Ihnen doch wirklich gleich fein, wie ich im Alltag beiße." wehrte sie.
„Es ist mir aber nicht gleich. Und daß mm j »er schöne Traum aus und vorbei sein soll! Fra» । Hadwigs Besuch im Kloster zu St. Gallen erlebte' eine Fortsetzung.». (Forts, folgt.) -•