Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreis-latt für dre Kreise Marburg und Kirchhain.

Lonntagsbeilag«, Mvyri^-s SrnrniaMlatt.

JK 309

VicrlkljLbrlichei SJtjugH।<i« Ct m Expedition 2, bn allen Postämtern 2,2£> Ml <c£cL Bestellgeld).

JnjertionSgedühr: die gespaltene Zeile oder vcre« Raum 10 Pfg.

!l,rclamei.' dir Zei,e 2' Psg.

Marburg

Mittwoch. 2. Dezember 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh.Au-. Koch, UmversitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55,

38. Jahrg.

Erstes Blatt.

Enqiaild und Tibet.

Die Engländer haben sich drein gefügt, daß die Mandschurei endgiltig zu Rußland gehört. Aber gleichzeitig mite der Erkenntnis, daß das Schicksal der Mandschurei unabwendbar sei, ist in ihnen auch der Entschluß gereift, sich an anderer Stelle zu entschädigen, und so sind sie jetzt in West- und Mittelasien eifrig bei der Arbeit. Hier erscheint eine Kommission zu Grenzregulierungen, dort eine wissenschaftliche Expedition; wo dies aber geschieht, ist auch immer englisches Militär zu schaueit, das für die Befriedigung de§ englischen Länderhungers zu sorgen hat. In der persisch- usghanischeu 'Grenzlairdschaft Seistan wirkt eine Kommission, um die durch die Veränderung des Wasserlaufes eines Flusses entstandenen persisch- persisch-afghanischeir Erenzstreitigkciten zu schlich­ten. Nach Beludschistan hin soll die Seistangrenz; festgelegt werden, natürlich in der Form, daß ein Stück Land von den Afghanen an den unter eng­lischer Verwaltung stehenden Teil von Beludschi­stan abgetreten >vird. Der Teheraner englische Gesandte hat int Verein mit kommerziellen und militärischen (!) Sachverständigen und in der Be­gleitung einer großen Eskorte eineStudienreise" nach dem Persischen Golf angetreten, die bis Bas- sorah und Bagdad ausgedehnt werden soll. Und schließlich sind auch im Hinterland von Aden Grenzstreitigkeiten zu schlichten.

Alle diese Unternehmungen sind gewiß be­achtenswert und erfreuen sich namentlich auf rus­sischer Seite eines besonderen Interesses. Sie treten aber an Bedeutung hinter der nach Tibet ausgerüstete,r Expedition weit zuriick. Zur Vor­geschichte der englisch- tibetanischen Verwicklungen fei folgendes, mitgeteilt: Seit einiger Zeit klagte man auf indischer Seite darüber, daß der Handel zwischen Indien und Tibet wegen Nichtbeachtung der bestehenden Verträge von feiten Tibets zum Stillstand gebracht worden sei. Man kündigte darauf der tibetanischen Negierung an, daß eins Kommission zur Besprechung der Handelsfragen nach Tibet kommen werde. Als diese Kommission, die,man unter militärischen Schutz zu stellen für nötig hielt, auf tibetanischem Gebiet eingetrofscn war und von dort ihre Ankunst in Lhassa gemeldet hatte, erschienen tibetanische Unterbeamte, die er- klärten, nur dann verhandeln zu können, wenn die Engländer sich auf indisches Gebiet zurück- zögen. Die Antwort war die, daß Oberst Iounghusband sich verschanzte. Seit dieser Zeit machten die Tibetaner den Englätidern Schwierig­keiten auf Schwierigkeiten, und die schlauen Briten fanden darin willkommenen Anlaß, ihre friedliche Expedition in einen Kriegszug umzuwandeln. Meldungen aus englischer Duelle versichern, der Vormarsch des englischen Führers Obersten Naunghusband stehe unmittelbar bevor. Die Re- giernng von Tibet aber verteilte bereits große Mengen von Genvhren und fordere die Bevöl­kerung auf, sich zm Kriege vorzubereiten. Der Dalai Lama hoffe einmal auf Nepals Hllfe; doch

15 -Nachdruck verboten.)

Frau Haowig.

Eure Strandgeschichte von Ella Lindner. '^c-Oehing.'

Dem norddeutschen Tiefland braust der Schnellzug entgegen. Es ist noch früh am Mor­gen. und weiße Nebel ziehen über die Ebene. In der Ferne taucht ab und zu gespenstisch eine Wind­mühle auf, und je weiter man nordwärts kommt, desto ernster wird die Gegend, die beinahe einen schwermütigen Charakter annimmt. Und diesen Eindruck verstärken noch die nachdenklichen Augen stiller, schilfumwachsener Seen. Zu beiden Seiten der Bahn blüht schon die Heide. Zwischen dunk- len Kiefernwaldungen liegen kleine Dörfer mit seltsam altertümlichen Kirchen. Auf den leuchten- deti Ziegeldächern der Bauerithäuser nisten die Störche. Frau Hadwig ist entzückt, und dies Ent­zücken spiegelt sich so lebhaft auf ihren Zügen wie­der, daß der Fremde sie mit steigendem Interesse betrachtet. Ihm ist die Gegend längst nicht mehr neu, Strauch und Baum kennt er hier, und ge­wöhnlich verschläft er die ermüdende Bahnfahrt. Aber heute - diesem jungen Geschöpf gegenüber, von dem man fast glauben möchte, daß es zum ersten Male in die Welt führe ist natürlich an schlafen nicht zu denken. Wenn man nur eine Unterhaltung an knüpfen könnte! Aber es bietet sich dazu gar keine Gelegenhest, obschon er, Jürke Allmers, sonst gar nicht um Annäherungsversuche verlegen ist, sobald es sich um eine schöne Frau handelt. Schön kann man die Fremde nicht ein­mal nennen, das heißt, wenn man von dem klassi- ischen Schönheitsideal ausgeht, aber anziehend fin- ^det er sie, sehr anziehend, wie sie so dasitzt, die Hände im Schoß gefaltet, mit großen strahlenden Augen und einem verzückten Lächeln um den Mund. Und bei allem Sichgehmlassen liegt doch

halte Nepal zu England. Vor allem aber glaube man in Lhassa bei Rußland Hilfe zu finden.

Natürlich wollen englische Blätter Glauben machen, die britische Regierung wolle nur gegen die einseitige Bevorzugung Front machen, die Rußland beim Dalai Lama erfahre. So betont derDaily Chroniele", daß Rußland nicht nur einen wachsenden Einfluß in Tibet ausübe, son- dern seit Abschluß des russisch-chinesischen Ver­trages vom Jahre 1902 tatsächlich beherrsche. Nach diesem Vertrage habe Rußland die Vertval- tung Tibets übernommen, und China habe, da es sich selbst zur Erhaltung des Friedens in Tibet nicht stark genug fühle, diese Aufgabe an Rußlaild abgetreten. Dieses habe sich ausdrücklich ver­pflichtet, die Truppen Tibets nach europäischem Muster zu reorganisieren.

Rußland würde sich jedenfalls freuen, wenn sein Einfluß in Tibet tatsächlich so groß wäre. Gewiß ist es der Regierung des Zaren gelungen, sich in der geheimen Wunderstadt Lhassa, die keines Ungläubigen Auge schauen darf, diplo­matisch in ganz bescheidenen Grenzen festzusehen. Während des chinesischen Krieges entsandte der Dalai Lama sogar eine Gesandschaft zum russischen Kaiser , und dieser tauschte mit dem Abkömmling Buddhas Geschenke aus. Aber direkten Zutritt zum Lamareiche hat auch Rußland nicht erlangt. Wohl wurden Expeditionen ausgesandt, die in der russischen Presse gleichfalls das Beiwort wissenschaftlich" erhielten und natürlich von starken Kosakentrupps begleitet waren. Allein diese Expeditionen mußten, mit mehr oder we­niger Nachdurck aus dein Lande hinauskompli- mentiert, ebenso schnell wieder zurückkehren, wie die Forscher und Spione anderer Länder. Darum sicht jetzt auch die russische Regierung deit eng­lischen Unternehmungen vorerst gelassen zu. Sollte die englische Expedition wider Erwarten bessere Erfolge haben als ihre russischen Vorgängerinnen, dann dürfen die Tibetaner der diplomattschen Unterstützung Rußlands sicher fein. Zunächst zweifelt man aber in Petersburg daran, daß eng­lische Gewehre die seit Jahrtausenden verschlos­senen Türen des Lamareiches einstoßcn ivcrben.

Umschau.

R e i ch s ei n n a h m e n.

Die Jsteinnahme an Zöllen und Verbrauchs­steuern für die ersten sieben Monate des laufenden Etatsjahres, die der Staatssekretär deS Reichs- schahamtes bei -der Einbringung des Etat? im Reichstage zur Grundlage der Schätzung des Er­gebnisses des laufenden Jahres zu nehmen pflegt, beläuft sich auf 458,9 Millionen Mark oder 11 Millionen Mark mehr als in dem gleichen Zeit­räume des Vorjahres-. An dem Mehr parti­zipieren die Zölle mit 8,1 Millionen, die Zucker­steuer mit 13,1 Millionen, die Salzsteuer mit 1 Million. Dagegen weisen die Tabaksteuer einen Minus von 0,6, die Maischbottichsteuer von 8,7, die Schaumweinsteuer von 0,3 Mill. Mark auf.

Von den übrigen Reichseinnahmen haben die ReichSstempelabgabeu ein Weniger zu verzeich­nen gehabt, wovon 7,1 Millionen Mark auf die Börsensteucr entfallen. Die Post- undTelegraPhen-

so viel Stolz in der ganzen Haltung! So viel rassige Vornehmheit!

Endlich macht es sich ganz boit selbst, daß sie ins Gespräch kommen, und im weiteren Verlaute desselben erfährt er nun auch ihr Reiseziel und daß sie in Bremen einen Tag bleiben möchte.

Kennen Sie Bremen bereits, gnädige Fran?" Er hat den breiten Ehering an ihrer Rechten ent- deckt, darum weiß er inbezug auf die Anrede so schnell Bescheid.

Ja, sie kennt Bremen, aber nur aus dem Führer. Trotzdem ist fie über sämtliche Sehens­würdigkeiten prachtvoll orientiert, besser wie man­cher Einheimische. Ein ganz klein bischen unbe­haglich ist ihr nur der Gedanke, so ganz allein in der fremden Stadt hernmstreichen zu müssen, aber da? wird sich geben. Sie ist so gar nicht mehr an das Alleinreisen gewöhnt. Natürlich! Er kann c5 dem beneidenswerten Gatten nicht verdenken, daß er solch reizendes Geschöpf lieber begleitet, anstatt es allein in der Welt herum- fahren zu lassen. Aber wenn er sich ihr zur Ver­fügung stellen darf? ES würde ihm ein beson­deres Vergnügen sein.

. ^nnrn mich ja kaum, gnädige Frau, doch vielleicht fassen Sie bis Bremen noch etwa? Ver­trauen zu mir"

"D" macht sie und wird ein wenig rot.

Bremen ist Jürke Allmers Vaterstadt, und Hadwig ist überzeugt, daß er einen sehr guten Cicerone abgeben würde. Ueberdies reizt sie auch das Außergewöhnliche der ganzen Sittiation, und da er sich während der Fahrt so gentleman like benimmt, wie sie es nur wünschen kann, so schwin­den auch die letzten kurzen Bedenken, und sie geht auf feinen Vorschlag ein. Und dann mußte sie Plötzlich lachen. Wenn man daheim wüßte alle die guten Freunde und Bekannten daß sie sich hier so arglos dem ersten besten Unbenmpien

verwalttmg hat ein Plus von 13 Millionen Mark, die Neichseiseiibahnverwaltung ein solches von nahezu 5 Millionen Mark erbracht.

Ferngespräch.

Einen Antrag auf Verlängerung der Ge­sprächsdauer für Ferngespräche hatte die Ver­einigung von Handelskammern des niederrheinisch westfälischen Jndustriebezirks an den Staatssekre­tär des Reichspostamts gerichtet. Es wurde emp­fohlen, bei Gesprächen von längerer Dauer die Gebühr auf drei Minuten überschießende Ge- sprächszeit auf die Hälfte der gegenwärtigen Ge­bühr zu ermäßigen. Der Staatssekretär hat die­sen Antrag mit folgender Begründung abgelehnt:

Die Annahme der Vereinigung, daß die Ar­beitsleistung des Vermittlungsbeamten durch das längere Fortbestehen einer einmal hergestellten Verbindung an sich nicht erhöht werde, ist nicht zutreffend; der Beamte hat die hergestellte Ver- hindung fortgesetzt zu beobachten und wird von dieser Tätigkeit ausschließlich in Anspruch genom­men. Die Verbindungsleitung wird während der ganzen Zeit anderweiter Verwendung entzogen. In dieser Beziehung macht es keinen Unterschied, ob es sich um die ersten 3 Mnuten einer Ge­sprächsdauer oder um eine die überschießende Zeit handelt. Der Grundsatz, daß bei Ueberschreitung der einfachem Gesprächsdauer für je£>e weitere Gesprächseinheit dieselbe Gebühr wie für die erste zu berechnen ist, wird auch im Auslande allgemein befolgt." _______

Der Roman von Forbach in F r a n k r e ich.

In welcher Weise di; VeröffentlichungAus einer kleinen Garnison" und der darauf folgende Bilse-Prozeß bei unseren französischen Nachbarn gewirkt hat, zeigt eine längere Darstellung deS PariserGil Bias", la decadence de 1arm^e allemande, deren Inhalt natürlich bereitwillig von einem Teile der englischen Presse übernom­men worden ist. Es heißt in diesem Artikel deS Gil Blas", daß der Dienst im Heere bei der großen Masse der Bevölkerung in hohem Maße unpopulär fei und daß die meisten Offiziere ihre Pflichten mechanisch und ohne inneres Jnteresir erfüllen. Mit dem geistigen Niveau der Armee gehe es schnell bergab, in den höheren und nie­deren Kommandostellen fehle es an Verständnis für dick militärischen Aufgaben und an Jnitiattve; das eigentlicheZiel aller militäcischenEiurichtungen und Hebungen, die Vorbereitung zum Kriege, sei völlig zurückgetreten, und jeder Offizier denke nur noch daran, wie er bei den Inspektionen sei­nen Vorgesetzten Sand in die Augen streuen könne. Schließlich läßt sich derGil Blas" zu der Anerkennung herbei, daß Alrsnahmen Vor­kommen, und daß die oberste Heereslestung intakt und in Ansehung geblieben sei.

Offenbar ist diese Fanfaronnade des Pariser Blattes darauf berechnet, die Schäden zu verhüllen, die in der französischen Annee bestehen und durch so manches Vorkommnis der letzten Jahre grell be­leuchtet wurden. Seit 1870 hat Frankreich Lin; nennenswerte Waffen tat aufzuweifen, die sich mit dem ehrenvollen Verhalten deutscher Truppe« mr-1--,1,___1___ aa aa

anvertraut. Sie sieht ordentlich das entrüftete Achselzucken der teuren Verwandtschaft und daS Nasenrümpfen der wohlerzogenen Basen vor sich. Jürke Allmers blickt fragend zu ihr hinüber, und sie klärt ihn noch immer lachend über den Grund ihrer Heiterkeit auf. Ihr freies, kluges Wesen gefällt ihm immer besser. Er hat sofort herauS- gefunden, daß sie keine Durchschnittsnatur ist, daß sie nicht in die Schablone paßt, in welche Welt und Gesellschaft so gern jede? Individuum pressen und zum täglichen Gebrauch formen möchten. Sie ist kein Alltagsgeschöpf. Jürke Allmers ist auf dem besten Wege, den Manu dieser Frau zu be­neiden.

Man nähert sich Bremen. Hadwig läuft jetzt ungehindert von einem Fenster zu in andern, freut sich über die Malven, die in den Gärten der Bahn­wärterhäuser bereits zu blühen beginnen, wundert sich über die roten Backfieindörfer und über die schwarzen Heidschnucken, die friedlich in der Ebene weiden,, und schließlich sagt, sie ihm auch, wie er­zürnt sie anfangs über sein Erscheinen gewesen sei.Aber nun bin ich doch froh"

Wirklich? Ein warmer Blick gleitet über die junge Gestalt.

Ja, denn ein lebendiger Führer ist sicher eiftem gedruckten vorzuziehen."

Ihm fällt ein, daß sie noch nicht einmal seinen Namen weiß. Er will das Versäumte nachholen aber sie wehrt ihm.

Der Name tut wirklich nichts zur Sache. Höchstens zerstört er eine Illusion. Glauben Sic, es könnte mir angenehm fein, wenn ich jetzt er­führe, daß Sie vielleicht Meier ober Schulze oder Müller heißen? Gott beschütz'!"

Sie haben recht. Wenn Sie sich zmn Beispiel als regierende Herzogin entpuppten*

Na sehen Sie wohl! Sie redeten am Ende vor lauter Ehrfurcht keinen Ton mehr. Und da?

beim Untergänge desIltis" und im Kampfe gegen die Peitang-Forts vergleichen ließe. Da­gegen ist die französische Heeresleitung gelegentlich des gewaltsamen Vorgehens gegen die geistlichen Kongregationen bei Offizieren und Mannschaften auf offenen Ungehorsam und fortdauernde Wider« setzlichkeit gegen die Befehle der vorgesetzten Be­hörden gestoßen. DerGil Blas" mag sich und und anderen das Vergnügen machen, nach dem Vorbilde des britschen Ex-Kolonialministersen Ruf des deutschen Heeres und sein Ansehen in den Augen der Welt herabzuwürdigen. DasVolk in Waffen" kann durch folche Angriffe aus feiner Ruhe und aus seinem Vertrauen zu der Führung und Organisation des Heeres nicht herausgebracA werden.

Dem Verein deutscher Lehrerinnen in England.

hat, wie wir bereits berichtet haben. Seine Maje­stät der Kaiser zur Förderung feiner Bestrebungen ein Gnadengeschenk von 2500 Mark überweisen lassen. Der Verein konnte bereits vor 2 Jahren sein 25jähriges Bestehen feiern. Gegenwärtig zählt der Verein 700 Mitglieder, besitzt 3 Häuser, und entwickelt im Interesse derjenigen deutschen Lehrerinnen, die in England beschäftigt sind oder dortselbst Stellung suchen, eine überaus ersprieß­liche Tätigkeit, indem er ihnen nicht nur Rat und Unterstützung, sondern auch gastliche Unterkunft darbietet. Zu feinen größten Verdiensten gehört die Organifatton der Stellenvermittlung für deutsche Lehrinnen in England auf gemeinnütziger Grundlage unter Beseitigung der früher mafe< gebenden und minder vertrauenswürdigen Privat- Vermittler.

Deuilchts Reich

BerUn, 1 Dezember.

Seine Majestät der Kaiser, der am Sams­tag Nachmittag eine Kriegsspiefbesprechnng ab­hielt, empfing am Sonntag den Reichskanzler, der auch an der Frühstückstafel teilnahm, sowie den deutschen Botschafter in Washington, V.Stern- burg. Am Montag hörte Se. Majestät verschie­dene Vorträge. Der Kaiser tvird, wie nunmehr bekannt wird, an den Letzliiiger Hofjagden nicht teilnehmen. Dem Bildhauer Professor R BegaS wurden die Brillanten zum Kreuz der Komture des Hausordens von Hohenzollern verliehen und zugleich richtete der Kaiser ein Handschreiben an ihn, in welchem er dem Künstler für das vollendete Meisterwerk des Sarkophags für die Kaiserin Friedrich dankt.

Die Kaiserin hat zum ersten Male den Ehrenschutz über eine wissenschaftliche Körperschaft übernommen. ES ist dies die Senckenbergischc nattirforschende Gesellschaft in Frankfurt a. M.

Der Bundesrat überwies die Uebersichtet über die Einnahmen und Ausgaben der Schutz­gebiete für 1901 und 1902, sowie die Vorlage, betreffend die Unfallversicherung der Seefchiffer, den zuständigen Ausschüssen und erteilte den Ausschußberichten über die Gesetzentwürfe, betref­fend die Feststellung des HausbaltsetatS für die Schutzgebiete aus das Rechnungsjahr 1904, b<*

wäre schade. Aber wollen wir nicht unsere Vor­namen austauschen? Ich heiße Hadwig."

Frau Hadwig, Herzogin in Schwaben! Da hat man es! Meine Ahnung trog nicht."

Der Vergleich belustigte sie und heiter gi**4 sie auf den Scherz ein.

Ja, Frau Hadwig, Herrn Burkhardts von Schwaben ehelich Gemahl."

Und ich, vielschöne Fra«, toenn Ihr nun mich um Stand und Namen fragt, so wißt, man nennt mich Ekkehard. Ich bin"

Des heiligen Gallus frommer Jünger," vol­lendete sie mit silbernem Lachen.

II.

Ekkehard entbietet Fran Hardwig feinen Gruß!"

Sie reicht ihm mit einem kleinen, halbver­legeneu Lächeln die Hand, die er küßte.

Ekkehard ist pünktlich."

Haben Sie geglaubt, daß ich die kostbaren Augenblicke durch Saumseligkeit bergeulen würde?" fragte er zurück.O nein, gnädige Frau, Bremens Söhne wissen die Stunden ju schätzen und zu nutzen."

Er betonte das letzte Wort besonders, aber sie achtete absichtlich isicht darauf. Langsam streifte sie den grauen Lederhandschuh über, den sie mit foviel Umständlichkeit zuknöpfte, als sei dies daS wichtigste Geschäft, welches es auf Erden geben könne. Er hatte inzwischen Muße genug, die fein­gliedrige Gestalt feiner Reisegefährtin ausgiebig zu bewundern. Eben strengte er sich an, ihre Handschuhmimmer ;n erraten, ob fünfbreibiertei oder sechs, als sie Plötzlich aiifschaute und ihm gerade ins Gesicht sah. so daß er erschrak wie ein ertappter Schuljunge.

(Fortsetzung folgt.)