Erstes Blatt
über den freien Platz, uni grossen, entzückten Auge«
O! Da ist dies das Rat»
Invalidenversicherung.
In diesem Monat vollzieht sich ein be- merkenswerter Akt im staatlichen Versicherungswesen. Hat es sich nicht schon ereignet, so ereignet es sich demnächst, daß die erste Million an bewilligten Invalidenrenten voll wird. Man wird sich erinnern, daß daS letzte der großen Versicherungsgesetze zuerst die Bezeichnung „Alters- und Jnvalidenversickerungsgesetz" trug. Man hat die Bezeichnung später mit Recht in „Jnvalidenver-
tag nicht vergessen — brrr!" Sie schüttelte sich in nachträglichem Entsetzen.
„Sehen Sie Wohl? Wer bat nun recht? Sie müssen jetzt durchaus eine Stärkung zu sich neb' men. Da drüben ist der Ratskeller —"
„Derselbe, den Hauff —"
„Derselbe. Will Frau Hadwig erlauben, daß Ekkebard ihr dort den Willkommentrunk kredenzt?
Sekundenlang zögerte sie. Aber von all dem Wandern und Schauen war üe wirklich müde und dürftig geworden, und so willigte sic ein.
Umschau.
Der ReichShauShalt«etatSentwurf für 1904 liegt nun auch in seinen Endzahlen vor. Er weist insofern eine Veränderung gegen den Etat für 1903 auf, als der Zuschuß zur Deckung der ordentlichen Ausgaben mch 721 sondern 59,5, also 12,6 Millionen Mar! weniger beträgt, wobei er allerdings au8 der Anleihe gedeckt werden soll. Der Zuschuß konnte aus dem Etat nicht beseitigt werden, weil die laufenden Einahmen allein zur Deckung der ordentlichen Ausgaben nicht auSreichen. Die letzteren haben sogar eine Steigerung gegen 1903 erfahren müssen. Zwar konnten die einmaligen ordentlichen Ausgaben um 45,4 Millionen verringert werden, die fortdauernden weisen aber eine Steigerung um 59,8 Millionen Mk. auf, sodaß immer noch gegen bd8 Vorjahr ein Mehr von 14,4 Millionen Mark zu verzeichnen ist. Die« Ergebnis ist erzielt, obschon die Einzelstaaten genau so zu den Lasten des Reiches herangezogen werden sollen, wie in den beiden Vorjahren. Die Ueberweisungen haben zwar eine Erhöhung erfahrren, eine dementsprechende aber auch die Matrikularbeiträge, sodaß wieder die Spannung zwischen beiden, die den Einzelstaaten zur Last fällt, nahezu 24 Millionen Mark auSmacht. Der außerordentliche Etat weist ein Mehr von 29,3 Millionen Mark auf. Die Anleihe ist auf 214,7 Millionen festgesetzt.
Genosse Singer als „Wohnungsreformer/ .
Die „Halle'sche Zeitung" berichtet folgendes: »Tn einer sozialdemokratischen Versammlung erscheint Singer etwas später als die andern. Es wird ibm gesagt, daß die Versammlung angefangen habe zu beraten, auf welche Weise den Arbeitern bessere Wohnungen zu schaffen seien. Darauf erwidert Singer: , Es fällt mir nicht ein, dem Arbeiter eine besondere Wurst zu braten. Denn wenn er eine besser« Wohnunghat, soist er zufrieden, und wenn er zufrieden ist, so ist er für unsere Zwecke nicht zu haben."
Das ist der bekannte Standpunkt der Sozialdemokratie; Singer hat also nichts neues gesagt. Daß er aber wieder einmal festgestellt hat, wie die sozialdemokratische Partei eS darauf anlegt, die Arbeiter in Unzufriedenheit zu erhalten, ist recht dankenswert.
stcherungsgesetz" umgeändert, denn dir damit be< zeichnete Versicherungsart ist jetzt schon bei weitem dre bedeutendere geworden und wird es spätes noch mehr werden. Am 1. Januar 1904 wird daS Gesetz 13 Jahre in Kraft sein. In noch nicht dem gleichen Zeiträume hat eine Million Deutsches aufgrund des Gesetzes Invalidenrente erhalten^ Altersrente wurde nahezu an die Hälfte gezahlt sodaß insgesamt in der genannten Zeitspanne etw Wa Millionen Deutscher aufgrund des letzten det, großen Versicherungsgesetze Renten erhielten, Herr Bebel bemüht sich, seiner Anhängerschaft den Glauben beizubringen, daß die Gesetze iit Deutschland und in den Einzelstaaten bloß für die Reichen gemacht seien. Hoffentlich unterschlägt er das nächste Mal, wenn er über das gleiche Thema redet, nicht die obigen Zahlen; dann könnten seine Zuhörer ja sofort die Wahrheitsliebe dieses Weltverbesserers int richtigen Lichte sehen«
„Der Schüttling, das alte Gildehau? der Kauk- lente —"
„Minder-, wundervoll! Sinnverwirrend beinahe ist das alles!" Sie drückte die Hände lest zusammen. Er batte schon bemerkt, daß sie dies stets tat, wenn sie freudig erregt war. „Einzig schön! Man kann es fast nicht ertraaen — ft Diel Schönheit auf einmal! Und das ist der Ro- land?" Sie blieb vor dem steinernen Helden tehen. „Guten Tag, Du! Ich kenne Dich dochl Dein Freund Hauff hat mir von Dir erzählt^ Ich soll Dich grüßen!" Sie nickte ihm vertraue sich zu.
Und dann faßet: sie in dem alten Ratskelle« hinter einem mächsigen Faß in dämmerdunkle« Ecke, und vor ihnen duftete in hoben Römern bet goldene Wein. Jürke Allmers hob sein Glas)
„Ekkehard trinkt auf das Wohl seiner Herrtnf Frau Hadwig, Herzogin in Schwaben, sie lebet*
Sie gingen quer Hadwig blickte mit um sich.
„Ist das schön! hauS?"
Ec bejahte.
„Und dort?"
Deutsches Reich
Berlin, 2. Dezember.
— Seine Majestät der Kaiser hörte am Dienstag Militär- und Marinevortrage.
— Eingedenk alter Ueberlieferungcn hat bet Großherzog von Weimar den Antrag auf Niederlegung der Gartenmauer des Goethe-Hauses in Weimar abschlägig beschieden.
— Der Kaiserliche Botsckofter bei den Vereinigten Staaten von Amerika, Frbr. Speck von Sternburg hat gestern die Rückreise nach New- Pork anaetreten.
— Die Thronrede, die bei der am Donnerstag Mittag um 12 Uhr erfolgenden Reickstaoseröff- nung wahrscheinlich vom Reichskanzler Grafen von Bülow verlesen wird, dürfte naturaemäß nickt) Neues. bringen. Marine- und Mili^ä>-uorlagen sind nicht zu erwarten; otis den amtlichen Mit- teilungen über die bezüglichen Etatsentwürfe ist auch eine Befriedigung festzustellen gewesen, daß sich die Anforderungen für Heer nnb Morine im Wesentlichen auf der vorjährigen Höbe holten, die kleinen tatsächlichen Steigerungen fallen in keiner Weise.ins Gewicht. Aus diesem Grunde stehl auch die Ankündigung neuer Steuervorlageit nicht' bevor. Alles, was bisher von der Erhöhung b?t Tabak- und Niersteuer behauptet worden ist, ist durch die Ereignisse widerlegt worden. Da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß der eine oder der andere der Handelsverträoc dem Netcks. tage noch in der bevorstehenden Session zuoeht, so ist diese mit anderweitigem gesetzgeberischem Material nur wenig belastet worden. Gesetzentwürfe, die irgendwie geeignet wären, die Gemü- ter zu erregen, sind überbauvt nickt zu erwarten und werden daher auch in der Thronrede nicht angekündigt werden. Was in dieser aber aller Nvraussicht nach bervorgehoben werden wird do? ist die zwar langsame, aber unverkennbare Besserung der wirtschaftlichen Gesamtlaaet es ist auch anzunehmen, daß diese erfreuliche Erscheinung aus den befriedigenden Stand der Handelsvertraos. Verhandlungen zurückgeführt werden wird. Dir Novelle zum Börsengesetz enthält keine Bestimmungen, die als eine vrinzivielle Abwendung '-n« der bestehenden Gesetzgebung angesehen werde« konnten. Wenn d»e Tbronred? eine Barso.-,,- '"he*
zulaufen? Sie halte das dunkle Gefühl, daß man dies durchaus nicht schicklich finden würde. Aber der Gedanke an die philisterhaften Emvörungs- sckreie daheim quälte sie gar nicht. Im Gegen- teil. Und wer batte denn ihr auch etwas zu verbieten? Niemand! Sie konnte tun und lassen, was ihr beliebte. Keinem war sie Reckenschaste schuldig. Die, welche über sie zu Gericht saßen, batten nickt das mindeste Recht dazu. Aber sie taten eS dennoch. Und deshalb war sie fortgegangen von Hause, fort ans der qualvollen Enge und aus dem kleinlichen Alltag. Sie wollte wieder einmal frei atmen — frei — ganz frjt —
beinahe hätte sie es lauf herausgejubelt. Nun streifte sie ihren Begleiter mit einem erschrockenen Seitenblick. Wenn er etwas gemerkt hätte! Aber >zurke Allmers war mit feinen innerlichen Betrachtungen auch just zu Ende, und seine Blicke waren auch eben unterwegs zu der siebsichen Fran, und so kaum es denn, daß sie sich gegenseisig trafen. und da lachten sie denn, fröhlich wie zwei gute Kameraden.
Sie standen vor dem Teichmannbrunnen, Mai- sons prächtigem Werk, und er erklärte ihr di- einzelnen Figuren. Da war das Seeungetüm, welches die Welle verkörpert, die das Schiff über den Felten trägt, dann dec grimmige Hai und das verftchreriscke Nirlein, das sich an die Planken klammert — die Gefahren des Schiffer-? bedeutend.
. „Unb bet Jüngling am Bug?" fragte Hab- tmg. „x-ft er das Sinnbild des Friedens, der int gnten winkt? Er tragt einen Oelzweig in be-1 Rechten —"
„Ja —"
, . "Swt Hafen geht es aber auch nicht immer frtedsich zu," meinte sie im Weiterwandern.
„Haben Sie selbst schon die Erfahrung gemacht f
fanler die Sozialdemokratie im Anschluß an dis große antimonorckische Brandrede Bebels aufforderte, auf den Boden der Loyalität und Vernunft zu treten, als der Stellvertreter des Reichskanzlers die sozialdemokratische Partei als Ver- trettmg der Arbeiterschaft anerkannte und sich bereit erklärte, zu den sozialdemokratischen Ge- I werkschgftskongressen offizielle Vertreter der Zen- I tralbebörden zu entsenden — da konnte man viel- I leicht anuebmen, in leitenden Kreisen sei man I durch die liberalen Mausertmasillusionen befan- I gou. Nach dem Dresdener Kongreß und nach der seitdem von der Sozialdemokratie offen ein» genommenen staatsfeindlichen Haltung ist ein Irrtum über die Gemeingefahr dieser Partei völlig ausgeschlossen. Die Frage ist also heute ebenso berechtigt wie aktuell, was nun noch die Regierung abhalte, eine klare Stellung gegenüber der Sozialdemokratie einzunehmen.
Es gilt das Staatswohl, es gilt das Wohl der Monarchie! Die Erwägung, ob es der Negierung auch nach den Wahlen noch möglich fein merbe, dank der ihr wie früher zu Gebote stehenden parlamentarischen Mehrheiten die wesentlichsten Aufgaben zu erfüllen, spielt heute ein untergeordnete Nolle. An die Tor- der Monarchie pocht der Republikanismus, und dieser wird bewußt und unbewußt unterstützt durch boshafte oder eitle und kurzsichtige Persönlichkeiten, die ihre Pslickt verkennen. Will man leugnen, daß derartige Unternehmungen gefördert werden durch i>ie. absolute Gleichgiltigkeit der Regieriistg dem sozialdemokratischen Anstttrut gegenüber?
In Blättern, die der Regierung nabestehen, wird den politischen Parteien, wird der Bevölkerung in§_ Gewissen gesprochen, daß sie sich zusani- mensckließen sollen zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Bei den preußischen Landtagswahlen ist dies in erfreulicher Weise geschehen. Will sich nun die Regierung damit zufrieden geben? Will sie etwa gar, um die ihr anscheinend so unentbehrliche „Dolksgunst" zu gewinnen, den Wünschen nach Abänderung des preußischen Wahlrechts zu Gunsten der Sozialdemokratie nachkommen? Der Mut der Kaltblütigkeit, der jetzt augenscheinlich die leitenden Kreise wieder einmal beherrscht, ist an sich zwar ein? ganz schöne Sache; aber es ist doch sehr geraten, sich die Verantwortung dabei vor Auaen zu halten und.sich zu fragen, ob dies? Kaltblütigkeit, die dem persönlichen Empfinden entsprechen mag. auch der Staatsraison und dem Wohle der Monarchie entspricht.
Wmn Bebel erklärt, die sozialdemokratische Parteileitung lasse sich ihre Haltung durch die großen Massen vorschreiben, so ist das zwar nicht einmal wabr, ober diese Aeußerunq ist verständlich; denn der Einfluß der Sozialdemokrasie beruht auf der erst von ihr selbst erzeugten unzu- fried-nen und mißtrauischen Stimmung dieser Massen.. Wenn ober die Reichs- und Staats- leitung ihre Politik der Stimmung der Massen anpaßt, so ist das ein ungeheurer Fehler. Selbst Cavrivi bat einmal erklärt, auch gegen den Strom schwimmen zu können, und es ist in der Tat nicht die Aufgabe der Regierung, sich vom Strom tragen, von der Masse sich leiten zu lassen, sondern die Führung zu übernehmen und die wachgerufenen schlechten Instinkte großer Volksschichten zu bannen.
mit dem Kreisblati für dre Kreise Marburg und Kirchhain.
SonntagsVeilager JAustrirtes Sonntagsblatt.
Führerlos?
In gewiffer Beziehung kann der überzeugte und nickt nur mit dem Verstände sondern mit seinem ganzen Herzen an der Monarchie hängende Royalist über bi? heutigen Zustände in den deutschen Landen hohe Genugtuung empfinden. Denn in höherem Maße hat sich die Festigkeit der Monarchie feiten erwiesen als.in den heutigen Tonen. Der Ansturm der Republikaner, die offen an den Thronen rütteln und dabei von immer zahlreicher sich findenden unbekannten Anhängern durch geheimnisvoll abgegebene Stimmzettel unterstützt werden, ist heftiger als jemals zuvor. Die Zu- tungeu der Umstürzler verkündigen mit einer bis- her unbekannten Dreistigkeit die Nähe des Ent- scheidungskampfes und fordern zur Rüstung auf. Tie Regierung ober läßt die Dinge gehen und fühlt sich im Schotten der, durch die ihr innewohnende Kraft mächtigen Monarchie geborgen. Welch ein Beweis von der Unerschüfterlichkeit'bes rocher do broncel
Professoren der deutschen Hochschulen, auf de- neu die künftigen Staatsdiener der Monarchien ausgebildet werden, ja in denen Kaiser- und Für- sten-Söhne die wissenschaftlichen Grundlagen erhalten, wenden den republikanischen Gewalten ihre Gunst zu und sind mit Wort und Tat benuckt, der Bevölkerung die Meinung beizubringen, die Umsturzvarfei sei in der Monarchie gleichberechtigt. Sie.erbeben ihre Stimmen, um den Antvruck der Sozialdemokratie auf eine Vertretung in einem Landtage festzustellen, dessen Wählerschaft in ihrer königstreuen Gesinnung die Fernhaltung dieser. staatszerstörenden Partei dokumentiert. Und ein Universitälskurator tritt im Beifein des Zweitältesten SobneS unseres Kaisers auf, um den Professoren Direktiven zu geben, daß sie — ruckst die Sozialdemokraten, sondern die von di?- stm wahrlich genug geschmähten Unternehmer sich aufs Koru nehmen sollen. Wahrlich, eine Monarchie, die dergleichen zu ertragen vermag, muß sestgegründet sein und unerschütterlich dastehen!
Aber so groß die Genugtuung der treuen Royalisten über diese Zeichen von Festigkeit der monarchischen Staats-Ordnung auch fein darf, so !N'vß ist auch die Sorg- darüber, daß diese Orb- niing den fortwährenden Unterwühlungen durch p/wne.und geheime Feinde, den unverständigen Hilfeleistungen, die der Sozialdemokratie von Persönlichkeiten und politischen Richtunaen ge- ivährt toerben, bereit Aufgabe es fein müßte. b°r Umsturzpartei entgegenzutreten und das Volk über die Gemeingefährlichkeit der Sozialdemokratie zu belehren, auf die Dauer nicht wider- stehen könnte.. In weiten Kreisen der Bevölkerung war schon bei.den Reichstagswahlen das Verlan- ,geu mit Ungestüm hervorgetreten, daß die Regierung sich im Kampfe gegen bi? Sozialdemokratie I oit die Spitze stellen solle. — Aber die Regierung I hüllte sich in Schweigen unb hat auch seither ihr I rätselhaftes Schweigen nicht burchbrochen. I
Als zu Anfang dieses JahreS der Reicks- I
„Lieber Gott — solchen Sturm im Wasier- glas! Wer hafte den nickt erlebt!"
Im Dom erzählte Jürke AllmerS ihr von WilhabuS, dem ersten Bremer Bischof, dessen Name so eng verbunden ist mit der Geschichte deS Domes. WilhaduS ist es ja, von dem die Uranfänge des Gotteshauses herrühren, darum auch zeigt der Wilbadibrunnen ihn mit dem Winkelmaß in der Hand.
„Möchten Sie auch den Bleikeller sehen?"
„O natürlich, alles will ich sehen —*
„Werden Sie auch nicht in Ohnmacht beim Anblick der Leichen fallen?"
Sie schüttelte den Kopf. „Unbesorgt, furcht- samer Jünger des heiligen Gallus! Frau Hab- wigs Nerven sind stark."
„Na, na —"
Sie runzelte die Stirn. „Man erlaubt sich, an meinen Worten zu zweifeln?"
„Nicht im geringsten," beeilte er sich zu ber- fimern und folgte mit Hadwig der mißmutigen Kustersfrau, die mit klirrendem Schlüsselbund voranschriff und in singendem Führerton di? leder- artigen Bewohner und Bewohnerinnen des Blei- kellers vorstellte.
„Die älteste Leiche ist 460 Jahre alt, die jüngst? nur 160. In diesem Keller verwest nichts, sondern die Luft trocknet die Gegenstände nur ein. Dwse Eigenschaft hat sich der Keller bis auf den heutigen Tag erhalten, wie man an den Tier- kabavern erkennen kann, die von Zeit zu Zeit hier aufgehängt werden. Diese Leiche — " die Frau tiPl'tc auf ein runzelbraun?s Etwas, das in einem dunklen Holzkasten lag — „ist die Leiche einer schwedischen Gräfin--"
„Brrr!" machte Hadwig, als sie wieder inS goldene Sonnenlicht binanstraten. „Den Anblick dwfer fchwedischen Gräsin werde ich all mein Leb
iNnchdruck Verboten.)
Frau Hadwig.
Eine Strandgeschichte von Ella Lindner.
Fortsetzung.!
’ .-So —" sie zupfte den Schleier des grauen Reisehütchens zurecht — „wollen wir nun gehen? Wohin werden Sie mich zuerst führen?"
„Ich denke nach dem Dom. Die Haupt- I ft-henswürdigkeiten liegen alle dicht dabei, Domhof Domshai.de, Markt — dort drängt sich ein gut Teil Schönheit zusammen."
Sie. war einverstanden, und so wanderten sic denn hinaus in den goldenen Sonnenschein, -iner neben dem anderen, sich fremd und dock fetff am vertraut, fast wie zwei Menschen, die sich schon immer gekannt haben, ober lange getrennt waren und sich endlich wieberfonben. Und nun liegt »s noch wie. eine heimliche Scheu über ihnen, sie Mochten sich gern rückhaltlos der Freude d-s Wie- Hersehens hingeben, und wagen es doch nicht. Aus all ihrem Reden klingt noch ein leises Sondieren. I Bist Du es auch wirklich? Und bist Du es noch 'ganz? Ist ?s keine Täuschung, kein Traum bloß? I
Turke Allmers, ber Kühle, Nüchterne, wun- I Jette sich die ganze Zeit schon über sich selbst. Wie xEtcei<r eigentlich dazu, so aus freien Stücken den I 3U spielen! Er hatte doch wahrhaftig I » ''"eres zu tun. Besseres? Spöttisch verzog er
AE Jürke, Jürke! Willst Du am Ende ®te Gesellschaft der alten Rechnungsbücher der I Ueses jungen, reizenden Weibes vorziehen? I Meuchle doch nicht, Jürke! |
• Und sie? Auch sie kam aus dem Erstaunen I xE. ihr eigenes Tun nicht heraus. In einer t un Traumstimmung ging sie neben tbm i
®te kam sie dazu, mit dem ihr fremdem I »ranne in der ihr ebenso fremden Stadt herum- '
Vierteljährlicher Bezugspreis. Btt oer Expedition 2 Mk.,
Jl'g 91(1 bei allen Postämtern 2,25 Mk. .exct. Bestellgeld). MUlVUrg Erscheint wöchentlich.sieben mal.
Donnerstag. 3. Dezember 1903. "*